BRARY ] ill ! I il il l | | | T nu — | aut ; d "m | ar V. . f. / pt — . 3 2 . | b. ' ^ \ *- Wh. 1 Ty 7, " hip mu . " WI "rt 2 OR O9, MR Dy y 9 WB 0 „ e h 5 > Se C “ra, ER eur 271 v eL c. Hl l Gründler del Saniel Gottfried Schrebers, der Rechte Doctors, hiſtoriſche, Pot und Mt m" L Baues, Bereitung und Gebrauchs zum oke ee Handels mit ſelbigen überhaupt , beſonders aber in Thüringen Mit Belag, und einem 1 e di 8 Iu i xn 1 000 55 ii QU i dd i | W- Te ME P 5 A 8 e E, m Cimon der Schal des Wayſenhauſes, 1752. orn "Ww \ R * * Av 3 MU uw bd v 772 - nit k as EB Gau. 9 p , z3 , 1 10 Á 1 De j et 315; » 4 "e . b 8 a % 814064. 1 P 4 ANN x 1 £ 71 eff. T T ir * | grirhric Hoͤnige in Preuſſen, Bladi zu Brandenburg, des Heil. Romiſchen Reichs Erz⸗Caͤmmerern und Churfuͤrſten; Souverainen und Oberſten Her Linde von Schleſien; Souverainen Prinzen von Oranien, Neuchatel und Vallangin, wie auch der Grafſchaft Glatz; in Geldern, zu Magde⸗ burg, Cleve, Juͤlich, Berg, 5 tin, Pommern, P Caſſuben und Wenden, zu Mecklenburg und Cro 1705 Heng sri uin gu 3 Nürnberg; Fuͤrſten zu Halber⸗ ſtadt, Minden, Eamin, tzeburg, Oſtfrießland und Moers; Grafen zu nel Kup der mmt ARD Hohenſtein, Tecklen⸗ burg, Schwerin, Lingen, > uͤren Herrn zu Ravenſtein, der bs Stargard, duni, » ir ait nde Roſtock, „ Alen und Sce 1636. > Meinem A | Allagnidagſtn Könige und Herrn. En ud Großnacht tigficr & om Alan Han 5 > r4 " E». x D LEA LI A EL 1 E 9» j , . ls j * à ; i . k 4 : tees b. s | ak : DD Su Ve m. ni Sara mir, 90 der Wesel Zeit, angediehene allerhöchſte Gnaden⸗ bezeigungen, binnen welcher ich das Gluͤck habe, unter Re Zahl Dero allergetreueſten * a Nec e davon abzulegen, und | beze 5 ia Ls der (dte übe | Bu die 9855 t e v | 5 * dm a | chen 1 geweſen it. | deburg ern iit darinnen mein Geſeh, das wá zu erfüllen ſuche. Mochte ich ju Pide Schrift doch etwas, das e RUM. Wal. allergnaͤdigſten Abſich⸗ ten 2 ten auf das Beſte eto Staaten i d Unter thanen gemaͤß, erreichet haben! | Der HERR ide dus gei u i pter chende Bm ini tig vor ihn brit act und bis ans Eibe ps Fit idis wird " 1 m o aalerunterthaͤnigſt⸗treu⸗ge⸗ horſamſter Daniel Gottfried Schreber. an & 09000000000000000:0 pOOOOODOOODODOQ Vorrede. T gegenwärtige Schrift wuͤrde niemals das Licht er blicket haben, daferne nicht der guͤtige GOtt alle e Unmſtaͤnde zu dieſem Zwecke geleitet, und feine Lie⸗ Yan. be mich, von dem Wohlgefallen feines Willens, dabey fo deutlich uͤberzeuget h * * N * ext 7 atte, wie er allen denen thut, die deſſen bey ihren Vornehmen gewiß zu werden ſuchen. Mein ehemaliger Beruf, und meine Neigung zu Cammer⸗ und Wirthſchafts⸗ Sachen machten mich auf alles achtſam, was beyden gemaͤß war, und ich fand in dem Lande, in welches mich die Hand des HEren gefuͤhret hatte, dem geſegneten Thuͤringen, ein weites Feld vor mir, wo ich viele, nicht bloß einer beſondern, ſondern allgemeinen Aufmerkfamkeit wuͤrdige wirthſchaftliche Nach⸗ richten einſammlen kunnte. Ich beſchloß daher, ein nuch in es Wirthſchafts⸗Buch auszuarbeiten, und machte auch zu Anfan⸗ ge des Jahres 2 damit den Anfang. Als ich auf die verſchiede⸗ , men Erdgewaͤchſe kam, die in Thüringen mit Fleiß erbauet wer⸗ den ; fo befand ich die geſammleten Nachrichten vom Waidte in fo groſſer Anzahl, daß es mir, ſowohl wegen der Weitlaͤuftigkeit, als Wichtigkeit der Sache, dienſam ſchien, ſelbige, in einer beſon⸗ dern Abhandlung, die vor dem thuͤringiſchen Wirthſchafts⸗Buche voraus geſchicket werden ſollte, bekannt zu machen; wie ich denn auch gleich damals einen Entwurf zu dieſer Schrift in kurzen Pa⸗ ragraphen verfertigte. Weil aber an dem Orte meines Aufent⸗ halts, und in der ganzen thuͤringiſchen Landesportion, is iſcher Dotteoc, fifcher Hoheit, gar fein Waidt mehr gebauet ward, und ich doch gerne aus der Erfahrung davon ſchreiben wollte; ſo mußte ich zu⸗ foͤrderſt darauf bedacht ſeyn, von dem Baue und der Bereitung deſſelben naͤhern Unterricht einzuziehen, um mich hernach ſelbſt damit zu beſchaͤftigen. Zu dem Ende, und damit ich die Urſachen von dem groſſen Verfalle des Waidtbaues und Handels einſehen ler⸗ nete, und mit Grunde davon reden zu konnen, in den Stand geſe⸗ tzet wuͤrde, begab ich mich im Jahre 1745 an die Orte, wo er noch gebauet und bereitet wird. Ich fand gar bald die vornehmſten Maͤngel und Gebrechen bey dem ganzen Wercke, und ſo ſchwer es allen denen ſchien, ſolchen abzuhelfen, mit welchen ich mich daruͤ⸗ ber unterredete; fo leichte duͤnckte mir die Sache zu ſeyn, da zu⸗ mal ich gleich anfaͤnglich auf die vorzuͤgliche Bereitungsart des Waidtes zum Faͤrben, vor der bisherigen, geleitet ward, ehe ich noch wußte, daß andere ſchon vor mir eben dergleichen gute Ge⸗ dancken geheget hatten. (Man ſehe das fünfte Qauptſtuͤck S. 98.) Man bezeigete aber dabey gleichwohl eine beſondere Zufrie⸗ denheit uͤber meinen Entſchluß, und munterte mich zu dieſem ge⸗ meinnuͤtzlichen Unternehmen muͤndlich und ſchriftlich auf, that mir auch allen Vorſchub durch Vorlegung dienſamer Nachrichten, und Eroͤffnung alles deſſen, was ich noch zu wiſſen verlangete; ja man ſuchte mich an einem gewiſſen Orte zu uͤberreden, daß, weil ich da⸗ mals ungebunden war, ich mich gaͤnzlich dahin wenden, und den Waidtbau ſowohl, als das neue Farbenwerk daſelbſt anrichten foll te, welches aber meinen Abſichten, nicht gemaͤß war. Inſonder⸗ heit war mir lieb, daß ich, nach vielem vergeblichen Bemuͤhen und Nachſuchen, in vielen Buͤchervorraͤthen, zu der im Jahre 1555, zu Zuͤrch in der Schweiß gedruckten raren Schrift, des ehemaligen Pre⸗ digers zu Uffhofen, bey Langenſaltze, Herrn Heinrich Crolach / vom Waidtbaue, gelangete, und es aͤuſſerten verſchiedene Ge⸗ lehrte gegen mich, daß he danckbar ſeyn wollten, wenn ich ſie ih⸗ nen zu Haͤnden liefern koͤnnte. Bis gegen das Ende des Jahres 1747 war alles mit meiner Arbeit wohl von ſtatten gegangen; um dieſe Zeit aber fand ich an dem Orte meines Aufenthalts fen | ? Vorrede. Widerſtand, dergleichen ich um ſo weniger vorher vermuthen kunn⸗ te, ie mehr mein Unternehmen aufrichtig, und auf das Beſte des Landes, darinnen ich lebete, vorzuͤglich gerichtet war. Ohnerach⸗ tet man auf der einen Seite wohl wußte, daß in dieſem Lande, von undencklichen Jahren her, nicht eine Pflanze Waidt gebauet wor⸗ den, und daß der Bau und Bereitung des Waidtes nichts weni⸗ ger, als ein Geheimniß ſey, indem beydes an vielen auswaͤrtigen Orten ſchon vorhin bekannt geweſen und geuͤbet worden; (man ſe⸗ he das erſte Hauptſtuͤck auf der 23. und den folgenden Seiten;) und ohnerachtet man auf der andern Seite nicht wiſſen kunn⸗ te, was ich von dem Baue ſowohl, als der Bereitung des Waid⸗ tes, ſchreiben wollte, und daß ich meine Gedancken auf eine neue Bereitungsart gerichtet, wodurch das vermeinte Geheimniß gaͤnz⸗ lich wurde aufgehoben werden: ſo mußte ich doch leiden, daß mein Unternehmen für ein dem Landes ⸗Intereſſe gefaͤhrliches Werd ausgegeben ward. Ich legete hierauf, und nachdem ich, hoͤ⸗ heres Orts, das Noͤthige zu meiner Vertheidigung in Schriften vorgeſtellet hatte, meine Feder nieder, und gedachte, daß vielleicht ein anderer, als ich, darzu berufen ſey, etwas erſprießliches, in dieſem Stuͤcke, oͤffentlich anzurathen. Ein halb Jahr hernach, nemlich nach Oſtern 1748, fübrete mich die Hand des HErrn, wie⸗ der mein Vermuthen, an den hieſigen mir noch bis itzo ſehr wer⸗ Pa Ort; da mir denn vollends alle an dieſe Schrift gewendete Muͤhe vergeblich ſchien, und nur dieſer Wunſch uͤbrig blieb, daß eine andere und geſchicktere Perſon, als ich, zum gemeinen Be⸗ ſten, von meinem Aufſatze, und, nicht ohne viele Koſten, geſammle⸗ ten Nachrichten, Gebrauch machen möchte. Ich verfudbte indeſ⸗ ſen in den nachfolgenden Jahren, zu meinem eigenen Vergnuͤgen, ob der Waidt in der hieſigen Gegend ſo gut, als in Thuͤringen, ge⸗ deihen, und kraͤftig genug zum Faͤrben ausfallen wuͤrde? inglei⸗ chen, ob man nicht aus dem Waidte eine Farbe, wie der Indigo ift, heraus bringen koͤnne? Die Verſuche mit dem Waidtbaue ge: lungen wohl, und in Anſehung einer daraus zu bereitenden, dem Indigo aͤhnlichen Farbe, kam ich auch dem Ziele meiner Hoffnung Vorrede. immer naͤher; hiernaͤchſt liefen mir noch fo manche Nachrichten, gleichſam ungeſucht, in die Haͤnde, die mir die Sache, wovon ich mir ehemals zu ſchreiben vorgenommen hatte, noch wichtiger mach⸗ ten. Abſonderlich freuete ich mich, daß Herr Hellot in dem 7750 zu Paris heraus gegebenen Buche: L' r de la Tein- ture des Laines, zum gemeinen Nutzen, fo ausfuͤhrlich und fo frey von dem franzoͤſiſchen Baue und Bereitung des Waidtes hatte ſchreiben doͤren, wie aus der Ueberſetzung unter den Beylagen No. XXVII. zu erſehen iſt; und daß er, in Anſehung der neuen aus dem Waidte zu bereitenden Farbe, mit mir ſo einſtimmig ge⸗ weſen war. Dem ohnerachtet konnte ich mich nicht eher, als im itzigen Jahre, entſchlieſſen, meinen weggelegten Aufſatz wieder her vor zu ſuchen, und zum Abdrucke vollends auszuarbeiten, nach⸗ dem ich von vielen Freunden, welchen ich mein Vorhaben ehedem entdecket, und inſonderheit von einem verehrungswuͤrdigen Goͤn⸗ ner, dazu war veranlaſſet, und, bey Zuſammenhaltung aller Um⸗ ftande, von dem wohlgefaͤlligen Willen GOttes, der mit den Cei nigen durch die Umſtaͤnde redet, gaͤnzlich uͤberzeuget worden. Den ſtaͤrkſten Antrieb gab mir die Nachricht von einem allergnaͤdigſten Befehle, kraft deſſen Se. Majeſtaͤt / unſer allergnaͤdigſter Koͤnig / den Waidt in dem Herzogthume Magdeburg angebauet wiſſen wollen; wie er bereits, ſeit . Zeit, an ver⸗ ſchiedenen Orten in der Marck Brandenburg gebauet worden iſt; welches ich aus der nur vor wenigen Wochen heraus gekommenen hiſtoriſchen Beſchreibung der Marck Brandenburg des Herrn Prof. Beckmanns in Berlin, erſehe. Zweene Um⸗ ande rechtfertigten dabey meinen Entſchluß. Erſtlich kunnte ich meine vorigen Gegner nicht beſſer, als durch den Druck mei⸗ nes Aufſatzes, uͤberfuͤhren, daß ich mit keiner Gefaͤhrde umgegan⸗ gen fen, wenn ich, nach weiterer Ausführung einer. in öffentlichen Schriften ſchon beſchriebenen, und an vielen Orten kundba⸗ ren Sache, vornehmlich die Urſachen und Folgen des groſſen Ver⸗ falles dieſer ehemaligen Goldquelle des Thuͤringerlandes, und ſo⸗ dann die Mittel, wie ſelbige wieder zu eroͤffnen ſeyn moͤchte ms Vorrede. treulich, und eigentlicher, als noch von andern geſchehen, im fet ten Hauptſtuͤcke anzeigete. Sodann hatte ich Urſache, zu glau⸗ ben, daß durch meine Schrift auch andern, zum Waidtbaue be⸗ quemen Landen, und. befonders dem, deſſen Einwohner ich bin, gedienet, den uͤber den ſchlechten Waidt bisher gefuͤhrten Kla⸗ gen, und ſo gar erhobenen Proceſſen, ein Ende gemachet, den Fabricken und dem Commercio der teutſchen Lande aufgeholfen, und die Sache dahin geleitet werden koͤnnte, daß kuͤnftig viel Geld in Teutſchland bliebe, und zum allgemeinen Beſten darinnen cit: 88 welches itzo fuͤr den Indigo an auswaͤrtige Orte geſchi⸗ et wird. So gieng ich dann, in dem gaͤnzlichen Vertrauen, daß der Herr meine Arbeit nicht wurde ungeſegnet laſſen, deren An⸗ fang und Fortgang ich ſeinem Beyſtande zu dancken hatte „gegen Oſtern des itzigen Jahres daran, ſelbige, unter ſeinem Beyſtan⸗ de, vollends zu beendigen. Ich befand dabey fuͤr gut, den ehe⸗ maligen Entwurf beyzubehalten, und ihn nur hin und wieder zu erläutern, und weiter auszuführen: Crolachs rare Schrift, nach vieler Verlangen, ingleichen die beyden ebenfalls ſeltenen Schriften, Laurentü Niskae, befonders beydrucken zu laſſen; iedoch zum Behuf derer, die die crolachiſche Schrift, in der Sprache, darinnen ſie geſchrieben iſt, nicht leſen koͤnnen, das vornehmſte daraus, in einer teutſchen Ueberſetzung, gehoͤri⸗ es Orts einzuruͤcken: die Schriftſteller, derer ich mich ſon⸗ en bedienet, und ihre eigene Worte, uberall ſorgfaͤltig anzu⸗ führen: (*) die Kupfer, und hauptſaͤchlich die Dre cim | 1 un⸗ (*) Ich kann mich hier nicht beſſer, als mit den Worten des Herrn Hofraths von Haller, gegen die entſchuldigen, welche lieber Schriften len, die ohne, als mit anderer Schriftfteller eingeſcho⸗ benen Gedancken abgefaſſet ſind: Loca adſcripta auctorum et in- terpolata cum mea deſcriptione, vnice a nimia timidaque mea ae- Vorrede. dungen der Pflanze, mit aͤuſſerſtem Fleiſſe, und, als man wohl noch in keinem botaniſchen Buche antreffen wird, nach dem Leben verfertigen zu laſſen, und, da ich vorhin ſchon meh⸗ rern Aufwand bey dem Wercke gehabt, ſolches vollends auf eige⸗ ne Koſten heraus zu geben. Ich machte mein Vorhaben im Ju⸗ lio dieſes Jahres durch eine gedruckte Nachricht bekannt; und weil ich darinnen von der neuen Bereitungsart des Waidtes zum Faͤrben Erwehnung gethan hatte, ſo ward ich nachher von ver⸗ ſchiedenen, zum Theil angeſehenen und gelehrten Maͤnnern, wel⸗ che über mein Vorhaben viel Gefaͤlligkeit aͤuſſerten, angegangen, daß, weil ich die Art, dieſen teutſchen Indigo zu bereiten, in mei⸗ ner Schrift wohl nicht entdecken wuͤrde, ich ſolches, gegen ei⸗ ne von mir zu beſtimmende Geldſumme, und gegen einen mir aus zuſtellenden Revers, ihnen bekannt machen ſollte. Hierauf aber will ich folgendes oͤffentlich antworten: Es iſt vom Anfange mei⸗ nes Unternehmens ſo wenig der Eigennutz die Triebfeder bey mir geweſen, als ich eigene Ehre dadurch geſuchet habe, und mein Herz iſt, durch die Gnade GOttes, noch itzo davon gereiniget. enn nur, wie durch alles mein Thun; alſo auch hierdurch, die Ehre GOttes gefördert, und meinem Naͤchſten gedienet wird! Auf andere Vortheile will ich gerne Verzicht thun. “) Zu Be eigung deſſen bekenne ich hiermit aufrichtig, daß ich zwar ſowohl S als durch einige Freunde, denen ich das Noͤthige dazu an die Hand gegeben, vielerley Verſuche gemachet; iedoch keinen an⸗ dern und kuͤrzern Weg, zu dieſer Farbe zu gelangen, finden koͤn⸗ nen, als daß man mit dem Waidte eben ſo, wie mit dem Anil, ver⸗ faͤhret: nemlich daß man die friſchen Blaͤtter des Waidtes im dii e CCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCC 070-0-0-0-0-0-0-0-0-0- 040-49 aequitate profe&a effe tuto teftor, qui nolui cuiquam decede- relaudem eius, quod aut primus aut rectior vidiffet. (*) Haͤtte ich nicht auf den wohlgefaͤlligen Willen GOttes, und auf das gemeine Beſte geſehen, fo hätte ich betraͤchtliche Vortheile ba von haben koͤnnen, wenn ich dieſe Schrift durch den Druck gar nicht haͤtte bekannt machen wollen. Vorrede. fer gaͤhren und faulen laͤſſet; hernach das mit dem Salze der Pflan⸗ ze geſchwaͤngerte Waſſer aus dem Faͤulungstroge abziehet, wohl fhla- get, und wenn ſich die faͤrbenden Theile alsdenn auf dem Boden ge⸗ ſetzet haben, das oben auf 43 775 Waſſer davon wieder ablaufen, und die Farbe trocknen laͤſſet. Ich kann die Proben von dieſer neuen Farbe noch nicht für ganz vollkommen ausgeben; indeſſen bin id) doch dadurch ſchon uͤberzeuget worden, daß es eine mögliche Sache ſey, eine dem In⸗ digo aͤhnliche Farbe aus dem Waidte heraus n bringen; und bas nicht allein, fondern auch, daß folche Farbe den Indigo, an der Guͤthe, noch übertreffen muͤſſe. () Einem Manne, der Kenntniß von der dazu noͤthigen chymiſchen Wiſſenſchaft hat, und den Geruch, welcher mir empfindliche Kopfſchmerzen verurſachet, vertragen kann, wird es nicht ſchwer fallen, dieſe Erfindung dahin zu bringen, daß wir den Indigo zum Faͤrben kuͤnftig ganz entbehren koͤnnen. Ich habe aber deſto weniger Ur: ſache, ein Geheimniß aus dieſer Sache zu machen, da ich nicht der erſte bin, der es oͤffentlich entdecket. Man ſehe, was ich im vierten Haupt⸗ ſtuͤcke auf der 100. Seite geſchrieben, und man fefe inſonderheit die Ueberſetzung aus dem daſelbſt angefuͤhrten Buche des Herrn Hellot / unter den Beylagen N. X XVII. S. 47. und 53. fo wird man theils von der Moͤglichkeit der Sache noch mehr beſtaͤrcket, theils weiter ge: leitet werden, ohne daß man mir dafuͤr einigen Danck ſagen, noch weniger aber Geld bezahlen darf. y. 2 Im D-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0- 0-0 -0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0:0-0-0-0-0-0-040- (*) Sch wollte hierbey wohl wuͤnſchen, daß jemand, der Gelegenheit und Geſchicklichkeit darzu hat, unterſuchen moͤchte, ob der Waidt an ſich ſelbſt eine beſſere Farbe gebe, als der Anil? wie ich dafuͤr halte; oder ob es an der Bereitung liege, daß der Indigo nicht ſo gut, als die Waidtfarbe iſt? maſſen der Indigo aus dem Anil nicht auf einer⸗ ley, ſondern auf verſchiedene Art bereitet wird, wie aus den unters ſchiedlichen Beſchreibungen erhellet „die ich im vierten Sauptſtuͤcke auf der 99ten Seite angefuͤhret habe. Nach der Beſchreibung, we che der Herr D. Wedel mitgetheilet hat, Cf. die Beylagen S. 46.) wird der Anil mit Kalke eingeleget; andere Beſchreibungen der Bereis tung des Indigo aber beſagen davon nichts. Ich habe es beym Waidte auch mit Kalke verſuchet; es bat aber nicht gelingen wollen. Vorrede. Inm uͤbrigen habe ich forafáltig zu vermeiden geſuchet, daß ich nicht iemanden in meiner Schrift zu nahe treten moͤchte. Wenn mir aber die Wahrheit einiger Ungunſt zuziehen ſollte; ſo wird mich ſolches ſo wenig befremden, als wenig es mir ſchaden kann. Die Wahrheit muß mich allemal vertheidigen. Ich habe mich ih⸗ rer uͤberall aͤuſſerſt befliſſen, und nichts geſchrieben, wozu ich nicht Grund gehabt. Ich kann auch das, was ich geſchrieben, noch er⸗ weißlicher machen, als ich ſchon gethan habe. Denn ich habe noch ausfuͤhrlichere Zeugniſſe, von dem, was ich hier und da nur kurz beruͤhret, in Handen; gleichwie ich auch noch einige Nachrichten deswegen zuruͤck behalten habe, weil ich ſie, ohne beſondere Er⸗ laubniß derer, von welchen ich ſie bekommen, oder welche ſie ange⸗ hen, nicht habe bekannt machen wollen. Einige ſind mir zu ſpaͤt, und da mein Buch ſchon unter der Preſſe geweſen, eingereichet wor⸗ den. Durch dieſe ſehe ich mich in den Stand geſetzet, denen, mit⸗ telſt einer neuen und vermehrten Auflage meiner Schrift, wovon ohne diß die itzige nicht groß iſt, bald zu begegnen, die mir durch den Nachdruck derſelben etwa zu ſchaden ſuchen moͤchten: oder, in Unterbleibung deſſen, kuͤnftig gel. GOtt, eine Nachleſe zu liefern; bin aber auch anbey erboͤtig, damit man ſich nicht mit dem Nach⸗ drucke uͤbereile, einem Buchhaͤndler alle vorhandene Exemplare uͤberhaupt zu uͤberlaſſen. Halle den 20. November 1751. Das erſte Hauptſtt d Waidte überhaupt. „„ (^ie Gott im Reiche der Gnaden, alfo hat er auch im 4 Reiche der Natur ſeine Gaben auf mannigfaltige Art aus: und einem Lande nicht alles zuſammen mitgethei⸗ let, was um der Menſchen willen geſchaffen iſt, und zu ihrer Nochdurft, Nutzen und Vergnuͤgen gereichet. Kein Land kann ſich ruͤhmen, daß es alle Arten der Fruͤchte, Kraͤuter, Baͤume und was ; A ſonſt a 2 | Das erſte Hauptſtuͤck. ſonſt die Erde hervor bringet, zeuge. Eines ſoll immer dem andern zu ſtatten kommen, mit feinem Ueberfluſſe des andern Mangel aushelfen, und hierunter die Geſellſchaft, Liebe und Gegenliebe unter den Menſchen erhalten werden; iedes foll. feine Gaben wohl anlegen, und mit fleißiger Anwendung der ordentlichen Mittel, nicht, mir zu erhalten, ſondern auch zu vermehren bemuͤhet ſeyn. Einem Hey⸗ den, einem Platoni, kann man es laſſen, daß er ſeiner edite ten Republic ya nicht rede, fondern máipogr 55.3. i. kf nicht viel⸗ ſondern alles ⸗ tragenden Erdboden wuͤnſchet. Grit ie T preiſen die Guͤte Gottes, die es alfo weislich geordnet hat, daß iegliches Land etwas, kein Land alles, wenige Laͤnder vieles hervor bringen, was zur Rothdurft, z zum Mutzen und Vergnuͤgen feiner Bewohner dienet. Thuͤringen ps ohnſtreitig unter piejehk gen Laͤnder des teutſchen Reichs, welche ya. moAdQogo, einen vieltra⸗ genden Erdboden „bekommen haben. Thüringen das geſegnete Thuͤringen, hat vieles vor andern unter dieſem Climate liegenden Provinzen voraus, daß es allerhand Gewaͤchſe zeuget, die ander⸗ warts nicht fo wohl, als hier, foͤrtkommen; und ich halte dafuͤr, daß wenig oder gar feine teutſche Gewaͤchſe ſeyn werden, die in Thuͤringen nicht eben (o gut, als anderwirts erbaut werden koͤnnten. W Wenn es mit meinem in der Vorrede erwehnten Entwurfe eines thuͤringi⸗ ſchen Wirthſchafts⸗ Buches einmal dahin kommen füllte, daß fel biges ausgear⸗ beitet, und abgedruckt wuͤrde; fo würde obiger Satz, durch die Beſchreibung der mannigfaltigen Arten der Gewaͤchſe, die man in Thuͤringen erbauet, nicht min⸗ Vom Waidte. 3 minder einiger, daſelbſt ſonſt unbekannt geweſener Arten, womit man neuerlich, nicht ohne guten Erfolg, Verſuche gemacht hat, in mehreres Licht geſtellet wer⸗ den, als es an hieſigem Orte geſchehen kann. („) Ich will iedoch wegen der na⸗ hen Verwandſchaft mit dem Waidte, der Jaͤrberroͤthe hier nur mit wenigem ge⸗ dencken, davon man in der öconomiſchen Sama im 8. Stücke S. 12. u. f. in des Herrn von Hohberg dͤſterreichiſchem Zaus⸗ und Wirthſchafts⸗ Buche Cap. 65. S. 363, der zu Wien 1745 heraus gegebenen Auflage; ferner im ſchleſiſchen Wirthſchafts⸗ Buche vom Jahre 1712. S. 127. und 153. und in dem, aus dem Franzoͤſiſchen uͤberſetzten Buche: Ayr tin- cloria fundamentalis, S. 259. fqq. Nachricht findet. So wenig dieſes nutzba⸗ re Gewaͤchs in Thuͤringen bis daher erbauet worden (**); ſo bequem ift darzu die thuͤringiſche Luft und Erde. Der Verſuch, welchen ich aus eigenem Des wegniſſe zuerſt damit gemacht, hat mir nicht allein darum, weil er mir nicht miß⸗ "X ge⸗ CFP (*) Im seten Stücke der bekannten Lips theil verſichert, und geklaget, daß der ziger Sammlungen von Wirehſchaftli⸗ chen, Policey⸗Cammer⸗ und Sinanzſachen finde ich auf der 854ten Seite ein Verzeich⸗ niß von Garten- und einigen Feldfruͤchten, die in und um Erfurt gebauet werden; es würde aber noch um ein groſſes zu ver⸗ zehren ſeyn, wenn alle tbüringifd)e Gar ten⸗Feld⸗ und andere nutzbare Erdgewaͤch⸗ ſe angefuͤhret, und beſchrieben werden ſoll⸗ ten. Der Verfaſſer dieſes Verzeichniſſes, Herr Burgermeiſter Reichard, zu Erfurt, meldet zugleich am angefuhrten Orte, es würde zu Erfurt eine ungemeine Menge Waidt gebauet; allein man hat mir bey eingezogener genauen Nachricht das Gegen⸗ Waidebau im Erfurtiſchen uͤberhaupt nur gar zu ſehr verfallen fep. Noch im Jahre 1747 habe ich in der erfurtiſchen Flur keine einzige Waidtpflanze wahrgenommen, und in dem ganzen Territorio fanden ſich zwey an das Gothaiſche angrenzende erfurtiſche Doͤrfer, Zimmern und Troͤchtelborn, wo⸗ ſelbſt noch Waidt gebauet wurde. (**) Ich habe bey verſchiedenen Schrift⸗ ſtellern gefunden, daß ſie Thuͤringen, wegen Erzeugung der Faͤrberroͤthe, (Rubiae tin corum) glücklich geprieſen. Ich will mich bloß auf Schneiders Saxomiam vererem er magnam iu paruo, und auf die, im Jah⸗ rt A- 4 Das erſte Hauptſtück. gelungen, ſondern auch deßwegen nicht gereuen durfen, weil nachher, und nur vor kurzem, die churfürftl. Unterthanen dieſer Lande, durch nachfolgendes Ne ſeript, zum Anbau der Faͤrberroͤthe aufgemuntert worden find: , v» Von GOTTES Gnaden Friedrich Auguſt, König x. 5 „Churfuͤrſt ce. 5 „Rath, lieber getreuer. Nachdem die Cultur der Faͤrberroͤthe zu Beſkederung „der Landes⸗Fabriken für febr zutraͤglich befunden worden; fo begehren Wir hier— „durch, ihr wollet an unfere Schriftſaſſen in den Amtsbezirken, Weiſſenſee, Cal: „he und Sangerhauſen, daß ſie die, unter ihrer Gerichtsbarkeit ſtehenden Unter vthanen zum Bau beruͤhrter Roͤthe, wo ſolcher, nach Veſchaffenheit des Bo: „dens, CCC re 1747 herausgegebene geographiſchen Specialtabellen des Churfuͤrſtenthums Sach ſen, in der Einleitung beziehen. Ja Toppius ſchreibet in der hiſtoriſchen Vachreicht von Taͤnnſtaͤdt S. 12 alſo: „Die⸗Faͤrberroͤthe waͤchſet hier, wie bey „Gotha und andern Octen, wegen des gu— „ten Ackerbaues, oder geſegneten Grundes, „gar gut, und hat hiebevor der Waidthan— „del dieſer Stadt vortreffliche Nahrung und „Zuwachs gegeben. „ Allein es wollen ſich deſſen die aͤlteſten Haus wirthe nicht erin⸗ nern, daß die Roͤthe iemals allda erzeuget worden; und da ich vorlaͤngſt Mühe ange wendet, zu Saamen oder Pflanzen dieſes Gewaͤchſes zu gelangen, fo babe, ich ber gleichen in Thuͤringen gar nicht antreffen koͤnnen. Ich halte daher davor, daß dieſe Schriftſteller die Faͤrberroͤthe mit dem Safflor, welcher noch allda, und in daſigen Gegenden, erbauet wird, von jener aber ſehr unterſchieden iſt, confundiret haben. Vom Safflor oder wilden Saffran, welcher die Bluhme von dem Kraute Carthamus ijf, kann man Polnets aufrichtigen Materia, liſten und Specereyhaͤndler S. 227. Valentini Watur⸗ und Materislien, Cammer Th. I. S. 235. eben deſſelben Braͤu⸗ terbuch S. 457. die zu Stutgard heraus⸗ kommende de/e&a phyfio - eeconomica im fuͤnften Stücke &.391. Hn. Prof. Boehmers Diſſertation, de vadicir rubiae tinctorum eſſe. du in corpore animali, und andere botani— ſche und oeconomiſche Werke nachſehen. Es wäre in hieſiger Gegend mit Nutzen zu cu zielen, wie ich bey angeſtellten Verſuchen befunden habe, wenn man ſich der Abneh⸗ mer in hieſigen und auswärtigen Landen ver; ſicherte. : Vom Waidte. 5 „dens, und wegen nicht häufigen Wildprets füglich zu bewerkſtelligen, durch „Vorſtellung des davon zu hoſfen habenden Nutzens, ermahnen, und ihnen dazu „die noͤthige Anleitung geben, auch bey ſich feibft zu Anleg⸗und Ausbreitung dieſer „Farbenplantage dienſame Veranſtaltung treffen ſollten, beſonders und vornehm⸗ „lich aber an diejenigen, wo bey ihnen und den ihrigen es ſich am beſten thun faf „fen möchte, kraft dieſes behoͤrig verfugen; wie denn die dißfalls benoͤthigte Tach „richt bey Unſerm Amte Leipzig, ingleichen bey dem Stadtrathe daſelbſt zu erlan⸗ „gen; und Wir find von dem Erfolg, und ob? auch wie ſothane Cultur der Faͤr⸗ „berroͤthe von ſtatten gehet, ermeldeter Schriftſaſſen gehorſamſten Anzeigen ge „waͤrtig. Daran geſchiehet Unſere Meynung. Datum Dreßden, den »6. April Ab. 1747. a C. L. von Gerßdorſſ. „Unſerm Commißionrathe, 3 „wie auch des thuͤringiſchen „Creyßes zu Taͤnnſtaͤdt Amt? —— „manne und lieben Getreuen, | n2 »„Chriſtoph Thöllden, » „Johann Chriſtian Günther. „ LI 2. " Unter diejenigen Gewaͤchſe, welche beſondere Luft und Boden lieben, und nicht überall mit gleichem Nutzen erbauet werden konnen, gehoͤret auch dasjenige Kraut, wovon zu ſchreiben ich mir vorgeſetzet habe, und welches von uns Waidt; von den Lateinern llatis, Glaftum (7), 13 Gua- FFP . (*) Plinius machet zwar einen Unter- feinem IGtis den wilden, und mit feinem ſchied zwiſchen den beyden Woͤrtern: fatis Glallum den guten Farbenwaidt habe am und Glallum; es ſcheinet aber, daß er mit deuten wollen. Nur wird der Farbenwaidt ! nicht 6 Das erſte Hauptſtuͤck. Guadum (*); von den Griechen frarıs; von den Italiaͤnern Guado; von den Franzoſen Guesde, Paftel; von den Engelaͤndern Woade; von den Niederlaͤndern Weed; von ben Moſcowitern Simile; von den Pohlen Similo genennet wird. | Die Woͤrter Guado, Guadum, Woade, Weed und Waidt, haben eine nahe Verwandſchaft mit einander: und mit ſelbigem kommt auch das franzoͤſt⸗ ſche Wort Vouéde überein, womit man eine gewiſſe Art des Waidtes, nemlich die Wau, die in der Normandie erbauet wird, zum Unterſchiede der Guesde, benennet hat, davon im folgenden §. Meldung geſchehen ſoll. Indeſſen iſt es ſchwer, eigentlich zu beſtimmen, welches von dieſen das Stammwort fei. Leonhard Fuchfins ift der Meynung, daß das teutſche Wort von dem italies niſchen Guado feinen Urſprung habe; zu hifteria flirpium p. 330. Herr Wachter aber giebt mit Menagio das Wort llatis für das Stammwort aus; von welchem zunaͤchſt das franzoͤſiſche Guesde, und dann von ſolchem die übrigen for⸗ . De 00-0-0«0-0-0-0- 0-00 -0-0-0-0- 400-090 "v DL nicht, feiner Meynung nach, unter die gene- ra lactucae fponte naſcentis zu rechnen ſeyn. Seine Worte lauten 1. XX. hiſteriae natura- lis c. 7. alſo: „Lactucae fponte naſcentis primum eft genus, quod caprinam vocant. „alterum eft genus, quod Graeci eſopon vo- „cant. fertiu genus in ſiluis naſcens, „Iſatin vocant: »lenta vulneribus proſunt. huius folia trita, cum po- "Quarto infectores »lanarum vtuntur, quod Glaſtum vocant. Si- „mile erat lapatho filueflri foliis ,. nifi quod „p!ura habeat & nigriora. „ (*) In alten Urkunden wird es Guai- dium, Guesditurt „geſchrieben; Carta an. 1171 ex tabulario ecclefiae carnotenſir m. 55. Controuerfia quae fuper campi parte et decima guesdiorum EE RAR DI villae orta erat etc., und: Tali fcilicet tenore; vt duobus vel tri- bus millibus guesdiorum collectis - fuam quartam partem acciperet. du FRESNE in Gloffavio voc. Guaisdumy woſelbſt er auch das im Capitulari CAR OLI M. de villis c. 43. befindliche Wort Waisda dergeſtalt er⸗ klaͤret, daß es den Waidt bedeute; welches alles von dem Werthe dieſes Krautes in die⸗ ſen alten Zeiten zeuget. Vom Waidte. 7 formiret worden. Er ſchreibet im GIofaarzo germanico fol. 1846. aſſo: „WEID, „Glaftum, herba tinctoribus nota. Anglo. Sax. ad. Angl Woad,. Gall. »Güerde. Ital. Gnado. Vox gallica ceteris fanior etjantiquior eft, et, iu- „dice MrwNAGrO, facta alat. JYaris per protheſin. Reliquae e gallica „per fyncopen ſunt vitiatae. „ Wie aber bie Ableitung des Wortes Gues- de von Iſatis weit hergeholet iſt: alſo deucht mir auch der dem Worte Guesde beygelegte Vorzug vor allen andern, noch vielem Widerſpruche unterworfen zu ſeyn. Ich will hier nur dieſes beruͤhren, daß die Sprache der Angelſachſen ohne Zweifel älter, als die fraͤnkiſche und alamanniſche ſey, davon Herr Wachter ſelbſt in praef ad Glefar. Germ. F. XLII. alſo redet: „edit illi mater „(anglofaxonica) hanc inprimis praerogatiuam, vt fororibus fuis non „folum aetate prior, fed etiam venuftate, et fimplicitate commendabi- „lior effet. Dedit et immenſum vocabulorum veterum celticorum, cim- »bricorum.& fueuicorum theſaurum, et flumen elocutionis vberrimum , „vnde faepe prata aliena rigantur. Nullae hic comparent peregrinae »dotes: nulla latinitatis). 140 NE GRAECITATIS QVIDEM. VE- „5 T161A. Nam quae nos graeca arbitramur, quamuis ingentem nume- „rum efficiant, reuera non funt graeca, fed antiquitatis eelticae cime- „lia, a primis Ingaeuonibus relicta. „ Mir ſcheinet alfo. das augegebe⸗ ne angelſaͤchſiſche Wort Wad das Stammwort von Waidt zu ſeyn; wie ich es denn auch in vielen alten Büchern und Handſchriften nicht Weidt, oder Weßdt, wie viele das Wort ſchreiben, ſondern Wayth, Waidt geſchrieben gefunden, und daher auch dieſe Schreibart beybehalten habe. Auſſer den angeführten gewoͤhnli⸗ chen Benennungen dieſes Krautes, giebt es noch viele andere, ſonderlich bey alten Schriftſtellern. So merket der Herr D. Weinmann in der Phytanthoza- To- nograpbia an, daß es auch Glauftum, Lytrum, Graftum, Gueftum, Her- ba guedda ; ſodann Ruellius de natura firpium fol. 254. der Frobeniſchen Ausgabe vom Jahre 1557. daß es Herba S. Philippi, St. Philipps⸗ kraut; und D. Valentini im Kraͤuterbuche S. 168. daß es Indicum SI. 9 Das erſte Hauptſtuͤck. officinarum genennet werde. Ferner kommt es unter dem Namen Anil Avi- cennae, Angiog, Aroſion, Rutum, Vitrum, Glaßkraut vor. Ich beziehe mich diß falls auf Sarmasıı exercitationes Plinianas in CA IT IVLII SOIINI Polybiftora p. 254. ingleichen auf des englaͤndiſchen D. Chriſtoph Merrets Anmerkungen uͤber Anton Neri 7. Buͤcher von der Glaßmacherkunſt S. s. der Ausgabe in 8. vom Jahre 1678, (*) allwo unter andern aus Apuleſi Tractate von Kraͤutern, welcher zwar nicht gedruckt iſt, iedoch geſchrieben in Emerici Caſauboni Haͤnden ſich befunden hat, folgendes angefuͤhret wird: „Das Kraut Ifatis nennen etliche Angion; die Propheten heiffen es Aroſion; „die Italiener Rutum; andere aber auch Glaßkraut. Jedoch feet. Salmaſius „beftändig für, Glaſtum das Wort Guaſtum, welches das britanniſche Wort „Guadum iſt, damit fie die blaue Glaßfarbe benennen. „ Von der Abſtam⸗ mung des Wortes Glaftum ſchreibet er daſelbſt alfo: „Der Name Vitrum, „nach unſerer englaͤndiſchen Sprache Glaß, iſt gleich dem teutſchen, und kommt „her vom lateiniſchen Worte Glaftum, als woraus, nach Hinwegthuung der letzten „Sylbe, das Woͤrtlein Glaß entſtehet. Und eben diß Glaftum heißt beym J. „Caeſare Vitrum oder Glaß „. Diß iſt nichts anders, als das „Kraut Ifatis » . Die Urſache aber, warum das Kraut Glaftum ben Na⸗ „men Vitrum uͤberkommen, iſt vielleicht dieſe, dieweil das Glaß, wie auch unſer „Autor, nebſt ider Erperienz lehret, natürlicher Weiſe allezeit etwas blaues in fid) „hat. „ Wie ich dieſes an feinen Ort geſtellet ſeyn laſſe: alfo füge nur noch fol— gendes an: Glas, Glaſt, deutete in der alten celtiſchen Sprache die blaue Sat be und den Glanz, und Glaſten, glaͤnzen, gleißen an. D. Luther hat daher in dem bekannten Liede ganz recht. gereimet: Der du durch deines Lichtes Glaſt Zu dem Glauben verſammlet haſt Das Volk ꝛc. 3 Denn a 1 00 (* Es iſt dieſes Buch nachher mit Io. KuncksLiıı arte vitraria zu Frank⸗ Vom Waidte, 9 Denn fo ſtehet in den alten Geſangbuͤchern; und zu des feligen Mannes Zeiten war das Wort Glaſt noch gebraͤuchlich. Leibnitz will auch die Benennung des la- pidis Lazuli, (T Azur, gleichſam Glaſur) von dieſem Worte Glaſt ableiten. S. Herr D. Loͤſchern o literatore Celta p. al. 9774. i Zufoͤrderſt ſind hier die beyden vornehmſten Arten des Waidtes zu bemerken, nemlich I. Des wilde Waidt, Ifatis fylueftris, vel ſpontanea, vel an- guftifolia, welcher von ſich ſelbſt ungebauet waͤchſet; und 2. Der gute, oder Saamen⸗ oder Feldwaidt, welcher mit Fleiß gebauet wird, und ſich, dem aͤuſſerlichen Anſehen nach, vom wilden hauptſaͤchlich durch die Groͤſſe unterſcheidet. (*) Der wil⸗ de waͤchſet an vielen Orten; der gute aber wird nicht überall mit gleichem Nutzen erbauet, und es koͤnnen ſich uͤberhaupt des Waidt⸗ baues nur wenige Laͤnder ruͤhmen. © Nue ub | Ich finde in allen mir zu Handen gekommenen botaniſchen Werken fo wenig eine u 0-40-09-049-0 9-000009 000-00090-90-00-04 Frankfurth 1689 in 4. heraus gekommen; und in dieſer Ausgabe befindet ſich die an⸗ gefuͤhrte Stelle aufm 196ten Blatte. (*) S. Tabernaemontand Braͤuter⸗ buch B. II. S. 1114. Der Herr D. Linngeus zeiget den Unterſchied unter dem wilden und guten Waidte alſo an: Differt a vulgari, quod minor; annua nec biennis; pedunculis parum tomentoſis, nec glabris; in horzo Upfä- lienſi Vol, I. p. 193. Der wilde dauert nur ein Jahr, und bauet fid) aus [bem ausfal⸗ lenden Saamen fort. Der gute hingegen treibt, wenn die Blaͤtter im erſten Jahre abgeſchnitten werden, im andern Jahre in Staͤngel und gehet ſodann in Saamen. B OI | Das erfte Hauptſtuͤck. eine ausführliche und der Natur gemaͤſſe Beſchreibung, als eine accurate Abbil⸗ dung des Waidtes, und werde daher bedacht ſeyn, dieſen Mangel zu erſetzen; weil es mir aber nicht ſowol um den wilden, als um den guten Waidt zu thun iſt, will ich mich bey jenem nicht aufhalten, ſondern, nach einer kurzen Beſchreibung deſſel⸗ ben, meine Betrachtung auf dieſen hauptſaͤchlich und dergeſtalt richten, daß ich zufoͤrderſt einige Beſchreibungen der vornehmſten neuern Botanicorum nur woͤrt⸗ lich anfuͤhre, ſodann eine naͤhere ſelbſten beybringe. Der wilde Waidt hat ei⸗ ne weiſſe holzigte Wurzel mit wenig Faſern, daraus ein zarter gelbgruͤner Staͤn⸗ gel, mit laͤnglichten unten breitern und etwas ausgeſchnittenen, oben aber geſpitz⸗ ten dunkelgruͤnen Blaͤttern, wovon ſich die unterſten auf der Erde ausbreiten, hervorſtoͤſſet. Oben am Stängel kommen viele Nebenzweiglein und an ſelbigem im Junio ſehr kleine gelbe Bluͤhmgen ganz drauſchlicht hervor, welche, wenn ſie verfallen, lange platte Schoten bringen, in deren jedem ein Saamenkorn lieget. Tabernaemontanus im Kraͤuter-Buche, am angezogenen Orte. Eins der vornehmſten neuern botaniſchen Werke iſt ohnſtreitig des Herrn D. Weinmanns Phytantboza-Icomgraphbia. Darinnen ift nicht nur eine Abbildung des Waidtes, welche nach dem Leben gemachet ſeyn ſoll; (*) ſondern auch folgende Beſchrei⸗ bung unter dem Worte Ilatis, befindlich: „Der Waidt gehoͤret zu den Scho⸗ „tentragenden Pflanzen; oder, nach Tourneforts Beſchreibung, ift es „eine Art Pflanzen mit einer ereuzfoͤrmigen Bluhme, die aus vier Blaͤttern beſte⸗ „het. Aus derſelben Kelche kommt ein Stempfel, welcher hernach zu einer zun⸗ „genförmigen Frucht wird, die an dem Rande zuſammen gedruͤcket, zwiefach von „einander fällt, einfaͤcherich iff, und einen mehrentheils länglichten Saamen in ſich ſchlieſſet. Die Wurzel des Waidtes ift Daumens dicke, weißlicht und holzigt, „und gehet Ellen bis anderthalb Ellen tief in die Erde, Sie e Staͤngel, „als N deere er 00 070-000-0000 (* Wenn man ſich die Mühe geben will, derm Fleiße nach dem Leben verfertiget hat, dieſe Abbildung mit der von mir beſorgeten, zu vergleichen, ſo wird ſich der Unterſchied welche Herr Gruͤndler allhier mit beſon, wohl zeigen. Vom Waidte. II „als der kleine Finger, dicke, oft 2 Ellen hoch, welche ſteif, rund, glatt, etwas »tétbfidyt und oben ziemlich aͤſtig find ; um dieſelben ſtehen viele Blätter ohne fon - „derliche Ordnung. Die untern Blätter (eben faſt wie die, an der Hundeszunge, „aus, und etwas graulicht laͤnglicht und glatt. Einige aber von denſelben, wie auch „Johann Bauhinus anmerket, ſind rauch und auch zuweilen ausgeſchweifft, „und kommen denen an der Nachtviole gleich. (*) Die Blaͤtter, welche um den „Staͤngel und kleine Aeſte wachſen, haben keinen Stiel, und haben unten ſpitzig „heraus ſtehende Ecken oder Baͤrtel; find laͤnglicht, ſchmahl, gehen ganz ſpitzig zu, ſind graulicht, glatt; und einige find an der unrechten Seite bey der durch, „gehenden Nerve mit Haaren beſetzt. Sowol Stängel als Blaͤtter find mit einem „zarten graulichten Mehle beſtreuet, welches ſich leichte abwiſchen läßt, Die „an den zarten Aeſten ſitzende Bluͤhmlein ſind gelb, ſtehen viel beyſammen; find „nur klein, haben vier ſtumpfe und gar nicht getheilte Blaͤtter, ſitzen an langen „Stielen. Johann Bauhinus meynet zwar, die Bluhmen beſtünden aus „acht Blaͤttern; allein die viere, welche er die kleinern nennet, machen den Kelch „aus. Die Faͤſern find klein und gelb. Die Saamencapſeln ſehen einer Vo⸗ „gelzunge ähnlich, ſind aber kleiner; mitten durch gehet eine Rippe, neben wel, cher ſie ſich von einander thun, und einen gelblichten Saamen in ſich ſchlieſſen. „Die Stiele find ſo, zart, daß es laͤßt, als hiengen die Saamencapſeln an duͤn⸗ „nen Haaren ꝛc. Es ſind zwo Sorten vom Waidte, die wilde und gebauete. „Dieſe letzte ift breitblaͤtterichter, jene aber ſchmahlblaͤttericht; hat auch einen zaͤr⸗ tern Stängel, der uberdem kleiner und ſchwärzer iſt; es ſind auch engere Scho⸗ „een daran, und findet ſich mehrentheils an rauhen und ungebaueten Orten. „Es ſind aber viele der Meynung, daß wilder und gebaueter Waidt nur durch „die Cultur von einander unterſchieden find 2, (*) „ Tourneforts B 2 Be⸗ 444-44 HHRHH 444 Qupd ee (5) Das ift der boͤſe oder falfche Waidt, (*) Unter andern behauptet dieſes Bock wovon bald hiernach Erwehnung geſchehen im e daß nemlich der wilde (otf. unb 12 Das erſte Haupkſtuͤck. Beſchreibung, worauf ſich Herr D. Weinmann berufet, iſt folgendes In⸗ halts Ifatis eft plantae genus, «flore cruciformi, quatuor fcilicet petalis conftante: ex cuius calice ſurgit piftillum, quod deinde abit in fructum lingulatum, ad oram compreffum, bifariam dehifcen- tem, vnicapfularem & femine foetum vt plurimum oblongo. In Infit. rei berbariae Claff. V. de berbis & fuffruclibus flore polypetalo cru. eiformi. P. 211. ed. Parif. d. a. 1700. Auf der hunderten Tafel iff. von Tournefort die Bluͤthe mit ihren Theilen in natürlicher Groͤſſe, allein ebenfalls ſehr unvollkommen, vorgeſtellet worden. Ich will nur noch die Beſchreibung des koͤnigl. ſchwediſchen Leibmedici, Herrn D. Linngei aus dem 1737 zu Leyden gedruckten Buche: genera. plantarum. p. 199. beyfuͤgen: Calix. Perianthium tetraphyllum: foliolis ouato oblongis lon- gitudinaliter cauis, patentiufculis, decidiuis. Corolla. Tetrapetala, cruciformis. Petala oblonga, obtufa, fen- fim attenuata in vngues patentia. . N » * . * Stamen. Filamenta fex, erecto- patentia, longitudine corollae: quorum duo breuiora, Antherae oblongae, laterales. Piſtillum. Germen oblongum , anceps, compreffum, longitudine breuiorum ſtaminum. Stylus nullus. Stigma gbtufum, ca- pitatum. Pe- 40-00-0-0-00 09-0040 09-09- 049 0-091040 4-000-090-9000 a und gute Waidt einerley, und es bloß an der Verpflanzung gelegen ſey. Allein es iſt daran gar ſehr zu zweifeln. Ich habe bey unterſchiedenen Verſuchen befunden, daß ſich der gute Waidt nicht verpflanzen laſſe, ſon⸗ dern ſogleich, als er verpflanzet worden, in Staͤngel und Saamen treibe. Wenn es nun, wie ich glaube, mit dem wilden glei⸗ che Bewandniß hat, ſo wird man aus wil⸗ den niemals guten erzielen. Vom Waidte. 13 Pericarpium, Silicula oblonga, lanceolato- obtufa compreſſa, an- ceps, vnilocularis, biualuis: valuulis nauicularibus, com- pretiis carinatis. Semen. Vnicum, ouatum, intra centrum pericarpii. Nun will ich der Sache etwas näher zu treten ſuchen. Die Waidtpflanze, welche aus dem Saamen mit 2 kleinen Blaͤttergen, wie der Sallat aufgehet, hat dieſes Beſondere, daß ihre Blaͤtter, nach Beſchaffenheit des Wachsthums, ſich in verſchiedenen Geſtalten bilden. Denn wenn der Waidt zu einer ziemlichen Staude, ſo zum Gebrauche tuͤchtig, gewachſen iſt, wie Tab. I. fig. a. zeiget, ſo find die erſten und größten Blätter vorne rundlich breit, und an der Peripherie ſtumpf ausgezacket. Dieſe Breite nimmt bis an den Stiel des Blattes ab, wie aus Tab. I. fig. b. zu erſehen iſt. So bald die Staude anfaͤngt, den Stängel zu Saamen⸗Bluhmen zu treiben, fo werden die Blätter um die Gegend der Mitte, wo der Stängel hervor kommt, vorne etwas ſpitziger und in der Mitte breiter, wie Tab. I. fig. c. zeiget. Treibt endlich der Stängel völlig mit feinen Bluͤthen in die Höhe, fo find bie groſſen Blätter, welche an den, 4 bis 6 Linien, oder kleinen Fingers dicken, unb oft 4 Fuß und deuͤber hohen, Tab. II. fig. a. vor⸗ geſtellten Staͤngel hervor kommen, von ganz anderer Beſchaffenheit. Das Blatt wird vorne ganz ſpitzig: in der Mitte iſt es breit, und da, wo es am Hauptſtaͤngel dichte anſitzet, endet es ſich in 2 lange Spitzen, die ſich auf ver⸗ ſchiedene Weiſe in die Kruͤmme drehen; wie Tab. II. fig. b. ausweiſet. Zwi⸗ ſchen dieſen 2 Spitzen des Blattes entſtehet ein neuer ſchwacher Bluhmenſtaͤn⸗ gel aus dem groſſen Hauptſtaͤngel, wie Tab. II. fig. c. und Tab. III. fig. a a. zu erſehen iſt. An dieſem Nebenſtaͤngel ſind die Blaͤtter wieder etwas veraͤndert. Von den zwo Spitzen des Blattes gehet daſſelbe immer ſchmahler ſpitzig zu, der Geſtalt nach, wie eine Vogel⸗Zunge, nach Tab. III. £g. b b b. unb ie näher fie dem Bluhmen⸗Buͤſchel kommen, deſto kleiner und ſchmaͤhler werden fie; und dieſes verhält ſich an allen Nebenſtaͤngeln auf gleiche Weiſe, wie Tab III. fig. c. c. c. zu ſehen iſt. Von jedem Nebenſtaͤngel entſtehen wiederum viel kleinere Nebenſlaͤn⸗ 3 n gel, IA Das erſte Hauptſtuͤck. gel, Tab. III. fig. d d d. und an jedem kleinen Staͤngel ſtehet eine ziemliche An⸗ zahl kleiner Bluhmen oder Bluͤthen in einem Buͤſchel beyfammen, Tab. III. fig. e e e. Die Bluhmen an der Peripherie dieſes Buͤſchels blühen zuerſt auf. In der Mitte deſſelben ſind die unvollkommenen Bluͤthen ſehr klein, nach der Peripherie aber immer groͤſſer, wie Tab. III. fig. f f f. zeiget. Wenn am Hauptſtaͤngel viel kleine Staͤngel mit Bluͤthenbuͤſcheln nahe beyſammen ſtehen, ſo entſtehet daraus ein groſſer Buͤſchel; und alle dieſe Bluͤthenbuͤſchel zuſammen ma⸗ chen im Durchſchnitte eine Breite von anderthalb bis 2 Fuß aus. Wenn nun die Bluͤthen alle zuſammen bis zu dieſem Stande gelanget find, fo fangen die innern Bluͤthen eines ſolchen kleinen Buͤſchels an, ihren Stängel, mit den daran befindli⸗ chen Bluͤthen, ziemlich hoch in die Hoͤhe zu treiben; wie inſonderheit Tab. III. fig e. zu erkennen ift; da fid) alsdenn die Bluͤthen von unten auf in Saamen⸗ capſeln verwandeln welche von einer beſondern Structur ſind, wie an der Vor⸗ ſtellung eines einzigen Staͤngels Tab. III. fig. g. zu erſehen iſt, da die Saamen⸗ capſeln noch nicht zu völliger Reife gekommen find, Pig. h. ſtellet eine Saamen⸗ capſel dieſer unreifen Art vergroͤſſert vor. Wenn aber die Saamencapſeln zu ih⸗ rer völligen Reife gelanget ſind, fo fehen fie fo aus, wie wiederum nur durch einen einzigen Stängel Fig. i. hat vorgeſtellet werden koͤnnen; wobey anzumerken ift, daß, wenn ſie' zu reifen anfangen, ſie ſich alle nach einer Seite zu wenden. Fig. k. zeiget eine vergroͤſſerte Saamencapſel von auſſen; fig. J. dergleichen vergroͤſ⸗ ſert von innen, mit dem darinnen liegenden Saamenkorne; den Saamen beſon⸗ ders aber und vergroͤſſert fig. m. und n. Die Wurzel dieſer Pflanze ift 10 bis 12 Linien, oder Daumens dicke, 1 bis anderthalb Ellen gerade aus lang, und ſeitwaͤrts gehen daran kleine Faͤſern aus. Die größten Blätter der Staude find 6. 8. bis 12 Zoll lang, nachdem ſie in gutem Lande ſtehen; an dem Hauptſtaͤngel aber kleiner: und ie Höher der Stängel wird, deſto kleiner werden die Blaͤtter. Die Farbe der Blätter ift dunkel grasgruͤn; der Stängel aber gelbgruͤn. Die ſehr kleine Bluͤthe ift ſchwefelgelb; die unreife Saamencapſel gelbgruͤn; die reife Saamencapſel blaulich braun, einige fallen auch weißlich, und einige blaulich braun und weiß meliret aus; der ai, braͤunlich gelb und die Wurzel in wen⸗ Vom Waddte. 15 wendig weiß. Nach Herrn Linngei Eintheilung der Pflanzen gehoͤret die Bluͤ⸗ the der Waidtpflanze unter die hexandria monoginia. Die Bluͤthe beſtehet aus vier, oben rundten und unten zugeſpitzten, ſchwefelgelben Blättern, und einem gelb lich grünen Bluhmenkelche oder Huͤlſe, in welchem 6 Fuͤden oder Maͤnner, befind⸗ lich ſind, deren ieder einen kleinen Kolben oder Haͤuptlein mit braͤunlichem Saa⸗ menſtaube hat. In der Mitte dieſer Fäden ſtehet eine laͤnglich ovalrunde, grün liche Piſtille, woraus die Saamencapſal wird. Tab. III. fig. o. zeiget die Bluͤ⸗ the in ihrer natürlichen Groͤſſe; fig. p. eben dieſelbe vergroͤſſert; fig. q. einen Faden vergroͤſſert mit feinen querüber liegenden kleinen Kolben; fig. r. die Piſtille vergroͤſ⸗ ſert. Der Bluhmenkelch oder Huͤlſe iſt an der vergröff erten Bluhme lit. s s s s, zu ſehen. Auſſer ben beyden Arten des Waidtes, dem gewöhnlichen wilden unb dem guten Farbenwaidt, find noch 5 andere anzumerken: (1) latis ſilueſtris minor luſitanica. Tournefort am oben angeführten Orte. Es iſt dieſelbe ebenfalls eine wilde Art, die fich von dem andern wilden Waidte hauptfächlich durch die Groͤſſe unterſcheidet, mir aber unbekannt iſt. (2) Die ſogenannte Wau, welche im Franzoͤſiſchen le Voüede genennet wird. Der Verfaſſer des aus dem Franzoͤſiſchen ins Teutſche uͤberſetzten Buches: Ars tinckoria experimentalir, (*) bezeuget auf dem 256ten Blatte, daß fie in der Normandie erzielet werde, an fid) felbft aber ein Saamen⸗ oder Feldwaidt fep; und der Unterſchied von dem Waidte der in Oberlanguedoc erbauet wird, bloß in der Guͤthe beruhe, dergeſtalt, daß die Wau gar nicht von den Kraͤften und Tugenden, als der gute Waidt, und nicht anders, als der fo genannte Herbſtwaidt zu gebrauchen ſey. Dieſes foll von dem Climate herruͤhren. Weil 2 nemlich in der Normandie nicht (o warm waͤre, Een, CCC (*) Der Titul des Buches iſt: Art tin. lichen Anmerkungen begleitet. Das franz oria fundamentalis ,. oder gruͤndliche An, zoͤſiſche Werk ift im Jahre 1726 unter dem weiſung zur Far bekunſt ic. Grf und Leip⸗ Titul: Le ve nturier parfait , zu Paris in 2 zig 17053. in 8. infer ehemahliger beruͤhm⸗ Theilen wieder aufgeleget und vermehret ter Lehrer der Arzeneywiſſenſchaft, Herr b. worden. Von der Wau wird daſelbſt T. I. Stahl, hat es mit einer Vorrede und nüg; 6159 gehandelt, 16 Das erſte Hauptſtuͤck. waͤre, fo koͤnnten die Blätter nicht fo zeitigen, und bekaͤmen alſo nicht die Kraͤf, te, die der gute Waidt habe. Man könnte daher nicht fo viel davon einſamm⸗ len, als vom guten Waidte; man koͤnnte fie auch nicht fo ſtark anfeuchten, und wenn man fie brauchen wollte, müßte man fie mit guten vermiſchen. () (3) Der böfe oder falſche Waidt, der im Franzoͤſiſchen Paftelbourg, oder Bourdaigne heiſſet, und ſich, den Blaͤttern nach, von dem guten merklich unterſcheidet. Herr D. Weinmann hat an oben angezogenem Orte etwas davon gedacht; man findet aber auch in dem Buche ‚Ars tiuctoria experimentalis aufim 240fen Platte unb in dem Le Teinturier parfait T. I. f. Nr. folgende Nachricht: wie der gute Saa⸗ menwaidt glatte; fo hätte der boͤſe oder falſche Waidt haͤrichte Blaͤtter, und muͤßte, weil er ganz untauglich waͤre, und den guten Waidt, wenn er darunter vermenget würde, berbürbe, als ein Unkraut ausgegaͤtet werden. Es geſchaͤhe oͤfters, daß, wenn die Negen lange anhielten, der gute Waidt in ſolchen boͤſen degenerirete. In Thüringen weiß man von dem Unterſchiede, den das Clima in der Guͤthe des Farbenwaidtes machen foll, mithin auch von dem normandis ſchen Waide, der ſogenannten Wau, oder Voüede nichts; der falſche Waidt mit den rauchen Blättern aber, oder der ſogenannte Bourdaigne, iff mehr als zu bekannt. Die Bauern nennen ihn die Waidmutter, und ſind ſehr ſorgfaͤl⸗ tig, ihn mit dem guten Waidte zu vermengen, weil er mehr Ballen giebt; unwiſ⸗ ſend, daß er den Waidt verderbe: wie denn auch ſolches den Waidhaͤndlern ſelbſt, bie fid) um den Waidtbau nicht viel bekuͤmmern, unbewußt iſt. Er ſiehet faſt wie das bekannte Kraut Borrago, oder Borretſch, aus; friſſet das Weſen und die Kraft des guten Waidts hinweg: und da ſich auch auf den haͤrichten Blaͤttern der Staub und die Erde ſehr gerne anhaͤnget, ſo- wird er der Guͤthe des ächten | Waidts EEE a HHHHHHHH (*) Ich erſehe aus des Herrn Hellots 18. Mars 1671. vom 259. bis 288. Artickel im Jahre 1750 zu Paris ans Licht getrete- von Erbauung des Waidtes ſowol, als der nen Buche, “ Art de la teintii e f. 116. daß Wau ausfuͤhrlich gehandelt werde. in der Zuftrudtion general: fur les teintures du Vom Waidte. 