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ABHANDLUNGEN DER NATURHISTORISCHEN GESELLSCHAFT ZU NURNBERG

XXI. BAND

VORGESCHICHTE IM ARBEITSGEBIET DER ANTHROPOLOGISCHEN SEKTION

MIT VIELEN TEXTABBILDUNGEN, GRUNDRISSEN PROFILEN UND 99 TAFELN

IMESEEBSTVEREAGZDERZGESELLSEFIAET NÜRNBERG 1929

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1917.

1917.

1922.

1923.

1925

1926. 1929.

PINHAET

Grabungsberichte von K. Hörmann:

Die Hallstatt- und die beginnende Latenezeit in der Umgebung von Nürn- bergYMitxATafelnkw.un 82 00 Bere S. 1-12, Tafel I-IV

DiegHlügelubeißlgernsdornie men er: S. 13—64, Tafel V—-XXlIll Hügel 7971 im Heiligenholz bei Schönberg S. 64—74, Tafel XXIV—XXVIll

Köschinger Forst bei Kasing, Bezirksamt Ingol-

STAU ne, Mae ee ae ee a elle meneneme. S. 75—120, Tafel XXIX—XL Die Petershöhle bei Velden in Mittelfranken (vorläufiger Bericht). Mit Anhang: GerollteaKnochent ee ee S. 121— 154, Tafel XLI—XLVII Die dritte Hallstattstufe im Gebiet der Anthropologischen Sektion und die Nekropole in der Beckersloh ........ S. 155— 248, Tafel XLVIII—LIX Bronzezeitgräber in Mittelfranken ..... S. 249—292, Tafel LX—LXXVII Mesolithikum und Neolithikum in Mittel-

IranKenie. onen Aue: S. 293—352, Tafel LXXIX—XCIX

Namen-aundsSachregistene ee er 353

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Abhandlungen

NATURHISTORISCHEN GESFILESCHALT =.

NÜRNBERG

XXI. Band.

Die Hallstatt- una sie beginnende Latenezeit in der Umgebung von Nürnberg. Mit 4 Tafeln Von Konrad Hörmann.

NÜRNBERG 1917. |

Akzidenzdruckerei Sebald Kommandite. | °- [2

Die Hallstatt-

und die

beeinnende Latenezeit in der

Umgebung von Nürnbere.

Mit 4 Tafeln

Von

Konrad Hörmann.

Die Hallstattkultur war keine allgemein-europäische Erscheinung; sie erstreckte sich als Ganzes nur über Teile Mitteleuropas, etwa vom 45. bis zum 50. Breitengrad, von Frankreich einschließlich der Alpen bis West- ungarn. Im angrenzenden Norden dauerte währenddem die Bronzezeit fort und der Süden hatte eine andere Eisen-, die sog. Villanovakultur, welche sich lebhaft weiter zur vorklassischen, griechisch-etruskischen Periode ent- wickelte. An eine strenge Scheidung ist dabei hier und dort nicht zu denken. Aber auch innerhalb ihres eigentlichen Bereiches stellt die Hallstattkultur weder zeitlich noch geographisch eine Einheit dar. Von einer älteren und einer jüngeren Hälfte hat man früher schon gesprochen. Hoernes teilt den hallstättischen Kulturkreis in vier geographische Provinzen oder Unter- gruppen. Die Umgebung Nürnbergs, das Arbeitsgebiet der Anthropologischen Sektion der Naturhistorischen. Gesellschaft, fällt in seine westliche Gruppe mit Süd- und Westdeutschland, der Nordschweiz und Ostfrankreich. Er nennt sie die Rhein-Rhonegruppe, während er die benachbarte Oberpfalz mit Nordböhmen, Nordmähren, Schlesien und Posen zur nordöstlichen oder Elbe-Odergruppe zählt*). Dieser Einteilung nach berühren sich also in unserem Arbeitsgebiet zwei regionale Gruppen der Hallstattzeit.

Reinecke’s Vorgeschichts-Chronologie befaßt sich mit der Zone nördlich der Alpen, beschränkt sich also in der Hauptsache auf Süd- und West- deutschland; er zieht aber natürlich auch die anderen Hallstattgebiete in seine Untersuchungen ein und daher gilt seine chronologische Teilung in vier Stufen A bis D mit 200, beziehungsweise je 150 Jahren Dauer der Hall- stattzeit im allgemeinen. Hoernes dagegen behandelt seine geographischen Provinzen nicht gleichmäßig; bei zweien behält er die alte Einteilung in eine ältere und eine jüngere Hälfte bei, einer, der südöstlichen, weist er drei Unterstufen zu und nur für die Rhein-Rhone-, also unsere Gruppe, hat er die vier Stufen der Reinecke’schen Aufstellung übernommen, nennt sie aber nicht nach ihm, sondern nach Schumacher, gibt auch etwas andere Jahrzahlen. Das erweckt den Anschein, als wäre dieser der Urheber der Stufenteilung, veröffentlicht und beschrieben aber hat sie Reinecke.

Vom 6. Jahrhundert an brachte die von außen hereingetragene, als keltisch betrachtete Latenekultur große Teile des hallstätter Kulturkreises - zurAuflösung; Reinecke teilt siebekanntlich gleichfallsin vier Zeitstufen, AbisD.

*) Kultur der Urzeit III Eisenzeit, S. 66 (Sammlung Göschen).

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Die Hallstattzeit und die erste Latenestufe sind für die Vorgeschichte im Arbeitsgebiet der Anthropologischen Sektion Nürnberg von Wichtigkeit, denn die erstgenannte ist hier gut vertreten und mit der zweitgenannten schloß, bisher wenigstens, die Vorgeschichte unseres Gebietes. Die Reinecke’sche Stufenteilung ist in Bayern ganz einmütig und ohne Nach- prüfung zur Annahme gelangt. Widerspruch war auch gar nicht zu erwarten, denn die Formenfolge ist typologisch so wohl begründet, daß sich nicht daran rütteln läßt, sie bildet die wissenschaftliche Grundlage unserer Prä- historie. Nachdem die Stufeneinteilung nunmehr längere Zeit praktischer Nutzanwendung hinter sich hat, darf man sie wohl soweit der enge Horizont eines räumlich nicht sehr ausgedehnten Arbeitsfeldes und die nur gele- gentliche Tätigkeit auf prähistorischem Gebiet dies erlauben einer kri- tichen Betrachtung unterziehen.

Reineckes Hallstattstufen sind im Nürnberger Arbeitsgebiet nicht alle nachweisbar. Wir haben Stufe A, sogar verhältnismäßig reichlich: Herolds- berg, Kirchehrenbach, Mühlanger und Altensittenbach mit seinem Urnen- friedhof in der Niederterrasse der Pegnitz. Auch am Unterlauf der Pegnitz hat es in nächster Flußnähe Urnenfriedhöfe dieser Stufe gegeben, min- destens die eine, früher für neolitisch gehaltene Station bei Mögeldorf*) gehört hierher und vielleicht stammen auch die kleinen Gefäßchen vom Racknitzgarten in Nürnberg**) aus einem längst zerstörten solchen Urnen- friedhof. Aber die Typen der hier aufgezählten Frühhallstatt-Lokalitäten sind nicht einheitlich. Die Hügelgräberkeramik hat mit wenig Ausnahmen { Hallstattcharakter. Die Urnenfriedhöfe aber, Altensittenbach und der Rack- nitzgarten, fallen teilweise aus dem Hallstattschema heraus mit vereinzelten Formen der Lausitzer Keramik***), welche auch in der Henfenfelder Jüngste Bronzezeit-Nekropole schon Vertreter hat. Sie stehen damit . nicht vereinzelt in Nordbayern: in der Oberpfalz bei Labersricht (unver- öffentlicht), Dürn und Hatzenhof, in Unterfranken bei Ochsenfurt kommt | dieselbe Keramik vor, welche außer in Böhmen in Norddeutschland ihr eigentliches Verbreitungsgebiet besitzt.

Die Hallstattstufe B ist in den Reinecke’schen Typentafeln für Süd- westdeutschland, bezw. das Rheinland in den keramischen Formen klar festgelegt; sie steht entwicklungsgeschichtlich zwischen den Stufen von A und C so offensichtlich, daß sie auch theoretisch nicht besser konstruiert werden könnte, als sie dort die Funde bieten. Auffallend ist nur der Mangel an Metallgeräten. In unserem Arbeitsgebiet fehlt Stufe B vollständig. Reinecke bildet zwar ein Schwert mit Ortband von Günching aus der

*) v. Forster, d. Besiedlung d. Nürnberger Landes in vorgesch. Zeit, Festschrift z. Geographen-Tag 1907, Abhandlg. d. Naturh. Ges., 17. Bd., S. 156. **) L. Wunder, vorgesch. Denkmäler in der Umgegend von Nürnberg, Festschrift d. Naturh. Gesellsch. 1901, Taf. 32 S. 239 (45). ***) v. Forster, 17 Bd., S. 154 unten.

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Sammlung zu Neumarkt i. ©.*) ab, die sonstigen Beigaben im Hügel aber gestatten nur die Annahme, daß die Beisetzung zur Zeit der Hallstatt C-Stufe stattfand. Das Grab in der Bettelleite (7167)**) habe ich zwar trotz seiner von mir hervorgehobenen Hallstatt A-Keramik zeitlich an den Anfang der Stufe B gestellt, weil mir die Begräbnisform für A befremdlich schien; typologisch aber ist Stufe B bei uns nicht nachweisbar.

Stufe C und D dagegen sind nicht nur vorhanden, sondern geradezu charakteristisch für unser -Gebiet, ich brauche darauf nicht weiter einzu- gehen. Die folgende Zeit, Latene A, ist eine Neubildung Reineckes; sonst werden diese Formen größtenteils noch zur ausgehenden Hallstattzeit ge- rechnet, aber stilistisch hat Reinecke Recht, denn vieles daran ist gar nir- gends anderswo unterzubringen als in Latene. Bei uns ist sie vertreten, ja, Reinecke hatte bei Aufstellung dieser Stufe unseren Landesteil besonders im Auge; er sagt: „Das Gebiet dieser Gräber umfaßt den fränkischen Jura (und teilweise das vorgelagerte Keupergebiet)”***). Das brauchtsich zwar nicht ausschließlich auf die Nürnberger Sammlung zu beziehen, aber immer- hin ist sie stark daran beteiligt.

Bisher endete bei uns mit Latene A die Vorgeschichte und auch in Nordostbayern und Böhmen bricht zum mindesten mit der nächsten Stufe diese Gruppe scharf ab, die Siedlungsreihe beschließendf). Zwei Fibeln von. Latene B, aus der Beckersloh und von der Houbirg, konnten als Einzel- erscheinungen bisher unbeachtet bleiben. Es sind aber neuerdings in unserer Nachbarschaft mehr hinzugekommen, bezw. bekannt geworden, so aus der Oberpfalz, von Kirchehrenbach bei Forchheim, von der Tiefen- thaler Höhe bei Schwabthal und vom Staffelberg in der Dr. Roßbachsamm- lung und es besteht alle Aussicht, daß auch die übrigen Latenestufen für unser Gebiet, auf der Houbirg, noch erschlossen werden. Für die folgenden Ausführungen ist das aber nicht von Belang.

Von den aufgezählten Reinecke’schen Stufen fehlt also Hallstatt B in unserem Arbeitsgebiet. Mit dieser Feststellung läßt sich aber nicht viel anfangen, da die Grabungen des kgl. Konservatoriums, bezw. anderer Ver- eine, über welche keine Berichte vorliegen, sie möglicherweise in unserer nächsten Nachbarschaft erschlossen haben können. In Unterfranken scheint Stufe B freilich auch zu fehlen, wie man nach Hocks Führer durch das Fränkische Luitpoldmuseum in Würzburg wohl annehmen darf und Reinecke sagt selbst, daß die Verbreitung dieser Stufe innerhalb Süddeutschlands keine einigermaßen gleichförmige ist, erklärt es aber aus der augenblicklich (1908) noch zu geringen Zahl der Fundeff). Sollte jedoch die Stufe für

*) Altertümer unserer heidn. Vorzeit V No. 999 und Text S. 315.

**) Festschrift zum Anthrop. Tag 1913, S. 124.

***) Altertümer unserer heidn. Vorzeit V, S. 284: bei Reinecke eingeklammert. T) Dasselbe S. 334.

TT) Altertümer V S. 320.

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Nordbayern wirklich auch weiterhin ausfallen, dann bekäme die Hallstatt- zeit bei uns ein anderes als das ihr durch das Reinecke’sche Schema gegebene Gesicht, sie würde wie ehedem und wie Hoernes für die beiden anderen mitteleuropäischen Gruppen es beibehält in die einfache Schichtung einer älteren und jüngeren Hallstattzeit zerfallen, welche so ungefähr mit Reineckes Stufe C beginnt. Die Hallstattstufe A müßte man dann auch hier zur jüngsten Bronzezeit rechnen, zu welcher sie, wie Reinecke*) selbst sagt, anderwärts z. B. im Römisch-germanischen Zentralmuseum in Mainz, typologisch und kulturell auch gerechnet wird. Auf welche Weise sich der hierdurch ent- stehende Hiatus von schematisch 150 Jahren erklären würde, ob man eine ansiedlungslose Zeit einzuschalten hätte, oder ob eine langsamere Entwick- lung zu chronologischen Schiebungen veranlassen müßte**), das würde dann Aufgabe zukünftiger Grabungs- und Forschungstätigkeit sein.

Dies leichthin auszusprechende Ziel ist aber nur schwer Sreichba Legt man die Reinecke’schen Typentafeln nebeneinander, so sieht man, daß die Formen von hie und da importierten abgesehen wie aus sich selbst heraus in neue hineinwachsen, sich entwickeln. Die Stufenteilung ist eben eine Zeit und Völker, Technik und Material berücksichtigende Stillehre, welche die Formenbildung zusammenfaßt und daraus bestimmte Zeitabschnitte folgert. Die formverändernde Wirkung der Zeit ist vier Stufen hindurch auf jeweils 150 Jahre angesetzt. Da aber nicht alle Gegenstände gleichviel Zeit ge- braucht haben werden, auch nicht eine Gegend wie die andere in gleicher Verkehrslage war und nicht alle Funde nur typologischen Hochperioden angehören können, so muß sich die Wirklichkeit bei dieser, wie bei jeder anderen schematischen Chronologie manchmal anders darstellen als es dem Schema nach sein sollte, oder anders gesagt, wenn man sich nur an das Schema hält, wird man die eben gestellte Aufgabe nicht lösen, der kompli- zierten Wirklichkeit nicht näher kommen können. Typologisch eindeutige Funde sind ohnehin selten in den schwer zu behandelnden Hügeln dieser. Zeiten, auf welche wir bisher mangels Siedlungen angewiesen waren und welche oftmals eher Friedhöfe als Einzelgräber zu sein scheinen. Wie schwierig es ist an den Funden andere als die hergebrachten typologischen Erscheinungen abzulesen, möge der folgende Versuch beweisen. Zur Ver- fügung stehen die Keramik, die Metallgeräte und die Bestattungsweisen.

Zuerst die Keramik; von Hallstatt A sagt Reinecke***), daß sie den wesentlichsten Anteil an der Grabausstattung hat; bei B „bildet sie den wesentlichsten Bestandteil des Formengutes”’. In C „pflegen die Gräber.... reichlich mit Tongeschirr ausgestattet zu sein”. Aber in D: „Seltsamer Weise fehlt die Keramik nahezu ganz’. Latene A „fehlt es zwar keines-

*) Altertümer unserer heidn. Vorzeit V, S. 239. **) Reinecke warnt davor siedlungsgeschichtliche Tatsachen daraus zu folgern, aber eine Ursache muß doch vorhanden sein. ***) Altertümer unserer heidn. Vorzeit V.

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wegs an Keramik, aber die Gräber sind äußerst arm an Tongeschirr; mit den gleichen Worten ist von Latene B die Rede und in C „gehört Keramik zu den fast unbekannten. Dingen’. Erst vom Ende der Lateneperiode, das außerhalb dieser Betrachtungen liegt, kehren sich die Verhältnisse wieder ins Gegenteil um.

Aus dieser Zusammenstellung geht klar hervor, daß der Keramik nach einesteils die Hallstattstufen A bis C, anderenteils die Stufe D mit den drei Latenestufen zusammengehen. Die Töpferei ist selbstverständlich nicht während der letztgenannten Perioden aus der Mode gekommen oder auch nur vernachlässigt worden. Aber ihre Erzeugnisse sind eben plötzlich weg und das Warum ist aus den Gräbern anscheinend nicht ersichtlich.*) Das ist ganz interessant, ist aber nicht weiter verwertbar, denn die Wirkung wird durch die anderen Funde, die Metallgegenstände z. B., aufgehoben. Diese lassen nur den gleichmäßigen Fluß der Formen, von dem oben die Rede war, erkennen, und ein gelegentliches Neuauftauchen anderer: Hall- statt B bringt die Eisenschwerter, C hat Wagen, Eisenlanzen und (nach Reinecke S. 404) Hiebmesser, D setzt mit Dolchen ein, Latene A mit Kurzschwertern, die folgenden Stufen mit langen Schwertern usw.

Nun zu den Bestattungsformen; sie wechseln häufig und ihre Be- trachtung wirkt ebenso verwirrend wie ihre Aufzählung: Hallstatt A hat Flachgräber mit Leichenbrand (bei uns auch Hügelgräber, vereinzelt auch Bestattung); Stufe B fast dasselbe; in Stufe C überwiegen Hügelgräber, in D sind sie typisch, Latene A hat Grabhügel, aber auch Flachgräber. Auch die Unterscheidungen von Leichenbrand und Bestattung führen angesichts des ständigen Nebeneinandergehens beider zu gar nichts. Nebenbei sind die Hügelbauten von einer unerschöpflichen Mannigfaltigkeit. Typologie und Schema sind die unerläßlichen wissenschaftlichen Hilfsmittel der Forschung, aber sie schließen andere, wenn es solche geben sollte, nicht aus. Die Schwierigkeit, unsere Einsicht einen Schritt vorwärts zu fördern, ist ohnehin groß genug, um den Versuch einer Einschaltung noch anderer Gesichtspunkte gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Der Lokalforscher ist berufen, die Steine zum Bau des Lehrgebäudes zusammenzutragen, aber es wird ihm sauer, denn häufig erkennt er vor lauter Steinen nichts vom Bau.

Das Studium der Bestattungsweisen und ihrer Entwicklungsgeschichte

_ kann man zwar auch, wie Kossinna es tut, als eine Aufgabe der typologischen

Forschung bezeichnen, aber doch wohl nur, wenn es sich um die geistige Ver- arbeitung der Grabungsresultate handelt. Eine Ausgrabung läßt sich jedoch nicht nach typologischen, sondern man mußsie nach archäologischen Methoden ausführen. Das Begräbniswesen steht aber in engen Beziehungen zur Ethno- logie und sie verdient deshalb mit herangezogen zu werden. Tut man dies,

*) „Ihr seltenes Vorkommen in Gräbern könnte auf rituelle Gründe zurückzuführen sein‘‘, sagt Schumacher Prähistor. Zeitschr. VI S. 257, „in La-Tene, wo auch verhältnis- mäßig wenige Scherben erhoben sind, ist es auffallend.‘

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dann finden sich auch wichtige und neue Gesichtspunkte zur Würdigung unserer Hügelgräber. Beobachtungen dieser Art können natürlich nur während der Ausgrabung gemacht werden. Das archäologische Ziel wird erreicht durch das saubere Herausholen der Funde, Einmessen, Notieren, ihre tunlichste Wiederinstandsetzung und ihr ordentliches Auf- stellen. Das genügt vollständig für viele Begräbnisarten, die einfachen Urnengräber, Einzelbestattungen, Reihengräber, nicht aber für die kompli- zierten Hügelgräber mit ihren mannigfachen Problemen der Gleichzeitigkeit von Verbrennung und Bestattung, von Totenopfern und Nachbestattungen. Das ethnologische Ziel schließt das archäologische ein, stellt aber darüber hinaus die Forderung, daß soweit möglich die Vorgänge aufgedeckt und für immer festgehalten werden, welche während der Beisetzung statt- gefunden haben. Diese Gesichtspunkte sind für die Grabungen der Anthro- pologischen Sektion maßgebend; doch ist es am Platz hinzuzufügen, daß der Erfolg das erstrebte Ziel aus einer ganzen Reihe von Gründen niemals völlig erreichen kann.

Die bisherigen Erfahrungen gestatten folgende allgemeine Feststel- lungen, über welche ich z. T. an anderer Stelle schon berichtet habe*), Den uralten Anschauungen über das Fortleben nach dem Tode gemäß verstand es sich von selbst, daß der Tode an Schmuck und Waffen ins Grab mitnahm, was er im Leben bei sich geführt hatte, dann eine Weg- zehrung, und wenn ihm dies zustand, auch seine Bedienung. Die Schmuck- und Waffenbeigaben können außer Betracht bleiben, denn darin sind sich alle Vorgeschichtsepochen so ziemlich gleich; auch von der hie und da mit- gegebenen Bedienung soll hier nicht weiter die Rede sein, sie kommt nur ausnahmsweise vor und der Beweis ist umständlich zu führen. Das augen- fälligste Merkmal ist aber die Wegzehrung. In der Bronzezeit wurde sie in einigen Gefäßen dem Toten um den Körper gesetzt, oder um die Urne, welche den Leichenbrand enthält. Diese vergleichsweise einfachen Vorgänge entwickelten sich während der Hallstattzeit zu einem umfangreichen System und gegen Ende dieses Zeitabschnittes lassen sich zwei ganz verschiedene geistige Strömungen erkennen, die unabhängig davon sind, ob die Toten verbrannt oder beerdigt wurden. An den beigegebenen Abbildungen, größten- teils Wiederabdrücke aus der Festschrift zum XLIV. Anthropologenkongreß, XX. Band der Abhandlungen der Naturhistorischen Gesellschaft 1913, läßt sich dies leichtlich nachweisen.

Am Anfang der Hallstattzeit nahm nur die Zahl der Gefäße um die Leiche zu, s. Tafel I; dem Toten zur rechten Hand legte man Stücke Fleisch von Schaf oder Schwein bei Tafel I No. 19. Im Grunde genommen blieb dies während der ganzen Hallstattzeit so, Tafel II No. 7, doch trat mit der Zeit mehr hinzu und die Trink- und Speisegaben wurden in Gruppen gesondert aufgestellt: rechts vom Leichnam wurde ein ganzes Buffet

*) Korrespond.-Blatt d.D.G.f. AEU 42, 1911 S.34: die rituellen Beigaben in Hügel- Gräbern Nordbayerns.

errichtet mit großen Tonkrügen und Schöpftassen für Getränke, daneben Schüsseln und Teller, wahrscheinlich für vegetabilische Beigaben, s. Tafel II und in der folgenden Veröffentlichung Igensdorf 7704. Ob das alles für den eigenen Gebrauch des Toten gedacht war, oder als Opfergabe für die Unterweltlichen zu denen die Reise ging, läßt sich nicht sagen. Umgeben von diesem Reichtum an Naturprodukten, der auf eine ackerbautreibende ansässige Bevölkerung hinweist, lag der Tote aufgebahrt, etwas höher, manchmal auch beträchtlich höher als die Gefäße. Verbrannte Tier-, wohl kaum Menschenknochen, am Hügelrand, weit von der Beisetzung entfernt, stellen vielleicht das Bauopfer für die Errichtung des Hügels dar, oder es sollte eine Art von Seelenwächter für den Toten sein. In Brandgräbern ist alles ähnlich, nur anscheinend einfacher, die Gefäße stehen in gleicher Ebene um den Leichenbrand herum, der viereckig aufgestreut oder auch in einer Urne gefaßt ist. Die Belege hierfür kommen in den nächstfolgenden Veröffentlichungen zur Abbildung. An Gefäßformen und Bronzen läßt sich typologisch feststellen, daß dieses Zeremoniell noch am Ende der Hallstatt- stufe D bestanden hat.

Zur gleichen Zeit aber, also noch während der Hallstattzeit und in der ersten Latenezeit trifft man auf eine völlig andere Begräbnisform. Das Buffet mit den Schüsseln, Tellern, Tonkrügen und Schöpfbechern ist gänzlich verschwunden, s. Tafel III ein Brandgrab der jüngsten Hallstatt- zeit, sonst in der Regel Skelettgräber mit ebensolcher dürftigen Ausstattung an Wegzehrung, siehe Hagenreuth*) 7333; Tafel IV Skelettgrab der Latene A-Stufe. Die Fleischbeigabe fehlt manchmal und manchmal ist sie reichlich, besteht dann aber meist aus Wild: Reh, Hirsch, seltener aus Haustieren und hat keine bestimmte Lage zum Toten, sie liegt irgendwo im Hügel. Die Leute haben mehr vom Erträgnis der Jagd als dem des Feldes gelebt. Die beigegebene Keramik besteht meist nur aus Scherben, in denen weder ein Opfer, noch eine Wegzehrung enthalten gewesen sein kann, ihr Vorhandensein muß also einen ganz anderen Gedankengang aus- drücken. Wo sich Gefäße finden, stehen sie nicht in einer Gruppe neben oder unter dem Toten, sondern über ihm an beliebigen Stellen und anscheinend planlos hingesetzt oder hingeworfen.**) Bei Brandleichen ist es ebenso: an der tiefsten Stelle ist nur Leichenbrand, die Gefäße und Scherben sind weiter oben; die formlose, von der vorgeschilderten denkbar weit verschiedene Art der Lagerung eines solchen immer isolierten Gefäßes im Hügel ist ersichtlich aus Abb. 38 Seite 143 der Festschrift von 1913. Die noch ausstehenden Hügelbeschreibungen werden weitere Beweise hierfür bringen.

*) Festschrift 191 3 S. 136 Hügel mit Bestattung in der Hagenreuth ohne Gefäße und nur ganz wenig Scherben: Grundriß und Profil sind deshalb als unnütz hier weggelassen.

**) Schumacher Präh. Ztschr. VI S. 238: ‚der so auffallende Mangel an Ton- geschirr in den Gräbern erklärt sich vielleicht durch die Mitgabe von (jetzt vergangenen) Holzgefäßen“. Der wesentliche Unterschied liegt aber nicht nur im Mangel, sondern mehr noch in der völlig anderen Art die Gefäße im Hügel unterzubringen,

Gegenüber dem starren, gewaltigen Zeremoniell der orthodoxen Hall- stattzeit erscheint diese Art der Beisetzung formlos, zügellos, roh und dem- gemäß stehen sie zu ersterem im größten Gegensatz. Da die Beerdigungs- feier immer ein bedeutungsvoller religiöser Akt ist, so enthüllen die darin Ausdruck findenden geistigen Strömungen zwei nebeneinander hergehende grundverschiedene Religionen, deren eine aus der Bronzezeit abstammt, an Ort und Stelle in langer Seßhaftigkeit während der Hallstattzeit sich entwickelt hat und dann verschwindet, in unserem Gebiet fast oder über- haupt spurlos. Die andere tritt nach den auf unser Arbeitsgebiet beschränkten Wahrnehmungen in der jüngeren Hallstattzeit unvermittelt auf und setzt sich in die Latenezeit hinein fort, wo sie alleinherrschend wird. Mangels eigener Beobachtung kann ich sie bis jetzt nur bis Latene A belegen.

Zur Feststellung der Merkmale beider Beisetzungsarten sind genaue topographische Feststellungen des Hügelinhalts unerläßlich. Solche wird zwar bei einer ernsthaften Grabung überhaupt Niemand unterlassen und tatsächlich begegnet man häufig genauen Angaben, z. B. 90, 60, 120 Zenti- meter unter der Oberfläche; aber wenn man versucht, sich danach einen ethnographisch verwertbaren Grundriß anzufertigen, so wird man erkennen, daß mit dieser Genauigkeit wenig anzufangen ist. Die Grundlagen solcher Be- obachtungen sind einwandfreie Grundrisse, Profile, Photographien, und sie müssen während der Grabung geschaffen werden, so lange die Topographie noch kontrollierbar ist, wie es z. B. bei neolitischen oder Urnen-Gräbern auch geschieht. Bei zerstörten Hügelgräbern, wie sie uns meist vorkommen, ist die genaue Feststellung besonders erschwert.

Aus den Profilen und Grundrissen soll das Verhältnis der Leiche oder des Leichenbrandes zu den keramischen Beigaben und deren Gruppierung erkennbar sein. Hügel mit nur einem Toten, wie die von mir gewählten Beispiele, zeigen das typische rituelle Erfordernis, den Durchschnittsritus. - Liegen in einem Hügel mehrere vollwertige, d.h. ebenbürtige Verstorbene, so hat entweder jeder eine ähnliche rituelle Ausstattung bei sich, wenn sie nach- einander bestattet wurden, oder sie sind gemeinsam beigesetzt worden, wie ich dies später bei dem noch unveröffentlichten Igensdorf 7361 nachzuweisen versuchen werde. Die dem Toten. allenfalls beigegebene Bedienung ist selbst nur Beigabe, kann also keinen Anspruch auf ebenbürtige Behandlung gehabt haben; das ist aus der Gruppierung der keramischen Beigaben ersichtlich. Wo Nachbestattungen vorliegen ist der Nachweis am Tatbestand und nicht bloß mit Worten zu erbringen, denn gerade die „Nachbestattung’’ ist ein Schlagwort, mit dem jeder Unfug möglich ist. Jeder, der eine Ausgrabung unternimmt, sollte bestrebt sein, die Durchschnittsriten zu kennen, wenner nicht unter Umständen mehr Schaden als Nutzen anrichten will. Wie die gegebenen Beispiele zeigen, ist es möglich sie bildlich und graphisch darzustellen. Dies könntefür dieprähistorischeForschungso wichtigwerden, daßsich ein Befähigungsnachweis für Ausgrabungen von der Kenntnis der Toteinriten abhängig machen ließe.

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Bei exakter ethnographischer Beobachtung läßt sich demnach mehr Erkenntnis aus den Hügeln herausholen, als wenn man nur auf Typologie und Schema angewiesen ist; anderwärts, wo dies verabsäumt wurde, sucht man vergebens sich Rat zu erholen. Es herrschten auch nicht überall dieselben Begräbnisriten während der Hallstattzeit; so scheinen sie in Hall- statt selbst ganz anders gewesen zu sein als bei uns, wo sie auch etwas variieren. Die gleichzeitigen Gräber Oberitaliens und des Kantons Tessin außer- halb des hallstättischen Kulturkreises enthalten zwar in den Bronzen typolo- gisch der Hallstatt D und Latene A Vergleichbares, sind aber ihrer anderen Anlage wegen nicht heranzuziehen. Für die Schweizhat Viollier eine ausführliche und zusammenfassende Arbeit über die Totenriten verfaßt. Aber von dem, was uns hier interessiert, weiß er nichts zu berichten. Vielleicht liegt eine Erklärung in den Worten: „Die Tumuli mit Bestattung sind die wenigst zahlreichen und durch einen unglücklichen Zufall sind sie im allgemeinen mit viel ge- ringerer Sorgfalt studiert worden. Beobachtungen über Totengebräuche fehlen fast ganz.” Meiner Erfahrung nach sind aber die Bestattungen in den großen Hügeln die günstigsten, allerdings auch die schwierigsten Studien- objekte. An anderen Orten stellt Viollier unter den Hallstatthügeln der

. Schweiz zwei Gruppen fest: die eine schließt sich an die süddeutschen Hügel

an und hat Überfluß an Töpferwaren; die andere ist eng mit dem Eisen- zeitalter des französischen Jura verknüpft und gekennzeichnet durch ein fast völliges Fehlen von Gefäßen. Es scheint also dort ähnlich zu sein, wie bei uns.

Damit sind wir wieder an der Stelle ange- langt, von der ich ausging, als ich Reineckes Be- schreibung der Keramik seiner Stufen zitierte. Die Typologie war nicht imstande eine Erklärung für diese plötzliche Änderung zu geben, bei der Ethno- logie aber klopft man nicht vergebens an. Wollte man die typologische und die ethnologische Ent- wicklung nebeneinander graphisch darstellen, so würde man folgende zwei Bilder erhalten:

Es wurde oben darauf hingewiesen, daß die Schwierigkeit, die vorgeschichtlichen Denkmäler unserer engeren Heimat in das reine Hallstatt- schema einzureihen, möglicherweise auch jetzt noch besteht, obwohl seit Reineckes Aufstellung geraume & e Zeit vergangen ist und viele neue Funde inzwischen an den Tag gekommen sind. Das ist eine Sache, die zunächst noch unsere Lokalforschung angeht; die Feststellung aber, daß gewisse Beobachtungen für den typologischen Maßstab nicht greifbar sind,

*) Die Latenestufen B-D mit Fragezeichen, da sie mir noch nicht vorgekommen sind.

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sondern nach einem anderen Instrument verlangen, hat auch Interesse für weitere Kreise und sollte deshalb nachgeprüft werden. Die Bestandteile einer Beisetzung wollen nicht zusammenhanglos als Gegenstände an sich und nur typologisch betrachtet sein, sondern insgesamt geben sie einer leitenden Idee Ausdruck, welche in dem Augenblick verloren geht und unkennbar wird, in welchem der Gegenstand den Zusammenhang mit seiner Bestimmung verliert. Denn hierher kam er nicht eines Selbstzweckes wegen, sondern als Mittel zu einem Zweck und dies zu erkennen liegt außer- halb des Rahmens der Typologie.

Nach allgemeiner Annahme kamen mit Beginn der Latene die Kelten von Westen her und tilgten den alternden Glanz der Hallstattformen. Die Hallstattleute wanderten aus, oder verschwanden sonstwie. Die Bestattungs- weise zeigt jedoch, daß schon während der Hallstattzeit etwas sehr wesent- liches, eine neue Religion auftaucht, allem Anschein nach die keltische, denn diese ist in der folgenden Periode die herrschende und daß beide eine zeitlang nebeneinander gehen. Um sie zu unterscheiden, habe ich schon bei der Aufstellung unserer Sammlung im Jahre 1912 die zwei Arten der Beisetzung in unseren Hallstatthügeln, wo dies nach den Fundberichten möglich war, auseinandergehalten, indem ich die einen mit „Beisetzung nach alter (Hallstatt-)Sitte”, dieanderen mit „Beisetzungnach neuer (Latene-)Sitte’ bezeichnete, wenn gleich dies ohne weitläufige Auseinandersetzung kaum verständlich ist.