17 Waidts im Färben ſehr ſchaͤdlich. (“) Ich zweifle aber auch gar ſehr, daß man in der Normandie noch itzo die Wau häufig erbaue; angeſehen ſchon eine lange Zeit verſloſſen ift, da der ungenannte Verfaſſer des oft angefuͤhrten Buches von der Faͤrbekunſt, dieſes berichtet; und da man ſeit dem ſo gar die Cultur des guten Waidtes, der ſich doch ungleich höher, als die Wau loͤſet, hintan ge» feßet hat. (**) Ich habe, meines Erachtens, bey Beſchreibung der unterſchie⸗ denen Arten des Waidtes nichts nothwendiges zuruͤck gelaſſen. Ich komme nun auf die Orte, wo der wilde Waidt waͤchſet, und wo man den Feldwaidt mit Fleiß erbauet. Nach Leonhard Fuchſens Berichte ſoll im Wuͤrtembergiſchen, und ſonderlich um Tuͤbingen „viel wilder Waidt anzutreffen, und die Weingaͤrten auſſenher damit ganz wie umzaͤunet ſeyn; en historia ſtirpium p. 330. Man trifft P« aber a an vielen andern Orten i in groſſer Menge an; z. E. in der Pfalz um "Crap 454944444 -404-0-4 ec () Grofad) gedencket in ſeiner Schrift de cultura herbae Ifatidis noch dieſes Betrugs, daß die Bauren auch die jungen Diſteln ger⸗ ne unter dem Waidte lieſſen; jedoch nicht ſowol darum, weil ſolches, wie er anfuͤh⸗ ret, der Farbe behufig ſey; ſondern viel⸗ mehr desigegen, weil fie ſolchergeſtalt mehr Ballen machen koͤnnen. Denn der Farbe iſt es höͤchſt ſchaͤdlich. Es wird daher in dem Be dencken, wie dem verfallnen Waidtbaue wie⸗ der aufzuhelfen, unter andern dieſes mit in Vorſchlag zu bringen ſeyn, daß gewiſſe Per⸗ ſonen beſtellet werden, die auf alle beym Wajdtbaue ſowohl, als bey der Bereitung deſſelben vorkommende Dinge genaue Auf⸗ ſicht führen, (**) Der Verfaſſer des Buches Ars tiu- &ovia ſchreibet auf der 444ten S. davon ſelbſt alſo: „Und obwol von wegen der Frucht⸗ „barkeit der Erden, Oberlangvedoe dadurch „das gluͤckſeligſte und reichſte in Europa ge⸗ „weſen; ſo iſt dennoch zu beſorgen, daß, „nachdem. fie ihre gute Gelegenheit und „Reichthum durch Mangel des Vertriebs „des Waidtes verlohren, ſelbe nicht auch bey „langer Weile, die Fruchtbarkeit ihres Bo⸗ „dens verlieren möchte, wenn derſelben nicht „in Zeiten durch Abſchaffung der ſo haͤufigen „Zielung des Tabacks und Hirſens vorge „bauet wird, welche der Erden ihren beſten „Saft ausſchoͤpfet, und in keinen Laͤndern »beffer, und in groͤſſerer Menge geſaͤet und „gepflanzet werden mögen, als in Indien, „wo ſie viel Erde zu Com übrig hat „ben. ꝛc. ꝛc. „ 5 18 Das erſte Hauptſtuͤck. Creuznach und Meiſentheimz ſ. Valentini Kraͤuterbuch S. 169. in bi ringen (*) hin und wieder in Waͤldern und auf Bergen; ſ. Heinr. Bernh. Ruppii foran Ienenfem edit. HALLERT: p.63, ja fe gar in ben rauheſten Ge⸗ genden; z. €, auf dem Blocksberge, f. Ritters Nachricht von einer dop⸗ Vene Reife nad) dem auf dem Harze gelegenen Blocksberge S. 65. in Schweden bey Abo, ingleichen am Ufer des Meers „vornehmlich. auf der Synfut Klaſen, h, 8 Linngei bortum Clifortianum P- 341. eiusd. feram Suecicam N. 543. edit. Lugd. Batau. Von denen Gegenden, woſelbſt man auf Erbauung des guten Waidtes vielen Fleiß gewendet und Plantagen angeleget hat, finde ich in Schriften folgende Nachrichten. Der Herr von Hohberg berichtet im adli⸗ chen Land⸗ und Seloleben Th. 2. S. 87. er wuͤrde vornehmlich in Italien, und zwar in der zum paͤbſtlichen Gebiethe gehoͤrigen Marchia d' Ancona (**), ſodann in der neapolitaniſchen Provinz Calabria erbauet; in Teutſchland aber wuͤchſe er gerne im Herzogthum Juͤlich und um Erfurt. Hiernaͤchſt haben Florinus im klugen und rechts verſtaͤndigen Saus vater L Th. S. 609. und Coler im Sausbuche 5. B. 83. Cap. S. 187. angemerket, daß er im Lande an der Eifel, in Geldern und im Juͤlſchſchen silii abite | Ionen ſetzet Coler hin⸗ * Auf d dem Walle um Erfurt herum ſoll er in groſſer Menge wachſen. () Nach dem Zeugniſſe Mar THTOTI I in D10scoR1DEM I. II. p.472. in dem Herz zogthum Spoleto, welches vormals Um⸗ bria hieß, und ſonderlich in der Gegend von Nocera, woſelbſt der nahe bey Nocera gc legene Ort, Gvado, von dem haͤufigen Waidt⸗ baue den Nahmen erhalten haben ſoll. Er wird aber itzo nicht mehr Guado, ſondern Gualdo geſchrieben; und iſt im itzigen 1751fen Jahre brad das Erdbeben ſehr ver⸗ wuͤſtet worden, welches dieſe ſonſt fo ge prieſene Landſchaft, big Mark vom Kir; chenſtaate, im Monat Auguſt an mehrern Orten empfunden hat; wie denn folgende darauf gefertigte Verſe in öffentlichen Blaͤt⸗ tern mitgetheilet worden ſind: Vrbibus & pagis, populisque inffenis, ! & ante di Bari diues opum, vix manet vmbra fui, Vom Waidte. 19 hinzu, daß er in der Farbe nicht ſo gut ſey, auch nicht ſo wohl operire, als der thuͤringiſche. Und dieſes mag auch wol die Urſache ſeyn, warum man aufgehoͤ⸗ ret hat, ihn daſelbſt zu erbauen. In Frankreich wird er in der Provinz Langve⸗ doc, und zwar in dem Gebiethe von Toulouſe, St. Papoul, Mirepoix, Lavour und Alby, ſo alle unter das Gebiethe des Parlaments von Toulouſe gehören, er⸗ zeuget; daher auch dieſe Provinz fuͤr die beſte und fruchtbarſte in der Welt geprie⸗ fen wird. (*) S. das mehr angefuͤhrte Buch, Ars tinctoria experimentalis, S. 236. und 244. Ich kann aber mit Gewißheit nicht melden ob man ſowol in Italien als in Frankreich den Waidtbau bis hieher mit gleichem Fleiſſe, als ſonſt, fortgefehet habe? oder ob der allzu ſtarke Gebrauch des Indigo und daher rühren, de ſchlechte Debit des Waidtes, der Cultur des Waidtes in Frankreich ſo nachthei⸗ lig als i in Thu üringen geweſen ſey? (**) So viel ift gewiß ; daß in Italien die CT be⸗ (*) Die Franzoſen haben ein ausneh⸗ mend fruchtbar Land, un pals de Cocaigne, ein Land, wo Waidt gebauet werden kann, genennet. Denn Cocaigne, oder Caucagne, bedeutet eigentlich rohen Waidt. ber dieſe Benennung in metaphoriſchen Verſtande auf ſo eine platoniſche Republik, wo die Unterthanen alles vollauf haben, und ohne Arbeit reich werden, gedeutet wor⸗ den. Das Dictionaire univerà U de Trevoux beſchreibet ſolches f. 1883. mit folgenden Worten: Parce qu il ne vient, que dans des terres tre 25 fertiles , & qu'il apporte un trés grand revenu à fes Maitres, vü qu' on en fait cing" ou fix recoltes par an, quelques uns ont nommé le haute Languedoc un pair de Co. caig ne. ble du Royaume de Cocaigne de ce pais ima- Es iſt a⸗ Seine Worte lauten alſo: & e eft la deffus qu eft fondée la fa- ginaire, ou les habitans vivent fort heureux; Lotophagorum regio. Dela qu'on a appellé pais de Co. caigne tous les pais fertiles & abondans, & ou l'on fait grande chére, And RICHELET füget im DiZioname unter dem Worte Cox eaigne dieſes hinzu, daß man in Spanien und Neapolis ein gewiſſes Feſt des Ueber⸗ fluſſes /a Före de Cocaigne genennet habe. Les Eſpagnols & les Neapolitains ont donc bien raiſon, d' ap- peller une certaine Fete d' abondance, que leurs Rois & leurs Vice - Rois donnent au peu. ple, pour P amufer, la Fire de Cocaigne, dans un fens figure & metaforiquement. faus rien faire: efl venu auffi, | (*) Aus dem von Herrn Hellot im Jah⸗ re 1750 zu Paris herausgegebenen Buche * Art 20 Das erſte Hauptſtuͤck. beſagte Marchia d' Ancona, in Frankreich Oberlangvedoc und in Teutſchland Thuͤ⸗ ringen ehedem die vornehmften- Provinzen von Europa geweſen, die man für die bequemſten zum Waidtbaue gehalten hat, und die daher als beſonders geſegnete Pro⸗ vinzen characteriſiret worden ſind. Auſſer dieſen Gegenden ſoll der Waidtbau, nach der Verſicherung Colers, des Oraculs der alten Landwirthe, um Freyberg herum, ſeyn getrieben worden; und von Dreßden berichtet der Herr Hofrath Marperger in der Schrift, welche er das churſaͤchſiſche Indien (*) ge⸗ nennet hat, S. 74, daß daſelbſt Verſuche damit gemachet worden. Er ſchrei⸗ bet: „Ich beziehe mich auf den kunſterfahrnen Steinhaͤuſeriſchen Gaͤrtner, „Briel, unb feine Waidt⸗ und Roͤthe⸗ Plantagen, und folglich auf ſeine in Neu⸗ „Oſtra angelegte Waidt⸗ und Roͤthe⸗Muͤhlen, und wie weit ers ſchon mit dem „Indigo gebracht, daraus man ſehen kann, daß dem menſchlichen Fleiſſe auch die „Natur und deren unterſchiedene Climata zu uͤberwinden und zu vereinigen moͤg⸗ ich fep, wann nur ſolchen unermüdlich nachſinnenden und arbeitenden getreuen „Landeskindern die Maͤcenates und Curiofi, ſie mit Rath und That und Pros vtection zu ſecundiren, voraus aber das von uns vor 10 und mehr Jahren vorge: yſchlagene, und auf allergnaͤdigſten königlichen Befehl ſchon zur Commißion gedie⸗ „hene, aber wieder, nefcio quo fato, ins Stecken gerathene Collegium phy- »fico- mechanicum nicht fehlete, als durch welches auch nach unſern dabey ge⸗ gebenen pofitionibus, eben wie auch in unſerm Plantagentractat geschehen, viel „gutes, unter andern auch in Botanicis, koͤnnte ausgerichtet werden. „ End⸗ lich erſehe ich aus des Herrn Canzlers von Ludewig differt. de re bafıaria tiucto- rum C. III. p. 30. daß man . Befehl Sr. koͤnigl. Majestät in Preuſſen vom Jah⸗ eee ee 4» 0«0-0-0«0-0-0-0-0-00-0-0-0-0-0:0-0 P Art de la teinture des laines etc. kann man (% Sie it in der Sammlung Der Elch einiger maſſen abnehmen, daß die Cultur n ir nae erts "A d ' í nen aus erleſenen Narpecgeriſchen iori des Waidtes ſowol, als der Wau in Frank⸗ 0 ] "el picti $ f reich noch nicht fo febr , als in Thüringen, ten mit befindlich. verfallen ſeyn muͤſſe. Vom Waidte, | 21 Jahre 1723 um Magdeburg und Halle den Waidt zu bauen angefangen habe; und er gedencket eben dieſer Sache in der Vorrede zu dem nachher, im Jahre 1727 herausgegebenen Sten Theile der Reliquiarum MStorum p. g., allwo er ſein Guth Bendorf beſchreibet, und bezeuget, daß ihm ſowöl wegen der Fruchtbarkeit der zu ſothanem Guthe gehoͤrigen Aecker, als wegen der groſſen vom Waidtbaue zu gewinnenden Vortheile, angerathen worden, ſelbigen alda einzufuͤhren: weil aber der Sache kundige und ſorgfaͤltige Hauswirthe dazu erfordert wuͤrden; ſo ha⸗ be er, bey deren Ermangelung, fein Glück auf ſolche Art nicht verſuchen wollen. Ob dieſes ebenfalls eine der vornehmſten Urſachen geweſen ſey, warum das ange⸗ zogene koͤnigl. Edict, in dem, unter einer ſo guͤnſtigen Himmelsgegend gelegenen Herzogthume Magdeburg nicht weiter befolget worden, das werden andere beſſer, als ich, wiſſen. Indeſſen fuͤhret mich das, was hie zuvor geſaget worden, auf Er⸗ oͤrterung der Frage: ob der Waidt auch in andern Gegenden, als den eigentlich ſogenannten Waidtlaͤndern (Pais de Cocaigne) mit Nutzen erbauet werden koͤn⸗ ne? Wenn man die vorhandenen Zeugniſſe dabey zu Nathe ziehet, fo ſcheinet dieſe Frage eine beneinende Antwort zu erfordern. In Franckreich hat die Pro⸗ vinz Langvedoc in Erbauung des aͤchten Farbenwaidtes den Vorzug allein be⸗ hauptet; in der Normandie hingegen iſt eine von jenem in der Guͤthe ganz unter⸗ ſchiedene Art heraus gekommen. Hiernaͤchſt hat ſchon vor 200 Jahren Crolach in feiner am Ende dieſer Abhandlung angedruckten Schrift: de cultura berbae Ifa- tidir, die Nachricht ertheilet, daß auſſerhalb Thuͤringen verſchiedene Proben mit dem Waidtbaue vergeblich gemachet worden. Seine Worte lauten auf teutſch alſo: „Als vor einigen Jahren, wie mir ganz glaubwuͤrdige Leute berichtet ha⸗ „ben, einige Ausländer von hier aus Saamen mit fid) genommen, und ihr Land „damit beſtellet hatten; fo iſt er aufgegangen, und fie haben ſich daher Hoffnung „gemacht, daß der Waidt bey ihnen würde gezeuget werden koͤnnen. Sie zogen „auch kunſterfahrne Leute an ſich, die von der Zubereitung Wiſſenſchaft hatten, „Als aber hernach die Probe in Wollfaͤrben damit gemachet werden ſolfte, fo fand ves fid), daß eine ganz falſche und truͤgliche Farbe heraus kam, und alſo erfuhr „man, daß ihre Mühe und Koſten vergeblich waren angewendet worden. „ In | C 3 NM n Das erſte Hauptſtuͤck. neuerer Zeit verſichert dieſes auch Rudolphi in Gorba diplomatica Th. III. Cap. 83. S. 317. und der Herr von Hohberg beſtaͤrket ſolches im adlichen Land⸗ und Seldleben Th. IL S. 87. mit folgenden Worten: „Wo Luft und Grund „dem Waidte nicht angenehm find, da wird faſt alle Bemuͤhung vergeblich ange⸗ „wendet; daher es nur mit wenigen zu verſuchen, und wo er nicht fortkommen „und aufwuchern will, rathſam ift, damit unverworren zu bleiben. „ Allein alle dieſe Zeugniſſe find zu einer unbedingten Beantwortung der vorliegenden Frage noch nicht hinreichend. Ich will zugeben, daß nicht unter ieder Himmelsgegend und in jedem Boden recht guter Farbenwaidt wachſe. Denn e 2 Non tellus eadem parit omnia: vitibus illsaa Conuenit, haec oleis, hac bene farra virent. ^ Deswegen iſt doch aber nicht zu i daß keine andere Gegenden zu Waidtplan; tagen bequem waͤren, als wo er ſonſt eigentlich erbauet worden. Die mittaͤgige Provinz von Frankreich, Langvedoc, kann vor deſſelben nordlichen Theile, der Provinz Normandie, vieles zum voraus haben; desgleichen auch. Thüringen vor den ungenannten Orten, wo man, nach Crolachs und Rudolphi Berichten, vergebliche Verſuche gemacht haben ſoll. Es kann ſeyn, daß diejenigen Perſo⸗ nen, ſo man zum Anbaue des Waidtes aus Thuͤringen dahin gezogen, die Art, den Waidt zu bauen und zu bereiten, nicht recht verſtanden haben, oder nicht ha⸗ ben verſtehen, das iſt: nicht offenbaren wollen. (“) Es kann ſeyn i daß viel boͤſer Waidt oder Unkraut mit darunter gewachſen und vermenget worden; und AN uͤber⸗ FCC Bd 50:02:00 22 (*) Weil der Waidtbau fo einträglich ift, ſo macht man ein Geheimniß daraus, und iſt ſo gar abgeneigt, es an andere Orte zu communiciren, daß man den aus waͤrts ver ſchriebenen Waidtſaamen vorher in Waſſer gekochet, oder in Rauch gehaͤnget hat, dar mit er nicht hat aufgehen koͤnnen. Das hat man zu itziger Zeit gethan, da doch der De bit bey weiten nicht mehr fo ſtarkſiſt, als er vormals geweſen. Sollte man denn wol ehedem communicabler mit einer Sache geweſen ſeyn, die einem kleinen Diſtricte von 5 Meilen im Durchſchnitte jähr⸗ lich noch uber z Tonnen Goldes eingebracht bat? ret. j Vom Waidte, 23 uͤberdiß alles weiß man ja mehr als zu wohl, daß es mit dem allerbeſten Waidte in der Zubereitung verſehen werden koͤnne, daß er ſeine Kraft zum Faͤrben verlie⸗ Im Gegentheile hat man neuerer Zeit an unterſchiedenen Orten mit dem Waidtbaue Verſuche gemacht, (*) die von gluͤcklichem Erfolg geweſen ſind, und man wuͤrde damit viel weiter gekommen ſeyn, wenn man nur Leute gehabt, die den Waidtbau und vornehmlich die Bereitung des Waidtes gruͤndlich verſtan⸗ den haͤtten. Um Göttingen herum ſoll ſchon feit geraumen Jahren fo viel Waidt erbauet worden ſeyn, als bey der dorten angelegten Zeugfabrik zum Faͤrben ge⸗ brauchet wird; und aus der im vorigen Jahre heraus gekommenen teutſchen Ue⸗ berſetzung von Sam. Trowells neuen Abhandlung von dem Ackerbaue Orte nur im Kleinen get han⸗/ dadurch beſtaͤrket, dem Waidte ſehr guͤnſtig fey. * (**) Es wird in der Ueberſetzung Wied S. 107. u. f. erſehe ich, daß man in Engeland, ſonderlich zwiſchen Beth und Briſtol, ſodann zwiſchen Barking und Grays, in Effer, neuerlich ſtarke Waidt⸗ e angeleget , (* Aus Danzig meldet mir der Herr Secretair Klein un⸗ 4-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-040 en Hr. Hedre d () Ich habe dergleichen am hieſigen gen, den groͤßten Vortheil von dem Waidte und werde gezogen. In einigen Gegenden von War⸗ daß das hieſige Clima wickshire, Oxfordshire, Glauceſtershire, Northamptonshire und Buckinghamshire und an vielen andern Orten findet man hier und da Waidtfeld. Es wird dazu dichtes ausgedrucket; man erkennet aber wohl, daß der Waidt verſtanden werde. Ich will hier einen Auszug aus dieſem Buche von dem englaͤndiſchen Waidtbaue einrücken, weilen, da mir dieſes Buch zu einer Zeit, da an dem meinigen ſchon zu drucken ange⸗ fangen worden, zu Geſichte gekommen iſt, ich das noͤthige daraus nun nicht mehr ge⸗ hoͤriges Orts anzuzeigen im Stande bin. Zromell verſichert, die Eigenthuͤmer hät sen unter allen Fruͤchten, die ihr Feld getra⸗ und friſches Erdreich erfordert, und man hat wohl 3 Pfund Sterl. (15 Rthlr.) für einen Morgen Landes gegeben, worauf man Waidt (den kann. Man hat viel Arbeit und Aufwand dabey; am Ende aber wird alles reichlich erſetzet. Man ſaͤet ihn im Merz, und hauet das Kraut mit einer Art von einer Senſe; mahlet es hernach auf ei⸗ ner Muͤhle, macht ſodann Vallen daraus, und trocknet ſie. Der Saft von den Blaͤt⸗ tern ſoll aufbehalten werden, und darf ja nicht 24 Das erſte Hauptſtuͤck. unterm 31. Jenner 1748 in Zuſchrift dieſes: „So viel ift gewiß, daß TET „wicz, ohnweit Thoren, iemand mit gutem Succeſſe ben Waidt angebauet, ba» „von 4945444404 eee e 494 nicht verlohren gehen. (Hier irret ber Ver⸗ faſſer. Der grüne Saft ift nicht zu gebrau⸗ chen.) Im Brachmonat ift der Waidt reif. Man kann ihn in demſelben manchmal zwey⸗ mal abſchneiden, und ſo in jedem Monate, ſo lange die hierzu dienliche Jahreszeit dau⸗ ert. und man ſiehet daraus, und aus dem fol⸗ genden, daß der Verfaſſer nicht die rechte Wiſſenſchaft von dem Waidtbaue und Be⸗ reitung gehabt haben muͤſſe. Denn er ſchreibt von der Bereitung alſo: „Wenn „die Saat allemal abgeſchnitten, gemahlen, „geballet, und fo viel als moͤglich, getrock⸗ „net, auch dasjenige, was iedesmal einge „ſammlet wird, allezeit beſonders zuſam— „men gehaͤufet iſt: fo nehme man dasjeni⸗ „ge, was zum erſten, oder zum zweyten, „oder zu noch mehr malen, von der beſten „Art, eingeſammlet worden iſt. Dieſes „mahle man fein klar; lege es auf ben Bo; „den auf eine Erhöhung; vermiſche es mit „Waſſer; ruͤhre es um, und feuchte es wie⸗ derum mit Waſſer an. Alsdenn wende „man es noch einmal um, und gebe ihm fo „viel Waſſer, als fid) hinein ziehen will; „ieboch fo, daß es damit nicht uͤberſchwem⸗ umet werde. Die erſten 3 bis 4 Wochen „muß es alle Tage auf der Tenne, oder dem Dieſes iſt ebenfalls nicht glaublich, „wird es ſchwarz. „Boden, einmal umgewendet werden; »„nachgehends aber woͤchentlich zweymal, bis „es eine rechte Farbe bekommt. Erſtlich „brauchet man viele Gehuͤlfen, Waſſer her⸗ „bey zu tragen, bis es recht eingeweichet „worden iſt. Man muß es aber nicht „warm werden laſſen: ſondern in einer ge⸗ „maͤßigten Wärme erhalten. Solches er⸗ ‚„langet man durch oͤfteres Umwenden des „Waidtes. Auf dem Boden wird es ſich zu „verſchiedenen malen veraͤndern, und eine „andere Farbe annehmen. Erſtlich wird Hes rauch, ſchimmlicht, und gleichſam be „reifet werden, und einen ſtarken Geruch von fid) geben. Eine kurze Zeit hernach Alsdenn wird es wie⸗ „derum rauch und ſchimmlicht, und bekommt „eine weißlichte Farbe. Nach dieſer zwey— „ten Veränderung wird es voͤllig ſchwarz. „Je heller und glaͤnzender es alsdenn iſt: „um ſo viel beſſer iſt es. Dieſes iſt ordent⸗ „lich eine Arbeit fuͤr den Winter. Alsdenn „haͤufe man es zuſammen, und ſtecke in ie „den Haufen eine Stange, damit es ſich nicht noch einmal erhitze; und ſo kann man „es zum Verkaufe liegen laſſen. — Von dem Preiſe des bereiteten Waidtes berichtet er, die Tonne habe ſechs Pfund Sterl., manchmal auch zwanzig bis dreyßig Pfund a ge⸗ € 1 t Vom Waidte. jo 25 „bon auch r er Faͤſſer —- dd Duns, geſendet habe; fein größter De; bla bir JJC 55 gegolten. Ein Preiß, welcher von dem unſri⸗ gen ſehr differiret, und gnungſam bezeuget, wie wohl man den Waidt in Engeland zu ge⸗ brauchen wiſſe? Dieſen Nachrichten fuͤget Wilhelm Ellis in ſeinen Anmerkungen auf der traten Seite folgendes bey: „Die „breiten Blätter „fordern ein gutes Erdreich, „fie wachſen ſollen. Denn im Som⸗ „mer werden ſie zu verſchiedenen malen neingeſammlet: und daher ziehen ſte „viel von der Kraft des Bodens „zu ihrem Wachsthume an ſich. Der „Aufwand auf das Waidthaus, auf die „Muhle, auf andere Werkzeuge, auf das „Feld und auf die Arbeit iſt, wie Herr „Trowell meldet, ſehrl groß: doch wird zes ſelten fehlen, daß' nicht der Eigenthuͤ⸗ „mer einen ſchoͤnen Vortheil davon zu ſei— ner Belohnung haben ſollte. Dieſes wuͤn⸗ vyſche ich ihm auch herzlich. Denn ich bin „verſichert, daß er einen groſſen Theil des „Jahres hindurch in einer faulen und ſtin⸗ sdenben Luft leben muß, die von dem vers »dorbenen Waidte herruͤhret, welcher erſt⸗ „lich zu einer Gaͤhrung und Faͤulung gelan⸗ »gen muß, ehe etwas damit anzufangen »iſt. Ich bin in einiger Entfernung vor „mehr als einem ſolchen Waidthauſe vor⸗ „muͤſſen. des Waidtes er⸗ worinne „bey geritten, und habe vieles von dem ab⸗ »„fcheulichen Aasgleichen Geſtanck ausſtehen Man brauchet dazu gut Feld und „viel Arbeiter; es wird aber auch theuer „verkauft, und verdienet daher, daß man »die Landwirthe zu Erbauung deſſelben auf— „muntere. Da der Waidt, wenn er noch „jung iſt, leicht von Fliegen, und andern „Ungeziefer, Schaden leiden kann; ſo iſt „mir ein gewiſſes Mittel bekannt, welches „aber in keinem Pulver beſtehet, und too; »burd) man gewiß dieſem Schaden zuvor „kommen kann, daß man nichts widriges „von dieſem Ungeziefer zu beſorgen hat. „ (Es ſind hier zu Lande dergleichen Mittel auch bekannt. Siehe das zte Hauptſtuͤck $. 2.) „ Man hat ein ſeltſames Vorgeben „von der Beſchaffenheit des Waidtes. Wenn »biefe8 wahr ift, fo ift es einiger maſſen ers „ſtaunend. Man ſaget nemlich, man han; „delte thoͤricht, wenn man nahe bey einem „Waidtfelde Federvieh hielte. Denn, wenn .»€8 von den Blattern fraͤſſe, fo würde es „davon kranck, und müßte verrecken. , Ich habe das Gegentheil befunden, nemlich daß Hühner die Blätter vom Waidte gefreſ⸗ ſen, und daß ihnen ſolche gar nicht ge⸗ ſchadet. D 26 Das erſte Hauptſtuͤck. „bit ſoll aber nach Schleſien ſeyn; „(*) und aus Brandenburg erhalte ich fols gende ſchriftliche Nachricht: „Herr Johann Chriſtoph Blell, vhieſiger Rathscaͤmmerer, der, bey einem gelegten guten Grunde in Sprachen „und Studis, zugleich von feinem ſeligen Vater die Schoͤnfaͤrber⸗Profeßion er⸗ „ternet hat, und dieſelbe mit feiner Familie auch wirklich treibet, hat ben Waidt⸗ „bau hieſelbſt angefangen, und wird mit ſeiner Familie ohngefehr 12 Stücken Acker „vor beyden Staͤdten damit bepflanzet haben. Seine in der Jugend gethane Rei⸗ „fen und Aufenthalt in Thuͤringen, Langvedoc und andern Gegenden von Frank⸗ „reich haben ihn zu dieſer Erfahrung gebracht; und als des hoͤchſtſeligen Koͤniges, „Friedrich Wilhelm, Majeſtaͤt, feinen, vor noch mehr als 20 und bey nahe „zo Jahren hier angelegten Waidtbau erfuhren; fo trugen Selbte ihm allergnaͤ⸗ „digſt auf, die Mark Brandenburg zu bereiſen, und hin und wieder, wo der „Grund dazu bequem ſeyn wuͤrde, Plantagen anzulegen. Wie weit man aber „damit gekommen fep, ſolches kann ich nicht berichten. Mit dem Bau des Waid⸗ „tes wird hier (o verfahren, wie im Univerſal⸗Lexico unter dem Worte Ifatis „gedacht wird. An ſtatt des Mahlens auf der Muͤhle wird er mit Stampfeiſen „klein geſtoſſen und zerquetſchet, in Ballen zuſammen gedrückt, getrocknet, und „hernach in der Faͤrberey gebrauchet. „ Von andern Orten hat mir zwar auch ein gleiches geineldet werden wollen; wovon ich aber, in Ermangelung gnung ſamen Grundes, nichts gedencken will. Nur dieſes verdienet hier noch mit wenigen an⸗ gezeiget zu werden, daß neben der aus des Herrn von Hohberg adlichen Land⸗ und Seldleben obangefübrten Hauptfrage: ob der Waidt gut aufwu⸗ chern und fortkommen wuͤrde ? noch verſchiedene Nebenumſtaͤnde zu erwaͤgen ſeyn duͤrften, wenn man in einem Lande, wo er noch nie gebauet worden, Plantagen und ein Commercium damit anrichten wollte. Es gehoͤren zum Anbau des Waid⸗ tes nn 44S QUO EEE ann EEE (*) Sch babe von ant os iul Nach ben £2 bof aber ber pohlniſche Waidt uͤber⸗ richt, bafi noch an mehrern O Poh⸗ haupt nicht von der Kraft, als der thuͤrin⸗ len Proben mit dem Waidte nachet wor⸗ giſche, ans allzu ſchuell oder hißig ſey. e Vom Waidte. 27 tes gnung Leute; Leute, die der Sache kundig und fleißig ſind; man muß ihnen auf gewiſſe Art ſolche Vortheile zu verſchaffen ſuchen, die der muͤhſamen Arbeit proportionirlich ſind; es wird zu den Mühlen, worauf er gemahlen wird, und zu andern noͤthigen Dingen ein Verlag erfordert; (*) am allermeiſten aber m uß in Betracht der Bereitung des Waidtes noch n Westin ps wer pon ehe man sata ans Werk leget. A L. 4. Hier ift die Rede nicht vom wilden, ſondern vom guten She men» oder Feld ⸗Waidte; es wird auch nicht von dem Nutzen des Waidtes in der Arzeneywiſſenſchaft, ſondern von dem Gebrauche zum Faͤrben gehandelt werden. Ich mag alſo den guten Waidt ein gutes Kraut der Erde nennen, mit welchem der allguͤtige Schoͤpfer ein Land, von dem europaͤiſchen Welttheile, vor dem andern vor⸗ zuͤglich begnadiget hat: damit die Einwohner, durch deſſen fleißige Cultur und Zubereitung zu dem Nutzen, den es in der Mediein und beſonders im Faͤrben, der aus Seide, Wolle und Lein bereite⸗ ten Waaren leiſtet, fich deſſen gebrauchen; ſodann auch andern Lan dern, die es nicht erbauen, mit ſelbigen aushelfen, und daher die Vortheile ziehen ſollen, die von einem ehrlichen Gewerbe und unei⸗ gennuͤtzigen Handel abflieſſen. e 2 o Was überhaupt ben Nutzen, welchen ber Waidt verſchaffet, anbetrifft, fo glaub: ich, daß Cardanus iibi Unrecht habe, wenn er in feinem Buche, de | D 2 Jab. CCC () Damit könnte man vielleicht verſcho / zur Bereitung ausfindig machte, wovon im net bleiben, wenn man einen kürzern Weg letzten Hauptſtuͤcke Meldung geſchehen ſoll. 28 Das erſte Hauptſtuͤck. fulilitate, das Waidtkraut als das gewinnreichſte preiſet. Scaliger, welcher ihm, bey Widerlegung dieſer Schrift, gar nichts, was er darinnen vor⸗ gebracht, einraͤumen wollte, hat zwar darauf geantwortet, Cardanus muͤſfe von dem Werthe der Roͤthe nichts gewußt haben; dieſer waͤre vorzuͤglicher, als der Werth des Waidtes, und es wuͤrde damit in dem untern Theile der Nie⸗ derlande nicht geringerer Handel getrieben, als in der Normandie mit dem Waid⸗ te: (Y allein Scaliger hat Cardano oft, und auch wol in dieſem Stäcfe, zu viel gethan. Ich zweifele febr, daß, wenn man zu den damaligen Zeiten, da beyde geſchrieben haben, eine Balance zwiſchen dem Waidt⸗ und Noͤthehandel haͤtte machen moͤgen, dieſer jenen wuͤrde uͤberwogen haben. Denn damals war der Indigo noch nicht ſo gebraͤuchlich. Zudem ſo kommt es nicht darauf an, wie man dieſe Kraͤuter wirklich nutzet, ſondern wie man ſie nutzen koͤnnte; und da werde ich an einem andern Orte zeigen, daß der Nutzen des Waidtes viel groͤſſer ſeyn CFC (*) ScarictR in exercitat, de ſubtilita- ſpicor: fi hanc ifatidem effe fciffes, tuis ex- ze aduerfüs HIER. CAR DAN VM, 272. p. 663. quifitis ſubtilitatibus, pro abdita re fuiſſe ap. Ich will die Stelle hier ganz einruͤcken: poſiturum. Cum haec ita deduxiſſem, venit Poflquam locutus es de ſanguine Draconis: in mentem mihi Guarnaciarum, quas caeruleo proximus, inquis, huice plantis coloris ho- — colore tindtas vefiri ferunt ruſtici. Vt intelli- nos eſt glaſti. Quam hic de glaſto adfers ſub- gamus: aliud effe pretium merci, ob vile lu- tilitatem ? Saltem diceres: eo praetinctas la- — erum: aliud honorem, ob nobilitatem, Etiam nas facilius recipere colores quosdam : fdelius cum dicebas, nulli herbarum tantum impen- retinere; prohibere, ne inter tingendum deu- di argenti ; / neque latine loquebare', neque rantur. Atra enim tinctura lanae facillime a- rubiae pretia noras. Eius colorem Garanciam reſiunt atque diſſoluuntur. Haec erat ſubtili- — vulgus infe&orum vocat. Qui tanto in pre- tas a tuis praeterita comitiis, Quin tibi hega- tio eft, vt et nünc regium colorem multi no- mus, ob ipfüm colorem guadum expeti. Quis minent. Verum de his in coloribus. — lllud enim tanquam egregii fplendoris eiusmodi ve-e tandem. Non minora fieri commercja pro- fles gerat ? Qnare non is proximus fanguini pterrubiam in Belgio inferiore, quam in pro- Draconis color: fed fecundum coccinas, pur- uincia Narbonenfi ob ifatidem, quod paflellum pureis & pretium & honor. Etiam illud ſu- — vocant ipfi. . di j Vom Waidte, 29 ſeyn koͤnnte, wenn man ihn anders, als nach der bisherigen Art, zum Färben zu⸗ bereitete. Von dem Nutzen, welchen Thuͤringen von dem Waidtbaue und Han⸗ del gezogen, werde ich in dem gleich hiernach folgenden Hauptſtuͤcke handeln. Wie nun der Gebrauch des Waidtes doppelt iſt: alſo dienet in Anſehung des erſtern, nemlich des mediciniſchen, folgendes zu wiſſen. Der Waidt iſt bit⸗ ter, und von einer zuſammenziehenden Kraft. Er hat viel Oehl und flüchtiges Salz. Der wilde hingegen iſt hitzig und ſcharf. Wenn daher die alten Aerz⸗ te (5) den Nutzen des Waidtes bey Milzbeſchwerungen, Geſchwulſten, allerley Blutfluͤſſen, eiternden Geſchwuͤren und krebshaften Schäden anpreiſen; fo verſte⸗ hen ſie nicht den wilden, ſondern den guten Waidt. Er wird aber heute zu Ta⸗ ge, fo viel ich weiß, bey ſolchen Kranckheiten ſehr ſelten, oder wol gar nicht, zu Huͤlfe genommen; (**) welches ich, weil es auſſer meiner Sphäre iſt, unum terſuchet Ine ( çSonſt finde ich noch andere Zeugniſſe von dem Gebrauche D 3 des . d- dd. d .. 0-9. 0.0. FFF (F) GAEENVS: tur tinctores, facultatis eſt valenter exſiccantis, nondum famen mordentis: eft enim fimul amara et adſtringens. At Iſatis ſilueſtris ma- nifeſte iam acre quiddam tum guſtu, actione praefert. Proinde quam ſatiua valen- tius deſiccans, valentius etiam humidis putre- dinibus obſiſtit. Iſatis ſatiua, qua vtun- tum MATTHIOLVSin Dios coRI DEN: Illita folia tumores omnes difcutiunt, cruenta vulnera glutinant;. fanguinis profluuia fiftunt ignem facrum, phagedaenas,. putrefcentia vl- cera, et quae ferpunt, fanant - - - potu et illitu lienofis auxiliantur, () Der Herr b. Wein man m bekraͤftiget dieſes in der PHrane hoꝛa - onographia mit ſchwuͤre zu ſaubern. folgenden Worten: Man brauchet auch das Waidtkraut, wiewol gar felren, zur Arzeney; es trocknet und ziehet an, folglich dienet es, allerley Blutfluͤſſe, zu ſtillen, die. friſchen Wunden zu reinigen und die Ge— Schroeder haͤlt es fir ein vortrefliches Wundkraut, weil es dieſelben zuſammen heilet, und auch die Monatzeit ſtillet. (ku) Heute zu Tage wird in den medici⸗ niſchen Collegiis wenig oder gar nichts von dem Waidte erwehnet. Man moͤchte al⸗ ſo auch hierher die Helmontianiſche Klage ziehen, daß von dem Dioſcorides an, bis auf die itzige Zeit, nur ein gerin⸗ ger, 30 Das erſte Hauptſtuͤck. des Waidtes in der Medien In dem Univerſal⸗Lexico find folgende ges ſammlet, und unter dem Worte Ifatis angefuͤhret worden: „Etliche binden das „Waidtkraut auf die Hand, wenn es zuvor zerſtoſſen worden, und wollen damit „das Wechſel⸗ Fieber vertreiben, wenn (id) der Froſt einſtellet. Es hat eine vor trefliche Kraft zu zertheilen und zu trocknen, aus welcher Urſache es zur Zerthei⸗ „lung der Geſchwulſten, Schlieſſung der Wunden und Stillung des Blutes ſehr „dienlich iſt, und den blutenden Theilen uͤbergeleget, das Blut vortreflich ſtillet. „Orısas. de morb. curat, III. 36. Es trocknet, ziehet zuſammen und reiniget: viſt ein gut Wundkraut, heilet und heftet friſche Wunden und allerhand faule, fluͤßige Schäden; es heftet auch die abgeſchnittenen Nerven wieder an die Muſkeln, und leimet die harten Coͤrper zuſammen. IAc. Hor TEX VI ad Infit. chir. „Io. Tacavır. 10. wird daher von etlichen mit unter die Wundpflaſter und „Wundtraͤncke genommen. Tabernaemontani Arzeneybuch V. 7. $. s. „FRN TI. M. M. VII. nimmt das Glaſtum in feinem Pflafter ad herniam. „Das Kraut in Wein oder Waſſer geſotten, hernach durchgeſeiget, und davon „getruncken, toͤdtet die Würmer im Leibe, reiniget das Gebluͤt, und kommt den Milzſuͤchtigen zu Huͤlfe; daher es aud) Paracelſus Milzkraut nennet. Die „Wurzel mit Weine wird von etlichen (*) wider die gelbe Sucht gebraucht. Der Schaum davon, wenn es in kuͤpfernen Gefaͤſſen gekochet wird, abgenom⸗ „men, I 09-00-00 0-0-0-0-0-0-0-0-0-«0- 00-0 ger, oder wol gat kein Anwachs geſchehen ſey, inmaſſen die meiſten Kraͤuterbuͤcher alſo beſchaffen ſind, daß immer einer die Tugenden der Kraͤuter von dem andern nur abſchreibt; und, was die Kraft und Wir⸗ kung derſelben betrifft, ſo darf man nur ei⸗ nen geleſen haben, ſo iſt es eben ſo gut, als haͤtte man ſie alle geleſen. Nichts de⸗ ſtoweniger wachſen dieſe Schriften zu unge⸗ heuerer Groͤſſe an, und man findet gemei⸗ niglich, auſſer den Abbildungen, die noch dazu falſch und unvollſtaͤndig ſind, wenig Gruͤndlichkeit, und nichts, als was ſchon vorher geſagt iſt, darinnen. So erklaͤret fid) der Herr D. Wedel über die Unacht— ſamkeit ſeiner Zeit in dem 1682 heraus ge⸗ gebenen Tractate de fale volatili planturum p. 6. (*) Siehe Woydts Gazophylacium me- dico-phyficum. S. 464. * Vom Waidte. s Wi „men, und auf die Augen geleget, nimmt die Flecken derſelben weg. „ Hier⸗ naͤchſt hat das Waidtkraut der alte Wirthſchafts⸗Lehrer, Coler, in ſeinem Hausbuche B. V. C. 87. S. 188. wider die Braͤune recommendiret. Man fell ein Stück vom bereiteten Waidte, einer welſchen Nuß groß, in reines Brun⸗ nenwaſſer thun, es 24 Stunden extrahiren laſſen, und fid) damit gurgeln. Ja ich habe mir laſſen melden, daß viele an den Orten, wo der Waidt gebauet wird, ihn in allerley Faͤllen, als ein Hausmittel, in Bier thun, und davon trinken, auch ſonderlich beym Viehe, als eine Arzeney gebrauchen ſollen. Ich laſſe dieſes auf ſeinem Werthe und Unwerthe beruhen, und ſchaͤtze diejenigen Orte für gluͤcklich, wo man nicht noͤthig hat, zu ſolchen allgemeinen Mitteln Ent Zuflucht iu an ſondern geſchickte Aerzte um Rath fragen kann. Zur Beſchreibung des Gebrauches des Waidtes zum Faͤrben will ich ei ER ſonderes Hauptſtuͤck ausfegen, hier aber nur dieſes berühren, daß der wilde Waidt, weil er allzu hitzig iſt, zum Faͤrben nicht diene. Es iſt ein Betrug, wenn derglei⸗ chen untauglicher Waidt mit unter den guten gemiſchet wird, wovon gleichwol, wie man mich verſichert hat, Exempel pote handen ſeyn ſollen. Das 22 Das zweyte Hauptſtuͤck. eee RE MEE c Das zweyte Hauptſtüc von dem Spirits Waidtbau und Handel uͤberhaupt. wt = Br X3 er thuͤringiſche Waidtbau und Handel iſt ſchon zu ſolchen 2 i Zeiten, die weit von den unſrigen entfernet ſind, be⸗ | 5 ruͤhmt geweſen, und die Thüringer haben von der fleiſ⸗ 5 ſigen Cultur und Zubereitung auch ſtarkem Vertriebe des bereiteten Waidtes betraͤchtlichen Nutzen gehabt. = Quo Ich will erſt drey alte poetiſche, ſodann auch andere Zeugniſſe zum Veweiſe anführen, Zufoͤrderſt zeuget der bekannte Vers (*) von fich ſelbſt, daß er alt fen, 5 der nun 0-09 (*) Er wird von dem Herrn von Schmalzgrube von Teutſchland genennet. Falckenſtein in der thuͤringiſchen Chro- Die ganze Stelle iſt aus Olegrii nicke J. Th. S. 149 angefuͤhret; dabey es Geſchichten der Landgrafſchaft Thuͤrin⸗ heiſſet: Thüringen werde von einigen eine gen C. I. S. 22 genommen, ſolches aber an⸗ EZ Vom Waidte. 3 der auf das Thuͤringer Land, ich weiß licht, on wem? ift grettigt eed und "n lautet: Conciliare ſolent tria w nomenque debe Waidt, Moll et Weizen, terra thuringa, tibi. Das andere Zeugniß hat George Fabricius in ren, . mit dieſen Worten ertheilee: | i is ſua dona locis] pariter eee ce ee | * Oſtentant, et ditat l(atidis herba colonos. Und das dritte iff aus Frıschuını peematibus genommen: Herba thuringorum celeberrima creſcit in agris ^" hanc Íiezsw graecus fermo vocare ſolet. Ponderis haec magni eft, et multo venditur aete; hac etenim tingi lana parata folct, Date) . Hier naͤchſt führet Rudolphi in Gotha diplomatica Th. III. C. 33. S. 253. an: der Waidthandel habe den Staͤdten Gotha und Erfurt i im 16temn Jahrhundert groſſen Nutzen gebracht, daher auch die annoch vorhandene anfehnliche ſteinerne Gebaͤude, welche die Waidthaͤndler aufgefuͤhret, kͤmen. Crolach nennet den Waidtbau des Landmanns Nahrung, einen ſehr reichen Gewinn der Bürger, und die Stuͤtze und Fundgrube für ganz Thüringen, und erzehlet dabey ei⸗ ne Hiſtorie, die er für wahrhaftig und gewiß ausgiebet. Seine Worte () lau⸗ ten in der Ueberſetzung alſo: „Als einmal einer von unfern Landsleuten, der „nicht von geringem Stande, und dabey febr beguͤtert war, von denen, fo Gold „und Silber i in dem e der Erde und in den 1 ſuchen, erinnert ward, ver e 4004999920949 zumerken allda vergeffen worden. Einige (* In der hinten angehaͤngten Schrift haben auch das vierte W. dazu geſetzet, de cultura herbae Ifatidis p. 48. und damit den Wein andeuten wollen. : € ^ ^» 34 Das zweyte Hauptſtuͤck. „er ſollte doch hiermit einen Verſuch machen, und etwas Geld anlegen, welches yer mit vielem Wucher hernach wieder erhalten wuͤrde; ſo antwortete er ganz ar⸗ „tig, und wie es der Wahrheit gemäß war, er wollte die, ſo in der Hoffnung „reicher zu werden, die Tieffen der Erde durchwuͤhleten, bey ihren Gedancken laſ⸗ „fen, und fie deswegen nicht beneiden. Im uͤbrigen fähe er fie für ſolche Leute an, „die, nach dem Spruͤchworte, mit goldenen Hamen fiſcheten. Denn dieſe ſuch⸗ „ten wohl oft dasjenige, was die Natur tief in die Erde verborgen und verſtecket „hätte, mit febr groſſen Aufwande; aber ſie wuͤrden nicht ſolten des Nutzens und „der Belohnung von ihrer Arbeit verluſtig,, ja bisweilen folgte ihnen die Armuth MM dem Fuſſe nach. Jedoch, fuhr er fort, (ie mögen immerhin ihr Heil verfu „chen. Ich habe zu Hauſe einige Aeckergen, womit er die Waidtfelder meynete; „wenn dieſe mein Hofemeiſter nur einer Hand hoch umgearbeitet hat; ſo bin ich zu⸗ frieden mit dem, was mir die ergiebige Erde auf ihrer Oberflaͤche mittheilet. Da „andere in tiefe Schächte einfahren, fo haben wir hier auch unfere Gold⸗ und Sil⸗ vbergrube gewiß, indem wir das Gold und Silber oben hinweg nehmen, ihr aber vſolches aus den innerſten Theilen heraus holet. „ Ich laſſe es dahin geftellet ſeyn, ob die Rechnung richtig gemacht geweſen ſey, welche Coler zum Grunde geleget hat, wenn er im Sausbuche B. V. C. 88. ſchreibet; „Wiewol das Thuͤringer Land an andern Früchten ein fruchtbar Land ift, fonderlich was Korn, „Weizen, Wein und dergleichen mehr anlanget, ſo wird doch aus fremden Lan⸗ „den mehr Geldes und Guth fuͤr und um den aidt i in Thüringen gefuͤhret, als ‚für die andern Früchte alle mit einander, » Dieſes habe ich aus alten Acten er⸗ ſehen, daß man zu Anfange des vorigen Jahrhunderts noch uͤber 3 Tonnen Gol⸗ des gerechnet habe, welche für Waidt nach Thüringen von auſſen gekommen; wie denn damals die Litzprandiſche Handlung zu Leipzig alleine, von einigen Waidt⸗ händfern zu Langenſalze, jährlich für etliche und ſiebenzig tauſend Thaler Waidt be⸗ kommen, und weiter vertrieben; und die Stutterheimiſche Handlung zu Erfurt, be, ſage einer mir zu Geſicht gekommenen Original⸗Bilanze vom Jahre 1621 in einem Jahre für 136000 Meißn. Guͤlden Waidt und Indigo verkaufet hat. Man wird noch verſchiedene nee gehörige Nachrichten in den beyden Schriften finden, wel⸗ Vom Waidte. 35 4 welche in den Jahren 1631 und 1635 von einem, der Laurentius Niska geheiſſen hat, im Druck hergus gegeben worden, und welche ich, weil ſie ſehr fels ten gefunden werden, c) und doch manches nützliche enthalten, zu die ſem Buche balekt habe beydrucken laſſen. Die erſte führer die Aufſchrift: Weyd⸗ bedenken, d. i. unvorgreiflichen! angezeigte wohlgemeinte Urſachen und Mittel wie und warumb dem Lande zu Döringen vormittelſt göttli- cher Verleihung und Segen die zu vorhin durch den Weydbau und deſ⸗ fen Handel gehabte Nahrung wiederumb an die Hand zu geben und zu reſtauriren und dardurch Geldt in daſſelbe zu bringen und einzufuͤh⸗ ren t. Die zweyte: Des Thüringer Landes durch Gottes Segen wies i derkommende Nahrung und Reichthum ꝛc. c. Sonſt habe ich auch aus alten Amtsbuͤchern erſehen, daß manches Dorf jährlich fuͤr 12 bis 16000 Fthlr. und drüber, Waidt erbauet habe, und Crolach bezeuget auf der 40ten Seite: „Es möchte ei Dt unglaublich ſcheinen, aber ich kann es der Wahrheit gemaͤß „und zuverläßig melden: vor dem Jahre (**) hat ein einziger Bauer aus dem Gr: „furtiſchen, von s Waidtaͤckern, da die Farbe gut war, 150 Meißn. Guͤlden »in einem Jahre erworben. „ Indem Crolach den Nutzen, welchen Thürin, gen vor und zu ſeiner Zeit von dem Waidtbaue und Handel gehabt, erwogen, und ihm dabey eingefallen, daß die Heyden diejenigen vergöttert, j weiche ihnen nur etwas zum menſchlichen Leben nützliches bekannt gemachet haben; fo erklaͤret et fif; es ſey zwar ſeine Meynung nicht, daß man Menſchen, deren Leben ver⸗ gaͤnglich und hinfällig waͤre, zu Göttern machen ſolle: es haͤtte aber doch dem Nahmen desjenigen ein immerwaͤhrendes Denckmahl ſollen geſetzet werden, der zu⸗ erſt den Einwohnern der thäringifipen EN den bow i. fini und mit * eu Tor gu "pd ! pis e pat wm i | tom sd og nog sisd'ro 8. 2. .. ee eee eee (*) Sie LE mir „aus der gn. Ee nd Sisiees uci migetgtine worden. van Hu d (63 Das ift im Jahre 1554. 36 Das zweyte Hauptſtuͤck. F eee d aO 2e TE Alle Oerter / wo ſonſt Waidt in Thüringen ik erbauet wor⸗ si „ laſſen fid, ihrer Menge halber, nicht nahmhaft machen. So viel aber lehren bie in « und auſſerhalb den Dörfern in groſſer Menge noch liegenden Waidtmuͤhlſteine, welche man gleichſam als Zeugniſſe, zum immerwaͤhrenden Andencken der Sache, beybehalten hat, daß es in den Gegenden von Erfurt, Gotha, Langenſaltze, Taͤnnſtaͤdt und Weiſſenſee, ingleichen gegen Weimar zu, überaus fleißige Waidtbauere muͤſſe gegeben haben. (a) Diejenigen Staͤd⸗ te, wo der Waidt handel vornehmlich iſt getrieben worden, ſind: Erfurt, (5) Gotha, (e) Tangenſalze, (d) Taͤnnſtaͤdt (e) und Arnſtadt, (f) welche daher den vorzuͤglichen Character der 5 funf W Staͤdte (80 erhalten haben. | "oti o shi i be T ^ | | ERR Ctolach ſagt: mn Es waͤchſet der Waidt nicht in ganz Thüringen, fon „dern nur um die Staͤdte Erfurt, Gotha, Saltze „Taͤnnſtaͤdt, Weiſſenſee und vihre Gegenden herum } allwo ſehr fruchtbares Land iſt, iedoch iſt der erfurtiſche vunter allen der beſte; „ und Rudolphi bezeuget in Gorha diplomatica. Th. III. C. 33. S. 253 · daß er nirgends beſſer, als auf den Aeckern zwiſchen Gotha, Er⸗ f furt und Langenſaltze wuͤchſe. Ich habe es als etwas befonderes angemerket, daß man, auch auſſer den angezeigten Gegenden, auf der Hain; oder Hageleite, oder in geroiffen ſchwarzburgiſchen Dörfern, welche an dem alſo genannten Walde lie⸗ gen, ſich der Vortheile vom Waidtbaue vormahls theilhaftig zu machen geſuchet habe; da doch in Anſehung des Climatis und Bodens ein gar merklicher Unter⸗ ſchied unter dieſen und obigen Gegenden vorwaltet, und es ward mir ſo gar an ei⸗ nem ſolchen Orte, bey gehaltener Nachfrage, von einem ſehr alten Einwohner ge⸗ meldet, daß fein Vermögen von dem Segen herruͤhre, den der HeErr auf den Schweiß Vom Waidte. 37 Schweiß ſeiner Voreltern, in welchem fie den Waidt gebauet, geleget habe. Zu der Zeit, da ich dieſes ſchreihe, ſiehet es ganz anders aus. Es find in allen 1a gothaiſche, und 2 bis z angraͤnzende erfurtiſche Doͤrfer, wo man noch Waidt⸗ plantagen findet. Vielleicht waͤre aber der ganze Waidtbau in Thuͤringen ſchon eingegangen, wann nicht die Fettigkeit der dortigen Aecker, die dergleichen Soͤm⸗ merung erfordern, und die darauf haftende ſtarke Erbzinſen die Fortſetzung deſſel⸗ ben nothwendig gemachet haͤtte. Alle dieſe Dörfer: zuſammen bauen itzo jahrlich noch fuͤr etliche und zwanzig bis dreyßig tauſend Thaler Waidt, wie man mich def ſen glaubhaft verſichert hat. Uebrigens wird hiervon im fechſten A oon 1, S. ein mehreres vorkommen. (by Zu Erfurt, der aͤlteſten und —— Stadt bes disi Lan⸗ des, hat ſonder Zweifel der thuͤringiſche Waidtbau feinen Anfang genommen; toc nigſtens finden ſich keine aͤltere Nachrichten von dem Waidtbaue anderer vana ſchen Städte, als die von Erfurt find. Die merkwuͤrdigſte davon ift dieſe: Jahre 1290 nach Coriſti Geburth, hielt der Kayſer Rudolph von u einen Reichstag zu Erfurt, die Streitigkeiten zwiſchen Albrechten, dem unarti⸗ gen, , Landgrafen i in Thüringen , und deſſen Soͤhnen, beyzulegen, und ließ durch die Grafen von Gleichen und von Reuß , mit Beyhuͤlfe der Bürger zu Gt» pU ‚etliche und 60 thüringiſche Raubſchloſſer zerſtoͤren; da denn die Erfurter abt mit ſich fuͤhreten, und ſelbigen auf die Platze der zerſtoͤrten Schloͤſſer ſtreue⸗ ten, zum Zeichen, daß Erft iter allda geweſen. dudor biftorige- Landgrauiatui Thuringiae e 76. und aus ſelbigem der Herr von Falckenſtein in hiforia cri- tica et diplomatica: einitatis Erfurt. J. II. c. LI p. 160, Wie nun hieraus erſchei⸗ net, daß man datmahls um Erfurt herum den Waidt alleine gebauet haben muͤſſe: alſo will es aus einer andern alten Urkunde das Anſehen gewinnen, | daß Erfurt bis zu Anfange des 16ten Jahrhunderts ein Monopolium mit dem Waidte gehabt habe. Ich meyne die nicht ohne Lachen und Jammern zu leſende Siſtorie von der erfurtiſchen Aufruhr i im Jahre 1509. N. Eberbachs , Patritii er phordienſir, die Hr. Horn ſeiner Sammlung zu einer Zandbibliotheck von Sachſen Th. II. S. E 3 159. 39 Das zweyte Hauptſtuͤck. | 159. u. f. einverleibet hat. Es werden darinnen auf der raten Seite die Nah men derer angefuͤhret, weſche, ehe der Buͤrgermeiſter, Heinrich Kellner, in dieſem Tumulte jaͤmmerlich ums Leben gebracht worden, aus der Stadt entwi⸗ chen find; hernach ſchreibt N. Eberbach alſo: „Und ein erbarer Rath hatt sbicfen Bürgern all ihr Korn und Wein verkaufft, darum daß ſie unehrlich ent⸗ „liefen, und find bei 8 Jahren aus der Stadt geweſen, haben groſſen Schaden empfangen und nicht unbillig. Und ihr iſt zu Gotha und Weimat viel geſtorben. Der meiſte Hauf ifE wieder gehn Erfurt kommen, und fiib wieder zu Herren ge „macht worden. Aber gleichwohl den Weythandel welcher zuvor in Erfurt allein war, auf dieſe kleine Stedt bracht, dann ſie denſelbigen „angefangen, alfo, daß er ewig bei denſelbigen ſtehen bleiben wird, und nimmermehr ganz gehn Erfurt kommen. „ Allein ſo glaubhaft die von dein Aufruhre und der Kellneriſchen Execution beygebrachte Umſtaͤnde find: fe vielem Zweifel bleibet dieſe letztere Anmerkung vom Waidthandel unterworfen. Es koͤnnte wohl ſeyn, daß der Waidthandel damahls nach Weimar waͤre trans feriret worden; wiewol er alioa auch nicht lange beſtanden haben muß; ja es koͤnn⸗ de auch fem: daß er in Gotha durch die dahin gefluͤchtete erfurtiſche Buͤrger cinia ger maſſen empor gebracht worden daß aber vorher kein Waidthandel in Gotha geweſen, ſolchem widerſprechen weit glaubhaftere Zeugniſſe, derer im folgenden unterm Buchſtaben (c) wird gedacht werden. Im uͤbrigen belehret uns von dem ſtarken Waidthandel, der in alten Zeiten zu Erfurt ift getrieben worden, und von der damaligen Verfaſſung unter andern auch die Beantwortung, welche des Erzbiſchofs Dietrichs zu Mayntz im Jahre 1480 gedruckter Deduction ſeiner praͤtendirten Gerechtſame an der Stadt Erfurt, zu eben der Zeit, unter dem Ti⸗ tul: Eines Erbarn Raths zu Erffurdt erſter gedruckter Anſchlag ge⸗ gen des Hochbemelten Erzbiſchoff Dietrichs Anſchlege ausgangen, entgegen geſetzet iſt, wovon ich einen Auszug unter den Beylagen N. XVII. an⸗ gefuͤhret habe. Nicht weniger dienet das zum Beweis der Wichtigkeit des eher mahligen Waidthandels zu Erfurt, was der Herr Canzler von Ludewig in ks; Vom Waidte. 39 Diſſertation de re bafiariatinorum c. III. p. 30. angemerket hat, daß nemlich die angeſehenſten Buͤrger, oder Patritii in e „ WR ey nabe Wabthuncher gam dlm SE Ji de a nen | Xc) Von dem Wadthandel ber Stadt Getha Anden ſch erfolg g gar alte Nachrichten. Ich will am hieſigen Orte nur die aͤlteſte, die mir in Rudolphi Cotba diplomatica Th. III. C. 2. S. 146. vorgekommen iſt, mittheilen. Sie iſt aus des erſten evangeliſchen Superintendenten zu Gotha, Friedrichs Myconüi, Nachrichten von dem gothaiſchen Stadtweſen im 15fen Jahrhundert her⸗ genommen „und er hat ffi ch unter andern folgender Worte bedienet: „Dieſe „Stadt hatte das Bierbrauen, da muſten ſich die umliegenden Doͤrfer erhohlen: Item da war allein der Weidkauf, die Gewandſchnitter, die Handwerker, das „Wein ⸗ und Vierkaufen: Item ein koͤſtlicher Holzmarkt 2e. Aber da der bof »füttige , ehrgeizige, neidiſche, eigenſuͤchtige Teufel der Regenten Herzen beſaß; da muſte der Stadt Gedeihen untergehen, und kam buͤrgerliche Handthierung auf die Doͤrffer, Brauen, Malzen, Schencken, Weidkauffen, Handtwerker 26. unb find alſo die d IE ‚und bie Stadt ‚Dagegen zum Dorff wor⸗ 177675 n den. I 049404:04-9--0904 44 diste (*) Man hielt ehedem davor, daß der den Nahmen Waidtjuncker in⸗ die adliche Handel mit ſolchen „Dingen derentwegen i Matricul dieſes Herzogthums wider die Ge⸗ ein Ort vor andern einen Vorzug genieſſet, wohnheit einführen wollen. verum quam adele. Hiro T TVs a Col Lrsvs de his ex feitilitate agri Benderfiani liceat fperas- incrementit orbium e. X. Daher iſt eben⸗ re optimum ſucceſſum: deinde Erfurtenſes falls der Rahme, Saltzjuncker entſtanden, "habeant. illud. inflar: ‚priuilegii,, collati iure wovon DRAc de dure ez origine parri clientelari patritiis , quibus hine namen pes vim l. III. e c. Viii. p. 376. nachgeſehen wer⸗ culiare W aidamckern , vti noftratibus adpel« den kann. Der ober Ganjler von Ludewig latio Sakiunckern: cum tamen peritos & fü: erklaͤret ſich daher in der Vorrede zu den Iicitos cultores iſta herba exigat „ nolui hand: Nel. iguiis Mor. t. VIII. P. 5. weil der Waidt aleae committere, aut Maidiunckeri nomen erfahrne und fergfültige Anbauer erforder⸗ matriculae. equeltri buius. Pfineipatus inferre te, fo habe er es damit nicht wagen, noch inlolenter. 4o Das zweyte Hauptſtuͤck. „den. „ Dieſen Unordnungen aber iſt durch den am angezogenen Orte eingeruͤck⸗ ten Reformations= Abſchied vom Jahre 1488, und ſonderlich durch den ſogẽ⸗ nannten Ueberſchied vom Jahre 1489 abgeholfen, und das Stadtgewerbe, wie uͤberhaupt; alfo auch in Anſehung des Waidthandels, wieder in Aufnahme ge⸗ bracht worden. Die Sorgfalt der nachherigen föblichen Regenten des Hetzog⸗ thums Gotha für das Beſte der Unterthanen, in dieſem vorzuͤglichen Stücke ihrer Nahrung, kann man aus den Landesgeſetzen und andern Anordnungen, wovon ich verſchiedene unter den Beylagen amgeführet habe; ohne mem Anpreiſen, erkennen. (d) Von dem Waſdthandel der Stadt Langenſalke finde ich feine ältere duit, als die in den Landesgeſetzen, und in Crolachs Schrift von der Cultur des Waidtfrautes enthalten ſind. Wie er nach dem dreyßigjaͤhrigen Kriege in groſſen Verfall gediehen, durch Aufrichtung einer beſondern Gilde aber wieder in Aufnahme gebracht worden, davon werde an AMAT Orte mit nus p reden Gelegenheit haben. T | (e). Um Tännfrädt herum ift chedeſen viel Walt [M i und in der Stadt Handel damit getrieben worden; wie denn noch e ein gewiſſer groſſer Di⸗ ſtrict der taͤnnſtaͤdtiſchen Fluhr, vor dem Wenigentaͤnnſtaͤdtiſchen Thore den Nahmen beybehalten hat, daß es das e 1 wiewol itzo kein Waidt gie auf 115 Feldern erbauet wird. ene e (F Ld Daß Arhſtadt vormals eine von den if Welbrhendels⸗ Staͤd⸗ ten geweſen ſey, das habe ich aus einer gewiſſen in öffentlichen Acten befindlichen Nachricht, welche: Kurze Gedancken, warum der Waidthandel gefal⸗ len, vom Jahre 1657 rubriciret war, erſehen. Daß aber der dortige Waidt⸗ iia in Vergleichung mit dem Handel der vier übrigen Staͤdte klein geweſen ſeyn „ſolches ift mir deswegen glaublich, weili in der arnftädtifchen Gegend wohl 5 1 Waidt gebauet worden, und Erfurt „welches einen ſtarken Handel mit dem Waidt gehabt, gar zu nahe dabey gelegen iſt. Ich bin auch deſto mehr der Meynung, daß Olearius in px e 1 ditiis davon wuͤrde ge⸗ N mel⸗ Vom Waidte. 4U meldet haben, ie mehr ich, bey Durchleſung dieſes Buches, wahrgenommen ha⸗ be, daß er viel kleinere Umſtaͤnde nicht vorbey gelaſſen. Ich finde aber fo wenig in dem im X Cap. auf der 181. u. f. S. eingeruͤckten Verzeichniſſe der arnſtaͤdti⸗ ſchen Gewaͤchſe den Waidt benennet, als wenig im ganzen Buche des arnſtaͤd⸗ tiſchen Waidthandels Erwehnung geſchiehet. Noch eher moͤchte in alten Zeiten Weiſſenſee eine Waidthandels⸗ Stadt geweſen ſeyn, als Arnſtadt. Es be⸗ ſtaͤrket ſolches eine alte Gleitsrolle in dem ſogenannten Copialbuche der Stadt Weiſſenſee vom Jahre 1434. wovon ich folgenden Auszug hier mittheilen will: fol. 62. rubr. Umb den Zoll beiden, Item Balle Wayth, Muͤßer Wayth, und Saltz von frankenhu⸗ fen, gebet stu ztolle vome wayne drye phennige, vome kar⸗ ren drpye ſcherff. fol. 62. Item Wayne med bereytem waytbe die dorch bene abe vor hene faren gebet von igſlichem wayne vier phenige stu stolle, fol. 72. rubr. Umb das Geleyte. Bereite wait. Item wayne die da Bereiten wait furen gebit der wayn zwene ſchillinge phennige. | Item Balle wait gebit nichtez geleites, fol. ge. Item wer wait ztu Wißinſee ledet, der debit halb. geleite, Ein mehreres von den Anordnungen, die bey dieſen Staͤdten zum Behuf des Waidthandels gemachet worden, werde ich im IV. Hauptſtuͤcke . 2. bepinbeingen Gelegenheit nehmen, | (g) Man hat in den nur angezeigten 5 Wadthandels⸗ Staͤdten entweder nicht geleſen, oder man hat Bedencken gehabt, dem zu folgen, was der ehemalige fächfifche Geſchichtſchreiber, Herr Johann Conrad Knauth, in den An⸗ F mer⸗ 42 Das zweyte Hauptſtuͤck. merkungen zu Schneiders Saxonia vet. et magna in paruo auf ber I oten Cis te ſchreibet: Dieſes Farbenkraut und Waydthandel iſt clfo gleichſam des Thüringer Landes goldenes Vließ, weil es ſehr weit und breit durch die umbher gelegenen Lande verfuͤhret, verbraucht und groſſes Geld daraus geloͤſet wird, = = = = = Demnach hätten die Aer ren des Raths allhier guten Fug, der englaͤndiſchen Parlaments⸗ er⸗ ren, (welche auf Wollſaͤcken zu ſitzen und Rath zu halten pflegen, wie ich ſelbſt geſehen,) Gewohnheit nach, ihre Polſterpfuͤhle, ge der Molle, mit Waydt zu füttern ꝛc. en Man kann von der Wichtigkeit des thüringiſe den — dels in alten Zeiten unter andern auch daher einen Beweis nehmen, wenn man die Stapelgerechtigkeit erwaͤget, die gewiſſe Staͤdte, zu ihrem groſſen Nutzen, mit dem aus Thuͤringen PER Waidte, ſonſten gehabt haben. A Die Stadt Goͤrlitz hat diefe Gerechtigkeit ſchon zu Anfang des 12ten Jahr⸗ hunderts gehabt; und ob gleich die Stadt Zittau im Jahre 1350 ebenfalls damit iſt begnadiget worden, (*) ja ob gleich Sah im Jahre 1477 deswegen ange foch⸗ a an 900-099 (*) Grefftt in Analect. fafor. Zitta- uiejfrum Th. IV. C. 4. S. 168. $. 10. „Nachdem vor Alters der Waidt, welchen „die Tuchmacher zum Faͤrben brauchen, nici „ftentheilg aus Goͤrlitz geholet worden, „und dahero die Goͤrlitzer behaupteu woll⸗ sten; es duͤrfte nirgends keine Niederlage „mit Waidt mehr ſeyn, als bey ihnen, ans „dere Städte aber muͤſten in Goͤrlitz ſolchen „holen: fo wollten die hieſigen Meiſter fol „ches ihnen nicht einräumen, ſondern lieſſen „auch Waidt nach Zittau bringen. Sari „ber gerierhen die zwo Städte mit einander „in dergeſtaltigen Zwietracht, daß die Sache " 55. Vom Waidte. 43 fochten worden: (*) ſo hat es doch über 200 Jahre unb bis 1491 ſich dabey er; halten, da der Stapel zum groſſen Schaden der Bürger zu Goͤrlitz, nach Groſſen⸗ hayn ift verleget worden, wozu dieſes Anlaß gegeben hat: Der Magiſtrat zu Goͤr⸗ litz hatte einen Faͤrber, Nicolaus Stkolzenbergen, wegen getriebener Urzucht, am Pranger mit Ruthen ſtreichen, und ſodann verweiſen laſſen. F 2 M Dieſer ſuchte den FFF „a. 1339 vom König Johann in Boͤhmen „zu Breßlau durch ſonderliche Briefe vergli— „chen werden muſte, wie hiervon das Ori— ‚»ginal dieſes Vergleichs noch vorhanden, „darinnen unter andern verſtattet worden, „daß die von Sittau itzt und zu ewigen „Zeiten mögen Waidt zu §oͤrbung ihrer „daſelbſt gemachten Cuͤcher dahin fuͤh⸗ „ren, oder durch die Waidtgaͤſte dahin „führen laſſen, fo viel als fie zur Sóc; „bung benoͤthiget find. Datum Breß lan „denz Nonath Auguſt Anno 1330. Ob „nun wohl hierauf die Goͤrlitzer einige Zeit „ruhig geweſen, ſo iſt doch von neuem „Streit entſtanden, und 1350 zwiſchen ih⸗ „nen und den Zittauern ein neuer Vergleich „aufgerichtet, dieſer aber vom Könige ! „Wenzeslao IV. nochmals caßiret, und „dagegen den Zittauern ein Privilegium ge „geben worden, daß jedermann, von Zittau „aus, mit Waidt nach Böhmen, Pohlen 1c. »„frey handeln möge. » (* „Es hatte das Haus Sachſen ſchon „zu des Königs Matthiae Zeiten die Ver⸗ „legung des Waidtkaufs von Goͤrlitz nach „Groſſenhayn geſuchet. Denn 1477 war »bem Rathe zu Erfurt von dem Churfuͤr⸗ »ſten und Herzoge zu Sachſen, wie auch „dem Landgrafen zu Heſſen zugemuthet „worden, ihre Bürger und Fuhrleute mit »bem Waidthandel nicht mehr nach Goͤrlitz, „ſondern nach der Stadt Groſſenhayn zu „derweifen. Daher lieſſen ſowol ber Breß⸗ „lanifche Biſchof Rudolph, als Herzog „Friedrich zu Liegnitz, an Churfürſten »und Herzog Albrecht zu Sachſen gar be⸗ „wegliche Interceßiones abgehen, daß die „Goͤrlitzer bey ihrem hergebrachten und fo utheuer privilegirten Waidthandel gelaſſen „werden moͤchten. Ja Koͤnig Matthias vſchickte deswegen 1478 Rudolphum „gar an den churz und herzoglich ſaͤchſiſchen „Hof, und die Goͤrlitzer ſchickten auch 2 De⸗ „putirte dahinſab, durch deren Vermitte⸗ „lung der Churfuͤrſt und Herzog Albrecht „ihrer Anforderung vor dißmal renuncirten, „und die Goͤrlitzer bey ihrem hergebrachten „Rechte der Zufuhre, Ablegens und Schaͤ⸗ „ung des] Waidtes zu laſſen verſicherten. „D. Carpzov im oberlauſitziſchen £t: »rentempel Th. I. S. 155. „ 44 Das zweyte Hauptſtüͤck. | den Schimpf zu rächen, und fand Gelegenheit, bem churfürftlich fächfifchen Hofe die Verlegung des Waidtſtapels, von Goͤrlitz nach Groſſenhayn, als eine dieſer Stadt hoͤchſt erſprießliche Sache, anzurathen. Man forderte von fächfifeher Set te der Stadt Goͤrlitz erſt einen jährlichen Tribut von soo Rheiniſchen Guͤlden, für die Conceßion, den Waidt dorthin führen zu laſſen, ab; und als fie ſolchen zu ge ben verweigerte, fo ward dieſe Gerechtigkeit der Stadt Groſſenhayn (*) 1491 ertheilet. **) Der ehemalige Buͤrgermeiſter zu Groſſenhayn, Sebaſtian Mann, ſchreibet davon in der 1663 heraus gegebenen Sayniſchen Chronicke alſo: „Ich „will geſchweigen diejenigen uͤberaus faſt zutraͤglichen Nutzbarkeiten, welche dieſe Stadt von der Niederlage mit dem Waidt, (fo im Jahre Chriſti 1489 (***) „von Goͤrlitz aus der Oberlauſitz, auf vorhergehende gnaͤdigſte Bewilligung der „hohen Landesfuͤrſtlichen Obrigkeit, in dieſe unſere Stadt Hayn verleget worden) „uorzeiten gehabt, und alfo hiervon ziemlichen zugenommen haben mag ꝛc. „ Als der Stadt Groſſenhayn zu Ende des 16ten Jahrhunderts Eintrag in dieſer Ges rechtigkeit geſchehen wollte, ſo ward von dem damaligen Adminiſtratorn der Chur Sachſen, das unter den Beylagen No. VI. befindliche Mandat erlaſſen, und ſolches nachher vom Ehurfürften Chriſtian IL erneuert, Cod. Augufteus Th. II. S. 2094. Es iſt aber die Stadt Groſſenhayn, bey dem groſſen Verfalle des Waidtbaues und Handels, ſehr lange auſſer Uebung dieſer ihr ſo erſprießlichen Gerechtigkeit geweſen. $ 4. Vor allen andern bisher erwehnten Umſtaͤnden iſt dieſer an⸗ mer⸗ 40494494-004094-04449 C. . Ng. N... -N. - -. .- d-. 0-0 h (*) Herr Heinholdt iſt irrig, wenn er (**) Cun. MANL Vs de relus Luſati- in feiner teutſchen Ueberſetzung der zu Leip- ein Horrmannı driptoribur rerum Lu- zig gehaltenen Diſſertationen von dem Dos; Jaricarum l. VI. c. 129. p. 409. zugsrechte der Stapel / und Meßgerech⸗ | ER. 0 tigkeit in Leipzig S. 58. der Stadt Ha⸗ (* Es ift nicht 1489, ſondern 1491 genau biefe Gerechtigkeit zuſchreibet. geſchehen. | Vom Waidte. N 45 merkungswuͤrdig, daß, wie Rudolphi C) ed ausdruͤcket, der Waidt⸗ handel von der roͤmiſch kayſerlichen Majeſtaͤt ſelbſt in Conſideration genommen, und auf Reichstaͤgen Berathſchlagungen daruͤber gepflo⸗ gen worden, e demſelben mehr und mehr aufzuhelfen ſey? | | eO E * | Die unter den Beylagen No. I. II. III. befindliche Auszuͤge aus des H. N. R. policey-Dronung und den Reichs abſchieden, ingleichen das kayſerliche Mandat No. III. beſagen davon ein mehreres. Es ift dieſes gewiß ein Umſtand, der den Teutſchen den Waidtbau hätte wichtiger machen follar, als er ihnen in den nachherigen Zeiten geweſen iſt; ich will ſagen, der die teutſchen Staaten, und ſonderlich diejenigen, welche von fo langen Zeiten her fic) gleichſam im geruhigen Beſitze des Waidtbaues und Handels befunden, zu angelegentlichern Betriebe Diez: ſes wichtigen Nahrungsgeſchaͤftes haͤtte aufmuntern ſolen. Allein auch die heil⸗ ſamſten Anordnungen ſind nicht hinreichend geweſen, dem Verfalle einer ſo gemein nuͤtzlichen Sache Einhalt zu thun, wovon ich an einem andern Orte mehr zu reden Hair nehmen werde, b RUq7 i o ns. A Er, RX zr A . IF ; d rd d ju ge, à Y Mos Das 46 Das dritte Hauptſtuͤck. Ri EBERT NEED. von der Erbauung und erſten Bereifung; des o5 SNB, e eoe" LCD Orr Waidt erfordert einen von Natur fetten, oder wohlge⸗ duͤngten, auch wohl umgearbeiteten, und vom Unkraute gereinigten Boden, in einer warmen Himmelsgegend. e S 5 Man hat ſonſt das Sprüͤchwort: Weizenland iſt auch Waidtland; es lehret aber die Erfahrung, daß in einer fetten Erde der Waidt zwar in groͤſſerer Wiens ge wachſe; eine mittelmaͤßige wohlgeduͤngte Erde in einer warmen Gegend viel kraͤfti⸗ gern und farbenreichern Waidt hervor bringe, (*) Im kalten und trocknen Bo⸗ den, re 50-94-4044 ...d. HH (*) Eben dieſes bezeuget der Verfaſſer des Buches, ſo zu Paris 1736 heraus ge— kommen iſt: La nouvelle malſon ruftique, ou Economie gene vale de tous ler biens de cum- pagne tome 1. F 687. wo man eine kurze De ſchreibung des franzoͤſiſchen Waidtbaues fine det. Herr Hellot hat dergleichen auch er theilet. Man ſehe den Auszug aus ſeinem 1750 gedruckten Buche “ Are de la Teinture des laines unter ben Beylagen No. XXVII. Vom Waidte. 47 ben, dergleichen gebuͤrgigte, grieſichte, ſteinigte und ſandigte Felder find, inglei- chen im kalten und feuchten Boden, dergleichen leimichte, thonichte, löthigte Fel⸗ der und kaltwaͤſſerichte Auen find, will er nicht leicht arten; wiewol ich im vorher⸗ gehenden Sauptſtuͤcke beym aten $. angemerket habe, daß er in Thuͤringen vor⸗ mahls auch in ſteinigtem Boden, gegen die fo genannte Dageleite zu, in Menge ſolle ſeyn erzeuget worden, und die darauf gewendete Mühe wohl belohnet haben. Mit der Duͤngung muß man ſich nach der Beſchaffenheit des Ackers und der Be⸗ ſtellung richten. Ich habe nicht noͤthig, hier Anleitung zu geben, was für Arten des Düngers auf einen guten, mittelmaͤßigen und geringen Acker zu erwaͤhlen ſind. Denn dieſes wiſſen gute Hauswirthe ſchon vorhin ohne mein Anführen; und die es nicht wiſſen, koͤnnen ſich aus den vielen Wirthſchaftsbuͤchern, die wir haben, inſonderheit Herrn D. Kuͤnholds Oeconamiz experimentali, den leipziger dconomiſchen Nachrichten, und andern, Raths erholen. Es wird genung ſeyn, wenn ich ſage, daß der Acker, welcher mit Waidt beſtellet werden ſoll, ein ſeiner natuͤrlichen Beſchaffenheit gemaͤſſes Nutriment, und dieſes reichlicher, als wenn er andere Fruͤchte truͤge, bekommen muͤſſe. Ich will aber doch dasjenige, was Crolach von der Duͤngung der Waidtaͤcker erinnert, zum Behuf derer, die der Sprache, worinnen er geſchrieben hat, nicht kundig ſind, einruͤcken, zumal ich dabey noch ein und das andere anzumerken finde, — Indem er von dem Brach⸗ waidte, oder demjenigen, welcher zu Anfange des Fruͤhlinges aufs Brachfeld ge⸗ füct wird, handelt, fo ſagt er, daß einige den Saamen etliche Tage vor der Aus⸗ ſaat einquellen „und Kuͤhmiſt dazu thun lieſſen, damit er deſto geſchwinder aufge: hen moͤchte. Dieſe traͤfen es ganz gut, wenn bald Regen darauf erfolgete. Wenn aber der Regen lange auſſen bliebe, ſo wuͤrde alles, was aufgegangen, von der Sonnenhitze verbrannt. Denn beydes die Kaͤlte und Hitze ſey der aufgehenden Saat ſchaͤdlich. Ich halte von dieſer gekuͤnſtelten Düngung oder J Impraegnation des r (*) nichts, nnd habe dazu Urſache aus einigen im Kleinen gemachten Ver⸗ E 345-069-2040: FFF ) Man kann davon des Herrn Saamenrperk Cap. 8. S. 66. u. f. nachſe⸗ Reichardts Abhandlung von allerhand hen. ; 48 Das dritte Hauptſtück. Verſuchen. Der Hazard iſt dabey allzu groß, indem nicht allein bey erfolgender ſtarken Hitze die Saat verbrennet, ſondern auch bey nachher einfallenden und an⸗ haltenden Regen nicht Wurzel ſchlagen kann, indem ſelbige leicht verfaulet. Erolach faͤhret fort: „Einige pflegen das Brachland im Fruͤhjahre noch zu duͤngen, um deſto mehr Nutzen zu erhalten, und gleich darauf Waidt zu (den; „aber dieſes iſt auf zwiefache Art ſchaͤdlich. Denn erſtlich wird der Acker hierdurch „einer Wieſe ähnlich, und es waͤchſet viel Gras aus den Koͤrnlein hervor, welche unter dem Miſte fid befinden; dieſe wurzeln zugleich häufig mit, und ſchlagen „aus, und man muß das Unkraut hernach mit groſſer Muͤhe ausrotten. Zum andern werden auch die Strohhaͤlngen, die in dem neuen und noch nicht recht verfaufs „ten Miſte (*) find; in der Erndte zugleich mit bem Waidte aus der Erde bets „aus gezogen. Daher ſich hernach der Waidt nicht wohl ballen laͤſſet, weil das „Stroh hindert, daß er nicht feft zuſammen halten kann; zu geſchweigen, daß der „Farbe dadurch viel abgehet, worauf doch hauptſaͤchlich bey dieſem Kraute zu ſehen sit. Wiewol ich dieſes noch einraͤume, daß die Strohhaͤlmgen und Ueberbleib— „fel vom Miſte, welche ganz leicht ſind, oben auf ſchwimmen, wenn der Waidt „in das Waſſer gebracht und gewaſchen wird; unb daß man fie alfo einiger maf „fen wegnehmen und abſondern konne. Es iſt aber doch rathſamer, nicht gleich „mach der Düngung im Fruͤhjahre feld) Land mit Waidte zu beſaͤen, ſondern es lieber auf das folgende Jahr mit Winterwaidte zu beſtellen. Eine andere Sache iſt es, wenn der Miſt ein oder zwey Jahr alt, und alfo recht reif geworden ift, „den man dazu gebrauchet. Auch haben diejenigen dergleichen nicht zu befärchten, „die ihr Land mit Schaafmiſte büngen , alfo, daß fie die Horden auf dem Felde „aufſchlagen, und die Schaafe über Nacht darauf liegen laſſen. Dagegen ſiehet „man darnach die Saat recht häufig aufgehen, und man kann ſich eine gute Ernd⸗ ofc verſprechen. Der andere Vortheil iſt, daß die Schaafe auf ſolchen Aeckern, „die 4-444-444-4444 49499-04949 494 4044-0 (*) WMeberbaupt dienet langſtrohigter und noch nicht verfaulter Miſt nicht auf bit Waibtaͤcker. Vom Waidte. 49 „die mit ihrem eigenen Miſte fruchtbar gemacht find, nicht leicht einigen Schaden „thun, und auch nicht einmal die mit untergewachſenen Kraͤuter, nach welchen ſie „doch ſonſt von Natur Appetit haben, abfreſſen. Denn bey uns, da man das „Vieh auf die Brachfelder treibet, iſt der Brachwaidt der Gefahr, von ſelbigen, „und vornemlich den Schaafen, beſchaͤdiget oder gar abgefreffen zu werden, um vterworfen e.. Wenn die Schaafe kein Salz gelecket haben, fo pfle⸗ „gen fie nicht leicht an dieſes Kraut zu gehen, oder doch nur gar wenig davon ab; vzubeiſſen. Wiewol auch einige mit Fleiß die Herde dann und wann auf den „Acker laſſen, daß fie das Unkraut, das unter dem Waidte waͤchſet, abtveiben ; vda man denn deutlich ſiehet, daß den Schaafen der Waidt von Natur zuwider „fen: da fie hingegen, wenn es nur kein Schaafduͤnger iſt, nach den dazwiſchen „wachſenden Kraͤutern ſehr begierig ſind, und ſolche febr gerne freſſen. Es ift wunderbar „ aber doch der Wahrheit gemäß, daß dieſes Kraut ſolche Kraft zu „färben habe, daß auch das Eingeweide der Schaafe, die vorher davon gefreſſen, vwenn es auf dem Fleiſchmarkte verkauft wird, ganz grün ausſiehet. „(*) Ich erinnere hierbey folgendes: Zufoͤrderſt iſt andem, daß die Schaafe nicht gerne auf den Aeckern anbeiffen, die mit ihrem eigenen Miſte geduͤnget fi nd, und es leh⸗ ret die Erfahrung ein gleiches von andern Viehe; nemlich, daß das Rindoieh und die Pferde nicht gerne von dem Platze freſſen, wo fie hin gepferchet haben, da⸗ gegen die Pferde an das vom Kuͤhmiſte, und die Kuͤhe an das vom Pferdemiſte auf den Angern und Trifften aufwachſende Gras wohl angehen, (**) daher man auch dieſe beyde Arten vom Vieh an vielen Orten unter einander auf die Weide zu ſchlagen pfleget. Es iſt auch wahr, daß die Schaafe nicht leicht den Waidt freſſen werden, weil er ihnen; zu bitter iff, und fie müffen gewiß ſonſt nicht viel --- -- -d d Q0) 0000 OO () Der Herr Prof. Plattner haft. Wenn Roͤthe diefe Wirkung hat, fo bat ift ber Meynung, es koͤnnten aud) bie Ger ſie gewißlich auch der Waidt. beine der Thiere, die davon freſſen, gefaͤrbet N werden; in der Schrift de Nun conformatione (**) S. die leipziger Sammlungen von et celere, Tom. II. Onp. p. Ir. Es iſt ſehr glaub⸗ wirthſchaftlichen Sachen Th. I. S. 776. G 50 ; Das dritte Hauptſtuͤck. viel im Felde finden, mithin der Hunger groß ſeyn, wenn er mit dem Waidte ge⸗ ſtillet werden ſoll. Ich gebe auch ferner gar gerne zu, daß, wenn die Betrei⸗ bung nur pfleglich und nicht allzu knapp geſchiehet, dem Waidte von den Fuͤſſen dieſes Viehes kein Schaden zugefuͤget werde. Allein, da gleichwol die Erfahrung lehret, daß die Schaafe keine gaͤnzliche Veraͤchter dieſer Koſt find, und da die pflegliche und unſchadhafte Behuͤtung der Felder eine den Schaͤfern nicht aller Or⸗ ten beyzubringende Lection iſt: ſo wird es, meinem Beduͤncken nach, beſſer ſeyn, auf die Felder, worein die Trifft gehet, lieber keinen Waidt zu beſtellen, als fol- chen der Gefahr zu exponiren oder an Orten, wo man (tarte Waidtplantagen anrichten will, wo moͤglich, ſolche Veranſtaltungen zu treffen, als ich in der alten gothaiſchen Selooronung vom Jahre 1586 in Rudolphi Gotha diplomatica Th. III. 17. 83. S. 164. gefunden habe. Darinnen iſt den Gemeindehirten, Schaͤfern und Fleiſchern verboten, uͤber die Brachfelder zu treiben, weil durch das Vieh der Waidt abgefreſſen, zertreten und ſehr beſchaͤdiget wuͤrde, bey Stra⸗ fe des Erſatzes des Schadens, und, nach Beſchaffenheit des Frevels, 2. 3. auch mehr Schillinge von iedem Stuͤcke Vieh, auch Erlegung der Beſichtigungsko⸗ ſten. Was uͤbrigens die Umarbeitung des Ackers anbetrifft, ſo meldet Crolach, der Acker müfle 3. 4. 5. auch wohl 6 mal umgepflüget werden, welches ebenfalls (o zu verſtehen iſt, wie es die mannigfaltige Beſchaffenheit des Ackers erfordert. Er faͤhret hernach fort: „Die Furchen werden ganz nahe an einander gezogen; man „muß auch ſehr tief unterpfluͤgen, und die Erde ſo zubereiten, daß es faſt nicht zu „fehen ift, wo der Pflug gegangen ſey. Zu dem Ende pflegen gute Wirthe theils »6 Pferde vor den Pflug ju legen, (% damit durch das tiefe Pfluͤgen die Erde „recht 4459444449449 CCC (*) Dieſes iſt zu verſtehen, wo febr dergleichen man in Holland und Engelland ſchwerer Boden, als in der Gegend ift, all hat, gefuͤhret. An den Orten, wo itzo noch wo ſich Crolach befunden hat. Viel⸗ Werde gebauet wird, pflüget man mit 2 leicht hat man auch zu Crolachs Pferden, es iſt aber auch an ſelbigen Orten Zeiten ſchwerere, und etwa ſolche Pflüge, nicht ſo ſchwerer Boben. Vom Waidte. 51 „recht umgeſtuͤrzet und gelinde werde, und, nachdem die Kloͤßer von der Sonne vgekochet worden, deſto beſſere Früchte hervor bringe, dergleichen wohl beſtelltes „Land bey uns gemeiniglich ſchwarz oder aſchenfarbigt ift, wiewohl eigentlich bey „diefer Arbeit nicht fonderlich auf die Farbe zu ſehen iſt, welche bisweilen ein unge; vwiſſes, oder gar betruͤgliches Merkmal eines guten Ackers zu ſeyn pfleget; (*) vtheils auch das Land umzuhacken, oder mit dem Grabeſcheidte umzugraben, da; „mit ebenfalls das unterſte in die Höhe komme. (**) Denn je öfter und fleißi⸗ „ger das Land umgearbeitet wird, deſto reinere und ſchoͤnere Frucht traͤget es, und vmit deſto wenigerer Mühe kann es von andern ſich einmengenden Kräutern gerei⸗ „niger werden, wenn die Wurzeln derſelben durch den Pflug durchſchnitten, oder „mit dem Grabeſcheidte e da hingegen, wenn dieſe Sorgfalt bey G 2 * A „der ide 09-9909 944 er gen anrichten wollte, gnung Leute darzu vor⸗ handen wären. Ueber den Mangel der Ars beitsleute wird in Thuͤringen an vielen Dr; ten gegruͤndete Klage gefuͤhret, wo man ſich von dem muͤhſamen Waidtbaue laͤng⸗ ſtens los gemachet hat. Der Herr von Hohberg bezeuget anbey, und der Verf. des Buches La nouvelle maiſon ruſtique, tome I. f. 687. bekraͤftiget es, daß der Waidt in neuen, aus Wieſen in Acker verwandelten Gründen, wo man Klee einzuſaͤen pfleget, febr gut gedeihe; allein da koſtets wie; derum viel Arbeit, wegen des Unkrautes. ( Ich meyne, man müſſe fid) hierbey nicht ſowol nach der Oberflaͤche der Erde, (faperficie) als darnach richten, wie tief das Land einerley Guͤthe habe? denn man hat in Thuͤringen ſehr viel ſolche Felder, die obenher gut ausſehen, man darf aber noch nicht ei⸗ ne halbe Elle tief hinein graben, ſo kommt ſchon thonichte oder kalkichte Erde hervor. So viel iſt indeffen gewiß: je tiefer man kommen kann, deſto beſſer iſt es. (***) Eben dieſes, daß es beſſer fep, das Waidtland zu graben, als zu pfluͤgen, giebt ber Herr von Hohberg im adlichen Land, und Seldleben an die Hand, und es wird auch in der erneuerten erfurtiſchen Waidt⸗ ordnung vom Jahre 1704. $. 3 und 4, ſo unter den Beylagen N. XXI. befindlich ift, angerathen. Allein wenn nur auch uͤber⸗ all, zumal daferne man ſtarke Waidtplanta⸗ Wenn nur in Thuͤringen viel Waidt auf wohl geduͤngeten und gepfluͤgten Feldern, dergleichen im Ueberfluß vorhanden ſind, ge⸗ bauet wuͤrde. Zur Vertilgung des Unkrau⸗ tes wurden fic noch wohl Mittel, und auch eher Leute als zum Graben finden. 52 Das dritte Hauptſtuͤck. „der Beſtellung nicht angewendet wird, das Unkraut auf dem Acker ſehr überhand „nimmt. Daferne man aber den ausgeſchlagenen Nafen oft umſtͤrzet, fo ter „den die fremden Wurzeln, welche der Waidt gar nicht vertragen kann, im Som „mer durch die Sonnenhitze, und im Winter durch den Reif ganz gewiß ver⸗ vderbet. » ER? " Was die Beſtellzeit anbetrifft, fo wird der Waidt, nad) Be: ſchaffenheit der Felder, welche man darzu erwaͤhlet, entweder im Winter, im Jenner, wenn es die Witterung geſtattet, in das vor⸗ her wohl zurecht gemachte Land, oder zu Anfange des Merz in die Brache ausgeſaͤet, und untergebracht. Woraus der Unterſchied unter dem Winter⸗ und dem Fruͤhlings⸗ oder Brachwaidte entſtehet. e D E Crolach bat fid) hier nach den dreyerley Arten des Waidtes, nemlich dem Winterwaidt, Brachwaidt, und Compes oder Kompſtwaidt, gerichtet, und wie man ſich mit ieder Art Beſtellung und Erndte gebahre, beſchrieben; ich will aber lieber der natuͤrlichen Ordnung nachgehen, und zu dem Ende erſt von der doppelten Beſtellung des Waidtes, und hernach von der Erndte abſonderlich handeln. Von der erſten Beſtellung redet eg alſo: „Die erſte Art ift, die im Winter, vor oder „nach Weyhnachten geſaͤet wird, nachdem vorher der Acker im Herbſte zu dem „Ende fleißig umgearbeitet und zurechte gemacht iſt, alſo, daß das Waidtland, „ehe es beſaͤet wird, und ehe der Saame aufgehet, unter den andern beſtellten „Aeckern ganz wuͤſte und ungebauet zu ſeyn ſcheinet. Und wenn es ſich auch zu⸗ »ftüge, daß das ganze Erdreich mit Schnee bedecket wäre, ſo wird nichts deſto⸗ vweniger die Aus ſaat auf den Schnee verrichtet, doch alfo, daß der Saame Dich» „fe ausgeſtreuet, und, wenn die Kälte vorbey und der Schnee zergangen ift, un ztergeeget werde. Immittelſt pflegt man die größten Kloͤßer, Pr die Saat in nih⸗ Vom Waidte. 1 98 v ihrem erſten Bachsthume hindern konnten, mit einem hölzernen Inſtrumenke zu ; „jerftoften. Es ift faft als ein Wunder anzuſehen, daß zur Winterszeit i in dem „haͤrteſten Froſte, wenn die Leute an andern Orten entweder Kirmeß halten, oder „hinter dem Ofen faullenzen, oder unter dem Dache auf der Tenne dreſchen, un⸗ „fere Bauern alsdenn mitten in der Kälte den Saamen ausſtreuen. Es geſchie⸗ „het aber ſehr oft daß, wenn der Winter gar zu lange anhält vornemlich bey „gar zu trockenen Winden, zumal, wenn der Saame noch nicht recht Wurzel ge⸗ yſchlagen, oder, wenn die Saat das Land noch nicht vollig bedecket, alles das, „was auf dem Acker hervor gewachſen ift; verſchwindet, und unſichtbar wird, weil das Kraut, „wenn es zart iſt, von dem Froſte gar leicht gedruͤcket werden ann. Faſt eben dergleichen Schaden ift zu der Zeit auch von gewiſſen Würmlein „und Ungeziefer zu befürchten, dergleichen die Erdfloͤhe find, welche das Kraut nach und „nach abfreſſen, und alfo die junge Saat verzehren und verderben. Es giebt auch „gewiſſe Spinnen, welche die hervor ſproſſende Blaͤtter durchſtechen und beſchaͤdi⸗ „gen, ja wohl gar zernichten. Ich habe hiernaͤchſt vor 2 Jahren, da das Kraut yſchon reif war, eine erſtaunende Menge Raupen das Feld ploͤtzlich überziehen geſe⸗ „hen, welche bald die ganze Frucht abnageten, und nichts, als ein unbrauchbares „Straͤuchlein, übrig lieſſen. (O) Bey ſolchen ſchuͤdlichen Zufaͤllen muß das Feld fo. oft wiederum vom neuen beſaͤet werden, fo oft fid) dieſes Unglück ereignet. 95 IH G 3. Wenn er): Gas bem aufgehenden Waidte, der im Fruͤhlinge geſaͤet wird, der Erdftoh ge faͤhrlich fe9 » das wiſſen diejenigen aller⸗ dings, die ihn noch bauen. Daß ihn aber Raupen und Spinnen abfreſſen ſollten, da⸗ von weiß man faſt kein Exempel, als in dem 37478. Jahre, da er von Raupen ſoll be⸗ ſchaͤdiget worden (enn. Vielleicht iff es eben ſo etwas Seltenes, als daß in dem titzo zu Ende gehenden 175168 Jahre in gar vielen thüringiſchen Fluhren die Gerſte und der Hafer, eben da bene geſchoſſet gehabt, von einer grünen Raupe, welche der Kraut⸗ raupe aͤhnlich geweſen, verderbet worden, deſſen ſich ebenfalls die aͤlteſten Hauswirthe nicht erinnern koͤnnen. Bey dem Winter⸗ waidte hat man den Erdftoh nicht zu be; fuͤrchten, auch ſehr ſelten bey dem Fruͤhlings⸗ waidte, wenn der Saame zeitig in die Erde gebracht wird, ES 54 Das dritte Hauptſtuͤck. „Wenn aber alle dieſe Beſchwerden überwunden ſind, wenn dieſes Gewaͤchs aus⸗ „geſchlagen, und Blaͤtter gewonnen, wenn es vornemlich nur erſt vier Faͤſerlein „hat, und einen Finger breit über die Erde hervor raget: fo wird es von allen Ars „een anderer Kräuter oder Stauden gereiniget. (“) Denn man raufet mit den „Haͤnden Diſteln, Dornen, Kletten, Semſen und anderes Unkraut, welches „häufig darunter waͤchſet, ſammt der Wurzel aus, und füttert ſolches für das „Vieh. Wiewohl einige die zarten Diſteln entweder nicht ſo ſorgfaͤltig ausgaͤthen, „oder mit Fleiß ſtehen laſſen, um dieſer Urſache willen, weil man ſagt, daß fie „dem Waidte in der Farbe etwas helfen. („*) Das hat aber keinen Grund, und „ich glaube, man will nur die Nachlaͤßigkeit damit entſchuldigen. Man ſiehet oft „auf einem Stuͤcke zwanzig oder mehr Leute, die taͤglich zu ſolcher Arbeit gedungen „werden. Gemeiniglich ift das eine Arbeit für Jungen, Maͤgdlein, oder arme „Weiber, welche oft, wenn ſie damit nichts verdieneten, erfrieren und verhun⸗ „gern muͤßten. Die Eltern, die ſonſt andere Arbeit zu verrichten haben, halten „alſo ihre Kinder hierzu an, damit ſie fid) bey ihrer Duͤrftigkeit ein Stück Brodt „verdienen. Wenn aber vor oder nach dieſer Reinigung das Unkraut auf dem „Acker uͤberhand genommen hat, ſo iſt kein anderes Mittel, als daß man noch ein⸗ „mal umpfluͤget, bis alle andere Wurzeln ausgerottet ſind, und hernach vom „neuen ſaͤet. (** „ a Von J 8 (*) S. die erneuerte erfurtiſche Weide: ordnung vom Jahre 1704. No. XXI. $. 5. ( **) Sch babe ſchon oben im erſten Haupt⸗ ſtuͤcke $. 3. S. 17. gezeiget, daß dieſes grund⸗ falſch, und dem Waidte in der Farbe ſchaͤd⸗ lich, mithin nicht zu dulden ſey; wie es denn aus keiner andern Urſache geſchiehet, als daß die Waidtbauern Mw mehr Ballen machen koͤnnen. N (**) Der Waidt erfordert alſo vielen Fleiß. Die Anwendung deſſelben iſt ein be⸗ waͤhrtes Mittel wider das Umpflügen we gen uͤberhand genommenen Unkrauts, wo⸗ durch eine Waidterndte verlohren gehet. Im uͤbrigen will ich hier nur mit wenigem erinnern, daß des Herrn Amtmann Herzogs neue Art der Ackerbeſtellung viclz leicht beym Waidtbaue ihren Nutzen vor⸗ zuͤglich erweiſen dürfte; immaſſen es glaub; haft Vom Waidte. 55 Von der andern Veſtellung heißt es: „Die andere Art wird im Som⸗ „mer (*) oder Fruͤhlinge geſaͤet, erfordert nicht (o viel Muͤhe und Arbeit, und ift der erſten bisweilen an Guͤthe gleich, auch wohl manchmal noch beſſer. Der „Winterwaidt wird drey⸗ bis viermal eingeerndtet, dieſer aber meiſtens zwey⸗ oder „auch dreymal. Allein wenn der Reif im Herbſte in beyden Arten die Farbe aus⸗ „gezogen hat, alſo, daß eine bloſſe grüne Farbe heraus koͤmmt, welche die Käufer „wicht achten; fo wird die muͤhſame Handthierung bey dieſem nur mit zwiefacher, „bey jenem nur mit dreyfacher Erndte belohnet, und dem ohngeacht iſt ſie nicht oh⸗ „ne Profit. Dieſer Waidt wird auf das Brachfeld geſaͤet, welches im Lateini⸗ „fehen von der Erneuerung und Ruhe den Nahmen führer, weil es ein Jahr lang ,unbeftellt liegen bleibt, damit es erneuert werde; und weil die Erde gleichſam vausruhet, dani a durch Misses — alle I Krafte und — er⸗ t Don dem Saamen eti Crolach dabey folgendes an: „Zu dieſen „beyden Saaten wird der beſte Saame ausgeleſen, nemlich der, welcher am „fehwärzeften ſiehet, und am reineſten iſt. Denn es ift eine Sache von nicht ge ringer Wichtigkeit, daß ein Landmann, wie bey andern zu erbauenden Früchten, valſo vornemlich bey dieſer, auf alle Art und Weiſe für den kuͤnftigen Saamen vote „aus beſorgt ſeyi. Die ſich nun die Sache ſonderlich angelegen ſeyn laſſen, die „ftellen folgende Unterſuchung an, und verfahren alſo: Sie faffen einen Theil des „Saamens in ein wollenes Tuch zuſammen, hernach ſchuͤtten fie ihn wieder aus. „Wenn nun fremde Koͤrner mit darunter ſind, ſo haͤngen ſie ſich an das wollene „Tuch an, und werden auf ſolche Art "die S s bedienen fie fich eines ; n haft ift, daß dadurch das Unkraut am os Ken, zum Stocken und zur niß gebracht werden koͤnne. herausgegebene Veuenedeckte Faͤul⸗ Ich be. ziehe mich auf ſeine im Jahre 1740 Oberflaͤ⸗ che der Erden auf dem Aaelende S. 15. (* 2. Die Sommerbeſtellung möchte wohl, allzu fpäte, und aus verſchiedenen Urſachen nicht vafbíam fein h 123/90 8r 56 Das dritte Hauptſtuͤck. „Siebes, wodurch der andere Saame ausgeſchloſſen wird. Einige raufen bie ans „dern Kroͤuter mit den Händen aus, wenn der Saame noch im Keimen iſt. Ans „dere faffen den Saamen, ehe er geſaͤet wird „ von ihren Leuten reine leſen. „ Dieſem finde ich noch folgendes anzufügen. Heute zu Tage wird in Thuͤringen faſt durchgehends nur Fruͤhlingswaidt in die Brache geſaͤet. Da nemlich der Waidtbau duferft verfallen, fo haben gewiſſe gothaiſche, und ſehr wenige erfurti⸗ ſche Dörfer (*) denſelben bis hieher noch fortgeſetzet, wozu ſie, wie ich ſchon oben im zweyten Hauptſtuͤcke . 2. angeführet habe, theils die Guͤthe ihrer Aecker, wel⸗ che eine fo ſtarke Soͤmmerung nicht nur vertragen, ſondern auch erfordern; theils die auf dieſen Aeckern haftende beträchtlichen Erbzinſen gezwungen; ſonſten vielleicht der ganze thuͤringiſche Waidtbau laͤngſt eingegangen ſeyn wuͤrde. Ich weiß nur ein einiges Dorf, wo man noch Winterwaidt erzielet, und da wird der Saame i im Januario oͤfters noch auf den Schnee ausgeſtreuet; (wie man etwa an ſolchen 5 Orten, wo viel Zwiebeln gezeuget werden, (**) verfaͤhret,) und er bleibt oft viele Tage legen, bis Than bas — Simon Wetter ( - untereegen kann. An | der pesto 0-05 65 Im Jahre 1747 habe ich 12 got$at^^ ( Dieſes geſchiehet in Thüringen; ſche und 2 angraͤnzende erfurtiſche Doͤrfer ſonderlich im Dorfe Schwerſtedt bey Gebſee, gezählet, wo noch Waidtplantagen anzu- welches davon gute Nahrung hat. ö treffen waren. Die ſtaͤrkſte iff zu Friemar. E NEHBENIEHEUNNUURERREN RE Von dieſem Dorfe wird noch daneben vieler Flachs erbauet, und, wie man mich verſi⸗ l chert hat, in einem Jahre fuͤr mehr als 4000 Thlr. Leinſaamen ausgeſaͤet. Man weiß die Guͤthe des dorten und an andern umliegenden Orten, ſonderlich zu Molſchle⸗ ben, erbaueten Flachſes wohl; man weiß auch daß an dem gothaiſchen Orte, Frie⸗ gerode, jährlich für mehr, als 100000 Thlr. Garn gebleichet werde. Allein man klaget babep, daß es an geſchickten Fabricanten fehle, und daß daher viel gebleichtes Garn auswaͤrts verfuͤhret werde. (P Der ungenannte Verfaſſer derer An⸗ merkungen, welche an Crolachs Büchlein, de cultura herbae Ifatidis‘, zu Erfüllung des Raums angehaͤnget find, wirft gleich anz faͤnglich eine curieuſe Frage mit dieſen Wor⸗ ten auf: Hier kann man unterſuchen, wenn die Erde zugefrohren, oder ſtark mit Schnee bedecket wäre, ob man die Arbeit des Pfluͤgens auffchieben folie, oder ob auch das gefrohrne Erdreich umgerlſſen werden konne ? Sie iſt mit den obigen bte) Worten zur Gnüge beant⸗ wortet worden. Vom Waidte. $7 der Guͤthe des Saamens ift viel gelegen, daher auch in der erneuerten erfurti⸗ ſchen Waidtordnung vom Jahre 1704. S. 1. dißfalls Verſehung geſchehen iff, Vor Zeiten hat man auf einen Acker eben ſo viel Saamen genommen, als man von andern Fruͤchten ausſaͤet; itzo aber rechnet man nur den vierten Theil vom Saamen, dergeſtalt, daß, wenn auf einen Acker 1 Scheffel Rocken geſaͤet wird, fo betraͤget es an Waidte 1 Viertel. Er kann ſich ſolchergeſtalt beffer ausbrei⸗ ten, und wird groͤſſer in Blaͤttern; wie denn manche Staude an 200 Blaͤtter hat. Ich habe gefunden, daß man an etlichen Orten Heckerling unter den Saamen miſchet, damit er nicht, weil er leichte iſt, beym Ausſtreuen auf ei⸗ nen Fleck zuſammen fallen möge, Denn er wird nicht aus der Huͤlſe ausgemacht, fondern, wie etwa Der überall bekannte Meldenſaamen, mit den Huͤlſen ausgefäct, Dieſe Huͤlſen find an Farbe theils blaulicht braun, theils weißlicht, theils auch weiß und blaulicht braun meliret. In der Mitte dieſer Huͤlſe lieget das Saamenkoͤrn⸗ lein, welches dem Saamenkorne von der Gartenkreſſe aͤhnlichet. Er lieget etwa 4 bis 5 Wochen in der Erde; wenn er aufgehet, ſo hat er 2 kleine Blaͤttergen, wie Sallat, nur iſt er viel dunckler an der Farbe. Wie der Saame erzielet und ver⸗ wahret werde, davon fol weiter unten im sten S. Meldung geſchehen. Florinus, Coler, Marperger im Kaufmannsmagazine u. a. m. ſa⸗ gen, der Saame ſaͤhe wie ein Gerſtenkorn aus; man wird aber nicht die geringſte Aehnlichkeit zwiſchen beyden finden. F. N Die Waidterndte beſtehet in Abſonderung des Krautes oder der Blaͤtter von der Wurzel, und geſchiehet in Thuͤringen, bey dem im Winter geſaͤeten Waidte, drey⸗ bis viermal, (*) bey dem im Fruͤhlinge geſaͤeten aber zwey ⸗ bis dreymal in einem Jahre. Der EEE (* Der vierten Erndte haben fid) bie, beſſer, als die Herbſt⸗Erndte derer, bie ihn fo Winterwaidt bauen, auch nur febr fer im Srühlinge ſaͤen. ten zu erfreuen; ihre dritte Erndte aber iſt 58 Das dritte Hauptſtück. | „ % rw Der Herr von Hohberg ſaget zwar an dem mehr angeführten Orte auf der 87ten Seite, daß man den Waidt in einem Sommer 4 bis ; mal ſtoſſen koͤnnte; allein daß dieſes nicht von dem thuͤringiſchen zu verſtehen fen, das erklaͤret er im folgenden, da es alſo heißt: „In Teutſchland wird das Kraut meiſtentheils „dreymal im wachſenden Monden abgeſtochen. „ Denn hierinnen haben wohl die franzoͤſiſchen und italieniſchen Plantagen etwas vorzuͤgliches vor dem teutſchen Waidtlande, Thuͤringen, daß jene, (damit ich alſo rede,) mehr Ausbeute, als dieſes, geben. (“) Ich will hier dasjenige, was der Verfaſſer des Buches: Ars tinctoria experimentalis, auf der 236. und folgenden Seiten von den franzoͤ⸗ ſiſchen Plantagen berichtet, einruͤcken. Er bezeuget nemlich, daß der Saame. zu Anfange des Merzmonats ausgeſtreuet, und das Kraut alle Jahre viermal ein⸗ geſammlet werde. Und wiewol die erſte Einſammlung zum oͤftern beſſer waͤre, als die andere, die andere beſſer, als die dritte, die dritte beſſer, als die vierte; ſo be⸗ gegnete doch oftmals das Gegentheil, nachdem entweder der Fruͤhling auch eben zu der Zeit, wenn er eingeſammlet wuͤrde, zu feuchte, oder nachdem die andern Jah⸗ reszeiten mehr temperirt, waͤrmer und trockner waͤren. Denn indem die allzu groſſe Feuchtigkeit die Blaͤtter des Waidtes viel groͤſſer und dicker macht, vermin⸗ dert ſie zugleich die Kraͤfte derſelben. Ueber dieſe vier gute Einſammlungen des Waidtes wuͤrde von einigen Bauersleuten noch die fuͤnfte, und manchmal auch die ſechſte gehalten, ſo man insgemein Marouchin nennete. Und obwol zuwei⸗ len die fuͤnfte Einſammlung ziemlich gut fiele, wenn der Herbſt warm und trocken waͤre, fo taugete doch die fechfte Einſammlung immer nichts oder gar wenig, weil die Sonne um dieſe Zeit ſchon allzu niedrig ſtuͤnde, die Blaͤtter des Waidtes zu | zei⸗ ee (*) Ich laſſe an feinen Ort geſtellet, in franzoͤſiſche und andere ausländifche Waidt wie ferne das Vorgeben Laurentii Niskae dem thuͤringiſchen an der Guͤthe nicht zu in dem am Ende dieſes Buches befindlichen vergleichen ſeyn folle, M ydtbedencken gegründet fen, daß der Vom Waidte. 59 zeitigen, und denſelben die nöthigen Kraͤfte zu geben. Hiermit ſtimmet überein der Verfaſſer des Buches La nouvelle maifon ruſtique tome I, f. 687. Doch wir wol⸗ len alles, was bey Einſammlung des Waidtes und deſſen erſten Zubereitung in Obacht zu nehmen, ſowohl wie das Waidtland von Zeit zu Zeit tractiret wird, naͤher betrachten. | $ 4. | Die erffe Erndte des Waidtes erfolaet, wenn die Blätter uͤber eine Spanne lang ſind, und die aͤuſſerſten gelb zu werden be⸗ ginnen. Es werden nemlich alle Blaͤtter der Pflanze, mit beſonders hierzu gefertigten ſcharfen Eiſen, von der Wurzel „ohne ſolche zu beſchaͤdigen, bey gutem Wetter abgeſtoſſen, in breiten Koͤrben Hau⸗ fenweiſe zuſammen getragen, auf Waͤgen zum Waſſer gefuͤhret und reine abgewaſchen, ſodann auf einen trockenen Raſeflecken, gemei⸗ niglich allernaͤchſt den Waidtmuͤhlen, duͤnne ausgebreitet, mit ei⸗ nem Rechen, bey gutem Wetter, zwey⸗ bis dreymal gewendet, damit er in etwas welcke. Nach dem Abſtoſſen wird der Acker mit der Ege beſtrichen, ſodann gegaͤtet, und die Erde um die Wurzel herum aufgelockert; und zwar, nach dieſem erſten Stoſſe, nur mit einem Holze, weil die Wurzel noch zart, mithin alle Behutſamkeit anzuwenden iſt, damit ſie nicht beſchaͤdiget werde. Hernach wird der Acker noch einmal geeget, da er denn ſo glatt und eben, wie ein Garten⸗Gebeete ausſiehet. o 0 8 Gemeiniglich faͤllt die erſte Erndte des Waidtes, (*) der im Winter geſaͤet Y 2 iſt, III (%) Dieſer Waidt wird in Thüringen Sommerwaidt genennet. 60 Das dritte Hauptſtuͤck. ift, nach Pfingſten, des im Fruͤhlinge geſaͤeten aber nach dem Tage Jo⸗ hannis. (*) Es iſt wohl darauf zu ſehen, daß er recht reif, und daß er nicht übrig reif (cj. Die Urſachen werden in der erfurtifchen Waidtordnung vom Jahre 1704. S. 6. angezeiget. Aber, wer ſiehet denn allenthalben darauf? (*) Crolach giebt drey Merkmaale an, woran man wiſſen kann, daß die Erndte vor⸗ handen fep: 1) Wenn die aͤuſſerſten Blätter gelb werden, und abfallen; 2) wenn die Staude ſich auf der Erde ausbreitet, und wenn es damit bis auf das andere Glied, wie man ſaget, gekommen iſt; 3) wenn er anfaͤngt, einen Geruch von ſich zu geben. Die Eiſen, deren man ſich dabey bedienet, werden Stoßeiſen ge⸗ nennet. Von dem Einſammlen, Waſchen und. Trocknen des Waidtesſ hat Crolach folgende Nachricht ertheilet: „Man bedienet ſich der Waidtkoͤrbe, „die von haͤſelnen Ruthen geflochten ſind, das Kraut zu ſammlen, und in Haufen „zu ſetzen, und, wenn die Arbeiter von der Nacht uͤbereilet werden, ehe fie es weg⸗ yſchaffen koͤnnen, fo muͤſſen die Haufen wieder aus einander gebreitet werden, da⸗ „mit es nicht gar zu heiß werde, und zu faulen anfange. Ferner wird der Waidt „auf Wagen geladen, und an einen Ort gefuͤhret, wo er fuͤglich kann gewaſchen „werden. Wenn er nun an dem Ufer des Baches abgeladen iſt, ſo ſind Leute „vorhanden, die ihn mit Karſten ins Waſſer tauchen. Ein anderer, der in dem „Bache ftehet, fängt ihn mit einem Harken auf, und reiniget ihn von allem Rothe, „Damit aber nichts von dem Kraute mit fort ſchwimme, ſo wird ein hoͤlzerner Re⸗ „chen vorgeſetzt, der ihn aufhaͤlt. Hier iſt auch eine beſondere Art eines Wagens „tu ſehen, der vorne ein kleines Rad hat, mit welchem er herum getrieben „wird. Der Wage ift in der Forme eines halben Circuls, aus haͤſelnen oder Wei⸗ b ne DRITT I IDG (*) In Frankreich, wo man mehr () Wenn der Bauer Geld braucht, fo Erndten vom Waidte hat, fallt bie erſte eilet er, daß er feine Fruͤchte zu Gelbe ma: Erndte des imMerzmonat ausgeſaͤetenWaid⸗ chen kann. Ein neuer Beweis, daß die tes, in warmen Gegenden, gegen den gten Waidtplantagen nicht dem eigenen Gefallen April. S. La nouvelle maifon ruſtigue tome des Landmannes ohne alle Aufſicht P über: I. f. 687. laſſen find, Vom Waidte - 61 „Weidenholze, ſo, daß alle Feuchtigkeit leicht abtraͤufeln kann, faft wie ein Vo⸗ „gelhaus geflochten; auf denſelben wird der gewaſchene Waidt gebracht, und auf „die naͤchſten Raſeflecken gefuͤhret. Daſelbſt ſtreuet man ihn mit einer Gabel „herum, und man breitet und wendet ihn fo lange mit kleinen Harken an der Son: ne oder an der Luft, bis er ein wenig trocken zu werden beginnet. (*) Bey dem „Trocknen muß man beſondere Sorgfalt gebrauchen, daß man es auf keine Weiſe „oerfehe, Er darf nemlich weder allzu duͤrre, noch allzu feuchte ſeyn, wenn er veingeſammlet wird. Denn, wenn er gar zu febr verdorret ift, fo wird er auf „der Muͤhle ſehr weich, und fällt zuſammen. Das geſchiehet auch, wenn man vihn im Felde nicht recht reif hat werden laſſen. Daher buͤſſen die Landleute viel »ein, weil er nach dem Gewichte verkaufet wird. (* *) Hingegen, wenn er nod) zu gruͤn und feuchte iſt, und alſo auf die Muͤhle kommt, ſo koͤnnen die haͤr⸗ „teen Theile deſſelben nicht recht erweichet werden; und daher gilt er auch deſto we⸗ niger. Wenn der Waidt gar zu ſehr iſt beregnet worden, ſo kann er leicht ver⸗ faulen, und feine Farbe verlieren. Bey dem Mahlen ift das ein Geſetz, daß, Lue Tei zu der en qoi ift, auch zuerſt i in der Muͤhle ee ! yw 3 get CCC (*) Ich will hier zweyerley aus dem Bu⸗ che Ars tiuctoria experimentahs einruͤcken: Erſtlich heißt es S. 238. Es wird kein „Bauer gefunden, der nicht wuͤßte, wann „der Waidt zeitig iſt, und wann ſolcher muß »„eingeſammlet werden; Aber es werden „vielleicht wohl einige gefunden, die nicht »wiſſen, warum man die Blätter deſſelben „einige Zeit verbluͤben laͤſſet, ehe man f ie „eben deshalben geſchiehet, damit ſie befto „zeitiger werde, und einen Theil ihres oͤh⸗ a „lichten Saftes, : „koͤnnte, verliere, „ ſo ihrer Guͤthe ſchaden Sodann heißt es S. 241. „Man muß wohl acht haben, daß „man den Waidt nicht mit dem Thaue ein, „ſammle, oder einige fremde Kräuter unter „den Blättern mitnehme, weiln ihm ber gleichen hoͤchſt ſchaͤdlich und zuwider iſt, „und die fremden Blätter keine Farbe geben, „ſondern vielmehr das Weſen und die Kraft „des guten Waidtes um ein ziemliches hin⸗ i T weg freſſt en und verzehren. »germablet oder zerſtoͤſſe et, welches aber ET (**) Itzo wird er nicht mehr nach dem Ge⸗ wichte verkauft; es entgehet aber auch dem allzu ſehr verdorreten Waidte viel Ar aft zum Faͤrben. 62 Das dritte Hauptſtuͤck. „get werde, nach dem bekannten Spruͤchworte. (*) Wenn nun die Sonne gar „zu heiß ſcheinet, und alfo zu befürchten ift, er möchte allzu duͤrre werden, fo wird „das, was noch friſch iſt, mit dem in groſſer Hitze getrockneten wieder vermenget, „damit das allzu ſehr verbrannte und duͤrre einiger maſſen wieder Kraft bekomme, „und angefriſchet werde; wie ein muͤder Wandersmann, der nun ganz von Kraͤf⸗ „ten gekommen ift, ſich bey einem vorbey flieſſenden Bache, oder ſonſt durch an „deres Getraͤnke zu erholen ſucht, und den Durſt ſtillet. Es iſt zu verwundern, daß „auf dieſes einzige Kraut fo viele Feinde loßgehen. Wenn es in der Waͤſche ges „weſen, und an der Sonne ausgebreitet iſt; fo kommen gewiſſe Wuͤrmer aus den „Höhlen der Erde herzu gekrochen, und benagen daſſelbe. (*) „ Es ift eine Nach⸗ richt, deren Andenken deſto mehr erneuert zu werden verdienet, je mehr ſie fuͤr das alte Thüringen ruͤhmlich, gleichwol aber gänzlich in Vergeſſenheit gerathen ift, (***) welche Crolach von denen Zeiten, da er ſein Buͤchlein geſchrieben, ertheilet hat. Man kann daraus abnehmen, in was fuͤr groſſer Menge der Waidt damals er⸗ bauet worden, und wie dieſer Waidtbau nicht nur Einheimiſchen, ſondern auch Auswaͤrtigen, ganz beſondere Nahrung gegeben habe. Sie lautet alſo: „Ehe „die Waidt⸗Erndte angehet, kommt eine ſehr groſſe Menge Volks aus der Frem⸗ „de zugelaufen, die man Polacken nennet. Es ſind aber eigentlich Leute aus „der Gegend von Löbau und Luccau in der Niederlauſitz, (Wenden) die find fo ‚fleißig und unermüdet in der Erndte, daß fie kniend in wenigen Tagen etliche „Acker e- 0 0.0. 444940944 044-4 4 H- e ge e Qon (* Diefes Geſetze ceßiret itzo gaͤnzlich, da das Gedraͤnge nicht mehr ſo groß, wie vormals, (t. () Diefe Feinde muͤſſen ſich verlohren haben, da ſich die Menge der Waidtbauere verlohren hat. An den wenigen Orten, wo man ihn noch bauet, weiß man nichts von dieſen Würmern. Man läßt ihn auch nicht ſo lange mehr an der Sonne liegen. (A* Coler gedencket noch dieſer Colo⸗ nien zu ſeiner Zeit, das iſt, zu Anfange des vorigen Jahrhunderts z, im Hausbuche B. V. C. 86. S. 188. Es kann ſeyn, daß dieſe Leute zur Zeit des dreyßigjaͤhrigen Krieges weggeblieben, und hernach gar nicht wie⸗ der gekommen ſind; wie denn der Waidt⸗ bau durch dieſen Krieg auch ſehr in Abnah⸗ me gekommen iſt. Vom Waidte. 63 Acker ; abſchneiden koͤnnen. Ihrer funfzehen oder mehr ſetzen einen uͤber ſich, den „fie den Schiffmann nennen, und als ihren Vorgeſetzten ehren, nach deſſen Vor⸗ „fchrift fie fi) bey der Arbeit meiftens richten. Dieſe Schiffer vermiethen ſich, welches ihnen vornehmlich zukommt, und bedingen ſich unter andern aus, daß „ihnen unter der Arbeit Eſſen und Trincken gereichet werde. Wenn aber einige „der Unſrigen zu genau find, fo gehen fie dieſe Bedingung nicht ein. Alsdenn tra⸗ „gen jene einem aus ihren Mitteln, den ſie den Schaffner oder Ausgeber nennen, „auf, daß er für die Soft ſorgen folle, damit die Arbeit nicht gehindert werde. Es „werden ihnen Geſetze und Regeln vorgeſchrieben, wie ſie ſich unter uns zu vers „halten haben. Dieſe Geſetze find durch churfürſtlich⸗ und fuͤrſtlich⸗ſaͤchſiſche Bes „fehle unter ihnen guͤltig gemacht. Ehe fie wieder abziehen, werben fie alle zus „ſammen berufen, und, wenn einige Schulden gemacht haben, fo müffen fie ihre „Gläubiger befriedigen. Wenn ſie aber nicht gehorſam ſeyn wollen, fo wird es vihnen am Lohne abgezogen. Bey ihrem Abſchiede aus unſern Staͤdten und Doͤr⸗ „fern kommen alle Schiffer zuſammen, und ſuchen fich in einem öffentlichen Wirths⸗ „haufe eine Gelegenheit aus zu einem Schmauſe; Sie müffen aber von der Obrig⸗ keit des Ortes Erlaubniß darzu erhalten. Und dieſe wird ihnen fo ferne erthei⸗ „let, wenn fie nicht betrunckener weiſe Schlaͤgerey anfangen, auch ſonſt nichts zunbilliges und unerlaubtes vornehmen wollen. Dieſem unterwerfen fie fic), und „bringen einige Tage in Froͤhlichkeit zu; da denn eine Fahne zum Fenſter heraus „gehänget iſt, an welcher verſchiedene Werkzeuge, die fie bey ihrer Arbeit brat „chen, angemahlet zu ſehen find. Die Arbeit iſt ihnen gleich eingetheilet, und „nenn einige nicht das ibrige emſig verrichten, ſo werden fie verachtet und ausge⸗ „lacht, „ | $& F. Wenn nun der gewaſchene Waidt wiederum getrocknet ift, (o wird alsbald bie erfte Zurichtung oder Bereitung (*) vorgenom⸗ men, 00-00-0000 104-00444)9-49499-044-4-9:4- 004 2449 (*) Es heiſſet zwar das, was von dem Landmanne mit dem Waidte vorgenommen wird, 64 Das dritte Hauptſtuͤck. men. Dieſe geſchiehet alſo: er wird zufoͤrderſt, vermittelſt eines groſſen Steins „welchen zwey Pferde, oder auch das Waſſer in ei⸗ ner dazu bereiteten Waidtmuͤhle herum treiben, zerknirſchet und ge⸗ mahlen, ſodann Haufenweiſe zuſammen gelegt und in einander ge⸗ treten, und, wenn er Tag und Nacht alſo gelegen, in Baͤlle zuſam⸗ men gedruͤckt. Dieſe Baͤlle werden auf breite Horden von Binſen, oder auch an einander gefuͤgete Latten, ausgeſetzet „damit (ie an der Sonne trocknen; ſodann auf luftigen Böden eine Elle hoch uͤber einander aufgeſchuͤttet, und, wenn er fid) erhitzet, zu rechter Zeit gewendet, davon ſie verrauchen, einſchrumpfen, und hart werden. : D 5 V. Aus bem Buche Ars tinctoria experim. S. 238. ift zu erſehen, daß man in Franckreich bie Gewohnheit babe, den Waidt in gewiſſen Trögen zu zerſtoſſen, und, che er geballet wird, acht bis sehen Tage in den Stoß⸗Troͤgen liegen zu laſſen, da denn die uͤbrige Feuchtigkeit des Waidtes durch die Spalten und Ritze, ſo taͤglich in den Stoßtroͤgen gemachet werden, abtroͤpfeln. Allein von dieſer Art, den Waidt zu bereiten, weiß man in Thuͤringen nichts. Man verfaͤhret aber auch in Franckreich an manchen Orten mit der Bereitung des Waidtes eben ſo, wie bey uns, / in Thüringen, und bedienet fich zu Zerquetſchung der Blaͤtter ebenfalls, wie bey uns, der Roßmuͤhlen, wie aus dem Buche: La nouvelle maiſon ruſtigue To- me 1. f. 688, erhellet. A hat man in Thüringen zweyerley Arten von Muͤh⸗ N len CCC wird, nicht eigentlich die Bereitung; es iſt reitung, hat, die den Waidthaͤndlern in den aber doch eine Bereitung; und ich will da- Staͤdten eigen und vorbehaͤltlich iſt, zum her dieſe Arbeit, weil ſie weniger Kunſt, als Unterſchiede die Fe Sertiduts nen⸗ die eigentlich fo genannte kuͤnſtliche Zube, nen. Vom Waidte, | 65 len (*) gehabt. Crolach beſchreibet fie alfo: 5 Die eine Art befindet fid) uns „ter dem Dache, und wird auf folgende Art vom Waſſer getrieben: Auswen⸗ „dig fängt das Waſſer⸗Rad den darauf flieſſenden Bach auf; dieſes treiber inwen⸗ „oig ein anderes Rad herum, welches daran gefuͤget iſt, und in der Mitte ſteht; „endlich ift das dritte quer über an dieſes gefuͤget. An demſelben find unterſchie⸗ „dene Sproſſen oder Zähne von ſehr hartem Holze, gemeiniglich 132 oder auch mehr, und es hat damit faſt eben die Bewandniß, wie in Belagerung der Staͤd⸗ „te und Feſtungen, da man auf gleiche Weiſe das Getreide auf einer Art Muͤh⸗ len, die von Pferden getrieben werden, mahlen, und zur Speiſe bequem machen „läßt, Dieſes Rad gehet in einem ſehr feſten Balken herum, der unten aufſte⸗ „het; oben aber ift er mit den ſtaͤrkſten Bohlen verwahrt, und ein groſſer Stein „befindet ſich daran, welcher den aufgeſtreueten Waidt zerreibet. Die andere „viel bekanntere und gewoͤhnlichere Art wird von Pferden unter freyem Himmel im „Creyſe herum getrieben. Der Voden iſt mit gekerbten Steinen gepflaſtert, und „man ſiehet einen ſehr groſſen und ſchweren rundten Stein, (**) ſechs bis fies „ben Schuh hoch, und eine halbe Elle dicke; am Ende, wo der Stein herum ge— „drehet wird, ift er auch wie eine Säge gekerbet, und es find gemeiniglich 32 Zähs „ne an einem. Einige wollen dieſe Art der erſtern vorziehen, um deswillen, weil, „nach ihrer Meynung, durch Huͤlfe der Sonne oder Luft, die Feuchtigkeit, die „ver Farbe noch ſchaͤdlich ſeyn koͤnnte, gar leicht ausgezogen wuͤrde, indem die „Sonne den Waidt ſchwaͤrzete. Aber dieſen koͤnnte ich das entgegen ſetzen: Wie? „wenn zu der Zeit, bey Regenwetter, mehr Feuchtigkeit dazu kaͤme, als durch die „Sonnenhitze ausgeſogen wird? Mir ſcheinet die erſte Art von Mühlen beque⸗ mer und nuͤtzlicher zu ſeyhn. ⸗ Indem das Rad herum gehet, fo ſind Hels d- --- C- d- -- GO. G O. O. Nc · h- · l · h · d · d- N. (*) Mit den Muͤhlen iſt es nicht (o muͤh⸗ (* Man bekommtf dieſel Stei⸗ (am, als wenn er zerſtoſſen werden muß. ne aus dem Dorfe Seebergen hinter Gi; Wenn viel Waidt gebauet wuͤrde, fo würde tha. man nicht genug Leute zu dieſer muͤhſamen Arbeit bekommen koͤnnen. 66 Das dritte Hauptſtuͤck. „einige dabey, welche das duͤrre Kraut näher hinzu ſchieben, (») und unter ben „Stein bringen, daß es zermalmet werde. Ein anderer aber iſt nahe bey dem „Steine, und bringt den herzu geſchobenen Waidt in rechte Ordnung, indem er, „wie der Stein herum gehet, ebenfalls im Creyſe mit herum gehen muß. Die »ftt hat eine gefaͤhrliche Verrichtung, weil der Stein febr geſchwind und in der „ftärkften Bewegung umgetrieben wird. Ich entſinne mich, daß ein ſolcher „Waidtmuͤller, wegen der ſchnellen Umtreibung, den Schwindel bekommen, und yſelbſt an feinem ploͤtzlichen Tode Urſache geweſen ift. (**) „ Meiner Meynung nach haben die Roßmuͤhlen viel Vorzuͤge vor den Waſſermuͤhlen, und fie find ba her auch itzo die gemeinſten. Sie koͤnnen nicht allein mit den leichteſten Koſten hergeſtellet, ſondern auch da am bequemſten angeleget werden, wo man den Waidt welket, und wenn er gemahlen iſt, auf den gleich dabey befindlichen Hor⸗ den trocknet. Sie koſten auch nicht ſo viel zu erhalten, als die Waſſermuͤhlen, und wenn die Zeit, da man ſie brauchet, voruͤber iſt, ſo kann das daran befindli⸗ che wenige Holzwerk bald in Verwahrung gebracht werden; es iſt keine Gefahr dabey, und es darf auch kein eigener Muͤller darauf gehalten werden. Ich will aber die Beſchreibung noch etwas deutlicher machen. Man bedienet ſich zweener groſſen Steine ſtatt der Pfeiler, die ohngefehr 10 bis 12 Schuh hoch uͤber die Er⸗ de hervor gehen, und 22 bis 24 Schuh weit von einander ſtehen. Durch ſolche ift zu oberſt ein eichener Balken quer über gezogen, in deſſen Mitte aber die Welle eingeſpindelt, welche mit einem Arme, der durch den Waidtſtein durch gehet, und woran forne die Pferde angeleget werden, verſehen iſt. Der Boden iſt mit ſtei⸗ nernen Platten beleget, welche, ſo weit ſie der von Crolachen beſchriebene Muͤhlſtein berühret, etwas eingekerbet find, Die Peripherie des ganzen mit Stei⸗ nen Wehe Bodens, 8 mit einem Rande rings herum verſehen if, beläuft fich 000 55 () Man bedienet ſich dabey eines Re- nicht mehr hat, fo weiß man auch nicht chens mit 5 Zacken. mehr von dergleichen unglücklichen Folgen, (**) Da man dergleichen Waſſermuͤhlen von dem ſchnellen Umtreiben des Rades. Vom Waidte. 