Es ist nötig, diese Beobachtung auch anderwärts einer Prüfung zu unter- ziehen und entsprechend verwertbare Grabungsberichte beizubringen. Die Aufforderung zu Beobachtungen nach dieser von mir ethnographisch ge- nannten Richtung (das Beiwort kann man natürlich auch weglassen) dürfte aber mit dem Vorgebrachten für die Grabhügelforschung begründet sein. Es ist von berufener Seite, von Generalkonservator Hager in seinen ‚Grund- sätzen’ darauf hingewiesen worden, daß die Nachwelt und eine spätere Forschung mit wesentlich vervollkommneter Methode und geklärterer An- schauung arbeiten wird. Diese trostreiche Aussicht ist aber der Gegenwart keine Entschuldigung oder Entlastung für unvollkommene Methoden. Wenn hier wirklich ein Weg gegeben sein sollte, auf welchem sich unsere Kenntnis prähistorischer Vorgänge erweitern läßt, dann wird die Forschung es wahr- scheinlich nicht der Nachwelt überlassen ihn zu betreten.

Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel 1

Bettelleite bei Holnstein, Bez.-Amt Sulzbach i. O. Grab II (7167)

19 = Schafknochen

rechts neben dem Knie der Leiche

km 3m 2m Am Om

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Brandflecke

Aufbahrung der frühen Hallstattzeit

Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel 11.

Oberreinbach an der Zandt, Bez.-Amt Sulzbach i.O. No. 7317.

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6=Scherbenlager bez. Gefäßgruppe. 7=Schweinsrippe rechts neben der Leiche

Aufbahrung zur Zeit der Hallstattstufe C.

Abh. d. Nat Ges. Nürnberg XXI. Bd.. Tafel I11.

Weidlach bei Kalchreuth, Bez.-Amt Erlangen No. 7146.

wo Scherben [«} Eisen : Brandschicht.

Gefißgruppen fehlen: Einzelgefäße und Scherben weit und regellos zerstreut.

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Brandgrab.

Beisetzungsart vom Ende der Hallstattzeit.

Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel IV.

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Sulzbach i.O.

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Beisetzungsart der Latenestufe A.

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Abhandlungen

-NATURHISTORISCHEN GESELESCHAFT .

- NÜRNBERG

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XXI. Band. 2. Heft.

Grabungsberichte | der Anthropologischen Sektion

mit Grundrissen, Querschnitten und Tafeln.

Von Konrad Hörmann.

NÜRNBERG 1917.

Akzidenzdruckerei Sebald Kommandite,

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Be

Grabungsberichte

der

Anthropologischen Sektion

mit Grundrissen, Profilen und Tafeln.

Von

Konrad Hörmann.

DEN DRUCK DIESER ABHANDLUNG WÄHREND DES KRIEGES ERMÖGLICHTE

DURCH EINE HOCHHERZIGE SPENDE

HERR RICHARD G. WEIGMANN

IN LAUF BEI NÜRNBERG.

DIE VORSTANDSCHAFT DER NATURHISTORISCHEN GESELLSCHAFT

Igensdorf,

Bezirksamt Forchheim, Oberfranken.

Hügelgruppe im Waldteil Kammerloh. Tafel V bis XXI.

Literatur. Jahresbericht des Historischen Vereins von Oberfranken zu Bayreuth für das Jahr 1843/44 Seite 26. Lehrer Räbel-Weißenohe, Bericht über die Küchen- hoff’sche Ausgrabung im Jahresbericht 1882 des Historischen Vereins Bayreuth Archiv für Geschichte und Altertumskunde von Oberfranken XV. Band 2. Heft S. 325330. Professor Mehlis „archäologische Untersuchungen bei Gräfenberg‘‘ mit Skizze der Grab- hügelgruppe, Beiträge zur Anthropologie und Urgeschichte Bayerns Band VI 1884 Seite 144. Protokolle der Anthropologischen Sektion und Mitteilungen 1908 Nr. 3.

Allgemeines.

Grabungen. Von früheren Grabungen werden erwähnt: solche des Freih. von Künßberg auf Ermreuth; Grabung des Kantor Höfler zu Schönbrunn bei Wunsiedel im Mai 1844; „‚Schatzgräbereien und Grabungen aus den 50er Jahren‘ des vorigen Jahrhunderts; Ausgrabung von fünf Hügeln für das Germanische Museum durch Professor Küchenhoff am 16. und 18. September 1882; Ausgrabung von drei Hügeln für die Anthro- pologische Sektion der Naturh. Gesellschaft Nürnberg durch Professor Mehlis vom 17.—19. Sept. 1884.

Geologischer Horizont: Opalinuston, unterster Braun-Jura; infolgedessen Lettenboden und bei Regen während der Grabung breiiger Lehm in den Hügeln. Das Terrain fällt von Süd nach Nord ein.

Hügelbau: aus bodenständigem Material gebaut; die gelbbraune Farbe des Lehmes ist am Grund der Hügel manchmal mit blaugrauer Lehm- schicht durchsetzt. Blaugrauer Lehm auch um vermoderte Wurzeln herum, wie bei den Pfostenlöchern.

Steinsetzung: nachlässige, wenig umfangreiche Überdeckung des Be- gräbnisses; alle Steine oberhalb der Grabessohle; keine erkennbaren architek- tonischen Absichten. Verwendet sind ausschließlich Weißjura-Findlinge, schalige Steine von mäßiger Größe. Irgendwo außen am Rand im Lehm einige Steine in einer Reihe, ohne Andeutung irgend eines Zweckes.

Erd- oder Pfostenlöcher: bei jedem bisher, auch in den 3 von

Mehlis geöffneten Hügeln, weit außen einige Löcher im Lehm, wie von ver- 1*

16

schwundenen Pfählen oder Stangen, kaum von Wurzeln. Das Einzeichnen der Erdlöcher in den Grundriß der Hügel läßt keine planmäßige Anordnung erkennen. Der Querschnitt der Löcher ist rund, oval oder viereckig mit ge- rundeten Ecken. Die senkrecht in den Boden gehenden Löcher sind be- deutend weiter als die wagrecht b Abe führenden. Manchmal fand sich in den Löchern noch glattes, langfaseriges Holz, kein Wurzel- holz. (Die mitgenommenen Proben sind durch Austrocknung geschrumpft und krumm ge- zogen). Bei günstiger Erhaltung sind die Löcher Röhren mit harter, eisenschüssiger dunkel- brauner Oberfläche a, umgeben von einer blaugrauen, schmalen, sehr zähen eisenfreien Lettenschicht b. Der Hügellehm c begrenzt sie scharf mit eisenschüssiger Kruste, deren braune Farbe in diejenige des umgeben- den Hügellehms übergeht.

Photographische Aufnahmen. Steinsetzungen, Scherben- und Gefäß- gruppen sind alle in unberührter Lage wiedergegeben, so, wie sie nach sorgsamer Aufdeckung und nach oberflächlichem Putzen zum Vorschein kamen. Neben den Scherben wird in der Regel die Erde scharf abgestochen, damit sie sich von der Umgebung kennbar abheben; namentlich bei Regenwetter ist das notwendig. Kein Gegenstand wurde entfernt, bevor er eingemessen und photographiertt war. Dies gilt für alle Aufnahmen unserer Grabungsberichte.

UUWZUIDLLWUN UND

FANTTEARTAAIITTANITDITTM

Hügel 7361. Tafel V bis XI. Ausgrabung vom 29. April bis 4. Mai 1908.

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West von 225- 315 Grad

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Der Hügel, von J. Wunder im Katasterblatt früher als Hügel XII be- zeichnet, bildete mit zwei kleineren Erhöhungen, welche als Hügel 7362 und 7363 abgegraben wurden, eine etwas abseits liegende Sondergruppe der großen kammerloher Nekropole. Er hatte nach jeder Richtung 18 Meter Durch- messer und eine Höhe von 1 Meter. Oberfläche des Hügels bis tief hinab gestört; in der Mitte oben eine große Mulde, Steine waren ersichtlich heraus- und wieder hineingeworfen worden. Im Ostteil ein durch Stöckegraben ver- ursachtes tiefes Loch, möglicherweise den erwähnten Schatzgräbereien und Grabungen aus den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts zuzuschreiben. Daß aber schon viel früher Eingriffe gemacht wurden, erwies eine mittel- alterliche Scherbe bei 197° in Süd, 4,20 m von der Mitte und nur 20 cm über der Brandschicht.

Grabbau. Der Hügel bestand wie in der Kammerloh-Nekropole üb- lich, in der Hauptsache aus Lehmsand. Steinsetzung, von den Störungen ganz abgesehen, nachlässig und wenig ausgedehnt. Am Hügelrand Nord bei vereinzelt drei Steine, siehe Tafel VI4 und ‚St.‘ im Profil bei Nord, vielleicht bedeutungslos, aber hier erwähnt, weil dergleichen auch bei den anderen Hügeln beobachtet wurde. Die untere Steinlage deckte die Scherben- gruppen des Hügelkerns; sie reichte an keiner Stelle unter die Brandschicht. Im oberen Hügel Steine gehäuft, auch über den Leichen, aber Beobachtung beschränkt der Störungen wegen. Ausdehnung der Steinüberdeckung oben kleiner als unten.

Erdlöcher. Im ganzen zehn an verschiedenen Stellen, fast alle an Ost- und Südseite außerhalb Brandschicht und Steinsetzung, zwischen 6%, und 31), Meter von der Mitte. Die senkrechten Löcher meist oval, glatt, mit Durchmesser von 9—20 cm; eines bildete eine Röhre 60 cm lang. Die wag- rechten schlechter erhalten, klein im Durchmesser, nicht glatt verlaufend, sondern etwas gekrümmt, wie von vermoderten Wurzeln herrührend (was sie wahrscheinlich auch waren). Tafel V 1,2 geben zwei senkrechte Pfostenlöcher wieder; das eine, viereckig mit gerundeten Ecken, reichte 110 cm tief von der photographierten Öffnung aus; das andere, rund, tiefer unten angeschnitten, ließ sich 30 cm nach unten verfolgen.

Brandschicht. Etwas tiefer als der umgebende gewachsene Wald- boden eine mächtige Hauptbrandschicht, von Nordost nach Südwest beiläufig 11 Meter, von Ost nach West 8 Meter, ein bis drei Zentimeter stark. Inallen Teilen ungestört. Bei Meter 3 Nord etwas nach oben versprengt, siehe Profila. Nahe der Hügelmitte eine verkohlte Diele, siehe Grundriß, beide Profile und Tafel X 15, 160 cm lang, 23 cm breit, 3 cm dick; darunter die Scherben 35. Ein Scheiterhaufen, ganz-aus Kohle und verkohlten Stücken Holz bestehend, siehe Grundriß und Tafel V 3, zwischen Meter 5 und 6 Südwest, in und unter der Brandschicht, verbreitete bei der Aufdeckung intensiven Brand- geruch *); 1 Meter lang, 70 cm breit, 15 cm stark (in die Sammlung über- geführt, aufgestellt bei „Igensdorf 7361“). Im Haufen einige Scherben und wenige weißgebrannte Knochenstückchen, das unterste rechte Eck B fast nur Knochenbreccie, darunter ein Schädelstückchen, Mensch. Unter dem Scheiter- haufen dicke Scherben eines unvollständigen großen Gefäßes, durch starkes Feuer hart und rot gebrannt, siehe Scherben 5 Seite 19. Die Scherben lagen mehrfach über-, nicht nebeneinander, waren also schon zerbrochen unter den Holzstoß gelegt worden. Der Scheiterhaufen befand sich in einer Vertiefung, die zirka 1O cm unter die Brandschicht reichte. Kohlenüberstreute Flecke von geringer Ausdehnung in verschiedenen Teilen des Hügels in 1 Meter und 109 cm Tiefe unter O-Meter.

*) Wie schon einmal von der Hagenreuth (7333) berichtet, Abhandl. Bd. 20 (Fest- schrift z. Anthr. Kongreß) 1913 S. 138. ,Dös bremst förmli durch d’Näsn“ sagten die Arbeiter.

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Keramik. Fast alles was zum Vorschein kam, war einförmig schwarz- tonige Ware, dickwandig und mit Resten von Graphitierung, „Eisengeschirr“, wie die Arbeiter es zu nennen pflegen; wo im Folgenden nichts anderes an- gegeben ist, handelt es sich immer nur um Keramik dieser Art. Wenige und nur rohe Ornamente.

Mit Ausnahme weniger Streuscherben wurden alle Scherben und Gefäße in der Brandschicht auf der Grabessohle liegend angetroffen; die Scherben 4-3, 6 nicht mit Steinen zugedeckt, alle anderen unter den Steinen in Gruppen.

Vergleiche ausgiebig Grundriß und Profile! Scherben ‚, 2, 3, 6 weit außen am Rand der Brandschicht, Nord, siehe Tafel VI 5 in situ;

gaben zusammen und mit einigen Scherben von I4 (innerer Hügel oben), sowie mit Hülfe von Ergänzungen ein verhältnismäßig kleines Gefäß der dick- bauchigen Tonkesselform, s. 1—3, 6, I4 Tafel VIII unten rechts. Durchm. 251, cm, Randd. 15%, Bodend. 8%, Höhe 25; am Rücken paarweise vertiefte Kreise, umgeben von eingestochenen Punkten, wahrscheinlich vier Paare.

Bei den gleichen Nummern auch einige Scherben anderer Gefäße.

Scherben 5. Im Scheiterhaufen und darunter Scherben mehrerer Gefäße, die meisten zu einem groben, sehr dick- wandigen großen Gefäß gehörend; lagen nicht neben-, sondern fünffach über- einander; durchaus rötlich, wie durch- geglüht, mit stark gesprungener Ober- fläche; aufrechter Rand, breite Kragen- wulst mit Dellen, darunter eine ‚‚Mäuse- pfötchen‘‘-Reihe.

Scherbengruppe 7 unter der Stein- setzung in der Brandschicht s. die Abbildungen in situ Tafel X 14 und IX

unten links; ergab beim Zusammensetzen der Scherben vier große, dickbauchige Ton- Scherbe von 5. kessel mit konischem Hals*) und die dazugehörenden Weihebecher oder Schöpftassen Tafel VII Abb. 7. 7b; ergänzt; Durchm. 47, Randd. 28, Bodendurchm. 14, Höhe 36; s. Ab- bildung.

*) Diese so häufig wiederkehrende Gefäßform der Hügelgräber hat in der Literatur keinen bestimmten Namen; sie wird als ‚Urne‘ „birnförmige Urne‘ ‚Urne mit konischem Hals‘ „weitbauchige Urne‘ ‚‚urnenartiges Gefäß‘‘ ‚„eimerartiges Gefäß‘ ‚amphorenartiges Gefäß‘‘ „Vase“ ‚Vase halstattien‘‘ genannt. Wenn daran festgehalten wird, daß Urne ein Gefäß zur Aufnahme der Asche oder Gebeine verbrannter Leichen ist, dann muß der Name, weil irreführend, abgelehnt werden. Die „Amphora‘ käme in der Form am nächsten, hat aber Henkel; ebenso der Krug, diese Namen passen also auch nicht. Ich nenne sie im folgenden, bis ein besserer Name sich findet „Tonkessel‘, das soll soviel heißen wie „‚kesselförmiges Gefäß aus Ton mit konischem Hals.‘

7c; ergänzt; Durchm. 41, Randd. 25, Bodend. 12, Höhe 35; s. Abbildung. 7d, e in Größe und Form wie b und c; nicht völlig wiederherstellbar, trotz massenhaft noch vorhandener Scherben; nicht abgebildet; zu e passend einige Scherben von 28.

) Schöpftassen (Weiheschalen oder -becher) mit je 1I—-12 cm Durchm., 9, Randdurchm. 101%, Höhe 5—51. Becher h nicht wiederherstellbar und nicht abgebildet. i zumeist aus Scherben von 28.

Außerdem gaben Scherben von 7 mit solchen von 26 eine Schale, s. Tafel VII Abb. 8 26/7; ferner das Fragment einer roten, z. T. graphitierten Schale; am Hals ein Graphitband, s. nebenstehend.

Abseits außerhalb der Steinüberdeckung: 7a vereinzelter kleiner Teller im-Boden unter der Brandschicht West, darüber ein Stein ; Durchm. 17, Bodendurchm. 10, Höhe 2%, s. Tafel VIII, Abb. 12.

Scherben- und Gefäßgruppe 8, 22-28 in der Brandschicht, meist gut erhaltene Schalen. Neben Gruppe 7 wurde zuerst die Schale 8 allein aufgedeckt, s. Tafel X 14 in situ; nach deren Weg- nahme und erst später kamen daneben die anderen zum Vorschein 22—28, s. Tafel XI 16 in situ und insgesamt wiederhergestellt Tafel VII Abb. 8.

8 Schale 26 cm Durchm., 10% Bodend. 5 hoch. 22 Schale 27 cm Durchm. 8 Bodend., 5 hoch. 23, 26 zwei Schalen zu je 18 cm Durchm., 9 Bodend., 3% bezw. 5 cm hoch. 24, 26/7 zwei Schalen zu je 25>—26 cm Durchm., 11 und 10 Bodend., jeShoch. Wie bei 7 schon erwähnt, paßten Scherben von 28 zu zwei Gefäßen der Gruppe 7. Ferner Scherben einer nicht wiederherstellbaren rotbraunen Schale 28, nicht abgebildet; Scherbchen 28 mit Teil eines Relief- ornamentes, s. Tafel VIIIAbb. 12. Eine größere Anzahl Scherben blieben übrig.

Scherben 21 größeres Bruchstück einer Schüssel wie 31 oder 34b und einige kleinere, gefunden im zerstörten oberen Teil des Hügels, 50 cm unter dem Nullpunkt.

Scherben- und Gefäßgruppe 29 bis 32 siehe Tafel XI 17 in situ, gab Schüsseln und Teller; wiederhergestellt Tafel VII Abb. 9. Durch die Schüssel 30 zog sich ein auffälliger Streifen Kohlen der Brandschicht, auch auf der Abbildung erkennbar. Der Stufenteller 29 mit dem Sonnenornament nahm einen untergeordneten, keinen hervor- ragenden Platz ein, s. die Abbildung.

29 Stufenschale, innen grauschwarz, außen braunschwarz wie die meisten der aufgezählten Geschirre, mit Resten von Graphitierung; roh eingeritztes Sonnenornament. Durchm. 29, Bodendurchm. 11, Höhe 5%.

30 Schale mit Scherben von 39 ; Durchm. 28, Bodendurchm. 101%, Höhe 6%.

31 Schüssel mit Scherben von 26 ergänzt; Durchm. 20, Bodendurchm. 7, Höhe 7.

32 Teller; beim Umzug in den Neubau ykern gekommen. Scherben- bez. Gefäßgruppe 34 lag. etwas über. der Brand- schicht, siehe Tafel X 15 unten links in situ. Bei der Wiederherstellung

Scherbenstück von 7.

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ergaben sich drei Schüsseln, die aufeinander gestanden haben mußten, denn die Scherben lagen über- bez. ineinander, wiederhergestellt Tafel VIII Abb. 10.

Schale 34a Durchm. 25, Bodendurchm. 10, Höhe 6%; Schale 34b Durchm. 22, Bodendurchm. 10, Höhe 51%; Schüssel 34c, stark ergänzt, dünnwandig, mit rostbraunem, feingeglättetem Überzug und Spuren von Graphit; Durch- messer 24, Randdurchm. 21%, Bodendurchm. 5%, Höhe 11. Dabei ein Scherbchen 34d, Tafel VIII Abb. 12, rotbraun, mit vertieftem, weiß einge- lassenem Wolfszahnornament.

Unter der Diele in der Brand- schicht:

Scherben 35a-c und andere; solche eines großen rohen Gefäßes mit breitem Wulstornamenta,semmelfarben, stark gebrannt, bez. durchgeglüht, mit rissiger Oberfläche,

Scherbengruppe 36 bis 41, Mitte des Hügels; lagen um das Feld mit den weißgebrannten Knochen in der Brandschicht, insgesamt sechs Gefäße; wiederhergestellt, siehe Tafel VIII Abb. 11; leider wurde kein Situsbild aufgenommen, weil schon Dämmerung eingetreten war.

36/22 Schale mit Scherben von 22 und verstreuten Scherben aus 50 cm Tiefe, ergänzt; Durchm. 27%, Bodendurchm. 12, Höhe 4%.

36 hohe Schale, etwas ergänzt; Durchm. 26%, Bodendurchm. 10, Höhe 915. 37a große Schüssel; Durchm. 32, Bodendurchm. 121,, Höhe 9.

37b Schale; Durchm. 27, Boden gewölbt Durch- messer 12, Höhe 5.

37c flache Schale, sehr morsch und rissig (im Feuer gelegen?) Durchm. 25, Bodendurchm. 11, Höhe 41.

39 Schale mit kleinem Henkel; Durchm. 23, Boden gewölbt Durchm. 8, Höhe 6.

41 verschiedene Scherben unter dem Knochenfeld.

Aus den Streuscherben des ganzen Hügels ließ sich mit Hülfe von Ergänzungen ein helltoniges Gefäß zusammensetzen, nicht weiß-, sondern eher rotgelbe Keramik, wie das Fragment mit dem Ochsenkopf- ornament der Beckersloh in der gewöhnlichen Form dieses Geschirres, aber größer alssonst und ohne Lackornament, s. Tafel VIII Abb. 12 v.Sch.

Durchm. 24, Randdurchm. 22, Bodendurchm. 5%, Höhe 10%.

Damit wurden die meisten der verstreut gefundenen Scherben aufge- arbeitet. Größere Stücke eines sehr flachen, innen roten Tellers mit Graphitüberzug, bei 30 cm Durchm., 2'/; cm hoch, aus oberen Teilen des Hügels, blieben übrig.

Speisebeigaben. Knochenrückstände von Speisebeigaben fanden

sich an zwei Stellen: 12 bei der Scherbengruppe 7 (abhanden gekommen) und

22

38 der Oberarmknochen eines kleinen Schafes, Heidschnucke, auf dem Feld mit den weißgebrannten Knochen.

Metallfunde. Wenig und unscheinbar, s. Tafel VIAbb.6. Bronzen: Grüne Patina an einer menschlichen Elle läßt auf Bronzearmringe, an einem Schädelbruchstück auf sonstigen Bronzeschmuck schließen; doch fand sich nichts davon vor. Einige Bronzeplättchen Nr. 4, mit Knochen 105 cm tief in gestörter Umgebung nötigen zu der Annahme, daß ein Gürtelblech vorhanden war; Ornamente sind nicht daran ersichtlich. Ein Ringchen 17 mit massiver Kugel 52 cm tief, z. T. von Eisenrost überzogen. Ein Vogel- kopf-Fibelfragment 18, an gestörter Stelle 56 cm tief; Kopf und Nadelhalter fehlen; Bügel hohl; Verzierung: eingeschnittene Halbkreislinien; hinter der kurzen Spiralrolle eine Sehne übergelegt; die Achse ein stark oxydierter Eisen- stift, an dessen einem Ende eine Kugel, das andere Ende fehlt; die Nadel nach hinten verbogen und vom Rost in dieser Lage festgehalten. Eine Griff- angel 20, wie ähnliche zuweilen Ringen aufsitzen, 154 cm tief zwischen den Scherbengruppen gefunden, von einem anderen, nicht erhaltenen Gegenstand abgebrochen; ein halbkugeliges Bronzeplättchen 4, in der Mitte durchlocht. Eisen: Zwei massive kleine Geschirringe 14 bei dem Schädel und den Knochen 13 in 60, bezw. 62 cm Tiefe; ein Stückchen gewundener Eisenstift; Teile von Klapperblechen, wie die der Geschirrteile des Gaisheimer Fürstengrabes (siehe v. Forster, Festschrift 1913 Abhandlungen 20. Band, Tafel 32 Nr. 3la und Textseite 111). Alles bei 14 neben einer der Leichen, beiläufig 60 cm tief. In der Brandschicht zwischen Scherben Eisenrost mehrfach, aber nur ein Stückchen Eisen, vielleicht ein Messerrest. Unter dem Feld mit den weiß- gebrannten Knochen eine Messerklinge 42, von der Il cm bei 11, cm Breite erhalten sind.

Leichen. Bestattungen: Im Westteil des Hügels zwischen SO bis 60 cm tief Reste von 3 Leichen. Oberkörper von 13, Schädel und obere Teile der Arme und des Rumpfes beisammen liegend, siehe Tafel IX 13 und Tafel X 14, übrige Gliedmaßen fehlten oder waren durch Stöckegraben verstreut bis in 1 Meter Tiefe, siehe die Knochenreste der Leichen im Grundriß. Schädel 15 und I6 nahe beisammen in einer Ebene mit 14, in situ siehe Tafel IX 13, Südlich von Schädel I& viele stark zertrümmerte Knochen verstreut, siehe Grundriß. Leichenbrand: Im Scheiterhaufen A, s. Text S.18und TafelV3, wenige weißgebrannte Knochen; dagegen bestand das untere rechte Eckchen B fast nur aus Knochenbreccie, darunter ein Stückchen eines menschlichen Schädels. In der Brandschicht Hügelmitte ein viereckiges Feld mit weiß- gebrannten Knochen, von Gefäßen umstanden. Darauf liegend 38 ein linker Oberarmknochen vom Schaf, darunter 42 der Messerrest.

Typologie und Zeitstellung.

Die Gefäße samt ihren Ornamenten, mit Ausnahme des Streuscherben- Gefäßes v. Sch. alles dunkeltonige Ware, gehören der Hallstattstufe C an.

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Keramik mit plastischem Schmuck, wie bei dem Scherbchen 28 Tafel VIII unten kommt sonst in dieser Stufe bei uns nicht vor, findet sich aber nach Reinecke häufig von Niederösterreich bis Westungarn.!) Unter den Scherben sind die Randbruchstücke 35b und 41b (Seite 21 im Text) der Stufe D, also einer jüngeren Zeit, zuzuweisen. Das Gürtelblech, von dem sich Reste vorfanden, ist typisch für Stufe C und die Eisensachen gehören auch dahin. Die Fibel ist stark beschädigt, es fehlt der wichtige Teil mit dem Tierkopf, aber etwas anderes als eine Vogelkopffibel ist es nicht. Es ist eine Form, die ein Hauptverbreitungsgebiet im Fränkischen Jura in unserer Nähe besitzt und zwar in den aneinandergrenzenden Teilen der drei Kreise Oberfranken, Mittelfranken, Oberpfalz; das andere liegt beim kleinen Gleichberg in Thüringen (Beltz, Latenefibeln S. 675).

Vogelkopffibeln sind in ansehnlicher Zahl im genannten Juragebiet gefunden worden. Unsere Sammlung enthält mehrere und zwar aus Hügelgräbern von Hall- statt C bis Latene A; eine aus der gleichen Nekropole Kammerloh von Mehlis 1884 ausgegrabene, je eine vom benachbarten Walkersbrunn und von Streitberg, zwei aus der Beckersloh, eine von Haghof b/Sulzbach i. ©. 7374 24, eine von Unterrieden bei Altdorf. Verschiedene sind im Germanischen Museum, ‚„Drachenförmige Fibeln“ nennt sie der Katalog: die von Küchenhoff 1882 ausgegrabene Vogelkopffibel 5821 (V 1705) aus der Kammerloh ?), eine andere V 524 von Peuthenthal bei Sulzbach i. O., eine von Parsberg i. O., V. 156 und eine vom Gleichberg V. 1635. Mit der Samm- lung Ziegler sind 1915 weitere zwei hinzugekommen). Die von Mehlis aus der Frankenlohe bei Thalmässing beschriebene und abgebildete scheint verschollen ®). Die Dr. Scheidemandel-Sammlung enthält gleichfalls 6— 8 Stück aus der Oberpfalz. Drei andere. ausgegraben mit schönem Latene A-Flaschengefäß durch Pfarrer Herm. Erhard nahe Dechsendorf bei Erlangen (also außerhalb des Jura) und andere aus der Oberpfalz und Oberbayern befinden sich in der Münchener Staatssammlung, s. Reinecke Altert. uh. Vorzeit V. Nr- 322—325 und Beiträge z. Anthr. u. Urgesch. Bay. 9. Bd. S. 76 und Tafel IX 4—--6. Eine im Museum Mainz befindliche, in den Altert. uns. heidn. Vorzeit Il. Bd. 4. Heft Taf. II 6 abgebildete Vogelkopffibel von „Kerschbach i. ©.‘ stammt wahrscheinlich von Kersbach beim Rothenberg in Mittel- franken, vielleicht aus der Gemmingschen Sammlung; ein Kersch- oder Kersbach gibt es nicht in der Oberpfalz. Die Aufzählung von Vogelkopffibeln unseres Ge- bietes macht keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Fibeln dieser Art bilden also ein häufiges Leitmotiv unserer Hügelgräber. Ihre Zeitstellung ist typologisch festgelegt, -sie gehören nach Reinecke, dem auch Belz folgt, der Latene A an und das stimmt mit unserem oben erwähnten Nr. 7374 24 und den von Erhard bei Dechsendorf gefundenen Fibeln. Aber

1) Altert. uh. Vorzeit V S. 407.

2) Katalog d. vorgeschich. Denkmäler d. Germ. Museums S. 92 in Übereinstimmung mit Mehlis Beitr. z. A. U. Bay. VI S. 145.

3) Abgebildet Altert. u. heidn. Vorzeit V Tafel 50, 890 a und b; sie befanden sich damals aber noch nicht, wie angegeben, im Germanischen Museum.

4) Mehlis, Grabhügel und Verschanzungen bei Thalmässing, Arch. f. Anthropologie 15. Bd. 1884 S. 306 Taf VI 11/12. Die damaligen Untersuchungen vom 7.—12. Sept. 1882 geschahen auf Kosten des Germanischen Museums, wie er S. 298 erwähnt, es sollten also die Funde dort sein; sie sind aber nicht mehr ausfindig zu machen.

24

ebenso sicher ist das gar nicht seltene Vorkommen mit Grabausstattungen von Hallstatt D und C. Der zeitliche Widerspruch ist nicht zu überbrücken; wie in so vielen anderen Fällen bliebe also auch hier nur der Ausweg offen, eine Nachbestattung anzunehmen. Die Bestände unserer Samm- lung lassen es mir jedoch längst schon angezeigt erscheinen, an eine unter- schiedlich lange Dauer der Hallstatt C und ihrer Gebräuche zu denken, so daß die altertümlichen Formen des neunten und achten Jahrhunderts in unserer Gegend noch im sechsten anzutreffen sind. Auch die Scherbchen 35b und 41b aus tiefster Stelle unter der Brandschicht weisen auf diese späte Zeit hin. Mit Recht sagt Götze „jede Gegend hat ihre eigene Entwicklung und will für sich betrachtet sein.‘

Die einzelnen Arbeitsgebiete dürfen aber von sich aus keine kulturellen Ausnahmezustände konstruieren; das letzte Wort darüber bleibt daher den Autori- täten überlassen, welche die großen Fundmaterialien der verschiedenen Hall- stattzonen zu überschauen vermögen und bearbeiten.

Ethnographie und Ritus.

Vergleichsmaterial. Die ritusgemäße Grabausstattung leite ich ab aus folgenden meiner bisher veröffentlichten Ausgrabungen:

HallstattA,B Bestattung: Bettelleite 7167 Festschrift 1913 Abh. Bd. XX Salze Hallstatt C Bestattung: Oberreinbach 7317 ebenda S. 125; Igensdorf 7704 S. 40 dieser Berichte. Leichenbrand: Igensdorf 7362 S. 30 dieser Berichte. Hallstatt D Bestattung: Hagenreuth 7333 Festschrift 1913 Abh. XX 5.1186, Leichenbrand: Weidlach 7146 ebenda; Heiligenholz 7971 S. 64 dieser Berichte. Latene A Bestattung: Stadelleite 7374 Festschrift 1913 Abh. Bd. XX 51293 Weitere Belege vorhanden, aber noch nicht veröffentlicht. Die groben Züge herausgegriffen läßt sich sagen, daß infolge der Bestattungsvorgänge die Hallstatt-Toten bis zu C ihre keramische Ausstattung um, bei oder unter sich haben, diejenigen der beiden anderen Stufen über sich, wie dies schon in der vorausgegangenen Arbeit S. 8 uf. dargelegt ist.

Der Vergleich ergibt für den Hügel 7361 ein Begräbnis ausschließ- lich nach dem Ritus der Hallstattstufe C.

Die Grabessohle bildete eine ebene, dem Waldboden entsprechend nach Norden leicht einfallende Fläche. Sie trug eine zusammenhängende, un- gestörte Brandschicht von beiläufig 88 qm Ausdehnung, Rückstand eines ungeheuren Feuers, welches gebrannt hat, ehe mit der Beisetzung begonnen worden war; man denkt unwillkürlich an die Totenfeier für Patroklos im

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23. Gesang der Ilias, welche aber einer älteren Zeit angehört. In der Brand- schicht fanden sich ein Scheiterhaufen, Leichenbrand und alle Gefäße. Die weißgebrannten Menschenknochen im Scheiterhaufen beweisen, daß ein Leich- nam darin verbrannt wurde; die in der Mitte des Platzes im Viereck auf- gestreuten mögen die übrigen Reste dieses nämlichen verbrannten Toten sein. Was um sie herum und in engster Verbindung damit sich vorfand, die Funde 36—42, war eine in sich abgeschlossene Beisetzung nach dem in dieser Stufe hierfür üblichen Ritus, das heißt: das Viereck mit den weißgebrannten Knochen bestreute Feld, der darunter liegende Eisengegen- stand, die herumgestellten Gefäße und als Beweis der Fleischbeigabe ein Oberarmknochen vom Schaf auf dem Knochenfeld. Das ist eine häufige Form der Beisetzung und demgemäß ist den vermeintlichen Ansprüchen der Seele des Toten, wie man sieht, so genau Rechnung getragen, daß man seinen an- gehörigen Hinterbliebenen noch jetzt das Zeugnis für pietätvolle Beobachtung der Gebräuche ausstellen könnte.