67 fid) auf etliche und 40 Schuhe. Ich habe, um mehrerer Deutlichkeit willen, eine ſolche Muͤhle, nebſt den dabey befindlichen Horden, in Riß gebracht, und dieſem Buche im Kupferſtiche vorſetzen laſſen. Ehe mir noch Crolachs Schrift, und die vorhergehende Anmerkung zu Geſichte gekommen iff, daß bey einfallenbem Re genwetter der Waidt ſich ſo wenig auf dieſen Muͤhlen gut mahlen, als auf den ebenfalls unter freyem Himmel ſtehenden Horden trocknen laſſe, habe ich dieſes be; ſideriret, daß man ſich nicht eines mit leichten Koſten anzuſchaffenden Daches, wel⸗ ches etwa, wie bey den Marktbuden, Stuͤckweiſe aufgeleget, und wieder abge⸗ nommen werden koͤnnte, im Nothfalle bedienet. Da ich in Crolachs Schrift fortleſe, fo finde ich, daß zu feiner Zeit etliche forgfältige Waidtbauere bey dem Ballen des Waidtes dieſes beobachtet haben. Denn ſo ſchreibt er von dem Waidtballen: (*) „Dieſer auf der Mühle zerſtoſſene und noch ſaftige Waidt „wird von Weibsperſonen zuſammen geballet, (**) fo, daß die Bälle einer „Fauſt groß, oder auch noch ſtaͤrker werden. Dieſe werden, nach der Reihe, auf „weidene Flechten, (Waidthorden) die nahe bey den Mühlen ſind, ordentlich „hingelegt, und an der Sonne getrocknet; welches am A von ftatten geht, J 2 zz wenn CC I (*) Sie wurden in Franckreich fonft wie kleine Broͤdtgen formiret, und daher pain de paftel genennet. Itzo macht man Bälle oder Kuͤchelgen von anderthalb Pfund. Dieſes heiſſet Paftel en cocs oder Cocaignes. La nou- velle maiſon ruſtique, tome J. f. 688. (**) Wie man Schneebaͤlle mit den Haͤn⸗ den zuſammen ballet. Zu ballen wird heu⸗ tiges Tages von einem Schock 3 Heller ge⸗ geben, und es kann eine Perſon in einem Tage 30 bis 40 Schock Bälle machen. Der Herr von Ludewig hat in feiner Differt. de N re bafaria tinGorum p. 31, die Sache unrecht vorgetragen, indem er ſaget, aus dem Meh⸗ le oder Staube des gemahlenen Waidtes wuͤrden die Baͤlle gemacht, damit er deſto länger conſerviret werden koͤnnte; welches hier mit anzumerken geweſen. Im uͤbrigen finde ich auch dieſes hier annoch zu erinnern, daß ſorgfaͤltige Hauswirthe den obern Theil des zerquetſchten und in runde Haufen auf⸗ gehoͤheten Krautes wider den Regen be— decken, an den Seiten dieſer Haufen auch ein und ander Luftloch ſetzen, damit die Saftigkeit des Krauts uͤber Nacht ausrin⸗ nen koͤnne. adi: 68 Das dritte Hauptſtuͤck. vwenn der Himmel heiter ift, oder, wenn der Wind durchſtreichet. Wenn aber „Regen dazu kommt, davon die Bälle Feuchtigkeit an fid) ziehen, und an der „Farbe verderben, ſo gehet die meiſte Hoffnung der Erbauere verlohren. An ei— znigen Orten haben geſcheidte Wirthe ein Schindel-oder Strohdach darüber, ba: „mit der Waidt nicht vom Regen verderbet werde; und alſo find fie auſſer Ge „fahr, und erhalten ben Waidt unbeſchaͤdigt. „ Ich uͤbergehe hier mit Bedacht, was Crolach von den zu feiner Zeit dabey veruͤbten Sünden erzehlet, und woll⸗ te wohl wuͤnſchen, daß den alfo gemeinſchaftlich arbeitenden Leuten bey: zubringen waͤre, daß es, ihren armen Seelen erſprießlicher ſeyn würde, wenn ſie, bey der Arbeit, mit gemeinſchaftlichem Singen und Beten, in Einig⸗ keit des Geiſtes, GOtt dieneten, als wenn fie mit liebloſen, unnuͤtzen und ſchand⸗ baren Worten und Narrentheidungen und in Uneinigkeit dem Teufel dienen. Hiernaͤchſt merket Crolach an: daß damalen von einem ieden Schocke Baͤllen der Waidtmuͤller dreye zum Lohne empfangen habe, von ber übrigen Zahl aber zwey oder drey Stuͤcke abgezogen worden, die gerichtliche geheiſſen hätten. Die erſtere Gewohnheit fällt heutiges Tages in denen Dörfern, die mir bekannt find, deswegen hinweg, weil, da der Waidt nicht mehr in ſolcher Menge, als ſonſten, erbauet wird, ein ieder ſelbſt zu den Mühlen, welche den Gemeinden gehören, () kommen, und den Waidt mit ſeinen eigenen Pferden mahlen kann; die andere Gewohnheit aber iſt vermuthlich in den gothaiſchen und erfurtiſchen Territoriis, allwo nun itzo der Waidt noch gebauet wird, nicht eingefuͤhrt geweſen, oder darum abgeſchaffet worden, weil man es fuͤr zutraͤglicher befunden hat, den Landmann, durch Verſtattung billiger Freyheit, vielmehr zu dieſer mit ſauerer Muͤhe verknuͤpften Arbeit aufzumuntern, als, durch Auflegung mehrerer Buͤrden, davon abzuſchrecken. Crolach faͤhret fort: „Die Leute, fo dieſe Waagren ver „kaufen wollen, ziehen gemeiniglich (**) in die Städte, Daſelbſt wird überhaupt NM ^ „von FFC (*) Das Dorf Friemar bey Gotha hat 15 (**) Itzo nicht gemeiniglich; ſondern dergleichen Muͤhlen. ſie ſind, durch die Landesgeſetze, dahin ſchlech⸗ & Vom Waidte. 69 pvvon feiner Guͤthe', welche lediglich auf der Farbe beruhet, geurtheilet. Die „Kaͤufer koͤnnen die Farbe leicht probiren, und halten den Waidt am hoͤchſten, der lichtblau oder ſeladon grün faͤrbet, wenn man einen Ball aufreißt oder zerſchnei⸗ „det, unb ihn auf Papier, oder an weiſſe Waͤnde ſtreichet. Wenn aber gar feb „ne oder eine nicht beftändige Farbe heraus kommt, ſo wird er nur um den halben „Werth bezahlt. Drey oder vier Tage darnach, wenn die Baͤlle, die noch auf „den Horden liegen, die Farbe veraͤndert haben, und mit Schimmel uͤberzogen »finb, werden fie denen auf Wagen ins Haus gefuͤhret, die fie gekauft haben, und vin gewiſſe hoͤlzerne Gefaͤſſe gebracht, und daſelbſt wird der Handel nach dem Ge⸗ „wichte vollends geſchloſſen. (“) Sie muͤſſen aber erſt trocken ſeyn, ehe fie zw »fammen getragen werden. Denn wenn ſie noch feuchte nach Hauſe geſchaffet „werden, fo habe ich geſehen, daß alles voll Wuͤrmgen geweſen ift, nicht anders, „als wie eine gewiſſe Art von Ungeziefer, welche wir Maden nennen, ſich in den „Käͤſe ſetzet. „ Von der Groͤſſe der Bälle ſchreibet Crolach: „An einem Or⸗ „te find die Bälle geöffer, als am andern, daher auch das Maaß unterſchiedlich „iſt. In Erfurt gehen 35 bis 36 Schock; in Weiſſenſee faſt eben fo viel; in „Gotha gemeiniglich 30 Schock; in Salza 26 Schock; in Taͤnnſtaͤdt 20 Schock „in ein Maaß. „ Allein die Groͤſſe ift nicht nur den Orten, ſondern auch der Zeit nach, unterſchiedlich geweſen. Denn Eoler, welcher ein halbes Jahrhundert nach Crolachen geſchrieben hat, berichtet im Zausbuche B. V. C. 86. S. 188. daß damalen gemeiniglich 10 Schock auf ein Maaß gerechnet worden. Und da⸗ her ruͤhret auch groͤſtentheils der unterſchiedene Preiß der Waidtbaͤlle. Zwar fuͤh⸗ ret der Herr von Falckenſtein in der Thuͤringiſchen Chronicke Th. I. S. | | 33 149. 0-0-0-0-9-0«0-0-40-0-0-0 40-00-04) -0- 4 LT ſchlechterdings angewieſen, da aller Handel gar S. 87. daß ein Ball 20 bis 24 Unzen mit dem Waidt auf den Doͤrfern verbo⸗ ſchwer wäre. Allein itziger Zeit achtet man ten iſt. darauf gar nicht, indem der Verkauf nach (*) Der Herr von Hohberg meldet ſo e ide nicht mehr ſtatt findet. 70 Das dritte Hauptſtuͤck. 149. aus Olearii Geſchichten der Landgrafſchaft Thuͤringen als eine Urſache des verfallenen Waidtbaues an, daß, da vormalen ein Schock Bälle für einen halben Thaler bezahlet worden, es den Thuͤringern nicht mehr anſtaͤndig ſeyn wolle, daſſelbe iso für 20, ja bisweilen für 14 Pfennige wegzugeben; und es haben fid) dieſes Vorwandes auch die vier gothaiſchen Canzley⸗Doͤrfer, Friemar und Conſ., beſage des im Anhange No. XXIIIL angefuͤhrten Informats, bedie⸗ net; allein zu geſchweigen, daß aus Colers Sausbuche ſchon ein betraͤchtlicher Unterſchied in Anſehung der Groͤſſe angemerket worden, und daß auch wohl in ei nem und dem andern Jahre, da der Waidt ſehr angenehm geweſen, der Preiß ſolcher groſſen Bälle bis auf einen halben Thaler angeſtiegen ſeyn kann; ſo bezeu⸗ get der Herr Rudolphi in Gorba diplomatica Th. HI. C. 38. S. 317. man habe gedachten vier Canzley⸗Doͤrfern den auf dem Rathhauſe zu Gotha aufbehalte⸗ nen eiſernen Reif, nach deſſen Groͤſſe die Baͤlle in alten Zeiten gemachet werden muͤſſen, vorgeleget; da denn ein groſſer Unterſchied unter den ehemaligen und nachherigen Waidtbaͤllen befunden worden. Heutiges Tages ſind die Baͤlle nicht mehr, wie ehemals, einer Mannsfauſt gleich, ſondern, wenn fie recht trocken find, gemeiniglich (*) nicht viel groͤſſer, als eine groſſe welſche Nuß in der grünen Schale; ſie werden auch nicht mehr nach dem Maſſe oder Gewichte, ſondern Schock weiſe verkaufet. Im letztverwichenen 1 746ten Jahre hat ein Schock gute Baͤlle von der erſten und andern Erndte 4 Groſchen gegolten, welches die Waidt⸗ haͤndler lange vorher nicht Dafür bezahlet haben; im 1747 ten Jahre aber find fie auf 2 Gr. 6 Pf. bis 3 Gr. herunter gekommen. (**) Was die Conſervation der Waidtbaͤlle anbetrifft, fo ſagt der Herr von Hohberg ganz recht, fie muͤſſen an einem kuͤhlen, lüftigen Orte bis zum Verkauf verwahret werden. Er ſetzet hinzu: „Theils IT TI 4) 44 (*) Man hat mich berichtet, daß die (**) Wie ſich der Preiß in den folgenden größten in dem Dorfe Haufen gemachet, Jahren verhalten habe, weiß ich nicht, in; und daher auch theurer bezahlet wuͤr- dem ich mich feit der Zeit hier in Halle bez ON ^ finde. Yr ) Vom Waidte, 71 „Theils wollen, man felle fie bisweilen mit ein wenig Waſſer durchfeuchten, (bod) „nicht zu viel, ſonſt verderben ſie,) damit fie nicht verbrennen: daher er anfangs wohl in Acht zu nehmen, weil die auf einander geſchuͤttete Kugeln ſich leicht er „hitzen, indem fie voll Feuchtigkeit ſtecfen. Dieſes zu verwehren, muͤſſen fie of „termals von einem Orte zum andern gebracht werden, damit die eingeſchloſſene „Aufduͤnſtung nach und nach auslüfte; alfo bleibt er gerne., Allein das An⸗ gieſſen ift kein Werk für den Landmann; es gehöret zu der kuͤnſtlichen Bereitung, die ihm durch die Geſetze verboten iff; und es wird daher in der! erfurtiſchen Waidtordnung vom Jahre 1704. $. 14. geboten, daß keiner feine Waidt⸗ bälle auf dem Lande aufſchütten oder ausbreiten laſſen ſolle, ſondern es ſoll ſolcher alfofort von den Horden auf den öffentlichen Waidtmarkt gefübret, und fein Waidt daheime zu Maͤuſerwaidte (*) gemachet werden. Damit nun der Landmann der muͤhſamen Aufſicht auf ſeine Baͤlle entuͤbriget ſen, und fie nicht lange auf dem Boden liegen laſſen dürfe, (**) ſondern bald ins Geld ſetzen moͤ⸗ ge; ſo eilet er damit, gemeiniglich nach ieglicher Erndte, zum Verkauf in die Städte. (***) Crolach ſchreibet von feinen Zeiten: „Wenn die Bauern CCC Gf, fo zuvor häufig daſelbſt vorhanden geweſen, gaͤnzlich gewichen ſind. Es will aber auch Hr. D. Weinmann in der Etat hoꝛa lconographia vorgeben, daß bag Waidtkraut den Bienen ſchaͤdlich ſey. (***) Es wird daruͤber geklaget, daß viele, Armuths halber, allzu ſehr mit dem Verkaufe der Wäidtbaͤlle eileten, indem fie ſolche von der Horde weg, zur Probe, an (*) Dieſen terminum technicum erklaͤret Crolach auf der zoten Seite. Wenn die getrockneten Waidtbaͤlle aͤuſſerlich eine weiſſe Farbe bekommen, und zu ſchimmeln anfan⸗ gen, fo nennt man dieſes in Thüringen‘; Der Waidt maußt ſich, und. daher iſt das Wort Maͤuſerwaidt entſtanden. | (**) Hier will ich beylaͤufig eine viel⸗ leicht vielen angenehme oeconomiſche Obſer⸗ vation einruͤcken. Man hat nemlich bemer⸗ ket, daß der Waidt den Kornwuͤrmern zu⸗ wider ſey, indem auf ſolchen Kornboͤden, wo Waidt aufgeſchuͤttet worden, dieſe uͤbeln die Waidthaͤndler in die Staͤdte truͤgen, Geld abſchlaͤglich auf ihre Lieferung naͤhmen, und alfo den Preiß verderbeten. Bey Wie⸗ deraufrichtung des verfallenen Waidtweſens waͤre dieſem gar leicht abzuhelfen. 72 Das dritte Hauptſtuͤck. „das Geld empfangen haben, ſo heißt es bey ihnen nach Virgil 8 „Worten: - i parto plerumque fruuntur, mutaque inter fe laeti conuiuia ducunt. Sie genieffen, was fie erwerben, Und ſtellen mit einander, in aller Froͤhlichkeit, Gaſtereyen an. „Denn zu der Zeit entſchlagen ſie ſich aller Sorgen, und thun ſich etwas zu gute, „zumal, weil fie nicht geringen Profit von ihrer Arbeit und muͤhſamen Sorge er „anget, indem die Hecker in einem Jahre 2. 3. auch wohl Amal getragen haben. Es „möchte vielleicht unglaublich ſcheinen, aber ich kann es der Wahrheit gemaͤß und „zuverlaͤßig melden: Vor einem Jahre hat ein einziger Bauer aus dem Erfurti⸗ ‚schen von 5 Waidtaͤckern, da die Farbe gut war, 150 fl. in einem Jahre erwor⸗ „ben. „ Ja ſo ſehr, als der Waidtbau zu itzigen Zeiten verfallen iſt, ſo giebet es bod) Bauern, Da einer jährlich 2. 3. 400 Rthlr. und wohl drüber aus dem Waidte aoͤſet. So weit gehet die erſtere Zubereitung des Waidtes, die der una ber⸗ richtet, und die ich die muͤhſame genennet habe. $. 6. LI , Die andere SErndtergefchichet, nach Beſchaffenheit des Wet⸗ ters und Wachsthums des Waidtes 5. 6. bis 7. Wochen nach der erſtern. Wenn nemlich das von der Wurzel wieder ausgeſchlagene Kraut feine Groͤſſe wie zum erſten male erreichet, wird es wiederum mit dem Stoßeiſen abgeſtoſſen, der Acker ſodann geeget, und mit dem ſogenannten Schureiſen geſchuret, das abgeſtoſſene Kraut aber auf gleiche Art zubereitet, wie im vorhergehenden bey der erſten Erndte ausfuͤhrlich iſt gezeiget worden. Hier⸗ Vom Waidte. 73 S e 5 f Hiervon ſchreibt Crolach alſo: „Die andere Erndte kommt gemeiniglich „zu der Zeit, da die Früchte anfangen zu reifen, und alsdenn ift die Farbe nicht „eben ſonderlich gut. (*) Mir iff die Urſache unbekannt; es fagen aber einige, „der Mehlthau waͤre ſchuld, der zu der Zeit häufig fiele. Man glaubt auch, daß »ftatter Blitz dem Kraute feine Farbe benaͤhme. Wenn nun der Acker ganz bloß „it, ſo werden alsbald die harten Kloͤßer mit der Ege zermalmet, daß fie zu „Staube werden, und das Feld wird eben gemacht, damit es deſto eher wieder „ausfchlage, und zur anderweiten Erndte, welche gemeiniglich 42 Tage hernach verfolget, aufwachſe. Die eiſernen Inſtrumente, mit welchen das Stroh klein „gefchnitten wird, oder die auch die Maͤher gebrauchen, (es wird gemeiniglich „eine Senſe oder Futterſchneide genennet, und ift durch langen Gebrauch ganz abs ,genu&t, in der Mitten ift ein Griff daran; man heißt es auch radulam, ein „Schureiſen, welches mit einem hoͤlzernen Stiele, zwo Ellen lang, verſehen iſt,) »biefe Inſtrumente, ſage ich, faſſen fie hernach mit beyden Händen an, und was „von fremden Stauden hervor raget, das wird mit beſonderm Vortheile oben ab⸗ „geſtoſſen, gleichwie die Haare am Varte mit dem Schermeſſer abgeſchoren wer; „den. (**) Und wenn gleich auf ſolche Art das Unkraut nicht gänzlich mit der „Wurzel auszurotten ift, fo wird es doch einiger maſſen gehindert, daß es nicht yſo (cbr überhand nehmen kann. Das heißt das Waidtland ſchuren. Doch koͤn⸗ | „nen ee (*) Die andere Erndte giebt gemeiniglich Preiſſe der Waidtbaͤlle von der erften und ; mehr, aud) eben (o guten Waidt, als die andern Erndte ift kein Unterſchied. Dieſe erſte. Alſo wurden im Jahre 1748 auf andere Erndte wird in Thuͤringen Yung: 1 und ein Viertel wohl zugerichteten Acker, 70 waidt genennet. Schock in der erſten, und 122 Schock Baͤlle in der andern Erndte erzielet; dagegen an? (**) Dieſes Gleichniß gehoͤret untern die, dere von einem Vier⸗Ackerſtücke nur go welche ſehr hincken. E. Schock in der andern Erndte gewonnen. Im K 74 Das dritte Hauptſtuͤck. „nen einige, nemlich die Reichen, noch näher dazu gelangen, indem fie den Schaar „vom Pfluge heraus nehmen, das Schureiſen, iedoch ohne Schaft in das Holz „am Pfluge, welches den Pflugſchaar faſſet, (die fo genannte Kriechſaͤule) hinein „ftecken, und zu Austilgung des Unkrautes gebrauchen. Dieſe Arbeit wird mit „vorgefpannten Pferden verrichtet, und gehet viel geſchwinder von ſtatten. „ §. 7 Die dritte Erndte () faͤllt gleichfalls s bis 7 Wochen nad der andern, wenn der Waidt wiederum reif iſt; und ſo iſt es auch bey dem Winterwaidte mit der vierdten beſchaffen; wie denn auch bey den auf die andere folgenden Erndten nichts weiter zu beobach⸗ ten ift, als was ſchon in den vorhergehenden $6. bey ber erſten und andern Erndte iſt erinnert worden. „ N 3 Die Herbſt⸗Erndte, welche bey dem im Fruͤhlinge geſaͤeten Waidte im Octo: ber fällt, ift bey weitem nicht fo gut, als die Sommer-Erndten find, weil es dem Kraute an gehoͤriger Waͤrme zum gedeihlichen Wachsthume gebricht; und die zu ſolcher Zeit fic) gemeiniglich ereignende naſſe Witterung ihm ſchaͤdlich ift; wie denn auch die Zeit zum Waſchen und Trocknen nicht ſo bequem iſt, und daher dieſer Waidt bey ade feuchten Wetter, oft in den Stuben getrocknet wird. (**) Weil CCC (*) Diefer Waidt wird in Thuͤringen Herbſtwaidt genennet. (**) Nach der erfurtiſchen Waidtord⸗ nung vom Jahre 1704. $. 6, foll der Herbſtwaidt, wenn ein Reif darauf gefallen ift, gar nicht abgeſtoſſen werden. Man ſe⸗ he auch bie Gothaiſche Vorſchlaͤge wegen einer Waidthandlung $. 9. Ich bin ín deſſen der Meynung, daß der Herbſtwaidt beſſer koͤnnte genutzet werden, wenn er auf andere, als die bisherige Art, zum Faͤrben zubereitet wuͤrde; worüber ich mich an eis nem andern Orte naͤher heraus laſſen werde. * " Vom Waidte. 75 Weil er nun die Kraͤfte zum Faͤrben nicht hat, als der Sommerwaidt, ſo wird er auch nicht (o theuer bezahlet, 8. 8. Wie nun gedachter maſſen der im Winter geſaͤete Waidt in ei: nem Jahre 3 bis 4, der im Fruͤhlinge geſaͤete aber 3 Erndten gie⸗ bet: alſo kann in dem folgenden Jahre von beyden noch eine Nach⸗ erndte gehalten werden. Wenn nemlich die Wurzeln uͤber Winter in der Erde ſtehen bleiben, ſo ſchlagen ſie im folgenden Fruͤhjahre wieder aus, und man kann das Kraut gegen den Tag Philippi Jacobi zum letzten male einerndten. Dieſer Waidt wird Kompswaidt genennet, und oͤfters mit unter den guten Waidt des erſten Jahres gemenget, hat aber gar nicht die Kraft zum Faͤr⸗ ben, die der gute Waidt hat; es wird auch dadurch der Acker, weil der Waidt ohnediß das Land ausſauget, noch mehr mitgenommen, und zu Erzeugung guter Fruͤchte unkraͤftiger gemacht, als wenn man den Acker noch vor Winters umpfluͤget, da, wenn ſolches tüchtig geſchiehet, daß die Wurzeln vom Waidte alle heraus kom⸗ men), der Acker in dem unmittelbar hernach folgenden Jahre gute Gerſte traͤget. Hierbey ift noch vom Saamenwaidte, oder von Er⸗ zielung des Waidtſaamens, und was dem anhaͤngig, folgendes zu gedencken: man laͤſſet, wenn das Waidtland vor Winters umge pfluͤget wird, damit es im folgenden Jahre mit Gerſte beſtellet were de, ein Stuͤcke daran liegen, damit die Wurzeln im Fruͤhjahre wie: der ausſchlagen koͤnnen; oder, wenn Kompswaidt gemacht wird, ſo ſtoͤßt man ihn, bis auf ein Stuͤcke vom Acker, ab, und laͤſſet den Waidt auf ſolchem Ackerſtuͤcke in die Hoͤhe gehen; da er denn, wenn er im Sommer zur Reife gediehen, mit einem ſcharfen Inſtrumente K 2 Ä ab: 76 Das dritte Hauptſtuͤck. abgeſchnitten, ausgedroſchen, und inſonderheit für dem Rauche, den er nicht vertragen kann, wohl verwahret wird. 5 e o» Nun will ich das, was hier kuͤrzlich angefuͤhret worden, mit Crolachs Worten und einigen eigenen Anmerkungen erläutern, Vom Rompswaidte ſchreibet er alſo: „Dieſer Waidt, der von freyen Stücken ausſchlaͤgt, fid) be »ftaubet, und darauf abgeſchnitten wird, macht die dritte Art aus, (*) welche man fuͤglich den Reſtwaidt nennen koͤnnte, weil er nemlich, als eine Hoffnung vdes kommenden Jahres, auf dem Felde übrig bleibt und zuruͤck gelaſſen wird; wies vwol ich von dieſer Ableitung des Wortes nichts gewiſſes behaupten mag. Ich vmuthmaſſe nur, daß es daher entſtanden ſey. Bey uns leget man die Kraut⸗ Hhaͤupter, wenn fie halb gekocht und geſalzen ſind, zur Speiſe für fid) und das „Geſinde aufs ganze Jahr ein, und das wird in unſerer Sprache Kompeſt, »Aomps, genennet. In Meiſſen heißt es Sauerkraut, von dem ſauern Ge vſchmacke. Daher glaube ich, daß dieſer Waidt Kompswaidt fen genennet „worden, weil zwiſchen beyden, wegen der kuͤnftigen Hoffnung, eine Aehnlichkeit „iſt. Jedoch, wenn iemand etwas gewiſſeres oder wahrſcheinlicheres vorbringen „kann, fo will ich ihm gerne beypflichten. (**) Erſtlich trägt nun dieſe Erndte ü „auch nn nn nn a nn (*) Es ift feine beſondere Art, fondern, wie gedacht, die letzte Erndte von den Wur⸗ zeln, die über Winter in der Erde ſtehen ge blieben, und im Fruͤhjahre wieder ausge⸗ ſchlagen ſind. (*) Mich deucht, man habe hierbey in; ſonderheit auf die ſogenannten Pfulſchen, ober das Kraut, welches ſich nicht recht ſchlieſſet, das Abſehen gehabt. Dieſes wird in Thuͤringen ganz gekocht, und wenn es verkuͤhlt ift, geſalzen, ſodenn theils befon ders, theils unter das gute Kraut, mit ein⸗ geleget, da es denn den Nahmen Romps— kraut bekommt. In Meiſſen ſchneidet man dieſe Pfulſchen in Viertel, und legt fie unz gekocht mit unter das ſo genannte Zettel oder Sauerkraut. Romps iſt muthmaßlich von dem Worte Compagnie entſprungen. So hat man bey uns das Wort Bompe, und iff alfo der Rompemald der, welcher unter den guten Waid mit unterlaͤuft. Vom Waidte. 77 „auch etwas ein, und wenn die Farbe ſonſt gut ift, (*) fo kann man nicht wenig „Nutzen davon haben. Hernach, wenn alſobald wieder umgeackert und Gerſte „hinein geſaͤet wird, fo trägt das Land daſſelbige Jahr Gerſte, die da reif wird, »teietoo die Aehren nicht fo groß und voll ſind; weil das Land, wegen der vielfa- „chen Erndte, gewiſſer maſſen entkraͤftet, und ſeines natuͤrlichen Saftes beraubet „worden iſt. Es ſtehet einem Landmanne frey, was er in dieſer Sache thun will, „weil er in beyden Fällen Vortheile hat; er mag das Land umpfluͤgen unb mit Ger⸗ »fle beſaͤen, (wenn nur der Boden nicht ganz ſchlecht und geringe ift,) oder es vumgepfluͤget liegen laſſen. Jedoch, was man thun will, das muß man bald „thun. Denn wenn die Sonne, nach dem kuͤrzeſten Tage, näher zu uns kehret, „und in etlichen Naͤchten durch ihre Waͤrme alles aus der Erde locket, ſo wird „dieſe Art vom Waidte von einem gar zu langen und harten Halme, bekommt „Zweige, und kann nicht ſo gut auf der Muͤhle zerquetſchet und in Baͤlle gebracht „werden; daher ſich auch nicht leicht Kaͤufer darzu finden. Das widerfaͤhret den »ftágen und ſaumſeligen Landleuten, welche die wichtigſten Geſchaͤfte nicht ohne „Schaden in der Wirthſchaft aufzuſchieben, und alles zur Unzeit vorzunehmen „pflegen, wider die Regeln der Wirthſchaftsverſtaͤndigen Lehrer, welche haben „wollen, daß man beym Ackerbaue alles eifrig thun, und eine Sache lieber zu früh. „angreifen ſolle, als zu ſpaͤte, und daß man die gelegene Zeit wohl in acht nehme, „auch alle Saumſeligkeit und Verzoͤgerung vermeide, wenn eine gute Gelegenheit „fich ereignet.. „Einige pflegen auch die Arbeit, wegen des unbeque⸗ „men Wetters, aufzuſchieben, daß alſo etwas zu ſpaͤt Hand angeleget wird. „Denn wenn es 2 regnet, oder auch mit Regen drohet, ſo ift es rathſa⸗ K z mer, N FFF (*) Dieſer Waidt iff von keiner Kraft ihm deſto beſſere Gerſte, wenn der Waidt zum Faͤrben, und ich bin der Meynung, noch vor Winters heraus kommt. Wenn daß ber Kompswaidt zum Behuf des Com⸗ ſolch untauglicher Waidt im Zubereiten un; mercii gänzlich unterſaget werden ſollte. ter den guten vermiſchet wird, fo verdirbet Der Landmann kann an 3 Erndten eines — jener mit dieſem. Jahres gnung haben, und ſein Acker traͤgt — 78 Das dritte Hauptſtuͤck. „mer, mit dem Abſtoſſen des Waidtes etwas anzuſtehen. Andere, die aus blin⸗ „der Geldbegierde mehr Profit zu machen dencken, ſtehen auch in Gefahr. Eini⸗ „ger maſſen wird der Schade geheilet, da nemlich dieſes Kraut entweder aus Nach⸗ „äßigkeit, oder um feuchter Witterung willen, oder wegen der Liebe zum Gelde, „etwas zu ſpaͤt geſtoſſen, und alfo nicht tractabel genung wird, wenn man es in „einem ordentlichen Kaſten mit der Klinge ſchneidet, wie etwa Heckerling für das „Vieh geſchnitten wird. Der Acker wird durch dieſes Kraut ſehr ausgeſogen und „mitgenommen, und man hat nur den Vortheil, daß, wenn man im Herbſte unt „pfläget, die Gerſte febr häufig, rein und gut, das folgende Jahr darauf waͤchſet. „Die Urſache dieſer Fruchtbarkeit lieget an der ſorgfaͤltigen Zubereitung unb Duͤn— „gung des Landes, welche das Jahr vorher daran gewendet worden iſt. Daß die „Gerſte rein wird, ruͤhret daher, weil im vorigen Jahre alles Unkraut ausgegaͤtet „worden. „ Die Erzeugung des Saamens beſchreibet Crolach gleich vorher alſo: „Der Waidt iſt von ſolcher Fruchtbarkeit, daß, wenn der Boden im „Herbſte nicht austrocknet, und die Wurzeln nicht mit dem Pfluge umgeriſſen „werden, derſelbe im folgenden Fruͤhjahre von ſich ſelbſt wieder ausſchlaͤgt. Da⸗ „ferne man nun das alfo gruͤnende Feld liegen laͤſſet, und die Blätter nicht abftöß »fet, fo waͤchſet ein Straͤuchlein mit vielen Staͤngeln und Sproſſen hervor, einer „Ellen lang, von roͤthlichter Farbe; daran haͤngen viele Schoten, die wie Zungen „geftaltet find. In denſelben iff der Saame. Erfahrne Wirthe pflegen alles, „was darunter waͤchſet, mit den Händen auszuraufen, damit der Saam' nicht „unrein, und mit andern vermenget ſey. Je ſchwaͤrzlichter dieſe Schote, oder „Huͤlſe, in welcher der Saame ift, ausſiehet, deſto beſſer foll. er feyn. Innwen⸗ „dig ift ein laͤnglichtes Koͤrnlein, welches dem rothen Senfkorne an Farbe und „Groͤſſe ähnlich iſt. Wenn dieſer Saamenwaidt abgemaͤhet ift, fo wird er nicht „zu Haufe in der Scheune, ſondern gleich auf dem Felde, in einer Grube, unter „freyem Himmel, gedroſchen, unb mit gewohnlichen Werkzeugen ausgeklopft. s "C E adfiieiet d idt 3385 pens er tr, wie ich nni an einem an; man ſtreifelt ihn mit der Hand von den dern Orte erinnert an mit der Huͤlſe aus; Staͤngeln ab, und klopfet ihn nicht aus, — acfact. Vom Waidte, 79 „Um des willen muß man auch die Zeit zu ſolcher Arbeit recht in acht nehmen, daß ves nicht nur bey heiterm Wetter angefangen, ſondern auch vollendet werde. „Denn wenn ein Regen darzwiſchen kaͤme, ſo wuͤrde die Arbeit, nicht ohne groſſen 2 Schaden, unterbrochen werden. Aber den ausgedroſchenen Saamen ſchaffet „man in Saͤcken nach Hauſe. Die Staͤngel und das Geſtruͤppe, welches zum „Heitzen gut iſt, wird aufgehoben. Die Arbeiter muͤſſen auch wachſam ſeyn, „daß fie die Saamen-Erndte zu rechter Zeit anfangen. Denn wenn die Fruͤchte „gar zu ſehr gereifet haben, und ſtehen bleiben, fo ſchlaͤget der Wind einen ziemli⸗ „chen Theil aus, und verurſachet groſſen Schaden. () Weiter wird der Saa⸗ „me von ſorgfaͤltigen Hauswirthen an ſolchen Orten aufgehoben, wo kein Rauch „und keine Luft darzu kommen kann, weil dadurch die natuͤrliche friſche Kraft sete „nichtet wird. Es muß auch nicht darauf regnen; denn das würde den Saamen „auch verderben. Landleute, die gar zu geizig find, laſſen nach dieſer Erndte das „Feld nicht ruhen; ſondern fie ſaͤen entweder gleich nach derſelben neuen Saamen „aus; oder fie pfluͤgen den Saamen unter, der im heiſſen Wetter, beym Einſamm⸗ len hier und da ausgefallen und zerſtreuet iſt, und ſuchen alfo im Herbſte noch ce „ne Waidterndte zu erlangen. „ (**) Zu dem, was hier angefuͤhret, und ſchon oben S. 2. von dem Saamen erwehnet worden ift, will ich noch folgendes hinzu feren: Weil der Waidt nur noch in einigen thuͤringiſchen Dörfern erbauet wird, und ieder fo viel Saamen, als er wieder ausſaͤet, ſelbſt erzeuget, fo ift der Saa⸗ me nicht im Commercio, mithin ein eigentlicher Preiß deſſelben nicht zu beſtimmen. Doch weiß man ſich zu erinnern, daß zu ſolchen Zeiten, da er nicht gerathen, ein nordhaͤuſer Scheffel für 1 Rthlr. 6 bis 8 Gr. verkaufet worden. (***) Dem⸗ | nach . T (*) Er gehet unter den Fruͤchten, womit wenn man Plantagen anlegen, und mit dem die Waidtaͤcker nachher beſtellet werden, wie Waidte ein Commercium anfangen will. Unkraut, auf. (er) Nach Hn. D. Wedelsnfuͤhren ift der 5 Waidſaame ſonſt mit dem Hafer in einerley (*) Auch dieſes iſt ein Umſtand, welcher Preiſe geweſen, in tract. de fak volatil plan- eine Aufſicht auf den Waidtbau anrathet, rarum p. 56. 80 Das dritte Hauptſtuͤck. nach ift es auch in dieſem Stücke der Nahrung gut, auf Vorrath zu dencken, zus mal da der Saame nicht verdirbet, wenn er ſchon etliche Jahre verwahrlich auf⸗ behalten wird; wie ich denn ſelbſt 10«jdbrigen Saamen ausgeſaͤet habe, welcher gute Fruͤchte gebracht hat. Im uͤbrigen dringet mich die Liebe zu meinem Naͤch⸗ ſten, dem ich durch gegenwaͤrtige Schrift zu nutzen ſuche, und wuͤnſche, daß ich eines Theils diejenigen, welche etwa eine Probe mit dem Waidtbaue machen wollen, erinnere, ſich wohl fuͤrzuſehen, damit ſie aͤchten und brauchbaren Saa⸗ men erlangen; andern Theils aber diejenigen, von denen er verlanget wird, bitte, mit ihrem Naͤchſten ſo umzugehen, wie ſie wollten, daß er ihnen thaͤte; zu dem Ende, wenn man glaubet, daß Auswaͤrtige keinen Theil an dieſem Nahrungsge⸗ geſchaͤfte haben müßten, ihnen lieber keinen, als ausgekochten oder geräucherten, | oder auch Saamen von wildem Waidte zukommen zu laſſen. Das Vom Waidte 81 hii cocti itg i aea e e e e eee ee ee e 505 Das vierte Hauptſtüc aden Deritung des Sui 3 Lr (ie der im vorhergehenden beſchriebene geballete Waidt an SS fid ſelbſt nod) roh, und zum Faͤrben nicht zu gebrauchen iſt: alſo iſt viel an der eigentlichen Bereitung deſſelben gelegen. Dieſe kommt den Waidthaͤndlern in Staͤdten vorbehaͤlt⸗ lich zu; und mag daher zum Unterſchied der erſten Zurichtung, wel⸗ che vom Landmanne vorgenommen wird, die kuͤnſtliche heiſſen. r | Che ich biefe Bereitung beſchreibe, will ich folgendes hier nicht unerinnert laſſen. Es iſt der erſten Einrichtung der Erbauer der Städte in Teutſchland ge maͤß, daß Kuͤnſte und Handwerke nur in Staͤdten, keinesweges aber in den m getrieben werden follen ; * und man ift dieſer Einrichtung in der Fol⸗ F (5) Es ift bekannt, daß vor Heinrichs der⸗Teutſchland geweſen, und daß die Kuͤn⸗ des Voglers Zeiten faft keine Stadt in Nie- ſte und Handwerke damals von den leibei— L genen 82 Das vierte Hauptſtuͤck. Folge der Zeiten nachzugehen, forgfältig bedacht geweſen. Und fo hat man denn auch in Thuͤringen die Bereitung des inar aa und den Handel mit bereitetem Waid⸗ etc IAM seeed ese genen Knechten derer von Adel geuͤbet wor⸗ den. Da aber dieſer Kayſer haltbare Staͤd⸗ te anlegte, um ſolchergeſtalt die Länder wi⸗ der die Streifereyen der Hunnen und Wen⸗ den in Sicherheit zu ſetzen, und ihren Nah⸗ rungszuſtand ordentlich einzurichten; ſo muſte der neunte Mann von ſolchen Leuten zu Anbau⸗ und Beſchuͤtzung der Städte frey gelaſſen werden. Und damit dieſe Freyge⸗ laſſene, welche nun Buͤrger genennet wur⸗ den, ihr beſſeres Auskommen haben, und ſolchergeſtalt die Staͤdte in Aufnehmen ge⸗ bracht werden moͤchten; ſo ordnete der Kay⸗ (tr im Jahre 925, daß die Freygelaſſenen allein in den Staͤdten Handwerke und Gewerbe treiben, und dem Adel auf dem Lande dergleichen zu thun verboten ſeyn ſollte. Hiervon zeuget WIr EchI- pvs in Chron. J. I. J. II.“ deſſen Worte ber Herr Geheime Rath Gundling im traci. de HEN RICO AVCVPE f. XX. p. 118. f. anfuͤh⸗ ret. Ich erinnere mich hierbey der aumerf; lichen Stelle in Bo ro NS chronic Brun. füicenfi picturuto Van duſſem anfcchtingh der Ungern bot de Keyſer, dat me ſcholde de Stede bemuren unde begraven , uppe-dit me ver fodam Voylcke mochte bliven , do wart in dem Lande to Safien deStede bemuret unde begraven unde beveſtet, unde de Keyfer bot „dat de negeden Man ut den En in de Stede teyn unde befeflen fen, ^ Alf worden Stede bebuwet in Saffen, wu dat bequemeft was. Und de Keyſer bot, dat neyne hochtyt, neyne Marcket nach tey verne kopen unde verkopen fcholde bedrive wan in den Steden, unde de Keyſer hadde eynen frede gemacket mit den Ungeren to, negen Jaren. Dewile fatte Keyfer Torney unde Stecke fpel in den Steden, upp dat fick de Lüde in den Steden in dem Wapen fuft bet wenden unde keren konden, wan fe echt to firyde fcholden, unde gaff fe frey unde eddel, dat fe Borger - chole den heten , darvan funt de fehlechte i in den Steden gekomen, de fick in duſſen flucken meyft bewifeden , in vechten unde flriden, dat heldem do vor rittermatfche Menne unde heten de eddlinghe der Borger. De Keyfer gaff one Stadt recht, unde fatte, dat de öl- deſte Sone fcholde in dat here varen, unde fatte , dat de Herewede fcholde vallen an den öldeiten Sone, effte an den negeſten mach van der fwert halven , dat wart do cya recht to voren S. LriswiTIL eriptorer verum Brunfuicenfium t. Ill. fol. 305. Es gieng dieſes dem Adel ſchwer ein, und kunnte baz her auch nicht ſogleich durchgehends in Ob: ſervanz gebracht werden. Der Hr. Canzler von Ludewig ſchreibet davon in den gelehrten An Vom Waidte. 83 Waidte fuͤr ein ſtaͤdtiſches Reſervat angeſehen, und daruͤber von Zeit zu Zeit ge halten wiſſen wollen. Ich beziehe mich nicht allein auf die Chur⸗ und fuͤrſtl. ſaͤch⸗ ſiſchen general⸗Mandate und Verordnungen, ſo unter den Beylagen No. V. VII. XIII. befindlich ſind; (*) ſondern es erhellet auch uͤberdiß aus folgenden: ta Es 04-49-9044) 494-99 )49)00949 4090-09 49-9 9) 9-94 Anzeigen im J. Th. S. 562. alſo: „ Etli⸗ uche Handwerker lieſſen fic) nicht wohl in »die Städte ziehen, und blieben deswegen „auf dem Lande unter den Leibeigenen ober „Knechten. Dahero auch ſolche von den an⸗ „dern innungsmaͤßigen Handwerkern in den „Städten für anruͤchtig und unehrbar, fo „gar auch nach der Zeit, als ſie das In⸗ „nungsrecht gleichfalls erlanget, gehalten worden. „laſſen; die Bader, weil auch ieder gemei⸗ „ner Mann fid) die Woche ein oder zweymal „baden wollen; die Leineweber, damit die „Bauern, welche Flachs gezeuget und Garn „gefponnen, ſolches auch zum Gebrauch ib „rer Kuͤttel weben moͤgen; Die Gerber, „weil dieſe in den Staͤdten die Luft unreine „gemacht; dahero ſolche entweder nicht in „die Städte gezogen, oder doch, welches „nachhero geſchehen, in die Vorſtaͤdte oder „beſondere Gaſſen verleget worden. Der „Schäfer, Feldhuͤter u. d. welche in den „Staͤdten gar nichts zu thun gefunden, „nicht zu gedencken. Aus welchen Urſachen „denn dieſe bishero erzehlte Handwerker an „fangs den alten Flecken, daß ſie bey Leib⸗ „eigenen geblieben, behalten, und deſſen | Als z. €. die Müller, welche „man der Waſſer halben auf dem Lande ger „auch nachhero, als dieſelbe ehrbare 2ünfte „bekommen, nicht fo ganz wieder loß wer⸗ „den mögen x. , Und es hat Heınec- cıvs in differt. de collegiis et corporibus opi- feum c. II. J. 6. p. 55. bie Anmerkung gez macht, daß man in dieſen alten Gewohnhei⸗ ten die Urſache ſuchen muͤſe, warum bey einigen Innungen noch heute zu Tage die Handwerksburſche nicht Geſellen, ſondern Knechte genennet werden; z. E. Muhlknap⸗ pen, Fleiſchersknechte, Schuhknechte c. CH Daß man aber auch im Churſaͤch⸗ ſiſchen zu der Zeit, da der Waidtbau und Handel darinnen ſtark getrieben worden, über dieſe durch die Landesordnung von 1555, ingleichen die Eroͤrterung der Lan⸗ desgebrechen von 1612. $. 26. bekraͤftigten Verfaſſung ſtracklich gehalten habe, davon kann ich ein altes Reſcript, ſo ich in oͤffent⸗ lichen Amts Actis gefunden, d. d. Dreßden den 1. Aug. 1556. zum Zeugniſſe anfuͤhren. Es iſt unter den Beylagen N. XI. befindlich, und man erſiehet daraus zugleich, daß der Waidthandel vor 200 Jahren in den Chur⸗ ſaͤchſiſchen Landen, und ſonderlich zu Taͤnn⸗ ſtaͤdt, ſtark getrieben worden. 84 Das vierte Hauptſtuͤck. Es hatten fid) in dem vorigen Jahrhundert gewiſſe gothaiſche Dorfſchaften verei⸗ niget, durch den Weg Rechtens zu erhalten, daß ihnen die kuͤnſtliche Waidtberei⸗ tung verſtattet wuͤrde, wobey fie ſcheinbar vorſtelleten, daß fie das ganze Land das durch in beſſere Aufnahme bringen wollten; allein ſie ſind ſowohl damals, als nach⸗ her, bey Fortſtellung der Sache, mit ihrem Suchen abgewieſen worden, wie die im Anhange unter No. XXIIII. befindliche Beylagen (*) mit mehrerm auswei⸗ ſen, darauf ich mich hier, der Kuͤrze halber, beziehe. Seit einiger Zeit hat ſich das gothaiſche Dorf Pferdingsleben des Befugniſſes, den Waidt zu bereiten an gemaſſet; es iſt aber deſto weniger zu zweifeln, daß die Stadt Gotha dawider werde geſchuͤtzet werden, ie mehr das unterm 7ten Jul. 1746 ins Land ergangene hochfuͤrſtl. Patent, No. XVI. im Anhange, von der Sorgfalt, dem Verfalle des Waidthandels in den Staͤdten dieſes Herzogthums zu begegnen, klaͤrlich zeu⸗ get. en hd LEHRT (**) Obiges habe ich ſchon vor 4 Jahr ren geſchrieben. Ob und wie nachhero bie A -d --- -- (*) Sie find aus Rudolphi Goch di. plomatica Th. III. Capi 38. S. 317. u. f. ge nommen. Indem derſelbe am angezogenen Orte ſchreibet: „Die Staͤdte Gotha, Ei⸗ „ſenach, Waltersdorff und Creutzburg hät; „ten fid) des kayſerlichen Privilegii in Anſe⸗ „hung des Waidthandels zu erfreuen: „ fo iſt ſolches nicht anders zu verſtehen, als daß ſowol dieſen, als andern thuͤringiſchen Staͤdten dasjenige, was in ben Reichsgeſe⸗ tzen und Mandaten, des Waidtes halber, verordnet worden, zu ſtatten komme. Daß aber in Eiſenach, Waltersdorff und Creutz⸗ burg iemalen der Waidthandel fep getrie⸗ ben worden, davon finde ich nirgends eini⸗ ge Nachricht. ; fer Streit entfchieden worden, davon woh⸗ net mir ſo wenig Nachricht bey, als wenig ich weiß, ob man ſeit der Zeit angefangen habe, in Gotha den Waidt wiederum zu bereiten. Damalen war in Gotha kein einziger Waidt⸗ bereiter anzutreffen, der biefe Kunſt geuͤbet haͤtte, ſondern der im Gothaiſchen erbauete Waidt ward alle nach Erfurt und Langen⸗ ſaltze zum Verkauf gebracht, und da⸗ felbft zum Faͤrben praͤpariret, wel, ches denn auch zu dem angezogenen Patente vom 7ten Jul. 1746 Anlaß gege⸗ ben hat. d Vom Waidte. 85 ne e oy ehe Hunt nicht nur der Landmann von der 1 Erbauung des Waidtes, ſondern auch der Buͤrger in Staͤdten von der mit allerhand Ungemaͤchlichkeiten verknuͤpften kuͤnſtlichen Bereitung Nutzen haben, ſodann der Käufer mit guter Waare verſehen, und alſo das gemeine Beſte befoͤrdert werden moͤchte; ſo hat man vor⸗ mals in den vornehmſten Waidthandels⸗Staͤdten fuͤr noͤthig erach⸗ tet, durch gewiſſe Ordnungen dieſes eintraͤgliche Stadt⸗ ee e auf einen guten Fuß zu ſetzen. ee sm e e e lee e Was 1. die Stadt Erfurt anbetrifft, fo find alle, ſowohl wegen des Waidtbaues als Handels, ergangene Verordnungen, deren ich habe habhaft werden konnen, unter den Beylagen No. XVII. bis XXI. befindlich. Ich fuͤge dieſen am hiefi igen Orte folgende Nachricht aus Colers Bausbuche, B. V. C. 5% S. 189. bey: „So darf auch kein Waidkaͤufer zu Erffurt ein Handwerck „treiben oder üben, wie d ju Görlitz kein Dierbrewer ein Handwerck neben den Aera ds sus x 20€ „verkaufft werden, und weret «t fol Marck continue nach einander vom Fest „Trinitatis an, bis nach Michaelis, ausgenommen wenn Feyertage mit einfallen. „Denn da muß man mit dem Waidthandel, wie denn auch an den Sonntagen, ſtille halten. Wiewohl auch tauſend Wagen mit eitel Waidt zu Marckte gefüh⸗ smt werden: ſo wird doch keinem Waddkaͤuffer nachgelaſſen, dem erſten Mit „keuffer, weil der erſte Kaufınann beym Wagen ſtehet, unb mit dem Verkeuffer „handelt, einen einigen Waidballen anzurühren, vielwentger ihm in den Kauff zu „fallen, bey harter Geld⸗Straffe, oder daß er ſich deſſelbigen laufenden Jahres „des Wẽ̃ abf auffs genzlich euſſere und enthalte „wie weiter ihre Tabula und ge⸗ yſchriebene & Ordnung jeden Orts daſelbſten ausweiſet. „ Itziger Zeit ift zu €t 2 3 furt 96 Das vierte Hauptſtuͤck. furt kein ſolch Gedraͤnge mehr um den Waidt, da ſich, (o viel ich weiß, nur 2 Waidthaͤndler, die ihn zum Faͤrben zubereiten laſſen, daſelbſt MP und es ſind daher dergleichen Anordnungen auſſer Obſervanz. * 2. In Gotha hat man im Jahre 1681 vorgehabt, eine ers bereitz und Handelsordnung zu verfertigen ; wie denn gewiſſe Artickel abgefaſſet, und 1689 zur Landes herrlichen Confirmation übergeben worden ſind. Es iſt aber, dieſe Sache nicht zu Stande gekommen, davon ich die eigentliche Urfache nicht anzuzeigen weiß. Ich habe immittelſt den in Abſchrift mir mitgetheilten, bisher noch nicht gedruckten Entwurf, welcher verſchiedene zum Behuf des Waidthan dels gereichende Umſtaͤnde enthält, unter den Beylagen No. XXII. bekannt gema⸗ chet, und demſelben die Inſtruction fuͤr die Waidtſchauer aus Rudolphi Gotha diplomatica Th. III. S. 197. No. XXIII. beygefüget. Dieſe letztere iff itzo ebenfalls auſſer Obſervanz, weil zu Gotha kein Waidt zum Färben mehr zube⸗ reitet wird. Nach dem unter den Beylagen No. XVI. befindlichen Patente vom Jahre 1746 hat zwar dieſes eintraͤgliche Nahrungsgeſchaͤfte alioa wieder eingefüh⸗ ret, und der im Gothaiſchen erbauete Waidt zum Verkauf und zur Zuberei⸗ tung dahin geliefert werden ſollen; allein dieſe Abſicht iſt, wegen beſon⸗ derer Urſachen, nicht zu erreichen geweſen, und man bauet noch den meiſten Waidt im Gothaiſchen, zum Behuf der langenſalziſchen und eei. Waidt⸗ haͤndler, die ihn zum Faͤrben zubereiten laſſe en. eee eur 5 3. Die Stadt Langenſaltze hat dieſes vid. bi Berk des Waidtes, und den Handel mit ſelbigem vormals am ernſtlichſten getrieben, und ſich dabey auch bis daher wohl befunden. Als faſt vor 100 Jahren ber this ringiſche Waidthandel durchgehends in Verfall gerathen, und, nach Ableben des Ch hurfürſtens Johann George I. dieſe Stadt, mit der ganzen Landes⸗ Portion, an den damaligen Adminiſtrator zu Halle, Herzog Auguſt, gediehen war: ſo kamen bey demſelben die vornehmſten Waidthaͤndler zu Langenſaltze unterm 2 zten Jul. 1657 ein, und ſucheten u um Errichtung einer Waidtgilde „oder Innung, us Vom Waidte. 87 unter Vorſtellung der Nothwendigkeit, und des fuͤr Stadt und Land daher ent⸗ ſpringenden Nutzens an. Sie erhielten auch, was ſie fuchten , und es wurden ihnen die Innungs⸗Artickel unter der Confirmation des durchl. Administrators ausgefertiget. Dieſe Gilde ift in den folgenden Zeiten und bis anitzo fortgeſetzet worden; ihre Articul aber, darinnen inſonderheit von der kuͤnſtlichen Bereitung des Waidtes Verſehung geſchiehet, werden fuͤr ein Geheimniß gehalten, und man anne mit einem uen j - ‚fie ir nichts bekannt machen — 154.321 8 Chiti Aan m | 4. Bey der Stadt Tännftidt find in den 1559 errichteten Statuten 2 ku vom Waidthandel und Waidtknechten befindlich, die ich, bloßſ zur hiſto⸗ riſchen Nachricht, " den SBofagan : No. XXV. angehänget habe, Don andern und! neuern Anordnungen iff am daſigen Orte nichts bekannt; und man mag wohl deſto t weniger Urſache gehabt haben, in neuern Zeiten an eine beſondere Waidtbe⸗ reit und Handelsordnung zu gedencken, da ſich der Waidthandel von (iger ud vorlangſt ab; und nach Langenſalze gelogen hat. Aoc Me Dieſe find Die ies Pe thüͤringiſchen Waidthandels⸗ Städte gewe⸗ en. Denn ſo viel Arnſtadt anlanget, da glaube ich, daß man gar keine Waidt⸗ ordnung noͤthig gehabt, weil, wie ich im zweyten Hauptſtuͤcke S. 2. erinnert habe, der ehemalige Wiidthandel daſelbſt fehr geringe senefin " unb Wem lch gar kurze Zei gine haben muß. | 25 $ 3. Die kuͤnſtliche Bereitung des Waidtes kann mit einem Worte beſhrieben werden; nemlich fie geſchiehet durch die Faͤulung, dar durch die en Theile der Pflanze völlig aufgeloͤſet werden. & 8 Dieſe Bereitung wird von denen, die ſie bloß aus der Erfahrung geler⸗ f | net 88 Das vierte Hauptſtuͤck. net haben, für ein Geheimniß gehalten. (*) Allein zu geſchweigen, daß es et nem, der die Sache nach gewiſſen Grundſaͤtzen zu beurtheilen weiß, nicht allzu ſchwer fallen kann, hinter das Geheimniß zu kommen; ſo haben ſchon andere vor mir die Bereitung in ihren Büchern ziemlich deutlich beſchrieben. Von der franzoͤ⸗ ſiſchen Waidtbereitung follen, nach des Hn. Hellot Zeugniſſe, in des ehemaligen Staatsminiſters, Colberts, Anordnung zum Färben einige Artickel befind⸗ lich ſeyn; Art de la Teinture des Laines f. 58. Man verfaͤhret aber damit in Franckreich nicht an einem Orte, wie an dem andern, und es hat der Verf. des Buches: La nouvelle Maifon ruftique tome I. f. 688. 689. drey unterſchiedene Ar⸗ ten / den Waidt zum Faͤrben zu bereiten, beſchrieben. Man kann auch hierbey den No. XXVII. unter den Beplagen befudlichen Auszug aus des. On. Hellot r nur an⸗ geführtem Buche nachleſen. Leute, die die franzöfi ſch e je Waidtbereitung mit an⸗ e geſehen, und den daſelbſt bereiteten Waidt in Faͤrbereyen gebrauchet haben, wollen verſichern, daß man gemeiniglich anders N als in Thüringen, damit verfuͤhre, und ihn ſehr klar arbeitete, ſo daß er wie eine Erde ausſaͤhe; daher er denn auch ſchwe⸗ rer, als der Thuͤringiſche waͤre, und fic) in der Küpe geſchwinder auflöfete, feine Kraft zum Färben aber nicht fo lange in der Süpe bewieſe, als der unſrige. Man packte ihn nicht, wie bey uns, in Faͤſſer, ſondern er wuͤrde in Saͤcke gethan und verführet, und es hielte ein Sack 150 bis 200 Pfund. „Von der in Thuͤringen üblichen Art, den Waidt zu bereiten, will ich hier nur t die Nachrichten mitthei⸗ len, welche Coler und Crolach in ihren Schriften bekannt gemachet haben, und denſelben eine andere, bis daher noch ungedruckte, beyfuͤgen. Die erſte Nach⸗ richt FFP (4 Der Herr von Falckenſtein ſchreibt in der thuͤringiſchen Chronicke lein er iſt ſehr unrecht unterrichtet geweſen. Den Bauern zu Friemar, Haufen und fü Th. L. S. 149. wie der Waidt zugerichtet werde, davon koͤnne ein Bauer aus Frie⸗ mar, Haufen und Pfuͤllendorff beſſer, als er, raiſonniren und Nachricht geben: al— lendorff iſt die kuͤnſtliche Bereitung des Waidtes ohne Zweifel bis auf den heutigen Tag noch ein Geheimniß. f Vom Waidte. 89 richt iſt folgenden Innhalts: (*) Die Waidthaͤlle, welche der Landmann in die Städte zum Verkauf gebracht, werden auf beſondern Böden Ellen hoch aufge⸗ fehüttet, da fie denn einen Rauch von ſich geben, aͤuſſerlich weiß werden, und alfo noch mehr verſchrumpfen. Die Boͤden ſind mit doppelt auf einander gelegten trockenen Bretern gedielet, damit ſie die Hitze nicht aufziehen kann, und mit Oeffnungen, dadurch genugſame Luft hinein kommen kann, verſehen; dieſe aber mit Laͤden ver⸗ wahret, welche anfaͤnglich beym Angieſſen zugehalten werden. Die Bereitung ſoll im Herbſte oder gegen den Winter fürgenommen werden, weil (ic) zur Som; merszeit wegen der Hitze das Waſſer allzu bald verlieret, und ber Waidt nicht ſo leicht entbrennet. Jedoch wird vieler Waidt im Sommer bereitet, damit er bald wieder in Geld geſetzet werden moͤge; und wenn man gehoͤrige Acht darauf hat, ſo geräth er eben fo gut, als der im Herbſte oder Winter bereitete. Anfänglich. nun werden die harten Baͤlle, wenn ſie erſt mit Waſſer erweichet worden, damit ſie ſich deſto leichter von einander geben, mit beſondern Waddthaͤmmern oder Ploͤ⸗ chern zerſchlagen. Selbige ſind von eichenem Holze mit einem 2 Elen langen Stie⸗ le verſehen, und auf der Seite, da man aufſchlaͤget, find 3 bis 4 ſchmale Strei⸗ fen von Eiſen, die nur ein wenig uͤber das Holz hervor gehen „eingezogen. Es gehet mit dieſen Inſtrumenten geſchwinder von ſtatten, als wenn man ſich kleiner Beile dazu bedienet. Dieſe zerſchlagene Waidtbaͤlle werden aufgehäufet , unb zmal mite fpes Waſſer Gi begoſſen, und es iti Fine gewiſſe Tor be, eee d em HO em E (*) Ich habe fie in einigen Stuͤcken ii aͤn⸗ wird er, und deſto beſſer wird ce fuͤr den dern - in € Faͤrber. Aber eben darum, weil er ſodann | coo $8u febr ins Gewicht fälle, und weniger ins Ben Diejenigen „welche Gelegenheit ". Maaß gehet, wird er nicht genug angegoſ⸗ ben, das Waſſer durch Roͤhren auf bie $567 ſen; wie man mich denn hat verſichern wol; den hinauf zu leiten, haben vielen Vortheil ſen, daß von dem Waidte, der ehedeſſen zu beym Angieſſen. Denn auf einen Haufen Gotha bereitet worden, 1 Scheffel etliche von 16 bis 17000 Schock Baͤllen werden gar und 3o bis 40 Pfund, der zu Langenſaltze be: gerne 1000 Butten Waſſer erfordert. Je reitete aber nur etliche und 20 Pfund gewo⸗ ſtaͤrker er angegoſſen wird, deſto ſchwerer gen habe. M 90 Das vierte Hauptſtuͤck. be, Intervalla und Interſtitia, zu welcher Zeit ſolche Begieſſung des Waidtes nach einander geſchehen muß. Wenn er zum erſten male angegoffen worden, fo wird er dergeſtalt erhitzet, daß er die groſſe Menge Waſſers, die hinein gekommen ift, wegen der Hitze und des Rauches verzehret, und wenn man ihn aufs neue at beitet, und wie einen Miſthaufen von einander reiſſet, einen ſolchen Rauch, Dampf und Hitze von ſich giebet, daß man die Haͤnde nicht lange darinnen leiden kann. Man bedienet ſich aber beym Arbeiten gewiſſer krummer Handeiſen mit einem Stiele, die einem Feuerhaken nicht unaͤhnlich ſind; damit wird der in einander entbrannte Waidt von einander gezogen, da es denn einen folchen Dampf machet, daß ein Arbeiter den andern, wegen des Nebels, nicht wohl ſehen und erkennen kann. Ferner hat man ein ſtarkes viereckigtes Holz, einer Hand dicke, und einer Ellen lang und breit, ſo unten mit eiſernen Stifften verſehen iſt, und einen ſchief eingehenden hoͤlzernen Stiel von 2 Ellen hat; damit wird der mit dem eiſernen Haken aus einander gezogene Waidt kleiner gerieben und gerollet, und darnach mit hoͤlzernen Schaufeln, dergleichen man beym Malze brauchet, wieder auf ein⸗ ander geworfen. Wenn er nun alfo bis in die fünfte Woche geruhet, (worauf ſonderlich Achtung zu geben ift damit er nicht gar verbrenne,) fo wird er zum atv dern male, wie zuvor, mit Waſſer angegoſſen; ſodann, wenn er genug erhitzet iſt, mit den Inſtrumenten von einander gezogen, und mit dem Blocke zerrieben, daß er immer klaͤrer wird; hierauf aber mit den Schaufeln wieder auf einander ge⸗ worfen, und, nachdem er gleichfalls wie beym erſten male geruhet, zum dritten male angegoſſen. Endlich wiſſen die Waidtbereiter die Zeit, wenn fie den Waidt⸗ haufen, welcher das eingegoſſene Waſſer verzehret hat, zum letzten male aus ein⸗ ander ziehen ſollen. Dieſes iſt zu bewundern, daß der Waidt auf das dreymalige Angieſſen mehr Waſſer verzehret, als die Quantität und der Haufe des Waidtes an ſich ſelber iſt. Die andere Nachricht, welche Crolach davon ertheilet hat, lautet in der Ueberſetzung alſo: „Die Art der Zubereitung iſt nicht einerley; aber „die gemeinſte ift dieſe: Im Herbſte müffen alle Baͤlle, welche etwas hart find, „mit Farbehaͤmmern oder Ploͤchern zerſchlagen werden: und dieſer Staub wird „hernach 3 Ellen hoch aufgehaͤufet. Hierauf wird ein Theil mit einer Picke oder Hacke Vom Waidte. | 91 „Hacke durchgearbeitet und umgewendet, auch ſtark mit Waſſer angefeuchtet, wel ches fid) hinein ziehet. Das geſchiehet den andern und vierten Tag hernach wies „der. Bey dieſer Anfeuchtung ift die nuͤtliche Regel wohl zu merken, daß derje⸗ »nige Waidt, der im trocknen Wetter gewachſen, oder ganz trocken eingefübret »ift, ſtaͤrker angemenget, derjenige aber, der viel Regen gehabt, nicht fo ſtark bes „goffen werde. Das ſtehende, oder Teich / und Fließ ⸗Waſſer, welches Virgilius inertem nennet, iſt dem Brunnenwaſſer vorzuziehen. Nachdem der Waidt „wieder umgewendet und aufgehaͤufet iſt; fo laͤſſet man ibn meiſtens 40 Tage lang „ruhen, bis er ſich ſelbſt entzündet, und, welches etwas beſonderes iſt, andere uns »fergemengfe Kräuter, und nebſt dieſen auch die ſchwer zu bearbeitende Theile, in; „gleichen die harten damit vermiſchten Haͤlmer ausbrenne und verzehre. Daher hat man bey uns ein gemeines Spruͤchwort, daß ein Pferd nicht fo viel koſte, taͤg⸗ „lich mit Hafer zu füttern, und daß es nicht o viel verzehre, als der Waidt „der „auf dem Boden aufgeſchuͤttet und getreuget iſt; denn der Haufen nimmt alsdenn „ehr ab. Einige mengen grüne Nußſchalen mit unter, welches aber ein Betrug „feyn ſoll, damit die Farbe dadurch beffer werde. (*) Ich weiß auch, daß eini⸗ „ge den Urin, und ſonderlich den man, nach ſtarkem Weinteincken, gelaſſen hat, „mit Fleiß ſammlen, und den Waidt in eben der Abſicht damit beſprengen. Das yiſt aber kein Betrug; ſondern es hat eine natürliche Urſache zum Grunde; denn „der Urin foll nicht wenig zu dieſer Sache beytragen. (**) Wenn das Waſſer „ausgefchüttet ift, fo wird alles mit einem entſetzlichen Geſtancke erfuͤllet; aber der „daher zu erwartende Gewinn giebt keinen übeln Geruch von ſich. Zuweilen traͤgt „ſichs zu, daß nach der Anfeuchtung, wenn es im Winter ſehr ſtarke Froͤſte thut, „wegen der allzu vielen Feuchtigkeit, und äufferlichen Kälte, alle Wärme verge⸗ „het, und der ganze Haufen erkaltet; daher auch, wegen der Farbe, alle Hoff⸗ »nung loge gegeben Mi Hier iſt nun alle Muͤhe „ a daß nicht M a nw bas; na HS e -b. HH EE NT Sie Farbe wird davon braun „und (**) Er bekommt mehr dd Bear alfo nicht beffer, ſondern ſchlimmer. liſches Salz. , 92 Das vierte Hauptſtuͤck. „dasjenige, was man mit groſſen Koſten, und mit vielem Verkehr zuwege ge „bracht und angeſchafft hat, zu merklichen Schaden in der Wirthſchaft, in nichts „verwandelt werde und drauf gehe. Die Waͤrme wird aber alſo wieder gebracht, „wenn man einen Topf mit gluͤenden Kohlen nimmt, und mitten auf den Haufen „ſetzet. Ferner wird ein Theil nach dem andern über Pfaͤhle geleget, da er wieder „erhißet wird; und was nun alſo von neuem entzündet iſt, das theilet die Waͤr⸗ me den naͤchſt liegenden Theilen mit, bis endlich, wenn das Feuer wieder vor⸗ „handen ift, die rechtmaͤßige und ordentliche Zubereitung hergeſtellet iſt. Wo „aber nur ein Theil der Waͤrme beraubet iff, und an einem andern Theile noch „Hauch aufſteiget, da wird das übrige auf die beſchriebene Art hingeſchaufelt, daß es wiederum einander entzuͤnde; wie er denn, wenn er gar ift, von fid) felber auf⸗ „höret zu rauchen. Wenn der Waidt getrocknet ift, fo wird er durchgeſiebet, (*) und was durch das Sieb gegangen ift, wird beſonders geſchuͤttet; was aber im „Siebe bleibet, und nicht hat durchfallen koͤnnen, wird mit gewiſſen Stampen, „pie einen Stiel von zwo Ellen haben, umgearbeitet und zerſtoſſen, wieder aufge⸗ „häuft, unb fo lange umgewendet, bis endlich alles klar und trocken iſt. Alsdenn zit er zum Wollfaͤrben tüchtig, und ie mehr er ins ſchwarze fallt, deſto hoͤher wird „er geachtet. (**) Man verwahret ihn alsdenn in taͤnnenen Faſſen, worein er „mit Keulen ſtark eingerammelt, oder eingetreten, und auf ſolche Art an fremde »Orte verfüͤhret wird, wenn er bald wie Sänfe: oder Taubens Mift ausſiehet. Die dritte noch ungedruckte Nachricht, welche idi in gewiſſen alten Acten inden habe, iſt alfo abgefaßt: „Der Waidt wird annu bereitet, „Es eee Beer 65) Man bedienet ſich eines beſonders da⸗ das klare hindurch fälte, bas groͤbere aber zu gefertigten groſſen Siebes, welches mit zuruͤck bleibe. Stricken an die Balken angehaͤnget iſt; da denn zwo Perſonen den Waidt mit Schau⸗ 9 Er "uf mit Schimmel bogen feln hinein werfen, und einer das Sieb hin ſeyn, welches die Waldthändler Ader und her ſchwencket, durch welche Bewegung nennen. Vom Waidte. 93 Es werden die Bälle wieder klein zerſchlagen, oder, nachdem er weich ift, zer⸗ „pflocet, Wenn nun zum wenigſten 20 Maas, (*) oder, wie die Waidthaͤnd⸗ „fer es zu nennen pflegen, Kübel beyſammen find, (denn wenn es weniger ift, „kann er nicht, wie hernach folget, in einander erhitzen und entbrennen,) wird er „auf einen Haufen zuſammen geſchlagen und gewendet; im Wenden aber fort für fort mit friſchem Waſſer angefeuchtet und angegoſſen; ſolches wird auch zum an⸗ „dern, und, nach Befinden, zum dritten und vierten male, iedoch zu unterſchie⸗ „denen Zeiten wiederholet. Dieſes Angieſſen machet, daß der Waidt in einan⸗ „der erhitzet und entbrennet, daß man keine Hand darinnen halten, und bald Eyer „darinnen kochen kann. Es geſchiehet aber ſolch Angieſſen am fuͤglichſten gegen „den Winter, wenn es beginnet kalt zu werden. Deun, wenn man es zur Som⸗ wpmerszeit fuͤrnimmt, wie etliche zu thun pflegen, fo verlieret ſich, wegen der Hitze, „das Waſſer zu balde, und thut bey bem Waidte nichts; er entbrennet nicht, und „bleibt roh. Da hingegen zur rechten Zeit durch die Erhitzung und Entbrennung „alle Cruditaͤt versehret und gleichfam gahr gemachet wird. Wenn er nun ziemlich „entbrannt ift, wird er fleißig gewendet, und in die fünfte (auch wohl ſechſte Wo⸗ „che nach dem Angieſſen, weil er dadurch ziemlich knotig wird, und ſolche Knollen „zum Reifthume nicht gelangen koͤnnen, mit breiten dazu ſonderlich gemachten Ploͤ⸗ vchern klein gerieben, und, weil durch ſolch Reiben ihm die Waͤrme ziemlich ent⸗ „gehet, wiederum hoch auf einander gebracht; dann, nach Befinden, daß er wie: „ver genungſam in einander entbrannt iff, aus einander geſetzet, und alfo Wech⸗ yſelsweiſe damit verfahren, und nach und nach gewendet. Wenn er denn liegt bis sum Petri Pauli des andern Jahres, (*) ſo halten bie Faͤrber davor, daß er M 3 „for 4 en TIL ” (*) Dieſes verhaͤlt fid) dem sten Artickel 26 Schock Baͤlle gehen, ſo muß der kleinſte der Zangenfalgifchen Innungs . Artick.l Haufen 520 Schock Baͤlle halten. gemaͤß. Wenn nun, wie mit Crolachs (r) So lange läßt man ihn anitzo nicht Worten beym Ften g. beg vorhergehenden mehr liegen, ſondern da iſt er ſchon wieder Capitels angemerket worden, in einen Kuͤbel in Geld geſetzet. 94 Das vierte Hauptſtuͤck. »fobann feine Farbe aͤcht von fid) giebet, (*) zuvor aber nicht fo wohl. Daher „kommt es, wenn der Waidt nicht zu rechter Zeit, auch nicht rechtſchaffen berei⸗ „tet, ja, wenn es gleich daran nicht ermangelt, dennoch vor der Zeit verführet „wird, und damit gefärbet werden ſoll, fo koͤnnen ihn die Faͤrber nicht zwingen, noch die Farbe heraus bringen. Da ſie nun gleichwol die Tuche damit anfaͤrben wollen und ſollen, fo muͤſſen fie den Indigo in ſolcher Menge mit dazu nehmen. „ Dieſen Nachrichten von der kuͤnſtlichen Bereitung des Waidtes will ich 3 di nige hieher gehörige Anmerkungen beyfuͤgen: 1) Als der Waidt in Thuͤringen noch an mehrern Orten ift bereitet wor⸗ den, bat man unter felbigen einige Eiferſucht bemerket, damit es einer dem andern darinnen zuvor thun moͤchte: wenigſtens ruͤhmet ſich ein Ort vor dem andern der beſſern Bereitung, wie aus der andern Note zu dieſem §. zu erſehen ift. So viel iſt gewiß, daß der bereitete Waidt nicht durchgehends von einerley Guͤte iſt; wie denn die Faͤrber den Unterſchied wohl merken. In Franckreich bekommt man den beſten Waidt aus der Dioeces Alb. S. des Herrn Det: Art de la Teinture des Laines f. 58. 2) Zu Gotha unb Langenfalge, wo man ins beſondere in Ahe d. der Be⸗ reitung des Waidtes gute Ordnung einzufuͤhren, und die Käufer durch Verſiche⸗ rung der dißfalls gebrauchten Vorſicht an ſich zu gewoͤhnen, mithin die Handlung mit dem Waidte zu befördern, bedacht geweſen iſt, hat man unter andern dieſe Einrichtung getroffen, daß nicht einem ieden Waidthaͤndler daſelbſt erlaubet ſeyn folle, den Waidt zu bereiten, ſondern es ſoll ſolches durch gewiſſe Leute geſchehen, die dieſe Bereitung wohl gelernet haben, und dazu beſonders vereydet worden, wie hiervon die Langenſaltziſchen Innungsartickel, und die hinten unter No. en bie angefügte Gothaiſche Vorſe chlaͤge eges einer Waidthandlung ein i meh⸗ See (*) Nein die Faͤrber halten itzo davor, daß er (eine Farbe nicht — acht von fic) go be, als wenn er wenigſtens 2 Jahr alt ift. Vom Waidte, — 95 mehreres beſagen. Coler beſchreibet die Waidtknechte (*) alſo: „Es werden „zu ſolcher ſchweren und harten Arbeit Perſonen genommen, die ſtarkes Leibes find, „die man faſt den Bootsknechten oder ſtarken Schiffleuten vergleichen möchte, „Darum werden auch die Waidtknechte zur ſelben Zeit von wegen ſolcher harten Ar⸗ „beit gar wohl unterhalten mit Speiſe und Tranck, an Biere und Wein; wird „ihnen auch eine gute Beſoldung gegeben, daß fie die Arbeit ertragen und ee „hen konnen. Im Sausbuche B. V. C. 87. S. 188. { 3) Wie man folchergefialt bey der Bereitung des Waidtes ale zu Beför⸗ derung des Waidthandels gereichende Sorgfalt angewendet hat: alſo hat man auch den allzu geſchwinden Vertrieb des bereiteten Waidtes, als eine dem Waidt⸗ handel nachtheilige Sache, einzuſchraͤncken geſuchet, und daher verordnet, daß er nicht zu frühzeitig gepacket und verführet werden ſolle. Der Verfaſſer des oft an⸗ geführten Buches: Arr tinctoria fundamentalis | „ ſchreibt davon auf der 239ten Seite mit gutem Grunde: „Es waͤre beſſer, wenn man den Waidt aͤlter wer⸗ „ven lieſſe, ehe man ihn brauchte. Denn was guter Waidt iſt, der nimmt an „Kräften ſtets zu; alfo daß er ſechs, fieben, auch wohl zehn Jahre lang, wenn er „vom beſten ift, gut bleibet, ,, Nach den Gothaiſchen Vorſchlaͤgen wegen einer Waidthandlung $. 13. foll der Waidt wenigſtens über ein Jahr, nach den Inſtructions⸗ Puncten, fuͤr die Waidtſchauer aber nur drey viertel Jahr alt ſeyn, ehe er gepacket und verfuͤhret wird. | 4) Der bereitete Waidt wird in taͤnnene Faͤſſer eingepacket, ind ſodann verfuͤhret. In Gotha mußte das Einpacken vormals in Gegenwart der beſonders dazu vereydeten Waidtſchauer geſchehen; wovon die Juſtructions⸗Puncte fuͤr die Waidtſchauer, unter den Beylagen No. XXIII., desgleichen die Vor⸗ wn | ſchlaͤ⸗ «undi (*) Cine abbice Beſchreibung findet man. famuli in praeparando guaſto ad commercium; in des Herrn Friſch teutſch lateiniſchen (das ift recht,) ſonderlich die, fo denſelben Woͤrterbuche unterm Worte Waldt S. in Baͤlle ſchlagen, (das iſt unrecht.) 47. Es heißt daſelbſt alſo: Waidiknechte 06 Das vierte Dauptitüd. ſchlaͤge wegen einer Waidthandlung No. XXII. S. 16. u. f. und der nd leyabſchied vom Jahre 1685. No. XXIII ein mehreres beſagen. Anitzo aber wird daſelbſt keiner mehr zum Faͤrben bereitet, mithin auch keiner zum Verfuͤhren gepacket. Man bekommt den bereiteten Waidt nur von Erfurt und Langenſaltze. Wie es am erſten Orte beym Einpacken gehalten werde, davon iſt mir weiter nichts zugekommen, als was man in der Waidtordnung vom Jahre 1612. No. XVII. $. 15. 16. findet. Die Waidtfaͤſſer fi nd itzo von unterſchiedener Groͤſſe; manche halten 8, andere 12 Scheffel, und es werden 4Scheffel zu einem Centner gerechnet. Der Preiß iſt ſteigend und fallend; itzo wird fuͤr ein Faß von 12 Scheffeln oder 3 Centnern (*) 10 Rthle. auf der Stelle, ohne die Fracht, gefordert. Die Faͤſſer find mit dem Rade, welches die Stadt im Wapen fuͤhret, und mit dem Privatzeichen des Kaufmanns bezeichnet. und auf gleiche Art wird es auch zu Langenſaltze gehalten. 5) Daß der thuͤringiſche Waidt ſonſten aft der Achſe, oder zu Lande, Hi den niedern Theilen von Teutſchland, ingleichen durch Sachfen nach Schleſien, Preuſſen, Bohlen u. f. w. ſtark verfuͤhret worden, ſolches erhellet aus dem zwey⸗ ten Hauptſtuͤcke, inſonderheit $. 3. Ich finde aber für dienlich, allhier noch dieſes nachzuholen, daß nicht weniger Waidt aus Thuͤringen zu Waſſer in die Seeſtaͤdte gegangen fen. Crolach hat daher Thuͤringen gar zu einem Seelande gemacht. Seine Worte lauten in der Ueberſetzung alſo: „Zu beſondern Nutzen „hiefiger Lande haben die Unſrigen eine Kunſt erdacht, daß fie das meiſte denen, „die an der See wohnen, zu Schiffe zufuͤhren koͤnnen; und zwar folgender maſ⸗ ‚fen: Die Sefäffe werden nach Myla, (**) (einem Barſtalliſchen Ritterguthe an e 54434944947 e DENE 4444-4 --4 494 (% Go viel foll es halten; man verſi⸗ chiſch. Ohnweit davon liegt das gothaiſche chert mich aber, daß faſt ein halber Centner Dorf Ebenhauſen, allwo ſonſt auch viel daran fehle. Waidt ſoll eingeſchiffet worden ſeyn. Ein Boot kann daſelbſt, bey angewachſenen Waſ—⸗ () Dieſes Dorf iſt itzo fuͤrſtl. eiſena⸗ e mit 3 bis 400 Centnern befrachtet wer; a a den. Vom Waidte. 97 van der Werre,) gebracht, und bleiben daſelbſt einige Zeit liegen, bis der Fluß „durch den Regen, oder zergangenen Schnee, angewachſen und ſchiffbar gewor⸗ „ben, wie denn auch andere Hinderniſſe erſt aus dem Wege zu ſchaffen find. „Nachdem nun eine bequeme Gelegenheit zum Schiffen erwartet worden ift, fo „bringen fie die Waare auf Steffen nach Münden, welches die Vereinigung der „Fluͤſſe Werra und Fulda, zu einer Halbinſel machet. Da hierauf dieſe beyden vbereinigten Fluͤſſe groͤſſere Laſten von Schiffen tragen koͤnnen; ſo wird er bis an „die Seeſtadt Bremen geſchafft. Von daher haben wir mit den an der See woh⸗ „nenden unſern gemeinſchaftlichen Handel. Denn durch eben dieſen Canal wird „alles, was zum nothwendigen Unterhalt des menſchlichen Lebens erforderlich iſt, „in unſer Thüringerland zurück gebracht; dergleichen Waaren wir ſonſt entweder „gar entrathen, oder gewiß viel teurer den Fremden abkaufen müßten, Aber auf „oiefe Art haben wir Theil an allem, was die offene See hat, daß alfo, die Wahr⸗ „heit zu ſagen, Thuͤringen mit Heſſen zu einem Seelande geworden iſt; indem „vor unſern Augen Kaufmannsſchiffe, die mit auslaͤndiſchen noͤthigen Guͤthern bela⸗ den ſind, ausgeladen werden. E © Man wurde eine dem gemeinen Weſen febr. erfprießliche Sache unternehmen, wenn man den Waidt auf andere, als die bisherige Art, zum Faͤrben zu bereiten, und eine dem Indigo aͤhnliche Farbe aus dem Waidte heraus zu bringen, ſuchen wollte. \ (T AN SC | E. Gol eee eee den. Der unterſchied unter der chemaligen wird, laͤſſet fich einiger maffen von dem an⸗ und itzigen Verſendung des Waidtes durch derwaͤrts angezeigten Unterſchiede des diefen bequemen Weg, wodurch Thüringen Waidtbaues in den altern und itzigen Zeiten noch inſonderheit mit Heringen verſehen beurtheilen. ^ Das vierte Hauptſtuͤck. 2 o W Sollte wohl dieſe Sache den itzigen an neuen Erfindungen fruchtbaren Seb ten unmoͤglich, oder auch nur ſo ſchwer fallen, als es uns bis hieher geweſen iſt, das bekannte tuͤrkiſche Garn nachzumachen? Ich glaube nicht; und bin der Mey⸗ nung, daß es bishero nur an Leuten gefehlet, die Hand ans Werk haben legen wollen. Ich ward auf dieſe Betrachtung geleitet, als ich zum erſten male die Waidtbaͤlle, im October, bey febr feuchtem Wetter, auf den Horden unter frey⸗ em Himmel zum Trocknen ausgeſtellet fabe, und dabey vernahm, daß, wenn dieſe Witterung lange anhielte, man die Baͤlle in der Stube trocknen muͤßte. Wie ich über dieſe Art, die Waidtbaͤlle zu trocknen, lachte: fo verlachte man mich bo; malen, als ich fragte: ob man denn keinen kuͤrzern Weg, den Waidt zum Faͤrben zu bereiten, ausfindig machen koͤnnte? und ob ſich diß Kraut nicht, wie der Anil in Indien, ſollte tractiren laſſen? Geraume Zeit hernach fand ich dieſe Frage von dem Herrn D. Wedel (*) fo beantwortet: „Man duͤrfte nicht alle Hoffnung „fahren laſſen, auf kuͤnſtliche Art Indigo aus Waidt zu bereiten ꝛc. „ und es kam mir zu eben der Zeit des Herrn Scheffers Buch, de arte pingendi, zu Handen, welcher mich auf die Gedancken fuͤhrete, daß dieſe Kunſt wohl gar unter die ver⸗ lohren gegangenen zu rechnen fep, Seine Worte lauten auf der 175ten Seite, in der teutſchen Ueberſetzung, alſo: „Hernach folget der Indigo, welcher bey den „Alten in groſſem Werthe war, wie aus dem Plinio zu erſehen if. Ruellius „befräftiget, daß er auch aus dem Kraute, welches Glaſtum, oder Ifatis, ober : aud) TTC 98 (*) In der Schrift de fale volatili planta- sum cap. 7, woraus ich die bepben hieher gez hoͤrigen Capitel in teutfcher Ueberſetzung den Beylagen No. XXVI. angefuͤget habe. Kurz zuvor ſchreibt er: „Zu unſerer medicini⸗ » fd Abſicht ift es genung zu wiſſen, daß Indigo und Waldt einerley Urſprung ha⸗ „ben, und ſonſt nicht, als in der Zuberei⸗ „tung unterſchieden ſind; daher unter an⸗ „dern ein Spanier, Amatus, ſchreibet, ^n; »bigo fe der reineſte Saft vom Waidtkrau⸗ te, welchen man alfo verdickt, daß eine fe »fte Maſſe daraus wird, „ | Vom Waidte. 99 „auch Paftilla, von ben Unſrigen Waidt genennet wird, gemachet werde, indem „man ihn erſt ſtoͤſſet, den gekochten und oben auf ſchwimmenden Saft aus den „heiffen Gefaͤſſen heraus nimmt und trocknet. Vitruvius, welcher deſſen auch „gedencket, ſaget, es werde Kreide darunter gemiſchet. Man hat auch ande⸗ „re Arten, ihn zu bereiten, welche wir mit Wiſſen übergeben, „ Als lein ſo wenig auf die von dem Herrn Ruellio angezeigte Art Indigo aus dem Waidte zu bereiten ſeyn wird: fo wenig gehet auch meine Meynung dahin, den Waidt juſt (o, und auf eben die Art, wie den Indigo, zu verfertigen; (*) um nicht eine eben ſo unbeſtaͤndige Farbe, als der Indigo iſt, daraus zu bekom⸗ men; ſondern es muß eine von allen untauglichen Theilen geſauberte Farbe daraus bereitet werden, welche dem Indigo an Schoͤnheit gleich kommt, und an der Dauerhaftigkeit übertrifft. Die Erfindung dieſer Farbe ift zwar nicht dem Hauptzwecke meiner Beſchaͤftigungen gemaͤß: ich habe aber doch, bey angeftellten | N 2 Ver⸗ a 9009-09-09 09094 (* Man hat vielerley Beſchreibungen von der Art, den Indigo zu verfertigen; die aber in verſchiedenen Stuͤcken von ein⸗ ander unterſchieden, und zum Theil aus dan⸗ dern Buͤchern nur ausgeſchrieben ſind. Ich will hier nur folgende anfuͤhren: Peter Pomets aufrichtigen Material! fien und Specereyhaͤndler Th. I. B. 4. Cap. 10. und 11. S. 187. u. f. Des Capitain Salmons heutige Hiſtorie, oder ber go genwaͤrtige Staat aller Nationen, Th. I. St. 6. S. 109. u. f. Des An. Taverniers indianiſche Reiſebeſchreibung B. II. Cap. 12. Das groſſe Univerfal: Lexicon unter dem Worte Indig; Des Herrn Hellots Art de la Teinture des Laines , Chap. VII. f. 123, und die Hifoire der Zoyaux , deren Verfaſſer in Act. philgſ. angl, a. 1666, menf; Marr. H. III p. 345. Chapuzeau genennet wird, und woraus der Herr D. Wedel in der unter den Beylagen No. XXVI. be⸗ findlichen Schrift einen Auszug geliefert hat. Vielleicht bekommen wir bald eine neue ausfuͤhrlichere und zuverlaͤßigere, als die angefuͤhrten alle zuſammen ſind. Denn ich erſehe aus dem hamburgiſchen Magazine VII. B. II. St. und dem daſelbſt S. 198. be⸗ findlichen Verzeichniſſe von den neuen Ent⸗ deckungen, welche der Herr Licentiat Haſſelgeiſt ſchon in Aegypten gemacht, und an ben berühmten Hn. Linngeum uͤberſchicket hat, daß darunter auch eine von der, Zube; reitung des Indigo vorkomme. 100 Das vierte Hauptſtuͤck. Verſuchen im kleinen, fo viel befunden, daß es eine mögliche Sache ſey, derglei⸗ chen Farbe heraus zu bringen, und ich werde noch mit mehrerer Angelegenheit dieſe Verſuche künftig gel. GOtt fortſetzen. Sollte ich es auch nicht bewerkſtelligen; fo werden ſich andere die Wichtigkeit der Sache zum Antriebe dienen laſſen, ent⸗ weder ihren Fleiß mit dem meinigen zu vereinigen, oder auch fuͤr ſich allein die Bemuͤhung darauf zu richten; immaſſen es mir, wie überhaupt, alfo auch in bie ſem Stuͤcke, ſo wenig um meine Ehre, als um meinen Nutzen, ſondern um die Ehre Gottes und das Beſte meines Naͤchſten zu thun if, Oft ſaͤet einer aus, und ein anderer erndtet ein; fo iſt nun weder der da ſaͤet, noch der da erndtet, et⸗ | E fonbern GOtt, ber das Gedeyen giebet, (*) CC Sehe D-00000 0-090 0-00 = 185 Was ich hier vorgeſtellet habe, iſt von mir ſchon vor 5 Jahren aufgeſchrieben geweſen. Ich habe aber nachher gefunden, daß noch mehrere in ihren Schriften auf ei⸗ ne fo erſprießliche Erfindung gleichſam mit Fingern gewieſen haben: inſonderheit Pomet in dem aufrichtigen Specerey⸗ haͤndler B. V. C. 12. S. 192. und der Frey⸗ herr von Schroedern in der fuͤrſtlichen Schatz und Renthcammer S. 298. „Den „Indigo, ſchreibet dieſer, ſollten wir laͤngſt „verbannet haben, dann es ein Unkraut in „der Faͤrberey ift; wiewol, da wir ſolchen mt hig hätten, derſelbe leicht nachzumachen „waͤre.,, Nur neulich iff mir das im Jahre 17 50 zu Paris gedruckte Buch: 1 Art de Ja Teinzure des Laines, pa; M. HELLO r zu Handen gekommen, aus welchem ich erſehe, daß der Herr Verfaſſer, in Betracht der Berei⸗ tung eines Indigo aus dem Waidt faſt eiz nerley Meynung mit mir geheget habe, und daß auch ſchon in Franckreich von dem Hrn. Aſtruc Verſuche damit gemachet worden. Ich habe fuͤr dienlich erachtet, einen Auszug aus dieſem Buche in teutſcher Ueberſetzung, mit einigen Anmerkungen, un⸗ ter den Beylagen No. XXVII. mitzutheilen, worauf ich mich allhier beziehe. — CRISE E von dem Giraud des Waidtes zum girbe (d 3 Derr bereitete Waidt giebt eine blaue Farbe, welche eine von e denen fünfen ift, fo einfache, oder von den Faͤrbern Grund⸗ farben genennet werden, weil man ſie nicht nur allein auf Seide, Wolle, Baumwolle, Lein, und daraus bereitete Waaren bringen, ſondern auch, durch Vermiſchung mit andern , PECIA ne andere Arten von Farben damit machen kann. $$ 27 9 S | So lange bie erdichten Theile der Pflanze nicht völlig abgeſondert find, wird man keine tuͤchtige Farbe aus dem Waidte heraus bringen. Wenn ſolches aber durch die kuͤnſtliche Bereitung, da das Salz unb feſte Weſen des Blattes, vet mittelſt der Gaͤhrung, welche die Wärme und die Reife der Pflanze erregen, auf geloͤſet wird, gehörig geſchehen, fo entſtehet daraus dieſe Grundfarbe, nemlich Blau. Die uͤbrigen einfachen oder Grundfarben ſind Roth, Gelb, Braun, und Schwarz; wiewohl der P. Caſtel in der Sarbenoptick C. XIII. S. 158. da⸗ fuͤr haͤlt, es heine nicht unmöglich zu kon, alle andere Farben, von den 3 N 3 Haupt⸗ 102 Das fünfte Hauptſtuͤck. Hauptfarben, Blau, Roth, und Gelb, und aus 3 Keſſeln zu verfertigen, unb die Faͤrber legten es, nach ihrer itzigen Art, ſchon darauf an. (*) Vermiſchet man Gelb mit Blau, ſo wird daraus Gruͤn, und die Faͤrber faͤrben aus einer Kuͤpe beydes Blau und Gruͤn, indem, wenn ſie weiſſe Tücher in die Waidtkuͤpe eintauchen, ſelbige Blau, wenn ſie aber vorher gelb gefaͤrbete hinein thun, ſelbige Grün wieder heraus kommen. Wenn Blau und Roth vermiſchet werden, fo ent ſteht daraus Violet und Purpur, (**) und fo auch aus Vermiſchung der Mate⸗ rien, die das Falbe und Schwarze ausmachen, Braun, Oliven und andere Farben. $. 2, Der Gebrauch des Waidtes zum Sarben iſt ſehr N (*) Er meynet auf der 1ö6oten Seite, wenn Schwarz gefaͤrbet werden ſollte, ſo festen die Schönfärber alle 3 Hauptfarben zuſammen, und thaͤten zuletzt Kupferwaſſer und Gallaͤpfel dazu: allein dieſes iſt ſchlecht gefaͤrbet. Schwarz machen unſere Kunſt⸗ faͤrber aus dem ſo genannten Blauholz oder Braſilio purpureo, gutem Weinſtein und Vi⸗ triol. (*) Der Herr Canzler von Ludewig macht viel Werk daraus, daß der Purpur nicht unter die verlohren gegangene Dinge zu rechnen ſey, indem der Waidt das gemeine Fundament des Purpurs waͤre; in der Diſ— ſertation de re bafaria tinctorum p. 24. u. f. und in der Vorrede zum VIII. Theile der Zeliquiarum MStorum p. 5. Allein, ob es zwar an dem iſt, daß Blau und Roth Pur— pur giebt; und ob gleich Garzon, alt, D $ tt im allgemeinen Schauplatze aller Rünfte, Profeß ionen und Handwerke S. 609. der Meynungliſt, daß aus Waidt und Alaune Purpur zu machen ſey: fo brauchen doch die Faͤrber den Waidt gar nicht zum Pur⸗ pur, und es iſt ihnen vielmehr die Cochenille das genuine Fundament des Purpurs. Er kann zwar auch noch auf andere Art gemacht werden, indem man, nach des Hn. Hofrath Zinckens Anführen, erſt Alaune braucht, hernach Rothholz darauf traͤgt, es in fau ge leget, und alſo die Purpurroͤthe heraus bringt; dieſes aber iſt ſchlecht gefaͤrbt, und von keiner Dauer. Indicum male quidam ſub purpura collocarunt. melinum comprehendere auſi ſunt, temeritate fecerunt ex errore culpam. SCALIGER Exercitat, 325. n, I5. p. 1047. Nam quod eodem Vom Waidte. 103 alt, C*) und man findet bey den aͤlteſten Seribenten davon Nach⸗ (* Ich habe daga gelehrten Hn. Prof. Simonis eine Anmerkung zu danken, wel; che ich hier ſo, wie ſie mir mitgetheilet wor⸗ den, einruͤcken will: „Es geſchiehet in dem „alten Teſtament, ſonderlich in Beſchrei⸗ „bung der Stifftshuͤtte, und der hohen; 5 prieſterlichen Kleidung, zum oͤftern von „einer Farbe Meldung, welchel im hebraͤi⸗ »fchen Thecheleth (m95m) heißt. D. „Luther hat dieſes Wort durch gel: Seide Huͤberſetzet, da doch zu Moſis Zeiten die „Seide bey den Juden noch nicht bekannt „gewefen, wie Bravnıvs de Veſtitu Sacer- »dotum Hebraeosum Libr. I. cap. g. gezeiget „hat. Die 70 Dollmetſcher, Joseruvs, „PHILo, und ber lateiniſche Vulgatus ver; „ftehen dadurch Hyacinth⸗Farbe. Daß aber „hierdurch eine blaue Farbe gemeynet ſey, „ſolches haben Bocnan rvs in Hierozoico „Part. U. Libr. V. c. ic. et u. und BRA v- „N IVs I. c. cap. I5. mit mehrerm bewieſen, „womit auch die Juden in ihrem Talmud „überein ſtimmen, welche dieſelbe als Him⸗ „meldlau beſchreiben. S. Bvxtorrrıı „Lexicon Talmıdicum col. 2591. Fragt man nun aber die Juden, die fid) in allen Sa⸗ „chen gleichſam einer Allwiſſenheit anmaſſen, „ob fie gleich in phyſicaliſchen Dingen die „größten Ignoranten find: woraus dieſe blaue Farbe verfertiget worden? fo fagen richt, „fie einmuͤthig: von dem Blut einer gewiſ⸗ „fen Meerſchnecke, Chillazon (mom) ges „nannt. Sie miſchen aber ſo viel Fabel⸗ „werk mit ein, daß man leicht ſiehet, wie „wenig man ihnen darinnen trauen koͤnne; »i. E. fie ſagen „dieſe Schnecke ſey nur alle „7 Jahr einmal aus dem Meer hervor gez „kommen und gefangen worden; man habe „fie in dem Salz oder Todten⸗Meere ges „fangen, da doch in dieſem Meere nichts „lebendiges dauren kann; man habe ſie bey „der Stadt Tyrus gefangen, welches mit »„Ezech. 27, 7. zu ſtreiten ſcheinet, allwo gez »fagt wird, daß man dieſe Farbe, oder das „damit gefärbte Zeug, aus den Inſeln Eliſa „oder Griechenlandes nach Tyrus gebracht, „und daſelbſt verkauft habe. Es iſt alſo die „Meynung des Herrn Probſts Harenberg „in dem Mufeo Bremenſi Vol. II. pag. 298. »ftbr wahrſcheinlich, welcher durch dieſe » blaue Farbe unfer Glatum oder Waidt ver⸗ „ſtehet: wie dann ſowohl das hebraͤiſche „Wort Thecheleth , oder wie es die Juden „ausſprechen, Thecheles, als das talmudi⸗ »fche Chillazon , ober wenn man das hebraͤl⸗ »fche Zain wie sd ausſpricht, (welches die „Alten bisweilen gethan haben,) Chillasdon „mit Glaftum überein kommt. Der Irrthum „der Juden von einer Meerſchnecke ſcheinet vbielmehr daher entſtanden zu ſeyn, bag fie v war 104 Das: fünfte Hauptſtück. richt, daß man ſowohl mit dem Waidte, als mit dem Indigo, zu ihren Zeiten in Faͤrbereyen umzugehen 1 y ie A gar W liche Coͤrper damit gemahlet habe. 5 OVI 5 05 ve. Nach den Zeugniffen Vitruvii und Plinii, welche beyde zu unſers Heylandes Zeiten gelebet haben, hat man ſchon damals in unſerm Welttheile Sym digo und bereiteten Waidt zum Färben gebraucht; weil aber der Indigo febr rar geweſen, ſo hat man ihn auf eine betruͤgliche Art nachgemachet, und entweder Taubenmiſt, oder gewiſſe Arten von Kreide im Waidte gefaͤrbet, mithin eine dem Indigo aͤhnliche Compoſition heraus gebracht, und die Kaͤuffer damit betrogen. Ich will erſt beyde Stellen anfuͤhren, ſodann die Fehler der Ausleger anzeigen, und hernach meine eigene Meynung davon eroͤffnen. Vitruvius berichtet in dem bekannten Werke de Arebitectura libr. VII. c. 14. folgendes: Qui non pof- ſunt chryſocolla, propter caritatem, vti, herba, quae luteum appella- tur, caeruleum inficiunt, et vtuntur viridiffimo colore. Haec autem in- fectiua appellantur, Item propter inopiam coloris indici, cretam felinu- fiam aut piena vitro, quod Graeci za (*) Waben , inficientes, imi- 444444 .d. c- -... U -. 1457200 „zwar den Iafeinifchen Namen diefer Farbe „von andern gehoͤret, aber nicht verſtanden, „ſondern: mit einem ähnlichen Worte con „fundirt haben. Dann, weil ſowohl in der „fprifchen Sprache Chalzun, als in der ara⸗ „biſchen Chalazun uberhaupt eine Schnecke „bedeutet, auch fonft Chillazon oder Chal- »zon im Talmud überhaupt von einer „Schnecke gebraucht wird, und ihnen nicht „unbekannt geweſen, daß die Purpur⸗Farbe „von einer Schnecke verfertiget worden, ſo „haben ſie gleich geſchloſſen, es muͤſſe auch „dieſe blaue Farbe von einer Schnecke kom⸗ z men. „„ (*) jo beißt vitrum, Glaß, im ei⸗ gentlichen Verſtande. Das lateiniſche Wort vitrum bedeutet aber auch "lIe«r» , und fo hätte es hier uͤberſetzet werden follen, wie Salmaſius bey gegenwärtiger Stelle wohl er⸗ Vom Waidte. 105 imitationem faciunt indici coloris. Nachdem Plinius vom Purpur gere⸗ det, fo ſchreibt er in „Moria naturali libr. XXXV. 6.6, alſo: Ab hoc maxima auctoritas Indico. Ex India venit, arundinum ſpumae adhaereſcente li- mo: cum teritur, nigrum, at in diluendo mixturam purpurae caerulei- que mirabilem reddit. Alterum genus eius eft in purpurariis officinis in- natans cortinis: et eft purpurae ipaa Qui adulterant vero Indicum, ſtercora columbina , aut cretam ſelinuſiam vel anulariam vitro inficiunt. Probatur carbone. Reddit enim, quod fincerum eft, flammam excel- lentis purpurae, et, dum fumat, odorem maris olet. Ob id quidam e fcopulis id colligi putant. dede s Indico denarii viginti inlibras, In - medicina Indicum rigores ct impetus fedat , ficcatque vlcera. So finde ich beyde Stellen in alten und accuraten Ausgaben dieſer Werke ausgedruckt, und fo laſſen fie ſich auch leicht erklaͤnen, wenn man richtige Begriffe von der Sache hat, von welcher die Rede iſt. Es ſind aber beyde den Auslegern Steine des An⸗ ſtoſſens geworden. Sie haben zum Theil bey der erſten Stelle des Vitruvi nicht gewußt, was ſie aus den Woͤrtern luteum, vitrum und Zero» machen ſollen. Man höre nur einmal, wie der Hr. D. Rivius die angeführten lateini⸗ ſchen Worte in feiner zu Nuͤrnberg 1547 heraus gekommenen Ueberſetzung des Vitruvii S. 239, teutſch gegeben hat: „Welche nit von Koſten wegen, das „Chryſocolla brauchen koͤnnen, die behelfen fid) des Krauts, Luteg genant, das „giebt eine ſchoͤne gruͤne Farb. Aber ſolches gehoͤret mer den Ferbern zu. Sol⸗ „chergeftalt mag man auch anſtatt des Indichs die ſelinuſiſchen Kreiden brauchen, „oder die Anulariam, welche von den Griechen Hyalon genant wird, „ Eine | Nac Probe, daß dieſer Doctor nicht einmal lateiniſch verſtanden habe. (*) | Bey eee 1444442444949 444444 ! erinnert hat. Denn mit dem Vitro, wel⸗ Ein mehreres davon wird weiter unten bey ches man dd interpretiret, oder mit Glas der Stelle Jul. ſaris vorkommen. fe, läßt fich, natürlicher Weiſe, nicht färben, 3 er Die Wotte des Vitruvi wollen E») fo 106 Das fünfte Hauptſtuͤck. Bey der Stelle Plinii find den Auslegern ſonderlich die Worte: arundinum ſpumae adliaereſcente limo; ſodann dieſe: qui adulterant vero Indicum, ftercora columbina aut cretam - -. vitro inficiunt, Naͤthſel geweſen. Die erſtern Worte haben ſie aus Dioſcoridis Nachricht von eben dieſer Sache erlaͤutert, oder vielmehr verdunckelt. Dioſcorides lebte zu gleicher Zeit, als Plinius, und man hat ehedem daruͤber geſtritten, welcher von beyden den andern ausgeſchrieben habe? Ich bin der Meynung zugethan, daß keiner von beyden des andern Schriften geſehen, beyde aber, bey deren Verfertigung, zu ei⸗ nerley Quellen gerathen ſeyn muͤſſen. Da nun Dioſcorides die Nachricht vor ſich hatte, daß die eine Art des Indigo der Schaum eines gewiſſen rohrartigen Holzes ſey, woran noch viele Unreinigkeiten hiengen; ſo verfiel er auf bie Mey⸗ nung, daß dieſer Indigo von Natur fo gewachſen fep. (*) Hierdurch hat ſich der Pater Harduin verfuͤhren laſſen, daß er in der praͤchtigen Ausgabe von Plinii hiſtoria naturali, welche zum Gebrauch des Dauphin zu Paris 1723 in Folio ans Licht getreten ift, bey Erklärung dieſer Stelle hinzu ſetzet: „ Dieſe Art des ſelbſt gewachſenen Indigo waͤre uns unbekannt, fo wie fie auch zu Plinii Zeiten ſelbſt febr rar geweſen. „ Allein wenn Harduin den Plinium nur recht angeſehen hätte, ſo wuͤrde er befunden haben, daß er beyde Arten des Indigo unter die Bc Farben (factitios colores) ausdrücklich gerechnet, ö und bebes De Nd e eee fe viel anzeigen: Diejenigen, welche ſich nannten Vitro, ſo die Griechen Vae», viridi, des Berggruͤns, wegen des theuren Preißes, die Teutſchen Waidt nenneten, auf welche zum Faͤrben nicht bedienen koͤnnten, brauch⸗ Art eine dem Indigo m Farbe nachge⸗ ten das Kraut, oder vielmehr die gelbe Blu⸗ machet würde. me, von bem Kraute Lutea, (Streichkraut, fr. Gaude,) und vermiſchten es mit Blau, (* Seine Worte lauten alſo: Ex Indi- welches eine hellgruͤne gaͤbe. Wegen ci generibus vnum fponte natura prouenit, Mangels des Indigo färbten einige die feliz veluti fpuma indicis Feen adhae- nuſt ſche und anulariſche Kreide in dem fogez — refcens etc. e Vom Waidte. 107 und zwar mit mehrerer Gewißheit, als Dioſtorides die eine Art deſſelben fir filet gewachſe ausgegeben hat. Die andern Worte des Plinii verfalſchen die er auf folgende Art: Qui adulterant, vero Indico tingunt ſtercora columbina: aut cretam ſelinuſiam: vel anuldttadd e vitro inficiunt. Eini⸗ ge haben gar, um den Verſtand noch mehr zu verdunckeln, ; für vitro, vltro ge ſetzet. Nun will ich aber die Sache deutlicher machen. Man hatte zu denen Zeiten, wovon hier die Rede iſt, zweyerley Arten des Indigo. Die erſtere war ein nicht ſo ausgezogener und getrockneter Saft der Anilpflanze, wie man ihn nach⸗ her bereitet hat, ſondern er war noch mit vielen erdichten Theilen der Pflanze j oet; n: bene Pflanze ſelbſt, (“) und hatte eine Aehnlichkeit mit m Taubenmiſte, wie unſer itziger bereiteter Waidt; nur daß er ſtaͤrker von der Site enger geweſen, und ſchwaͤrzlicher ausgeſehen haben muß, als unſer Waidt. Dieſes zeigen die Worte an, daß die Verfaͤlſcher deſſelben Taubenmiſt mit Waidte (denn dieſes bedeutet das Wort vitrum) gefaͤrbet, und dadurch ei⸗ ne dieſer Art des Indigo ähnliche Farbe zuwege gebracht. (**) Wenn man ihn zerrieb, fo ſahe er ſchwarz, allein, wenn er aufgeloͤſet ward, ſo zeigte er eine vor⸗ trefliche Miſchung von Roth und Blau. Die andere Art war der abgenommene und getrocknete Schaum aus der $i ipe, worinnen, veg TERN des Blauen f ‚ R mit klippen geſammlet würde. e genaue Beſchreibung und Abbildung des Anils hat 4 () Die Worte: arundinum fpumae ad. haerefcente limo geben zu erkennen, daß man zu denen Zeiten, wovon hier die Rede iſt, keine eigentliche Nachricht von der Anilpflan⸗ ze und der Bereitung des Indigo aus felbi ger, gehabt haben muͤſſe, weil man ihn für einen Saft eines rohrartigen Holzes gehal⸗ hen aber der Anil nicht iſt; ich Plinius anfuͤhret, einige hielten, wegen des Geruches, den er im Faͤr⸗ ben von fich giebet, davor, daß er von See⸗ der Hr. Marchant ertheilet in der Aitoire de P. Academie voyale des ſciences 1718. pina. der a ammer ausgabe 1 er) Ber! man 160 Taubenmiſt i im Waidte tingiren wollte, fo. würde man nicht die geringſte Aehnlichkeit mit dem Indigo, wie er gegenwaͤrtig ann itbet / heraus brin; gen. 108 Das fünfte Hauptſtuͤck. mit dem Rothen, Purpur gefátbet ward, oder die fo genannte Blume. Dieſe kunnten die Verfaͤlſcher auf folche Art nachmachen, wenn ſie ſelinuſiſche oder anula⸗ riſche Kreide im Waidte faͤrbeten. Jene hatte von dem Orte, wo ſie gegraben ward, den Namen; dieſe war, nach Plinii Anmerkung, eine aus Kreide und Glaß zuſammen geſetzte weiſſe Farbe, deren ſich die Mahler; ſonderlich zu Wei⸗ besbildern, bedieneten. Beyde kunnten, wegen ihrer Klaͤre, gut zu dieſer Betruͤ⸗ gerey gebrauchet werden. Die erſtere Art des Indigo war rar, weil ſie, wegen der Unreinigkeit, die ſolcher Indigo noch bey fich hatte, nicht fo leicht zu verfuͤh⸗ ren war, als der itzige, von allen Unreinigkeiten geſauberte, getrocknete Saft aus der Pflanze; weil man hiernaͤchſt in unſerm Welttheile den Waidt zum Färben ſchon zu gebrauchen wußte, und weil vermuthlich dieſer mit noch vieler Unreinig⸗ keit vermengete Indigo im Faͤrben nicht viel mehr gethan haben mag, als der Waidt. Die andere Art aber, oder die aus der Faͤrberkuͤpe oben abgenommene und getrocknete ſo genannte Blume a war an li ſelbſt nicht i. in Faͤrbereyen, no" fon: 94 HHCHHHHH e e HR (*) Florée d' Inde, der abgeſchaumte und getrocknete Geſcht ſiehet faſt wie Indigo aus, und, wird auch, nach dem Berichte Valentini in der Natur · und Materia. lien: Cammer Th. I. S. 24. von unverſtaͤn⸗ digen oft für Indigo gekauft; hat aber kaum die halbe Kraft zum Färben, als der Indigo. Der Herr Pomet ſchreibt davon im Veen Buch, 12ten Gap. auf der 192ten S. alfo: » Die Färber, die dieſe Waare „brauchen, laſſen den Schaum davon fro »denen, welcher alsdenn dem Indigo, ber „Farbe nach, ziemlich gleich kommt, und „von uns unter dem Namen Flore& d' Inde, „Indigoblume, verkauft wird, auch den „Seribenten, die fid) auf die Waaren nicht „verſtanden, als da ift der Hr. Dalechamp „und andere, Anlaß gegeben, daß ſie den⸗ „ ſelben Schaum für rechten Indigo gehal⸗ „ten. eft alfo aus biefer Beſchreibung zu „erſehen, daß es gar wohl möglich waͤre, „eine dem Indigo ganz gleiche Farbe aus „den erſten und jungen Blaͤttern des Waidts „zu ziehen. » Bey uns wird die Blume nicht abgenommen und getrocknet. Unſere Faͤrber kennen den Indigo, und laſſen ſich mit einer ſolchen nachgemachten Farbe nicht betruͤgen. Die Mahler brauchen ſie auch nicht. Denn das Berliner Blau thut ihnen beſſere Dienſte. Der Waidt macht in der Kuͤpe Vom Waidte, 109 ſondern nur für die Mahler zu gebrauchen. Aus dem angeführten laͤſſet fid) alfo . dieſes folgern, daß man ſchon zu den Zeiten unſeres Heylandes in unſerm Welt⸗ theile mit dem Indigo ſowohl, als mit dem Waidte blau gefaͤrbet; daß aber der Indigo damalen noch nicht ſo zubereitet geweſen, als man ihn lange nachher zu be⸗ reiten angefangen hat, (*) und noch itzo bereitet, und daß es das Anſehen babe, daß er damalen auf eine ähnliche Art, wie unfer bereiteter Waidt, müffe ſeyn zw gerichtet worden. Am hieſigen Orte iſt noch beſonders von dem alten Gebrauche des Waidtes Meldung zu thun, da gewiſſe heydniſche Volker ihre Leiber damit gefärbet haben. Julius Caeſar und Plinius bezeugen ſolches von den Britten. Dieſer ſagt, es hätten fich die brittiſchen Weiber und Jungfern damit am ganzen Leibe gefaͤrbet, und waͤren alſo bey ihren Religionsuͤbungen nackend einher gegangen, um wie Mohren auszuſehen. Simile plantagini glaſtum in Gallia vocatur, quo Britannorum coniuges nurusque toto corpore obli- tae quibusdam in ſacris et nudae incedunt, Aethiopum colorem imitan- tes; in hif. nat. libr. XXII. c. x. Nach j jenes Berichte aber haben ſich auch die brittiſchen Männer mit biefem Kraute gefárbet , um ſich ein deſto fürchterlicheres O 3 An⸗ FFF Küpe eben dergleichen Blume; wovon ich aus des Herrn von Hohberg adlichen Land und geldleben folge des hier anfuͤh⸗ ren will: „ Wenn der Dit dt zum Färben „gebraucht wird, wirft er einen blaulichten „Schaum auf, der, wo er aus Nachlaͤßig⸗ „keit uͤberſehen, und nicht abgeſchaumet „wird, beflecket Wolle und Tuch, wird al⸗ »fo von den Faͤrbern fleißig abgeſchoͤpfet, „wieder abgedorrt, zu Pulver geſtoſſen, und „zu gewiſſen Seidenfarben genommen, fom „derlich sur Veylfarbe; dieſemnach, was „er an einem Ort ſchadet, ſolches an dem „andern wieder mit gutem Nutzen ein⸗ „dringen kann, wenn er nur mit darzu er »forbertem Fleiß beobachtet wird. „ (**) Ich erſehe aus des Herrn Hellot Buche! Art de la Teinture des Lainer f. 232. daß man an einem Orte in Indien itzo den Anil noch fo, wie den Waidt bereite; daher der dorten her kommende Indigo noch alles un, nuͤtze Weſen der Pflanze in ſich haben, und es ſehr ſchwer halten ſoll, eine Blaufüpe damit anzuſtellen. Dieſes dienet zu Beſtaͤr⸗ kung meiner obigen Meynung. 110 Das fünfte Hauptſtuͤck. Anfehen im Treffen zuwege zu bringen. Omnes fe Britanni vitro (glaſto (*) ) inficiunt, quod caeruleum efficit colorem, atque hoc horridiore funt in pugna adſpectu; de bello gallico libr: V. c. 14. Ja, wie andere heydniſche Velker, alſo haben auch die Britten die Gewohnheit gehabt, allerhand Figuren in die Haut, am Geſichte und an der Bruſt mit einem ſcharfen Eiſen zu ritzen, in die Wunden Waidt zu thun, und fie alfo verheilen zu laſſen; da denn die Narben eine hernach nicht auszulöfchende oder abzuwaſchende dunckelblaue Farbe beſtaͤndig behalten. (*) Claudianus deutet ſolches in folgenden Verſen an: III (*) Es iff zwar noch ungewiß, welches von beyden Woͤrtern Jul. Caefar gebrauchet habe? Daß aber glaſtum und vitrum hier einerley Bedeutung habe, und nichts anders, als der Waidt verſtanden werde; ſolches wird von den Auslegern, de⸗ ren ſich der Hr. Franciſcus Oudendorpius in der ſchoͤnen Ausgabe der Werke Jul. Caeſaris bedienet hat, hinlaͤnglich dargethan und erwieſen; wie denn Joh. Daviſius wider Ciacconium S. 229 unter andern alfo ſchreibet: In eo plane falſus et Cıacconıvs, quod fcripfe- cit, in nullo CAESARIS exemplari paullo vetuſtieri glaſtum reperiri, quum non folum in fuo codice ita legit Metaphraſtes, fed et an- tiquitus cufa ex optimis M5tis edita hanc vo- cem repraefentent, Und kurz zuvor Iſaac Voßius: Non aſpernandum hac in re eft teſtimonium HvMrREDI LHurp, Cam- bro-Britanni, qui in patriae ſuae defcriptio. ne ait: Nee hi, fed Britanni, vt CAESAR Inde et alii referunt, corpora glaſto in caeruleum colorem, vt hoftibus 'terribiliores viderentur, pingere foliti. Et nobis in hunc diem (quod antiquitatem probare videtur) caerulus colot Glas dicitur , quo nomine et herba illa, plan- tagini haud diſſimilis, et mercatoribus nunc optime cognita, nuncupatur, Vt dubitem, ſetzet Voßius hinzu, glaſto CAESAR, an vitro fcripferit? facit, quod video, faepe illi exo» ticas voces vſurpatas. Man kann aud) Cr. SALMASII exercitátioner Plinianas in CAT Jvrıı Sorını polyhif?ora pag. 254. ber pa riſiſchen Ausgabe babe) nachſehen, allwo ſehr ausführlich davon gehandelt wird. (*) Ich habe ehemals bey gewiſſen Bettelmoͤnchen eben dergleichen heydniſche Art von Mahlereyen an dem Leibe geſehen. Sie hatten, ſo viel ich mich noch erinnere, etliche Creuze, etwas, das die Stadt Je⸗ ruſalem und das heil. Grab vorſtellen ſollte, gewiſſe lateiniſche Worte, und dergleichen Zeichen in die Haut einritzen, und auf glei⸗ che Vom Waidte. AU Inde caledonio velata Britannia monftro T ferro picta genas: cuius veftigia verrit caerulus Oceanique acftum mentitur amictus. Daß aber unter dem caerulo amictu nichts er als der Waddt, damit "d ſich eee eee che Weiſe blau färben laſſen; und es fällt mir dabey ein,! was ich in Lundii Jùdiſchen Heiligthuͤmern geleſen habe. Er ehnet in des III. Buchs 62. Cap. auf e 825. S. bey der Trauer über die Tod⸗ ten, daß die juͤdiſchen Prieſter nicht haben duͤrfen an ihren Leibern ein Maal pfaͤtzen, oder fid) mit Nägeln, Pfriemen und Mef ſern verwunden, und in die Wunde eine Farbe thun, um alſo Merkmaale an den Lei⸗ bern zu machen. „Denn, ſagt er, ſolch „Trauren, ſonderlich mit Verwundung und „Ritzung des Fleiſches, ingleichen mit Pfaͤ⸗ „gung der Buchſtaben und gewiſſer Merk⸗ „maale war heydniſch und barbariſch, und „wollte dem Volke Gottes, fo die Hoffnung „der Auferſtehung und des ewigen Lebens „hatte, und ſonderlich den Prieſtern, die „andern mit gutem Exempel vorgehen ſoll⸗ „ten, durchaus nicht anſtehen. Wer von „ſolchen heydniſchen Weſen, Pfaͤtzen, Ver⸗ „wunden und Merkmale machen, ein meh⸗ „reres wiſſen will, ber ſehe und [efe HE Ro. „DO IV. Ros INI Antiquit. L. V. c. 55. »G EIER de, lutbu. hebraeor. 6.10. QyEN- „STAEDT de ſepultura veterum c. 6. DI E- „ER. gutigu. Lill. ad i. Reg. 16, 35, J. C. »WICHMANNSHAVSEN in diſſert. de cor. »pore, ſciſſuris, figmvirque non cruentando, »Pitemb. ing. J. T-HEERFORD de chara- »Xarür veterum, Hafi. 1722. und J. G. „MIcHAELISs de inciſura propter mortuor S Frf ad Fiadr. 1734. wie auch unter den „Tuͤrcken gewiſſe Ordensleute fi pfaͤtzen „und verwunden'“, (wie vormals auch die „Baalspfaffen thaten 1. B. Koͤn. XVIII, 28.) „und allerhand Zeichen in ihre Haut ein⸗ „ſchneiden, kann man ſehen beym „Schweiger in der Reiſebeſchreibung B. »2. C. 58. und es ift noch unter den Heyden „in Oſt⸗ unde Weſt⸗Indien viel gebräuchlich, „daß ſie ihren Leibern allerhand Figuren „einpricken, wovon die Reiſebuͤcher vielfaͤl⸗ „tig zeugen., Er ſetzet aber auch hinzu, daß viele von den Chriſten ſolches thaͤten, wenn ſie zum heil. Grabe im gelobten Lande kommen, zum Zeichen, daß ſie da geweſen ſind, und fuͤhret ein Exempel eines Buͤrgers von Itzeho, Ratge Stubbe genannt, an, deſſen beyde, alſo gemahlte Arme, in Kupfer vorgeſtellet werden. Dieſer hat Lundio erzehlt, die Moͤnche thaͤten es daſelbſt ums Geld, und es wuͤrde mit einem Inſtrumen⸗ \ ft, 112 Das fünfte Hauptſtuͤck. fid) auch über und über faͤrbeten, verſtanden werde, ſolches hat Is. Voss tvs ad Jvı. CA Es ARE p. 228. erwieſen. Ich laſſe übrigens an feinen Ort ges fidit fepn, ob dieſe gemahlte Britten von den alten ſeythiſchen Voͤlkern, den AGATHYRSIS, abgeſtammet, und die Gewohnheit, ſich dunckelblau zu mahlen, von ihnen geerbet haben? als welche von Virgilio ausdrücklich picti, die gt; mahlten, genennet, von Herodoto aber für Abkoͤmmlinge von Hercule ausgegeben werden. (*) | nos In. 3. Die Wiſſenſchaft, ben Waidt im Faͤrben recht zu tractiren, iſt das noͤthigſte und und ſchwerſte Stuͤck der Faͤrberkunſt, daher ſich denn auch die Waidtfaͤrber von den andern terſcheiden. 8 Faͤrbern vorzuͤglich un⸗ o Der Unterfchied unter Schwarz: oder Schlechtfaͤrbern, und unter denen, welche Waidt⸗Schoͤn⸗ und Kunſtfaͤrber heiſſen, ift bekannt, oder man kann ſich felbigen aus des Herrn Hofraths Zinck Manufactur⸗ und Handwerks⸗ te, ſo faſt wie zwey Nehenadeln waͤren, ein⸗ geprickt; ſie waͤren ſo zugerichtet, daß bey iedem Druck oder Prick, wenn die Nadeln ein Loch machten, eine blaue Feuchtigkeit da hinein traͤufelte, die das Maal machte. (% Es hat mir zu dieſer Anmerkung Paul. Jovius Anlaß gegeben, welcher in deferiptione Britanniae p. 7, edit. Bafil. d. a. 1571. fid) dieſer Worte bedienet: Hyberni Scotos ae ortos praedicant. Picti autem co- Le⸗ BEENDEN rum focii , pictura corporum, ac horrida fe. ritate terribiles, e Norvegia trans fretaſſe pro- duntur, Hos J. CAESARI fuiffe cognitos videmus , qui glaſti herbae ſucco in aciem euntes, Ora artusque depingerent: fed nihil de eorum progenie nobis adhuc compertum, liquide tamen apparet, eos olim fuiffe pictos, qui hodie filueftres appellantur, ex his fortaffe Scythiae populis, quos AQATHYRSOS anti» quitas appellauit, Vom Waidte. | 113 Lexico unter dem Worte Faͤrber (*) bekannt machen, woſelbſt die Sache bo. — ſtoriſch vorgetragen wird. Ich merke dabey nur folgendes an: Bey Einführung des Zunftweſens in Teutſchland hat man wohl allerdings von dieſem Unterſchiede nichts gewußt; ſondern es ift nur eine Faͤrber⸗Zunft, die alle damalen bekannte Farben gemachet hat, geweſen; wenn aber an dem angezogenen Orte geſaget wird: „Die alten und erſten Schwarzfaͤrber hätten von andern, als der ſchwar⸗ „zen und braunen Farbe, wie auch vom Gebrauche des Indigo, vor Entdeckung „der oſt⸗ und weſtindianiſchen Linder, noch viel weniger aber vom Waidte und „der Faͤrberroͤthe, oder dem Braſilienholze, nichts gewußt ꝛc. endlich wären blaue „Farben aufgekommen, und als der Indigo bekannt geworden, fo hätte man fet; »bigen zu maceriren und recht aufzuloͤſen, und, das Waſſer damit recht dicke „zu tingiren, Kleyen dazu geſetzet, und darinnen habe die Einrichtung der alten „Kuͤpe beſtanden, die die Faͤrber auch noch haͤtten, auſſer, daß ſie nunmehro auch etwas Waidt dazu thaͤten, nachdem dieſes Kraut bekannt geworden; „ ſo duͤnckt mich, daß dabey manches erinnert werden koͤnne. Ich will aber nur ſo viel beruͤh⸗ ren: Es ſtimmet mit denen Nachrichten, welche ich hin und wieder in dieſer Abs handlung, und ſonderlich im zweyten Sauptſtuͤcke von dem Alterthume des Waidtbaues und Handels in Teutſchland beygebracht habe, gar nicht uͤberein, daß man von dem Gebrauche des Waidtes zum Faͤrben vor dem Ende des 1 sten Jahrhunderts, da bie Portugieſen, über das Gebuͤrge der guten Hoffnung, einen neuen Weg nach Oſtindien, und Columbus Weſtindien entdecket, in Teutſch⸗ land nichts gewußt; und daß man erſt mit dem Indigo blau gefaͤrbet, ſodann endlich, als das Waidtkraut bekannt geworden, etwas Waidt dazu gethan habe. Schon im Jahre 1290 war der Waidtbau ein vorzuͤgliches eugsgeſchefte der | et^ 4-949-099-0949 e FFF (*) Es ift diefer Artickel aus den An, Sammlungen von wirthſchaftlichen Po merkungen von der Faͤrberey entſtanden, Iicey: Cammer. und Finanz Sachen zu welche in dem erſten Bande der Leipziger befinden iſt. 9 114 Das fünfte Hauptſtuͤck. erfurtiſchen Buͤrger, womit ſie ſich vor andern diſtinguireten. Der Indigo kunnte zu dieſen und den vorhergehenden Zeiten den Teutſchen auch eben ſo wenig, als den Italienern, unbekannt ſeyn, weil beyde Nationen mit oſtindianiſchen Waa⸗ ren damals ſtarken Handel trieben. (*) Allein weder die Italiener, noch die Teutſchen hatten es nétbig , den Indigo zum Faͤrben zu brauchen, weil der Waidt, den ſie in Menge baueten, die Stelle des Indigo vollkommen vertrat. (**) Der Indigo ward nod) fo bereitet, wie zu Plinii Zeiten. Als man aber in Indien anfieng , aus der Anilpflanze den Saft heraus zu ziehen, und eine ſolche Farbe daraus zu verfertigen, wie fie noch heutiges Tages beſchaffen iſt, folglich die Zufuhre deffelben leichter fiel, und er auch im Faͤrben mehr Wirkung, als der noch mit vielen untauglichen Theilen verbundene Waidt, bewieß; ſo fieng auch dieſer fremde 11 1 „in unſerm Welttheile einzuſchleichen, (**) und nach und TITTEN t (*) Es ift überhaupt aus den Geſchich⸗ ten, und aus des Hn. Hy x r Hiſtoire de la Navigation ez du Commevce des Ancien bez kannt, daß die Italiener und Teutfchen vor ehngefehr ſiebentehalb bis ſieben hundert Jahren, die Handlung, welche durch die langen Kriege faſt gar zu Grunde gerichtet war, wieder in Gang gebracht, und die Specereyen, Gewuͤrze, Seide und andere Waaren, welche die orientaliſchen Länder hervor bringen, aus der Levante gehohlet, und durch alle Theile von Europa vertrie— ben haben; wie denn zu Ende des r2ten Jahrhunderts die teutſchen Staͤdte, welche an der Oſtſee, und den groſſen Fluͤſſen, die dahinein fallen, liegen, ſchon ſtark nad) al; len benachbarten Laͤndern handelten. (**) MaTTHABYS SYLYATICYS, welcher im 1zten Jahrhunderte lebete, be ſchreibet in den Pandellis Medicinae den Waidt alfo : Ifatis eft herba, qua tingitur blauetum, et dicitur blauum; und JoAn- NES MoNACHVS in vita F. Odonis l. III. giebt folgende Nachricht: Non induebantur fimilia veftimenta, fed colorata, quae nos vul- go vocamus blaua (blaw). Diefer Joan- Es hat im ıoten Jahrhundert, und alfo zu gleicher Zeit, als die Handwerkszuͤnfte aufgekommen, gelebet. Man koͤnnte ſchon noch mehrere Zeugniſſe beybringen, wenn man in die Geſchichte der damaligen Zeiten hinein zu gehen fi ſich die Muͤhe nehmen wollte. (500 Dieſes ift erſt zu Anfange des vo⸗ rigen Jahrhunderts geſchehen, wie ich im folgenden darthun werde. Vom Waidte. 