Der Scheiterhaufen pflegt sonst zu fehlen, daß er hier vorhanden war,

‚ist ungewöhnlich in unseren Hügeln; doch sind solche auch anderwärts schon

beobachtet !).

Welche Bedeutung der Diele in der Brandschicht zukommt, ist un-- geklärt; zufällig, zusammen mit anderem Brennholz, kann sie nicht hinge- kommen sein, denn unter ihr waren absichtlich gelegte Scherbchen eines Ge- fäßes, von dem weiter nichts als diese Trümmer sich im Hügel vorfanden.

Das übrige Geschirr in der Brandschicht hielt weiten Abstand von der Beisetzung und den dazugehörenden Gefäßen der Mitte; seine Aufstellung entsprach dem gleichen Ritus in einer Form, wie er für bestattete Leichen üblich war. In der mächtigen Scherbengruppe 7 findet sich das „Buffet“ wieder, welches aus vier großen Tonkesseln und der entsprechenden Anzahl Weiheschalen bezw. Schöpfbechern bestand?’); seitwärts anschließend die Schüssel-, Schalen-, Tellergruppen, welche vermutlich Speisen enthielten und auch ein Tierknochen 12 als Rest der Fleischbeigabe wurde bei der Aufdeckung konstatiert. Nur die Bestattung würde fehlen, wenn die drei Leichen nicht da wären. Da sie aber vorhanden waren, so kann sich die Ausstattung wohl nur auf sie beziehen.

Der Hügel bedeckte eine bedeutende Grundfläche und diese weit über das Bedürfnis für eine einzelne Brandleiche hinausgehende Größe lag im Plan

1) Olshausen Ztschr. f. Ethnologie 24 1892 S. 130; 40 1908 S. 100; der unsrige läßt sich danach jedenfalls als ‚„Bustum‘ bezeichnen, als Leichenbrandstätte. In weiterem Sinn wird aber auch der über der Leichenasche aufgeworfene Grabhügel mit dem gleichen Wort benannt, dieser Sinn kann hier aber nicht unterlegt werden.

2) Tongefäße dieser Größe und Form gelten norddeutschen Forschern als Behälter für Flüssigkeiten, kleine henkellose Tassen finden sich zusammen damit bis in späte slavische Zeit und werden als Schöpftassen bezeichnet, wie die „Mischgefäße‘‘ und Schalen mittels deren im Süden die Trankopfer dargebracht wurden; demgemäß darf gleicher Zweck auch für unsere derartigen Geschirre in Anspruch genommen werden.

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seiner Errichtung. Beweis: die durchgehende, völlig ungestörte Brandschicht von 88 qm; das wird verständlich, wenn er die Bestimmung hatte, vier Leichen aufzunehmen. Leider gibt es aber keine Anhaltspunkte in welcher Weise die Aufbahrung der Toten oberhalb der Gefäße vor sich ging, wenn die Leichenfeier eine gleichzeitige war. Sie lagen unter oder zwischen Steinen auf dem Lehm und das muß vor den Störungen des Hügels schon so gewesen sein; als man sie da niederlegte war demnach die untere Beisetzung bereits mit Steinen zugedeckt, der Lehm aufgeworfen und daraus geht hervor, daß der Hauptteil der Ceremonie vorüber war. Der Gefäßzahl und -aufstellung nach sind die Leichen also wohl in die Totenfeier mit einzubeziehen; aber es spielt ein Vorgang mit, der, so lange wir seine Ursache nicht kennen, dahin ausgelegt werden kann, als hätten sie nicht vollen Anteil an der Bei- setzung gehabt. Die gleichen Vorkommnisse fanden sich in früher geöffneten Hügeln, im Gstäudi 7507, bei Alfalter 7506, bei Münzinghof 7518, in Hügel II, III, V, VI, VIII, X, XIII, XV der Beckersloh usw. Manchmal werden regel- rechte Steinbetten angegeben, auf denen die Toten oben liegen und sie er- scheinen auch in Zeichnungen, jedoch nicht nach der Natur sondern nach dem Gedächtnis; da hierbei leicht Selbsttäuschungen unterlaufen, ist es besser davon abzusehen. Man könnte versucht sein, die Pfostenlöcher in eine Verbindung mit dem Aufbau zu bringen; aber in den Hügelbau lassen sie sich nicht hineinkomponieren, ohne den vorgefundenen Verhältnissen Zwang anzutun. An ein Gerüst, auf welchem die Toten lagen, ist nicht wohl zu denken, dafür waren die Löcher zu weit von der Mitte entfernt, die Stützpunkte würden eine Weite bis zu zehn Metern gehabt haben. Eher ist eine Einfriedigung des Grabes mit Holzpfählen anzunehmen, die auch bei den nachfolgenden Hügeln der Kammerloh wahrscheinlicher als ein Holzgerüst ist. Nach Reinecke sind die Pfostenlöcher charakteristisch für die Späthallstattzeit.

Wollte man daran festhalten, daß die Toten als Nachbestattungen in den Hügel gelangt sind, so müßte sich der Vorgang entweder dreimal wiederholt haben, oder sie wurden selbdritt auf einmal begraben; in jedem Fall würde der Nachweis ritueller Bestattung fehlen. Wenn auch in späterer Zeit, von Stufe D an, neben dem anderen ein Ritus üblich war, bei dem Gefäßbeigaben unter Umständen kaum mehr eine Rolle spielten, so konnten die Toten doch niemals formlos der Erde übergeben werden, denn erst durch das rituelle Begräbnis fanden sie Ruhe. Was unsere drei Toten im Leben an Schmuck bei sich trugen, Eisenteile, Gürtelblech, Vogelkopffibel warf die Störung durcheinander; sie ist aber auch möglicherweise schuld daran, daß die keramischen Beigaben ober den Leichen abhanden kamen und der Be- weis für die Nachbestattung fehlt.

Wenn nun auch die Sache in dieser Hinsicht nicht geklärt ist, so gibt es doch einen unmittelbaren Beweis dafür, daß der Hügel in einem Zuge errichtet war: die aus den verschiedenen Teilen des Hügels oben sowohl wie unten vereinzelt aufgelesenen Streuscherben erwiesen sich als zusammen-

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gehörend, denn sie ergaben in der Wiederherstellung das Gefäß Tafel VIII Abb. 12 v. Sch.; sodann ergänzten sich Scherben der Nummern 1, 2, 3, 6 der beim „Bauopfer‘‘ am Rande der Brandschicht verwendeten Gefäße nicht nur unter sich, sondern auch mit solchen aus dem oberen Teil des inneren Hügels von 14 gleichfalls zu einem einzigen Gefäß !). Ebenso 36/22. Durch Störungen hätten die Scherben nicht nachträglich in dem bei Regenwetter zähen, bei Trockenheit steinharten Lehm verworfen werden können, wenn der große Hügel nicht auf einmal errichtet worden wäre. Das Streuscherbengefäß v. Sch. beweist zugleich auch das absichtliche Zerbrechen von Gefäßen aus rituellen Gründen bei Totenfeiern, ein Brauch, der früher schon erwähnt wurde Festschrift 1913 S. 135. Weitere Beispiele finden sich aus Schweizer gleichalterigen Hügeln bei Viollier, als weitverbreitete Sitte erscheint es bei den Griechen und einer gütigen Mitteilung Prof. Schweinfurts zufolge auch schon in Grabanlagen der I. und II. ägyptischen Dynastie (Grab des Menes bei Tuch, Negada, ausgegraben von de Morgan, vgl. dessen Origines des Egyptiens); s. auch S. 72 Anm. |),

Es bleibt freilich noch eine andere Annahme möglich, welche die Gleich- zeitigkeit der vier Bestattungen erklären würde: die verbrannte Leiche könnte eine hervorragende Person gewesen sein, der zu Ehren man drei Menschen opferte. In dieser Weise hilft sich Viollier über die gleiche Schwierigkeit: „Es scheint jedoch, daß hie und da der Tote, zu dessen Ehren man den Tumulus errichtete, verbrannt wurde und daß die beerdigten Leichname solche des Gefolges sind, wahrscheinlich Geopferte‘‘ ?). Das kommt zuweilen vor; einem zweifellosen Menschenopfer begegnen wir z. B. nebenan bei Igensdorf 7704, doch ist es als solches hinlänglich gekennzeichnet. Die Brandleiche im Hügel 7361 läßt aber weder in den umgrenzenden Gefäßen, noch durch ihren Mangel an Schmuck oder Waffen ein einziges Messer führte sie bei sich den Schluß zu, als hätte es sich um eine hervorragende Person gehandelt. Der Ausstattung nach war es ein Alltagsmensch; auch der geringe Umfang des Scheiterhaufens deutet nicht darauf hin, daß man viele Umstände gemacht hätte. Jedem Toten Menschen, noch dazu in größerer Zahl, mitzugeben, war aber ganz unmöglich; ‚nur ein an Wahn-

1) Es darf hier darauf hingewiesen werden, daß nach Ausgrabungen jede Scherbe einzeln bei uns mit Ölfarbe nummeriert wird. Bei der Zusammensetzung werden die Scherben, mitunter von den verschiedenen Fundstellen des Hügels, unzähligemale an- einander gehalten und zusammenprobiert; dabei kommen sie unfehlbar durcheinander. Bis zur Fertigstellung vergähen manchmal Jahre, da nur nebenbei, wenn die sonstigen Arbeiten es gestatten, Zeit dafür übrig ist. Vom fertigen Gefäß weiß nach einiger Zeit niemand mehr mit Sicherheit zu sagen, aus welchem Scherbenhaufen die einzelnen Scherben stammen, wenn sie nicht gezeichnet sind. Die Maßregel ist freilich zeitraubend und schon manchmal bekrittelt worden, aber wie sich hier zeigt, überwiegt der Nutzen den Nachteil.

2) Essai sur les rites funeraires en Suisse S. 48 unten. Eine sehr ausführlich beschriebene Ausgrabung eines Brandgrabes, darüber vier geopferte (?) Leichen auf einem Steinbett und die Abbildung dazu (mit einer Latene B-Fibel und Hallstatt C-Armspangen 2012 und 2013) s. Bulletin de la Soc. Vaudoise des Sciences nat., Lausanne 1906, Vol. XLII Nr. 156 S. 170 und Tafel V, VI.

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sinn grenzender Aberglaube‘‘, sagt L. Wunder mit Recht, ‚könnte ein Volk veranlassen, sich selbst so gewaltsam zu dezimieren‘“. Diese, freilich die Anschauungen der Jetztzeit unterschiebende Erwägung findet es zusagender, vier gleichberechtigte Tote eher, als ein unbewiesenes, dreifaches Menschen- opfer für einen Toten anzunehmen. Gemeinschaftlichkeit aber bleibt immer, denn selbst wenn man auf Nachbestattung bestehen wollte, läge bei dieser immer noch unter Umständen ein dreifaches Begräbnisvor; auch von Forster in seiner Arbeit über die Beckersloher Grabungen äußert sich ver- mutungsweise dahin, ‚daß gemeinschaftliche Bestattungen von mehreren Ver- storbenen stattgefunden haben“.

Eine solche Häufung ist nun allerdings nach unseren Begriffen von Beerdigungen auch nicht ganz regelrecht; es möge deshalb unter Beifügung einiger Ergänzungen zu wiederholen gestattet sein, was ich in einer. Be- sprechung dieses Hügels im Korrespondenzblatt !) allgemein über mehrfache, gleichzeitige Bestattungen angeführt habe:

„Vier Beerdigungen auf einmal sind bei einer vermutlich nicht sehr zahlreichen Bevölkerung keine selbstverständliche Sache. Da sich derartige Fälle bei uns öfter ereignet zu haben scheinen, so müssen sie ihre Erklärung in den damaligen Verhältnissen finden. Man versetze sich daher in Gedanken in die Lage jener Leute bei eintretendem Todesfall.

„War.jemand gestorben, so begannen die Vorbereitungen für die Bei- setzung. Die Leiche konnte verbrannt oder bestattet werden; was für Gründe die eine oder die andere Art bestimmten, wissen wir nicht. Hoernes nennt die Verbrennung die unter Umständen zeitraubendere, die Beerdigung die raschere Prozedur ?). Das ist aber für die in Rede stehende Zeit der wohlgebauten Hügel nicht zutreffend; für letztere waren die Schwierigkeiten der Beerdigung nicht gering und erforderten viel Zeit. Unsere Landleute, die bei den Ausgrabungen mithelfen und den Bau solcher Hügel zu sehen Gelegenheit haben, behaupten, daß man auch heutzutage unter gewöhn- lichen ländlichen Verhältnissen derartige Bauten während der Wintermonate, wenn die Erde gefroren und die Welt mit Schnee bedeckt ist, und selbst während des Frühjahrtauwetters nicht ausführen könne, man müsse die gute Jahreszeit abwarten. Das muß für damals gleichfalls als Bedingung angenommen werden. Die Leute von damals hatten aber noch den Eigen- sinn, nicht die nächstbesten Steine und nicht den nächstanstehenden Sand zu verwenden, sondern sie holten beides häufig voA weither.

l) Korr. d. D. Ges. für AEU 42 1911 S. 37.

2) Hoernes, Die Hallstattperiode. Archiv f. Anthropologie 1905 N. F. Ill. Bd. S. 250. Naue dagegen betont mit Recht die Schwierigkeiten: „die oft großen Grabhügel mit kunstreich aufgeführten Steinbauten und Steinkränzen, woran viele Menschen wochenlang arbeiten mußten (man vergegenwärtige sich das stete Herbeischaffen des Materials: Lehm und Steine, welche oft von weither geholt worden sind), können nicht für jedermann er- richtet worden sein‘, S. 175, d. Hügelgräber.

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„Es konnte daher schon eine Weile dauern, bis das Material beisammen war, denn auf Vorrat dürften sie es kaum zusammengetragen haben; !

„Dann konnte man mit der Beisetzung beginnen und das Totenfest an- setzen. Die homerischen Begräbnisfeiern, etwas älteren Datums, haben tage- lange Wettkämpfe und Spiele mit Preisverteilungen. Es waren große Feste für zahlreiche Teilnehmer. Ohne Totenfeiern ging es sicherlich auch in unseren Gegenden nicht ab. Hierzu aber bedurfte es der Vorräte an Lebens- mitteln und Getränken, die erst hergestellt werden mußten. Was die Männer von damals getrunken haben, weiß ich nicht; meiner Überzeugung nach war es kein Wasser. Man mußte also, ehe man die Totenfeier ansetzte, sich ver- gewissern, daß die Vorräte zur Feier und für die Wegzehrung des Toten reichten. Es konnte sein, daß man den Herbst abwarten mußte, bis die neue Ernte herein war; ja es konnten Mißernten dazwischen fallen!) und die Be- stattung verzögern. Dann blieb nichts übrig als zu warten, bis die Gelegen- heit gegeben war. Trat inzwischen noch ein oder der andere Todesfall ein, so mußte sich das Leichenbegängnis zu einer gemeinsamen Feier gestalten. In China, wo heute noch über dem Grab ein Hügel gewölbt wird, findet das Begräbnis vielfach erst nach Jahren statt °), sei es, daß das Geld nicht ge- nügt, oder sei es, daß man warten will, bis beide Eltern gestorben sind, um sie gemeinsam zu begraben. Der Sarg bleibt im Hause stehen; er wird mit Kalk verschmiert und mit Tuch gedichtet, damit man die Verwesung nicht merkt. Auch bei uns gibt es manchenorts in der Gegenwart noch Verhält- nisse, welche die Beerdigung verzögern, z.B. bei den Gebirgsbewohnern des Teschener Kreises: „da die Wege zu diesen zerstreuten Gebirgswirtschaften im Winter meistens des vielen Schnees wegen unwandelbar sind, so finden dann weder Taufen noch Begräbnisse statt, die Leichen werden auf dem Boden im Stroh aufbewahrt, bis die Witterung ihre Beerdigung gestattet‘.’) Das war auch in anderen Gebirgsgegenden der Fall, man hob den Sarg mit dem Toten unterm Dach auf, bis der Schnee weg war (Deutsche Gaue Band XVIII 1917 S. 20). Vielleicht erklären sich einzelne Fälle von anscheinender Zer- stückelung der Leiche aus solchen Verzögerungen der Beerdigung. Die Glieder mochten manchmal infolge der vorgeschrittenen Verwesung den Zu- sammenhang verloren haben, Leichenteile konnten durch Tiere verschleppt sein und ganz fehlen, bis es zur Bestattung kam.

l) Reibmayr, Zur Entwickelungsgeschichte der indogermanischen Rasse: .... „Es dürfte keine Rasse geben, wo die Peitsche der Not zuzeiten so stark fühlbar geworden ist, wie bei der indogermanischen, besonders durch Mißernten, die ja bei der primitiven Art des Ackerbaues sehr häufig sein mußten.“ Arch. f. Rassen- und Gesellsch.-Biologie 1910, VII, S. 382.

2) Stenz, Beiträge z. Volkskunde Südschantungs, Veröffentl. d. städt. Mus. f. Völkerkunde zu Leipzig I 1907 S. 98. In Deutsch-Neuguinea vergehen zwischen Tod und Begräbnis manchmal 2 Jahre. Bald ist ein blutiger Streit mit Nachbardörfern im Weg, der nicht erlaubt ein Fest zu feiern, oder die Ernte ist nicht reif oder es war Miß- ernte, so daß keine Vorräte da sind, oder man wartet ab, bis die Schweine fett sind und dergl. Mündliche Mitteilung von Prof. Bir6 Lajos-Budapest, Kgl. Ethnogr. Museum.

3) Zeitschr. f. österr. Volkskde 18 1912 S. 185. 2

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„Es kann noch andere Veranlassung zu gleichzeitigen Bestattungen ge- geben haben. Darüber sich in Vermutungen zu ergehen oder nach Bei- spielen zu suchen ist unnütz; mir kommt es hier auch nur darauf an, die Schwierigkeiten und Folgen der damaligen Bestattung zu betonen.“

Man braucht die an sich untergeordnete Bedeutung der „praktischen Rücksichten‘“, wie Zehetmaier in seiner Arbeit über die Leichenbergung bei den Griechen es nennt, nicht zu überschätzen, aber außer Acht lassen kann man sie auch nicht. 2

Ergebnis.

Außer der Vogelkopffibel, einigen Scherbchen und den späthallstattzeit- lichen Pfostenlöchern hat sich weder unter typologischen noch ethnologischen Gesichtspunkten in dem Hügel etwas anderes als Hallstatt C ermitteln lassen. Man kann die früheren Störungen teilweise dafür verantwortlich machen und von einer beschränkten Beobachtungsmöglichkeit in dem wichtigen oberen Hügelteil sprechen, wo die Bestattungen waren. Die Störungen haben aber nur Sachen fortgenommen, gewiß die Fibel nicht hinzugetan. Sie muß also doch, ebenso wie die Scherbchen, wohl schon von früher her darin gewesen sein. Da sich verschiedenalterige Bronzen zusammen mit anders gearteter Keramik und schwankenden Grabgebräuchen in anderen Hügeln der Kammer- loh und auch sonst finden, so kann man nicht jedesmal den Zufall einer Nachbestattung zu Hilfe nehmen, sondern die Erklärung ist eher in der oben angedeuteten Richtung einer allmälig abbröckelnden, örtlich unterschiedlich langen, nicht schematisch scharf begrenzten Dauer der Hallstatt C-Kultur zu suchen, neben welcher zunächst oasenhaft diejenige der andersgearteten Hallstatt D und schließlich der Latene heranwächst. Bedauerlich ist, daß die ungenügende Erklärung für einen ritusgemäßen Zusammenhang des Toten- lagers im oberen mit den Ausstattungen im unteren Teil des Hügels eine bessere Einsicht in die Vorgänge bei Errichtung dieses Grabdenkmales ver- hindert. Vielleicht bringen spätere Grabungen Klarheit; wahrscheinlicher kann aber auch sie erst aus einer zusammenfassenden Betrachtung der Be- stattungsgebräuche des gesamten Hallstattgebietes und aus ethnologischen Vergleichen mit angrenzenden gleichzeitigen Kulturgebieten gewonnen werden.

Während also der typologische Befund für die Hügelerrichtung ver- schiedene Auslegungen und nur eine innerhalb weiter Grenzen schwankende Zeitschätzung zuläßt, ergibt sich auf ethnologischer Grundlage ein Ritus aus der Mitte bis zum Ende der Hallstattstufe C und es wäre gut, wenn die Typologie ein Mittel fände, sich auch ihrerseits mit diesem Resultat abzufinden.

7362. Ausgrabung vom >. Mai 1908. Tafel XII bis XIV. Eine unscheinbare Bodenerhöhung, 22 Meter von der Mitte des großen Hügels 7361 nach Nordost, erwies sich als ein Grab. Oberflächenform un-

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kenntlich als Hügel, offenbar vom Stöckegraben zerstört. Höhe beiläufig 60 Zentimeter.

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Steinsetzung ähnlich dem vorbeschriebenen; auch hier, 3,20 m weit außen am Nordrand vier Steine nebeneinander im Lehm, s. Tafel XII 20. Steinbau über der Grabessohle ganz unregelmäßig, nachlässig, s. Tafel XII 18, stellenweise außer der unteren auch eine geringfügige obere Steinlage; s. Tafel XII 19.

Erdlöcher. Drei Hohlräume in Pfahlform zwischen Nord und Süd in Ost, 30 bis 60 cm tief; einer in Südwest, alle außerhalb der Steinsetzung, 2 bis 21, Meter von der Mitte entfernt.

Brandschicht. Der natürlichen, leichten Bodenerhebung folgend und die Grabessohle bedeckend eine unberührte Brandschicht, etwa 27 qm groß,

beiläufig 70 cm unter dem Nullmeter, eine größere Fläche einnehmend als die 2*

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Steinsetzung. In Südwest ein kleiner Fleck eingestreuter Kohlen 35 cm unter

dem Nullmeter. Leichenreste. Keinerlei Skelettreste; gegen die Mitte zu in der

Brandschicht ein annähernd viereckiges Feld, überstreut mit weißgebrannten Knochen, die Überreste einer verbrannten Leiche; von zwei Gruppen Ge- fäßen umstellt, s. Tafel XIII 21, 22.

Keramik. Einige Scherben lagen schon vor der Grabung offen

zu Tage.

Wenige Streuscherben, darunter Rand- stück eines Stufentellers mit Teil eines Sonnen- ornaments in eingepreßten Rädchenstrichen, s. Tafel XIV oben rechts.

1 bezw. 9 vor der Steinsetzung, s. Tafel XII 18, stark durchglühte, wie in Brand gelegene Scherben, dickwandig, semmelfarben mit starkem Wulstornament siehe neben- stehend.

2 außerhalb der Steinsetzung Scherben, s. Tafel XII 19 in situ; ergaben den großen Topf 2 Tafel XIV Abb. 23; dünnwandiger Ton mit rotbraunem Überzug; unter dem Rand Spuren eines zentimeterbreiten Graphitstriches und auch sonst teilweise graphitiert. Ornamen- tiert mit dreimal je 2 und einmal 3 Dellen. Durchm. 27 cm; Randdurchm. 244, cm; Bodendurchm. 121% cm; Höhe 15.

Das Feld mit weißgebrannten Knochen umstanden 2 Gruppen Gefäße, s. die Abbildungen Tafel XIII in situ. Westgruppe;:die wiederhergestellten’ Gefäße Tafel XIV Abb. 24.

3 Schüssel, dunkelfarben, mit Graphitüberzug innen. Durchmesser 30 cm, Bodendurchm. 121, cm; Höhe 71, cm.

4 Schüssel, dunkelfarben, stark ergänzt. Durchm. 231, cm; Bodendurchm. 15 cm; Höhe 6 cm. .

5 Schüssel, dunkelfarben, ergänzt. Randdurchm. 19 cm; Bodendurchm. 121, cm; Höhe 5 cm.

6 Schüssel, dunkelfarben; Randdurchm. 22 cm, Bodendurchm. 11 cm; Höhe 4% cm.

7, 8 wenige Scherben.

15 Scherben zweier Gefäße; ein größeres, dunkelfarben, graphitiert, nicht wiederherstellbar;, 15a Tasse; dunkelfarbig; ergänzt. Durchm. 12! cm; Höhe 51, cm.

16 viele Scherben dunkelfarbener Ware, nichts davon wiederherstellbar ; einige paßten zu der Schale 44 der nächsten Gruppe.

Ostgruppe; die wiederhergestellten Gefäße Tafel XIV Abb. 25.

41 Scherben zweier Gefäße ineinander: großer Topf, stark ergänzt; fein’ tonig mit dunkelbraunem Überzug; Durchm. 26 cm; Randdurchm. 23% cm; Höhe ll cm. A1a Napf, dunkelfarben; Durchm. Il cm; Höhe 4 cm.

I2 Topf mit Henkel, rötlich-semmelfarben von feinem Ton in Farbe und Form wie Fig. 15 Hügel III Beckersloh (Festschrift 1901 Tafel 28) jedoch ohne Ornament und ohne Ansatz zur ansa lunata; Durchm. 17%; Randdurchm. 15 cm; Höhe 8 cm.

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43 Schöpftasse, dunkelfarben, außen Spuren von Graphit; Durchm. 13 cm Höhe 6%, cm.

44 Schale, dunkelfarben, innen Reste einer Graphitierung, Boden omphalos- artig gewölbt; ergänzt, hierzu paßten einige Scherben der vorigen Gruppe von 16. Durchm. 211, cm; Bodendurchm. 84, cm; Höhe 5'% cm.

47 Henkeltasse (Henkel abgebrochen) sog. weißgelbe Ware!) mit Orna- ment in schwarzbrauner Lackfarbe (nur noch teilweise sichtbar). Durchm. 12% cm, Randdurchm. 11 cm, Höhe 7 cm.

Nachdem die Scherben dieser Gefäße weggenommen waren und die Brandschicht entfernt wurde, kam unterhalb des Platzes der Tasse 17, also unterhalb der Brandschicht, das folgende Gefäß zum Vorschein: 48 großer Topf; dünnwandiger Ton mit rotbraunem Überzug; am Rücken ornamentiert mit viermal je einer von eingestochenen Punkten umgebenen Delle,

zwischen denen je vier geritzte Striche. Durchm. 29, Randd. 27, Bodend. 10, Höhe 14 cm.

Sonstige Funde: nichts; auch kein unverbrannter Tierknochen.

Zeitstellung.

Die Keramik dieses Hügels ist der Art nach ebenso einförmig wie die- jenige des vorbeschriebenen, etwas mannigfaltiger aber in der Farbe; große, dickbauchige Tonkessel sind nicht darunter. Sie gehört der reinen Hallstattstufe C an, denn die sogen. weißtonigen Gefäße wie Tasse 17 sind bisher nur dieser Stufe zugeschrieben. Sonstige Funde waren nicht vor- handen; diesem zufälligen Umstand ist es zu danken, daß der Hügel chrono- logisch zu Zweideutigkeiten keinen Anlaß gibt.

Ethnographie und Ritus.

Ebenso eindeutig wie die Typologie ist der Befund in ethnogra- phischer Beziehung. Etwas angegriffen zwar, aber im wesentlichen unbe- schädigt enthielt der Hügel die Reste einer einzigen verbrannten Leiche, aufgestreut in annähernd viereckigem Feld neben.der Mitte der Brand- schicht. Der sonst immer vorhandene Tierknochen als Rückstand irgend einer Naturalbeigabe von Schwein- oder Schaffleisch fehlte; dieser Ausfall tut nichts zur Sache, denn der Tote wird zuweilen auch Fleisch ohne Knochen mit ins Grab bekommen haben. Das „Bauopfer“ bei 2, die kleine Weihegabe bei 9 lassen den Hügelinhalt als ein abgeschlossenes Begräb- nis erkennen. Die vier Steine in einer Reihe am Rand dürfen auch hier erwähnt werden, obwohl sie vielleicht ohne oder nur von lokaler

Bedeutung sind.

Der Hügel kann als typisch für einen Ritus der Feuerbestattungen Mitte der Hallstattstufe C betrachtet werden und gilt als Beleg für

1) v. Merhart Gräber mit bemalter Keramik, Beitr. z. A. Urg. Bayerns 19. Bd. beschreibt S. 47 unter 29 eine Henkeltasse von Igensdorf aus unserer Sammlung; wahr- scheinlich ist diese gemeint, obwohl er schraffierte Dreiecke angibt. Ich finde jedoch keine Schraffur daran.

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den auf S. 9 der vorausgegangenen Abhandlung beschriebenen einen Typus der Brandgräber dieser Zeit.

Auffallend ist der Mangel an großen Tonbehältern für Flüssigkeiten, der sich bei Brandgräbern öfter wiederholt, also vielleicht kein Zufall ist. Wahrscheinlich dienten die großen Töpfe 11 und 18 diesem Zweck; im: Innern von 41 lag der kleine Napf 41a und über 18 stand die Weiheschale 17. Topf 18 muß ehemals zugedeckt gewesen sein, sonst hätten die Scherben von 17 darinnen gelegen. Die Töpfe sind durch die Schöpftassen als Flüssig- keitsbehälter gekennzeichnet; es ist also auch hier eine Unterscheidung zwischen Speisegefäßen und Flüssigkeitsbehältern zu erbringen. Da das ‚‚Bau- opfer‘“ 2 gleichfalls in einem solchen Topf dargebracht wurde, so wäre auch dies als eine Trankspende zu deuten.

7363. Ausgrabung am 5. Mai 1908. Tafel XV Abb. 26, 27.

Eine Bodenunebenheit mit oben aufliegenden Scherben und Steinen unweit des Hügels 7362 barg gleichfalls einige prähistorische Funde. Die Untersuchung förderte eine kleine Steinsetzung zu Tage, ganz unregelmäßig, s. Tafel XV 26, und Brandflecke, keine Brandschicht. Man könnte an den Rest eines zerstörten Hügels denken; aber die Zerstörung müßte doch mit zu viel Vorsicht gearbeitet haben, und so ist es vielleicht der Wahrheit näher kommend, anzunehmen, daß sich hier vor, während oder nach einer der Beisetzungsfeiern ringsum irgend eine Sonderzeremonie abgespielt hat.

Es ließ sich mit Hilfe von Ergänzungen die große Schüssel der Abb. 27 Tafel XV wiederherstellen; dunkelfarben, ohne Ornament, Durchm. 36 cm; Bodendurchm. ll cm; 11 cm hoch.

Eine Anzahl Randstückchen sind in Abbildung hier wiedergegeben. Das wichtigste darunter ist 17, wovon vier Scherbchen vorhanden sind. Der Ton trägt rötlich-semmelfarbenen Überzug und ein Ornament in schwarzem Lack, welches fast genau dem des merkwürdigen Gefäßfragmentes von Beckersloh Hügel III, 15 mit dem Ochsenkopfornament entspricht; ob auch bei diesem

hier eine ähnliche Guirlande vorhanden war, läßt sich leider nicht sagen. Als weitere Übereinstimmung ist auch daran der Randansatz einer ver-

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kümrmerten ansa lunata-Form vorhanden. Die Beckersloh ist in der Luft- linie 15 Kilometer von der Kammerloh entfernt.

Auch die Reste dieser Fundstelle gehören in die Hallstattstufe C, dem Schema nach und mit Vorbehalt; denn das Beckersloher völlig gleichgeartete Gefäß ist mit einer Paukenfibel der jüngsten Hallstattzeit, also Stufe D, vergesellschaftet und man kann daher das Igensdorfer Fragment und damit auch die Fundstelle, wenn man will, in gleich späte Zeit setzen.

Hügel 7364.

Ausgrabung vom 6. bis 8. Mai 1908. Tafel XV bis XVII.

Rund 100 Meter vom großen Hügel 7361 nach Ost am Weg zwischen den Waldteilen Kammerloh und Beckenholz war in diesem eine flache weitgedehnte Erhöhung des Bodens; nach lange vergeblicher Unter- suchung (11); Tage mit 8 Arbeitern) erwies sie sich schließlich als Grabstelle, die äußerste der Nekropole Igensdorf gegen Ost.

Der Eigentümer, Oekonom und Gutsbesitzer Konrad Meisel in Igens- dorf überließ das Grabungsergebnis schenkungsweise der Naturhistorischen Ge- sellschaft; hierfür und für seine verständnisvolle und hingebungsvolle Mitarbeit an den Grabungen sei ihm auch hier Dank gesagt.

Durchmesser beiläufig 15 Meter, Höhe etwa 1 Meter.

Boden lehmiger Sand; Steine wenig, kleine und große wahllos verwen- det, über der Grabessohle liegend. Weit außen in Ost und Süd, 7 und 8 Meter von der Beisetzung entfernt vier Erd-, bez. vermutliche Pfahllöcher.

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Brandschicht; stark, kräftig sich vom sonstigen Boden abhebend, aber keinen geschlossenen Brandplatz, sondern einen bandartigen Streifen auf der Grabessohle bildend, s. Grundriß. Diese um 50 cm tiefer als der umgebende jetzige Waldboden.

Keramik. Mit einer Ausnahme ist alles dunkelfarbige, zwischen schwarzgrau und braungrau wechselnde Ware, außen fast ganz ohne Gra- phit und mit wenig Ornamenten. Die wiederhergestellten Gefäße - s. Tafel XVI1.

Einige Streuscherben; darunter zwei eines außergewöhnlich dickwandigen Gefäßes mit Wulst, ornamentiert mit Fingereindrücken.

Nördliche Scherbengruppe; in situ s. Tafel XV Abb. 28 und Tafel XVI Abb. 30.

3 dünnwandiger Topf, Außenseite geglättet. Ornament: 5 mal je ein mit eingestochenen Punkten umgebener vertiefter Kreis. Durchm. 24 cm, Bodend. 8 cm., Randd. 20 cm; Höhe 12 cm; s. Abbildung 32.