115 nach unſer einheimifches Farbekraut, den Waidt, zu vertreiben; dergeſtalt, daß, da man erſt blau aus bloſſem Waidte gefaͤrbet hatte, nunmehro in der Blaukuͤpe ein Zuſatz von Indigo dazu gethan ward; indem man wohl wahrnahm, daß der bloſſe Indigo den damit gefaͤrbten Waaren keine beſtaͤndige und dauerhafte Farbe gab, welche ſie noch durch die Vermiſchung deſſelben mit dem Waidte erhielten; wovon ich weiter unten mehr fagen werde. Im uͤbrigen raͤume ich dem Hn. Hofrath Zincken ein, daß die Faͤrbekunſt von auswaͤrtigen Nationen nach und nach mehr, als von den Teutſchen, excoliret worden, und daß, als in den neuern Zeiten aus Italien, Franckreich und Holland, Leute nach Teutſchland gekommen, welche beſſer, als die Teutſchen, gefärbet, der Name Schoͤnfaͤrber, zugleich aber auch unter den teutſchen Faͤrbern, in Anſehung ihrer Zuͤnfte, Rechte und Gebraͤuche, durch das allzu weit getriebene Zunftweſen, eine groſſe Vermengung entſtanden. An einigen Orten richteten die Schoͤnfaͤrber eigene Zuͤnfte auf, und erlangten Zunftrechte, oder auch beſonders privilegirte Faͤrbereyen; an andern traten fie mit den Waidtfaͤrbern in eine Innung; wiederum an andern blieben ſie gar un⸗ zuͤnftig, und exercireten das Faͤrben als eine frepe Kunſt; an noch andern Orten, wo die Schwarzfaͤeber etwas von den Schoͤnfaͤrbern begriffen hatten, geſelleten ſich jene gu dieſen, und am hieſigen Orte wurden die Kunſt⸗Waidt⸗ und Schoͤn⸗ färber mit den Schoͤn⸗ und Schwarzfaͤrbern, durch die, von dem Herrn Canzler von Ludewig, der Diſſertation de re bafaria tinctorum angefuͤgte Conſtitution vom Jahre 1717 mit einander vereiniget, dieſe Combination aber auch im Jahre 1731 wieder aufgehoben (*) In Churſachſen wurden die Schwarz ; und Schoͤnfaͤr⸗ P 2 ber, ee 4H de HH HE 44-4 40449-99904 (*) Diefe Vereinigung beyder Profeßio- ten Urſachen: 1) Weil die Kunſt- Waidk⸗ nen geſchahe auf Inſtanz beyder Theile. und Schoͤnfaͤrber von den Schoͤn 2 unb Sie fanden aber in der Folge, daß es ih⸗ Schwarzfaͤrbern von 200 Jahren her fepaz nen nicht zutraͤglich fep, in einem Corpore riret geweſen, und im ganzen roͤmiſchen zu bleiben, und zwar vornehmlich aus fol- Reiche noch ſepariret wären; 2) weil dieſe genden von ihnen im Jahre 1730 angefuͤhr- Faͤrbereyen, in Anſehung ihrer unterſchiede⸗ À nen 116 Das fuͤnfte Hauptſtuͤck. ber, durch eine beſondere Conſtitution vom 24ten May 1595 (*) zu drey Haupt⸗ laden, nemlich den Leipziger und Dreßdniſchen Haupt- und der Zwickauiſchen Creyßladen gewieſen, hierunter iedoch die Waidtfaͤrber nicht mit begriffen. (**) Wie nun die Faͤrber in Anſehung ihrer Zuͤnfte; ſo ſind ſie auch in Anſehung ihrer Arbeit, des Farbezeuges, der zu faͤrbenden Sachen und der Kunſtmaͤßigkeit un⸗ terſchieden. Die Schwarzfaͤrber haben nur gemein Farbezeug, ſonderlich zur ſchwarzen Farbe; die Kunſtfaͤrber hingegen brauchen allerhand ſchoͤne Farben, und ſonderlich den Waidt in Quantitaͤt: RHEIN nen Waaren, und berfelben Art zu färben, ganz unterſchieden wären, dergeſtalt, daß das Leinene mit dem Wollenen, und das Wollene mit dem Leinenen zu faͤrben, eine ganz contraire und unmoͤgliche Sache ſey; indem das Leinene anders, auch mebrem theils mit andern Farbe-Materialien gefaͤr⸗ bet und tractiret werden muͤßte, als das Wollene; weil 3) der Kunſtfaͤrber Geſel⸗ len, ſo von andern Orten herkaͤmen, das Leinene, und im Gegentheile die Schwarz— faͤrber-Geſellen das Wollene zu farben nicht verſtuͤnden, fie alfo, wenn fie in dieſer Der; bindung bleiben wollten, genoͤthiget feyn wuͤrden, zweyerley Geſellen zu halten, wie denn, da dieſes nicht thulich, die Kunſtfaͤr⸗ ber., während der Zeit der Vereinigung mit den Schoͤn⸗ und Schwarzfaͤrbern, die wol; lene Waare in ganzen Stuͤcken nebſt den Kleinigkeiten allein gefaͤrbet; die Schoͤn⸗ und Schwarzfaͤrber aber, wie vorhin, bey der Leinewand und wollenen Kleinigkeiten geblieben waͤren, und weil 4) die auswaͤr⸗ die Schwarzfaͤrber haben keine Kuͤ⸗ ) pe, tigen Kunſt-Waidt- und Schönfärber bie hieſigen und deren Geſellen davor nicht er- kennen wollten, die von ihnen loß geſpro⸗ chene Lehrjungen auch an andern Orten fei ne Arbeit finden koͤnnten, und ſo weiter. Hierauf erfolgete auch ein koͤnigliches Re⸗ ſcript, d. d. Berlin den 9. Febr. 1731, des Innhalts: „Daß, da die Separation bey—⸗ „den Theilen zutraͤglich ze. beyde Gewerke „von einander zu fepariren, mithin die „Schwarzfaͤrber anzuweiſen, es mit den „Magdeburgiſchen zu halten, oder nach Be— „finden eine eigene Innung auszumachen. (*) Der Herr Canzler von Ludewig führet fie an in der Diſſertation dere bafia- via tinctorum p. 40. (**) In Leipzig, Breßlau, Hamburg und Dantzig haben die Waidtfaͤrber unter ſich eine eigene Innung aufgerichtet, ſonſt aber wird man, meines Wiſſens, berglet chen beſondere Innung nirgends finden. Vom Waidte, 117 welche zwar ebenfalls unten ſchmal zugehen, wie bie Kuͤpen, iedoch viel kleiner ſind; die Kunſtfaͤrber aber haben die Kuͤpe: die Schwarzfaͤrber führen die Mandel; die Kunſtfärber aber ordentlicher Weiſe nicht. () Die Schwargzfaͤrber färben vornemlich deinwand, Starrleinwand, auch wohl wollene Waaren; die Kunſtfaͤrber aber Tuche, Frieße, Flonelle, Boy, Percane, und alle groſſe ganz und halb-wollene Waaren, hauptfächlich fo, wie fie von den Tuch⸗ und Zeugmachern vom Stuhle kommen, in ganzen Stücken. (**) So viel die Waidtkuͤpe anbetrifft, fo ift es im eigentlichen Verſtande das Gefaͤß, welches entweder von Holze, oder von Kupfer verfertiget, (**) [unb woraus Blau unb Grün gefaͤrbet wird; man nimmt aber auch das contentum pro continenti, und deutet mit dieſem Worte die kunſtmaͤßige Vermiſchung des Waidtes und Indigo an, fo in reinem Waſſer, mit einer Beitze von Crapp, oder Faͤrberroͤ⸗ the und Kleyen und geloͤſchten Kalke am Feuer aufgeloͤſet, und zum Faͤrben auf die Art tüchtig gemacht wird, wie es Herr Hellot am ausführlichften beſchrieben hat. (*,,*) Sowohl die hoͤlzernen als kuͤpfernen Kuͤpen find von febr unterſchie⸗ dener Groͤſſe, nachdem das Färben mit dem Waidte und Indigo mehr oder wer bog getrieben wird, Die größten findet man in Schlefien, Oeſterreich, Mähren | 95 3 | und ee 094994 N factur⸗ und "pones Ee gere S. 667. Unterricht. pe, ſondern Blau⸗Keſſel, () Die Mandel und Preſſe wird von dem Herrn Canzler von Ludewig in der mehr angezogenen Diſſertation, und von an⸗ dern Schriftſtellern, fuͤr ein eigentliches und allgemeines Unterſcheidungs⸗Stuͤck unter den Kunſt⸗ und Schwarzfaͤrbern ausgegeben. Es ift es aber nicht überall, und ſteht den Kunſt⸗ färbern an vielen Orten frey, ob fie die Mandel und Preſſe fager seg oder nicht. NT Wie í d) von Heyden die Seidenfär⸗ ber unterſcheiden, davon giebt das Manu (*** Man hat auch Kuͤpen, die unten, etwa 1 und eine viertel Elle von der Erde auf, von Holze, oben aber von Kupfer ſind. Das Holz pfleget aber leicht zu ſtocken, ob es gleich, ſo weit es in der Erden ſtehet, mit Thone eingeſchlagen wird. () S. den ins Teutſche üͤberſetzten Aus: zug aus dem Buche 7 Art de la Teinture un- ter den Beylagen No. XX VIII. 118 Das fünfte Hauptſtück. und andern Landen, wo viel Blau und Gruͤn gefaͤrbet wird. In eine ſo groſſe Kuͤpe gehen 100 Zober Waſſer, auch mehr oder weniger, dazu ro. 16 bis 20 Pfund Indigo, und ein Faß Waidt von 3 Centnern gerechnet werden. In hie⸗ ſiger Gegend braucht man fie fo groß nicht; man hat fie aber doch zu 30 bis 6o Zober Waſſer, 6 bis 8 Pfund Indigo, und r halben bis viertels Centner Waidt. () Die von taͤnnenen Holze find cylindriſcher Geſtalt, oben fo weit als unten; die Dauben 3 Finger ſtark, und mit eiſernen Reifen beleget; die kuͤpfer⸗ nen hingegen ſind coniſcher Geſtalt, oben weit, und laufen unten ſchmal zu; wie auf der dem Titulblatte gegenwaͤrtiger Abhandlung vorgeſetzten Vignette in Pro⸗ fil vorgeſtellet worden. Beyde ſtehen mit dem unterſten Theile in der Erde, und halben Manns hoch über der Erde, Um die kuͤpferne gehet das Feuer an der o» bern Helfte herum, und auf den Boden ſetzet ſich der Waidt, welchen deswegen das Feuer nicht berühren darf, weil er auf dem Boden ruhen muß. Bey der hoͤzernen hat man einen Keſſel, in welchen die Farbe heiß gemachet, und auf die Kuͤpe, darinnen man faͤrbet, geſchlagen wird. Die hoͤlzerne Kuͤpe erfordert mehr Holz, als die kuͤpferne, dieſe aber mehr Kunſt, als jene. Die Faͤrber urtheilen vom Geruche, ob die Kuͤpe mehr Nahrung, wie ſie es nennen, das iſt, mehr Zuſatz vom Kalke, brauche oder nicht? Die in Franckreich gewoͤhnliche Art der Küpen im eigentlichen Verſtande beſchreibet Herr Hellot in dem nur angeführten Buche Cap. I. S. 4. u. f. | $& 4. CCC (*) Bey dem Verhaͤltniſſe des Waid⸗ Jahr. Es pflegen aber viele den Waidt, tes gegen den Indigo kommt es darauf an, wie die Waare, welche gefaͤrbet werden foll, beſchaffen iſt, und ob ſie gut oder geringer gefaͤrbet werden fol? Die Faͤrber farben ſehr lauge aus einer Kuͤpe, ehe ſie friſchen Waidt hinein thun, und ſie bekommt nur immer neuen Zuſatz von Indigo; denn der Waibt behaͤlt feine Kraft wohl ein viertel oder vielmehr den Schlamm des Waidtes, viel langer in der Kuͤpe zu laſſen, welcher denn gar keine Kraft zum Faͤrben mehr hat. Daher kommt es, daß die Farbe der darin⸗ nen gefaͤrbeten Tücher nicht fo beſtaͤndig iff, als wenn zu rechter Zeit, da nemlich ber Waidt feine Kraft verlohren ', die Kuͤpe vom neuen wieder angerichtet wird. Vom Waidte. 119 Gr Gleichwie vorher angezeigter maſſen in den teutſchen Faͤrbe⸗ reyen erſt mit dem Waidte, ohne Indigo, Blau gefaͤrbet wurde: alſo widerſetzte man ſich anfaͤnglich in Teutſchland gar ſehr, damit der Gebrauch des Indigo, zum Nachtheil des Waidtbaues und Handels, nicht uͤberhand nehmen moͤchte, und es ward ſo gar durch Kayſerliche Befehlige und Landesgeſetze, bey Strafe an Guth und Ehre, (*) auch Gonfifcation der Waare, verboten, Indi⸗ go, Vitriol und andere Materialien, ſo man mit dem Namen der freſſenden Teufelsfarbe belegete, in Faͤrbereyen zu gebrauchen. Allein man hat wohl wenig gleiche Exempel, da ſo ernſtlichen und wiederhohlten Verboten ſo ſehr, als hier, entgegen gehandelt wor⸗ den. Man behielt, ohngeachtet aller dieſer Verbote, den Indigo in Faͤrbereyen beſtaͤndig bey, und bediente ſich deſſelben von Zeit zu Zeit immer ſtaͤrker, fo, daß nunmehro gedachte Verbote, durch ei— ne allgemeine, oͤffentliche, langwierige und ununterbrochene Ge⸗ wohnheit von den Faͤrbern fuͤr aufgehoben gehalten werden; wo⸗ bey ſie noch ins beſondere fuͤr ſich anfuͤhren, daß die Urſache, wel⸗ che dazu Anlaß gegeben, ceßirete, indem der Indigo nicht allein nicht corroſiviſch, und den Waaren, die damit gefaͤrbet wuͤrden, ſchaͤdlich, ſondern vielmehr, wenn er mit dem Waidte gehoͤrig zu⸗ ſammen geſetzet wuͤrde, die Sum dauerhaft und beſtaͤndig, mit ! bloſ⸗ eee eee eee (*) In Sachſen ward es auch bey Leibes Strafe verboten. S. das Mandat von 1650 unter den Beylagen No, VIII. ' 120 Das fünfte Hauptſtuͤck. bloſſem Waidte aber, wie er itzo bereitet wird, zu faͤrben, der Ko⸗ ſten halber, nicht moͤglich ſey. * W Das, was ich hier geſaget habe, wird zum Theil in des Herrn Hofrath Zinckens manufactur⸗ und Handwerks⸗Lexico S. 668. ohne genugfamen Grund, wiederum ganz anders, und folgendergeſtalt vorgetragen: „Da die „Schoͤnfaͤrber Indigo und Waidt, als zwey den Alten unbekannte Dinge, zu ibi rer Farbe gebrauchet, fo hätten die Schwarzfaͤrber dieſe Farben anfänglich aus „geſchrieen, und die Schoͤnfaͤrber von dem letzten Waidtfaͤrber genennet; (*) bey „dem erſten aber hätten fie vorgegeben, es fep eine freſſende Teufelsfarbe, welchen „Namen man auch nachhero in den Reichsgeſetzen einer Art falſcher Farben geges „ben, Und es ſchiene auch, daß es aus gleicher Unwiſſenheit und Angabe der ak „ten Faͤrber geſchehen, wenn man die zur Feſtigkeit nöthigen Ingredientien, als „darinne die alten Schwarzfaͤrber auch nichts geleiſtet, zur Beitze, z. E. Vi⸗ »ftiof, (**) ehemals verworfen, ja fid) weiß machen laſſen, die neuen Schoͤnfaͤr⸗ 5 „ber se (*) Das Färben mit dem Waidte ift in Teutſchland viel älter, 'al8 das Faͤrben mit dem Indigo, wie ich baldl noch näher dar⸗ thun werde, und es haben ſolches unſere teutſche Faͤrber von den aus Italien, Franckreich und Holland nach. Teutſchland gekommenen Schoͤnfaͤrbern wohl ſo wenig lernen dürfen, als wenig der Name Waidt⸗ faͤrber daher ſeinen Urſprung haben mag, daß die Schwarzfaͤrber dieſe neue Ankoͤmm⸗ linge, welche den Indigo und Waidt zuerſt in Teutſchland bekannt gemachet haben ſol⸗ len, fuͤr Waidtfaͤrber ausgeſchrieen. Wenn fic) aber die Waidt⸗ und Schwarzfaͤrber in Teutſchland von einander ſepariret, davon finde ich keine eigentliche Nachricht. Ver⸗ muthlich haben die Tuchmacher vor Alters das Färben mit dem Waidte hauptſaͤchlich getrieben. Ich beziehe mich hierbey auf das, was ich im zweyten Hauptſtuͤcke §. 2. beygebracht habe. (**) Vitriol ift (o wenig aus Unwiſſen⸗ heit und Angabe der alten Faͤrber als eine untaugliche Beitze verworfen worden, als wenig er ein zur Feſtigkeit noͤthiges Snare diens Vom Waidte, 121 „ber brauchten Kalt 2 () item Arſenicum zum Indigo, weil fie feft ſitze, da⸗ „bey aber, nach der eingebildeten Furcht, das Zeug zerfreſſe; maſſen dieſer Effect Vo diens iff. Er iſt an fic) ſelbſt zum Blaufaͤr⸗ ben untauglich. Ich weiß zwar wohl, was man hier einwenden wird. Man wird faz gen: Zu dem neuen ſaͤchſiſchen Blau waͤre das Vitrioloͤhl der vornehmſte Grund; und es würd darinnen der Indigo dergeſtalt aufge⸗ loͤſet, daß man nach dieſer neuen Art mit einem Loth Indigo mehr faͤrbete, als man nach der vorherigen Art miter Pfund Indigo nicht habe thun koͤnnen. Man wird ſich dabey auf des Herrn Profeſſors Juſti dritten Theil ber teutſchen Memoiren S. 425 u. f. beziehen. Allein dieſe neue Art, die blaue Farbe zu bereiten, iſt den Schoͤnfaͤr⸗ bern vormahls ſo wenig! bekannt, als ge⸗ braͤuchlich geweſen, und bis dato hat fie, alles davon gemachten Ruͤhmens ohngeach⸗ tet, noch nicht durchgehends für tauglich angenommen werden koͤnnen. Denn, wenn ich auch zugeſtehe, daß die ſo genannte ſaͤch⸗ ſiſche Farbe der Dauerhaftigkeit der Tuͤcher und Zeuge, ſo darinnen gefaͤrbet werden, wegen der geringen Quantitaͤt der ſcharfen Tincturen, ſo man dazu brauchet, nicht ſchade, und ſelbige nicht muͤrber mache, welches iedoch noch auf eine genaue Probe ankommen moͤchte; ſo wird man mir doch auch zugeſtehen muͤſſen, daß dieſe Farbe ſelbſt von keiner Dauer ſey, und keineswegs die Gepe -d I „mehr OO vorzügliche Eigenſchaft elner guten Farbe habe, daß ſie der Sonne widerſtehe. Der Herr Prof. Juſti ruͤhmet fid) am angezo⸗ genen Orte S. 428., daß er dieſes Geheim⸗ nif der Welt am erſteu oͤffentlich mittheile, und daß er ſelbſt dasjenige erfunden habe, wodurch dieſe Farbe ſich ſchon in einem ho⸗ hen Grade der Vollkommenheit befaͤnde, welches er aber noch zur Zeit fuͤr ſich behal⸗ ten wollte. Es gebuͤhret aber wirklich eia nem Franzoſen die Ehre, ber Öffentlicher Entdeckung dieſes teutſchen Geheimniſſes, vor ihm. Herr Hellot giebt in dem Buche Art de la Teintuve if 572. Nachricht daz von; ob gleich feine Compoſition einiger maſſen von des Hn. Juſti feiner differirek. Ob der Herr Prof. Juſti ſeine eigene Er⸗ findung eines hoͤhern Grades der Vollkom⸗ menheit ferner für fic) behalten werde, das wird die Zeit lehren. (*) Man hat fid) von den alten Schwarz⸗ faͤrbern nicht duͤrfen weiß machen laſſen, daß die neuen Schoͤnfaͤrber Kalk zum Indigo brauchten; denn die Schoͤnfaͤrber bekennen ſelbſt, daß ſie Kalk zur Blaukuͤpe brauchen, und daß der Kalk die rechte Nahrung wie fie es ausdrücken, von der Blaukuͤpe fen. Q 122 (pas fünfte Hauptſtuͤck. „mehr in dem Zeuge, als in der Farbe zu ſuchen, wie allen Faͤrbern bekannt toii „re. Daraus waͤre in den Reichsgeſetzen der Name der freſſenden Teufelsfarbe „entſtanden, wobey aber zugleich einiges Intereſſe, fo man bey der Einführung vdes Waidtes gehabt, mit untergelaufen wäre, Und dann habe man gemeynet, „daß dieſe Teufels; oder freffende Farben, vom Indigo, Kalk, Vitriol und Arfe- nico kaͤmen. „ Ich will aber nun zeigen, wie ich die Sache beſchaffen gefunden habe. Es erhellet nicht nur aus den unter den Beylagen befindlichen Mandaten, und ſonderlich dem Kayſerlichen No. IIII., daß der Indigo, erſt zu Anfange des vorigen Jahrhunderts, durch die Hollaͤnder ſtark nach Teutſchland herein gefuͤh⸗ ret worden, und dem lange Zeit vorher zum Blaufaͤrben gebrauchten Waidte febt nachtheilig geweſen: ſondern es ergiebet fid) auch ein gleiches aus Laur. Niskae hinten angehaͤngten Waydbedencken; und ich habe daneben aus geſchriebenen Nachrichten in alten Acten erſehen, daß man ſchon gegen die Mitte des 16ten Jahrhunderts geklaget, daß viele falſche Farben zu Tuͤchern und wollenen Zeugen gebrauchet wuͤrden, inſonderheit zu Blau das Blauholz, zu Schwarz Vitriol, Smack, Gallaͤpfel und andere, welche man mit dem Namen der Teufelsfarbe beleget, unter welchem ſie auch in des H. R. R. Policeyordnung und den Reichsabſchieden No. I. II. und III. der Beylagen, vorkommen und verboten werden. Als hierauf, zu Anfange des letztverwichenen Jahrhunderts, der Indi⸗ go, als ein aus der Anilpflanze extrahirter und getrockneter Saft, in Teutſchland Mode ward; (*) ſo ſahe man ihn fuͤr eben ſo ſchaͤdlich, als die ſo genannten Teufels farben an, und er ward in Churſachſen durch das Mandat von 1650. No. VIIII. der Beylagen zuerſt öffentlich unter dieſe ſchaͤdliche Farben gerechnet, und verrufen; es ließ aber auch vornehmlich Herzog Ernſt der fromme g. A. im Jahre 1652. bey der Reichsverſammlung durch feinen ; Ge⸗ TTV (*) Es kann ſeyn, daß man vorher in ſo zubereitet geweſen ſeyn, als der, den die Teutſchland auch Indigo gehabt hat; al⸗ Hollaͤnder zuerſt herein gefuͤhret haben. lein er muß, meinem Erachten nach, nicht Vom Waidte, 123 Geſandten, D. George Achaz Hoͤnnen, Vorſtellung thun, daß der Indigo im ganzen roͤmiſchen Reiche abgeſchaffet, und dagegen die aufrichtige Waidtfarbe privilegiret werden moͤchte. (*) Dieſes erfolgete durch das Mandat des Kayſers Ferdinand III vom Jahre 1654. No. III. Allein obgleich dieſes Mandat in Churſachſen, beſage der Beylage No. X, noch beſonders eingeſchaͤrfet ward; ſo ward es doch nicht lange beobachtet. Hiervon wird zur Urſache ange⸗ geben, daß man bey den damaligen Unruhen, in den groͤßten Faͤrbereyen von Teutſchland, den Indigo zu gebrauchen, ganz ungeſcheuet fortgefahren, wornach man ſich auch in Sachſen gerichtet, oder vielmehr richten muͤſſen, weil die mit Indigo gefärbten Tücher wohlfeiler verfaufet worden, als die im bloſſen Waidt gefärbten; daher denn auch, auf bie am Churſaͤchſiſchen Hofe, von dem thuͤrin— giſchen Creyſe daruͤber angebrachte Beſchwerden, in der Erledigung der Lan⸗ desgebrechen von 1661, No. VIII. der Beylagen, zwar nochmalige Verſehung deswegen geſchehen; fo aber ebenfalls ohne Wirkung geweſen, weil die Abſchaf⸗ fung des Indigo nicht im ganzen roͤmiſchen Reiche erfolget. „Je ſtaͤrker, wird vin einer alten Handſchrift von 1679 hinzu geſetzet, der Indigo verboten wurde, „vefto ſtaͤrker ward er gebrauchet; denn er thut im Faͤrben viel mehr, als der „Waidt, und es kann eine Elle Tuch um einige Groſchen wohlfeiler geliefert wer⸗ „den, wenn es mit Indigo und Waidt, als wenn es mit bloffem Waidte gefaͤr⸗ „bet wird. „ Im uͤbrigen laͤſſet fich hier nicht erörtern, ob die Kayſerlichen, churs und fuͤrſtlichen Verbote, nach dem Vorgeben der Faͤrber, durch die widrige Ge⸗ i wohnheit nun für aufgehoben zu halten? es kommt mir auch nicht zu, zu unterſu— chen, in wie ferne das in den Mandaten befindliche Anfuͤhren, daß die mit & In⸗ digo gefärbte Tuͤcher, wenn fie bloß auf dem Lager gelegen, in wenig Jahren Q 2 ver⸗ eee eee CIE (**) Laur. Niskae Vorſchlag in dem koſtete wie auch andere Waaren, deren Waidtbedencken vom Jahre 1631. gieng da- man zur Kleidung benoͤthiger wäre, mit hin“, den Indigo nicht gaͤnzlich zu verbie- Waidt, nicht aber mit Indigo, Galle? und ten; ſondern nur zu verordnen, daß die Smack, als womit die Kaͤufer beruͤcket wuͤr⸗ Tücher, davon die Elle über 12 Groſchen den, gefaͤrbet werden ſollten. £24 Das fünfte Hauptſtüc verzehret und durchfreſſen worden, gegründet ſeyn? So viel kann ich iedoch, in Anſehung dieſes Anfuͤhrens, wohl melden, daß es vermuthlich von den Handels leuten einer gewiſſen Stadt, und keineswegs von den Schwarzfaͤrbern, wie in dem Manufactur⸗ und Handwerks- Lexico berichtet wird, feinen Urſprung habe. Denn ich habe in alten Acten einige Bedencken dieſer Handelsleute ange⸗ troffen, welche etliche Jahre vorher, ehe dieſe Mandate ergangen, an den Lan⸗ desherrn erſtattet worden, darinnen unter andern nicht nur vorgeſtellet; ſondern auch beglaubiget ward, daß die mit Indigo gefaͤrbte Tuͤcher, ſo noch nicht 2 Jah⸗ re auf dem Lager gelegen, ihre Farbe verlohren, und ganz muͤrbe geworden; die in bloſſen Waidt gefaͤrbten aber, nachdem ſie bald 10 Jahre auf dem Lager gelegen, noch eben ſo beſehaffen geweſen, als zu der Zeit, da man ſie hingele— get. (“) Indem ich mich aber der Unterſuchung, ob der Indigo fo corrofivifch und ſchaͤdlich ſey? wohlbedaͤchtig enthalte, ſo finde ich doch fuͤr dienlich, von der Dauerhaftigkeit Der Indigo⸗ und Waidtfarbe in wollenen Zeugen; ſodann von der, von den Faͤrbern vorgeſchuͤtzten Unmöglichkeit, mit bloſſem Waidte zu faͤr⸗ ben, einige Erlaͤuterungen hier beyzufuͤgen. Was den erſten Punct anbetrifft, fo habe ich die Erfahrung vor mir, daß der Indigo allein den Tuͤchern und wollenen Zeugen keine dauerhafte Farbe gebe; von dem Waidte aber laͤſſet ſich behaupten, daß die Far⸗ ET d () Die Faͤrber erwiedern darauf, es koͤnnte wohl ſeyn, daß man es damals alſo befunden habe; allein der Indigo an ſich ſelbſt waͤre daran nicht ſchuld geweſen, ſon⸗ dern entweder der Unverſtand, oder die Un⸗ acht ſamkeit derer Faͤrber, die ſolche Tuͤcher gefaͤrbet haͤtten, oder andere Urſachen. Denn ſo geſchaͤhe es wohl noch, daß, wenn die aus der Kuͤpe heraus kommenden Tücher auf einander liegen blieben, und ſich über einander erhitzten, ehe ſie ausgeſpuͤhlet wuͤr⸗ den, ſelbige davon ganz zerfreſſen wuͤrden. Sie berufen ſich daneben darauf, daß, wenn mit Tuͤchern, die mit Waidt und In⸗ digo gefaͤrbet, und im Faͤrben gehörig tra ctiret worden, Proben gemachet, und ſelbi⸗ ge 10 Jahr und druͤber hingeleget werden ſollten, man nach dieſer Zeit die Wolle ganz unverſehrt finden wuͤrde. Vom Waidte, 125 Farbe der damit gefärbten Tücher beſtaͤndig fep. (“) Gaͤbe der Indigo an ſich ſelbſt eine feſte Farbe, fo würde man laͤngſtens aufgehoͤret haben, den Waidt zum Faͤrben zu gebrauchen, und man wuͤrde ſich, wie zur blauen Leinwand, alſo auch zu den wollenen Waaren des Indigo allein bedienen. Die Hollaͤnder wuͤr⸗ den den Waidt nicht mit fo dielen Koſten kaufen, und fo begierig darnach ſeyn, ben Waidtbau bey ſich einzuführen‘, als ich weiß, daß fie es find; und in Cw gland wuͤrde man neuerlich nicht angefangen haben, Waidtplantagen anzulegen, noch ihn ſo theuer bezahlen, als aus des Herrn Trowells Abhandlung vom Ackerbaue S. 107. u. f. erhellet: (*) ja ich glaube, man würde in Franck, reich ſelbſt, wo man nicht nur emſig iſt, neue Dinge zu erfinden, ſondern auch von den neuen Erfindungen den moͤglichſten Gebrauch zu machen, den Bau des Waidtes, und noch mehr den Bau der weit geringern Wau ſchon eingeſtellet, und das Feld zu Erzielung nuͤtzlicherer Fruͤchte angewendet haben. Es befremdet mich daher, was Hr. Hellot bey Gelegenheit des alten Vorurtheils, das man zu Colberts Zeiten gegen den Indigo gehabt, berichtet. Er ſchreibt in der chy⸗ miſchen Theorie von dem Faͤrben der Zeuge, welche den Abhandlungen der pariſiſchen Academie vom Jahre 1740, und aus ſelbigen in einer teutſchen Ueberſetzung dem hamburgiſchen Magazine Band J. St. 5. S. 42. u. f. citt verleibet worden iſt, alſo: „Dieſer Miniſter konnte nur nach den Erfahrungen „fprechen, bey welchen ihm feine groſſe Verrichtungen nicht vergoͤnneten, gegen „waͤrtig zu ſeyn, und er verbot daher in der Verordnung 1669, den Indigo ab „lein zu gebrauchen. Aber feit dem hat man durch neue Proben, fo unter Herrn Q 3 du 4-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0- 4» 0-0-0«0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-09 ) Erolach hat recht, wenn er alſo nimmermehr ausgehet, bis alle Faden ab⸗ ſchreibet: Die mit Waidt gefaͤrbte Wolle N find, wird in groffem Werthe gehalten. Denn 6 . e oh die Farbe haͤnget der Wolle fo feſte an, daß bis 30 Pfund, (100 bis 150 Rthlr.) gegol⸗ fie niemals ausgewaſchen werden kann, und ten. Man ſehe das erſte cauptſtuͤck S. 24. ey N 126 Das fünfte Hauptſtuͤck. „du Fay Aufficht gemacht worden, erkannt, daß die Farbe des Indigo ſo dauer⸗ „haft ift, als man ſolche verlangen kann, (') und daher hat die neue Verord⸗ „nung von 1737 den Faͤrbern frey gelaſſen, fie alleine oder mit dem Waidte vers - „menge, zu gebrauchen. „ In Teutſchland ift das Faͤrben der wollenen Zeuge und Tuͤcher mit bloſſem Indigo noch nicht eingefuͤhret, (*) und es verſichern Leute, die noch vor kurzer Zeit in franzoͤſiſchen Faͤrbereyen mit gearbeitet haben, daß die Kuͤpen auf eben die Art, wie bey uns, zugerichtet wuͤrden, und daß ſie an keinem Orte, wo ſie geweſen, aus bloſſem Indigo, ohne Waidt , bátten Tücher färben geſehen. Herr Hellot hat auch in feinem, erſt im letztverwichenen 175otem Jahre heraus gegebenen Buche: 7 Art de la Teinture des Laines die Waidtkuͤpe, oder die Art, wie man in Franckreich mit Waidt und Indigo Blau faͤrbet, welche nicht nur kuͤnſtlicher, ſondern auch muͤhſamer iſt, als wenn mit Indigo alleine gefaͤrbet wird, ſorgfaͤltig beſchrieben. (S. No. XXVIII. unter den Beylagen.) Waͤre nun die Farbe des Indigo eben ſo dauerhaft, oder, wie er an dem nur angeführten Orte vorgiebet, viel ſchoͤner (**) und dauerhafter, als III () In dem Buche 2’ Art de la Teinture des Laines S. 225. will er uns gar uͤberre⸗ den, bic Indigo⸗Farbe wäre viel ſchoͤner und dauerhafter, als die Waidtfarbe. (** Verſchiedene geſchickte und erfahrne Faͤrber verſichern, eben dieſes ſey die Urſa⸗ che, warum die Farbe vieler blauen Tuͤcher öfters fo bald verſchieſſe, daß der Waidt dar bey geſparet worden. (***) Was die Schoͤnheit anbetrifft, fo behaupten unſere Kunſtfaͤrber, daß der Waidt an ſich ſo ſchoͤn faͤrbete, als der In⸗ digo, wenn nur recht guter Waidt gebrau⸗ chet, und die Sache Kunſtmaͤßig tractiret würde, Sie erweiſen ſolches auch durch Proben, und wundern ſich nicht wenig über des Herrn Hellot Vorgeben. Im übrigen trifft auch hier das Spruͤchwort ein: es iſt nicht alles Gold, was gleißt. Die bekann⸗ te Orſeille, davon man DALECH AMY IvM ad PLINII Hiſt. nat. libr. IX. e. 39. nachſe⸗ hen kann, giebt den Farben eine beſondere Annehmlichkeit, und es bedienen ſich derſel— ben viel Faͤrber auch, wenn ſie wollene Waaren blau faͤrben, indem ſie die Orſeille darauf aufſetzen. Allein diejenigen, welche mehr fuͤr die Dauerhaftigkeit der Farbe, als fuͤr Vom Waidte. 127 als die Waidtfarbe; fo würde man ja dieſe kuͤrzere, leichtere und weit beffere Art zu faͤrben, vor jener durchgehends erwaͤhlen, und fein Unterricht von der Waidt— kuͤpe wuͤrde für ganz überflüßig anzuſehen ſeyn; zu geſchweigen, daß man auch in Franckreich, wo man den Indigo aus der erſten Hand, und wohlfeiler, als in Teutſchland, haben kann, viel naͤher dazu kommen koͤnnte. Wenn man die rechte Probe von der Beſtaͤndigkeit der Farbe ſolcher Zeuge machen will, ſo muß man ſie in die Sonne bringen, (*) und da wird man, bey ſtarker Sonnenhitze, den Unterſchied unter ſolchen, die im Waidte, und unter ſolchen, die ohne Waidt, im Indigo, gefaͤrbet worden, in wenigen Tagen finden, wie ich ſelbſten wahrgenom⸗ men habe. Was den andern Punct, nemlich das Vorgeben der Kunſtfaͤrber, belanget, daß es ihnen mit bloſſem Waidte die Tücher und wollene Zeuge zu faͤr⸗ ben, der Koſten halber, nicht moͤglich waͤre, ſo iſt ſolches nicht ganz ungegruͤndet. Es muß vormahls, da man den Indigo noch nicht hatte, und dieſe Waare mit dem Waidte allein faͤrbete, viel mehr davor ſeyn bezahlet worden, als man iko bezahlet. Ich habe in denen alten geſchriebenen Nachrichten, darauf ich mich ſchon oft bezogen, gefunden, daß eine Elle Tuch, die im Waidte allein gefärbet worden, um etliche Groſchen theurer zu ſtehen gekommen, als wenn man den da⸗ mals FFC fuͤr den eine kurze Zeit in die Augen fallen⸗ den Glanz portiret ſind, verbitten bey Faͤr⸗ bung ihrer Tücher dieſe Schönheit ausdruͤck⸗ lich. In Franckreich iſt es daher nur den Schwarzfaͤrbern erlaubt, Orſeille zu brauz chen. S. des Herrn Pomet aufrichtigen Specereyhaͤndler Th.! B. C. 14. S. 196. So iſt es auch mit dem Kaltfaͤrben beſchaf⸗ fen‘, wobey man fid, wie zu den neuen ſaͤchſiſchen Farben, des Vitriols bedienet. Das iſt aber ebenfalls eine unbeſtaͤndige, und daher zwar bey leinenen, nicht aber bey wollenen Waaren, gebraͤuchliche Gare, ( Der Herr Hellot ſagt in der chymiſchen Theorie von dem Särben der Zeuge S. 54. die Probe waͤre allen andern vorzuziehen, wenn man die mit Indigo qc faͤrbten leinenen und baumwollenen Zeuge eine gehoͤrige Zeit in eine kochende Solution von Seife legete. Ich bin auch hierinnen mit ihm nicht einerley Meynung. Zeuge, die in einer, mit einem ſcharfen acido, auf⸗ geloͤſeten Farbe gefaͤrbet ſind, widerſtehen allen ſolchen Proben, aber nicht der Sonne. Nur diejenigen moͤgen recht dauerhaft gefaͤr⸗ bet heiſſen, die dieſe Probe aushalten. 129 Das fünfte Hauptſtuͤck. mals nur aufgekommenen Indigo dazu gebrauchet. Dagegen bezahlet man itzo für ein Stück inlaͤndiſches Tuch von 40 bis 45 Ellen 3 Rthlr., mithin von einer Elle noch nicht 2 Gr., und die Faͤrber klagen dabey, daß, bey dem bisher geſtiegenen Preiße des Indigo, da man ein Pfund von dem beſten für 1 Rthlr. und 20 Gr. einkaufen müßte, nicht mehr Faͤrberlohn gegeben werden wollte, als zu der Zeit, da er noch 16 Gr. gegolten. (5) Uoeberdiß duͤrfte auch wohl die itzige Beſchaffenheit unferes bereiteten Waidtes das Färben wollener Waaren in bloſſem Waidte allzu koſtbar machen. (% Sie ſagen: Die meiſten Kaͤufer ſol⸗ cher Waaren wollten ſelbige gerne wohlfeil einkaufen. Der Kaufmann wollte ſie daher wohlfeil gefaͤrbet haben. Wenn man nun zu einem Stücke Tuch nur ein Pfund Indi⸗ go, daneben Waidt, Krapp, Kalk, und die itzige koſtbare Feuerung rechnen wollte, ſo befámen fie febr wenig für ihre muͤh⸗ ſame Arbeit. (% Der Herr Hofrath Marperger hat ſchon lange vor mir dieſe Klage gefuͤh⸗ ret im Kaufmannsmagazine S. 1361. Seine Worte lauten alſo: „Daß aber „heutiges Tages der Waidt von ſo geringen „Kräften befunden wird, kommt her erſt⸗ „lich von dem Mangel der Zielung und „nachlaͤßigen Bereitung deſſelben: zum am „dern, daß man die Blätter der falſchen und „anderer Kraͤuter von ſelbigem nicht fleißig „genung abſondert: drittens, weil man „ganz unbedachtſamer Weiſe und ohne Un; Denn es iſt leicht zu behaupten, Waidt die Kräfte zum Färben nicht mehr habe, als er ſonſt gehabt, (**) daß der itzige da man „terſchied die erſten Einſammlungen mit den letztern zuſammen miſchet; viertens, weil „man den Waidt in eine Erde, ſo vorher „Hirſen oder Toback getragen hat, ſaͤet: „fuͤnftens, weil der Waidt, (ſo ein ieder „nach ſeiner eignen Phantaſey bereitet,) „gar wenig gemacht wird; und die „Stampfen deſſelben, um die Hitze zu „faſſen, und zu erhalten, gar zu klein iſt, „dadurch der Waidt erkaͤltet und austrock⸗ „net, und alfo viel von feinen Kräften ver „lieret: ſechſtens, „weil man aus Mangel „der groſſen Mühlen oder Stoßtroͤge unterz „laſſen hat, die Proben zu machen, da⸗ „durch man feine Güte oder Geringigkeit erz „kennen koͤnne. „ Ich muß aber dabey dieſes erinnern, daß die angefuͤhrte Stelle ganz aus dem Buche: Ars tinctoria funda- mentalis , wo man ſie auf der 245. S. fin⸗ det, genommen iſt, und wird ſolches da⸗ ſelbſt nur von dem franzoͤſiſchen Waidte geſa⸗ get. F | Vom Waidte. 129 man noch auf den Bau und die Bereitung deſſelben gleiche Sorgfalt richtete. Ich habe im erſten Sauptſtuͤcke . 3. S. 16. erwieſen, daß der falſche Waidt (paftel- bourg oder bourdaigne) dem guten an feiner Kraft zum Färben ſehr ſchaͤdlich ſey, und daß man gleichwohl, aus Unwiſſenheit, denſelben, als die ſo genannte Waidtmutter, mit allem Fleiſſe unter den guten ſammle. Das iſt aber noch nicht genug. Unter ſo vielen Landleuten, die den Waidt, ohne Aufſicht, bauen, finden fid) auch ſolche, die ihren Vortheil auf dieſe Art ſuchen, (*) daß fie Dis ſteln, oder anderes dem Waidte ſchaͤdliches Unkraut, damit vermengen, welches, wenn es auf der Muͤhle unter einander gemahlen wird, nicht zu erkennen iſt, und zur Vermehrung der daraus gefertigten Baͤlle vieles beytraͤget. Wenn man un⸗ ter dem bereiteten Waidte noch die Wurzeln von dergleichen Unkraute findet, in⸗ maſſen ich dergleichen in Haͤnden habe, ſo entſtehet daher eine gegruͤndete Vermu⸗ thung, daß man ſelbiges mit Strumpf und Stiel ausraufen, und unter den Waidt mengen muͤſſe; und es iſt folglich unlaͤugbar, daß ſolcher Waidt nicht die Kraft zum Faͤrben haben koͤnne, als er ſonſt gehabt, da man durch die dißfalſigen guten Anordnungen dieſen und andern Mängeln aufs ſorgſamſte vorbeugete. Beh fo bewandten Umſtaͤnden iff es auch nicht unglaublich, wenn unfere Särber vor wenden, fie koͤnnten mit 1 Pfund Indigo fo viel, als mit 3 Centner Waidt aus⸗ richten, und, wenn ſie ein Stuͤcke Tuch, ohne Indigo, mit bloſſem Waidte faͤr⸗ ben follten, fo wuͤrde es an ſtatt 5 Rthlr. kaum für 30 Rthlr. gut geliefert werden koͤnnen. Ich weiß nicht, ob die groſſe Ungleichheit, die ich bey dieſer Gelegenheit unter unſerm und dem franzoͤſiſchen Waidte bemerket habe, zum Beweiſe dienen koͤnne, daß man in Franckreich mehr Sorgfalt, als bey uns, auf den Waidtbau wen⸗ ee nn 494 HH HE (5) Ich habe nod) bey verſchiedenen Und daher kann es wohl ſeyn, daß manche ein Mißvergnuͤgen daruͤber bemerket, daß ſich uͤberreden, ſie thaͤten nicht unrecht. die Waidthaͤndler die Waidtbaͤlle nicht mehr wenn ſie ihrem vermeynten Schaden auf ſol⸗ ſo bezahleten, als ſie ſonſt bezahlet worden, che Art beyzukommen ſucheten. und als es der ſauren Arbeit gemaͤß waͤre. ! | R ee 130 Das fünfte Hauptſtuͤck. wende, und daß der franzoͤſiſche Waidt viel kraͤftiger zum Faͤrben ſey, als der unſrige? Denn Herr Hellot berichtet von dem franzoͤſiſchen, daß 12 bis 13 Pfund von dem beſten franzoͤſiſchen Waidte einem Pfunde Indigo in der Farbe faſt gleich kämen, (*) in der chymiſchen Theorie von dem Sárben der Zeu⸗ ge S. 49. da man bey uns, wie nur gedacht worden, 1 Pfund Indigo gegen 3 Centner Waidt rechnet. Es iſt aber darum nicht zu verwundern, daß mit ſo tid Indigo eben fo viel, als mit einer viel groͤſſern Quantität, vom Waidte im Faͤrben gethan werden koͤnne. Denn der Indigo iſt ein von allen zum Faͤrben untauglichen Theilen gereinigter und getrockneter Saft der Anilpflanze, deſſen faͤrbende Theilgen viel zaͤrter ſind, als die vom Waidte, und daher viel leichter und geſchwinder in die Faſern der Wolle ganz eindringen koͤnnen. Der Waidt hingegen hat noch eine groſſe Quantitaͤt erdichter Theile bey ſich, welche die Wirk⸗ ſamkeit und Bewegung der zaͤrtern Theilgen hindern, und wenn die faͤrbenden Theile heraus gezogen ſind, als eine Unreinigkeit in der Kuͤpe zuruͤck bleiben. Son⸗ derten wir dieſelben vorher, ehe er zum Faͤrben gebrauchet wird, ab: ich will fas gen, zoͤgen wir den reinen Saft auf eine ähnliche Art, wie mit der Anilpflanze geſchiehet, aus dem Waidte heraus, ſo wuͤrde man alsdenn erſt ſagen koͤnnen / was für ein Verhaͤltniß fid) im Färben, zwiſchen dem getrockneten Anil⸗ und Waidtſafte aͤuſſerte? Wollte man aber nur eins weils auf eine beffere Bereitung des Waidtes, als wir ihn itzo haben, gedencken, ſo wuͤrde dadurch ein groſſes Stiuͤck des Vorwandes der Faͤrber, wider die den des Indigo, aus dem We⸗ ge geraͤumet werden. - «0-009 0-0-0«0-0-0-0»0-0-00-0-0«0-0 4 D«0»000«0-0-090«0«0-0-0-0-0- 0-0 (*) Dieſem Verhaͤltniſſe wird von Färz bet haben, und ben franzoͤſiſchen Waidt ken⸗ bern, die in franzoͤſiſchen Faͤrbereyen gefaͤr⸗ nen, widerſprochen. Das Vom Waidte. 131 ET TITTEN neret e ſechſe pouptiád, von dem — des thüringiſchen Waidtbaues und Handels, ſamt einigen Vorſchlaͤgen, wie demſelben aufzuhelfen Md ? Bm 5 aß init der thuͤringiſche Waidtbau und Handel gegen die vorigen Zeiten ſehr geringe ſey, das lieget am Tage, und iſt auch ſchon im vorhergehenden erinnert worden. Hier ſind alſo nur ſonderlich die Urſachen davon noch anzuzeigen, wie ſie gemeiniglich angegeben werden, und wie ſie ſich an ſich ſelbſt verhalten. | & 3 QU In den meiften Schriften, welche ich gelefen habe, wird die Einführung des Indigo in Teutſchland für die vornehmſte Urſache des groſſen Verfalles des tbi» ringiſchen Waidtbaues und Handels ausgegeben, und dahin zielen auch die mehr— mals angeführten kayſerlichen und übrigen Befehle, durch welche man die Einfuͤh⸗ g 2 rung L4 132 Das ſechſte Hauptſtuͤck. rung des Indigo zu hemmen, und dem Waidtbaue wieder aufzuhelfen bemuͤhet geweſen ift. (*) Zwar glaubet der Herr von Falckenſtein, der Waidtbau ſey dadurch in Thuͤringen ſo herunter gekommen, weil die Englaͤnder aus Thüringen Saamen bekommen, und ihn nun ſelbſt zeugeten; in der thuͤringiſchen Chro⸗ nicke 1. Th. S. 149. Allein der Verfall des Waidtbaues ift viel älter, als die englaͤndiſchen Waidtplantagen ſind, und dieſe allein haͤtten Thuͤringen ein ſolches Nachtheil nicht zuziehen koͤnnen, da man in England kein ſolch Commercium da⸗ mit machet, daß man den dorten erbaueten Waidt auch auswaͤrts verführete, fon: f 2-040-040-4001 0-0409-0-0-0-049 000-0 0 09049-90090 :9-04 (*) Nur vor kurzem, nachdem ich mein Vorhaben, von dem thuͤringiſchen Waidt— baue zu handeln, durch eine gedruckte An— zeige ſchon bekannt gemacht, iſt in den dreßdniſchen gelehrten Anzeigen 1751 im 33. Stucke auch etwas weniges vom Walde baue beygebracht, und darinnen die Schuld des Verfalles dieſes wichtigen Nahrungs⸗ gefchäftes des Thuͤringerlandes „zufoͤrderſt auf den Indigo, und auf die, welche ſelbi⸗ gen ins Land eingefuͤhret, ſodann auf dieje⸗ nigen Officianten, welche dieſe Einfuhre wegen eines ſcheinbarlichen Nutzens bey den Impoſten ihrer hohen Landesobrigkeit nicht in Zeiten widerrathen', geleget; hiernaͤchſt als eine Haupturſache des Verfalls angefuͤh⸗ ret worden, daß die Kaufmannſchaft, und die Faͤrber in Thuͤringen, wegen des Han⸗ dels mit der Waidtfarbe uneinig geweſen waͤren, daher die Kaufleute ſich deſto mehr Muͤhe gegeben haͤtten, den Indigo recht gange zu machen. Daneben hätten auch die Faͤrber, wie es erbinair hergienge, der dern nur etwa fo viel bauet, als man für die inlaͤndiſchen Faͤrbereyen brauchet. : Der . nen, welche den Waidt gebauet, die Blaͤt⸗ ter, und die Farbe abzudrücken geſuchet, und daher wäre vielen von dieſen der Appe⸗ tit vergangen, ſolchen weiter fort zu bauen. Ich muß aber hierbey ſagen, daß der Vers faſſer, welcher dieſes aus des Hrn. Hofrath Marpergers RNaufmannsmagazine ent; lehnet zu haben ſcheinet, von der Sache nicht recht unterrichtet geweſen. Nur eins zu gedencken, ſo ſind die Faͤrber und die Waidthaͤndler in Thuͤringen ganz unters ſchiedene Leute, und jene pflegen den Waidt⸗ bauenden die Blaͤtter und die Farbe nicht abzudrücken, ſondern fie kaufen den bereite; ten Waidt von den Waidthaͤndlern: von dieſen aber habe ich in alten Acten Klagen darüber gefunden, daß fie in Gewohnheit hätten, mit den Waidtbauern um die Bälle allzu genau zu handeln; und es iſt mir auch gemeldet worden, daß die Waidtbauer eben daher Anlaß naͤhmen, allerhand Unkraut unter den Waidt zu mengen, damit fie ih⸗ rem Schaden wieder beykommen moͤchten. Vom Waidte. 133 Der Herr Hofrath Marperger giebt in Reufmannsmagasine S. 1361 fob gende Urſachen an: 1) die Einführung des Indigo; 2) die ſchlechtere Berei⸗ tung des Waidtes; 3) daß' die Faͤrber, wenn fie für einem Kaufmann den Waidt probiren ſollen, demſelben gar ſelten die Wahrheit geſagt, wie fie ihn be funden, dadurch aber der Kaufmann in dem Einkaufe hintergangen, und der Landmann, welcher den Waidt zu verkaufen gehabt, in ſeiner Bosheit, ſolchen zu verfaͤlſchen, geſtaͤrket worden, weil er mit den Faͤrbern, als die gerne den Waidthandel mit Ausſchlieſſung der Kaufleute, für ſich alleine hätten haben root: len, unter der Decke gelegen, und ſchon gewußt hätten, daß fie feinen Waidt, wie ſchlecht er auch an fid) waͤre, nicht verrufen wuͤrden, da er fie doch hernachmals, wenn fie ſolchen den Kaufleuten wieder abkaufen follen, fo fpöttlich darauf geboten, daß fie groſſen Verluſt bep ſolcher Handlung empfunden haͤtten. Ich halte ba» vor, daß dieſe dritte Urſache einen ganz beſondern dem Hn. Hofrath Marperger erzählten Vorfall zum Grunde habe, und daß daher a fpeciali ad generale ar; gumentiret worden ſey. Mir iſt nichts davon bekannt geworden,, daß in einer, der Waidthandels⸗Staͤdte, die Faͤrber den Waidthandel ſo argliſtig an ſich zu bringen geſuchet haͤtten. Meinem Erachten nach reichen alle dieſe und andere an⸗ gebliche Urſachen nicht auf den rechten Grund, und es ſind bloſſe Folgen von der wahren Urſache. Ich will dieſe erſt anzeigen, ſodann aber die Folgen davon aus glaubhaften Urkunden vortragen. : Wer einen Gott afaubet ; wer Gottes Wort dafiir ans i nimmt, was es iſt, und nach dieſem Probierſteine alles gehörig pruͤfet, der wird mir recht geben, wenn ich den Undanck womit man den groſſen Geber aller guten Gaben, und ben Urſprung alles Segens belohnet, für die eigentiche Urſache erklaͤre, daß GOtt den Segen wiederum entziehet. Der Undanck áuffert ſich unter ſo vielen Menſchen auf unterſchiedene, bey den meiſten aber auf dieſe Art, daß ſie, indem ihnen durch den Waidt Reichthum zufaͤllt, mit dem Herzen daran kleben bleiben, und das Irrdiſche zu ihrem hoͤchſten Guthe machen. Es ift mir leid, daß ich, zum Beweiſe deſſen, was ich hier geſaget, bekannt machen muß, was ich, nicht ohne Betruͤbniß, in Thuͤringen gehoͤret, und aus Thuͤrin⸗ R 3 gen L 124 h Das ſechſte Hauptſtuͤck. gen geſchrieben geleſen habe, daß nemlich der Waidt der Abgott derer genennet werde, die, bey deſſelben fortgeſetzten Baue, eine unerfättliche Begierde nach den daher zu gewinnenden Vortheilen, durch ihr ganzes Verhalten an den Tag legen. Mag nun wohl, geſtalten Sachen nach, die Entziehung dieſes Segens iemanden be⸗ fremden? Es iſt noch ein Zeichen der Barmherzigkeit und groſſen Menſchenliebe Gottes, wenn er die Urſache, wodurch fid) die Menſchen an ihrer wahren Gluͤck⸗ ſeligkeit hindern, wegnimmt. Denn denen, die ihr Theil haben ſollen in dieſem Leben, fuͤllet er den Bauch mit dieſes Lebens Guͤthern. Ich erinnere mich, daß der felige D. Luther an einem gewiſſen Orte, der mir nicht wieder beyfaͤllt, ſchrei⸗ bet: Die Thaler vom Waidte thaͤten den Bauern zu wohl, Gott wuͤrde ſie ihnen nehmen. Iſt dieſes nicht an den meiſten Orten eingetroffen? An einem andern Orte (*) klaget er ſchon zu feiner Zeit über die Abnahme des leiblichen Segens, den Gott dieſem ausnehmend fruchtbaren Lande gegoͤnnet, mit folgenden Worten: „Wo Gott ein Land ſtraft, ſo nimmt er nicht allein „die Menſchen hinweg, ſondern auch den Saft von der Erden. Gleichwie zu un⸗ „fern Zeiten Welſchland unb auch dem Thuͤringerlande, welches in ganz Teutſch— „land faſt das fruchtbarſte Land geweſen, an der Fruchtbarkeit auch etwas abge⸗ „het. Denn fie ſagen, das Einkommen von 7 Jahren ſoll itzt kaum fo viel brine „gen, als vor dieſer Zeit drey Jahre eingebracht haben. Diß geſchiehet um der „Bosheit willen der Menſchen, fuͤrnehmlich aber um des Wuchers und Geizes „willen, welches niemand ſteuren kann. Denn derſelbe verfuͤhreriſche Geiz naget „alles, was er nur will, und mergelt dieſe Lande jaͤmmerlich aus,, Wie ſollte aber wohl itzo das Verhaͤltniß ausfallen, wenn man das Einkommen der vergan⸗ genen und itzigen Zeiten in eine Berechnung bringen koͤnnte? Der nachfolgende ate h. wird einiger maſſen von der Betraͤchtlichkeit des Unterſchiedes zeugen. Es fallt mir hierbey noch ein, was ſich ein groſſer Miniſter an einem gewiſſen Hofe i ver⸗ CC (*) Im Commentario ü der das l. Buch Moſis Cap. 47. b. 36. $. 32. der Walchiſchen Ausgabe. | | Vom Waidte. 135 vernehmen ließ, als von dem Verfalle des Waidtbaues in Thuͤringen geſprochen ward. Er ſagte: „Die dienſamſten Anordnungen haben dieſes Kleinod des Thuͤrin⸗ ygerlandes nicht mainteniren koͤnnen. Wenn Gott aus heiligen Urſachen einem fam de den ihm verliehenen beſondern Segen entziehen will, fo muß ſich alles dazu fehicken. » Ich will nun aber auch die Folgen von der angezeigten wah— ren Urſache, oder wie der thuͤringiſche Waidtbau nach und nach in Verfall gediehen ſey, kuͤrzlich anfuͤhren. Und da beſagen anfaͤnglich ungedruckte glaub⸗ wuͤrdige Nachrichten, daß vor dem Jahre 1616 in mehr als 300 thuͤringiſchen Dörfern Waidt gebauet, und alljährlich etliche Tonnen Goldes daraus gelöfet worden. Ein Dorf ins andere gerechnet, hat jährlich 40 bis 50 Aecker mit Waidte beſtellet. Als aber in den nachfolgenden Jahren in Teutſchland, und ſonderlich in den Kayſerl. Erblanden, der Indigo einzureiſſen angefangen, auch 1620, und nachher, bey den damaligen Kriegeszeiten, und im Schwange gegan⸗ genen Plaͤtze⸗Gelde, die pretia rerum ſehr geſtiegen, und der Waidt immer theurer, der Indigo aber wohlfeiler geworden, ſo haben die entlegenen Faͤrbereyen, denen der Waidt zu theuer zu ſtehen gekommen, die andern auch angeſtecket, und, wie die eigenen Worte dieſer Urkunde lauten, um der Wohlfeiligkeit willen, bie ſelben zu einer andern Art von der Faͤrberey angereizet und verfuͤhret. Hierdurch ift es geſchehen, daß diejenigen Doͤrfer, in deren Fluhren geringer Waidt er; wachſen, der nicht ſo hoch, als der andern ihrer bezahlet worden, ſolchen zu bau⸗ en, aufgehoͤret, wie denn im Jahre 1629 nur 30 Dörfer noch Waidt beſtellet, und in allen nicht mehr, als 675 Aecker damit beſaͤet haben. Da nun in der Sob ge, bey anhaltendem Kriege und ſchlechtem Gelde, die Aecker nicht wohl gebauet und vom Unkraute geſaubert worden, mithin der Waidt in der Guͤthe geringer, im Preiſſe aber theurer, und ein Kübel damals für 25 bis 30 Kthlr. verkaufet worden, fo haben die vornehmſten Faͤrbereyen zu Nürnberg, Leipzig, Franckfurt, Bremen, Hamburg, Luͤbeck, Danzig, Breßlau ꝛc. immer mehr Indigo und weniger Waidt gebrauchet; weshalb, als nach erfolgtem Frieden der Waidt wie⸗ der etwas ſtaͤrker, als zuvor, angebauet worden, ſelbiger nicht an Mann zu brin⸗ gen geweſen, ſondern immer wohffeiler hat hingegeben werden müffen, dergeſtalt, daß 136 Das ſechſte Hauptſtuͤck. daß ein Kübel, der zuvor etliche und 20 Thlr. gegolten, für 16. 14, und endlich für 12, ja gar für ro Thlr. iff verkaufet worden. Dieſes hat veranlaſſet, daß, da die Waidthaͤndler den Waidt im Einkaufe auch nicht mehr fo theuer bezahlen wollen, und dem Bauer fuͤr ein Schock Baͤlle, ſo vorher insgemein für 5 bis 6 Gr. verkaufet worden, 3. auch nur 2 Gr. zu nehmen, gezwungen, der be bau an den allermeiſten Orten gar eingeftellet worden. (*) So weit gehen dieſe älteren Nachrichten. Neuerlich aber iſt der Waidtbau und Handel noch weiter herunter gekommen, und ich habe ſchon anderwaͤrts ge⸗ meldet, daß man in Thüringen wohl gänzlich aufgehoͤret haben würde, Waidt zu bauen, wenn nicht die Beſchaffenheit der Aecker in den wenigen Dörfern, wo man noch Plantagen findet, nebſt den darauf haftenden Beſchwerden, die Fortſe⸗ tzung des Waidtbaues faſt nothwendig gemachet haͤtte. Nur vor kurzer Zeit ver⸗ nahm ich, es waͤre an einem gewiſſen Orte, wo man dem Waidtbaue und Han del wieder aufzuhelfen, anitzo bemuͤhet iſt, nach der eigentlichen Urſache dieſes Verfalles gefraget, und darauf zur Antwort ertheilet worden, er ruͤhrete daher, daß 0«0-0-0-0-0«9-0-0-0-0-* zu Groſſenhayn, ingleichen zu Nürnberg und an einigen andern Orten, wo der 4-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0 4900-00-09 0-0- (*) Hierbey wird mit angefuͤhret | 8 hätten verſchiedene Waidthaͤndler ben Waͤidt dadurch noch mehr in uͤbeln Ruf gebracht, daß zſie, um nur wohlfeiler vor andern ber? kaufen zu koͤnnen, den erſten und andern Stich vorbey gelaſſen, und von dem letzten Herbſt- und nachkommenden Fruͤhlings ober Kompſtwaidte, welcher geringe Farbe gie bet, auch nur halb Geld, und zwar ein Schock 1 Gr. und 6 Pf. gegolten, viel zu⸗ ſammen gekaufet, bereitet, und um einen wohlfeilern Preiß, iedoch zu groſſem Nach⸗ theil der Faͤrber, und zum Verderb der Waidthandlung, wieder hingegeben. Bey noch bluͤhendem Handel hingegen ſoll man Waidt in groſſer Menge abgeſetzet worden, auf gewiſſen Waidtboͤden oder Lagerſtaͤten, den Waidt ausgeſchuͤttet, probiret, und nach Befinden den Preiß gemachet haben, wobey die Faͤrber geſichert geweſen, und ſich darauf verlaſſen koͤnnen; in den thuͤrin⸗ giſchen Waidthandels-Staͤdten aber haben diejenigen, ſo damit gehandelt, ihre berei— tete Haufen in gewiſſe Verwahrung ſchaffen, und ſolche probiren laſſen muͤſſen, worauf nach Befinden 1. 2 oder 3 Cronen, zum Uns terſchiede des geringen, mittel- und beſten Guthes auf die Faſſe gebrannt worden. Vom Waidte. 137 daß an denen Orten, wo noch Waidt gebauet wird, der dritte und vierte Stich des Waidtes unter die beyden erſten gemenget, hierdurch aber dem guten Waidte feine Kraft zum Faͤrben dergeſtalt entzogen würde, daß man einen groſſen Unter; ſchied unter dem itzigen bereiteten Waidte, und unter dem, welchen man noch vor 40 Jahren bekommen, bemerkete. (*) Allein fo gewiß es ift, daß der bereitete Waidt, wie man ihn igo hat, nicht von der Güthe ift, wie er ſonſt geweſen; fo ruͤhret doch ſolches nicht hauptfächlich von Untermengung des dritten und vierten Stiches unter den erſten und zweyten her. Denn an denen Orten, wo er noch ge⸗ bauet EEE EEE - 999.0 (5) Es ward mir zugleich glaubhaft ges meldet, daß, binnen einer Zeit von 40 Jah⸗ ren, 75 Proceſſe, wegen allzu ſchlechten und zum Faͤrben faſt untauglichen Waidtes an haͤngig gemachet worden, worunter einer merkwuͤrdig, davon die Umſtaͤnde alſo an⸗ gegeben wurden: Ein gewiſſer Fabricant zu L., welcher von der Art, den Waidt zu bereiten, nicht unterrichtet geweſen, ſchlieſ⸗ ſet mit einem Waidthaͤndler einen Contract, daß er ihm gedoppelt, mithin, ſeiner Mey⸗ nung nach, recht gut bereiteten Waidt lie⸗ fern ſolle, und verſpricht ihm auch dafuͤr gedoppelte Zahlung, nemlich 24 Thlr. fuͤr iedes Faß, wovon der ordentliche Preiß nur 12 Rthlr. war. Der Waidthaͤndler liefert ihm ben Waidt, und der Käufer leiſtet auch die bedungene Zahlung; als er ihn aber in die Kuͤpe bringet, befindet er ihn noch viel ſchlechter, als den ordinairen, ja ganz un⸗ brauchbar, indem das darinnen gefaͤrbte Tuch nicht blau, ſondern ſchwarz, aus der Kuͤpe heraus gekommen war. Nachdem er hierauf mit eben dieſem Waidte, durch ei⸗ nen andern erfahrnen Faͤrber, gleichmaͤßige Verſuche machen laſſen, und ſelbige eben ſo ſchlecht, als in ſeiner Faͤrberey, ausgefal⸗ len, ſo nimmt er den Waidthaͤndler in rechtlichen Anſpruch, ſtirbt aber, aus Ver⸗ druß', über der ungewiſſen Hoffnung eines glücklichen Ausganges feiner gerechten Sa; che. Hätte ber Verkaͤufer redlich handeln wollen, fo hätte er fid) nicht auf eine dop⸗ pelte Bereitung einlaſſen ſollen; denn der Waidt laͤßt fid) nicht wie das Bier tracti, ren: er haͤtte ſich guten Waidtes, der nicht mit der ſo genannten Waidtmutter und an⸗ derm Unkraute vermenget geweſen, verſi⸗ chern, und ſelbigen nur gewöhnlicher maſ⸗ ſen bereiten laſſen ſollen. Jedoch von die⸗ ſer Verfaͤlſchung des Waidtes, die vom Bauer geſchiehet, hat der Verkaͤufer wohl eben ſo wenig gewußt, als wenig ſie andern Waidthaͤndlern, die ich ausdruͤcklich darum befraget, bisher bekannt geweſen iſt. S 128 Das ſechſte Hauptſtuͤck. bauet wird, ſaͤet man ihn im Fruͤhlinge in die Braache, und er kann alfo hoͤch⸗ ſtens nur dreymal in einem Jahre geſtoſſen werden. Wenn man nun auch den dritten geringern Stich, ja wenn man auch den ſo genannten Kompswaidt mit unter den guten mengete, welches letztere doch nicht geſchiehet; ſo iſt doch ſolches nicht von fo ſchaͤdlicher Wirkung, als wenn man den falſchen Waidt, Difteln und anderes Unkraut mit darunter menget; welches, nach bem aten S. des vor; hergehenden Hauptſtuͤckes, zu Vermehrung der Waidtbaͤlle, geſchiehet. Dieſes iſt die vornehmſte Urſache, daß der Waidt immer ſchlechter geworden, und daß daher der Handel mit ſelbigem zu unſern Zeiten in noch groͤſſern Verfall gediehen ift, als er ſonſt geweſen. Gleichwie man in den, unter churfächfifcher Hoheit gele⸗ genen Dorfſchaften nach und nach aufgehoͤret hatte, Waidt zu bauen; alſo hoͤrete man zu Gotha und Erfurth auch nach und nach auf, den Waidt zu bereiten, und damit zu handeln. Nur die langenſaltziſche Waidtgilde behauptete fich vorzüglich bey der Waidtbereit⸗ und Handlung. (*) Da man nun ſolchergeſtalt bisanhe⸗ ro den Waidt in einem andern Territorio gebauet, und in einem andern bereitet hat, mithin das Werk nicht unter einer egalen Aufſicht fortgeſetzet worden iſt: ſo hat es ſich damit immer mehr zum Verfalle geneiget, indem der Bauer, theils aus Unwiſſenheit, in Anſehung der unter den guten Waidt vermengten ſo ge⸗ nannten Waidtmutter; theils auch aus Bosheit, in Anſehung anderer mit unter⸗ E : ge⸗ 4-0-00-0-0-09-9-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0 0 0-000 00-00-00-09-09-0-0- 00-0 (* Zu Erfurtfift zwar die Sache von ei nem und dem andern Handelsmanne von Zeit zu Zeit noch getrieben; zu Gotha aber ganz eingeſtellet worden. Vor einiger Zeit ward daher am letzten Orte in Vorſchlag gebracht, daß der in dortigem Lande er⸗ bauete Waidt auch in der Stadt Gotha te arbeitet werden ſollte, und daher kam es, daß die Ausfuhre des Waidtes auſſerhalb Landes, durch das Patent von 1746. No. XVI. der Beylagen, verboten ward; weil aber die Waidtgilde zu Langenſaltze allen Waidt aus dem Gothaiſchen bekam, mit⸗ hin befuͤrchtete, daß ſie dieſes Gewerbe gar wuͤrde einſtellen muͤſſen; ſo ſoll, wie man mich verſichert hat, die Sache durch ein ausgebrachtes Verboth der Ausfuhre des Getreydes, aus der churſaͤchſiſchen Landes⸗ Portion in das Gothaiſche, abgewendet wor⸗ den ſeyn. Bete Vom Waidte. 139 gemengter dem guten Waidte ſchaͤdlicher Kraͤuter, den Kaufmann gehindert, den Waidt beſſer ins Geld zu ſetzen: es kann aber auch wohl ſeyn, daß mancher Waidthaͤndler, nach dem Anfuͤhren in der erſten Note zu dieſem S, ben Waidt⸗ bauer, durch allzu genauen Handel um feine Waidtbälle, zu dergleichen Bevor⸗ theilungen, worunter die Kaͤufer des bereiteten Waidtes am meiſten gelitten, („) gereizet habe, welches ich auf dem Credit derer beruhen laffe, von denen ich es ge⸗ hoͤret habe. Ez Der Schaden, welchen der Verfall des Waidtbaues und Han⸗ dels nach fid) gezogen hat, ift betraͤchtlich, und erſtrecket fid von dem niedrigſten Unterthan bis auf den Landesherrn. S e S Wenn man das von bem Verfalle des Waidtbaues herruͤhrende lucrum. ceſſans und damnum emergens zuſammen ausrechnen koͤnnte, fo wuͤrde der Schaden auf viele Millionen Thaler anſteigen. Man erwaͤge nur einmal folgen: de, in gegenwaͤrtiger Abhandlung meiſtentheils ſchon hin und wieder beglaubigte Umſtaͤnde, und ſchlieſſe von einem Jahre auf (o viele, in welchen nunmehro der Waidthandel darnieder gelegen hat. Ein kleiner Diſtrict Landes, der etwa 5 Meilen im Durchſchnitte betraͤget, hat jährlich für den erbaueten Waidt über 3 Tonnen Goldes Kaufgeld, von auswärtigen Orten her, eingezogen. Was fuͤr Nutzen hat nicht das Land von der Circulation dieſes Geldes gehabt? Was haben quise Handwerksleute und Gaſtwirthe bey der ſtarken Verfuͤhrung des S 2 Waid⸗ ede eee eee (* Die Käufer find darum am uͤbelſten Eben deswegen hat man an vielen Orten dran, weil der Waidt zum Faͤrben nicht den Waidtbau neuerlich einfuͤhren wollen, entbehret werden kann, und kein anderer, an verſchiedenen auch wirklich eingefuͤhret. als der thuͤringiſche, zu bekommen iſt. 140 Das ſechſte Hauptſtuͤck. Waidtes, (*) auch andere Städte, inſonderheit Gieoffenbagn , vom Waidt⸗ ſtapel gewonnen? Wie viel Arme haben dabey ihren Unterhalt gehabt? So gar die Wenden haben jährlich aus der Lauſitz eine Wanderung nad) Thüringen, um des Waidtes willen, unternommen, weil ſie bey der Arbeit am Waidte be⸗ ſondere Vortheile gefunden. Was iſt den Landesherren, durch den Waidtbau und Handel, an Geſchoſſe, (**) Zinſen, Geleithe, und andern auf die Conſum⸗ tion gelegten Abgaben zugefloſſen? (***) So gar waren die Einkuͤnfte vom Waidte, im Falle der Noth, ein gewiſſer Fond, anſehnliche Summen Geldes darauf zu bekommen, und ſelbige, ohne Beſchwerden der Unterthanen, davon wieder abzuſtoſſen. Als im Jahre 1552 der gothaiſche Wall und Graben wieder hergeſtellet werden ſollte, und dazu 12000 Thlr. aufgenommen werden mußten, fo ward ſolches unter andern auch vom Waidte wieder bezahlet, indem die Waidt⸗ haͤndler etwas darzu contribuireten, wie aus Tentzels Supplementis ad SAG1T- TA- eO Deeds: (*) Es lebten viele Fuhrleute von den Waidtfuhren. Itzo bauet man ⸗deſto mehr Korn; und weil man ſolches zu conſumiren nicht im Stande iſt, ſo muß es nicht nur der Bauer, ſondern auch der Bürger in Fleiz nen Städten ſelbſt mit groſſer Beſchwerde. zumal bey dem ſchlimmen Wege im Win⸗ ter, auſſerhalb Landes, zu Markte führen, damit es ins Geld geſetzet werden fónne. Dadurch haben diejenigen Staͤdte gute Nahrung bekommen, welchen das Korn zugefuͤhret wird. Der vermehrte Kornbau aber hat dazu Anlaß gegeben, daß mehr Korn zum Brandteweine und zum Verzin⸗ nen des Bleches verderbet wird. (**) Cwoler berichtet im Hausbuche B. V. C. 88. S. 189. daß ieder Waibt haͤnd⸗ VCC ler, des Handels wegen, jaͤhrlich xooo Guͤl⸗ den habe verſchoſſen muͤſſen. Die Dorf ſchaften, wo der Waidt gebauet wurde, mußten auch jaͤhrlich etwas gewiſſes, als einen Canon, erlegen. An manchen Orten habe ich gefunden, daß dieſer Canon bey dem jährlich in einer gewiſſen Summe zu entrichtenden Geſchoſſe, unter der Rubrik Waidtgeld, immer noch fort bezahlet wird, ob gleich an dieſen Orten bey Menſchen Gc dencken kein Waidt mehr gebauet wird. ( Der Herr Lau hat daher nicht um recht, wenn er die Anlegung der Waidt⸗ plantagen unter die Mittel zu Vermehrung der Cammer-Intraden rechnet, in dem Vorſchlage von gluͤcklicher Einrichtung der Intraden S. 149. » Dom Waidte, 14% TARII biforiam gothanam erhellet. Wie ſich die i&igen Umſtaͤnde dagegen vete halten, das bin ich nicht gemeynet, ausfuͤhrlich anzuzeigen. Man wird ſichs aber einiger maſſen vorftellen koͤnnen, wenn man nur fo viel in Betrachtung ziehet, daß von 300 Waidtdoͤrfern noch 14 oder 15 den Waidtbau fortgeſetzet haben; daß noch nicht 30000 Thlr. Kaufgelder aus dem Waidte jaͤhrlich gelöfet, und daß für den Indigo viel groͤſſere Summen jährlich auſſer Landes geſchicket werden. Ger wißlich, Thuͤringens Schaden iff Indiens Nutzen geweſen. (*) Je mehr der Preiß des Indigo ſteiget, deſto mehr verlieret der Waidt an ſeinem Werthe. An Vorſtellungen dieſes Schadens und Klagen daruͤber hat es nicht gefehlet; ſie ha⸗ ben aber bis hieher nichts gefruchtet. Weil ich gerne den Grund meines Anfuͤh⸗ rens beweiſe, fo will ich ſolches auch hier nicht! unterlaſſen. Zufoͤrderſt find die hinten angeführten Schriften Laurentii Niskae voll von ſolchen Kla⸗ geliedern. Allein vielleicht ſind dieſe ſchon zu alt. Ich will daher einige neuere beybringen, und zwar 1) des Herrn D. Bechers in der naͤrriſchen Weisheit No. 30. „Man iſt heutiges Tages ſehr hoch in der Faͤrberey gekommen. Kuͤffler „hat die Scharlachfarbe erfunden aus Cochenille: mir ift eine Art Cochenille ge „wieſen worden, die aus der Ukraine kommt. Die Faͤrberroͤthe ift auch zu unſern „Zeiten erſt in Gang gekommen: hingegen, weil wir unſere Manufacturen nicht „achten, noch unſer Vaterland in Aufnehmen zu bringen gedencken, ſondern viel; „mehr die, fo ſolches thun wollen, daran verhindern; fo gehen ſolche auch mehr | S 3 „hin CCC (* Wie erſprießlich der Bau des Anils den Einwohnern Indiens ſey, das werden wir aus den daher einlaufenden Nachrich⸗ ten belehret. Unter andern wird in des Hrn. Seniors, Urlspergers, funfzehnter Continuation der aus foͤhrlichen Nach⸗ richten von den ſaltzburgiſchen Emigran⸗ ten, die fi in America niedergelaſſen haben, auf der 349 ten Seite gemeldet, es habe ein Kaufmann und Planteur in Caro⸗ lina den dortigen Coloniſten den Indigo⸗Bau angerathen, indem ſie an andern Fruͤchten einen Acker etwa zu 2 Pfund Sterl. nutze⸗ ten, hingegen 1 Acker Anil 10 bis 12 Pfund Sterlings (60 Thlr.) eintruͤge. Was ge⸗ winnen aber nicht erſt diejenigen Nationen an dem Indigo, dic unſer liebes teutſche Vaterland ſo uͤberfluͤßig damit verſehen? 142 Das ſechſte Hauptſtuͤck. „hinter ſich, als vor ſich; indeſſen geben wir das Geld an die Hollaͤnder für die „Lumpenfarbe, den Indigo, und laſſen hingegen den Waidtbau in Thuͤringen zu „Grunde gehen. „„ 2) Des Herrn von Hornigk in der bekannten Schrift, Oeſterreich über alles, wenn es nur will, S. 118. „Es ift bekannt, daß „der Waidt zu dem Faͤrben der Tuͤcher und anderen Dingen unvergleichlich taug⸗ „licher, als der Indigo, koͤnnte auch aller Orten in den Erblanden gebauet wer⸗ „den. Indigo hergegen iſt in den Reichsgeſetzen als eine unnuͤtze Waare unter „dem Nahmen der Teufelsfarbe zu mehrmalen verboten. Dennoch aber ergreifen „wir dieſes verbannete indianifche Teufelsgezeug, und laſſen den einheimiſchen aus „ten Waidt fahren. Ich berufe mich fuͤr allen auf dieſes Exempel, weilen das „durch dem roͤmiſchen Reiche ein vielleicht wenig in Acht genommener aber un⸗ „glaublicher Schade widerfaͤhret. Dann nicht allein gehet bloß fuͤr den Indigo, wie mich ein erfahrner Mann berichtet, jährlich auf eine Million Thaler aus „Teutſchland hinaus; (*) ſondern was für den Waidt ehemahls herein gegan⸗ „gen, bleibt auch drauſſen, und viel tauſend Haußgeſeſſene, die vorhin ein groſſes „Theil ihrer Nahrung daraus geſchoͤpfet, muͤſſen, um des Indigo willen, ietzund „Noth leiden und darben; zu geſchweigen, um wie viel die damit beſchmierte Zeu⸗ „ge und Tücher in der Guͤthe herunter fallen, » 3) Des Verfaſſers des ſich ſelbſt kennenden Sachſens auf der 100. Seite: „Vor dieſem ſind die „Waidtmuͤhlen in Thuͤringen in groſſem Aufnehmen geweſen, und haben manchem „armen Schweiß fein Brodt gegeben; allein die häufige Einführung des Indigo „hat ſolche ganz ruiniret, zugleich aber auch viel arme Leute gemacht. Wenn „nun das letztere gemindert, hingegen das erſtere wieder hergeſtellet würde, faͤnde „fich ſodann die vorige Nahrung auch wiederum; und ift nur zu bedauren, daß „oiefer ſchoͤne Schatz faſt gar nichts mehr geachtet, und auf die Verbeſſerung ober „Re⸗ I (*) Itzo muß es viel mehr betragen. Indigo noch bey weitem nicht fo hoch geſtie⸗ Denn zu der Zeit, da der Herr von gen, als er anitzo ſtehet. Hornigk dieſes ſchrieb, war der Preiß des Vom Waidte. 143 „Reintroducirung dieſes Commercii nicht geſehen wird, da es doch einen ganz un⸗ „nachbleiblich groſſen Nutzen ſchaffen wuͤrde. „„ Zuletzt muß ich hier noch « ge⸗ dencken, daß auch in Franckreich über den Schaden vom Verfalle des Waidt⸗ baues Klage gefuͤhret wird; wiewohl die Vernachlaͤßigung des Waidtbaues dem franzoͤſiſchen Reiche noch bey weitem nicht ſo empfindlich ſeyn kann, als ſie dem teutſchen Reiche iſt. Denn der Indigo iſt ein wichtiger Gegenſtand der Handlung bey den franzoͤſiſchen und ſpaniſchen Colonien, und man bekommt allen Indigo, welcher in Franckreich verbrauchet wird, aus den eigenen Pflanzörtern in Ameri— ca; daher auch Herr Hellot auf die Frage: ob es beffer ſeyn würde, den' oot maligen Bau und Gebrauch des Waidtes, wovon Oberlanguedoc fonfit fo viel gewonnen, ehe der Indigo in Europa bekannt geworden, wieder herzuſtellen? oder, ob man es bey dem americaniſchen Indigo laſſen ſolle, von welchem dorten ſo viele Franzoſen lebeten? in der Maaſſe antwortet: Beyde find Unterthanen des Koͤniges, und bedürfen feiner Vorſorge; in dem Buche L'Art de la Teinture des Laines f. 236. () Es verſichert aber der ungenannte Verfaſſer des Buches Ars tinctoria fundamentalis, auf der 253ten und folgenden Seite, der zu Anfan⸗ ge des vorigen Jahrhunderts in Franckreich eben ſo ſtark, als in Teutſchland, ein⸗ gefübrte Indigo, habe den Vertrieb und Gebrauch des franzoͤſiſchen Waidtes dergeſtalt verhindert, daß Oberlanguedoc, die Provinz, wo der Waidt gebauet wird, mehr als 40 Millionen dabey eingebuͤſſet haͤtte. 178019, aaa nenn CCC | 69 In eben dieſem Buche fuͤhret er auf der 236ten Seite aus einer gewiſſen alten Schrift, deren Titel: Le Marchaud, und der Verfaſſer Caſtel geheiſſen, zum Be⸗ weiſe, wie ſehr ber Waidthandel die Pros vinz Oberlanguedoc ſonſt bereichert habe, folgende Worte an: „Vormahls ſchaffte „man auf dem Fluſſe, die Garonne, von „Toulouſe nach Bourdeaux jährlich rooooo „Ballen Waidt, davon der Ballen im Lan⸗ „de wenigſtens 15 Livres galt, welches eine „Million und s5ooooo Livres ausmacht. „Daher kam der Ueberfluß und Reichthum „des Landes., - 144 Das ſechſte Hauptſtuͤck. $ 3. Zu Wiederaufhelfung des Waidtbaues und Handels haben ſchon viele vor mir dienſame Vorſchlaͤge, iedoch vergeblich, gethan: indeſſen ift es möglich, in- und auſſerhalb Thüringen zu dieſem Zwecke zu gelangen; und die Sache iſt von groſſem Nutzen. S S S Ich habe theils gedruckte, theils ungedruckte Vorſchlaͤge, wie dem Waidt⸗ baue aufzuhelfen fep, gefunden, es ſind auch dergleichen hin und wieder in gegen⸗ waͤrtiger Abhandlung mit angefuͤhret worden. Hier will ich nur noch drey ſolche Vorſtellungen, womit man die Sache voͤllig zu heben vermeynet hat, beybringen. Die erſte ſchreibet ſich von unſerm ehemaligen verdienten Lehrer, dem Herrn D. Stahl, her, unb ift unter den Anmerkungen, die er zu dem Buche Ars tincforia fundamentalir gemachet hat, auf der 281ten Seite befindlich. Er ſagt: „Was „in dieſer Abtheilung 1. und 2. S. der Autor von Franckreich ſagt, daß nemlich in „Franckreich gute Mineral- und Simplicien zur Faͤrberey wachſen, und durch Er— „zielung gemehret werden koͤnnen, ift mit gleichem Fug von unſerm teutſchen Das „terfande zu (agen; dann bekannt genug ift, daß in unterſchiedlichen Orten Sach⸗ „ſens und Thüringens, in fpecie zu Erfurt und Gotha, der Waidt von langer „Zeit her gebauet, und dadurch dieſen Staͤdten und Landen Handelſchaft genug „zugewachſen wäre, auch noch thaͤte, wann erſtlich der Mißbrauch des Indigo, „wie verboten, alſo ernſtlich abgeſtellet; zum andern aller Betrug in Bereitung „und Verkauf ermeldten Waidtes, durch gute Aufſicht, verhindert; und brit; „tens vieler Muͤßiggaͤnger Faulheit, gleichwie zu andern commodis publicis, alfo auch zu Erbauung dieſes Krautes emploiret wuͤrde. Dann die Unterlaſſung, abſonderlich der beyden erften Stuͤcke, hat den Waidtbau aus Erfurt und Thuͤ⸗ ringen faſt vertrieben, und ift das meiſte davon noch im Gothaiſchen Fuͤrſtenthu⸗ „me, durch ruͤhmliche Eiferung des Landes Beſten, annoch übrig; wiewol wegen des verderblichen Indigo und daraus erfolgten Abgangs + Mangels des Waid⸗ m Vom Waidte. 145 tes, auch bereits ſolcher Orten weit wenigere Bauung deſſeſbigen, als vor Al⸗ „ters, beſchehen folle, ,, Hiernaͤchſt ertheilet der Herr Hofrath Marperger im Raufmannsmagazine S. 1362 folgenden Rath: () „Es waͤre wohl noͤ⸗ vthig, daß an denen Orten, wo der Waddt gezielet wird, eine rechte Schau oder „Waidtcammer aufgerichtet würde, in welcher einige des Waidtes verſtaͤndige „Land⸗ und Kaufleute, auch etwan ein Paar deputirte Schoͤnfaͤrber ſitzen, und „den von den Bauern zu Markte gebrachten Waidt ſchaͤtzen und probiren, auch „ein gewiſſes Zeichen ſetzen koͤnnten, mit welchem ein iedweder Ballen Waidt, „nach Art ſeiner Einſammlung und Qualität des Guthes, müßte bezeichnet. wer⸗ „den. Eben dieſes Collegium muͤßte auch in den Aemtern auf dem Lande ihre Un⸗ „tervögfe unb Auffeher haben, welche von einer ieden Einſammlung des Waidteg, : „als auch von demjenigen, fo in allen denſelbigen Dorfſchaften zu Pulver ge⸗ „macht (**) und verkaufet wird, ein Regiſter halten, und ſolches den Herren des „Waidt⸗Collegii, iedes Jahr zu Anfange des Decembers, vorzeigen müßten, „Ferner wäre es auch noͤthig, daß ſowohl die eigenthuͤmlichen Herren des Waid⸗ „tes, als auch die Müller , ein richtiges Regiſter hielten, von der Anzahl der „Waidtbaͤlle, fo ein ieder bekommt aus den Blättern, welche in ihrer Mühle ge» „mahlen worden, und zwar von einer ieden Einſammlung abſonderlich. Glei⸗ „ches müßten auch die geſchwornen Faͤrber thun, und ein Regiſter halten von af» N e isch des de, uche weht ſie, als auch die andern Faͤrber, ge⸗ à ERBEN RB gehabt. Er ſchreibet in dem 1722 heraus gegebenen Plantagen Tractat S. 194. „Wir koͤnnten, an ſtatt des Indigo, den „Waidt ziemlicher maſſen brauchen, wenn „nicht nunmehro auch ſchon der Paſtel bey Unter Waidt un & hat dieſes meiftnefeite aug be Buche: Ars tinctoria fundamentalis , gezo⸗ gen, ſich aber barauf nicht bezogen. a (**) Das iff nach bij franzoͤſi ſchen Art, den Waidt zu bereiten, geſchrieben. Ueber⸗ haupt hat der Herr Hofrath Marperger "nr. gründliche Wiſſenſchaft vom Waidte — „ung eingefuͤhret wäre, » und Paſtel aber ift eben fo wenig ein Unter⸗ ſchied, als unter Wait und Glaftum, T 146 Das ſechſte Hauptſtuͤck. „macht; in welchem Regiſter auch könnte verzeichnet werden der Tag des Mo⸗ znaths, wenn fie den Waidt empfangen, wem der Waidt zugehoͤret, und von vwas für Eigenſchaft oder Guͤthe fie denſelben im Probiren befunden? Wann „auch die Waagemeiſter und Waidtpacker uͤber den Waidt, welcher ihnen zu ö packen und abzuwaͤgen unter Haͤnde gekommen, ein ordentliches Regiſter hielten; zund in ſolchen den Tag des Monaths, und den Namen des Käufers und Ver⸗ kaͤufers, auch von was für Eigenſchaften der Balle ey Waidt geweſen, item was fur Zeichen ein iedweder Ballen gehabt, und an was für einem Orte derſelbe ein⸗ „gepacket und gewogen worden, fleißig notirten; und den Deputirten zur Waidt⸗ „cammer jährlich uͤberreichten: wuͤrde ſolches ebenfalls den Waidthandel um ein vgroſſes verbeſſern. Das allernoͤthigſte aber wuͤrde das febr gefchärfte und zu it »dermanns Nachricht publicirte Verboth, von Einfuͤhrung oder Gebrauch des a „Indigo fen, und daß aufs hoͤchſte 6 Pfund Indigo auf einen Ballen Waidt vzu' gebrauchen nur ſollte zugelaſſen ſeyn. Indeſſen muͤßte man auch auf dem Lande „ſelbſt den Bauern auferlegen, wo es des Ortes Gelegenheit zulieffe, Jährlich ein „gewiſſes an Waidte gu pflanzen; auf welche Weiſe ein groſſes Geld in dem Lande „konnte behalten werden, welches bisanhero für den auslaͤndiſchen Indigo hat muͤſſen bezahlet werden., Endlich will ich einen noch ungedruckten Vorſchlag aus alten Acten hier mittheilen. Es beſchwerten ſich an einem gewiſſen Orte die Waidtbauere hauptſaͤchlich über die Bevortheilungen der Waidthaͤndler, und füb: kreten dabey an, fie, die Waidthaͤndler, zwaͤngen fie zu Annehmung eines fo ge ringen Preiſſes fuͤr ihre Waidtbaͤlle, daß fie, in Anſehung ihres Aufwandes unb ihrer ſauren Arbeit, beym Waidtbaue nicht beſtehen koͤnnten. Sie übergaben dabey eine Balance ihres Schadens, und des Gewinſtes der Waidt⸗ haͤndler, welche 1 von Wort zu Wort einzurücken „ nicht undienlich ſeyn wird: | " Berechnung TUM der eee Unkoſten, was AE einen Acker Waidt das Jahr * Vom Waidte. 147 Jahr über gewendet per mug, uno ebnaefebr davon zu Ee | vinti e | TM Aw I ee Us Von einem Acker zu miethen e JL . god Den Acker mit 6 Fuder Miſt zu büngen i Lx rt, Fuhrlohn davon, von iedem Fuder 3 G.. — 13. Den Miſt zu zerwerfen 4 í pee cau EN Den Acker zu graben und zu pflägen : 1 % % 3. Fir Waidtſanmen € D 12 — re Zweymahl zu jacken ; i „ 05 Zweymahl zu ſtoſſen 1 d e PE od. Zu waſchen 0 QUE 3 ib s I am A Zu ſchuren — € 4 „1. Den Waidt vom Sede an das : af und vor DP 6 Miüͤhle zu bringen, zu mahlen und zu Markte zu e fuͤhren er d 4 — Mee Ballerlohn 2 ^4 T n „ dv xs Den Waidtknechten Suigerlobn — 6 Lan | Summa 9, fl. — Wenn nun shngefehe 18 Schock Waidt, ieden Stich, auf einem Acker zu erbauen , truͤge es auf zweene Stiche 36 Schock; ; und táme alfo dem Bauers⸗ mann, nur die Unkoſten zu erſczen, dus Schock auf 5 Gr. 3 Pf. zu ſtehen. Die Waidthaͤndler hingegen geben für ein Schock Waidtbälle 1 Er, 6 Pf. Ein Schock Maik, wenn. es gepflocket wird, giebt mehr als 1 Metze: koͤmmt alſo den Waidthändlern ein Viertel im Einkaufe auf 6 Gr. zu ſtehen. | Ob nun ſchon der Waidt, wenn er duͤrre iſt, und angsgoflen wird, fo hoch | WS aufs 148 Das ſechſte Hauptſtuͤck. aufgehet, daß er alle Unkoſten, fo aufs Angieſſen und Bereiten gehen, erſetzet; fó wollen wir doch - zum Ueberſſuß auf die Unkoſten, von — po unb gu bereiten fen 3 Gr. ^ Summa, wie viel den Waddthaͤndlern él Viertel aid zu fehen bum, — — — — 9. Gr. Ade Miss o; ^ chín Waidt haben die Waddthaͤndler aufs laͤngſte uch de dem ens Ein⸗ kaufe 5 oder 6 Wochen auf dem Boden, und bekommen hernach davor, wenn ſie M verkaufen, aufs . für das geſtrichene Viertel — em E E f. 3. Gr. 3 » | und haben alſo die Waidthaͤndler auf ein Viertel, welches ihnen, wie oben erwehnet, nur 9 Gr. in allen aufs hoͤchſte zu ſtehen kommt, binnen 5 oder 6 . Wochen e a i: | 5 E ^ TN N Wh Gr. a und afin bald — das alterum tantum zum Vortheile, ae uber ale | Rechte und ganz unchriſtlich d x. N Es ward hierauf dem Landesherrn vorgeſchlagen, den Preiß des Waidtes ſo zu reguliren, damit ſowohl der Bauer, als der Waidthaͤndler, und der Faͤr⸗ ber, dabey beſtehen ténnte, auch, meines Behalts, dieſer Vorſchlag damals ge nehmiget, und ein gewiſſer Preiß beſtimmet. Daß aber alle dieſe und andere, groͤß⸗ tentheils zur Vollſtreckung gebrachte, gute Vorſchloͤge, doch von der verhofften Wir⸗ kung nicht geweſen, das leget ſich dadurch zu Tage, daß der Waidt dem ohnge⸗ achtet in den nachfolgenden und itzigen Zeiten, in noch groͤſſern Verfall gediehen iſt. Und eben daher werde ich meine Meynung daruͤber, wie dem ſo ſehr herun⸗ ter gekommenen Waidtbaue wieder aufzuhelfen ſey, anders erklaͤren. Die Sa⸗ che iſt möglich ; fie ift auch von erheblichem Nutzen. Was die Moͤglichkeit an ! be Vom Waidte, 149 betrifft, fo habe ich oben gefaget, daß man in» und auſſerhalb Thüringen zu dem Zwecke gelangen koͤnne. Wenn ich alfo meine Gedancken darüber eröffnen foll, wie man ſich der Vortheile, die der guͤtige Schoͤpfer in dieſes nutzbare Farbenkraut geleget hat, theilhaftig machen koͤnne? ſo muß ich billig dabey mein Abſehen zu⸗ förderft auf Thüringen, wo man ſich noch vorzüglich im Beſitze des Waidtbaues befindet, ſodann aber auch auf andere Laͤnder, wo man ihn erſt einzuführen Wil lens ift, richten i & Mt fid) aber alles in drey allgemeine Saͤtze jufammen faffen: - | 1. Man u: die Sache i in⸗ und auſſerhalb Thuͤringen mit Gott, an deſſen Segen alles gelegen iſt, anfangen. Iſt der Undanck, womit man GOtt begegnet, die Haupturſache des Verfall, wie fie es denn wahrhaftig ift; fo muß dieſe zufoͤrderſt aus dem Grunde gehoben und weggeraͤumet werden „und man muß fid) davon in der rechten Ordnung los machen, daß der Waidt nicht mehr fo, wie bey dem 1. F. beruͤhret worden, eine Hinderung an dem rechtſchaffenen Gottesdienſte ſey. Gott entziehet öfters ein Guth nur auf eine Zeit lang, weil er findet, daß es den Menſchen an ihrer wah⸗ ren Gluͤckſeligkeit, deren ſie ſeine Liebe ſo gerne theilhaftig machen n wollte, hinder⸗ lich ift: weil er im Lichte feiner Allwiſſenheit ſiehet, daß, nach weggenommenem Hinderniſſe, noch einige ſeyn werden, die ſich von ihm wahrhaftig gluͤckſelig wer⸗ den machen laſſen; und weil er nicht nur will, daß die Menſchen erkennen follen, von ihm komme Gluͤck und Segen, „ſondern weil er auch will, daß fie ihn, in Chriſto, dem Wiederbringer alles Segens, darum anrufen ſollen. (*) Wenn er feinen Liebeszweck erreichet, fo ift es u eine Freude, wieder wohl zu thun; er gebietet dem Segen aufs neue; er giebt Gedeyen zu allem, was mit ihm vorge⸗ nommen wird. Ich wuͤnſche von Herzen, daß Ah dieſes erfahren, über die wiederkommende Nahrung vom Waidtbaue Gott zu preiſen, und über keinen Mangel an irgend einem Guten à klagen Mrfache haben möge. Will man fo, 3 ; i dann 4444-04-49) 049 0 . 0 dd. Fb. -b RH (*) Sollte er uns, mit ihm, nicht alles ſchencken? Roͤm. VIII. 32. 150 Das ſechſte Hauptſtück. dann den Waidt auch auſſerhalb Thuͤringen zu bauen anfangen, welches, wie ich bald hernach ſagen werde, gar fuͤglich, und in gewiſſer Maaſſe eben ſo wohl wird 8 geſchehen koͤnnen, als man in Indien an vielen Orten Anil bauet; fo muß es mit uneigennuͤtzigen Herzen und mit der [autern Abſicht geſchehen, daß der Name des HeErrn, wie durch alles unſer Thun, alſo 10 dadurch verherrlichet, und dem Naͤchſten gedienet werden moͤge. 4 Nó 2. Man muß oen Waidt anders, als bisher, su a und da⸗ durch den Gebrauch des Indigo abzuſchaffen ſuchen. Indem einige Schriftſteller, zu Wiederaufhelfung des Waidtes, in Vor⸗ ſchlag gebracht, den Indigo ganz und gar aus den teutſchen Faͤrbereyen zu ver⸗ bannen, (wie ihn denn Laurentius Niska, in dem hinten angedruckten Waidtbedencken, auf gleiche Art, wie das zu ſeiner Zeit im Schwange gegan⸗ gene böfe Geld, hat verrufen wiſſen wollen,) andere aber ihn noch zum Theile beyzubehalten, angerathen haben: fo haben es zwar beyde Theile gar gut gemey⸗ net; ſie haben aber die Schwierigkeiten, die dieſer Sache entgegen geſtanden, nicht vorher geſehen. Ich will nicht in Abrede ſeyn, daß der Gebrauch des Indi⸗ go fid) gewiſſer maſſen einſchraͤncken lieſſe, wenn der Waidt auch nur, nach der bisherigen Art, fortbereitet, iedoch nicht, von ſo vielem darunter gemengten Un— kraute, um ſeine Kraft zum Faͤrben gebracht wuͤrde: allein, meinem Ermeſſen nach, wird dadurch die Sache nicht gaͤnzlich gehoben, und der Waidtbau wie⸗ der in den Stand geſetzet werden, worinnen er ſich ehedem befunden hat. Soll dieſes erfolgen, fo muß man dem Indigo vollig Abfchied geben. Das wird aber nicht eher geſchehen, als bis man eine andere Farbe-Materie angeſchaffet hat, welche die Stelle des Indigo vollkommen vertritt. Es iſt kein Zweifel, daß wir dieſe Farbe aus dem Waidte bekommen koͤnnen, und es bedarf nur noch einiger Verſuche, um ſolche unter goͤttlichem Segen zu ihrer Vollkommenheit zu brin⸗ gen. Wenn wir dieſes erlangen, und wenn wir nach und nach fo viel, als in den Foͤrberepen berbrauchet wird, liefern koͤnnen; ſo wird ſich der Gebrauch des In— digo, Vom Waidte — . Asl digo, ohne Verboth, ſelbſt legen. Da ich bey dem gleich nachfolgenden Satze dieſer neuen Art, den Waidt zu bereiten, noch einmal gedencken werde: ſo will ich hier nur noch auf einige, mir vor kurzem dawider gemachte Einwuͤrfe, mit we⸗ nigem antworten. Wenn auch die neue Waidtfarbe dem Indigo im Preiße gleich zu en kommen ſollte, welches iedoch nicht zu vermuthen iſt, ſo iſt ſie doch dem ausländiſchen Indigo weit vorzuziehen. Ueberhaupt muß man ſolche Waa⸗ ren, deren er aterie in einem Lande ſelbſt hinlaͤnglich erzeuget werden kann, nicht einmal von fremden Orten einzufuͤhren, und im Lande zu vertreiben, ver⸗ ſtatten, wenn auch gleich die auslaͤndiſche Waare, der Guͤthe nach, etwas feiner, und, dem Werthe nach, etwas wohlfeiler ſeyn ſollte. Denn es ift ſunlaͤugbar, daß durch die Verarbeitung und den Vertrieb der inlaͤndiſchen Materie die Nah⸗ rung der Einwohner befördert werde, und daß derjenige Thaler, welcher aus dem Lande gehet, für daſſelbe, in fo ferne, für verlohren anzuſehen fen; wogegen der für die aus den inlaͤndiſchen Waaren auszugebende Ducaten im Lande bleibet, und dem Landesherrn ſowohl, als den Unterthanen, zum Nutzen circuliret, mithin am Ende der Rechnung allezeit der angezogene Thaler gewonnen wird. Im uͤbrigen wird man den Nutzen ſchon ſehen, wenn ſo viel Geld in Teutſchland bleibet, und darinnen circuliret, als man itzo an ſolchen Orten, wo der Preiß dieſer fremden Farbe immer hoͤher geſteigert wird, hinaus ziehet. Hiernaͤchſt muß die neue Waidtfarbe den Indigo an der Güthe noch weit übertreffen. Hat der itzige ſchlecht bereitete Waidt ſchon ſo beträchtliche Vorzuͤge für dem Indigo, wie fie ihm denn nicht abzuſprechen find, Cf, das fünfte Hauptſtück S. 4.) fo müͤſſen fie künftig noch weit beträchtlicher werden, wenn man fid) des reinen Saftes dieſes guten, und von untermengtem Unkraut nicht verderbten Farbenkrautes, in Faͤrbereyen wird bedienen koͤnnen. Von der Möglichkeit der Sache wird man vielleicht bald Durch ſichete Proben uͤberzeuget werden. 355 Das ganze Werk muß mit t gehöriger Ordnung und Sir an⸗ gefangen und fortgeſetzet werden. So lange der Bau, die Bereitung und der Handel des Waddte nicht un⸗ ter 152 Das ſechſte Hauptſtuͤck. ter einerley Direction und Aufſicht verfuͤhret werden, ſo lange wird man wohl ſchwerlich den thuͤringiſchen Waidt wieder in Aufnahme gebracht ſchen. Wenn man aber in einem iedweden thuͤringiſchen Territorio alles zuſammen vereiniget, was ſowohl zum Baue, als zur Bereit- und Handlung des Waidtes erfordert wird; wenn man die in gegenwaͤrtiger Schrift en abſtellet, den ſodann zu treffenden neuen Einrichtungen das rechte Gewichte giebet, und das Werk unter beſtaͤndiger Direction redlicher und erfahrner Maͤnner fortſetzet: fo wird, ceteris paribus, der Nutzen, der in der Sache lieget, ſich von ſelbſten finden; ja man wird in Thüringen fo viel Waidt nicht bauen koͤnnen, als man zu der daraus zu bereitenden Farbe brauchen wird. ((“) Was ſolche Länder und Orte anbetrifft, wo der Waidt bisher noch nicht erzeuget worden, und nun erſt eingefuͤhret werden ſoll, da wird mehr, als in Thüringen, bey der Sache in Uc berlegung zu ziehen ſyn. Meinem Erachten nach, wird fie eine privat-Perſon, auf eigene Koſten, ins Groſſe nicht leicht unternehmen koͤnnen, und es waͤre auch, aus verſchiedenen Urſachen, bedencklich, einem einzigen Manne das Werk zu uͤberlaſſen. Wollten viele in eine Societaͤt zuſammen treten, und das Werk auf eigene Koſten ins Groſſe unternehmen, ſo befuͤrchte ich, daß ſich in Anſehung des Baues, der Bereitung und Aufſicht, auch anderer Umſtaͤnde, noch mehrere Schwierigkeiten hervor thun, und dem guten Fortgange hinderlich ſeyn moͤchten; inmaſſen es ſchwer hält, vielerley Köpfe, zumal in Sachen, wo es aufs Intereſſe ankommt, in beſtaͤndiger Einigkeit zu erhalten, Ich bin daher der Meynung, daß, wenn das Werk wohl von ſtatten gehen ſoll, die beſondere Vorſorge des Landesherrn auf gleiche Art, wie bey Anlegung des Seidenbaues, und der dazu nöthigen Maulbeerplantagen erfordert werde. Der Herr Aunant 8 odd kunnte ELLI OT ( Die urſache iſt leicht zu finden. wird ihn künftig, gel. Gott, weit ſtaͤrker, Nicht alle teutſche Provinzen ſind bequem, als ſeither . N brau⸗ recht farbenreichen Waidt zu erzielen; gleich⸗ chen. wohl braucht man ihn aller Orten, und Vom Waidte. 153 kunnte in der gruͤndlichen Anweiſung zum Seidenbaue auf der 126ten Seite, ſeinen Rath ganz kurz dahin ertheilen, daß, unter göttlichen Segen unb Gedeyen, und unter landesherrlichem Vorſchub, ein guter Director und eine gute Baumſchule, woraus die Baͤume umſonſt weggegeben wuͤrden, zu Einfuͤhrung des Seidenbaues, zureichend genug waͤren; und die Erfahrung hat es auch bisher gelehret, wie gut fein Vorſchlag geweſen fey. Bey dieſem neuen Farbenwerke hingegen iſt nur in Anſehung der anzulegenden Plantage, und der Bereitungsart des erbaueten Waidtes, wozu eine ganz andere Einrichtung, als beym Seiden⸗ baue, erfordert wird, manches vorher in Richtigkeit zu ſetzen, ehe man das Werk vornimmt. Soll ich mein Bedencken kurz darüber eröfnen, fo gehet es dahin: Man muß den Anfang bey einem Cammer⸗ oder andern Landguthe machen, (*) DD d- -d Feed x= eee eee (* Das Werk, welches mit wichtigen Beſchwerden verknuͤpfet liſt, inmaſſen ich mich nur darauf beziehen will, was ich im erſten Hauptſtuͤcke, auf der 25ten S. aus des Herrn Trowells Abhandlung vom Ackerbaue, angefuͤhret habe, wird auf dieſe Art , wenn man es erſt an einem Orte am fängt, febr erleichtert, und Fann eher über; ſehen, auch nach und nad) erweitert, und zu mehrerer Vortheile eingerichtet wer⸗ den. Es fallen hiernaͤchſt viele Einwürfe weg, die gemeiniglich wider ſolche neue Un⸗ ternehmungen gemachet werden), und den guten Fortgang derſelben hindern. Der gemeinſte wird dieſer ſeyn: wer wird feine beſten Aecker, die man zu noͤthigern Feld⸗ fruchten brauchet, zu einer ſolchen Pflanze, wodurch die Aecker ausgezehret werden, her⸗ geben, und wo ſoll aller Dünger herkom⸗ muß men, wenn man ihn doppelt, und noch dazu den beſten, auf die Waidtaͤcker fuͤhren muß? Ferner iſt zu beſorgen, daß viele, welche Feinde aller. oͤconomiſchen Nenerunz gen ſind, ſich ſo lange, als ſie nur koͤnnen, mit der Unerfahrenheit des Waidtbaues entſchuldigen, und, wenn fie durch Zwang dazu angehalten werden ſollten „ ſich dazu vielleicht nicht viel anders, als zu Frohn⸗ dienſten, bequemen werden. Und wie viel Hauswirthe giebt es nicht, die in ihrer gez woͤhnlichen, und eben nicht ſo gar mibfaz men Arbeit, als der Waidtbau iſt, nachlaͤſ⸗ fig und verdroffen find? Der Waibtbau erfordert ſolche Leute, die gewohnt find, das Brodt im Schweiſſe ihres Angeſichtes zu eſ⸗ ſen. Haͤtte man nun 100 Aecker, und ſo viel unterſchiedene Beſitzer, und es verabſaͤu⸗ mete auch nur ein Theil davon das Norh: u wer 154 Das fechfte Hauptſtuͤck. welches eigentlich Waidtland hat: das iſi, welches unter einer warmen Himmels⸗ gegend lieget, und wo durchgehends auserleſene, obenher ſchwarze und unten lei⸗ migte Erde befindlich iff: denn ſchwarze mit Sande vermengte Erde taugt nicht zum Waidtbaue. Man muß in Zeiten das Land gehoͤrig zurichten laſſen. Man muß genug guten Saamen anſchaffen, auch genug Arbeitsleute zum Waidtbaue haben, deren Mangel das Werk beſchwerlicher und koſtbarer macht. Man muß für einen redlichen und der Sache kundigen Director beſorget feyn, demſelben freye Hand laſſen, und fuͤr widrige Inſinuationen ſicher ſtellen. Man muß treue und arbeitſame Leute zu der mit vielen Ungemaͤchlichkeiten verbundenen Be⸗ reitung zu erlangen ſuchen, und ihnen einen der Arbeit gemaͤſſen Gehalt beſtim⸗ men. Man muß, welches auch hier zu wiederholen iſt, aus dem Waidte foͤrder⸗ ſamſt eine, von aller Unreinigkeit geſauberte, Farbe heraus zu bringen, fich bemuͤ⸗ hen, und ſollte es auch mit einer Belohnung beffen, der es darinnen zur Vollkom⸗ menheit bringet, geſchehen, (*) u. ſ. f. Nach und nach kann ſodann das Werk, 444-4494) 44 «0-0 0-0-0-0-0-0-0-0-070-0-0-0-0-0-0«0-040- wendige in der Arbeit, fo thaͤte folches im Ganzen beträchtlichen Schaden. Alles bie ſes aber läßt fid) auf ſolche Art vermeiden, wenn man den Anfang bey einem Landgu— the machet, und, daferne man das Werk vergroͤſſert wiſſen will, die Unterthanen, vermittelſt Vorſtellung der davon zu gewar⸗ tenden Vortheile, nach und nach dazu ge⸗ woͤhnet. (*) Auf ſolche Art wird man nicht allein den Hauptzweck erreichen, nemlich, daß wir den Waidt beſſer, als bisher, gebrauchen und nutzen, den Indigo aber daneben ent— behren koͤnnen: ſondern es werden auch noch viel andere Umſtaͤnde, welche die Ein— führung des Waidtbaues in einem Lande, wo man ihn bisher noch nicht, gehabt, bes ſchwerlicher und koſtbarer machen, vermie den werden. Denn wenn der Waidt ferner, wie bisher, bereitet werden ſollte, fo muͤß⸗ ten vorher nod) Muͤhlen und Horden ange ſchaffet, Haͤuſer beſonders dazu aptiret, Leute, die der bisherigen im vierten Hauptſtuͤcke beſchriebenen oft ungluͤcklich ausfallenden Bereitungsart recht kundig, aufgeſuchet, oder abgerichtet, und andere Anſtalten vorgekehret werden, die bey der neuen Bereitung gaͤnzlich wegfallen. Le berdiß wird fid) auch die neue Waidtberei— tungs-Fabrick gar füglich auf dem Land⸗ guthe, wo der Waidt erbauet wird, und ohne groſſe Koſten, anlegen laſſen. | Vom Waidte. 155 Werk, unter goͤttlichem Segen, in Schwang gebracht unb vergroͤſſert werden, je nachdem es die Beſchaffenheit des Landes, wo es eingefuͤhret werden ſoll, mit ſich bringet; das iſt: nachdem man wenig oder viel Aecker dazu anwenden kann, wenig oder viel Farbe brauchet, und felbige entweder nur für die innländifchen Faͤrbereyen, oder auch zum Handel und Vertrieb an auswaͤrtige Orte will berei⸗ ten laſſen. Ich leugne nicht, daß bey der beſondern Anwendung dieſer allgemei⸗ nen Saͤtze noch manches zu erwaͤgen, vorfallen koͤnne; allein ich ſchmeichele mir doch auch babep, man werde erkennen, daß ich der Sache naͤher, als andere, vor mir, getreten ſey, und ſo wenig etwas hauptſaͤchliches vergeſſen, als unpracti⸗ cable Vorſchlaͤge vorgebracht habe. Der Nutzen, welchen man ſich von Wie⸗ deraufhelfung des Waidtbaues und Handels ins und auſſerhalb Thüringen zu vers ſprechen hat, leuchtet zwar aus der Sache ſelbſt, und aus den in gegen⸗ waͤrtiger Schrift ſchon hin und wieder angefuͤhrten beſondern Umſtaͤnden, ge⸗ nugſam hervor, und ich koͤnnte daher meine Arbeit nunmehro beſchlieſſen: ich will aber doch folgendes hier noch beyfuͤgen. Wenn wir den Waidt nur alleine zum Blaufaͤrben gebrauchten, ſo waͤre ſolches ſchon genug, daß wir uns die Cultur deſſelben angelegen ſeyn lieſſen. Die blaue Farbe ift ja, bekannter maffen, die ſchoͤne, (*) vor andern fo febr beliebte und frequente Farbe; diejenige, wo⸗ durch fid) ganze Armeen vorzüglich diſtinguiren. Der Waidt wird aber auch zu der gruͤnen, und vielen vermiſchten Farben, ſehr ſtark gebrauchet. Er giebt ei⸗ .- -d -N: RH N. h d. · RH RH *) Die blaue Farbe deutet im hierogly⸗ Sr EN ER in opere bevald. part. general. e. phiſchen Verſtande die Schönheit an. IIII. p. 125. Hà ING de iure infignium c. IX. $, 3. P. 650. \ 156 Das ſechſte Hauptſtuͤck. ne fehönere und beſtaͤndigere Farbe, als der Indigo; und eben dieſes ift die Urſa⸗ che, daß die Englaͤnder, ihn bey ſich einzufuͤhren, keine Koſten ge— ſparet, und ihren ſelbſt erbaueten Waidt fo theuer bezahlen, (*) wie aus dem Anfuͤhren im erſten Hauptſtuͤcke S. 25. erhellet; da ſie ihn doch nur auf die bishero übliche Art bereiten, nach welcher der Farbenwaidt noch viele unrei⸗ ne Theile der Pflanze behaͤlt, die die Wirkſamkeit und Bewegung der zarten Farbentheilchen hindern. Und geſetzt, wir wuͤßten noch nichts, von einer andern und beſſern Bereitungsart des Waidtes, ſondern muͤßten die bis⸗ herige Art ebenfalls nachmachen; fo wuͤrde doch ein Land, welches bequem iff, den zu ſeinen Fabricken benoͤthigten Waidt ſelbſt zu er buen, ſchon vieles durch die Einfuͤhrung deſſelben gewinnen. Man wuͤrde die Fracht erſparen, welche in weit entlegenen Orten bald ſo hoch, als der Waidt ſelbſt, zu ſtehen kommt. Man wuͤrde ſich guten Waidtes verſichern, und der Proceſſe, wegen Untauglichkeit dieſer Waare, entuͤbrigen koͤnnen. Man wuͤrde viel im Lande behalten, u. ſ. w. Wie viel groͤſſer wird aber nicht der Nutzen ſeyn, wenn uns die aus dem Waidte zu bereitende neue Farbe, nemlich der von allen Unrei⸗ nigkeiten geſauberte Waidtſaft den Indigo ganz entbehrlich machet? Gewiß, die Sache verdienet eine, ihrer Wichtigkeit gemaͤſſe, Aufmerkſamkeit; ja ich mag 4494409400490 , 04-9499 44994444 65) Ich bin verſichert worden, die Wolle unb gute Farbe- Materialien ohn⸗ Engländer bekenneten ſelbſt, es habe die fireitig zuſammen gehören, wenn von der Einführung des Waidtbaues ihren Tuch⸗ Guthe der gefaͤrbten Tuͤcher und Zeuge ein fabricken, in Anſehung der Farbe, nicht richtiges Urtheil gefaͤllet werden ſoll. geringe Vortheile verſchaffet, indem gute 5 f Vom Waidte. 177 mag wohl ſagen, daß, wenn ſie in vorigen Zeiten der Beherzigung des ganzen teutſchen Reiches werth geachtet worden, ſie ſolches anitzo bloß deswe⸗ gen noch mehr verdiene, weil, wenn nach des Herrn von Hornigk ſehr glaubhaften Anfuͤhren, zu ſeiner Zeit, da ein Pfund Indigo noch 16 Groſchen bey uns galt, jaͤhrlich eine Million Thaler fuͤr Indigo aus Teutſchland hinaus gegangen iſt, dieſes itzo noch zweymal ſo viel betragen muß, ba der Preiß des Indigo fo enorm, nemlich von 16 Groſchen bis auf 1 Reichs⸗ thaler und 20 Groſchen geſtiegen iff, und der groͤſſere Verfall des Waidtes, bin nen ſolcher Zeit, den ſtaͤrkern Gebrauch des Indigo in den teutſchen Faͤrbe⸗ reyen, zum erweißlichen Nachtheil der teutſchen Tuchfabricken wegen Unbeſtaͤndigkeit der Indigo⸗Farbe, nach ſich gezogen hat. b 13 4 Beyla⸗ IY yr CUN ana — M nr u T qoe! rots yn eventi u 1 s dado ust, er? d vi^ dt * "oM aT, * 2 der * * $4 : * » ; * 2 | Baoehlagen. JM 74 "^ 7 U w x 2 UC ooo or ono ED oco oor onoiorcorn T de lk de de 32€ de Eie de Xe de He de [hs me 3 8 4 À Beylage n. A. Kayſerliche Befehle und Reichsgeſctze Extract aus des H. N. R. Policeyordnung d. d. Frankfurt am Mayn 1577. Tit. XXI. S. 3. die Corroſivfarbe und | deren Verboth betreffend. 3 Aus der neuen frankfurter Sammlung der Reichsabſchiede - ) 4 Th. II. S. 391. T Nm . . Qo ET AR pm leichfalls iſt uns glaublich fürbracht, daß durch die neulich er⸗ A fundene, ſchaͤdliche und betruͤgliche, freſſende, oder Corroſiv⸗ 7.) ds farbe, (fo man die Teufelsfarbe nennet,) iederman viel Scha⸗ den zugefüget wird, indem, daß man zu ſolcher Farbe an ſtatt E I des Waides Victriol und andere freffende wohlfeilere Materie brauchet, dadurch gleichwohl das Tuch im Schein ſo ſchoͤn, als mit der Waid⸗ farbe gefaͤrbt, und wohlfeiler hingegeben werden kann, aber es wird ſolch gefaͤrbt Tuch, da man es ſchon nicht anträgt, ſondern in der Truhen oder auf dem Lager liegen laͤßt, in wenig Jahren verzehret, und durchfreſſen; derohalben wollen Wir folche neue verderbliche Tuchfarbe gänzlich verbothen, auch allen und ieden Obrig⸗ keiten hiermit auferleget haben, in ihren Staͤdten und Gebiethen, ernſtlich Auf⸗ ſehen zu thun, damit ſolche freſſende oder Teufelsfarb von den Tuchfaͤrbern gaͤnz⸗ lich vermieden bleibe. Da aber iemand ungehorſam ſeyn und ſolche verbothene Materialien zu Tuchfaͤrben brauchen wuͤrde, denſelbigen ſollen mit allem Ernſt haͤrtiglich an feinem Guth und Ehren ſtrafen, da auch ſemand betreten, der ſolch betruͤglich gefärbt Tuch wiſſentlich fell hat, derſelbige foll nebſt Confiſcirung des Tuchs an Ehren, und ſonſten nach Ermeſſung der Obrigkeit geſtraft werden. ꝛc. (A) i 2 Beylagen. | IE n Extract aus dem Reichsabſchiede d. d. Regenſpurg vom Jahre 1594. S. Beneben dieſem ꝛc. das Verbot der freſ⸗ N ſenden Farben betreffend. E Aus vorangeführter Sammlung der R. A. Th. III. S. 442. eneben dieſem iſt auch noch weiters fuͤrkommen, daß allerhand Falſch und Betrug in den Seidenfarben durch vortheilhaftige Faͤrber und Kaufleute in vielen Orten im Reich, da ſolche Handlung if, geübt wird, und ane ſtatt der guten bishero gebrauchten und bey dem Seidenhandel in Staͤd⸗ ten approbirten Farben und Materialien, böfe, untuͤchtige, durchfreſſende, ſchwere Materie gebraucht, und dadurch Maͤnniglich nicht wenig angefübrt und vernach⸗ theilet werden kann, ſintemahl etlicher Orten in der Prob befunden, daß durch jetzt angeregte böfe durchfreſſende Materie die Seiden nicht allein an ihrer natuͤrli⸗ chen Staͤrke handgreiflich geſchwaͤchet, ſondern auch an den Gewichten dermaſſen beſchweret, daß aus einem Pfund weiſer Neh⸗oder Steppſeiden, allein durch das Gewicht der boͤſen Farben zwey oder drey Pfund mehr und weniger gemacht und zugericht werden koͤnnen; als ordnen und befehlen Wir, mit Wiſſen Churfuͤrſten Fuͤrſten und Staͤnde, daß ſolchem gemeinen Betrug Schaden und Nachtheil ernſt⸗ lich abgewehrt, und gegen den Verbrechern unnachlaͤßig verfahren werde, aller⸗ maſſen in juͤngſter Anno 1577. zu Frankfurt erneuerter Policeyordnung in dem often Titul von Verkaufung der Wllentͤͤcher, gantz oder zum Ausſchnitt mit der Ellen und von verbothenen neulich erfundenen freſſenden Farben ꝛc. wohl ſta⸗ tuiret und verordnet, wie Wir auch deswegen in beyden jetzt erzaͤhlten Faͤllen, Unſere kayſerliche Mandata fo wohl in dem H. R. R. als Unſerm Königreich und Eeblanden, wo noͤthig, zu publiciren gemeynet ſeyn. | III. | Extract aus dem Reichsabſchiede d. d. Regenſpurg vom Jahre 1603. F. Gleichfalls aber und dieweil ze. das Ver bot der freſſenden Farben betreffend. Aus eben dieſer Sammlung Th. III. S. 512. 14 leichfalls und dieweil noch weiter fürfommen, daß allerhand Falſch und 5 Detrug in den Wuͤllentuͤchern und Seidenſarben, durch vortheilhaftige Färber und Kaufleute in vielen Orten im Reich, da ſolche Handlung | it, geübt wird, und an ſtatt der guten bishero gebrauchten, und bey dem Wuͤllentuch⸗ und Seidenhandel in den Städten approbirten Farben. und Mate⸗ *" Beylagen. 3 Materialien, boͤſe, untuͤchtige, durchfreſſende ſchwere Materie gebraucht, das durch maͤnniglich nicht wenig angefuͤhret und vernachtheilt werden kann, alldie⸗ weil etlicher Orten in der Prob nachmals befunden, daß durch izt angeregte boͤſe, freſſende Materien, ſonderlich die Seiden nicht allein an ihrer natürlichen Staͤrke handgreiſſich geſchwaͤcht, ſondern auch an den Gewichten dermaſſen be weret, daß aus einem Pfund weiſer Nehe- oder Steppſeiden, allein durch as Gewicht der boͤſen Farben, zwey oder drey Pfund mehr und weniger ge⸗ macht, und zugericht werden koͤnnen: ſintemahl dann fuͤr billig ermeſſen wird daß ſolchem je mehr und mehr einreiſſenden Falſch und Betrug mit allem Ernſt abzuwehren, und was Anno 1577. zu Frankfurt und 94 allhier zu Regenſpurg deswegen auf damals gehaltenen Reichs⸗ und Deputationstaͤgen mit Rath und Bewilligung der Zeit anweſenden Churfuͤrſten, Fuͤrſten und Staͤnde, auch der abweſenden Käthe und Bothſchaftern, beſchloſſen und verabſchiedet worden, nochmals ins Werk zu richten ſeyn: | ' Als wollen und befehlen Wir, daß obbemeldten gemeinen Betrug, Schaden und Nachtheil nicht allein ernſtlich abgewehret, und gegen den Ver⸗ brechern mit unnachlaͤßiger Strafe verfahren werde, allermaſſen juͤngſtes obbe⸗ meldetes 77 Jahres zu Frankfurt erneuerter Policeyordnung im 21. Titulo, von Verkaufung der wuͤllenen Tücher x. und dem Anno 94 allhier zu Regen⸗ ſpurg auf damals gehaltenen Reichstag. $. Benebſt dieſem ꝛc. wohl ſtatuirt und verordnet, ſondern auch, daß die hieruͤber eroͤfnete, und waͤhrender dieſer Reichs⸗ verſammlung den Ständen, Näthen, Geſandten und Bothſchaftern vorgetra⸗ gen, wohl erwogne und vernuͤnftige Bedencken aller Orts im Reich, ſo viel ſich jedes Landes Art und Gelegenheit nach, immer thun laſſen will, mit allem Ernſt fürgenommen, angerichtet, und im Werk vollzogen werden ſollen. IIII. Des Kayſers Ferdinand III. Mandat d. d. Regenſpurg den 21. April de die Corroſivfarbe und deren [em ' Verbot betreffend. | | Nach dem Original. eK bir Ferdinand der Dritte, von GOttes Gnaden, erwaͤhlter roͤmiſcher 0 I Kayſer, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, in Germanien, qu Hun⸗ garn Beheimb, Dalmatien, Croatien und Sclavonien ꝛc. König, Ertzhertzog zu Oeſterreich, Hertzog zu Burgund, Steyermark, Kaͤrndten, Crain und Wuͤrtemberg, Graf zu Tyrol e. Entbieten allen und jeden Churfuͤr⸗ ſten, Fuͤrſten, Geiſtlichen und — } 1 Grafen, Freyen, PN 2 j 7 4 4 Beylagen. ren, Rittern, Knechten, Landvoigten, Hauptleuten, Vizdomben, Voͤgten, Pflegern, Verweſern, Antleuten, Landrichtern, Schultheiſſen, Burgermei⸗ ſtern, Richtern, Raͤthen, Buͤrgern, Gemeinden, und ſonſt allen andern Un⸗ ſern und des Reichs Unterthanen und Getreuen, was Wuͤrden, Stand oder Weſens fie ſeynd, und inſonderheit dem Ehrſanen, Gelahrten, Unſerm Nath und des Reichs lieben Getreuen, Philipp Wernern von Emrich, der Rechten D. Unſers Kayſerl. Cammergerichts Procuratorn Fiſcal, denen dieß Unſer Kay⸗ ſerl. Patent oder glaubwuͤrdige Abſchrift davon fuͤrkommt, Unſere Freundſe aft, Gnad und alles Gutes, und geben E. L. L. A. A. und Euch hiermit freund» und gnaͤdiglich zu vernehmen, und iſt zwar ohne das wiſſend und bekannt, als bey dem in Anno 1577. in unſer und des Heil. Reichs Stadt Frankfurt gehaltenen Deputationtag, in Reformir- und Erſehung des Heil. Reichs Policeyordnung, Klag vorkommen, daß durch allerhand neuerlichen, erfundene, ſchaͤdliche und be⸗ truͤgliche freſſende, oder Corroſivfarb, (fo man die Teufelsfarb genennt,) jeder⸗ man viel Schadens zugefuͤget worden, indeme man zu ſolchen Farben, an ſtatt des Waids, Vitriol und andere freſſende wohlfeilere Materie gebraucht, und da⸗ durch das Tuch, ob es wohl im Schein ſo ſchoͤn als mit der Waidfarb gefaͤrbet, jedoch, wenn es in der Truhen, oder ſonſten auf dem Lager gelegen, in wenig Jahren verzehret, und durchfreſſen worden, was geſtalt darauf in obberuͤhrter Anno 1577. publicirter Policeyordnung ſolche neue verderbliche Tuchfarb gaͤnz⸗ lich verbothen, auch allen und ieden Obrigkeiten auferleget worden, in ihren Städten und Gebiethen ernſtlich Aufſehens zu thun, damit ſolche freſſende oder Teufelsfarb, von den Tuchfaͤrbern gaͤnzlich vermieden bleibe, mit angehengter Verwarnung, da iemand ſolche verbothene Materialien zum Tuchfärben brau⸗ chen, oder auch ſolche betrügliche gefärbte Tücher wiſſentlich feil haben würde, der und dieſelbe neben Confiſcirung des Tuchs, an Ehren und fünften nach Er⸗ meßigung der Obrigkeit, geſtraft werden ſolten. Ob nun wohl ſich in allewege gebühret hätte, daß man dieſer heilſamen gemeinnutzigen Ordnung allerdings nach⸗ gegangen, und die Einführung obberuͤhrter betrüglichen Tuchfarben gaͤnzlichen verhuͤtet und abgewendet haͤtte; fo müffen Wir jedoch vernehmen, daß folches - an vielen Orten in Vergeſſen geſtellt, und beruͤhrtem Gebot in mannigfaltige Wege zuwider gehandelt worden, inmaſſen Wir denn die gewiſſe Nachricht er⸗ langt, wiewohlen das Land zu Thuͤringen vor andern Provinzien, durch den Waidhandel reichlich begabt, auch vermitteſſt deſſen die Tuͤcher einig und allein als auf ein Fundament anderer Farben beſtändig zu faͤrben, daß jedoch Deme gt gegen etliche Jahre hero, das Indigo aus Holland ſtark in dieſe Laͤnder gebracht, folches auch in Faͤrbung der Tuͤcher daſelbſten, wie auch in England, Frankreich und andern Orten gebrauchet, und dadurch beydes, der Waid, (indem er naͤ⸗ her zu erlangen,) mit groſſem Abbruch des Landes Thuͤringen, gaͤnzlich ais | un Beylagen ö 5 und die Käufer der Tücher merklich hierunter betrogen worden, inmaſſen denn nach Anweiſung der Experienz die Tuͤcher nur zum Schein mit denſelben Farben, und nimmermehr mit ſolchem Beſtand und Fundament, wie mit dem Waid an⸗ zufaͤrben, wodurch denn die Nutzbarkeit, welche ſonſten das Land zu Thuͤringen und gans Teutſchland durch deſſen Commercien genoſſen, hinweg gehet, und der Vortheil auf Auslaͤndiſche transportiret wird. Wann dann ein ſolches obbe⸗ rührter des Heil. Reichs Policeyordnung und Reichsabſchieden zuwider, und Uns dannenhero die Einſchleichung angeregter ſchaͤdlichen und betruͤglichen Far⸗ ben abzuſtellen und zu verbieten, von tragenden Kayſerliehen Amtswegen oblie⸗ gen und gebuͤhren thut, hierumben ſo geſinnen und begehren Wir an E. L. L. A. A. und Euch hiermit, freundlich und gnaͤdiglich, den andern aber ernſtlich befeh⸗ lend, daß ſie in ihren Landen, Botmaͤßigkeiten, Staͤdten und Gebieten, aller Orten, fleißige Aufſehung thun laſſen, damit die obberuͤhrte in des Heil, Reichs Policeyordnung verbothene neuerliche und betruͤgliche Farben an keinem Orte ein⸗ gefuͤhret, oder van den Faͤrbern gebraucht, ſondern gaͤnzlich und allerdings vers mieden bleiben. Da aber iemand dieſem Unſerm Kayſerl. Patent zuwider, der⸗ gleichen obbenannte, verbothene Farben und Materialien zum Tuchfaͤrben ge⸗ brauchete, oder auch ſolche betruͤglich gefaͤrbte Tuͤcher wiſſentlich feil haͤtte, und verkaufte, der, oder dieſelben ſollen alſo gleich an Ehren mit ernſtlicher Strafe angeſehen werden, Geſtalt denn Wir dir Eingangs gemeldeten Unſerm Kayſerl. Neichsfiſcal hiermit alles Ernſtes anbefohlen haben wollen, daß du zu Handha⸗ bung des Heil. Reichs Ordnung, und dieß Unſers Kayſerl. offenen Patents und Befehls, dich deines obhabenden Fiſcalatamts hierunter gebraucheſt, und gegen dieſelben mit Confiſcation der Tücher, unnachlaͤßlich verfahreſt, und dich daran nichts hindern, noch abhalten laſſeſt. Wie nun ſolches alles des Heil. Reichs Policeyordnung ohne das gemaͤß: Als wollen Wir Uns zu E. L. L. A. A. und Euch der gehorſamſten Schuldigkeit dieſes Unſers Kayſerl. Patents in allewege verſehen, die andern und Unſern aber erſtatten damit Unſern gnaͤdigſten ernſtlichen Willen und Meinung. Geben in Unſer und des Heil. R. R. Stadt Regen⸗ ſpurg, den 21. April Anno 1654. Unſerer Reiche des Roͤmiſchen im 18ten, des HBungariſchen im 29ften und des Boͤhmiſchen im 27ſten. Ferdinand. W iid Ferdinand Graf Kurtz. (L. S.) Ad 3 Sacr. Caefar, Maieftatis proprium. 