4 Scherben einer großen, dickwandigen Schale, nicht wiederherstellbar.

5 Scherben, welche mit solchen von 4 drei große Tonkessel und eine Schöpftasse ergaben: a Tonkessel, klotzig-diekwandig mit konischem Hals; Durchm. 33 cm, Randd. 21 cm, Bodend. 11'% cm; Höhe 22 cm; s, Abbildung 32. b Schöpftasse mit Omphalos 18 mm Durchm.; Durchm. 10 cm, Höhe 5 cm; s. Abbildung 32. c Tonkessel aus dickwandig grobem Ton, mit steilem, auswärts gewendetem, 5 cm hohem Halskragen. Durchm. 33%, cm, Randd. 22\, cm, Bodend. 91, cm Höhe 31 cm; s. Abbildung 32. d Tonkessel aus dickwandig grobem Ton mit konischem Hals, Durchm. 32%, Randd. 21 cm, Boden- durchm. 11 cm; Höhe 32 cm; s. Abbildung 32.

6 mit einigen Scherben von 7 Tonkessel aus dickwandigem geglätteten Ton, mit konischem, abgesetzten Hals, leicht graphitiert. Primitiv eingeritzte Orna- mente sechsmal je ein viergeteiltes Sonnenrad abwechselnd mit je einem schraffierten Dreieck. Durchm. 28, Randd. 19, Bodend. 11; Höhe 26; s. Abbildung 32.

7 ergab zwei Gefäße; a Schale, sogen. weißgelbe Keramik, mit etwas nach außen gerichteten schmalem Steilrand, Ton innen grauschwarz, mit semmelfarbenem etwas ins Rötliche spielenden Überfang wie 736242. Boden ergänzt; Durchm. 17%, Randd. 16; Höhe 94%, cm; s. Abbildung 32. b Schüssel, stark ergänzt mit Scherben der Fundstelle der Bronzespiralen und des Scherbchens 8 Taf. XV Abb. 29, unvollständig; außen geglättet. ‘Wolfszahnornament mit eingestanzten Punktlinien; Durchm. 22',, Bodend. 15, Höhe 8%; s. Abbildung 32.

Südliche Scherbengruppe; in situ s. Tafel XVI Abb. 31. 13 Schüsselausdickwandigem Ton,innen graphitiert, etwas ergänzt. Durchm. 32, Bodend. 11, Höhe 10; s. Abbildung 33.

a

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14 ergab drei Gefäße in- oder übereinander: a Schüsselurne mit 21, cm hohem Steilrand, ursprünglich vielleicht mit rötlich-semmelfarbenem Überzug, im Feuer stark und durchaus gerissen, dunkelfarbig angeschmaucht. Durchm. 21% Randd. 20, Bodend. 8%; darin Erde mit kalzinierten Knochen, zugedeckt mit dem Stück einer flachen Schüssel, s. Abbildung 33. b Schüssel aus dickwandigem Ton, innen graphitiert; ergänzt. Boden aufwärts gewölbt. Rand nach innen ab- gesetzt, 8 mm breit. Durchm. 23%, Bodend. 10, Höhe 6, s. Abbildung 33. c dickwandige grobe Schüssel, Oberfläche des Tones von Sprüngen und Rissen durchzogen; ergänzt und unvollständig. Durchm, 26, Bodend. 13; Höhe 10; s. Ab- bildung 33.

15 Schüssel, ursprünglich vielleicht semmelfarben, jetzt bräunlich, Ton- überzug gesprungen und gerissen; unvollständig. S. Abbildung 33. Durchm. 25, Bodend. 9, Höhe ? Darin Erde mit kalzinierten Knochen, u. a. ein Stückchen Menschenschädel.

Leichen. Skelettreste keine. Wenn auch der Hügel sicher durch öftere Waldrodung gestört war, so ist doch nicht gut anzunehmen, daß er jemals Leichenbestattung enthielt, denn es fanden sich nicht einmal Splitter von Knochen; wohl aber Knochen weißgebrannt; sie lagen nicht, wie bei 7362, verstreut über ein viereckiges Feld, sondern füllten zusammen mit Erde die zwei Gefäße, von denen eines mit dem Teil einer Schüssel zugedeckt war 14a, 15.- Also anscheinend die Beisetzung einer oder zweier Brandleichen.

Metallbeigaben; s. Tafel XV Abb. 29, mehrere Ringbruchstücke 10 und 11, das eine 30, das andere 42 cm über der Brandschicht; sie gehören mindestens zwei Ringen von 31/, bezw. 3°/ı cm lichter Weite an, sind aber beide unvollständig. Die Bronze ist durch Oxydation in einen Körper von mehlartiger Beschaffenheit verwandelt, den eine äußere Rinde von gelblichgrüner Patinazusammenhält. Der eine besitzt eine walzenförmige Anschwellung. Ein Stückchen Bronzedraht 41, 17 mm lang, könnte die abgebrochene Nadel einer Fibel sein. Ferner 8 und 12, sieben kleine Bruchstücke von Bronzespiralen im Durchmesser von rund 5 mm, zusam- men 1O cm lang, aber nicht aneinanderpassend; ein Teil, von kleinerem Durchmesser, windet sich rechtsläufig, der andere von stärkerem nach links. Zu ihrer Herstellung ist Bronze und Eisen in bemerkenswerter Technik ver-

wendet; der Kern oder die FR Seele besteht aus einem Eisen- drahta in Form einer Schraube, 772 in die Windungen ist ein Bronze- draht eingehämmert!). Ein „_—T_ Il mm großer, flacher Bronze- knopf 9 mit Bruchstellen an beiden Seiten ist anscheinend aus einem Ring oder zwischen den Spiralen herausgebrochen. Schließlich

noch ein kleines Stückchen hochgewölbten Bronzebleches I2, dem ein ver- drücktes Hohlkügelchen von Bronze aufsitzt. Die Bronzen sind alle stark

1) Ingenieur. Hartmann hatte die Güte, Versuche zur Herstellungsolcher Gewinde _—— zu machen. Sie kommen nicht zu stande, wenn der Eisendraht viereckigen oder runden 7 ) Querschnitt hat; ist er aber seitlich ausgehämmert, so daß er diesen Querschnitt ___. zeigt, dann werden die Umdrehungen genau wie bei dem alten Original.

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beschädigt, machen aber nicht den Eindruck, als wären sie im Feuer gelegen.

Die interessanten, jedoch recht unscheinbaren und schwer zu deutenden Reste lagen mit Ausnahme des 12 cm höher, im Sande steckenden Ring- bruchstückes 11 auf einem Stein, 98 bezw. 95 cm unter dem Nullpunkt, das sind 42 bezw. 45 cm über der Brandschicht, alle in nächster Nähe bei- sammen. Bei den Bronzespiralen lag noch das Tonscherbchen 8 mit ein- gepreßten Kreisen, der dritte Fund dieser Art (die beiden andern s. Fest- schrift 1913 S. 124).

Typologie und Zeitstellung.

Wie bei den meisten unserer Hügelgräber der Stufe C ist auch bei diesem die Frage nach der Zeit nicht einfach mit einer Jahrzahl, sondern nur nach verschiedenen Wenn und Aber zu beantworten.

Der Gesamtcharakter der Keramik ist der der Hallstattstufe C; er zeigt aber verschiedene Schattierungen, auf welche hier nur hingewiesen werden soll. Bei den großen Tonkesseln ist der konische Hals in der Regel wie bei 6 scharf vom Rücken abgesetzt und auch der obere Rand scharf ausladend. Die Absicht zu solcher Formengebung ist bei 5a vorhanden, aus irgend welchen Gründen aber nicht bestimmt ausgesprochen. Bei 5c und.d da- gegen beschränken sich die Artmerkmale auf den bauchigen Teil; was den Halsteil anbelangt sind sie in unserer Sammlung alleinstehend. Bei 5d ist die äußere Linie weich und fließend, rundlich, nicht in scharf getrennten Absätzen nach oben steigend. Noch etwas fremdartiger ist die Gestaltung bei 5c: der Hals kommt senkrecht aus dem Topf heraus und verbreitert sich dann nach auswärts, ähnlich wie das im Kleinen bei den Schalen der weißgelben Keramik der Fall ist, z. B. hier bei 7a. Man könnte Anklänge an ältere Formen darin vermuten, wie se Rademacher’s zweite Hallstatt- stufe vom Niederrhein führt!). Die dortigen Gefäße stehen jedoch, wie Reinecke betont hat, unseren Hallstatt C-Formen sehr nahe und fallen auch nach Rademacher zeitlich größtenteils damit zusammen; seine zweite Stufe reicht ihm zufolge bis zum Jahre 700, also soweit wie bei uns Stufe C; außerdem fehlen unseren Gefäßen die Andeutung von Riefelung und über- haupt alle Feinheiten des Profils der Stufe B, sowie größtenteils selbst die Graphitierung.

Einen Tonkessel mit ähnlichem Halsrand wie 5d bildet Lang ab?); zu Sc fand sich nach langem Suchen in der Literatur eine ähnliche Form in der Schweiz ?), mit anderen Tonkesseln der Hallstattform und einer eisernen

1) Rademacher, Chronologie der niederrheinischen Hallstattzeit Mannus IV SmlS7AUT

2) Jos. Lang, aus Frankens Urzeit, Würzburg 1905 Taf. V 83 und Seite 20, dort fälschlich unter die Bronzezeitgefäße gerechnet.

3) Anzeiger für Schweizer Altertumskunde Band 15 1913 pl. XXV Tumulus de Gruningen Zurich; Nachbestattung S. 281.

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Schlangenfibel zusammen. Die letztere, in Bronze auch bei uns häufig vor- kommend, bezeichnet die jüngere Hälfte der Stufe C und die Stufe D. Die helltonigen Gefäße gelten dagegen als Vertreter der älteren Hälfte, den Be- ginn von C; unsere Nr. 7a sollte also in dieser Vergesellschaftung fehlen, ebenso wie die gleiche Schale des Hügels 7361, v. Sch. Tafel VIII Abb. 12, wenn die Keramik dieser Art ausschließlich einen Leitwert des älteren Zeitabschnittes darstellen würde.

Die Absonderlichkeiten der Tonkessel 5a cd fallen aus dem Hallstatt- stil heraus, es spricht sich auch keine fertige andere Stilform darin aus, wohl aber die Hinneigung zu einer solchen und zwar zu Latene. Sie rund- weg als Entwicklungserscheinungen zu bezeichnen geht jedoch nicht an, denn nach allgemeiner Annahme hat bei uns im Südteil des Hallstatt- gebietes eine Entwicklung von Hallstattformen nach solchen der Latene nicht stattgefunden; die letztere trat mit einer neuen Formensprache unver- mittelt auf den Plan. Ist aber die Entwicklung ausgeschaltet und trotzdem eine Verwandtschaft vorhanden, so kann es sich nur um eine durch Neben- einanderleben entstandene Anpassung handeln. Keramik dieser Art wäre dann freilich noch jünger, als wenn eine Stufe der Entwicklung zwischen- ° geschaltet wäre, die sich in der Späthallstattzeit, in Stufe D, abgespielt hätte. Es erübrigt sich, weiter darauf einzugehen, aber Anlaß zu einer solchen Hypothese finde ich in unserer Sammlung sowohl wie anderwärts und sie kann sich auch auf die übrigen Ergebnisse unserer Grabungs- berichte stützen.

Die Bronzereste sind zu dürftig, um die Gegenstände, denen sie ange- hörten, erkennen zu lassen. Das Ringbruchstück mit dem Knoten und die gelbgrüne Patina überhaupt deuten auf jüngste Hallstattzeit, wenn nicht auf Latene. Die Anwendung von Bronze und Eisen an einem und demselben Gegenstand ist kein ausschließliches Merkmal dieser Zeit, sondern kommt auch früher vor.

Die Funde vereinigen also Eigenarten verschiedener Stufen; bei den Bronzen überwiegen die Merkmale jüngerer Zeit. Die Keramik läßt in Nebensachen, wie die spärliche Graphitanwendung und die Sonderheiten an den Tonkesseln eine Beeinflussung durch jüngere Stilgebräuche vermuten, verharrt aber im wesentlichen noch in der altertümlichen Stilrichtung der Hallstattstufe C (‚Volk mit alten Hallstattsitten“). Man kommt also auf typologischem Weg zur selben Seite 30 ausgesprochenen Hypothese eines Hereinragens alter Formen in neuere Zeiten. Die Hügelerrichtung fiele demnach wenn nicht in die Latene-, so in die Späthallstattzeit mit ihren untersten Grenzen um 550 v. Chr., also in eine Zeit, zu welcher bereits eine andere Religionsübung und eine andere Stilart in den Nachbarschaften auzutreffen sind.

Ethnographie und Ritus.

Der Hügel enthielt keinerlei Skeletteile, sondern Leichenbrand, möglicher- weise von zwei Leichen; Gewißheit darüber besteht nicht, denn es könnte

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sein, daß die weißgebrannten Knochen von nur einem Toten herrührten, aber in zwei Gefäße gefaßt waren. Der Vergleich mit dem Typus 7362 ergibt teilweise Übereinstimmung, aber auch merkbare Unterschiede.

Übereinstimmungen: eine beträchtliche Anzahl von Gefäßen; gruppenweise Aufstellung in einer Ebene am Grunde des Hügels; gleichartige Überdeckung durch die Steinlage. x

Unterschiede: dort die weißgebrannten Knochenreste in vier- eckigem Feld auf die Brandschicht verstreut, hier in zwei Urnen gefaßt, deren eine zugedeckt und in anderen Schüsseln stehend; dort die Metallbei- gabe unter dem Feld mit den Knochenresten, niedergelegt also gleich bei Beginn der Zeremonie, hier oben liegend auf den die Gefäße überdeckenden Steinen, also dahin gelangt erst am Ende der Zeremonie als der Hügel geschlossen wurde, wie dies üblich bei den Leichenfeiern der Stufe D. Dort, wie bei den anderen Hügeln der Kammerloh, die große geschlossene Brandschicht nur wenig tiefer als der umgebende Waldboden, hier in breitem, band- förmigen Streifen reichlich 50 cm tiefer.

Ähnliche Übereinstimmungen und Unterschiede finden sich wieder in den nachfolgenden Berichten über die Hügel im Eichenloh; ihre Würdigung kann also mit diesen zusammen geschehen. Obwohl ein Hügel der Kammer- loher Nekropole hat er doch nur geringen Anteil an deren rituellen Ge- bräuchen. Der Gemeinschaft mit den Eichenloher Gräbern zufolge könnte

man geneigt sein, die Insassen der dortigen Bevölkerung beizuzählen und

das wäre vielleicht auch eine Erklärung für die hinausgeschobene Lage des Begräbnisses am Ostrand der übrigen Hügel.

Hügel 7704, Ausgrabung vom 10. bis 13. Mai 1912. Mit Tafel XVIII bis XXI.

Ungefähr in der Mitte zwischen den Hügeln 7361 und 7364 befand sich eine Unebenheit des Waldbodens, auf deren Oberfläche schon während der Grabung von 1908 vereinzelte Scherben P. 18 aufgelesen worden waren. Wahrscheinlich war früher Hügelgestalt vorhanden, irgend einmal hat aber eine Abtragung stattgefunden. Die Aussichten waren demgemäß recht un- günstig; doch zeigte sich bald, daß der Hügelinhalt von keinerlei tieferen Eingriffen betroffen worden war.

Grabbau. Eine Lage Steine vorhanden, die Beisetzung nachlässig überdeckend, die Grabessohle nicht erreichend; durch vorausgegangene Störungen wahrscheinlich dezimiert, Tafel XVIIl 34. Weit außerhalb, in drei Meter Abstand, ähnlich wie bei Hügel 7361 und 7362, eine Reihe nebeneinander liegender Steine, s. die gleiche Abbildung. Grabessohle nur wenig tiefer als der umgebende Waldboden.

Erdlöcher. Pfostenlöcher von länglich rechteckigem Querschnitt 16x12 cm, mit gerundeten Ecken, Wände vollständig glatt, jeweils 60 bis

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. 80 cm tief in den Boden hinein zu verfolgen, 4 Stück; drei davon an der Südseite in Abständen von je 150 cm eine Linie bildend, im Mittel 220 cm vom Meßbrett entfernt. Weniger gut als solche erkennbare Pfostenlöcher an der Nord- und Ostseite blieben unvermessen.

Brandschichten. Starke, zwei bis drei cm dicke Brandschicht I auf der Grabessohle, der natürlichen Bodenerhebung folgend von Nord nach Süd etwas ansteigend; ohne Inhalt. Acht cm. darüber bei II eine etwas schwächere, auf den Teil beschränkt, in welchem die Beerdigten ruhten; ebenfalls etwas ansteigend. Darin ein Teil der Gefäße und ein Bronzering- fragmentchen. Bei III Kohlen über den fast wagrecht geebneten Boden gestreut, bei 135 ° sich mit II vereinigend; darin der große .Scherben- haufen und die Leichen; Brandschicht I und einige Stellen von II dünn durchsetzt mit kleinen, völlig weißgebrannten Knochenstückchen. Alle drei Lagen, bzw. Schichten völlig ungestört.

. A,5o Mr 0,50 © 0,50 A,-m

PRER ee a 075 Den randschicht I BERN Aa 7704 BER m

A und B sind Baumstümpfe I—IIl drei Brandschichten übereinander; 44a und b

Unterkiefer vom Schaf; 6, 16, 18, 20, 24 das Scher- benlager mit den großen

Tonkesseln und Schöpf- tassen; rechts die Leichen

S 44 und 45

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7704 W

Leichen. Zwei Leichen nebeneinander, 14, 15, schlecht erhalten ; Schädel zerdrückt, aber deutlich erkennbar die Gesichter einander zugekehrt, s. Ab-

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bildung Tafel XIX 38. Leiche I4 besser erhalten, gestreckte Rücken- lage. Von Leiche 15 außer dem zerdrückten Schädel nur die linken Extremitäten und Stücke des rechten Ober- und Unterschenkelknochens erhalten; machte den Eindruck als hätte sie Seitenlage, liegend auf dem rechten Arm. Die Füße beider Leichen fehlten; an ihrer Stelle gehäuft größere Stückchen gebrannter Knochen von bräunlicher Farbe. Leichenbrand. Die erwähnten weißgebrannten Knochen in Brandschicht I und III sind vielleicht tierischer Abkunft, aber die bedeckte Urne 26b Tafel XX Abb. 40 unter den Oberschenkeln von 15 enthielt weißgebrannte Knochen in größerer Zahl, einigen Schädelstückchen nach zu schließen, möglicherweise von einem Menschen.

Metallfunde. Bei den Knochen der kleineren Leiche in Kohlen- chicht III fanden sich Reste eines Bronzebleches, nicht ebenliegend, sondern bogenförmig gekrümmt 15a; in Brandschicht II, nahe dem Gefäß 14c das Fragment eines Bronzeringchens 25. Sonst keine Metallbeigaben.

Keramik. Viele Scherben und Gefäße, fast durchweg einfache, dunkeltonige Ware, anscheinend zumeist graphitiert gewesen, aber nicht viel mehr davon zu sehen; wenige Ornamente. Rechts der Leiche neben Kopf und Schulter umfangreiches Scherbenlager, bezw. Gefäße in Haufen, nicht auf ebenem, sondern nach der Mitte etwas eingesunkenem mit Kohle geschwän- gertem Boden liegend, wie in einer Mulde, an den Rändern höher. Zur Seite und unter den Leichen Einzelgefäße in Scherben; vergleiche Tafel XIX 37, 38 und XX 39 in situ, Grundriß und Profil.

Streuscherben, nicht viele, verschiedenen Gefäßen angehörend. Einige offen obenauf liegende 1908 während der Grabung 7362 aufgelesen P, 18; dazu passend Streuscherben während der Grabung außerhalb der Stein- deckung und zwischen dieser gefunden, hochglänzend graphitiert, ergaben zu- sammen das Fragment der Schale P. I8, Durchm. 17!/; cm, Tafel XX Abb. 41; zentimeterdicke Scherben eines großen Tonkessel-Gefäßes mit rundlich-S- förmigem Profil, hellbrauner Überzug, nach unten gerauht und gefurcht fanden sich sowohl als Streuscherben, dann bei I7, mit dem Schafunter- kiefer bei 14b und bei 20 mitten im großen Scherbenhaufen.

Der große Scherbenhaufen ergab folgende Gefäße: einen Satz 4 bis d von vier großen Tonkesseln mit konischem Hals und einigen Weiheschalen bezw. Henkeltassen.

a bei 18, dunkeltonig, nicht graphitiert; am Rücken vier Gruppen zu je

@ ® © Punkten, mattglänzend schwarz; Durchm. 42, Bodend. 13, Höhe 35. Im

Innern der Scherben auf dem Gefäßboden stand Henkeltasse 28; s. Tafel XX 39 und XXI.

b bei 24, dunkeltonig außen, innen mit dem semmelfarbenen Ton der sog. weißgelben Keramik überzogen und teilweise schwärzlich geschmaucht; vom Boden bis zur größten Ausladung gerauht, obere Hälfte glatt mit Resten von Graphitierung; am Rücken drei Gruppen zu je vier vertieften Kreisen; Durchm. 37, Bodend. 10, Randd. 25, Höhe 33; s. Tafel XX1.

c bei 20, dunkeltonig; vom Boden bis zur Mitte gerauht, obere Hälfte glatt und graphitiert. Durchm. 37, Bodend. 10, Randd. 21, Höhe 34; s. Tafel XXI.

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dbei20, unvollständig; vom Boden bis zur Mitte ge- rauht, obere Hälfte glatt, in Metopengliederung ornamen- tiert in feinen Rasterlinien, s. nebenstehend.

e Scherben von 18—24:

ge

Schüssel, starkwandig, dunkeltonig,innengraphitiert; : Durchm. 26, Bodendurchm. "rel, Er?

14%, Höhe 71, ; s. Tafel XXI.

f dsgl.: große Schale, sehr dickwandig, dunkeltonig, innen graphitiert, er- gänzt; Durchm. 31, Bodend. 14, Höhe 9; s. Tafel XXI.

g dsgl.: flacher Teller, dickwandig, brauntonig, stark geschmaucht, Boden hochgewölbt, Durchm. 23%, Bodend. 9, Höhe 4, ; s. Tafel XXI.

h dsgl.: Teil einer Schale, dickwandig, dunkeltonig, innen graphitiert, Boden hochgewölbt; Durchm. ca. 20, Bodend. 8, Höhe 4; s. Tafel XXI.

i dsgl.: halber Teller, dunkeltonig, innen graphitiert gewesen, ergänzt; Durchm. 24, Bodend. 10, Höhe 5; s. Tafel XXI.

k dsgl.: Henkeltasse (Weiheschale), Henkel abgebrochen, dünnwandig, außen und innen graphitiert, mit Omphalos, ergänzt; Durchm: 13%, Bodend. 4%, Höhe 5c; s. Tafel XXI.

I dsgl.: Teil eines Tellers, dunkeltonig, innen graphitiert, mit ein- gestempeltem, einfachen Sonnenornament, s. obige Textabb. rechts; Durchm. 25, Bodend. 14, Höhe 5.

6a halbe Schale, brauntonig, Durchm. 17, Bodend. 91,, Höhe5; s. Tafel XXI.

6b Schale, sehr dickwandig, dunkeltonig, innen graphitiert gewesen, Boden hochgewölbt; Durchm. 22, Bodend. 13, Höhe 5W/2; s. Tafel XXI.

6c Scherben einer Schüssel, nicht wiederherstell- bar, sogen. weißgelbe Kera- mik, d.h. semmelfarbener Überzug, zerfressen und löcherig; am Rücken Ornament von schwarzen Lacktupfen.

16 Scherben mehrerer Gefäße, nicht wiederherstellbar.

28 Henkeltasse (Weiheschale), stand unter den Scherben und auf dem Gefäßboden des a bei 18 in situ Tafel XX Abb. 39; außen und innen graphitiert gewesen, mit Omphalos; Durchm. 12, Bodend. 4, Höhe 5; s. Tafel XXI.

29 Henkeltasse (Weiheschale), innen und außen graphitiert gewesen, Henkel mit drei Rillen; in situ Tafel XX Abb. 39; Durchm. 13, Boden abgeblättert, Höhe 6; s. Tafel XXI.

Außerdem viele Scherben, teils zu den aufgezählten Gefäßen gehörend, aber nicht unterzubringen, teils anderen Gefäßen angehörend, deren Form nicht feststellbar ist.

Gefäße neben dem Unterkörper der Leichen:

44c Schüssel, neben dem rechten Bein von 44; außen graphitiert ge- wesen; Durchm. 27%, Randd. 21, Bodend. 10, Höhe 13!/2; Tafel XX 40.

22 Schüssel neben 45, nur teilweise wiederherstellbar, dickwandig, mit rötlichbraunem Tonüberzug, der graphitiert war; am Halsansatz eine bezw. zwei gefurchte Linien, s. Tafel XX 42, Durchm. 26%, Randd. 21%, Höhe 6—7 und verschiedene andere Scherben.

43 ein Topfboden in Brandschicht 1.

Gefäße unter den Leichen in situ Tafel XX 39.

DE RE EN ET METER TE TEE

44

49 Teller zwischen den beiden Schädeln, s. Abb 37 und 39in situ, dickwandig, innen graphitiert, Durchm. 22, Bodend. 9, Höhe 6; Tafel XX 40.

23 Schale unter dem Gesäß von 14; außen braungrau, innen graphitiert gewesen; Durchm. 27, Bodend. 9, Höhe 6%, Boden ‚hochgewölbt; Abb. 40.

96 zwei Gefäße unter den Oberschenkeln von 15, ineinanderstehend, in situ Abbildung 39, rekonstruiert Profil S. 41; wiederhergestellt Abbildung 40. a hohe Schüssel, dickwandig, innen und außen braungrau; Durchm. 26, Bodend. 7%, Höhe 10%, Boden hochgewölbt. b großer Topf, dunkeltonig, rissige Oberfläche ; Durchm. 28%,, Randdurchm. 20, Bodend. 9, Höhe 18; darinnen weißgebrannte Knochen.

27 Schüsselfragment mit einigen Scherben von 18—24 unter der Achsel von 45, dunkeltonig; Durchm. 23—25, Randd. 21—23, Höhe 11; Tafel XX 40.

Zeitstellung und Typologie.

Unter den wenigen Bronzeresten befinden sich Teile eines Zierbleches. Es lag in der Nähe des Ellenbogens der seitlichen Leiche, bogenförmig ge- krümmt, umschloß also einen Körperteil ; am Arm kann es nicht getragen worden sein, denn dieser lag frei darüber; es umfaßte also wahrscheinlich den Leib und ist der Rest eines Gürtelbleches. Damit ist Hallstattstufe C gegeben. Dem entspricht auch die Keramik. Ornamente sind nur spärlich daran ver- treten. Eines der großen dickbauchigen Gefäße von 18 trägt ein nach Form und Technik nicht gerade häufiges Ornament: in Metopengliederung hängende Streifen, alternierend mit Wolfszahnzacken, beide Muster in Rasterlinien er- stellt. Dieselbe Technik wird sich bei 13 Hügel 6908 und besonders an einem Gefäßfragment von 5 bei 6909 in der Eichenloh wiederfinden. Graphi- tierung ist nicht durchweg vorhanden; Graphit-Hochglanz hat nur das Gefäß- fragment P148, dessen andere zugehörige Scherben z.T. freiliegend auf der Oberfläche des Hügels gefunden wurden. Es zeichnet sich durch das ver- mutlich eingepreßte Ornament und durch die Reliefwülste am Hals aus. Die Typologie versetzt uns in die Zeit von 850 bis 700 v. Chr.

Ethnographie und Ritus.

Auch bei diesem Begräbnis hat vor Beginn der Zeremonie ein großes Feuer auf der Grabessohle gelodert und erst nach dem Erlöschen der Glut kann die Beisetzung stattgefunden haben. Ein „Bauopfer‘ in Gefäßdarbietung wurde nicht angetroffen. Diejenige Partie der unteren Brandschicht, über . welcher die Leichen ruhten, war mit kleinen, weißgebrannten Knochenteilchen gemischt, „gesalzen‘‘ könnte man es nennen. Dieses Bestreuen muß eine Handlung für sich nach dem Erlöschen des Brandes gewesen sein, denn wenn ein Körper im Feuer verzehrt worden wäre, so hätten die Reste gehäuft ge- legen; sie sind also erst nach dem Brand über die Fläche verteilt worden. Menschenreste braucht man nicht anzunehmen, wahrscheinlich waren es Tier- reste, denn nicht überall, wo weißgebrannte Knochenteile sich finden, ist auf eine Menschenleiche zu schließen.

Nach dem Erlöschen der Glut wurde die mit Knochenteilchen ‚‚gesalzene‘“ Kohlenschicht gleichmäßig mit Erde bedeckt und darüber brannte nochmals

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ein Feuer, Brandschicht II. Letztere war entweder sehr ungleichmäßig oder absichtlich nur an einigen Stellen mit Knochenteilchen bestreut und es standen einige Gefäße darin, unter den Leichen. Eines, 23, unter dem Gesäß der Hauptleiche, zwei andere in einander, 26 etwas unterhalb des Gesäßes der zweiten Leiche, 27 unter den Schultern und 19 zwischen den beiden Köpfen; sie kamen erst nach Abheben der Leichen zum Vorschein, s. Tafel XX Abb. 39.

Die Füße der Körper fehlten; an ihrer Stelle lagen, wie oben erwähnt, braun-, d. h. nicht ganz durchgebrannte Knochenteilchen. Sie sind also durch kein so intensives Feuer gegangen, wie die völlig weiß-, d.h. ganz durchgebrannten, mit denen die Brandschichten „gesalzen‘‘ waren. Sie können gleichfalls nicht wohl von einer Menschenleiche herrühren und selbst ein Tieropfer leuchtet an dieser Stelle nicht recht ein. Ich halte sie denn auch für ganz etwas anderes, nämlich für die verbrannten Füße der Leichen, weil sie gar so auffällig um die distalen Enden der Tibien verteilt waren. Es würde dies zur ‘Voraussetzung haben, daß die Toten längere Zeit im Hause unbeerdigt gelegen hatten. In dieser Zwischenzeit fielen die Füße ab und wurden einstweilen verbrannt, die Überreste aber aufgehoben, um sie bei der Bestattung den Leichen hinzuzufügen ').

In gleicher Ebene mit den Leichen, also ihnen zur Seite, lagen die Scherben, bezw. Gefäße 14c und 22, auch die Schafunterkiefer 14a, b. Die rechte Tibia der Leiche 14 lag bei der Auffindung über dem Gefäß 14c, was allenfalls den Eindruck erwecken könnte, als wäre dies gleichfalls unter dem Toten gestanden; der Knochen ist aber von dem hindurchgewachsenen Baumstamm B offenbar neuzeitlich hinaufgeschoben; bei der Aufdeckung war dies ersichtlich.

Die ausgedehnte Scherbengruppe rechts der Leichen bestand in der Hauptsache aus den bekannten großen dickbauchigen Tonkesseln und den dazu gehörenden Schöpftassen oder Weiheschalen, deren einige unversehrt in den großen Gefäßen standen. Hier hatte der Standplatz nicht die geneigte Fläche des natürlichen Bodens, wie die Grabessohle, sondern man hatte Erde angeworfen, um den Gefäßen einen sichereren Stand zu geben. Wie es scheint, mußten auch sie auf geweihtem Boden stehen und deshalb waren hier nochmals Kohlen mit Knochenteilchen aufgestreut worden, bevor man

* die Gefäße niedersetzte.

Den Pfostenlöchern ist auch bei diesem Hügel keinerlei Bedeutung für die Aufbahrung beizumessen, sie waren zu weit außen, so daß die Spann- weite 7 Meter betragen hätte. Wenn man sie als die Andeutung einer Um- friedung betrachtet, werden sie eher verständlich.

Besonderes Interesse verdienen die beiden Leichen. Die auf dem Rücken liegende war den kräftigen Extremitäten- und Schädelknochen, sowie dem Unterkiefer und den stark abgekauten Zähnen nach eine erwachsene Person in reiferen Jahren, aller Wahrscheinlichkeit nach ein Mann. Es war ein

1) Über Teilverbrennung s. Olshausen Ztschr. f. Ethn. 24 S. 164 uf und meine Aus- führungen S. 29 unten. 3

46

Langschädel mit schmalem Gesicht, kräftiger Stirnnasenwulst (Glabella) und tiefliegender Nasenwurzel, s. Tafel XVIII Abb. 36, wie die meisten Hallstattzeit-Schädel unserer Sammlung. Das Gesicht war dem Gefährten zugewendet. Von diesem, der zweiten Leiche, waren weniger Skeletteile erhalten geblieben. Es war eine kleinere Person, den nicht abgenützten Zähnen des abgerutschten Unterkiefers nach eine jugendliche Person von 12—14 Jahren, aller Wahrscheinlichkeit nach ein Mädchen; dafür spricht auch das Gürtelblech, dessen Reste den Leib umschlossen. Sie lag seitlich, auf dem rechten Arm, Gesicht und Körper der erwachsenen Person an- geschmiegt.

Dem unzweideutigen Befund nach kann hier von „Nachbestattung‘“ nicht die Rede sein. Die Beisetzung der beiden geschah gleichzeitig und zwar erscheint 14, der auf dem Rücken liegende Tote, als die Hauptperson, die Ursache der Veranstaltung und auch die Todesursache des Mädchens. Denn hier handelt es sich mit jenem Grad von Wahrscheinlichkeit, den ein Geschehnis haben kann, dessen Augenzeugen längst verstummt sind, um nichts anderes, als um ein Menschenopfer.

Nicht genug damit enthielt aber auch die bedeckte Urne unter diesem geopferten Wesen weißgebrannte Knochen, vermutlich die Reste eines Tier- opfers; aber die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, daß auch Mensch in Betracht kommen kann. Von Gelenkköpfen, Zähnen oder sonst bestimm- baren Teilen ist leider nichts erhalten. In die Gedankenwelt des Vor- geschichtsmenschen ist uns der Einblick versagt; war es ein Mensch, so bleibt die Deutung dieses Fundes ein Rätsel.

Die Freilegung des Begräbnisses war am 11. Mai beendet; Sonntag den 12. Mai konnte daher eine größere Anzahl Mitglieder der Anthropologischen Sektion und der Naturhistorischen Gesellschaft das Ausgrabungsresultat be- sichtigen und es war Gelegenheit zu einem Vortrag an Ort und Stelle ge- geben. Den ganzen Tag über kamen Ausflügler und Scharen von Bauers- leuten aus der Umgebung, denen das offensichtliche ‚„Gebahren der Heiden‘ reichlichen Stoff zur Unterhaltung bot.

Ein Vergleich mit dem in der Luftlinie 32 Kilometer entfernten Grab 7317 bei Oberreinbach, Festschrift von 1913 S. 125 läßt die Gleichartigkeit der Aufbahrung und damit die gemeinsamen Grundzüge des Ritus einer gut be- stimmbaren Zeit erkennen, der Hallstattstufe C, 850—700 v. Chr. Ich leite aus den übereinstimmenden Zügen beider die Berechtigung ab, für die genannte Epoche unserer heimischen Hallstattgräber den Ritus in dieser Form als bindend zu erklären. Seine. Merkmale sind auf S. 8 und 9 der voraus- gegangenen Abhandlung dargelegt, es genügt deshalb, darauf zu verweisen.

Die Anordnung der Gefäße weicht in Einzelheiten von der Oberrein- bacher Bestattung ab; bei jener standen keine Gefäße unter den Leichen. Es kann dies nebensächlich sein oder noch innerhalb des offen zu lassenden

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‚Spielraums fallen; immerhin darf darauf hingewiesen werden, daß sich hier einzelne Züge des Althallstattbegräbnisses 7167 der Bettelleite wiederfinden, siehe Festschrift i913 S. 121. Man vergleiche Grundriß und Profil von dort mit 7704; abgesehen von dem ‚Buffet‘ des letzteren ist die Verteilung der Gefäße bei und unter den Leichen gleicher Art: hier und dort Gefäße unter Hals und Schulter, unter dem Körper und greifbar zur linken Hand, ebenso wie die Tierknochen. Das sind vielleicht zufällige Gleichungen, können aber auch Anzeichen sein, daß der Hallstatt C-Ritus sich aus Althallstattgebräuchen entwickelt hat. Im Gegensatz dazu würde beispielsweise ein Vergleich zwischen Oberreinbach und der Bettelleite zwecklos sein und keine Ähnlichkeit ergeben, ein Zusammenhang stellt sich erst ein auf dem Umweg über Igensdorf 7704. Das kann man aber so deuten, daß das dem Althallstattritus entfremdete Oberreinbach ihm auch zeitlich weiter entrückt ist, wohingegen das zwischen beiden Riten vermittelnde 7704 ihm näher steht und daher zeitlich vor Ober- reinbach zu setzen ist. Einem Teil des Zeremoniells zufolge stellt sich dem- gemäß die ältere Hälfte der Hallstattstufe C bis zu ihrer Mitte als ethnographisches Ergebnis dieses Hügels heraus.

Die Totenfeiern können sich nur im Einklang mit den religiösen Bräuchen abgespielt haben, wenn auch jeder Hügel noch so viel individuelles Gepräge und Sonderzüge aufweist; Varianten sind um so selbstverständlicher, je um- fangreicher und weitschweifiger das Zeremoniell ist. Warum sollten sie daneben nicht auch entwicklungsgeschichtliche Bewegungen widerspiegeln? Aus Mangel an Beobachtungs- und Vergleichsreihen läßt sich diese Frage weder bejahen noch verneinen, aber als eine wie v. Luschan es nennt ‚„Arbeits- hypothese‘‘ darf sie immerhin aufgestellt und in Betracht gezogen werden.

Unterrüsselbach Waldteil Eichenloh bei Igensdorf.

Frühere Grabungen: am 9. und 13. August 1883. Ausgrabung eines Hügels durch den Historischen Verein zu Bayreuth. Dort befinden sich auch die Funde. 5. und 6. Okt. 1888 durch die anthropologische Sektion, Dr. Baumüller und J. Wunder.

Literatur: Dr. Schmidt, Grabungsbericht; Lehrer Räbel dsgl., beide im Jahresbericht für das Jahr 1883 im Archiv für Geschichte und Altertumskunde von Oberfranken XV. Bd. 3. Heft S. 270 uf.

Nr. 7375. Einzelfund Latene A-Ring Vom Anger vor dem Geschenk von Konrad Eichenloh. z Meisel.

3*+

a a Se A u ne Te 48

Einen Kilometer südöstlich von Igensdorf, in einer, der Kammerloh. entgegengesetzten Richtung, liegt eine andere zur Gemeinde Unterrüsselbach gehörende Nekropole im Waldteil Eichenloh. Nach den Vermessungen J. Wunders zählt sie 21 Hügel (nach Dr. Schmidt 10—11, nach Räbel 13, nach neuerer Untersuchung 28), von denen im Jahre 1905 einige holzfrei ge- worden waren. Der Kgl. Postexpeditor Joh. Friedrich, damals in Igens- dorf, erwirkte vom Besitzer Ökonom Stadelmann in Unterrüsselbach für die Naturhistorische Gesellschaft die Erlaubnis zur Ausgrabung und Justin Wunder führte sie vom 17. bis 19. April 1905 aus. Es war seine letzte Grabung für die Anthropologische Sektion, denn bald darauf verließ er Nürn- berg, um in Odessa eine Ultramarinfabrik einzurichten und zu ‚leiten. Da auch seinen Sohn und ebenso eifrigen Prähistoriker Ludwig Wunder die Lehrtätigkeit zur selben Zeit der Heimat entführte, so bildete die Grabung den Abschluß eines langen, für die Geschichte der Anthropologischen Sektion als „Epoche Wunder‘ wichtigen Zeitraumes. Einige Worte über den Prä- historiker Justin Wunder dürften daher erwünscht sein.

Chemiker Justin Wunder war einer der Mitbegründer der Anthro- pologischen Sektion im Jahre 1882. Die Arbeiten im Feld wurden in den Erstlingsjahren voll regen Eifers zumeist gemeinsam unternommen und durch- geführt; als aber im Lauf der Jahre einer der Mitarbeiter nach dem andern, Dr. Hagen, Einstein, Prof. Spieß, Dr. Baumüller, den Spaten aus der Hand legten und selber in den Hügel gingen, blieben ihm und seinen heranwachsenden Söhnen die Grabungen der Sektion mehr und mehr allein überlassen, obgleich Mitglieder immerzu zur Teilnahme sich einfanden. Er hatte bald erkannt, daß das anfänglich ausschließlich auf Funde, womöglich Bronzen, gerichtete Bestreben den Zielen der Forschung abträglich war: nicht der Funde wegen, sondern um den sonstigen Rätseln der vorgeschichtlichen Hinterlassenschaften in den Hügeln nachzuspüren, sollte gegraben werden. Als Mittel hierfür galten ihm exakte Messungen und Erstellung genauer Fundberichte, nach denen es, wenn nötig, möglich sein sollte, den Hügelinhalt jederzeit wieder so aufzustellen, wie er an Ort und Stelle verteilt war. Jede Vernachlässigung dieser Prinzipien erschienen ihm, wie Ludwig Wunder es auch einmal in einem Vortrag ausführte, als Gräberschändung und Leichenraub.

Nach mannigfachen Versuchen war er zur Überzeugung gelangt, daß die Ausgrabung unserer komplizierten Hügelgräber am erfolgreichsten nach dem System Cohausen Abgraben von außen nach der Mitte in konzentrischen Kreisen sich bewerkstelligen ließ, wußte es aber, unterstützt von seinem Sohn, erheblich zu verbessern, indem er ein Winkelmaßbrett mit einer Kreis- einteilung von 360° hinzufügte, welches an der höchsten Stelle des Hügels nach dem Kompaß orientiert wurde und von wo aus mit dem Bandmaß nach allen Seiten die Längenmaße abgenommen werden konnten, siehe den Ab- schnitt „Die Methoden der Grabung‘‘ von Ldg. Wunder in der Festschrift von 1901 S. 248. Im Großen und Ganzen hat sich das System bewährt; es

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hatte aber den Nachteil, daß zur Abnahme des Tiefenmaßes die Hügelober- fläche benötigt war, die selbstverständlich mit fortschreitender Arbeit ver- schwindet. Das Situsbild konnte daher erst zu Hause nach dem Grund- riß und den bei aller Fülle doch manchmal unzureichenden Maßen gewonnen werden. Allenfallsige Zweifel ließen sich also nicht gleich an Ort und Stelle an Hand des Befundes beheben. Seither haben wir das Bandmaß durch eine feste, zusammenlegbare Stange ersetzt, welche bei jeder Messung mit der Wasserwage in die Ebene des Winkelbrettes, des Nullmeters, gebracht wird; jede hieran abgenommene Tiefenmessung zeigt somit den direkten Höhen- unterschied zwischen der Lagerung des Gegenstandes und dem Nullmeter an und macht unabhängig von der Hügeloberfläche, welche daher auch schichten- weise abgetragen werden kann. Doch bedingt beinahe jeder Hügel Modifi- kationen der Grabungsmethode. Dieses unser verbessertes Grabungssystem samt der vorgedruckten Hilfsformulare hat auch das Kgl. Generalkonservatorium sich zu eigen gemacht und es würde dem Dahingegangenen sicher eine große Genugtuung sein, wenn er hätte erleben dürfen, daß seine „Cohausensche Methode“ zu solchen Ehren gelangt ist.

Der beendeten Grabung folgte zu Hause die mühselige Bearbeitung des gewonnenen Materiales, das Reinigen der oft umfangreichen Scherbenmassen und ihre Wiederherstellung zu Gefäßen, eine Arbeit, an der die gesamte Familie teilnahm; dann die Anfertigung des Protokolles mit Profilen und Grundrissen, mit den Zeichnungen der Gefäße und ihrer abgerollten Ornamente. Den Abschluß bildeten Vorträge in der Muttergesellschaft, welche die Funde entgegennahm und in der Sektion, wobei es oft zu lebhaftem und anregendem Meinungsaustausch kam, bei dem Wunder, wenn es galt, seinen Mann zu stehen wußte. Als Pfleger der prähistorischen Sammlung hatte er die Funde auch aufzustellen. Das war in dem raumbeschränkten alten Haus der Schild- gasse manchmal schwieriger noch als das Zusammensetzen der Gefäße und hielt dauernd in Aufregung. Denn ‘war wirklich ein Platz gefunden, dann stach der dem Pfleger einer anderen Abteilung so lange in die Augen, bis es zu Auseinandersetzungen kam und nicht selten mußte Wunder mit den Töpfen, die bei Vielen so gar nichts Naturhistorisches an sich hatten, wandern, bis er endlich in einem kellerartigen Gewölbe im Hinterhause landete, das zwar nur ein Hohn auf einen Sammlungsraum war, das ihm aber vollkommen feuersicher schien. Es wäre zur Not auch bombensicher gewesen, wenn man sich. damals schon und in der glücklichen Friedenszeit Schutz vor feindlichen Fliegern hätte denken können.

In langen Jahren hat J. Wunder der Naturhistorischen Gesellschaft eine umfangreiche prähistorische Sammlung in selbstlosester Aufopferung er- arbeitet, was um so höher einzuschätzen ist, als die kleinlichen Verhältnisse von früher jeder werktätigen Arbeit abhold waren und Gesellschaft wie Sektion stets mit finanziellen Schwierigkeiten rechnen mußten; sich regen bringt zwar Segen, kostet aber immer auch einiges Geld.

so

Von 1896 bis 1897 leitete J. Wunder als Obmann die Geschäfte der Anthropologischen Sektion, wofür seine mit der Prähistorie verwachsene mar- kante Persönlichkeit wohl geeignet war, doch bildete es mehr eine Last für ihn als ein Vergnügen. Seine ganze Arbeitskraft gehörte der Tätigkeit im Feld und jahraus, jahrein durchzog er, das Urbild eines Lokalforschers, in freien Stunden die Gegend, inventarisierte Hügelgruppen und Verschanzungen, suchte neue zu finden und fruchtbringende Beziehungen mit den Besitzern anzuknüpfen, die ihm bei seinem liebenswürdig-bescheidenen Wesen gerne Entgegenkommen bewiesen. Mehr als in der Stadt haben seine Verbindungen auf dem Lande die prähistorischen Bestrebungen volkstümlich gemacht. Sektion und Gesellschaft waren ihm gleicherweise zu Dank verpflichtet und ernannten ihn daher auch zum Ehrenmitglied; sein Andenken ist für immer mit unserer prähistorischen Sammlung eng verknüpft.’ Veröffentlicht hat er wenig und nur in den Abhandlungen der Naturhistorischen Gesellschaft (X1. Band). Mit seinem Wegzug von Nürnberg endete auch seine Tätigkeit auf dem Gebiete der Vorgeschichte. Als Fabrikdirektor in Niederösterreich beschloß er 1910 sein arbeitsreiches Leben im Alter von 73 Jahren.

Hügel XII; 6908.

Ausgrabung vom 17. bis 19. April 1905. Mit Tafel XXI1.

Auszug aus Wunders Protokoll.

„Die Hügel der Eichenloh haben fast alle in der Mitte oben Vertiefungen; das kommt meistens daher, daß die Besitzer Steine zum Wegebau heraus- holen, wobei dann freilich auch manchmal Scherben und Bronzen mit heraus- kommen. Nur in seltenen Fällen wurde ein Hügel der Bronzen wegen an- gegraben, so Hügel XVII von einem früheren Bahnexpeditor. Auch unser Hügel XII hatte oben eine Vertiefung vom Steinherausholen. Man mußte daher das Winkelbrett, damit es auf die höchste Höhe des Hügels kam, etwas außerhalb der Mitte setzen, die ungefähr bei 240° war, 180 cm von der Mitte des Winkelbretts.‘

Grabbau. ‚Der Durchmesser des Hügels betrug ungefähr 12,3 m, die Höhe über der Bodenfläche ungefähr Il m. Auf der südwestlichen Seite von 196° bis 238°, 7,5 bis 8,2 m von der Brettmitte, 1,4 unter dem höchsten Punkt waren Steine, teils nach dem Umfange gestellt, teils liegend, wie ein Steinkranz; er setzte sich aber nicht weiter fort.“ Nach dem Wunder’schen Profil lagen die wenigen Steine in und unter der Grabessohle

Brandschicht. „Bei 148°, 6,2 m vom Brett, 0,4 m tief unter der Oberfläche war ein Brandplatz mit Holzkohlen, etwa 0,5 m breit allseitig von Lehm umgeben.“ An anderen Stellen Kohle in kleinen Stückchen. Eine durchgehende Brandschicht war nicht vorhanden, insbesondere nicht in der etwa 0,5 m unter der Oberfläche des umgebenden Waldbodens liegenden Grabessohle.

ol

Leichen. Menschliche Skelettreste fanden sich im Südwestteil des Hügels; sie tragen die Nummern 2, 6, 41, 12 und lagen in verschiedenen Tiefen zwischen 30 bis 80 Centim. unter der Hügeloberfläche. ‚Es wurde über den Knochen sorgfältig abgedeckt, aber nur durcheinander geworfene Knochen gefunden.“ Den spärlichen Resten nach kann es sich um nur eine bestattete Leiche gehandelt haben. Kalzinierte Knochen gibt Wunder an bei 4 mit Kohlenteilchen 110cm unter der Oberfläche des Hügels, bei 8/9 und 43 zusammen mit Scherben, bezw. mit Gefäßen. Er pflegte die kalzinierten Knochen, wenn sie vereinzelt vorkamen, gleichfalls zu numerieren und auf- zubewahren. Es sind aber trotz der vier Fundstellen nur etliche 4 oder 5 Stückchen insgesamt vorhanden.

Metall- und sonstige Funde: keine.

il Scherben u Gefäke Y e >

13 oO” f Mitte d

Messbrettes

Grundriss

nach Just. Wunder

ii Tete des Waldbodens Ba AU 272 ere\ Tele. IS/ NS sw 1773 = me 4

6908 Skelett eingezeichnet nach den Knochenmaken des Protokolles

Keramik. Die Scherbenfunde Nr. 1, 3, 7, 10, weit verstreut, sind nur vereinzelte kleine Streuscherben und bleiben somit außer Betracht. Keramisches Material, welches als Bestandteil der Aufbahrung zu betrachten ist, bilden die No. 5, 8/9, 11—19. Sie sind im folgenden’nach dem Protokoll und mit ergänzender Beschreibung nach dem vorhandenen Material aufgezählt.

52 Nr. Grad 5 234 8/9 236—243 41 260 12 246 13 243 14 265

Tiefe unter

der

0,8

1,0

0,8

0,9

Entfernung

Oberfläche

2,8 m

2,8—2,95 m

2,6 m

Einziges Bruch- stück eines großen Gefäßes, fast 1 cm dick- wandig, dunkel- farbig mit ge- rauhter Ober- fläche, nicht graphitiert, hart und scharf ge- brannt, mit Re- liefornament am Hals s. nebenste- hend. Einige un- bedeutende an- dere Scherbchen.

Scherben mit einem kleinen kalzinierten Knochen; das wiederhergestellte Gefäß siehe Tafel XXII Abb. 44, stark ergänzt. Dickwandig, dunkeltonig, außen graphitiert, rundlicher Stand ohne abgesetzten Boden. Durchm. 25 cm, Randdurchm. 21 cm, Höhe 13 cm; etwa achtmal je 2 Tellen dicht unter dem Steilrand. Ein dabei gefundener kleiner Henkel hat wohl dazu gehört. Einige Scherben, welche zu Nr. 13 passen.

Sechs Scherbchen, eines mit viel Glimmer; ein anderes mit eingepreßten, weißeingelassenen Punkt- reihen wie v. Sch. Tafel XIV Abb. 23.

Scherben verschiedener Gefäße, im ganzen wenig, ein hellfarbiger, ein dunkeltoniger und ein desgl. mit eingepreßten weißeingelassenen Punktreihen wie 11; dazu einige Scherben passend zu 43 und 19.

Scherben mit einem kleinen kalzinierten Knochen; aus den Scherben konnte eine Schale, die zu ?/3 ergänzt ist, wiederhergestellt werden s. Tafel XXII Abb. 44; dunkeltonig, innen graphitiert; Durchm. 17\/'g cm, -Höhe 5 cm. Dazu paßten Scherben von 8/9.

Einige Scherben einer großen dunkelfarbigen

Schale mit Rasterlinien-Ornament; einige Scherben passend zu 12. Scherben von drei roten Gefäßen: eine Fußschale mit lebhaft rotem Ton überfangen, starkwandig, Fuß massiv, 5/2 cm hoch, Standfläche 8 cm Durchm. etwas nach oben gewölbt; Gesamthöhe 91/2 cm, Schalendurchm. 15 cm, nicht ornamentiert, s. Tafel XXII Abb. 44. Topf von gleicher Farbe mit Omphalos, Durchm. 14 bezw, 16 cm, Höhe 8 cm, s. ebenda, einige Scherbchen einer kleinen roten, dünnwandigen Tasse, s. auch A9e.

33

Tiefe unter Nr. Grad der Entfernung Oberfläche 15 249 0,9 m 2,3 m Schöpftasse aus rotem Ton, außen etwas gra- phitiert, graphit-gestrichener Rand? Durchm. 10cm, Randd. 9 cm, Bodend. 3 cm, Höhe 5!/a cm Tafel XXII Abb. 44. 16-19 von 212 0,85 bis 1,3 bis Scherben verschiedener Gefäße, die roten lagen bis 281 1,3 m 1,7 m obenauf, die schwarzen darunter, nicht wiederher- stellbar:

a) eine große rote Stufenschüssel, Bodend: 9 cm, dickwandig, mit Graphit ornamentiert. Zeich- nung nach J. Wunder; s. Text-Abb. bei 5.

b) großes Gefäß mit konischem Hals (Tonkessel) s. Tafel XXII Abb. 44, Zeichnung nach ]. Wunder. 3

c) halbe Schüssel mit viel Ergänzung, rötlich- braun, dickwandig, innen und außen graphi- tiert; innenseitig Rasterlinien erkennbar; s. Tafel XXII Abb. 44.

d) dunkeltonige Scherben von drei oder viererlei Gefäßen, nichts davon wiederherstellbar. Da- zu passend einige Scherben von 12.

e) Scherben eines kleinen, dünnwandigen roten Täßchens, nicht wiederherstellbar.

Ungeachtet der verhältnismäßig wenigen Kohlen und Brandflecken nimmt Wunderan, daß außer der Leichenbestattung auch Leichenbrand stattgefunden habe. „Die sehr vielen Gefäße und Urnen in der Tiefe im Bereiche des Leichenbrandes lassen darauf schließen, daß sehr viele Leichen verbrannt worden sind. Trotzdem sind nur ganz wenige kalzinierte Knöchelchen übrig geblieben‘. Die an vier weit auseinander liegenden Stellen gefundenen weiß- gebrannten Knöchelchen erlauben jedoch keinen so weitgehenden Schluß; man kann daraus nicht einmal auf eine verbrannte Leiche mit Sicherheit schließen. Es könnte sich möglicherweise auch um Reste verbrannter Fleischstücke von Tieren handeln, um so eher, als irgendwelche Fleischbeigaben in Knochenresten nicht gefunden wurden.

Mit Sicherheit handelt es sich also um nur eine Bestattung, aber es kann sein, daß auch eine Brandleiche beigesetzt war.- Nach der Wunder’schen Auffassung gehören die Leichenbrände einer früheren Zeit, die Skeletteile einer Nachbestattung an. Da leider keinerlei Situsbild existiert und bei dem früheren Grabungsverfahren auch keines genommen werden konnte, so kommt es nur darauf an, ob man Gefäße und Leiche als zusammengehörig oder als einander fremd betrachtet.

Merkmale der Aufbahrung und Ausstattung der Leiche, wie sie 'nach den gegebenen Maßen der Knochenreste von mir in das Wunder’sche Profil eingezeichnet werden konnten, scheinen mir eine Nachbestattung

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vollständig auszuschließen. Die tieferen Skeletteile lagen nicht erheblich höher als die Gefäße; was weiter oben lag, war bei einer früheren Zerstörung des Hügels dahin gelangt. Alles spricht dafür, daß die Leiche wie üblich über Gefäßen und neben Gefäßgruppen, welche zum Leichenbegängnis ge- hörten, beigesetzt worden ist. Es müßte doch ein eigentümlicher Zufall ge- wesen sein, wenn eine spätere Nachbestattung in dem 13 Meter großen, sonst leeren Hügel gerade die Ruhestätte eines vorausgegangenen Toten so belegt und ihre Gefäße so unter die seinen gemischt hätte, daß alles zusammen als ein Begräbnis erscheint.

Hügel XIV; 6909.

Den nächsten, nahezu holzfreien Hügel überließ der Besitzer Herr Fahrer von Unterrüsselbach in dankenswerter Weise zur Ausgrabung. „Es war von drei auf der südwestlichen Seite der Gruppe nebeneinander gelegenen Hügeln der mittelste. Eine geometrische Markung auf dem Hügel mußte geschont werden. Auch dieser Hügel hatte ein angegrabenes Loch und die herausgenommenen Steine lagen noch neben daran‘.

Grabbau. „Der Hügel hatte ca. 9 m Durchmesser und im Westen 0,55 m Höhe. Er wurde wieder nach Cohausen abgegraben in vertikalen Abstichen von außen nach innen und die Lage der Funde nach der Ent- fernung von der Mitte, dem Winkel mit der Nordrichtung und der Tiefe unter der Hügeloberfläche bestimmt.“ Steine verzeichnet Wunder im Proto- koll und gibt sie auch im Grundriß an, s. diesen. Es ist daraus ersichtlich, daß es sich nicht um einen richtigen Steinbau handeln kann. Die Zerstörung wird hieran nicht die alleinige Ursache gewesen sein, es waren eben von An- fang an nur hingewälzte oder hineingepflanzte Steine, nicht aber die sonst übliche Steinsetzung vorhanden. Die Grabessohle lag ca. 35 cm unter dem gewachsenen Boden und es steckten nach dem Wunder’schen Profil einzelne Steine darin.

Brandschicht. Hierüber sagt Wunder: „Die Brandschichten waren nicht so stark wie in Hügel XII“. Da dort nur einzelne Brandflecke angetroffen wurden, so ist auch hier das Vorhandensein einer durchgehenden Brandschicht zu verneinen.

Leichen. Ausdrücklich betont Wunder, daß nur wenige Knochen zerstreut im Hügel gefunden wurden; kalzinierte Knochen fehlten vollständig, es kann sich also in diesem Hügel sicherlich nur um Bestattung gehandelt haben.

Metall- und andere Funde. Bei 260°, 50 cm von der Mitte, 75 cm tief eine Armspange von Bronze 8, massiv, mit schöner, ins Dunkelgrüne fallender Patina, geöffnet, mit kräftig-klobigen Enden, 6! <«S cm lichter Weite, an der Außenseite ge-

riefelt mit abwechselnd breiten und schmalen stark erhobenen Wulsten.

Innenseite ist glatt.

Von sonstigen Funden nichts.

20°

Steine © _ Win IM

300° (Grundriss - 7) I x

50°

h Just. Wund II 2 90° nach Jus under =B ea DO‘ ER 0°“

120°

„D, (m Skelett eingezeichnet nach einem Markstein

Knochenmaß des Protokolles Süd

{eo}

N

220°

1909 480 0909

Tiefe des Wa

me ud

F t Nordost SEE Profil zwischen 212u 25° 6a00

fobo)

Die

Keramik. Große Stücke dickwandiger, bauchiger Gefäße (Tonkessel), viele Scherben fast bei jeder Fundnummer, trotzdem Wiederherstellungen nur zum kleinen Teil möglich, da das meiste durch vorausgegangene Grabungen oder Rodungen zerstört und vertragen war. Einige kleine Unstimmigkeiten in den Scherbennummern mögen daher rühren, daß Wunder selbst nicht

mehr Gelegenheit hatte zur Ordnung und Durchsicht des Materiales.

56 Tiefe unter Nr. Grad . hr Entfernung Oberfläche Yon der Mitte 1 144 0,7 m 1,4 m Scherben ;—! großes, schwarzes Gefäß mit konischem

Hals, Tonkessel, runde Eindrücke am Rücken; dickwandig, rauh, ohne Zeichen von Graphit; große Stücke vorhanden, aber Form unklar; s. Tafel XXII Abb. 45 nach der Zeichnung Wunders; hiervon Scherben auch bei 31.

—* Henkeltopf (Henkelabgebrochen und fehlend) ;; rotbraun, stark ergänzt. Durchm. 14, Rand- durchm. 10%, cm, Bodendurchm. 51, cm, Höhe 9 cm, s. Tafel XXII Abb. 45.

2 41 0,75 m 1,3 m Scherben verschiedener Gefäße:

1 schwarzer, dickbauchiger Tonkessel mit abge- schrägtem Konushals; Form unkenntlich, {nicht abgebildet.

? schwarze, innen graphitierte Schüssel, oben und am Bauch 29 cm weit; dazu passend auch Scherben von 3,

Textabb. nach der Zeichnung Wunders.

--4 Schüssel; untere Hälfte fehlt, Oberteil stark ergänzt; dunkeltonig, ohne Graphit. Am Rand sattelförmiger Ansatz in Form einer verkümmerten Ansa lunata, Wolfszahn-Ornament mit Schach- brettmuster und Strichreihen in Rädchen-Punk- tierung gefüllt; an der Spitze unten jeweils fünf kleine eingestochene Tupfen. Durchm. 23 cm, s. Tafel XXII Abb. 45.

-—5 Fragment einer kleinen, schwarzgraphitierten

o92?

Schöpf- tasse; Räd- chen-punk- - tiertes Orna- ment. 6092? S. Textabb.

3 160 0,8 m 1,3 m Scherben, zum Teil auf Steinen liegend, die dick-

wandigen obenauf. 1 Scherben, zum Tonkessel 4! gehörend. ? Scherben einer braunen, gebauchten Schüssel, 25 cm weit; nicht ab- r gebildet.

—3Stufenschale, rot- braun, innen mit Gra- phit überzogen. Son- nenornament mit dem Rädchen aufgetragen. Durchm. 27 cm, Boden- durchm. 1O cm, Höhe 7cm; Abbildung .neben- stehend u.Taf. XX1145.

4 10bis350 0,9bisIm 1,3bis1,Im —1-% Scherben mehrerer 7 &a0g?? Gefäße, darunter ein Tonkessel, groß, dick- wandig, nach unten gerauht, nicht graphitert; nicht abgebildet.

57

Tiefe unter Grad der] Oberfläche von der Mitte

Entfernung

4°Schöpftasse mit Henkel und Ornament s. nebenst.

8 Scherbenteines kleinen, roten, dünnwandigen Schälchens mit Omphalos, 9-10 cm Durchm., s. Tafel XXII 4.

re "900?

230 0,8 m 1,7 m Scherben:

—leinpitoi- artiges Gietiä-B,,

schwarz- grau,dick- wandig, nach un- ten ge- rauhte Ober- fläche, ge- gen den Hals zu glatt; obere Weite 33 cm, Bauchweite 44 cm, s. Zeich- nung.

2-4 eine Anzahl unbedeutender Scherbchen.

—? große Schale oder Schüssel mit abgesetztem Rand, zur Hälfte wiederhergestellt; rotbraun, stark - wandig, innen gra- phitiert, Durchm. 30 cm, Bodend. ll cm, Höhe 6% cm; mit Sonnenornament in Rasterlinien (wenig sichtbar), s.

Textabb. nach Zeich- nung Wunder’s. U 4 « = 6909 E

125 0,8 m 0,9 m „Scherben eines großen bemalten Konushals-Gefäßes, Tonkessel. Die Bemalung ist weiß, größtenteils abgescheuert und scheint Ölfarbe gewesen zu sein“; Tafel XXII Abb. 45 Mitte nach der Zeichnung Wunders. Daneben links dasselbe Ge- fäß, zum Teil wiederhergestellt; das Ornament ist hier nicht sichtbar, wohl aber auf Scherben, die nicht unterzubringen waren. Graphitiert. Durchm. 45 cm, Randd. 31% cm, Bodend. 13 cm, Höhe 40 cm.

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Bemerkungen.

Wunder hebt hervor, daß von menschlichen Resten nur wenige Knochen gefunden wurden, sagt dann aber weiterhin: „Die vielen Gefäße, mehr als 22, lassen ‘vermuten, daß auch viele Bestattungen stattgefunden haben, die Knochen sind eben durch Verwitterung zerstört‘. Diese Bemerkung wird verständlich, wenn man den Standpunkt Wunders über die Bedeutung der nordbayerischen Hügelgräber würdigt. Die Erfahrung, daß in einem Hügel zuweilen eine größere Anzahl Skelette und Leichenbrand gefunden wurden, die zeitlich nicht zusammen gehören (Mühlanger, Labersricht) hatten Just. und L. Wunder zu der Überzeugung geführt, „daß jeder Hügel als ein ganzer Friedhof zu betrachten sei, der eine lange Zeit hindurch mit Leichen beschickt worden sein müsse. Später habe ich die Vermutung geäußert, daß gerade durch die langandauernde Beschickung mit Leichen die Hügel aus kleinen Anfängen emporgewachsen seien“ !). Was an diesen Annahmen richtig ist, darf indessen nicht verallgemeinert werden und deshalb ist die Bezeichnung eines Hügels als Friedhof schlechtweg irreführend. Die mehrmalige Beschickung zu verschiedenen Zeiten und die dadurch bedingte Vergrößerung läßt hie und da den Vergleich mit einem Friedhof symbolisch zu ; weiter geht die Ähnlich- keit aber nicht. Der oben erwähnten Vermutung Wunders, daß in Hügel 6909 auch viele Bestattungen stattgefunden haben, liegt eine Verallgemeinerung und der Sinn zu Grunde, den man hinter dem Namen Friedhof sucht; deshalb ver- mutet er mehr Leichen als er in dem Hügel angetroffen hat, um so mehr, als er nach der früheren Vermessungs- und Grabungsweise den Hügelinhalt an Ort und Stelle nicht frei überblicken konnte. Offensichtlich ist durch frühere Zer- störungen manches verloren gegangen; das beweisen die fehlenden Knochen und das lückenhafte Scherbenmaterial. Viele Gefäße dem Toten mitzu- geben war Hallstattsitte; an der Wunder’schen Zahl von über 22 Gefäßen sind jedoch die Streuscherben, die er unstatthafter Weise als ganze Gefäße zählt, abzurechnen. Die große Anzahl verringert sich daher ganz bedeutend und braucht zu ihrer Erklärung keine Mehrzahl von Bestattungen.

Der Bronzering zeigt die Formen einer älteren Stufe; er gehört, wie auch Wunder richtig sagt, der älteren Hallstattzeit an, entspricht vielleicht zeitlich der bei uns in Gefäßformen nicht vertretenen Stufe B (vergleiche die plätenicer Ringtypen bei Pic, die Urnengräber Böhmens Tafel XXXI 9, 10, 15; XXXII 8, 12, welche zeitlich leider recht unbestimmt gelassen sind). Den von Wunder gezeichneten Grundriß habe ich durch ein Skelett nach seinen Knochenmaßen ergänzt; danach hätte der Ring am linken Arm der Leiche gelegen. Die Aufbahrung über und mit Gefäßen, zur rechten Hand Gefäß- gruppen mit Tonkesseln und Schöpftassen, entspricht unserer Hallstattstufe C. Der Ring läßt diese Bestattungsform älter erscheinen, so daß sie etwa ins

I) Ldg. Wunder, Studien im vorgesch. Bayern; Ztschr. f. Ethnol. 1903 S. 143.

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9. Jahrh. v. Chr., an das Ende von B oder den Anfang von C gerückt werden müßte, wenn man für die Datierung die Zeit annehmen wollte, zu welcher der Ring gefertigt sein kann.

Hügel 7759.

Ausgrabung vom 16. und 17. März 1912. Mit Tafel XXIII.

Gegen Igensdorf zu grenzt an das Eichenloh im Westen eine Wiese, auf welcher ein zerstörtes Hügelgrab der gleichen Nekropole sich befand. Der Eigentümer wollte die Steine entfernen und es ergab sich daraus eine zweitägige, von dem Schreiber dieses geleitete Grabung.

Vorsichtig wurden die durcheinander geworfenen Steine und alles, was zerstört war, entfernt. Die Anzeichen sprachen dafür, daß der Hügel mit Steinen überdeckt war, s. Tafel XXIII Abb. 47. Die Störungen gingen durch den ganzen Hügel bis zur Grabessohle, welche um beiläufig 35>—40 cm tiefer lag als der umgebende Boden und nach der Abdeckung frei von Steinen war. Dabei fanden sich Knochen, eine Schädeldecke und die Metallsachen Tafel XXIII Abb. 46. Was am Grund des Hügels angetroffen wurde, zeigt die Tafel XXIII Abb. 48, alles unberührt, so wie die Aufdeckung es freilegte. Die Erde um die Scherben herum ist etwas abgestochen, damit ihre Lagerung auf der Photographie kennbar ist. Der Boden war gegen den Vordergrund, also nach Süden, geneigt, aber auch außerdem nicht völlig eben, sondern an manchen Stellen mehr als 20 cm höher als an anderen. Trotz dieser Un- ebenheiten ist das Scherbenlager unverkennbar ebenerdig ausgebreitet; kleine Höhenunterschiede, so lange sie den Charakter der Bestattungsweise nicht be- rühren, dürfen unberücksichtigt bleiben.

Hinter den Scherben im Mittelgrunde lagen an sekundärer Lagerstätte eine zweite Schädeldecke und noch etliche Knochen. Die meisten Teile der Grabessohle waren zerstört. An einigen Stellen zeigten sich Kohlenflecke; eine durchgehende Brandschicht war hier ebenso wenig, wie in den von Wunder ausgegrabenen Hügeln 6908 und 6909 vorhanden. In der Mitte, unter dem Meßklotz am Boden ausgestreut fanden sich weißgebrannte Knochen. Einige Stückchen derselben sind blaugefärbt, wahrscheinlich von phosphorsaurem Eisenoxyd, eine Vivianitbildung, welche verursacht sein dürfte durch die Ver- gesellschaftung der Knochenteilchen mit Eisen; es ist in dem hier anstehenden Opalinuston vielfach in eisenschüssigen Schalen und Trümmergestein natürlich vorhanden. Die Grabessohle war frei von Steinen.

Aus den Scherben ließ sich nichts wiederherstellen, selbst die Gefäß- formen sind unkennbar; außerdem ist das Material zum Teil so ungenügend gebrannt, daß es beim Waschen zerfällt. Es handelt sich um die üblichen dickbauchigen großen Tonkessel, Schöpftassen, Schalen, Schüsseln. Ornamente sind nicht erkennbar.

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Der Boden des Hügels war stellenweise mit kleinsten Bronze- resten durchsetzt, Bronzenieten A \, wie sie bei dem Lederschmuck und auf den Holzstangen des Gais- heimer Fürstengrabes (Festschrift

1913 Tafel XXXIII Nr. 19, 20, 44) verwendet sind.. Da sie häufig und immer in Massen vorkommen (Gaisheimer Fürstengrab, Reitergrab im Hirgast bei Thalmässing), so dürfte ihre Herstellung irgendwo in unseren Landen fabrikmäßig betrieben worden sein. Sie treten zumeist in Verbindung mit Klapperschmuck auf, wie die Bronzezierate Nr. 31, 32 und die Eisenklappern Nr. 31a auf Tafel XXXII der Festschrift von 1913. In dem hier besprochenen Hügel 7759 bildeten sie augenscheinlich den Besatz oder das Ornament einer Decke, deren Spuren stellenweise den Lehm wie ein Pilzgeflecht über- ziehen, das aber leider noch nicht näher untersucht werden konnte. Einigen Stellen, wo Bruchteile der Decke im Lehm auf den Kopf gestellt sind, darf man vielleicht entnehmen, daß Vorder- und Rückseite beiderseitig das gleiche Muster aufwies, s. Tafel XXIII Abb. 46, das aber nicht mehr kenntlich ist. Die Reste wurden zusamt den Lehmknollen herausgenommen. Eisen- teile, bc d und einige andere, fanden sich ebenfalls dabei, Ringbruchstücke, Gestänge und Bruchteile von Klappern, ähnlich den erwähnten Nr. 3la von Gaisheim, Festschrift Tafel XXXII. Zwei Bronzehohlknöpfe, deren einer ab- gebildet s. Tafel XXIII Abb. 46, 25 mm Durchm. bei 12 mm Höhe sind gleicher Art und Größe wie die des benachbarten Walkersbrunn, veröffent- licht in der Festschrift 1901 von L. Wunder, Tafel X unter Nr.'7.

Der Hügel gehört seinem ganzen Inhalt nach der HallstattstufeC an; die Bestattungsform war der Störungen wegen nicht in allen Einzelheiten festzustellen, entspricht aber der für den mittleren Abschnitt dieser Kultur- epoche ermittelten Entwicklungsstufe des religiösen, alteingesessenen Zere- moniells.

Ethnographie und Ritus der Hügel 7364, 6908, 6909 und 7759.

Die drei Hügel der Eichenloher Nekropole und der des Beckenholzes 7364 weisen so viele gleiche Züge auf, daß sie als kulturell zusammengehörig zu bezeichnen sind und gemeinsam auf ihre Riten untersucht werden können.

Der Grabbau war bei dreien der Hügel nachlässig und dürftig, aus verhältnismäßig wenigen, ungleich verteilten Steinen gebildet, ohne Anzeichen irgendwelcher architektonischer Absichten, wie Deckenschutz, Gewölbe, Stein- kranz oder -ring; Hügel 7759 hatte jedoch mehr Steine und schien ganz ein- gedeckt gewesen zu sein. Die bei den Igensdorfer Hügeln konstatierbaren einzelnen Steine am Außenrand (von denen übrigens ungewiß ist, ob sie Be- deutung haben oder nicht) fehlten allen vier Hügeln. Ebenso das „Bauopfer‘ an der Hügelperipherie. Wenn ich unter den von mir ausgegrabenen Hügeln nach Ähnlichkeiten Umschau halte, so ergibt sich der Vergleich mit Hügel

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7167 in der Bettelleite bei Holnstein Bez.-Amt Sulzbach i/O., Entfernung beiläufig 35 Kilometer in der Luftlinie. Er gehört der Hallstattstufe A, bezw. dem Anfang von B an.

Die Brandschichten. Während in den Hügeln der Igensdorfer Nekropole durchgehende Brandschichten angetroffen wurden, fehlen sie den vier Hügeln. Es ist nur einzelner Brandflecke zu gedenken. Auch dies haben sie mit dem Hügel 7167 in der Bettelleite überein, aber auch mit solchen jüngerer Zeit und dem religiösen Latene-Zeremoniell, bei welchem die Sitte schwankend zu sein scheint !). Der Schluß liegt nahe, daß darin Willkür herrschte; immerhin haben drei der Hügel in der Kammerloh Brandschichten, diese vier aber nicht, folglich lassen sich doch gemeinsame Gepflogenheiten unterscheiden.

Die Grabessohle liegt zumeist etwas tiefer als der umgebende, natürlich anstehende Boden. Wenn es aber bis zu einem halben Meter und mehr beträgt, kann man von einer unterirdischen Grabanlage reden. Liegt zudem der Steinbau in die Grabessohle miteingebettet und sind die Gefäße zwischen Steine gestellt, wie bei zweien der Hügel hier, so ergeben sich Vergleiche mit den Urnenfeldern: Henfenfeld 7468 Bronzezeit D (unver- öffentlicht), Altensittenbach 7042 (unveröffentlicht) und Mühlanger 7056 Hall- statt A°); ferner mit dem Hügelgrab der Bettelleite 7167 Hallstatt A--B. Ob darin alte Überlieferungen nachklingen oder Zufall und Willkür walten, ist noch ungewiß; die Untergrundverhältnisse können dafür wohl nicht be- stimmend sein. Unterirdische Grabanlagen waren auch Oberreinbach 7317, Hallstatt C Festschrift 1913 S. 125; Beckenholz 7364 Hallstatt D S. 35 dieser Berichte; aber bei beiden lagen die Steine oberhalb der Grabessohle und nicht darin eingebettet.

Die Leichen. Beerdigung und Leichenbrand, einzelne und mehrfache, gleichzeitige und spätere Nachbestattungen in demselben Hügel kommen vor ohne Rücksicht auf die eine oder andere Religionsübung. Hügel 6909 war von nur einem beerdigten Toten bewohnt; den Hügel 6908 teilte der Be- erdigte möglicherweise mit einer Brandleiche. 7759 barg zwei Bestattete; ob auch eine Brandleiche ist zweifelhaft. Die häufig und auch bei diesem vorgefundenen weißgebrannten Knochen sind nur dann als Leichenreste zu betrachten, wenn sie die Form einer regelrechten Beisetzung haben; andern- falls sind es wahrscheinlicher Reste von Tieropfern oder Teilbestattungen verbrannter Gliedmaßen von Toten. Was bei 7759 zutreffend ist, konnte der Zerstörung wegen nicht festgestellt werden.

Die Metall- und anderen Funde geben keinen Anlaß zu ethno- graphischen Beobachtungen und typologisch sind sie schon gewürdigt.

1) Hallstatt D durchgehende starke Brandschicht Hügel 7333 in der Hagenreuth bei Creußen Festschrift 1913 S. 136; schütter aufgestreute Köhlen Hügel 7971 Schönberg bei Lauf S. 66 dieses Berichtes, gleichfalls Hallstatt D; Brandflecken ohne Brandschicht wie in der Eichenloh Hügel 7374 Stadelleite, Festschrift 1913 S. 129 Latene A.

2) In Norddeutschland reichen die Urnenfelder bis in die Latenezeit.

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Das keramische Material. Die drei Hügel zeigten in den frischen Bruchrändern des Scherbenmaterials deutlich, daß sie späte Störungen und ihr Inhalt empfindliche Verluste erlitten hatten. Der Anblick der wiederhergestellten Gefäße gibt denn auch kein richtiges, sondern ein Zerrbild von Grabausstattungen. Bei alledem steht jedoch fest, daß sich das Inventar in jedem Hügel landläufigem Hallstattritus gemäß aus Schüsseln, Schalen und dickbauchigen Tonkesseln (Konushals-Urnen) mit Schöpfbechern (Weiheschalen) zusammensetzte, wozu in einem Fall die für unsere Typologie fremde rote Trinkschale mit Fuß Tafel XXTII Abb. |;44 als Vervollständigung der Abteilung Gefäße für Flüssigkeiten hinzukam. Wenn die gegebenen Maße für die Knochen bei 6908 die ursprüngliche Lagerung anzeigen, dann war die Schüssel 8/9 unter dem Ober- körper der Leiche postiert, was völlig dem bei 7704 angetroffenen Brauch entspricht, aber auch schon in früher Hallstattzeit üblich war, s. Grundriß und Profil der Bettelleite 7167 S. 122 der Festschrift 1913. Abseits der Leiche standen in beiden Hügeln die Tonkessel mit den Schöpftassen, was wiederum typisch ist, besonders wenn sie rechts postiert waren. Im allge- meinen sind also die Bedingungen gegeben, welche der Hallstatt C-Ritus ver- langt. Es herrscht aber der Eindruck vor, daß er nicht der Aufmachung entspricht, welche der Typus Oberreinbach 7317 Igensdorf 7704 mit dem abseits stehenden Buffet fordert, denn nach den Wunder’schen Maßen und dem Querschnitt standen die Gefäße der Hügel 6908 und 6909 in ver- schiedenen Höhen. Mangels photographischer Belege ist darüber eine Ge- wißheit nicht mehr zu erlangen, was sehr bedauerlich ist, denn die daraus zu ziehenden Schlüsse wären chronologisch bedeutsam. Die Verhältnisse in Hügel 7759 waren zu sehr verwischt, als daß sie mehr als das Vorhanden- sein einer Hallstatt C-Ausstattung hätten konstatieren lassen.

Ähnlichkeiten mit dem Althallstatttypus Bettelleite 7167 sind demnach vorhanden:

a) zum Teil in der Steinlagerung in oder noch unter der Grabessohle, 6908, 6909;

b) im Fehlen der durchgehenden Brandschicht bei allen;

c) im Fehlen eines „Bauopfers‘‘ bei allen;

d) im Tieferliegen der Grabessohle bei allen;

e) zum Teil in der Beisetzung der kalzinierten Knochen in’einer Urne . 6908 13 (?); 7364 14a, 15;

f) zum Teil in der Anordnung der Gefäße, 6908, 6909. Dieser Punkt wäre der wichtigste, ist aber nicht völlig aufgehellt.

Übereinstimmung mit dem Hallstatt C-Typus Oberrein- bach-Igensdorf sind vorhanden:

g) in der Auswahl, Art und Zahl der Geschirre bei allen; h) zum Teil in ihrer Anordnung um die Leiche.

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bei Hügel 7759 außerdem noch: i) in den am Boden ausgestreuten kalzinierten Knochen, welche mög- licherweise von Leichenbrand herrühren; und bei 7364, 7759: k) in der Steinüberdeckung, welche die Grabessohle frei läßt.

Für den Ritus ist der Umfang und die Mannigfaltigkeit der Wegzehrung ein entscheidendes Kennzeichen; weil sich das aber naturgemäß nicht mehr an den Naturalien, sondern lediglich an der Art, Zahl und Verteilung der Geschirre ablesen läßt, so bestimmt sich danach die Eigenart des Ritus. Art und Zahl der Geschirre aller vier Hügel gehören nach Punkt f, g und h der Hallstatt C an; es handelt sich also um Begräbnisse dieser Stufe.

Die übrigen Punkte sind Feststellungen vielleicht von untergeordneter Art, es läßt sich für jetzt noch nicht einmal sagen, ob ihnen mit Recht ein Gewicht beizulegen ist. Soweit bei einer solchen Voraussetzung von Folgerungen die Rede sein kann, lassen sie sich dahin zusammenfassen: Die unterirdische Grabanlage Punkt d) kennen von der jüngsten Bronze- bis zum Ende der mittleren Hallstattzeit alle Stufen, dann scheint sie zu ver- schwinden. Das läßt auf einen gewissen Zusammenhang, auf ein Nach- und Ausleben alter Sitte schließen. Als ein Merkmal alten Charakters wenigstens bei uns erscheint auch e), die Beisetzung der Brandleiche in einer Urne, während ihre Ausstreuung unter i) dem typischen Ritus der mittleren Zeit von C entspricht. Als Merkmal älterer Zeit käme auch Punkt a), die einzeln in die Grabessohle gestellten oder eingebetteten Steine und dazwischen ge- stellten Gefäße in Betracht, während der die Grabessohle überdeckende Stein- bau jünger anzusetzen ist. Ob und in welcher Hinsicht die Punkte b) und c) verwertbar sind, ist zur Zeit nicht erkennbar.

Ergebnis:

Die topographischen und rituellen Gesichtspunkte der untergeordneten Merkmale sprechen bei den Hügeln 6908 und 6909 allesamt für die ältere Hälfte der Stufe C; damit stimmt der typologische Befund an Altsachen überein, in Hügel 6908 die rote Fußschale 14, bei 6909 der Bronzering 8.

Im Hügel 7759 ist ein Typus von Beisetzungen Mitte der StufeC wiederzufinden, worauf auch die Bronze- und Eisensachen verweisen.

Bei Hügel 7364 leiten die Punkte d) und e) auf Merkmale älterer, Punkt k) und die Bronzen auf solche der jüngeren Zeit hin; die scheinbare Unstimmigkeit führt ebenso wie die Betrachtung der Keramik zu der Annahme eines längeren Nachlebens alter Sitten.

Wenn die aus den untergeordneten Merkmalen gezogene Nutzanwendung auch keine volle Zuverlässigkeit garantiert und der Nachprüfung sehr bedarf als „Arbeitshypothese‘“ ist sie oben schon eingeführt —, so scheint doch soviel daraus hervorzugehen, daß eine auf breitere Basis gestellte Beobachtung

4*

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bei Ausgrabung unserer Hügelgräber selbst dann nutzbringend ist und nicht vernachlässigt werden sollte, wenn sich der Versuch, die Einzelheiten des Ritus chronologisch zu erfassen und zu verwerten, als ein Fehlschlag er- weisen sollte.

Hügel 7971 im Heiligenholz bei Schönberg,

Bezirksamt Lauf.

Ausgrabung vom 26. Maibis3. Juni 1915. Mit Tafel XXIV bis XXVIIl.

Örtlickkeit: nahe der Straße Schönberg— Röthenbach im Waldrevier „Heiligenholz“. Es soll darin spuken und es geht die Sage, es habe ein Frauenkloster da gestanden; aber nirgends hier oder benachbart irgend welche erkennbare Reste von Baulichkeiten. In einiger Entfernung noch andere und sehr große Grabhügel.

Geologischer Horizont: Grenzschichten zwischen Zanklodon und Rhät im obersten Keuper.

Hügelbau: Höhe rund 2 Meter, Durchmesser 16 bezw. 17 Meter; Oberfläche nur wenig verletzt. Nach Freilegung vom Unterholz schien der Hügel wie mit einer Stufe terrassiert, was sich bei der Ausgrabung als vom Steinkranz herrührend erwies. Der gewachsene Boden war eben, leicht geneigt).

Die Steinsetzung von 13, bezw. 12 Meter äußerem Durchmesser, bestand aus einem äußeren Steinkranz und einem inneren Steinkern, beide verbunden in der Weise, daß aus dem Steinkranz bei a in Nord ein Stein- feld nach Ost hervorging, sich nach Innen drehte und höhersteigend den Steinkern erklomm, s. Tafel XXV und XXVI. Innerhalb des Steinringes bildete die Steinsetzung mithin eine hochgeschraubte Spirale. Die Ostseite des Hügels war dementsprechend ausgiebig mit Steinen beschickt s. Abb. 50 und Grundriß, West- und Nordwestseite war dagegen steinfrei auf einen Abstand von rund vier Meter Weite zwischen Steinkern und -kranz

Winkelbrettmitte Om.

l) Gefälle: von Nord nach Süd etwa 70 cm, von Ost nach West rund 1 Meter auf 16—17 Meter Entfernung.

69

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a—Beginn der Steinspirale; b, ce=Steinhaufen; d, e=Unterbrechung im Steinkranz; f=gestörte Stelle; g-k=Standpunkt und Richtung der photogr. Aufnahmen. * eingemessene Punkte. Z—Z vorderer Steinrand weggenommen.

s. Abb. 49 und Grundriß. In Nord fiel der Steinkern mit senkrechtem Steilrand 164 Centimeter ab; im Südwesteck waren die Steinhaufen b und ce vorgelagert, halb so hoch wie der Steinkern, regel- und anscheinend zwecklos, als hätte ein Steinsturz im Hügel stattgefunden s. Abb. 51. Das könnte

aber nur am Ende der Leichenfeier beim Eindecken möglich gewesen sein; denn nachdem der Steinbau mit Sand überdeckt und die Hügelform her- gestellt war, konnten Teile des Steinkerns nicht mehr seitwärts fallen, ohne zugleich auch die Hügelform zu zerreißen. Alle Steinsetzungen waren nur im Grundriß regelmäßig, im Aufbau. dagegen mehr hingeworfen als sorgfältig gesetzt, siehe die Abbildungen. Die Steine lagen sämtlich auf und über der Grabessohle, s. die steinfreie Sohle nach der Abgrabung Abb. 56.

Der Steinkranz oder -ring, aus 20—30 cm hohen, nicht in den Boden eingelassenen Steinen errichtet, war nicht vollständig geschlossen; bei 160 °, bei 245 ° und zwischen 310° bis 330°, siehe den Grundriß bei de f, war er unterbrochen. Öffnung d, einen Meter breit, sah aus wie eine ab- sichtlich offen gelassene Türe, s. Tafel XXVII Abb. 53; es lagen zwei Steine davor, s. den Grundriß, welche auf der Photographie nicht sichtbar sind, da sie bei der Aufnahme bereits weggenommen waren. Die Öffnung e ist sicher nicht als Türe, kaum als eine Unterbrechung des Steinringes zu betrachten, es lag ein Stein darin, s. den Grundriß, und sie galt wohl auch den mit wenig Ordnungssinn arbeitenden Erbauern für geschlossen. Die Öffnung bei f mit Umgebung ist eine durch die Grabung verursachte Störung. Hier hatten die Arbeiter mit Einreißen begonnen und die Steine hin und hergeworfen; die Wiederherstellung wäre zwar möglich gewesen, aber der einmal weggenommene Stein kann nie mehr so hingelegt werden, daß er dem gewissenhaft Ausgrabenden wie vorher als unberührt erscheint. In solchem Fall ziehe ich das ehrliche gestörte Bild dem absichtlich wiederher- gestellten unehrlichen vor.

Das Material zu den Steinsetzungen war Rhätsandstein, nach Meinung der Waldarbeiter, welche oft mit gleichem Gestein zu tun haben, Findlinge aus der nahen ‚„‚Nässenau‘“ ; hie und da Stücke der harten Zanklodon-Breccie und ganz vereinzelt schalige Weißjuraplatten, sog. „Klingelsteine‘‘, nächstes Vorkommen am Moritzberg, Luftlinie 3 Kilometer. Füllmaterial: blaßroter, mit groben Quarzit- körnchen gemischter rhätischer Keupersand, der mehlig abfärbt. Im gewachsenen Boden des steinfreien Westteils des Hügels einige mit gleichem Sand ausgefüllte Gruben, 30—40 cm tief und 30 cm x 120 cm Breite. Wahrscheinlich sind sie durch Herausnahme vor der Bestattung hier gelegener Steine entstanden und bei der Zu- richtung des Platzes für den Hügelbau wurden sie zugefüllt.

Brandschicht. Im Westteil des Hügels begann schon hinter dem Steinkranz eine lockere Durchsetzung des Bodens am Hügelgrund mit Kohlen- teilchen; weiter innen lagen sie zwar dichter, es war aber nicht der Rück- stand eines Brandes, sondern über eine Fläche von rund 50 qm aufgestreute Kohle. Die Hügelsohle war rund 170 cm tief, an einigen Stellen höher, an anderen tiefer, je nach der natürlichen Bodensenkung. Kleinere, in ihrer Ausdehnung nicht sicher feststellbare gleichartige Kohlenstreuung etwa auf 30 cm Fläche gab es an verschiedenen Stellen, z. B. in 80 cm und selbst in 38 cm Tiefe unter dem Nullmeter.

Scherben und Gefäße. Scherben vereinzelt in allen Teilen des Hügels, im ganzen aber wenig; etwa 1". Pfund außerhalb des Stein-

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kernes gefundene sind als „Streuscherben‘“ unter Fundnummer 2 zusammen gefaßt. Innerhalb des Steinkernes auf einem Raum von etwa zwei Metern und in Tiefen zwischen 61 und 148 cm Scherben vereinzelt und beisammen, auch zwei vollständige Gefäße.

Tiefe Fund- + = wiederhergestellte Gefässe incm NO 61 +4 65 14 Kohlenfleck Orürn Br re 81 na) 88 +13 90 +9 93 3 103 16 ) 123 17. a 131 & 140 +18 145 10. 148 {2} unterste" Kohlensirelung- en NVEeSt nee Kohlen ee aaa Süd

nstreu ung a FE Pe ns

Entfernung von ‚ger Mitte ER m soLm60 70 80 90 100 110 120 130 140 150 160 170 180 190 200 210 220 230cm

Höhentabelle der Funde.

Nach Reinigung und Durchsicht des Scherbenmaterials zeigte sich, daß die beisammenliegenden Scherben meist von verschiedenen Gefäßen stammten. Dagegen paßten manchmal weitvoneinander liegende Scherben zusammen und auch solche der Streufunde 2 von außerhalb des Steinkernes zu solchen inner- halb desselben, so daß sich mit Hülfe starker Ergänzungen einige Gefäße wiederherstellen ließen. Die regellose Verteilung der Funde durch die ganze Höhe des Steinkerns ist aus der ‚„Höhentabelle‘“‘ besonders in die Augen springend zu erkennen.

4 drei Scherben neben der Öffnung d des Steinkranzes, s. Grundriß; sollten den Streuscherben 2 zugezählt werden, wurden aber wegen der ge- nannten Fundstelle von den anderen getrennt gehalten; sehr zoher Ton mit viel

Quarzkörnern;; schmutziger, rötlich-semmelfarbener Überzug, viel- fach gerissen; eine Scherbe mit Omphalos.

2 Scherben aus allen Teilen des Hügels außerhalb des Steinkernes, etwa 1'% Pfund; die meisten anscheinend zu einem großen Gefäß 2a passend; dickwandig, aus quarzreichem Ton, mit semmelfarbenem Überzug und fast rechtwinkelig umgebogener Randkante. 2b Scherbchen einer kleinen Tasse, grau-semmelfarbener, glatter

*) Hier ist das Zeichen + „‚wiederhergestelltes Gefäß‘‘ übersehen.

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Überzug; 2c fünf Scherben Überzug wie vorige. Einige mit glattem, rötlichem Über-

anscheinend von einer Schale, Scherben eines größeren Gefäßes zug und einige andere.

Die Lage der folgenden ist aus Höhentabelle, Profilen und

Grundriß ersichtlich.

3, 4, 5 in situ Tafel XXVIII Abb. 55 gaben mit Hülfe starker Ergänzung eine ganze Schale, Tafel XXVI 52, dickwandig, semmelfarbener Überzug. Durchm. der Schale 18% cm, Höhe 8 cm. 4 sonstige Scherben zu 41 passend, 4a Bruchstück eines großen Topfes, sehr dickwandig, semmelfarbener Überzug mit Glätt- streifen. 4b Scherben eines großen Topfes, dick-

wandig, rauh, mit vielen Löchern (ausgefallene Quarzit- körner?); semmelfarbener Überzug, gedrehter Rand.

5 noch einige Randstückchen a, b. 6 auf einem Raum von 70 cm ver- streut neben dem inneren Steinkern einige Scherben, u. a. ein Topfbruchstück 6b mit rotgelbem, vielfach gesprungenen Überzug und Andeutung eines Henkels, ersichtlich von einem Bronzezeit-Gefäß; ihm gleichen die meisten Streuscherben von 2.

7orı ad

8 Scherben einer großen, dunkel- gelb-rötlich getonten, glatten Schüssel mit grauschwärzlichen Flecken; hierzu passend einige Streuscherben von 2.

9 mit Ergänzungen wiederhergestellte kleine Tasse, Weiheschale ?, s. Tafel XXVI Abb. 52, gelb-rötlicher Überzug, stark gerissen, dünnwan-

dig; Durchm. 13 cm, Höhe 5"; cm. 10 einige Scherben eines glat- ten, grau- gelben Ge- fäßrestes und andere, rauheScher- ben. 41 Scherben; mit solchen von 4 ergänztzum Bruchstück einer großen, rötlich-grau getonten Schale oder Schüssel; dazu passend auch einige von 10.

42 Untere Hälfte des Gefäßrestes von I7, s. dieses.

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13 ganz erhaltenes Ge- fäß, s. TafelXX VI; semmelfarbener glatter Überzug mit grauen und roten Flecken; Boden flach; Durchm. 17,7cm, Höhe 12cm. Am Hals ein nur schwach sicht- bares, mit Graphit aufge- tragenes Sonnenornament von vier- mal je drei Speichen in zwei Kreisen. Lage des Gefäßes in situ Tafel XXVIl Abb. 54.

7a“

14 einige Scherben einer semmel- farbenen Schale oder Schüssel; die übrigen bei 16.

16 zusammen mit Scherben von 14 eine Schale, stark ergänzt s. Tafel XXVI Abb. 52; rötlich-semmelfarbener Überzug; Boden flach; Durchm. 17 cm, Höhe 7 cm.

“47 Bruchsück eines großen, beiläufig 27 cm hohen, am Bauch vielleicht 20 cm Durchm.' haltenden eimerartigen Topfes; dünnwandig; am Hals eine glatte Wulst; mit röt- lichem, stark gerissenen Ton überzogen; hierzu gehörig 12 als untere Hälfte und einige Streuscherben von 2.

48 wiederhergestell- tes Gefäß s. Tafel XXVI Abb. 52; graugelber Überzug mit dunklen Flecken. Am Hals ein mit Gra- phit aufgetragenes, nur noch schwach sichtbares Sonnen- ornament mit insgesamt neun unregelmäßig verteilten Zacken; Durchm. 191, cm, Höhe 13 cm.

Alles in Allem fünf, 7. zum Teil durch starke Er- gänzungen wiederhergestellte Gefäße und wenn auch wenige Scherben, aber mindestens von fünfzehn Gefäßen. Die sorgfältige Durchsuchung des Hügels erlaubt den sicheren Schluß, daß die fehlenden Gefäßteile nicht mit in den Hügel gelangt sind.

Leiche. Von Skelettknochen keine Spur. In der Hügelsohle zwischen die Kohlen gestreut kalzinierte Knochen reichlich, von Meter I Ost bis Meter 2 West; desgleichen spärlich auch im oberen Kohlenfleck, 38 cm tief, darunter ein Stückchen Menschenschädel.

Metall- und sonstige Funde. Zusammen mit den Scherben 17 Bruchstücke einer Fibel 17, s. nebenstehend, im Feuer gelegen und deshalb stark be- schädigt, von allenfallsigen Ornamenten daher nichts mehr zu sehen. Die Fibelreste bestehen aus fünf Trümmern, welche wohl nur als Bestand- teile einer Paukenfibel angesprochen werden können. Die unvollständige und zerbrochene Pauke ist hohl, aus kräftigem Bronzeblech gefertigt. An eine Kahnfibel ist nicht zu denken. Ein kurzes

Toilettestäbchen 17 s. Tafel XXVI Abb. 52, ebenfalls mit Scherben ge-

funden, ist aus Bronzeblech geschnitten, keulenförmig verbreitert, aber nicht verdickt und weit durchlocht. Ein hübscher Jaspisknollen 7, roh und form- los zugeschlagen, ohne sonstige Bearbeitung.

Speisebeigabe. Entweder keine oder ohne zurückgebliebene Spuren.

Typologie und Zeitstellung.

Unter den keramischen Funden fehlen die großen Tonkessel der Hallstattstufe C vollständig. Graphitauftrag ist nur als Ornamentierung vorhanden. Die Näpfe oder Schalen 3—5, 9, 16 sind Dauerformen von Mitte der Hallstattzeit an und lange darüber hinaus, also zeitlich nicht prägnant. Die Gefäße 13 und 18 sind junghallstätter Vorläufer der zier- lichen kleinen Latenevasen; sie haben ihresgleichen in unserer Sammlung aus der Stöcklach und vom Hirschberg !), beidemale mit Bogenfibeln der Armbrustkonstruktion, jüngste Hallstattzeit. Hier handelt es sich um die gleiche, außerdem noch durch die im Text abgebildeten Randstücke gekenn- zeichnete Stufe. Für die bronzezeitlichen Scherben und Randstück 6 gibt es keine befriedigende Erklärung.

Die spärlichen Bronzereste sind mit der Keramik gleichalterig. Bei der Fibel 17 kann es sich, das ist trotz der mangelhaften Erhaltung er- sichtlich, nur um eine kleine Paukenfibel handeln. Solche sind nach Beltz?) im nordalpinen Gebiet entstanden und häufig in Mittelfranken, Oberfranken und der Oberpfalz, unserem Juragebiet. Wir besitzen eine ähnliche vom Walberla, eine Spitzpaukenfibel von der Hagenreuth bei Creußen °?), eine eben- solche aus der Beckersloh Hügel II?!) und vier Stück mit ausgesprochener Armbrustkonstruktion. Das kurze Toilettestäbchen 47 hat aus anderen, Hallstatt D- und Latene A-Hügeln, sechs Vertreter in unserer Sammlung.

Alle Fundmerkmale übereinstimmend Hallstatt D, 700 bis 550 v. Chr. Die Verbrennung anstelle der anderwärts häufigeren Bestattung, ist in unserem Gebiet eine Eigenart dieser Stufe.

Ethnographie und Topographie.

Die Eigenart dieses Hügels ist ausgedrückt im Steinbau durch die Spirale zwischen Ring und Kern.

Während der Grabung glaubte ich es mit Bronzezeitstufe B zu tun zu haben; isolierte Steinkreise (ein solcher erschien es mir anfangs) mit Tor oder Türe kannte ich nur aus den Erfahrungen von Kasing her und die Streuscherben, besonders Randstück 6b bestärkten mich in diesem Glauben.

I) Festschrift 1901 Tafel 14 Nr. 8 Stöcklach; Tafel 13 II 25, 27 Hirschberg. 2) Bronze- und hallstattzeitliche Fibeln S. 694.

3) Festschrift 1913 S. 138 Abb. 27.

4)-Festschrift 1901 Tafel 20 Nr. 1.

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76)

Der Steinbau des Junghallstatthügels von Langenzenn besaß zwar einen schön gelegten Steinkranz in zwei Meter Abstand vom inneren Steinbau mit einer Lücke im Norden), er bot aber nach einer in unserer Sammlung vorhandenen Photographie ein ganz anderes Bild. Die Spiralwindung er- kannte ich infolge der oben erwähnten Beschädigung erst bei der Einzeichnung in den Grundriß, der jedesmal nach einer Vermessung an Ort und Stelle an- gesichts der Lagerung und mit Hülfe unseres vorgedruckten Schemas an- gefertigt wird. Mit den Gefäßfunden kam dann zu meiner Überraschung am letzten Tag im Innern der Steinsetzung. Hallstattzeit zum Vorschein.

Bei den uns geläufigen Hügelbauten ist der Steinrand in der Regel nichts anderes als die äußere Kante der inneren Steinsetzung und mit dem Hügelkern in zusammenhängender Verbindung, s. z. B. den Grundriß des Hügels in der Weid- lach Festschrift 1913 S. 140 Abb. 30. Bei unberührten Hügeln im Wald, wo die Randsteine manchmal aus dem Boden hervorschauen, bilden sie zuweilen ein er- wünschtes Merkmal zur Bestimmung der Hallstatthügel. Steinkränze verschiedener Art beschreibt Viollier aus Hallstatthügeln der Schweiz; sie lagen früher, wie er meint, außerhalb des Hügels, umgrenzten den vom Grab eingenommenen Mittel- raum und wurden im Laufe der Zeit durch die vom Hügel abgerutschte Erde über- deckt?). Dechelette führt viele an; er glaubt, daß sie, wenigstens anfänglich in einer weit vor dem Eisenalter liegenden Zeit, nicht die Bestimmung hatten, die Hügel zurückzudämmen, wenngleich die Erbauer bewogen sein konnten, ihnen eine architektonische Wirkung beizulegen. Ursprünglich aber hätten sie eine rituelle und symbolische Bedeutung ausgedrückt und diese habe lange nachgewirkt3). Naue spricht nur -ganz allgemein von kunstreich aufgeführten Steinbauten und Stein- kränzen !).

Über Grabhügel mit Steinbauten in Spiralform habe ich nichts in der Literatur finden können. Unter den fünf Hügeln mit Steinringen der erwähnten Kasinger Nekropole, über welche der Bericht noch aussteht, war einer, bei dem ich während der Grabung die gleiche Erscheinung zu erkennen glaubte; aber die Hälfte des Hügels war eingerissen angetroffen worden und deshalb geht es auch aus dem Grundriß nicht mit Sicherheit hervor. Ob den Steinkreisen eine rituelle Absicht zu Grunde liegt, mag zweifelhaft sein; bei dem Spiralbau des Hügels im Heiligenholz scheint mir dies aber außer Zweifel. Vermutlich steht er in irgend einer Bedeutung zu einem Sonnen- kult. Die von Pastor geschilderten Spiralanlagen der sogenannten Trojaburgen sollen derartige Beziehungen“ haben °), doch wage ich keinen Vergleich, da mir die Unterlagen hierfür zu unsicher sind und das Verhältnis zwischen ausgesprochen germanischem Kult dort und vermutlich keltischem hier zu unklar ist. Hahne erwähnt übrigens Irrgärten und Trojaburgen als sehr alt, vermutlich steinzeitlich ®).

1) Festschrift 1901 S. 204 unten.

2) Essai sur les rites funeraires en Suisse S. 44.

3) Manuel d’Arch. II 2 S. 635.

4) Die Hügelgräber zwischen Ammer- und Staffelsee S. 175.

5) Pastor, das Problem der Trojaburgen; Mannus I, S. 306.

6) Das vorgeschichtliche Europa, ein sehr empfehlenswertes Buch mit prachtvollen Abbildungen, Band 30 der Monographien zur Weltgeschichte.

72

Die Begleiterscheinungen der Funde sind sehr lehrreich. Zeitlich fällt die Errichtung des Hügels mit einigen der vorbeschriebenen bei Igensdorf so ziemlich zusammen. Wenn damals in der Gegend nur eine Religion be- kannt gewesen wäre, so müßte der Ritus hier und dort wenigstens in groben Umrissen gleichen Charakter haben. Das ist ganz und gar nicht der Fall. Der im Heiligenholz Ruhende ist nicht nach den althergebrachten Hallstatt- gepflogenheiten in den Hügel eingegangen, sondern auf ganz andere Art.

Die Grabessohle führte Kohle in spärlicher Verteilung, aber in ziem- licher Ausdehnung, mindestens 50 Quadratmeter; es hat aber kein Feuer darauf gebrannt, denn die aus einer anderswo geloderten Glut gewonnenen Kohlen- und Aschenteilchen waren über die Grabessohle aufgestreut, lagen deshalb nur schütter und der Boden zeigte auch keine Brandspuren !. An ebenso unbekannt gebliebener Stelle war der Tote verbrannt und seine Reste auf kleinerer Fläche ebenfalls aufgestreut worden. Im übrigen war die Grabes- sohle leer und unmittelbar darauf lagerten die Steine. Die Prozedur mit dem Kohlenstreuen wurde im Vorschreiten des Baues mehrmals wiederholt - und in der obersten Lage Kohlen fanden sich auch Knochenreste wieder, darunter einige größere, nur teilweise verbrannte, von sicher menschlicher Abkunft.

Die Scherben, Gefäße, Bronzen wurden während der Errichtung des Steinbaues niedergelegt, nicht wie bei Ritus C an vorbestimmten Stellen neben oder um die verbrannten Gebeine, sondern willkürlich in der ansteigenden Spirale des Kernes, s. die Höhentabelle und das Profil. Grundsatz scheint, daß alles tiber den aufgestreuten Knochenteilchen lagerte, denn darüber hinaus fanden sich nur hie und da Streuscherben. Die form- lose Art des Niederlegens selbst ganzer Gefäße beweist der Topf in situ Tafel XXVII Abb. 54, 72 cm über der Grabessohle. Man vergleiche sie mit der Abbildung 38 Seite 143 der Festschrift 1913, das Gefäß 7 in 1,10 Meter über der Grabessohle; die Ähnlichkeit ist in die Augen springend, aber nie- mals habe ich dies bisher bei dem anderen Ritus angetroffen.

Aus der Verteilung der Funde, dem Fehlen achtsam gestellter Gefäß- gruppen geht hervor, daß es sich im Heiligenholz nicht um ein Begräbnis nach alter Hallstattsitte, sondern um eine andere handelte und da diese Art in Hallstatt D häufiger und in der Frühlateneall- gemein zu werden scheint, so darf man sie beiunsals Sitte der Leute von Latene bezeichnen. Der Befund dieses Hügels ist bei den auf Seite 10 uf. vorausgegangenen Darlegungen bereits berücksichtigt und der hier gegebenen Beschreibung vorweggenommen.

1) Über Kohlestreuen in Grabhügeln sagt Olshausen: „Schon F. Keller glaubte, daß in heidnischen (schweizerischen) Grabhügeln Kohlen (wie auch zerbrochenes Geschirr und kleine Steine) aus religiösen Gründen ausgestreut seien (Mitt. d. antiqu. Ges. Zürich III, 2 1846—1847 S. 65) und Anderson meint diese Sitte noch in christlichen Gräbern Schottlands zu erkennen, wo die unverbrannten Leichen in Kohlen gebettet waren - ein Überlebsal des Leichenbrands wie er annimmt.‘ Ztschr. f. Ethn. 24 S. 134.

73

Aus den zwei verschiedenen Kultgebräuchen schöpfeich den Beweis, daß sich zur gegebenen Zeit zwei Religionssysteme, ein absterbendes und ein kommendes, nebeneinander finden. Bei dem älteren lag die ganze Wucht der langwierigen Zeremonie in den Vorbereitungen: in der Aufbahrung der Leiche, in der Aufstellung und sorgfältigen Anordnung der Totengaben um ihn herum, alles auf der 'Grabessohle. Von diesen Vor- gängen läßt sich keine „Höhentabelle‘‘ geben, denn die Sachen wurden ebenerdig ausgerichtet. Damit war die Aufbahrung beendet; hinterher wölbte man einen Hügel darüber mit beliebig vielen oder wenigen Steinen, um den Ruhenden samt ihren Aussteuern vermeintlichen Schutz und Sicherheit zu geben. Der jüngere Ritus hat keine Spur der Vorbereitung für die Feier hinterlassen, er kannte diese Art der Aufbahrung im Grab nicht und keine Aufstellung von Totengaben um sie herum; ihm begann der noch er- sichtliche Teilder Zeremoniemit der Errichtung des Stein- baues und das war ihm Selbstzweck, denn darin wurde der Tote ein- gebaut. Währenddem wurden die vielleicht zu Trank- und sonstigen Spenden benützten zertrümmerten oder ganzen Gefäße und was sonst dazu gehörte niedergelegt, wo es der Augenblick gerade darbot; dies ist aus der nur für diesen Ritus möglichen Höhentabelle ersichtlich.

Das waren die äußeren Rahmen der beiden Riten, soweit ich sie

derzeit zu erkennen vermag: der Hallstattritus konzentrierte sich um die Aufbahrung, der latenezeitliche vollzog sich durch den Einbau in die Steinsetzung. Innerhalb der Rahmen .aber blieb genug Raum zu lokalen und zu zeitlichen Varianten, außerdem auch noch für die Launen, die Pietät und den Aufwand der Hügelerbauer, welche in den Gräbern der bei uns ansässigen Bevölkerungen ebenso mannig- faltigen Ausdruck fanden, wie sie für die Hellenen der vorklassischen Zeit aus den Arbeiten von Zehetmaier und Helbig ersichtlich und mit den hier be- schriebenen selbst für unsere Gegend nicht erschöpft sind.

Bei den vorausgegangenen Berichten wurde versucht, Einzelerscheinungen im Ritus der Hallstatt C-Gräber entwicklungsgeschichtlich zu erfassen, zu- gleich aber auch die Fragwürdigkeit dieses Unterfangens hervorgehoben. In der Beurteilung der beiden sich gegenüberstehenden Riten braucht keine so große Zurückhaltung geübt zu werden, sie ist begründet und wird noch mehr gefestigt werden, wenn die Berichte über unsere ander- weitigen Grabungen fortgesetzt werden können.

Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel V.

Abb. 1.

Pfostenlöcher; Text S. 18.

Abb. 2.

Abb. 3. Scheiterhaufen; Text S. 18. Igensdorf 7361.

Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel VI.

Abb. 4. Steine am Hügelrand; Text S. 18.

Abb.5. Die Scherben 1-3,6 am Rande der Brandschicht; Text S. 19,

Abb. 6. Die Metallfunde; Text S. 22.

Igensdorf 7361.

Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel VI.

Abb. 7. Scherbengruppe 7 (ergab vier Tonkessel und vier Schöpftassen) Text S. 19.

Abb. 8. Scherben- und Gefäßgruppe 8, 22—28; Text S. 20.

Abb. 9. Gefäßgruppe 29—32; Text S. 20.

Igensdorf 7361.

Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel VII.

Abb. 10. Scherben- und

Abb. 12. Aus Streuscherben wiederhergestellt; Text S. 19—21.

Igensdorf 7361.

Tafel IX.

Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd.

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Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel X.

Abb. 14.

Scherbengruppe 7, Gefäß 8; Text S. 19, 20;

oben die drei Schädel 13,15, 16; Text S. 22.

Abb. 15.

Scherben bzw. Gefäße 34 und die Diele in der Brandschicht

Text S. 18 und 20.

Igensdorf 7361.

Abh.d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XI.

Abb. 17.

Scherben- und Geläß- gruppe 29-32.

Texts. 20.

Abb. 16.

Scherben- und Gefäß- gruppe 22—28.

Text S. 20.

Igensdorf 7361.

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Abb. 18. Steinrand und abgedeckte nördliche Hügelhälfte, die Scherben 1; Text-S. 31, 32.

Abb.20. Die vier Steine am Hügelrand; Text S. 31.

Abb. 19. Die Scherben 2 außerhalb der Steinsetzung;; Text S2 32.

Igensdorf 7362,

XII.

Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XIII.

Abb. 21. Stellung des photographischen Apparates bei 270° 4,20 m von der Mitte.

Abb. 22. Stellung des photographischen Apparates bei 360°, 3,40 m von der Mitte.

Brandbeisetzung der Hallstattstufe C.

Das Feld zwischen Gefäßen und Meterstab, auf welchem das weiße Papier liegt, ist mit Leichenbrand bestreut.

Igensdorf 7362.

Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XIV.

„Bauopfer“ Abb. 23. Text S. 32.

Abb. 24. Die Gefäße der Westgruppe; Text S 32.

Abb. 25. Die Gefäße der Ostgruppe; Text S. 32.

Igensdorf 7362.

Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XV.

Abb. 27. Aus den Scherben 7363 wiederhergestellt; Text S. 34.

Abb. 28. Scherben und Gefäße 3-5, 7364. Abb. 29. Bronzen; Scherbchen 8.

Igensdorf 7363 und 7364.

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Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XVI.

Abb.31. Das Hügelinnerste, die letzten Steine, Gefäßgruppe 13-15; Text S. 37.

Igensdorf 7364.

Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XVII.

Abb. 33. Scherben- und Gefäßgruppe 13—15; Text S. 37. Igensdorf 7364.

Tafel XVII.

Nürnberg XXI. Bd.

Abh. d. Nat. Ges.

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Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XIX.

Abb. 37. Stellung des photographischen Apparates in Süd bei 170° 3,40 m von der Mitte.

Abb. 38. Stellung des photographischen Apparates in West bei 275°, 4,50 m von der Mitte.

Die freigelegten Leichen, die Scherbengruppen und die Brandschichten. Text S.42.

Der besseren Sichtbarkeit halber sind die Skeletteile leicht überarbeitet und die Erde daneben ist scharf abgestochen.

Igensdorf 7704.

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Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XX.

23 Abb. 40. Dieselben Gefäße, wiederhergestellt; Text S. 44.

Abb. 41. Streuscherbengefäß;

TextaS42, 2 Abb. 42. Gefäß neben der Leiche 14.

Igensdorf 7704.

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Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XXI.

Abb. 43. Die wiederhergestellten Gefäße des Scherbenhaufens zur rechten Hand der Leichen; Text S. 42.

Igensdorf 7704.

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Abh.d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XXII.

16-19 Abb.44. Gefäße aus Hügel 6908; Text S.51.

Abb. 45. Gefäße aus Hügel 6909; Text S. 56.

Unterrüsselbach.

Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg” XXI. Bd. Tafel XXI.

Abb. 48. Die Scherbenlager am Grunde des Hügels; Text S. 59.

Unterrüsselbach 7759.

Tafel XXIV.

XXI. Band.

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Schönberg 7971.

Tafel XXV.

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Tafel XXVI.

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Schönberg 7971,

Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XXVII.

Abb. 53. Die Offnung d im Steinkranz. Standpunkt des photographischen Apparates siehe Grundriß bei ii, 190°; Text S. 66.

Abb. 54. Das Gefäß 13 bei der Aufdeckung. Standpunkt des photographischen Apparates siehe Grundriß bei Sk, 210°; Text S. 69.

Schönberg 7971.

Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Band Tafel XXVII.

Abb. 55. Scherben 3—5 im Steinbau; Standpunkt des photographischen Apparates bei 210°, 4 m von der Mitte.

B REED ni 2 u Abb. 56. Die steinfreie Hügelsohle nach Abtragung des Steinbaues. Standpunkt des photographischen Apparates annähernd bei Jg.

Schönberg 7971.

Abhandlungen

der

NATURHISTORISCHEN GESELLSCHAFT

NÜRNBERG

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XXI Band 3. Heft. Grabungsberichte der Anthropologischen Sektion Kasing 7444

mit Grundrissen, Querschnitten und Tafeln.

Von Konrad Hörmann.

NÜRNBERG 1922. J. L. Stich, Buchdruckerei und Verlag.

Grabungsberichte

Anthropologischen Sektion

mit Grundrissen, Profilen und Tafeln.

Köschinger Forst bei Kasing, Bezirksamt Ingolstadt. Einl.-Nr. 7444 mit 94 Unternummern.

Konrad Hörmann.

Bi = er | e 3 f \ ar. ? f 3 E ? PR DREI GROSSHERZIGE FREUNDE UNSERER GESELL- En SCHAFT, DIE IMMER SCHON OPFERWILLIG EINEN u F TEIL IHRER SORGEN MITGETRAGEN HABEN, ER- * MÖGLICHTEN DURCH BEZAHLUNG DER DRUCK- k KOSTEN DIE HERAUSGABE DIESES BERICHTES. - B. Br |

Zeichenerkllärung:

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Hügelgruppe im Waldteil „Auf der Leber“.!)

Köschinger Forst bei Kasing,

Bezirksamt Ingolstadt.

Literatur: Weber, Die vorgesch. Denkmale d. Ker. Bayern I S. 70 Köschinger Forst: ».... Leber, nördlich von Hellmannsberg. Hügelgruppe von etwa 60 Hügeln, größtenteils angegraben; Funde aus einem: Bronze und Eisenreste, näheres unbekannt. Ein Hügel anscheinend Hallstattzeit. Funde verschollen.“

3

Den östlichen Flügel dieser großen Nekropole bilden: Die 27 Hügel im Noldschen Waldanteil.

Literatur: Raithel, Hügelgräber-Oeffnung bei Kasing; mit 8 Blatt Zeichnungen, Sammelblatt Histor. Ver. Ingolstadt u. Umgbg. XXXI. 1908.

Allgemeines.

R Frühere Grabungen: Der Graben durch den großen Hügel 19 soll vor Jahren durch einen Generalarzt gelegt worden sein; von Funden nichts bekannt. Den westlichsten Hügel der Gruppe im angrenzenden Waldteil hat Krämer Binder von Kasing angegraben. Er fand: eine Lanzen-

') Hierzu bemerkt Raithel S. 6: „Diese in Süddeutschland und Oesterreich bei vor- geschichtlichen Hügelnekropolen wiederholt anzutreffende Bezeichnung bedeutet so viel wie ‚Auf den Grabhügeln‘ und ist ebenso wie das gleichbedeutende ‚Leeberg‘ von den ur- ‚germanischen Wörtern hlaiwaz, hlaiwiz Grabhügel abzuleiten, wobei das z nicht unser z,

“sondern ein tönender s-Laut ist, der teils abfällt, teils zu r wird und dadurch die Spaltung ) des Wortes in zwei bewirkt. Eine Weiterbildung davon ist das gotische hlaiwasnös = - Gräber. Aus den Grundformen entspringen das gotische hlaiw Grabhügel urnordisch (runeninschriftlich) hlaiw altsächsisch hl&o angelsächsisch hläw, hlew althochdeutsch hleo, l&o, auch hlewir, lewir mittelhochdeutsch l& mit Genetiv lewes..... Bei dem Ausdruck ‚Auf der Leber‘ ist also das b kein wirkliches b, sondern ein w, wie es auch gesprochen wird; es liegt außerdem eine volksetymologische Umdeutung eines alten unver- » ständlich gewordenen „Auf den Lebern“ vor«.

78

spitze, angeblich jetzt in München, und eine „Münze“; von uns dort auf- gelesene Scherben, Einl. Nr. 7444', haben Latene-, fast römischen Charakter.

Grabung 1909: Im Mai wurden von den 27 Hügeln im Ostteil des Gräberfeldes 10 durch die Anthropologische Sektion und 5 durch den Historischen Verein Ingolstadt abgegraben. Gutsbesitzer Karl Nold auf Erlachhof, Besitzer dieser Waldabteilung und Mitglied der beiden Vereine, überließ die Funde in dankenswerter Weise den Museen in Nürnberg und Ingolstadt.

Geologischer Horizont: Dolomit, äußerster Südrand der Franken- jura-Hochebene, der sog. Eichstätter Alb. Benachbart Nester von Solnhofer Plattenkalken. Der gewachsene Boden ist gelber, grobkörniger Sand, durch den Streifen ziehen, wie Bachbetten, aus kleinen Quarzkörnern bestehend, Rückstände einer tertiären Einschwemmung, die auch sonst auf der Jura- Hochebene häufig zu beobachten ist. Das zum Hügelbau verwendete Steinmaterial sind Dolomitfindlinge z. T. von ansehnlicher Größe.

Flurplan.

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In West u Südwest Fortsetzung d. Grabfeldes; noch 40-50 schöne grosse, durchweg fast unberühcte Hügel ae a > & EEE)

.— .— . Grenze des Noldschen Waldanteils.

Hügel 2, 5a, 7, 8, 9, 14, 17, 20, 21, 22 von der Anthropol, Sektion ausgegraben; 19, 23—26 vom Historischen Verein Ingolstadt ausgegraben; 6, 10, 12, 18 vom Kgl. Generalkonservatorium für

unantastbar erklärt; 3, 4, 11 von Alters her verschleifte Hügel;

1, 5, 13, 15, 16 nicht ausgegraben.

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79

Einzelbeschreibung.

Hügel 2. Fundnummern 35 36 38 bis 42; Tafel 29 Abb. 1, 2.

Grundriß und Profil.

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Hügelbau: Erdaufwurf beinahe rund, 8 Meter Durchm., 50 cm hoch. Ueber der unteren Erdanhäufung eine lückenhafte, ungleiche Steindecke, teilweise bis zu 40 cm Stärke, von unregelmäßiger Ausdehnung. Die Erd- anhäufung ebenso nachlässig wie die Steindecke; zum Teil (gegen Ost) aus weißem, zum Teil (gegen Süd und West) aus gelbem Sand bestehend; im übrigen aus schwarzem Humus bezw. Waldboden.

Weder Kohlenschicht noch -flecken, hie und da Kohlenstäubchen; weder Reste von Menschenknochen noch Andeutung von Leichenbrand.

Funde: Durch den ganzen Hügel vereinzelte Streuscherben 35, vor- wiegend roher Gattung; bei 39 ihrer mehrere zusammen, doch konnte nur ‚ein Teil der unteren Gefäßhälfte wiederhergestellt werden, Bodendurchm- 7 cm, dabei ein Henkel; verhältnismäßig viele Bodenstücke von massiven |Standfüßen 35a—d, welche einen Durchmesser von 9 bis 11 cm annehmen

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80

lassen, also von großen rohen Gefäßen herrühren. Ein Knollen 35g von feingeschlemmtem Ton, anscheinend Bruchteil einer massiven Tonkugel; Bruchkanten verwa- schen. Eine kleine AnzahlStreuscherben gehören einer feine- ren Oattung an, dünn- und dickwandieg, teil- weise mit Ornament Taf. 29 35h i. Ein Bronzezierbuckel zer- trümmert,dunkelgrün patiniert, Taf. 29 38. Die beiden Zahnrei- hen eines Rehunter- kiefers; Stücke von Speiche und Elle ei- nes jungen Schwein- chens; Knochenstück aus der Tibia eines jungen Rindes 41; Stück einer Feuersteinklinge 36 Tafel 38.

Beurteilung.

Das Fehlen von Spuren einer Leiche spricht nicht gegen einen Grab- hügel, da alle sonstigen Anzeigen eines solchen vorhanden waren. Den wenig sorgfältigen Aufbau, die lässig hingeworfenen Steine, das Fund- durcheinander trifft man nicht selten bei Hügeln der ausgehenden Hallstatt- oder der beginnenden Latenezeit. Die Bronzescheibe 38 widerspricht nicht, wie die gleichen Stücke aus der Hagenreuth zeigen (Abb. 27 S. 138° der Festschrift 1913) der jüngsten Hallstattzeit. Die Mehrzahl aller Scherben ist unbestimmbar; die eingezogenen Standfüße 35a—-d können frühbronze- zeitlich sein; die ornamentierten Scherben sind es sicher, vielleicht auch die Feuersteinklinge 36. Die Scherben 35e und 39 sind junghallstattzeitlich. Als Speisereste erscheinen Teile von Reh und Schwein, nicht aber der Rinder- knochen 41; er dürfte Rückstand einer Waffe sein. Die Verwendung von Knochen und rohen -splittern zu Waffen und Pfeilspitzen war in der jüng-' sten Hallstatt- und Latenezeit den Funden auf der Houbirg und bei Thal- mässing zufolge sehr gebräuchlich. Trotz der Bronzezeitreste ist die” Hügelerrichtung also etwa zur jüngsten Hallstattzeit anzusetzen.

81

Hügel 5a. Fundnummern 93 94; Tafel 29 Abb. 3.

Grundriß und Profil. 3602\Nord

Hügelbau: Erdaufwurf nahezu rund, 8 Meter Durchm., 35 cm hoch. Ein rundum geschlossener Steinkreis, beiläufig 6 Meter Durchm., 20 cm mittlere Höhe, unre- gelmäßig und ohne Sorgfalt gesetzt. Füllungsmaterial weißer Sand mit vielen natürlich ge- sprungenen Horn- steinen. Wenige, vereinzelte Kohlen; keine Knochen, kein Leichenbrand. Funde: Streu- scherben roher und feiner Gattung 9. Bei 94 Henkelbruch- stück und einige Scherben eines nicht wiederherstellbaren Gefäßes, wie die ornamentierten

82

Scherben I und m Tafel 29 aus einem von groben Beimischungen freien, mit feinsten Glimmerteilchen gespicktem Ton. Die mit Fingereindrücken verzierte Wulst der Scherbe g ist zu einer energischen Warze ausgezogen.

Einiges Steinzeug mit geringen Bearbeitungsspuren s. f S. 107; Bruchstück

einer massiven Tonkugel h, die in der Mitte durchlocht war, mit zwei kräftigen, 15 mm langen Vertiefungen. Sonst nichts.

Beurteilung. Der Hügel kann ein Grab gewesen sein, aber sicher ist es nicht. Unter den Scherben befinden sich sowohl bronzezeitliche 94 933g m kl wie hallstattzeitliche a d f. Der Steinring ist durch keinen Fund datiert.

Hügel 7, Fundnummer 77 bis 79 92; Tafel 29 30 Abb. 4 5.

Grundriß und Profil.

Hügelbau: Sandaufhäufung von beiläufig 7 Meter Durchm., 30 cm hoch. Enthielt eine breite, ringförmige Steinsetzung von rund 6 Meter Durchm,, ringsum geschlossen; im Südwesteck mit dem Steinbau von Hügel 8 in Berührung.

Funde: Hie und da etwas Kohle, keine Menschenreste. Viele Scherben verschiedener Art 77, beisammenliegend, darunter das mit starker Ergänzung wiederhergestellte Gefäß 77, s. Abb. 4. Unter den wenigen Streuscherben 78 ein Henkel und einige mit Ornamenten, s. Abb.5 78a—e. Eine Tasse 79 stark ergänzt, rötlich braun überfangen, feiner Ton, dünnwandig, mit zwei Strichelbändern, Durchm. 13,5, Höhe 5,5, mit Omphalos; bei Behrens,

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83

Bronzezeit Süddeutschlands erwähnt als „Henkeltasse“ 26467. Ein Henkel ist jedoch nicht vorhanden, aber wohl nur deshalb, weil ein Teil der Randpartie Eine Horn- oder Feuersteinkugel 78 mit einigen Abschlägen, einiges

fehlt. rohes Steinzeug, eine sehr schöne, gezähnte Feuersteinspitze 92, s. Tafel 38. Beurteilung. Auch bei diesem Hügel kann die Bestimmung als Grabmal zweifelhaft sein, sicher ist nur, daß zwei verschiedene Zeiten vertreten sind, die Schale 77 hat eine nichtssagende Gebrauchsform, wie solche von der jüngeren Hallstatt- zeit an häufig sind. Die übrigen Fundsachen sind bronzezeitlich.

Hügel 8. Fundnummern 80 bis 91; Tafel 30 31 Abb. 6 bis 10. Grundriß und Profil.

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84

Hügelbau. Durchmesser bei 13 Meter, Höhe 135 cm; zur Hälfte mit weißem, zur Hälfte mit gelbem Sand überdeckt. Grabessohle nahezu 2 Meter unter dem Meßbrett. Massiger, aber unregelmäßiger Steinbau von 11 Meter Durchm., teilweise sehr fest gefügt, in Nordost den Steinbau des Hügels 7 berührend, in Südost durch eine Steinbrücke mit dem vom kgl. Generalkonservatorium als unantastbar erklärten Hügel 6 verbunden.

Brandschicht: Gelegentliche Kohlenspuren, aber weder Brandschicht noch Kohlenflecke. '

Leichen: In den unteren Teilen des Hügels, 105 bis 118 cm tief unter dem Meßbrett, von der Mitte bis 2,30 Meter nach West Menschen- knochen 87 zwischen und auf den Steinen liegend, Abb. 8. Etwas tiefer zwischen Steinen steckend die obere Schädelhälfte 89, gleiche Abbildung bei B. Einzelne Menschenknochen auch zwischen den unteren Steinen und vereinzelt ein solcher auch in einer 12 cm tiefen Grube im gewachsenen Boden unter den Steinen, Abb. 9. Einige Fingerknochen und Rückenwirbel an verstreuten Stellen; vielleicht Reste von zwei Toten.

Funde: Metallgegenstände nur in kleinen Resten regellos im Hügel: ein kleines Stückchen Bronzedraht; ein kleines Bruchstück eines massiven, gebogenen Bronzegegenstandes 82, 110 cm tief; der Bügel eines Bronzezeit- Fingerringes 91, 15 cm über dem gewachsenen Boden; unter den Skelett- knochen 130 cm tief ein Stückchen Bronzeblech mit Eisenrest 88; ein kleines Ringchen 89, lichter Durchm. 8 mm; eine kleine kobaltblaue, einfache Glas- perle unter den Streufunden 80; rohes Steinzeug mit Bearbeitungsspuren

d und k, siehe S. 107 und Tafel 39 k 1,2; 80: a eine Knochenpfeilspitze; zwei Bolzen b von Knochen, e von Hirschhorn.

Tierreste: Ziemlich weit außen am südlichen Hügelrand mit einigen

Scherben 80 ein rechter Oberarmknochen vom Schwein; an anderer Stelle

einer desgleichen von einem großen Schaf; ein Stückchen Unterkiefer mit

u ern

85 Zahn vom Hirsch; ein Rinderzahn bei den Scherben 84. Eine Anzahl Gehäuse von Helix nemoralis und der Weinbergschnecke, Helix pomatia, im inneren Hügel müssen seinerzeit bei Errichtung des Hügels mit dem überdeckenden Sand an ihren Platz gelangt sein.

Keramik: Viele Streuscherben 80, die meisten von ganz rohen Gefäßen, darunter Trümmer mit einer Wandstärke von 24 mm. Bei 84, 85 Scherben

er

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verschiedener Gefäße beisammen, 76 bis SO cm unter dem Meßbrett, s. Abb. 7 bei A; einige zusammenpassende ergaben den Rest eines Tonkessels 84i von wenigstens 30 cm Höhe, rötlichbraun getont, mit löcheriger Oberfläche, vielleicht weil die an der Oberfläche befindlichen Quarzkörner, Beimischung des Tones, ausgefallen sind. 85k zeigt Spuren von Graphitierung. 84q im Aussehen wie Sandstein mit steinhart verfestigter Kruste; Ton mit viel kleinstem Glimmer und Quarz versetzt, im Kern schokoladebraun, schwach gebrannt; breite, jedoch ausgebrochene Handhabe eines großen Gefäßes. Die Schale 90 Abb. 10 Tafel XXXI, beiläufig 1,50 Meter unter dem Meßbrett und tiefer als Schädel 8S9B, eine mit Ergänzung wiederhergestellte Henkeltasse, Durchm. 12 cm, Höhe 5,5 cm, dünnwandig, braungrau, mit 5 cm weitem Omphalos am Boden; Ornament zwei Dreieckreihen Kerbschnitt in drei Linienbändern; erwähnt bei Behrens unter Nr. 26466 S. 113. Von den Streufunden 80 fallen auf die Scherbe m Ansatzteil eines Henkels und die große Scherbe n, anscheinend zusammengehörend; beide von einem stark- wandigen rohen Gefäß stammend, grau, mit sandig rauhen Oberflächen,

86

steinhart, aber nicht stark gebrannt, Ton stark mit kleinsten Glimmerpünktchen und Quarz durchsetzt. 800 von rauhem Sandstein kaum zu unterscheiden, hellbraun, mit steinhart verfestigter Kruste, im Kern grauschwarz mit viel

Quarz und Glimmerpünktchen versetzt, schwach gebrannt; mit kräftiger Warze. $80p zitzenartig ausgezogene Warze an einer mit Fingereindrücken versehenen Wulst; mit Resten von rotem Ueberfang; der Ton stark mit Glimmerpünktchen durchsetzt; schwach gebrannt. Die ornamentierten Scherben SOr—v Abb. 6 Tafel XXX, gehören größtenteils dem feineren Geschirr an; Scherbe u war vielleicht quer gestreift, es kann sich aber auch um die gebräuchlichere Längsstreifung handeln.

Beurteilung.

Der um die Wende von Hallstatt- zur Latenezeit mit viel Arbeits- aufwand und Mühe errichtete Hügel enthielt viele älterbronzezeitliche Bei- mischungen an Scherben und einigen Bronzefragmenten. Die Ausstattung der oder des Toten war sehr dürftig; das kleine Bronzeringchen, die Scherben 5s0d—I, die Glasperle, die Tierreste sind von seinem mitbegrabenen Hab und Gut übrig geblieben. Die Aufbahrung der Leiche bot das gleiche Bild wie diejenige des Latenehügels in der Stadelleite, vergleiche Abb.8 Tafel XXXI mit der Festschrift 1913, S. 133, Abb. 19; der Tote war übereinstimmend mit jenem Ritus in die Steinsetzung eingebaut, zu Häupten, Abb. 7 bei A, Gefäßreste 30 bis 25 cm über ihm, die sicher H, oder L, sind, S4hil und 85k. Die Schale 90 und die übrigen Scherben m bis v, der Bügel des Fingerringes 91 sind bronzezeitlich.

87

Also: trotz der Bronzezeit-Beimischungen ist die Be- stattung typisch für den Ritus der Späthallstattzeit, wie er S.9 und 72 dieser Abhandlungen festgestellt und geschildert ist.

Hügel 9. Fundnummern 3 bis 28; Abb. 11 bis 14, Tafel 31 bis 33.

Grundriß und Profil.

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88

Hügelbau: Oberfläche gestört; 14 Meter Durchm., 130 cm hoch; dazu eine Ueberhöhung von 20 cm zur Unterbringung des Meßbrettes: mein Meßbrett lag demnach 150 cm über der Waldboden-Öberfläche Hügelsohle in nahezu 2 Meter Tiefe. Die Erdüberdeckung gelblicher und weißer dolomitischer Sand, stellenweise so fein wie Dolomitasche und dann durch Auslaugung des Kalkes zementartig verhärtet, steinhart und überaus schwer zu bearbeiten. Im Gegensatz dazu die Erde unter den Steinen dunkel, locker und leicht beweglich, auf Abb. 14 einigermaßen erkennbar. Im Unterteil des inneren Hügels Gänge eines alten Fuchsbaues, nach außen zu verschüttet und unkennbar. Außerhalb der Steinsetzungen ganz wenig Steine.

Steinsetzung: Ein etwa 1 Meter breites, bis 50 cm hohes, unregel- mäßiges Steinlager etwa 15 cm über den gewachsenen Boden ringförmig in den Sand gelegt, lichter Durchmesser 10—11 Meter. In Nordost eine meter- breite Unterbrechung der Steinsetzung; s. Abb. 14. Ein 85 cm hoher Stein- haufen von fast 2 Meter Durchm. inmitten des Ringes, ohne Verbindung mit ihm; seine untere Kante lag 150 cm, die obere 65 cm unter dem Null- punkt. Alle Steine Dolomitbrocken, groß und klein.

Brandschicht: Kohle vereinzelt in Stäubchen und Brocken nicht selten. Ein Brandfleck in der Nähe der Scherben 17 Nordwest. Im übrigen ohne Brandschicht.

Leichen: Mehrfache Funde von Menschenknochen 13 weisen auf mindestens eine bestattete Leiche hin. Schädelrest 28 unter dem Steinhaufen in der Mitte, 20 cm über der Hügelsohle. Von Leichenbrand keine Spur.

Funde: In und unter dem Steinring:

Einige unscheinbare Hornsteinsachen, vielleicht bearbeitet. 18 ein Bronze- drahtröllchen, spiralig gewunden, 28 mm lang, Abb. 12.

Keramik: 4 Henkel eines derben, braungrauen Gefäßes, sandiger Ton, schlecht gebrannt. 17 Scherben verschiedener Art 10—14 cm tiefer als der Steinring; Rand- | stück eines stark gebauchten Gefäßes mit tief eingeschnittenen, gleichlaufenden Rillen, 1 s. Zeichnung; Scherben eines großen Topfes mit kräftiger Warze am abgesetzten Rand, graubraun, streifig gerauht am Bauch wie 98k Abb. 3. 171 Fragment einer halb- kugeligen Schale mit Henkel oder Warzenandeutuug, hell bis rötlichbraun, Ton voll Glinmerstaub, feingeschlemmt. 19 Henkelkrüglein, 5 cm tiefer als der Steinring; stark ergänzt Abb. 11; mit weitem, scharf abgesetztem Trichterhals, mit Strichelung am Rücken, dunkelgraubraun, dünnwandig, 99 mm Durchm. am Bauch, 77 mm Durchm. am oberen Rand, 8 cm hoch; erwähnt bei Behrens S. 113 als „Henkelkrug mit weiten Trichterhals“.

Tierreste: 16 Kalb, r. Oberarm u. r. Speiche, dabei ein Entenschädel, nach der freundl. Bestimmung Dr. Staudingers-Halle wahrscheinlich Krickente.

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In und unter der menhirartigen inneren Steinsetzung: 1

28 Rest des menschlichen Schädeldaches 20 cm. über der Hügelsohle. 27 f Hund, linkes Unterkieferfragment, Abb. 12; Jagdhundgröße, auffallend schlank, von der Spitze des Eckzahnes bis zur Mitte des ha lberhaltenen Reißzahnes 77 mm. j

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89

Keramik: 26 Scherben zweier Gefäße ineinander am Rand der- Steinsetzung, 20 cm über der Hügelsohle, s. Abb. 13 nach Wegnahme der darüber gelegenen Steine; daraus wieder hergestellt, s.*Abb. 11: 26a Henkelschale mit scharf abgesetztem Rand, graubraun, dünnwandig, feingeschlemmter Ton mit Glimmerstäubchen, rundlicher Boden mit kräftigem Omphalos, 20 cm oberer Durchm., 9 cm hoch; darinnen lag die Tasse 26b mit Schnurösenhenkel; scharf abgesetzter Rand, braun, im Ton wie a, runder Boden mit kräftigem Omphalos, 11,5 cm oberer Durchm., 6 cm hoch; bei Behrens S. 113. erwähnt als „zwei unverzierte Henkeltassen mit Omphalos*.

In der Erdauffüllung des Hügels:

Mensch: 13 Oberarmknochen, ganz für sich allein im Sand gelegen.

Tierreste: Schaf (Haidschnucke?), Speiche, linker Oberarm, Fesselbein, Mittel- handknochen.

Flintgeräte der Abb, 27, Tafel 38: 3 ein schaberähnlicher Silex; 5 eine schön- gearbeitete Pfeilspitze; 11 eine Pfeilspitze mit runder Basis; 10 ein Schaber; 20 ein an der Basis stumpfer, sonst rundum bearbeiteter Schaber und andere rohe Formen, welche zum Teil unter „Steinzeug“ zusammenfassend besprochen sind.

Bronzen: 6 ein kantiger Bronzering, geöffnet, das linke Ende etwas aufgebogen, 62 mm lichter Durchm., an der Vorderseite schwach erkennbar eine Riefelung mit abwechselnd breiten und schmalen erhabenen Wulsten; unschöne, mißfarbene Patina;

90

4 mm hoch, an den hinteren Enden auf 3 mm verjüngt; gefunden 70 cm unter dem Nullpunkt. 22 Rest eines Bronzegravier- oder Punzstiftes, beschädigt, 22 mm lang, nach der Mitte anschwellend, an einem Ende mit rundem, am anderen Ende mit vierkantigem Querschnitt. 23 Nadel einer kleinen Fibel; nachträglich bei den Streu- scherben vorgefunden, Lage nicht mehr feststellbar.

Eisen: 14 Lanzenspitze mit Tülle, jetzt entrostet und verstümmelt, aber vor der Entrostung von eleganter Form, 9,5 cm lang, gefunden 142 cm unter dem Null punkt. 21 Eisenring, 4,5 cm äußerer Durchm., gefunden 112 cm ‘unter dem Nullpunkt; Tafel 32 Abb. 12.

Keramik: Es kamen nur Streuscherben zu Tage; davon seien erwähnt: 7 Boden- stück, Durchm. 5,5 cm, innen und außen mit hellbraunem Ueberzug, im Kern grau-

schwarz, feingeschlemmter Ton, schwach gebrannt. 8 Rest 'einer am oberen Rand vielleicht 25 cm Durchm. haltenden niederen Schale, außen und innen braunrot, im Kern erdfarbener Ton mit etwas Quarzkörnern. 12 Scherbe mit drei Buckeln oder Warzen, sandigrauh wie Mörtel, durchaus hellbräunlich. 23a Scherbe eines Henkel- krügleins mit Gerstenkorn-Ornament, braun. Mehrere Henkel.

Unter den auf Tafel 32 Abb. 12, abgebildeten Scherben sind erwähnenswert: 23ab Scherbe eines innen und außen mit hellem Braun überfangenen Gefäßes, teil- weise angeschmaucht; von feinem, im Kern grauschwarzen, mit viel Glimmerstaub durchsetzten Ton; nach oben Ansatz eines breiten, abgebrochenen, eng gelochten Henkels; ornamentiert mit hängenden Zweigen in Kerbschnitt. Eine zweite Scherbe

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91

trägt dasselbe Ornament, aber unscharf, weil verwaschen und abgescheuert oder gerollt. 23ad Scherbe mit dem Ansatz des abgebrochenen Henkels eines mit tiefen Quer- furchen ornamentierten, rundlichen Gefäßes. 23x Scherbe eines außen und innen brauntonigen Gefäßes von feinstem, mit Glimmerstaub und spärlich mit Quarzkörnchen durchsetztem‘ Ton; Innenseite glatt und flach, die abgebildete Außenseite mit kranz- artig aufgesetztem Omphalos, verziert in Gerstenkorn-Technik. 28y vielleicht eine Ansa lunata. Die übrigen Scherben erklären sich selbst.

Beurteilung.

Der Bronzering 6, die Fibelnadel 23, die Lanzenspitze 14, der Eisen- ring 21, die Scherben der nebenstehenden Textabbildung größtenteils und viele nicht abgebildeten gehören der jüngsten Hallstattzeit, H,, an, die übrigen Gegenstände der Bronzezeit, B,. Der Hügel wurde also zweimal zu Begräbnissen benützt.

Alle unter Steinsetzungen gefundenen Gegenstände rühren aus der Zeit der ersten Benützung her, und das nötigt zu der Annahme, daß die beiden Steinsetzungen bronzezeitlicher Abkunft sind, und daß Steinkranz und menhirartiger Innenbau zusammengehören. Die Scherben, bez. Gefäße 26a und b und der Schädelrest 28, beide in gleichen Tiefen und in an- gemessenen Entfernungen von einander gefunden, können ein Rest der rituellen Bronzezeit-Bestattung sein, die mehrere Gefäße zu Füßen der auf dem Rücken ausgestreckt ruhenden Leiche hat, wie es bei Hügel 25 S. 114. der Fall war. Ich habe aber leider während der Grabung versäumt darauf

' zu achten, ob zwischen 26 und 28 die Färbung oder sonstige Spuren im Erdreich auf das Lagern einer Leiche hindeuteten. Mithin kann man das nur als wahrscheinlich oder möglich, nicht aber als bewiesen erachten.

Hügel 14. Fundnummern 43 bis 57. Abb. 15 bis 18.

Hügelbau: Durchm. 15, Höhe 2 Meter; Nordostviertel zerstört bis auf den gewachsenen Boden. Erdaufwurf im oberen Teil locker, an un- berührten Stellen unten teilweise ebenso fest wie in Hügel 9. Außerhalb der Steinsetzungen Steine vereinzelt. Unten verschüttete Gänge eines alten Fuchsbaues.

Steinsetzung: Ein in der Breite und in der Höhe ungleichmäßiger ringförmiger Steinkranz im Erdaufwurf des unteren Hügels, die untere Kante schwankend zwischen 20 und 50 cm über der Hügelsohle, unter- brochen an der gestörten Stelle; Durchm. 10 bis 11 Meter. Ein halber Steinring (?) im oberen Teil des Hügels von 108 cm ansteigend bis zur Hügeloberfläche, s. Abb. 18; ob es eine ursprünglich sichelförmige Stein- setzung war, wie Raithel sie bei seinem Hügel 25 angenommen hat, oder eine ehedem geschlossene Steindecke, oder was es sonst war, ließ sich eben der Störung wegen nicht feststellen.

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92

Grundriß und Profil.

Brandschicht fehlt; gelegentliche Kohlenstückchen; ein Brandfleck von geringer Ausdehnung im Westen 215 cm tief, etwa 30 cm tiefer als die Steine.

5

Leichen: Im zerstörten Teil des Hügels ein menschlicher Calcaneus °

und auch sonst einige Stückchen anscheinend menschlicher Knochen. Kein Leichenbrand.

Tierbeigaben: Auf einem Klumpen 90 bezw. 107 cm unter dem Meßbrett außerhalb der oberen Steinsetzung, s. Abb. 16, ein Hirschschädel 55 mit Atlas und mehreren Halswirbeln, der Länge nach gespalten; darunter vermorschte Rinde, also wahrscheinlich auf Birkenrinde gelegen;

sonstige Funde nicht in der Nähe. An anderen Stellen: Atlas und andere

Hirschknochen, ein Schafschädel, ebenfalls auf Rinde liegend, und Schaf- knochen; Fesselbein eines erwachsenen Rindes; Oberarmknochen vom Reh; Dachsknochen von zwei Individuen; Hasenknochen; 43 ein Eberzahn aus dem unteren, 043 desgleichen aus dem oberen Teil des Hügels, s. Abb. 15,

93

Keramik: Scherbenfunde zahlreich, meist unbestimmbares Material. Die Streufunde aus dem unteren Hügel tragen die Nummer 43, solche aus innerhalb der oberen Steinlage 043.

43a großes Bruchstück eines Tonkessels von etwa 36 cm Höhe, am oberen Rand etwa 22 cm Durchm., Ton mit starkem Quarzzusatz, rötlich- semmelfarbener Ueberzug; auf dem Rücken ornamentiert mit Buckeln,

welche der Finger einer kleinen Hand von innen heraus in den weichen Ton gedrückt haben kann; darüber eine Reihe annähernd viereckiger Ver- tiefungen. Größere Scherbenfetzen mit verwaschenen Kanten, fast flach, also von einem sehr großen Gefäß herrührend, 14 mm Wandstärke, im Kern dunkelbrauner, feingeschlemmter Ton, außen braungrau überfangen,

94

Gefäßform unkenntlich. Eine gleichfalls 14 mm dickwandige Scherbe von ziegelsteinartiger Beschaffenheit, im Kern schokoladefarben, außen lebhaft rot überfangen, mit Kies gemischter Ton. Rauh geriefte Scherben wie 93k Abb. 3. Dünnwandige, braune Scherbchen kleiner Gefäße von feinster Tonmischung, darunter 43c, Teil einer halbkugeligen Henkeltasse mit abgesetztem Hals. Scherbchen mit eingeritzten Dreieck- und Strich- ornamenten 43k m n, eines mit Fischgräten- oder Koniferenzweig-Ornament 431, s. Abb. 17. 43e, Henkel eines großen, rohen ‘Gefäßes, durch und durch mit Quarz versetzter Ton, schwach gebrannt aber steinhart infolge Durchdringung mit Kieselsäure, im Kern braun, von außen rötlich-hellbraun, nach oben geknickt und mit Zäpfchen. Sodann Gefäßscherben mit stumpfem grauschwarzen Ueberzug und Resten von Graphitierung, 43f; ähnlich 43d.

Die getrennt gehaltenen Scherben des oberen .Hügelteiles 043 sind ebenso bunt gemischt wie die von 43 aus dem unteren Teil, die Trennung war also überflüssig. Ein Gefäßstück 043g mit völlig verwaschenen Kanten und ehemals rot überfangener, vielfach abgeblätterter Oberfläche läßt ein- geritzte, schraffierte Dreiecke und darunter ein Strichband erkennen. Ein Randstück von dünnwandigem Gefäß aus feinstem Ton mit schönem, matt- glänzenden, rotbraunem Ueberzug zeigt ebenfalls eingeritzte Dreiecke, 043 i.

Sonstige Funde: Eine eiserne Schließe 53 im Schutt des gestörten Teiles; ein Bronzedraht 48 etwa 40 cm lang, zusammengeknüllt, s. Abb. 15.

Beurteilung.

Auch ohne die ausgiebige Störung hätte der Hügel kein klares Bild hinsichtlich der vermutlich darin beigesetzten Toten gegeben; ein Grabmal war es jedenfalls, dafür sprechen alle Anzeichen. Im Scherbenmaterial über- wiegt die Bronzezeit, welcher auch die Eberzähne angehören dürften, doch ist die jüngste Hallstattstufe gut vertreten, und wahrscheinlich gehört ihr auch die obere Steinsetzung an, in der eine Hügeldecke vermutet werden darf. Von den Tierresten sind Hirsch, Reh, Schaf und Rind als mutmaßliche Totenbeigaben zu betrachten. Die Reste von Dachs und den kleineren Tieren werden den vierbeinigen Bewohnern des Hügels zu verdanken sein.

An dem unschön patinierten, im Innern messingglänzenden Draht 48, vermutlich zu H, gehörig, hat die Untersuchungsanstalt der Firma H. D. Wilke Nachf., Inhaber

O.H. Döhne in Letmathe im November 1921 eine Untersuchung vorgenommen, um zu

ermitteln, ob er durch Ziehen oder Schmieden hergestellt ist. Ein mit ammoniakalischem

Kupferchlorid geätzter Längsschliff ergab nach allen Richtungen gleichmäßig aus-

gebildete Kristallite. Daraus ergibt sich, daß der Draht nach der Bearbeitung geglüht

worden ist; Angaben über die Art der vorausgegangenen Bearbeitung lassen sich aber nicht machen.

95

Hügel 17. Fundnummer 58, 61 bis 76; Abb. 19 bis 22.

Grundriß und Profil.

Hügelbau: 13 Meter Nord-Süd-Durchm., 10 Meter West-Ost-Durchm., 1,40 Meter Höhe, unberührt. Der Waldboden von Nord nach Süd abfallend (Bodentiefe in Nord 150, in Süd 192 cm).

Steinsetzung: 10 bis 20 cm über dem gewachsenen Boden in den Erdaufwurf ringförmig gelegte Steine in unregelmäßiger Anordnung ohne Unterbrechung mit je einer Steinbrücke nach den Hügeln 16 in Ost und 15 in West s. die Abb. Tafel XXXV. Inmitten des Erdaufwurfes ein Stein- haufen für sich ohne Verbindung mit dem umgebenden Ring; über dem- selben und etwas seitlich davon eine kleine, obere, unregelmäßige Steindecke s. Abb. 22 und Profil. Außerhalb der Steinsetzungen keine Steine.

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96

Brandschicht: An zwei Stellen unter den äußeren Steinen Kohlen- flecke s. Grundriß; Kohlenspuren auch unter dem inneren Steinhaufen, aber keine durchgehende Brandschicht.

Leichen: Zwischen den Steinen des Mittelhaufens, zum kleinen Teil auch vor ihnen in 125, 135 bis 149 cm Tiefe unter dem Meßbrett, also 20 bis 25 cm über dem gewachsenen Boden von Nordost nach Südwest gerichtet menschliche Skelettreste. Beigaben nicht in nächster Nähe.

Tierbeigaben: Von Tieren herrührende Knochen kamen nicht zum Vorschein; indessen fand sich ein Schafzahn unter der inneren Steinsetzung.

Keramik: Mit 58 wurden die Streufunde aus dem Erdaufwurf und dem Steinring, mit 66 diejenigen des geschlossenen inneren Steinhaufens numeriert. Wenige Scherben, mit unansehnlichen Ausnahmen s. Abb. 21 ohne Ornamente, keine Randstücke; sie verteilen sich auf beide Arten: grobe, mit viel Quarzkörnern, einmal sogar mit fingernagelgroßem Kiesel und dünnwandige Scherben von feingeschlemmtem Ton, rötlichbraun überfangen.

Sonstige Funde: Die Fibel 76, gut erhalten, doch ohne Verschluß- nadel; der hohle Knopf auf dem Fuß enthielt Spuren einer weißen Masse, die aber beim Tränken in heißer Gelatinelösung leider verschwand. Zwei kobaltblaue Perlen mit Einlage 74 und 75; alle drei Funde aus der oberen kleinen Steindecke bezw. der oberen Lage des Steinhaufens seitlich der Mitte. Ein Spiralfingerring von Bronze 67 und Teile von solchen, eine Bronzescheibe 72, ein Bronzeringchen 68 fanden sich im Steinhaufen der Mitte verstreut. Eine Anzahl roh bearbeiteter Feuersteine, bemerkenswert insbesondere a (61) s. Text-Abb. S. 107.

Beurteilung.

Gleiche Mischung von Jung- und Altsachen wie in den anderen Hügeln Die Fibel ist typisch für H,, auch die Perlen gehören in diese Zeit, ebenso wie ihr auch die obere unregelmäßige Steindecke zugeschrieben werden muß. Bronzezeitlich sind einige der Scherben und die übrigen Bronzen. Es stand zu hoffen, daß die nach ihrer Freilegung sich völlig unversehrt darbietende untere Steinsetzung mitten im Hügel, s. Abb. 22, guten Aufschluß über die Zeit der Errichtung geben würde. In der Tat sind auch alle darin gemachten Funde bronzezeitlich.

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Hügel 20, 21, 22. Fundnummern 59 60; 2; 29 bis 34. Abb. 23 bis 26.

Ein Hügel hatte 6, die beiden anderen je 8 Meter Durchm. Die Höhen betrugen 25, 40 und 55 cm. Der Erdaufwurf deckte in jedem Hügel eine

Grundrisse und Profile.

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Hügel 22

98

unregelmäßige Steinlage in Ringform mit je einer Oeffnung in Nordost, s. Abb. 25. Hügel 20 hatte zwischen den Steinen der Oeffnung einige im Boden eingelassene Steinplatten wie eine Andeutung von Pflaster. Brand- schichten waren nicht vorhanden, aber hie und da Klümpchen von Kohlen, An Funden kamen sowohl bronze- als hallstattzeitliche Scherben zum Vor-

schein; in Hügel 22 fand sich ein zerbrochener Fingerring der gleichen Art wie 67 Abb. 21. Feuersteine mit Merkmalen der Bearbeitung fanden sich mehrfach, aber keine typischen Formen. Anzeichen von Bestattungen ergaben sich nicht, weder Leichenbrand, noch Knochenreste.

99

Gesamtüberblick.

Die Metallfunde

geben wenig Anlaß zu Bemerkungen. Die für die ältere Hügelgräberbronze- zeit charakteristischen Fingerringe mit Spiralscheiben waren in einem voll- ständigen Exemplar 6% und außerdem in Bruchteilen von mindestens fünf anderen vertreten. Sie scheinen im nördlichen Bayern nicht selten zu sein; wir besitzen außerdem Bruchstücke solcher von Labersricht und vom Linden- bühl und einige aus der Oberpfalz. Nach Behrens S. 217 finden sie sich in Frauengräbern bisweilen in großer Zahl, meist allerdings nur ein Paar.

Ebenso typisch ist für H, die Fibel 76 mit Fußzier, zu Schema 18 des Beltzschen Fibelkataloges gehörig; die unsrige ist bei ihm erwähnt S. 875 unter Nr. 142. Die Heimat der verschiedenen Abarten dieses Schemas ist Süddeutschland, das Verbreitungsgebiet annähernd dasselbe wie das der Paukenfibeln. Die Fibeln der Kasinger Art scheinen ein Verbreitungszentrum im südlichen Teil des Frankenjuras zwischen Laaber, Altmühl und Donau zu haben: drei von Muttenhofen, zwei von Staufersbuch, drei vom Paradies im Raitenbucher Forst bei Eichstätt!). Eine der letzteren, bei Reinecke ab- gebildet, Altertümer unserer heidnischen Vorzeit, V Tafel 27 Nr. 482 der unsrigen fast genau entsprechend, hat einen Koralleneinsatz im Knopf, und der Rest eines solchen war auch bei unserer Fibel vorhanden. Ein anderes Verbreitungszentrum dieser Art Fibeln mit Schlußknöpfen und Korallen- einlagen führt Naue an nach Salomon Reinach in der Champagne, besonders im Depot der Marne, Präh. Blätter XIV 1902 S. 532.

Raithel gibt S. 4 die Analyse der Bronzemischung einer bronzezeitlichen Gewandnadel aus Hügel 25; es ergaben sich 92,3 °/, Kupfer, 7,2 °/, Zinn und 0,3 %, Nickel. Blei und Zink waren nachweislich nicht enthalten. Die fehlenden 0,2 °/, sind auf Verunreinigung durch Reste von Patina zurück- zuführen.

Die Keramik.

Von den sechs Gefäßen, welche die Grabung ergeben hat, sind fünf bronzezeitlich; sie waren trotz der späteren Wiederbenützung der Hügel ganz erhalten oder leicht wiederherstellbar. Das sechste, ein unbedeutender hallstattzeitlicher Napf 77, wurde mit Hilfe starker Ergänzungen aus Scherben gewonnen.

') Beltz bildet unter Abb. 51 ein Exemplar gleicher Art nach Naue Präh. Blätter XIV Tafel VII 11 ab von Wimpasing, Bezirksamt Beilngries. Die 16 Wimpasing und 3 Wimpassing Bayerns liegen aber nach Grübels statistischem Ortslexikon des Kgr. Bayern alle in Ober- und Niederbayern, keines in der Oberpfalz. Die 3 Fibeln vom Paradies sind abgebildet bei Pickel, „Beschr. versch. Altr., welche in Grabhügeln alter Deutschen nahe bei Eichstätt sind gefunden worden“, Nürnberg 1789. Die Skelette in Hügel 2, wo die Fibeln sich fanden, hatten viel Geschirr bei sich. Es handelte sich also wohl um Bestattungen nach dem alten Ritus von H, in der Späthallstattzeit.

100

Das übrige keramische Material sind Einzelscherben, Streu- scherben, aus denen die Gefäßform nur ausnahmsweise ersichtlich ist. Viele Randstücke verweisen auf die ausgehende Hallstattzeit. Die große Masse gehört ganz rohem, dickwandigem Geschirr an; die geringe |Wölbung mancher umfangreicher Scherbenfetzen läßt auf ansehnliche Größe der Gefäße schließen. Häufig ist die Außenseite, zuweilen auch die Innenseite, sandig rauh; sie sind zwar nicht hart gebrannt, . aber schwer zu brechen, vermutlich weil sie durch langes Lagern im Boden mit Kieselsäure verfestigt und gehärtet sind. Vereinzelte Scherben aus verschiedenen Hügeln sind durchaus ziegelrot, wie nachträglich durchgeglüht. Viele haben rundliche, verwitterte oder verwaschene Bruchflächen. Die rohen Scherben sind zeitlich zwar nicht zu bestimmen, sicher aber zumeist bronzezeitlich wie die gleich- gearteten Scherben mit Warzen.

Die Scherben des dünnwandigen, hell- oder lederbraunen Geschirres von feingeschlemmtem Ton kennzeichnen die Ornamente als bronzezeitlich. Ueber die Gefäßformen läßt sich kaum etwas sagen; einige gehörten zu kleinen Täßchen.

Bronzezeitkeramik.

Die überhöhten, plastischen Verzierungen. Eine größere Anzahl Scherben tragen schmale, andere breite Tonwülste mit den bekannten, an keine Zeit gebundenen Fingereindrücken der verschiedensten Art oder sonstige Einkerbungen. Eine glatte, scharfkantige Leiste hat die Scherbe 23a, und die untere Gefäßwand ist künstlich gerauht, wie des öfteren bei Ton- kesseln der jüngeren Hallstattzeit; doch kommt diese Technik auch früher schon vor!) und kann also auch der Bronzezeit angehören. Gewiß gehören dahin die Scherben, deren Tonwülste mit kräftigen Warzen ausladen, z.B. S0op und 93g. Warzen sind auch sonst vorhanden, 43b 16, und neolithische Erinnerungen scheinen auch in ihrer Anwendung fortzuleben.

Die Scherbe 12 aus Hügel 9 trägt drei pyramidenförmige Buckel von 8 und 10 mm Höhe; sie ist rauh, 13 mm dick und fast flach, hat also zu einem großen Gefäß wahrscheinlich einer rohen Gebrauchsgattung gehört. „Man sollte meinen, daß eine so auffällige Form des Dekors zur Zeit- bestimmung höchst geeignet sein müßte. Das ist aber nicht der Fall. Denn solche Gefäße kommen von der jüngeren Steinzeit ab bis in die römische Zeit hinein vor. Daraus ergibt sich, daß das Vorbild zu dieser Art nicht unbedingt in getriebenen Metallgefäßen gesucht werden muß. Der Vergleich liegt ja allerdings nahe, besonders wenn man an die mit Bronzeknöpfchen besetzten Tongefäße denkt, die gleichsam eine Zwischenstufe zu bilden scheinen ?).“ Nach Seger führen Gefäße dieser Art in der Literatur den

') Siehe die Scherbe I der Abb. 5 bei Bersu, Tonscherben aus d. spätbronzeztl. Siedlg. Mergentheim, Fundberichte aus Schwaben 21. Jhrg. 1913 S. 19 oder däs Aunjetitzer Gefäß von Stankowitz in Nordböhmen nach Weinzierl Mannus I. Bd. S. 200.

°) Fuhse, Gräberfelder der ältesten und älteren Eisenzeit aus der Gegend von Braun- schweig; Mannus VIII 1917 S 169. Auch unter mykenischen Vasen finden sich solche Igel- gefäße, Furtwängler und Loeschcke, Myk. Vasen Taf. III 22V zugleich mit Sieblöchern.

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Namen Igelurnen oder besser Warzenurnen'!). In unserer Nähe, Dechsendorf bei Erlangen, wurden zwei ähnliche Scherben, mit rohen, unregelmäßigen Klümpchen besetzt, in einem Hügel von L, gefunden’). Die Zeitstellung unserer Scherbe ist nach alledem unsicher; ich halte sie jedoch für bronze- zeitlich.

In größerer Zahl sind Scherben vorhanden, deren Außenseite roh gestreift ist, wahrscheinlich durch Fingerstriche 59 78 80v 93. Sie gehörten ausschließlich Gefäßen mit rauher, quarzreicher Oberfläche an. Ein solches bildet Naue ab°); auch Kiekebusch hat derartige Scherben in dem jung- bronzezeitlichen Dorf bei Buch angetroffen ). Ein wiederherstellbares Gefäß dieser Gattung ist inzwischen aus einem Bronzezeit-Grab, B,, aus Appen- stetten-Thalmässing in unsere Sammlung gelangt.

Henkel haben sich in größerer Anzahl gefunden. Die breite, abge- brochene Handhabe 84q des Hügels 8 erinnert an ähnliche Vorkommnisse aus der jüngeren Bronzezeit bei Naue. Der Henkel 43e des Hügels 14 war mittelst eines Zäpfchens der Gefäßwand eingefügt. Ein ganz gleiches Stück bildet Hrodegh aus dem Burgstall von Kronhegg im Loistal ab); er ver- mutet, daß es steinzeitlich ist. In unserem Hügel zählt es sicher zur Bronze- zeit wie die Mehrzahl der übrigen Henkel.

Die Ornamente: Nur ein Teil der Scherben trägt Ornamente und fast nur die dünnwandige feinere Ware. Sie sind geritzt oder eingestochen, eingestempelt, eingeschnitten und hier größtenteils photographisch wieder- gegeben, Taf. 29 bis 38. Farbige Ausfüllung der Vertiefungen ist nicht feststellbar, bei manchem Ornament jedoch zu vermuten nach Beispielen von anderwärts. Der Motivenschatz besteht mit einer Ausnahme (43 ab) aus Linien, Kreisen, Vierecken und gerstenkornartigen Vertiefungen.

Lineare Verzierungen: In Abständen sich folgende wagrechte Linien ohne anderen Schmuck, z.B. 23 59 80 und sonst, sind teils tief

eingeschnitten, teils geritzt 59 23ad. Horizontale, senkrechte und Winkel-

Bänder sind gebildet aus je zwei Linien, bald leer, bald mit den gersten- kornartigen Eindrücken gefüllt; breitere Bänder 2 und Dreiecke, sog. Wolis- zähne, tragen schräge Strichschraffuren 43. In Tiefstich hergestellte, 2 31 59 80 oder flach eingestempelte 78a Gerstenkörner in zwei Reihen sich gegengestellt ohne begleitendes Linienband, bilden zweigartige Ornamente, einen Blätterkranz, ohne und mit Blattstengel 2. Striche statt der Gersten- körner gegenständig an eine aufsteigende Linie gestellt, 431 geben das sogen. Tannenzweig- oder Fischgrätenmuster.

!) Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift VI 3 Seite 182.

®) Erhard, Hügelgrab bei Dechsendorf, Beitr.z. AU. Bayerns IX 1890 S. 74 u. Taf. X Fig.5.

») Naue, Bronzezeit in Oberbayern Taf. XXXVI 1 u. im Text Fig. 96 S. 200; oder das altbronzezeitliche Nutzgefäß von Stankowitz in Nordböhmen nach Weinzierl, Mannus I S. 205.

#) Kiekebusch, Die Ausgrabung eines bronzezeitlichen Dorfes bei Buch ; Präh. Zeitschr. II 1910 Abb. 14 S. 405 unten links.

>) Wiener Präh. Zeitschr. IV 1917 S.58 Abb. 4b.

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Die gleichen Motive und die damit bewirkten Zusammensetzungen bilden einen namhaften Bestandteil des oberpfälzer und südbayerischen Bronzezeitornamentes; anderwärts sind sie teilweise schon in der Steinzeit üblich, die Linienbänder in der Winkelbandkeramik, das Tannenzweigmotiv in der Schnurkeramik. Das bestätigt die Worte Schumachers: „Wir können uns also schwer der Erkenntnis verschließen, daß zum wenigsten ein Teil der spätneolithischen Bevölkerung in Bayern wie auf der Schwäbischen Alb ruhig sitzen blieb und bis tief in die Bronzezeit hinein die altgewohnten Gefäßformen und Verzierungsmuster herstellte 1).

Kerbschnitt ist in zweierlei Anwendung vorhanden. Die Tasse 90 ist mit den bekannten Dreiecken eingeschnitten, die am Grunde durch Ein- stiche gerauht sind, ein Beweis dafür, daß sie mit Farbe, wahrscheinlich mit weißem Kalk eingelegt waren. Diese geometrische Kerbschnittdekoration hat ihr Hauptverbreitungsgebiet in Württemberg, ist aber auch in Bayern nicht selten. Die zweite Anwendung zeigt den Kerbschnitt in Verbindung mit naturalistischer Dekoration, wofür mir anderweitige Beispiele nicht bekannt sind, Taf.32 23ab. Das häufige Blätterzweigmotiv der vertieften Gerstenkorn- technik ist hier umgekehrt und ins Plastische übersetzt; die Zweige treten erhaben aus dem durch Kerbschnitt vertieften Grund heraus, die Blätter sind frei behandelt, wie mit dem Bossierholz überarbeitet, eine für so frühe Zeit ganz ungewöhnliche Technik. Das Gefäß scheint mit hängenden Zweigen vollständig bedeckt gewesen zu sein. In Gerstenkorntechnik: ist das Motiv nicht selten; eine von Naue abgebildete Tasse aus Oberbayern ist ganz mit Blätterzweigen behängt?), und schon in Megalithgräbern im Norden kommen sie vor®). Auch die von Steinmetz im Brandholz bei Laaber gefundenen Gefäße sind hier zu nennen). Unter frühmittelalterlichen bezw. frühgermanischen Scherben von der „Krottengasse“ bei Trimbach- Solothurn°) ist das Motiv der hängenden Zweige in Plastik mehrfach ver- treten, nicht auf ausgekerbtem Grund, sondern in Relieftechnik, vielleicht gepreßt? E. Tatarinoff, dem ich eine Abbildung unserer Scherbe übersandte, hat die Aehnlichkeit gleichfalls festgestellt; er fügt hinzu, daß bei den Scherben aus der Krottengasse Hallstattzeit nicht ganz ausgeschlossen sei. An der Fundstelle war nur ein unklares Schichtenprofil vorhanden, und in unmittelbarer Nähe ist eine