179 Willhelm Schroͤder. (A 3) V. 6 Beylagen. B. Churſächſiſche Mandate und Ordnungen. e Val Extract aus der Policeyordnung des Khurfüͤrſtens Auguſt vom Jahre 1555. daß die von Adel auf den Dörfern keinen Waidt handel treiben ſollen. Aus dem Codice Auguſteo I. Th. S. 66. iewohl ſich auch ein ieder wohl zu erinnern, daß der adeliche Stand, ade⸗ liches Weſen und Wandel erfordert, und daß ſich ein Edelmann von feinen Ritterſolden und Ritterguͤtern foll unterhalten; fo gelanget Uns doch an, daß es bey etlichen dafuͤr will geachtet werden, als ob ihnen frey und ihrem Stande gemaͤß ſey, allerley Nahrung geſucht, Gewinſt und Hand⸗ thierung zu uͤben und fuͤrzunehmen, die die buͤrgerliche und armer Leute Staͤnde von Alters hero, gebraucht haben, und noch, daraus ſich verurſachet, daß ſich eines Theils des Bierbrauens, Maltzmachens, darzu fie die Kretſchmar auskau⸗ fen wollen, und andere Waare zu kaufen, und wieder zu verkaufen unterſtehen; item, auf den Dörfern wird das Garn aufgekauft, und in den Städten wieder verkauft, eines Theils handeln mit Saltz, Hoppen, Waid, eines Theils kaufen Wein auf dem Verkauf, und was derer Dinge mehr ſeyn, das alles nicht dem adelichen Stande, ſondern den Buͤrgern in Staͤdten vor Alters hero gebübret, und noch. Zu deme unterſtehen ſich etliche, uͤber und wider die Landesordnun⸗ gen, Handwercksleute, als: Schmiede, Schuſter, Schneider, Leinweber, Waidkaͤufere und andere in den Doͤrfern zu halten; daraus nichts anders, denn gewiſſer Schaden und Verderb der Staͤdte, endlich muß erfolgen. Weil dann ein ieder wohl zu ermeſſen, daß ein Stand bey dem andern, billig gelitten, und bey feiner Nahrunge, die ihm gebuͤhret, gelaſſen wird; wie denn auch derohalben von Unſern Vorfahren ſtatliche Verſehunge, und Landesordnung hiebevorn ge⸗ macht; als thun Wir dieſelben hiermit verneuern, und befehlen demnach ernſtlich: Daß fic) ein ieder Praͤlat, Graf, Herr, oder von Adel, auch die Bauren, und andere auf den Doͤrfern, folder bürgerlicher Handlung, gaͤnzlich enthalten, und zu Verderb Unſerer / Staͤdte nicht Urſach geben zc. VI. Beylagen. 7 VI. | Des Churfürſtens CThriſtian Mandat vom Jahre 1607. daß die Waidhaͤndler und Fuhrleute ben Waidt in die Stadt | Haͤyn niederlegen und keine Beywege ſuchen ſollen. | Aus dem Cod. Aug. Ih, II. S. 2093. on GOttes Gnaden, Wir Chriſtian der Andere, Herzog zu Sachſen, des Heil. Reichs Erzmarſchall und Churfurſt, Landgraf in Thuͤringen, Marg⸗ graf zu Meiſſen, und Burggraf zu Magdeburg ꝛc. vor Uns, und den Heochgebohrnen Fuͤrſten, Herrn Johann Georgen, und dann in Vor⸗ mundſchaft des auch Hochgebohrnen Fuͤrſten, Herrn Auguſten, beyder Herzoge zu Sachſen, Unſere freundliche liebe Bruͤdere ꝛc. Thun kund mit dieſem Unſern Briefe: Ob wohl vor langen Jahren hero, in Unſer Stadt Haͤyn, eine Nieder⸗ lage von Waid, ſo die Waidhaͤndler von Erfurt und anderswo daſelbſt beſuchen, geweſen, und noch iſt, ſo werden Wir doch berichtet, daß ſolcher Niederlage zu⸗ wider, fic) etzliche unterſtehen, den Waid nicht in die Stadt Haͤyn, alten Ge⸗ brauch und Herkommen nach, zuführen und niederzulegen, ſondern daß fie den⸗ ſelben an andere Oerter, und durch unſere Lande durchſchleifen, Beywege ſuchen, und alſo Uns, unb Unſerer Stadt Hayn zu Nachtheil, damit handeln ſollen. Wann Wir dann ſolchem nachzuhengen keinesweges gemeynet, auch den Waid⸗ haͤndlern Beywege zu ſuchen, nicht zugeſtatten wiffen, ſondern die ordentliche Landſtraſſe gehalten haben wollen. So gebiethen Wir allen und iem Unſern und J. J. L. L bern, Haupt⸗ und Amtleuten, Schöffen, Verwaltern, Ge⸗ leitsleuten, Zoͤlnern, Burgermeiſtern, Richtern, Naͤthen der Städte, Gemein⸗ den und allen andern Unferer und J. J. L L. Unterthanen und Verwandten, ernſtlichen, da durch den Rath zum Hayn, oder ihre Befehlhabere, der Waid⸗ haͤndler und Fuhrleute einer oder mehr, in euren habenden oder befohlnen Gerich⸗ ten betreten und angetroffen, ſo mit ſolchem Waid die rechte Landſtraſſen, von. Erfurt aufn Hayn, umfahren und fie durchſchleifen wurden, ihr wollet den oder dieſelben mit dem Waid anhalten, und nicht von abhanden kommen laſſen, bis fie ſolches Umfahrens halben ſich mit Uns abfinden. Daran geſchicht Unfere ernſt⸗ liche Meynung. Zu Urkund mit Unſerm zu End aufgedruckten Canzley⸗Secret beſiegelt, und gegeben zu Dreßden den 11. Mart. 1607. 6.8.) VII. 1 Beylagen. Auszug aus der Erledigung der Landesgebrechen des Churfuͤrſtens Chriſtians II. vom Jahre 1612. den Aufkauf des Waidtes auf den Doͤrfern betreffend. | Aus dem Cod. Aug. Th. I. S. 182. 4A eber vorerzehlte Puncte haben, zum asjten, ſichi inſonderheit die Städte bez | ſchweret, daß ihnen mit Brauen und Schenken, Handwerksinnungen und dergleichen, groſſer Nachtheil zugezogen wuͤrde. So thaͤte man ſich auch auf denen Doͤrfern, des Waid⸗Wolle⸗Tuch⸗ und andern Handels, un⸗ geachtet es in der Landesordnung zum hoͤchſten und bey einer gewiſſen Straffe ver⸗ boten, unterfangen, wie denn auslaͤndiſche Kaufleute, inmaſſen inſonderheit die Stadt Salsa geklaget, ihre ſonderbare Factoren in die Dörfer ſetzen, Waid, Wolle und dergleichen anskaufen, und ſolchergeſtalt muthwillige Steigerung ur⸗ fachen ſollen. Damit nun dadurch denen Städten die Nahrung nicht entzogen, und die Einwohner zu Bettlern gemachet, der Bauersmann, zuwider ſeinem Be⸗ ruf, und mit hoͤchſten Schaden des gemeinen Nutzes, fid) der Ackerarbeit entaͤuſ⸗ ſere, ſich auf die Kaufmannſchaft lege, und alſo nichts ſonderliches an Kaufmanns⸗ waaren in die Städte bracht, und groſſer Anlaß zum Mangel an zeitlichem Aus; kommen und zu theurer Zeit, auch zu Zerruͤttung guter Policey, gegeben, und in fraudem der Landesordnung gehandelt werde, (ft Unſer ernſter Wille und Mey: nung, daß Unſere Hauptamtleute und andere Gerichtsherren, dieſe itzterzehlte Mißbraͤuche alſobald abſchaffen, die Staͤdte bey der Landesordnung, alten Pri⸗ vilegien und Vertraͤgen ſchuͤtzen, von denen Verbrechern die Strafe einbringen, und ferner dergleichen, ſonderlich aber die ſchaͤdlichen Vorkaͤufe, nicht verſtatten, ſondern, da derowegen Irrungen fic) ereigneten, erwehnter Landesordnung gemäß, Weiſung thun und verfahren ſollen. à | VIII. Auszug aus der Erledigung der Landesgebrechen vom | Jahre 1661. $. 76. das Verbot der Corroſivfarbe, Indigo genannt, betreffend. Aus dem Cod. Aug. Th. I. S. 236. ie hoch auch zum ſechs und ſiebenzigſten in unterſchiedenen Reichsabſchie⸗ den und Policeyordnungen, wie auch in einem, nur neulichſt am 20. oU April 1654. ausgelaffenen, und in unſern Landen am 18. Sept. eiusd. anni publicirten Kayſerl. Mandat, die ſchaͤdliche, und betrüglich freſ⸗ ſende oder Corroſivfarbe, die Teufelsfarbe genannt, im, Tuchfaͤrben zu es en Beylagen 9 chen verbothen, das ift Reichs⸗ und Landkuͤndig. Nachdem nun anderweit von dem thuͤringiſchen Creyße, inſonderheit der Stadt Salza, Klagen eingekommen, daß auch in unſern Landen, ſolchen heilſamen gemeinnutzigen Satzungen nicht nach⸗ gelebet, ſondern, ungeachtet derſelben, und daß das Land zu Thuͤringen vor an⸗ dern, durch den Waidthandel reichlich begabet, auch vermittelſt deſſen die Tuͤcher einzig und allein, als auf ein Fundament andrer Farben beſtaͤndig zu färben, das Indigo ſtark in dieſe Lande gebracht, die Tuͤcher damit gefaͤrbet, und die ſonſt nuͤtzliche Waidarbeit unb derſelben zutraͤgliche Handlung abgeſchaffet, aud) aus fremden Orten eine groſſe Menge Tücher, fo mit dieſer verderblichen Farbe ge faͤrbet, hin und wieder eingeſchoben, und die Kaͤuffer, wie die Erfahrung bezeugt, merklich damit betrogen worden: X So befehlen und gebiethen Wir hiermit ernſtlichen, daß alle Gerichte herren aufm Lande und in Staͤdten fleißige Aufſicht haben, und von Zeiten zu Zei⸗ ten Erkundigung einziehen ſollen, damit dieſe verbotene, ſchaͤdliche Farben an kei⸗ nem Orte eingefuͤhret, und von den Faͤrbern gebraucht werden, ſondern gaͤnzlich vermieden bleiben. ; | | Da aber iemand dieſem zuwieder handeln, und entweder ſolcher Farben ſich gebrauchen, oder dergleichen betruͤglich gefaͤrbte Tuͤcher wiſſentlich feil haben und verkaufen wuͤrde; dem, oder denenſelben ſollen ſolche Tuͤcher alsbald abge⸗ nommen, auch noch eine anſehnliche Strafe dictiret und von ihnen eingebracht werden. Geſtalt Wir denen Beamten, Gerichtsherren, auch beſtalten Fiſcal hie⸗ mit alles Ernſtes eingebunden haben wollen, zur Handhabung dieſer oft wieder⸗ hohlten Satzung ſich ihres Gerichts⸗ und Fiſcaliſchen Amts hierunter zu gebrau⸗ chen, und gegen die Verbrechere, mit Confiſcation der Tuͤcher und Beſtraffung unnachlaͤßig zu verfahren, und ſich daran nichts hindern, oder abhalten zu laſſen. VIIII. Des Churfuͤrſtens Johann George I. Mandat vom Jahre 1650. daß alle Tücher und Waaren mit dem Waidt und nicht mit dem ſchaͤdlichen und durchfreſſenden A3ndigo gefaͤrbet werden ſollen, ! Aus dem Cod. Aug. Th. I. S. 1521. on GOttes Gnaden Johann Georg xc, ꝛc. Es iſt maͤnniglichen beruft, daß unſre Landgrafſchaft Thüringen vor andern Ländern und Provinzien mit der Waidfrucht von dem Allerhoͤchſten begnadigetſ iſt, und der Waid⸗ handel vor deſſen, ehe das leidige N eingeriſſen, und a D cute 10 Beylagen. Leute das ſchaͤdliche Indigo, untuͤchtige und betruͤgliche Waaren eingefuͤhret, mit gutem Nutz des gemeinen Weſens getrieben, aud) die Tuche und Waaren alfo zubereitet, und eingefärbt worden, daß maͤnniglich damit content und verwahret ſeyn koͤnnen; hingegen bezeuget die Erfahrung, daß das Indigo gar leichtlichen die Farbe verleuret, und die Tücher und Waaren dermaſſen durchfriſſet, daß viel redliche Leute, welche den Unterſchied der Farben nicht verſtehen, merklichen bc trogen worden. | Wann denn nicht allein in des H. R. R. Policeyordnungen de Annis 1577, 1594 und andern dergleichen boͤſe Farben bey Strafe der Confiſcation der Sachen verbothen, die Noͤm. Kayſerl. Majeſt. unſer allergnaͤdigſter Herr aud) An. 1638. ſolche heilſame Reichs ſatzungen allergnaͤdigſt wiederholet, und ein ſonder⸗ bar Patent, (davon ihr beygefuͤgte beglaubte Abſchrift zu empfangen habt) da⸗ ruͤber ausgefertiget, auch nicht unbillig, daß daruͤber feſtiglichen gehalten, und 0 und Aufrichtung des nuͤtzlichen Waidhandels emſiglich getrachtet wer [4 M 3 : E da St '* So iſt hiermit unfee Begehren, ihr wollet es bey itzigem neuen Fahre; Markte öffentlichen anſchlagen, und daneben kraft diefes ernſtlichen, und bey Strafe der Eonfifeation verbieten, daß die Tücher, und andere dergleichen Waa⸗ ren, welche nicht mit Waidt, ſondern mit andern untuͤchtigen Farben (ſolchem Kayſerl. Ausfchreiben zu wieder) gefaͤrbet ſeyn, hinfort weder einzeln noch Ballen⸗ weiſe gefuͤhret, eingebracht, verkauft und verſchnitten, auch was deſſen hiebevor erhandelt, und von denen Gewandſchneidern und Cramern noch nicht verſchnit⸗ ten oder verkauft iſt, zwiſchen dato und dem nechſtkuͤnftigen Oſtermarkt gaͤnzli⸗ chen abgeſchaft, und von jetzo an, niemahls wieder in unſer Land gebracht wer⸗ den foll, mit dieſer ausdruͤeklichen Commination, da fid) ein oder ander ſolcher betruͤglichen Farben und Waaren ferner unternehmen, und ſelbige einführen, oder verhandeln wuͤrden, daß Wir ihn nach Inhalt der Löͤbl. Reichsſatzungen an Ehr, Leib und Vermoͤgen unnachlaͤßig ſtrafen, und ihm die Waaren alſobal⸗ den abnehmen laſſen wollen, geſtalt Wir auch denn gleichfalls hiermit ermahnet haben wollen, dem gemeinen Weſen zum Beſten, n e Aufſicht zu haben, und wider die Verbrecher einen ſonderbaren Ernſt und Eifer zu gebrau⸗ chen. Daran geſchicht Unſere ernſte Meynung. Datum Dreßden, den 31. Det. Anno 1650. e x | Beylagen. 5 n Des Churfürſtens Johann George I. Mandat vom Jahre 1654. den Indigo und deſſen Verbot betreffend. Aus dem Cod. Aug. I. Th. S. 1 547. ſern Praͤlaten, Grafen, Herren, denen von der Ritterſchaft, Ober⸗ Haupt⸗ und Amtſeuten, Schoͤſſern, Verwaltern ; EUM ie / liche Waaren, ſonderlich aber der Indigo, einen Weg als ben andern, gebrau⸗ bracht worden.) | bos .. Wann dann ſolchem ausgegangenen Kayſerl. allergnaͤdigſten Mandat ſchuldige Folge zu leiſten gebuͤhret, und Wir demſelben in Unſerm Churſuͤrſten⸗ thumb und Landen allerdings nachgelebet wiſſen wollen: Als befehlen und gebieten Wir allen und ieden Unſern obbemelten Praͤlaten, Grafen, Herren, denen von der Ritterſchaft, Ober⸗Haupt⸗ und Amtleuten, Schoͤſſern, Verwaltern, Buͤr⸗ germeiſtern, Richtern und Schultheiſſen, auch ſonſten insgemein allen und ieden Unſern Unterthanen, Schutzverwandten, und andern, die in Unſerm Churfuͤr⸗ ſtenthum und Landen Gewerb und Handel treiben, hiermit und in Kraft dieſes, daß ſie dem in mehrberuͤhrtem Mandat begriffenen Inhalt, bey Vermeidung der darinnen geſetzten Pon, allerdings wuͤrklich und vollſtaͤndig nachkommen, und darwider in keinerley Weiſe thun noch handeln, oder andern ſolches zu verrichten geſtatten, ſondern vielmehr die Verbrechere zur verdienten Beſtrafung Uns iedes⸗ mahl ſchleunigſt anmelden ſollen. Daran vollbringen ſie Unſern gaͤnzlichen zu⸗ verlaͤßigen Willen nnd Meynung. Uhrkundlich mit Unſerm zu Ende aufgedruck⸗ den Canzley⸗Seeret beſiegelt. ee En m am 18. Sept. An. m 2 ! Beylagen. Reſcript vom Jahre 1556. den verbotenen Wadthandel DIL einiger von Adel betreffend. Aus der Originalhandſchrift. i e ; " * | m Unſern günftigen Willen zuvo e. Erbar guter Goͤnner. 15 df LI L2 s bat fid ietzo unter andern an Unſern gnaͤdigſten Herrn, den Churfuͤrſten ; zu Sachſen 2c. der Rath zu Tennſtaͤdt beſchwerlich beklaget, daß fid) die nBruͤhl zu Gangloffſoͤmmerda, Florian von Greuſſen, und Martin Peyll i zu Kutzleben, auch andere mehr, innerhalb vorwerther Zeit ſollen unter fangen haben den Waithandel zu treiben, welches gemeldtem Rath und gemeiner Stadt Tennſtaͤdt zu groſſen Abbruch und vorders gereichen thaͤte, unterthaͤnigſt bittende, ſolches abzuſchaffen. Weil denn ſolche und dergleichen bürgerliche Handtierungen dem Adelichen Stande ungemaͤß, und Sr. Churfuͤrſtl. Gn. aus⸗ gegangenen Landesordnungen zuwieder gebraucht worden; Als iſt wegen Sr. Churfuͤrſtl. Gn. unſer Befehl, ihr wollet den Beklagten unverzuͤglich unterſagen, daß fie fid) hinfuͤhro ſolcher und anderer buͤrgerlichen Handtierungen, bey Der meidung Sr. Churfuͤrſtl. Gn. ernſten Straf, gaͤnzlich enthalten, oder innerhalb zwey Monathen gnugſamlich beweiſen, daß ſie deren, uͤber vorwerthe Zeit in Ge⸗ brauch geweſen. Daran geſchiehet Sr. Churfuͤrſtl. Gn. Meynung. Datum Dresden, den iten Aug. Anno 1556. fi (ilb dea — Hochgedachten unſers gnädigfien Herrn : Raͤthe daſelbt i P Joh. Kieſewetter. bv. t ne t1 ji niin t N e! rj Y 11 4 N ende Dem Erbarn unſern guten Goͤnner, 2 i ioni Uthmann, Keen ů W * eiſſenſe. hne D dai nist 2 Behle. 13 C dent Hid Mandate und Ordnungen. à tum a aus u aiot Johann Friedrich des Mit⸗ lern, Johann Willhelm und Johann Friedrich des Juͤngern Fuͤrſtl. Machtſpruchs d. 8. Weimar 1558. | den Waidthandel der Stadt Gotha und der Dörfer Goldbach, "y pr Grabsleben, Bruheim, Rettwich, Molſch⸗ Du leben Z Bea Friemer und Hau. f ſen betreffend. : Ga IC big 8 rw Gotha diplomatica Th. III. €; 209. . pee aber wollen Wir nach Gelegenheit und Befindunge allerhand iim — : CN Y ftände einer ieden oben vermelten Dorfſchaft vergoͤnnen und nachlaffen, das derſelbigen Einwohnere, mit demjenigen Waldt, fo einem ieden ſelbſt ks erwachſen, und Darüber nicht Ballnweiſe zu handeln, auch 1 uf⸗ gem verkauffen, und feines Gefallens vertreiben moͤgen. So wollen Wir ns auch fürbehalten haben, da unſere Stadt Gotha, durch obberührte Meßi⸗ gung des Waidtkaufs den Waidthandel ſtattlich nicht erhalten koͤnnte, und alfo vielmehr eine Stopfung und Abwendung des Waidthandels in unſern Staͤdten erfolgen ſolte, Alsdann Trin cine weitere Deroidnunge und Aenderunge zu machen. i „ XIII. Auszug aus des epis, Johann Caſimir, eant: ches gebrechens Abſchiede vom Jahre 1592. den Waidt⸗ | neun A bhandel betreffend. | . AO MER Aus RVDOLPHI Gotha VUES Th. III. € 217, ($2 as aber den Waidtkauf erbe anlanget, erſcheinet aus dem | ^. M ſpruche Anno oc acht und funfzigck, das nachfolgenden Wan Dorfſchaften, Goldbach, Wiegeleben, Grabisleben, Bruheimb, 0 f Net ttwich, Molſchleben, Balſtedt, Friemer und Saufen nachgelaß i, 65 F ihren n de ihres Gefallens zu ae B 3) en, 14 Beylagen. fen, und haben ſich die Stedte, empfangenen Bericht nach, ercleret, das ſolches den andern Dorfſchaften auch nicht verwegert wurde, dieweil aber darbey aller⸗ hand Unordnung eingeſchlichen, welche zu vielen Clagen Urſache gegeben, und in der Handlung derſelben dienſtliche Mittel fuͤrgeſchlagen, fo laſſen Wir uns gefal⸗ len, daß die Gemeinden ihren eigenen erwachſenen Waidt Ballenweiſe, entweder ſobalden von der Hurden oder nach ihrer Gelegenheit denſelben aufſchuͤtten, ſam⸗ len und alle drey Fruͤchte oder Geſtoſſe zuſammen bringen, die Balle wiederum bre chen, und als Meuſer Waidt zwey Viertel für eines verkaufen moͤgen, aber des Angieſſens, Zubereitens und Verkuͤbelns oder Kuͤbelweiſe zu verkaufen, weil fol ches ohne Wiederrede eine Handthierunge iſt, ſo den Stedten gebuͤhret, ſollen ſie ſich genzlich enthalten. a Hr tr S8. 24. Und wiewohl unfer. gnábiger lieber Herr Vater in dem angezoge⸗ nen Machtſpruch fürnemlich auf unfer Stadt Gotha geſehen, und S. G. ihr da⸗ rinnen fuͤrbehalten haben, da erwehnte Stadt durch beruͤhrte Meßigung des Waidt⸗ kaufs den Waidthandel ſtadtlich nicht erhalten konnte, hierinnen weitere Verord⸗ nunge und Aenderunge zu machen. | Mx Und bann der Hochgebohrne Fürft, Herr Johanns Willhelm, Herzog zu Sachſen, unſer freundlicher lieber Vetter, Chriſtmilder Gedaͤchtnis, in einem Bevelch unter Dato Weymar am Zten May. Anno Ein tauſend Fünf hun Siebenzigck ein- auch dahin gefehen, und den Dorfſchaften einbinden und auferle⸗ gen laſſen, ihre Waidte, fo ſchierſt fie geſtoſſen und geballet wurden, nirgend wos - hin, dann in die Stadt Gotha, zu verkaufen, doch das die Buͤrger und Waidt⸗ hendeler daſelbſt dargegen verpflichtet und ſchuldigck ſein ſollen, ſolche Waidt in gebuerlichen Werth anzunehmen, und zuebezahlen, dardurch fid) verhoffentlich das ſchedliche vorkeuffen bey den Bawersleuthen uffm Lande, abſchneiden wurde. So wollen wir doch noch zur Zeit und bis zue fernerer Anordnunge, die wir uns hiermit vorbehalten, geſchehen laſſen, daß die Dorfſchaften und ein ieder feinen erwachſenen Waidt, auch in andere umliegende Stedte fuhren, und erzeh⸗ fetermaffen verkeuffen mögen , aber folchen von einander ſelbſt zue keuffen, zue kaut⸗ ten, in andere Doͤrffer zue fuehren und den Einwohnern daſelbſt, oder andern zu verkeuffen, oder in andere Wege zu vertreiben, ſoll ihnen durchaus verbotten ſein. Denn weil ihnen in Macht Spruche vergonnet und nachgelaſſen, allein ihren ſelbſterwachſenen Waybt zu verkeuffen, ſo iſt ihnen dadurch verbotten, ſolchen un⸗ tereinander ſelbſt oder in andere Dorfſchaft zu verhandeln. Denn es kann bete nacher der Keuffer nicht alleine ſeinen erwachſenen Waydt anwerden, ſondern muß auch darneben den andern, ſo er erkeuft, erkautet, oder in andere Wege erlan⸗ get, wiederun gelöfen, welches dem Macht Spruche zuewider. Do aber in den Dorfſchaften ſolchen Leuten der Waydt verkauffet wirdet, welche zuvor komen, ſo wirde in dehme wieder die Landes⸗Ordnung, welche dergleichen "Dinctiisunge j en - 4 de " y/ r | ^ X 7 pU Beylagen. | 17 ben Burgern in Stedten eigenet, gehandelt, darumb wir der keines wiſſentlichen ale oder nachgeben koͤnnen, zuvorderſt, weil wir befinden, das nicht alleine gedachter unſer Vetter, in Sr. L. Bevelch im Ein und Siebenzigſten Ihar, auch dahin geſehen; Sondern das auch unſere gnedige und liebe Vor Eltern daruͤber veſtiglich gehalten, dann als an unſern gnedigen lieben Herrn Vattern underthaͤ⸗ nig gelanget, das ſich die Bawern zu Ulleben Waidt ein und vorzuekeuſſen under⸗ ſtehen ſollten haben S. Gn. an Dero Beambten am Tage Petri und Pauli des Zwey und Funfzigſten Ihars mit nachvolgenden Wortten Bevelch ede. Dieweil ſolches wieder unſer Vorfahren ſehliger Gedechtnis gemeiner Landes Dr; denung iſt, darob denn unſer gnediger lieber Herr Vatter und wir auch noch⸗ mahls vheſtiglich zuehalten gedencken; So begehren wir, ihr wollet ſolches den Bawern nicht verſtatten, ſondern ſie darumb ernſtiglichen ſtraffen e. Wie denn im Junio des Siebenzigſten Ihares Chriſtoff Trubenbach, von dergleichen Hand⸗ tierunge durch Bevelch abgewieſen worden, Und weil bis dahero ſolchem allen que wieder Hannß Trubenbach izo zu Wiegeleben, und vor dieſem ein Einwohner zue Behringen, ſich des Waidtkauffen underſtehen, und ihme ſolchen unſere Leute ge⸗ gen Burck Tonna fuehren ſollen; So wollen wir, das in dehme der Landes Orb» nunge und darauf vielfaltigen ergangenen Bevelichen gehorſamblichen gelebet, und die Verbrechere iedesmahl in unnachleßige ernſte Straffe gezogen werden, welches unſer Ambt Gotha uff Anzeigen der Stedte alſo ins Werck richten und mit Vleiß darueber halten foll. | | | 9.25. Es ſollen aber gleichwohl den Verkeuffern bie Waydt in billichem Werth bezahlet, und die Muͤnz Sorten dermaſſen geliefert werden, wie ſie im Lande genehme und gangekhafftigck, und hierueber der Rath darob fein, daß die Verkeuffere, weder von den Tregern noch Meſſern zur Ungebuehr uͤbernommen, und darneben den Meſſern ernſtlich einbinden, und ſie in Gelubde nehmen, daß ſie mit dem Meſſen richtig umgehen, und darbey kein Gefehrde noch Vorthel ge⸗ brauchen, ſondern ſich gegen einen wie den andern verhalten, deſſen wir uns zue ihnen gemzlichen verſehen, wollen auch, daß im Waydtmaß mit der Stadt Erf⸗ furth Gleichheit gehalten werde, und hat ſich Balthaſar von Scharffenſtein zue Goltbach auff beſchehene Vorhaltunge und nothdurfftige Erinnerunge ſelbſten er⸗ deret, daß er hinfuͤrder mit feinem ihme ſelbſten erwachſenen Weydt angezogener Maß erzeigen und verhalten wolle. | | ; ex 33 s j'SS TM i e d 2 1 t0 i 174. 4 E 1 7313'3* N POS IN 7 f a. iM ig 2 iH M" Nie bald ^" ds: 5 . " "SCENE eee 3 Vii ! 3 J^" II 1 E 0 4 16 | Beylagen. L. *7 MUERE: otc Auszug aus des Herzogs Ernſt des frommen Synodal Schluß vom Jahre 1645. P. III. lit. A. tit. 13. $ aß das Waidmahlen nicht an Sonn: und Feyertagen zu verrichten, auf fer im Nothfalle, nach vollendeten Gottesdienſte; Da denn durch ges wiſſe an jedem Orte dazu zu deputirende Perſonen zu ermeſſen, ob der Waidt nicht eher habe geſtoſſen werden koͤnnen ꝛc. ! Auszug aus Herzogs Ernſt des frommen Landes⸗Ord⸗ nung vom Jahre 1666. P. II. c. III. tit. 29. vom Waidt ' und Safflorhandeen. och wollen wir, daß der in unſerm Fuͤrſtenthume und Landen erbauete Waid zufoͤrderſt in unſere Staͤdte, wenn derſelbe alldar in gleichen Preiſſe, wie er anderer Orten bezahlet wird, zu verkauffen, und ſo fern nicht anders⸗ wohin gefuͤhret und gebracht, noch auf den Doͤrfern von Eingeſeſſenen oder Fremden vorgekauffet werden ſolle. Und demnach in des Heil. Roͤm. Reichs Po⸗ liceyordnung, itziger Kayſerl. Majeſtaͤt dießfalls allergnaͤdigſt erneuertem Privile⸗ gio, auch dieſer unſer Landes⸗-Ordnung, und in fpecie dem ausgefertigten, Waidpatent d. a. 1654. der Waid zu Faͤrbung der Tuͤcher, fuͤr neulich erfunde⸗ nen, ſchaͤdlichen, betrieglichen, freſſenden oder Corroſivfarben, ſonderbar privi⸗ legiret iſt, ſollen die Waidhaͤndler, damit wieder die Ueberfahrer dieſer Befrey⸗ ung deſto beſtaͤndigere Achtung fuͤrgenommen und behauptet werden möge, fid) ie desmahl tauglicher untadelhaftiger Waidbereitung befleißigen, damit die Faͤrber daruͤber zu klagen nicht Urſach haben moͤgen. | 1 r PXLs Tit XL | Von Faͤrbern. P. «1 vww vf. DL Weir wollen auch, zu Folge eheſt gedachter Policey⸗Ordnung und des von itzo regierender Kayſerl. Maj. dießfalls noch unlaͤngſt verneuerten Priuilegii in Unſerm Fuͤrſtenthum und Landen alle neulich erfundene ſchaͤdliche und betriegli⸗ che freffende oder Corroſivfarben, darzu man an ſtatt des Waides, Vitriol, In⸗ dig und andere freſſende wohlfeilere Materien brauchet, und dadurch zwar Mi Tu Beylagen. 17 Tuch im Schein ſo ſchoͤn, als mit der Waidfarbe, gefaͤrbet, und wohlfeiler ge⸗ geben werden kann, aber dabey gleichwohl indem viel Schaden zugefuͤget wird, daß ſolches gefaͤrbtes Tuch, da man es ſchon nicht antraͤget, ſondern in dem Ka⸗ ſten oder auf dem Lager liegen laͤſſet, in wenig Jahren ſich verzehret, gaͤnzlich ver⸗ bothen, auch den Obrigkeiten, Beamten und Raͤthen in den Städten hiermit ernſtlich auferleget haben, Aufſicht zu führen, damit ſolche freſſende oder Teu⸗ felsfarbe von den Tuchfaͤrbern gaͤnzlich vermieden bleibe. Da aber iemand unges horſam ſeyn, und ſolche verbothene Materialien zum Tuchfaͤrben brauchen wuͤrde, derſelbe, wie auch der, ſo ſolch betriegliches Tuch wiſſentlich feil hat, ſoll darum an Guth und Ehren geſtraffet werden. f XVI. Des Herzogs Friedrich Hochfuͤrſtl. Durchl. Patent wegen des Waidt⸗ und Saflor⸗ Handels. | ith uim Nach einer Handſchrift. on GOttes Gnaden Wir Friedrich ꝛc. fuͤgen hiermit iedermaͤnniglich zu wiſſen: Obzwar in Unſerer Landes-Ordnung P. IL C. 3. Tit. XXIX. aus⸗ druͤcklich verſehen, daß der in Unſerm Fuͤrſtenthum und Landen erbauete Waidt und Saflor zuvoͤrderſt in Unſere Staͤdte, wenn derſelbe alda in gleichen Preiß, wie anderer Orten bezahlet wird, zum Verkauf gebracht, und ſofern nicht anderswohin verkaufet, noch auf denen Doͤrfern von Eingeſeſſenen oder Fremden vergekaufet werden ſolle: So iſt doch, daß ſolches eine geraume Zeit her unterblieben, und dargegen das Commercium mit ſothanen Waaren von denen, die dergleichen erbauen, mit auswaͤrtigen Orten faſt alleinig gepflogen worden, wahrzunehmen geweſen. Gleichwie Wir aber ſolches ohne Unterſcheid zu geſtatten nicht gemeynet ſind; Alſo iſt hiermit Unſer Begehren, daß hinfuͤhrs obangezogener Verordnung ſtracklich nachgelebet, und der erbauete Waidt und Saflor, ingleichen auch der Anis, als auf welchen Wir ſolche Verordnung mit extendiret haben wollen, vor allen Dingen in die Staͤdte hieſiger Lande zum Verkauf gebracht, diejenigen aber, die dergleichen zu verkaufen haben, den Waidt iedesmal tauglich zu zubereiten, fid) befleißigen ſollen; Hingegen verſehen Wir Uns zu den Handels⸗Leuten in denen Städten, daß fie bey dem Handel allezeit die Billigkeit zum Grund ſetzen und in dem Preiß, wie der Waidt, Saflor und Anis an andern Orten verkaufet wird, ſolchen zu bezahlen ſich nicht entbrechen werden. An dem geſchicht Unſere Meynung. Datum Friedenſtein den 7. Jul. 1746. Friedrich C XVII. 18 Beylagen. D. Stadtordnungen und andere Urkunden. XVII. Auszug aus des Raths zu Erffurt erſten gedruckten In, ſchlage gegen des Erzbiſchofs Dietrichs Anſchlege aus gangen vom Jahre 1480. achdem in Waidkauffe hie zu Erffurt ein groſſer Handel iff fo thar niemand, wenn der Waid in die Stadt gefurt iſt worden, den keuffen, ehe man die Waidglocken durch des Raths geſchwornen Marktknecht hat laͤuten laf , , fn, und der Kaͤuffer babe auch dazu des Raths Laube und Zeddeln, die ein Rath, und niemand anders zu geben hat. Item der Nath hat Oberkeit des Waidmarkts in der Stadt Erffurt, und Macht, den in oder vor die Stadt nach ihren Gefallen zu legen, und thar auch niemand Ballenwaid kauffen, er ſey denn ein Buͤrger zu Erffurt davon der Rath ſeine Gerechtigkeit hat Waidgeld genannt. | XVIII. Ordenunge der Waidtkeuffer allhier zu Erffurth 1575. Nach einem alten Abdrucke. in jglicher der da Waidt keufft, und in derſelben Geſellſchafft iſt, der ſol jerlich Tauſend Guͤlden verſchoſſen. Es ſoll auch niemand, eher man die Waidtglocken leutet, Waidt keuffen, noch Geſellſchafft haben, mit aus⸗ wertigen Leuten, die do nicht in der Stadt Erffurth Buͤrgere und heuͤß⸗ lich geſeſſen ſeyn, noch ir Geſchos darvon geben. Es ſoll auch kein Waidthend⸗ ler, mit was geſuchtem Schein auch ſolchs geſchehen fünbte oder moͤchte, Gelt von Aus wertigen zu ſolchem in dieſer Ordnung verbotenen Handel aufnemen, noch ſei⸗ ne Güter zuwider feiner gethanen Hulde und Eides pflichten, Frembden vorſetzen, vorpfanden, oder beſchweren, und denſelben Gewin, darvon aus der Stadt rei⸗ chen, in keinerley weiſe noch weg, und foll ſolch Geld wo er hinterkommen, zur Straf verfallen ſeyn, und die Ubertretter, was Bürger und Waidtkeuͤffer ſeyn, als die ihren Eidt nicht gehalten, ernſtlich geſtrafft werden. Darzu ſollen auch unſere Buͤrger und Einwohner der Stadt, die do Ballen Waidt keuͤffen wollen, denſelbigen nirgent anderswo, weder in Stebten, Flecken Beylagen. 19 Flecken noch Doͤrffern nicht keuͤffen, noch durch die iren, oder andere keuͤffen faf fen, dann auf dem gewoͤhnlichen Waidt Marckte oder Anger allhie, bey vermei dunge ernſter Straffe, Wie es dann auch gleichergeſtalt mit bem Meuͤſſer Waid⸗ te alſo zu keuͤffen gehalten werden ſoll. Auch ſoll ein jeglicher Geſellſchaffter, er fep dem andern fo nahe set wandt als er wolle, gleiche Gewinnunge nemen, nach der Mannzal, nicht nach der Marckzal. Ob auch gleich einer mehr dann der ander in, Geſellſchaffter Hans del gelegt oder gewandt, dorauff forthin unſere Herrn ein Erbar Rath, ſprechen, urteiln und erkennen wollen, Und do einer hierwider zu argliſtigem Abbruch die⸗ ſer Ordnung, mit ſeinen Verwandten und Freuͤnden einichen andern Contract, wie derſelbige Namen haben, oder erdacht werden konnte, fuͤrnemen würde, der ſoll den gantzen Gewinn zur Straffe verfallen ſeyn, Und noch daruͤber, als der wider feinen Eidt gehandelt gehalten werden. Es foll ſich auch keiner von ſolcher Geſellſchafft eher und zuvor der Waidt verkaufft und zu Gelde gemacht wird, abs legen noch auskeuͤffen laſſen, als ohne gefehrde, und bey obberuͤrter Straffe. Welch Mann aus einer Geſellſchafft (deren nicht uͤber zwene zu Marckt gehen ſollen) über Waidt komt, der ſoll den Waidt redlichen keuͤffen, oder foll darvon gehen, und demnach fell niemand aus derſelben Geſellſchafft, über den Waidt gehen den zu keuͤffen, Es ſey dann vorhin ein ander Kauffmann, der in die Ge⸗ ſellſchafft nicht gehort, daruͤber geweſt, und das ſoll man ohne argeliſt alſo hal⸗ ten, bey einer ernſten Straff oder peene. Auch ſoll er von dem Wagen keinen Waidt Ballen in der Hand tragen weder oͤffentl. noch heimlich, einen andern an dem Kauffe zu vorhindern. | | Desgleichen foll keiner jemands mieten, ſchicken oder biten, ime Waidt zu keuͤffen, oder keuͤffen zu laſſen, Es fol auch niemand auf dem Marckte Waidt keuͤffen anders dann bey den Schoͤtemaß, Wie daſſelbige durch unſere Herrn, im Raths⸗Hoff, in Gegenwertigkeit der Waidtkeuͤffere und Waidtmeiſter zu meſſen verordent werden, nehmlich, daß das Maß geſchott, und der Borte mit einem Ballen hoch beſatzt und darnach gleich ausgeebenet werde. Dorzu ſoll niemands zuvorn die guten Waidt, auskundſchaffen laſſen, den andern zu nachteil, Auch nicht eher unter die Wagen lauffen, die Waidtglo⸗ cke ſey dann zuvor gentzlichen ausgeleuͤtet. QUT Age Unſere Herren wollen auch, do fid) zweyerley Waidts halben Irrunge zutrüͤgen, daß man ſich one wiſſen und willen eines Naths nicht vertragen, Sons dern ſoll deßelbigen zweyerley Waidts, iglichs drey Ballen durch den Marckknecht, unſern Herrn, die ſolche Irrunge vertragen wollen, aufs Rathhauß uͤberandwort werden. Diß alles foll man halten ohne argeliſt, und wer das nicht alfo hellet, mit dem wollen es unſere Herrn reden, als es der Stadt fuͤget. (& 2) 2. Die 20 Beylagen. XVIIII. Die im Jahre 1612. publicirte Wayd⸗ Ordnung. Nach einer alten Handſchrift. I, in jeglicher, ber Wande faufft oder mit einem andern deswegen in Geſell⸗ ſchafft ift foll jaͤhrlich Tauſend Gulden verſchoſſen. 2. Es foll niemand, ehe man die Wayd-Glocken leuͤtet, Wand kauf | fen, auch keine Geſellſchafft haben mit auswertigen Leuten, die nicht in der Stadt Erffurth Buͤrger und Haußgeſeſſen ſeind, noch ihr Geſchoß davon ge⸗ ben. Es ſoll auch kein Waydhaͤndler, mit was geſuchten Schein es geſchehen koͤnte oder moͤgte, Geld von auswertigem zu ſolchem in dieſer Ordnung verbotenem Hans del auffnehmen noch feine Güter, zu wieder feiner gethanen Hulde und Eydes⸗ Pflicht Frembden verſetzen, verpfaͤnden, oder beſchweren, und demſelbigen Ge⸗ win davon aus der Stadt reichen, in keinerley Weiße noch Wege. Und ſolten die Ubertreter, fo offt fie dahinter kommen, fold) Geld verfallen ſeyn, auch ſonſten ernſtlich geſtrafft werden. | 3. Es follen Bürger und Einwohner in der Stadt, bie ba Ballenwayd kauffen wollen, denſelbigen nirgent anderswo, weder in Städten, Flecken noch Doͤrffern nicht kauffen, noch durch die Ihren, oder andere kauffen laßen, denn auf den gewoͤhnlichen Waydmarckt, oder Anger allhier, bey vermeidung ernſter Straffe, wie es denn auch gleicher geſtalt mit dem Meuͤſer Wayde allſo zu kauffen gehalten werden ſoll. | NL 4. Es ſoll ein jeglicher Geſellſchaffter, er fen dem anderm ſo nahe vers wandt als er wolle, gleichen Gewin nehmen, nach der Manzahl, nicht nach der Marckzahk, ungeachtet, das einer mehr denn der andere in Geſellſchaffter Handel gelegt, oder gewandt. Darauf unſere Herren ein Ehrenveſter Rath, ſprechen, urtheilen und erkennen wollen. Und da einer hierwieder zu argliſtigen abbruch dieſer Ordnung mit ſeinen Verwandten und Freunden einigen andern Contract, wie derſelbige Nahmen haben, oder erdacht werden koͤnte, fuͤrnehmen wuͤrde, der ſoll den gantzen Gewin zur Straffe verfallen ſein. | 5. Es ſoll ſich auch keiner von folcher Geſellſchafft ehe und zuvor der Wayd verkaufft und zu Gelde gemacht wird, ablegen noch auskauffen laſſen. Doch fol demjenigen, der ſelbſt Wayde in Frembde Lande zu verführen pflegt, von feiner Geſellſchafft Wayd zu kauffen hiermit unverboten, ſondern nachgelaffen ſeyn. 6. Da Beylagen. 2¹ 6. Da einer aus einer Geſellſchafft (deren über zwey nicht zu Marckt ge hen ſollen) über Wayd koͤmmt, der ſoll den Wapd redlich kauffen, oder foll da von gehen, und demnach ſoll niemand aus derſelben Geſellſchafft uͤber den Wayd gehen denſelben zu kauffen, es ſey denn vorhin ein ander Kauffmann, der in die Geſellſchafft nicht gehoͤret, daruͤber geweſen. F. Nachdem die Alten und Vorfahren geachtet, wie es denn an Ihm ſelbſt an dem, daß nicht allein der Wayt⸗Handel die fuͤhrnemſte Nahrung in dieſer Stadt, ſo viel mehr der gantzen Buͤrgerſchafft in geſambt, denn Dreyen oder Vier Perſonen allein, zu gut kommen ſoll; Sondern auch, das dadurch andern Landen und Leuten gedienet, und gemeiner! Nutz geſchafft wird, derwegen denn unter andern geordnet, das ein Jeder den Wapd redlich kauffen, oder darvon ge hen, auch ſonſten keinen heimlichen den gemeinen Wayd Kauff ſchaͤdlichen Con⸗ tract fuͤrnehmen ſolle: ur e etliche unterſtehen, entweder faſt dem Kauff lein in zu haben, und an ſich zu bringen, oder auf andere ſchaͤdliche Weiße, als roe auf Borg mit Bauern, Item, mit ſolchen Conditionem, die einem redlichen Kauff zuwieder ſeind, zu kauffen, in gleichen ein Kauffgeld auf den Wayd, mit dem beding, wo der Verkaͤuffer den nicht theuͤer aus bringen kan, zu ſetzen, Item, zwey, dreyerley Geſellſchafft zu haben, darmit der Einkauff unbillig er⸗ ſteigert, und eine ungebuͤhrliche Ungleicheit angerichtet, auch dem, fo den Waydt redlich kauffen, und ſich damit nehren wollen, mercklich Nachtheil zugefügt wird, und fonften daraus allerley Weiterung erfolget: Als follen hinfuͤhro Jede Wayd Kauffer, ſo allein: oder Zweyen, ſo in einer Geſellſchafft ſind und kauffen, in ei⸗ nem Sommer auf dem Marckt, mehr nicht, als ein Hundert und Funffzig Maaß, und dieſelbe nicht auf Borg, ſondern um baar Geld kauffen, und bey einer Ge⸗ a NC Qul nicht mehr als zwey, wie oben vermeldt, zu Marckt gehen, eiben. s SN | | 8. Es foll feiner jemands miethen, ſchicken oder bitten Ihm Wandt zu kauffen, oder kauffen zu laſſen. Es ſoll auch niemand auf dem Marckt anders Wahdt kauffen, denn bey dem Schoͤttemaaß, wie daſſelbige unßere Herren in Raths⸗Hoff in Gegenwart der Waydt⸗Kauffer, Waydt⸗Meiſter und Meſſer, meßen laßen: Nehmlich daß nicht ehe zu meßen angefangen werde, biß das Maaß 70 erſchuͤttet iſt. Und ſoll das Ballen zehlen hinführo gaͤntzlich verboten ein. N 5 ; ! 9. Es foll auch von einem jedem Maaß Wahde in dem Kath ein Gros ſchen oder Schneberger gegeben werden. Dieſe vorgehende Articul und Puncten, ſoll ein Jeder Wayd⸗Kauffer, Krafft des Eydes, den er Jaͤhrlich bey gewoͤhnlicher Ableſung der Wayd Ordnung, ſo e TT dem Rathhauße banget, zu ds E 3 pfleget, — 22 Beylagen. pfleget, ſtet und unverbrüchlich zu halten ſchuldig und verbunden, auch Ihm bey Vermeldung und nachläßiger Straffe alles unziemlich, heimlich und dem gemei⸗ nen öffentlichen Waydhandel ſchaͤdlich partiren hiermit ernſtlich verboten fein. 10. Es foll niemand, ehe man die Wayd-Glocke leuͤtet unter die Wa⸗ gen tretten. | " 11. Es ſoll ein Jeder Wayd⸗Kauffer, wenn er Wapd kauffet, einen Gottes Pfennig, wie gebreuͤchlich, darauf geben. | 12. Die zahlung des erkaufften Wapds foll auch mit Eintoilfigung des Verkaufers nicht verſchoben werden. Da aber die Kauffſummen entweder gantz oder zum Theil bey ſeinem Kauffer ſtehen lieſſe: So ſoll nicht allein der Kauffer, ſondern auch der Verkauffer unnachlaͤßig geſtraft werden. 13. Es ſoll auch niemand zuvorn die gute Waydte dem andern zum Nachtheil auskundſchaffen, vielweniger zu ſolchem Ende ein Ballen von den Wa⸗ gen entweder ſelbſt nehmen, oder durch Jemand anders ihm bringen laſſen. 14. Da ſich zweyerley Wayds halben Irrunge zutruͤgen, ſoll man ſich ohne Wiſſen und Willen eines Ehrenveſten Raths nicht vertragen, ſondern ſoll beBelhigen zweyerley Wayds Jegliches drey Ballen, unßern Herrn, die fol» che Irrunge vertragen wollen, aufs Rath⸗Hauß durch ben Marckt Knecht uͤber⸗ antwortet werden wie denn hinfuͤhro derſelbe fleißig darauf Achtung geben, und wenn dergleichen ſich befinden wuͤrde, es alsbald anzeigen ſoll. 15. Es ſoll auch kein Wayd⸗Kauffer, er ſey frembder oder einheimi⸗ ban der bereiten Wayd allhier kauffen, oder verkauffen will, denſelben anders, enn mit dem von einem Ehrenveſten Rath geſetzten Kübel, darauf die Vier Meßer geſchworen, ein und ausmeſſen laſſen. N 16. Es follen auch die Wand: Kauffer den geſchwornen Vier⸗Meßern von dem zubereiteten Wayd, ob gleich derſelbe von Ihnen nicht gemeßen wuͤrde, das gewoͤhnliche Meſſerlohn zu geben ſchuldig ſein, darmit ſie hier von E. E. Rath die Jaͤhrliche Gebuͤhr deſto beſſer entrichten moͤgen. ; 17. Es ſollen aud) alle Waydt⸗Meßer und ihre Knechte (deren fid) denn keiner mehr denn von zweyen oder dreyen Herren zu meſſen ſoll beftellen (afs fen) Vermoͤge Ihres geleiſteten Eyds verpflichtet fein dießer Ordnung in Meſſen eigentlich zu geleben. Ob aber von einigen ein anders geſchehen wuͤrde, der foll nicht allein mit ernſter Straffe belegt werden, ſondern auch fid) ferner Waydmeſ⸗ ſens durchaus enthalten. Dieſer Beylagen. 2 23 Dieſer unſerer Herren E. E. Hochw. Raths erneuͤerte Wayd⸗Ordnung ſoll in allen und Jeden Puncten ſteth un ohn Argeliſt gehalten, und der Ver⸗ brecher, ſo wieder einen oder den andern Articul thun oder handeln wird, mit ei⸗ ner anſehnlichen Geldſtraffe, nach wohl gedachter unſerer Herren Ermeßigung und Willkuͤhr unnachlaͤßig belegt werden. Darnach ſich maͤnniglich zu richten und vor feinen eigenen Schaden wird zu hüten wiſſen. Publieirt unter der Stadt Secret, Anno 1612. | XX. Erneuerte Verordnung den Cafforz Anis: Waid z und Wollenkauff betreffend vom Jahre 2676, m | Nach einer alten Handſchrift. I, es Hochwuͤrdigſten Durchlauchtigſten Fuͤrſten und Herrn Herrn $ Damian Sartards, des Heil. Stuels zu Mayntz Ertzbiſchofen, des Heil. Roͤmiſchen Reichs durch Germanien Ertz Cantzlars und Churfuͤrſten, auch Biſchoffs zu Wormbs, ꝛc. Meines gnaͤdigſten Churfuͤrſtens und Herens verordneter Stadthalter in Erffurth und zugehoͤriger Landſchafft, Anſelm Fron Friedrich von Ingelheim, des hohen Erg; Stifte Mayntz Dom apitular Herr fuͤge hiermit zu wiſſen, daß ich glaubwuͤrdig berichtet worden, was maſſen ein und andere Mißbraͤuche beym Kauffen und Verkauffen deß Saff⸗ lors, Aniſes, Wayd und Wolle, wieder vormahlige Verbothe, einreiſſen woL len; Als hat man der Nothdurft erachtet, maͤnniglich der dießfals beſchehenen Verordnung zu erinnern. Wird demnach nochmahls allen Buͤrgern und Unter⸗ thanen, welchen durch GOttes Seegen Safflor und Aniß erwachſen, hiemit ge⸗ boten und auferleget, daß fie denſelben auf öffentlichen Marckt vor die Waage bringen, und ſolchen nirgend anderswo als daſeſbſt verkauffen ſollen. Da aber Jemand ſolche Waare in dem Hauſe zu verkauffen, in andere Haͤuſer zu tragen, oder in andere Gebieth fort zu ſchaffen ſich zu unterſtehen und deſſen im geringſten uͤberzeiget werden wird, der foll ohn nachbleibiger Beſtraffung gewaͤrtig ſeyn: In⸗ maſſen auch die Safflor⸗ und Aniß⸗Kauffer, fo den Leuten in die Haͤuſer ge⸗ hen und alda kauffen, ernſtlich beſtraft werden ſollen. | 2. Es foll niemand dieſe Waaren, bey Verluſt derſelben, weder nehmen, noch ſonſten einigerley Weiſe anſtreichen oder verfaͤlſchen. 3. Saff⸗ 24 Beylagen. 3. Safflor und Aniß einzukauffen ſoll ſich niemand unterfangen, der nicht bey der Caͤmmerey zuvor das Recht dazu erlanget, und die gehoͤrige Gebühr erleget hat. MARIS 3 0 Til 4. Welcher aus denenfelben Safflor und Aniß ín feinen Haufe kaufen und waͤgen wird, der fol deshalben in 25. hir. verfallen ſeyÿn. s. Es ſoll keiner ſich geluͤſten laſſen durch die in Tuͤcherchen und Papier, chen eingewickelte Proben vor der Waage zu handeln, ſondern er foll ein Sack derſelben Waare darſtehen, und der erſte, ſo dazu koͤmmt, ſoll Macht zu kaufen haben, iedoch daß er nicht über eine Viertel Stunde bey dem Sacke ſtehen bleibe, und ſollen auch die Waag⸗Zettul, ſo bald einer etwas verkauft, ſo viel darzu ge⸗ hoͤret, denen Waagbedienten eingeliefert werden, damit aller unordentlicher Winckel⸗Kauf ferner verhuͤtet werden moͤge. 6. Die Waagbedienten ſollen daran ſeyn, daß im übrigen der Saff⸗ lor⸗Ordnung in allen Puncten ohnverbruͤchlich nachgegangen werde; wie fie dann bey ihren Pflichten alle Uberfahrungen zu behoͤriger Beſtrafung anzuzeigen, kraft dieſes nochmahls befehlicht ſeynd. | | 7. Die Voͤgte und Richter auf dem Lande hiefigen Gebiethes follen eben; falls auch auf alle Uberfahrer fleißige Aufſicht haben, ſelbige anmelden auch die Waare anhalten, und hingegen des dritten Theils der Strafe, zu Vergeltung ihrer Mühe, gawaͤrtig ſeyÿn. Wornach ſich ein ieder eigentlich zu achten wiſſen wird. Publicirt, unter ob hoͤchſtgedachter Ihrer Churfuͤrſtl. Gnd. Stadthalte⸗ rey Siegel den 28. (8.) Aug. Anno 1676. XXI. Anderweit erneuerte Erfurtiſche Waidtordnung vom Jahre 1704. Nach dem geſchriebenen Exemplare. $ es Hochwuͤrdigſten Fuͤrſten und Herrn, Herrn Lotharu Fran⸗ ) zen, des Heil. Stuhls zu Maynz Ertzbiſchofs, des Heil. Roͤm. Reichs durch Germanien, Ertz-Cantzlars und Churfuͤrſten Biſchof zu Bam⸗ berg, ꝛc. Unſers gnaͤdigſten Churfuͤrſten und Herrn, Wir in Sr. Churfuͤrſtl. Gnd. Stadt Erfurt allhier verordneter Stadthalter und Raͤthe fügen hiermit zu wiſſen: Nachdem Wir in glaubwuͤrdige Erfahrung kommen, welcher geſtalt der "S agen. N : x" co zu me ee oet bufero. bie jede bat, auf icd und A ^ i ora wie ſolchem Unheil p ‚Zeiten abgeholffen rden, einfolglich dieſer Handel und Wandel hinwieder in einen guten Stand 5 d Als befehlen wir pow ernſtlich und bey Veameidung ohn er Strafe. mos 2 qu.) bi f guit Sennen Lej, Burgen ab tu Da 1 5 en gleich, erwachſen, ſo aber betr eps me I. halten, ee E 91 mu 47) UN daß niemand fid dae bol, einige zur Wayd⸗ Mühlen ge oͤrige Steine zu? n zu ge en, vielweniger zu andern Gebr dd au aa zu vet en. m PN Mi l der Acker zum Waydt für Winters wohl geduͤnget, und entweder 3 bis 4 Pferden tief genug geahren, oder aber gegraben werden, darmit der Wapd nicht allein zu rechter get, darauf gefäet, ſondern auch der Gebühr nach wurtzeln und das Unkraut hierdurch ks beſſ er getilget werden moͤge. ^ — Sj ^ Fall c RER diiner At etwa vtr umet. 1 oi der Acker ur beflotoeniaer | jede nemlich im Monat) Martio fo zeitlich, als immer moͤglich, geahken o aben werden, da fid) denn finden wird, was für ein Unterſchied es fep zwiſchen ein er anderer Art und Graben. BETTEN Set der Woapd, MN 4 nach ao aufrgange (fft p» g gereiniget und gegaͤtet, auch dergleichen Reinigung ober G zum En ji dritten mahl wiederholet; Und weil ſowohl den palin als auch dem Landmann hieran ſelbſt nicht wenig gelegen, follen die Nachlaͤßigen, wenn ſie auf ernſtes oe * 2 bei ſeyn, zu n E gezogen werden ud ; 59 ) E T | 6. Col BR. QndS* mas UR ME ou UE Meo 5 10096010. 1 Siäoll bepbe der Sommer: als Jung⸗Wapd zu rechter Zeit, und zwar jener im Junio, dieser aber in der Erndte, und bey guten trocknen Wetter ab⸗ geſtoſſen werden, damit er weder allzu Jung, und deßhalber gar zu ſehr zuſam⸗ men fallen, noch zu übrig Reif und gelbe werden, und dadurch die ſchoͤne friſche Farbe verlieren moͤge. Was aber den Herbſt⸗Wapd anbelanget, fi Ac 7 wofern ein Reif darauf gefallen, gar nicht abgeftoffen werden, fondern zu Kon Wapd uͤber Winter ſtehen bleiben. I 15 7. RT io SCAM Soll beym Abftoffen die Arbeit frifch von ſtatten gehen, und zu ſolchem Ende gn me Leute bey der Hand, auch im Nothfalle ein Nachbar dem andern hierzu behülflich feyn, damit der abgeſtoſſene Wayd nicht am Hauffen liegend bfeis fi M die Blaͤtter erwärmen und Die Farbe verlohren gehen muͤſſe. Ge⸗ 8. das Kraut alſofort ohne Saumſeligkeit sum Waſſer gebracht, wohl gewaſchen, hiernechſt i dem Raſen ausgebreitet und fleißig EY abgewelcket, alſo, woran ſehr viel gelegen, ja nicht naß, auch bey ſchoͤnen Sonnenſchein auf bie Mühle geſchaffet werden ſoll. nemme 9. ) Wenn ferner! Ballen aus bem Waydt gemacht werden, füllen dieſelbe ihre rechte Gröffe haben, alfo, daß wenn eine groſſe Hand dergleichen Bälle begreift, Ein Rthlr. ohne Berührung der Finger darauf liegen koͤnne. g 10. 5 Soolen die auf den Horden abgetrocknete Bälle gezehlet, und wie viel derſelben ein Jeder Landmann am Sommer⸗Jung⸗Herbſt- und Kompſt⸗Wayd habe, von den Heimbuͤrgen und I in ein Regiſter getragen, und der Stadt⸗Vogtey allhier nachrichtlich eingeſandt werden. PASTE. 11. T „Soll der Landmann feinen Wayd bey S. Laurentii allhier und zwar ur wie 2 90 bh el hey: 1 a A PURA ringen allda öffentlich fell haben, anbey nad) ber dießfalls publicitten Marckt „Ordnung fid) gehorſamlich achten. à | 1 | maine * x: ! Soll niemand einige Schau Bälle oder ders wohin denen Waydhaͤndlern bringen, oder durch andere ſchicken vielweniger Beylagen. 27 Abrede mit denenſelben nehmen n oder boo Mes um dadurch den Wapdt ihnen für ande iuiuigien. * 20 d » 18 anc Otto JH: 2536 j Rat, ui dp TUHTH 38d den agen hat, fol er ſolchen un⸗ terſcheiden, oam n » gs nt : 1 Nes ens dem Lande guſſchütten oder alisbre x Horden auf iie d u Way ama i u Fel — Men c lten, ( "^ 18 Wei möge, 25331 a Damit nun hierüber dene fief unb feft gehalten werden möge, fl: len die Dedienten, ses Lande als e Maec un 04 firm "s | Spficht ha em hierwieder etwas fürgunebmen und wegen unterlaſſener e Urkundlich mit dem u 8 gn dt E i rt den N 1 Lui R RT 5 Er $211 i iban 1 8 Wen C adi 1000 | 4370 1 NOR Iasi "in Santo, > Der UV „Kayſerl Rech uͤrcklicher iu A. MN TIONEM 10^ FU ON. 1 95 Rath und Caͤmmerer deren Td pum Sen 8.) | b ohen Ertz⸗ und MEE Sotapná TES 10 di > nimi. SE Copitular, Hr. Gburfürfit, Ja mar itg 1 Adi i 175 bud Ha A ; duci pn 2 Y "a 0 a. cer a f TE RR 7 QE An T * X, n NS. Az 15 ; : | yl I j 1 H3M I2 52 (15 Ax 1 1944 VE uo mug 3 i EN ipn | 703 01 88$ 33 3980 04 AM Anf? n Tm. m" gx We sio duds „ee vr *. 4t 10 7 | 1 WX Ph t 3151 i" My DER). ; 2 7277200 "911 Gn XXII. 28 no XXII. an "ofi opes wegen einer rem zu Scotha vom Jahre 1687. " Aus "HM Acten. 5 A . aus der Waydhandlung, einer aus des er an da⸗ runter befinden, und der andere aus der dg en Anzahl, Aufſicht wider alle Mißbraͤuche, geſetzet und po werden, dud uie des Raths Difpofition bleiben. ie die Wa andlung begeben will, ſoll mit SS ene ^ zur Vi caen do Sees 99 a nn und w io pi Guͤlden in eigenem Vermoͤgen ha "Nis auch ſonſt keiner dazu gelaffen vetu doch unausgefchloffen des — bitit n an „ ee Befinden ea Midi nada i fi wit aber us dn ines 1 v ker si sollen jährlich von S E. Rath. iid, deffen Ausgang gue IS Perſonen Sol ſich auch ouf ledwede T Commercium sangen Perſon Geld⸗Summe vor Rthir. habilitiren, Rath )r und die andere Self de Handlung zu dero einſchaftlichen Correſpondenzen um deſto be: e dazu mit Aus; AG einer on SN eine Def bung ı tbef b ng ſolches Handels, auch zu ihrer übrigen Dis- 9 DUX 2755 dem Rath zu thun, keinesweges aber zu ans dern unnöthigen Dingen und Verwendungen, gehören fol. Die Kinder aber eines ſchon unter dem Handel begriffenen behalten billig ihrer Eltern Handels⸗ Recht, ſo lange ſie etwa in ihrer 1 ſtehen, wie auch die Wittiben vor dero anderweiterer Verehligung: Wofern aber die Kinder zu ihren aͤltern Jah⸗ on und fid) diefer Ordnung gemäß geſchicket machen, haben fie nur bie Helff⸗ Beylagen en. 29 € obberahrter einzutheilen, zu erlegen, welches 1 ie ais af ha no ur: dd 192 neo S S. dini I 9 mmn "An gen i id nbefeleufe E vedere abliches Raths Etlaub⸗ Sufammentünfte halten, und was zum Commercio und zu defs | id beratblag en; Doch daß alles in gehöriger geruhigen u ve be. etwa 8 gut erachtet und angeſtellet worden, C Hed aer "und EE «A e S ML m rt n 9efi trag dust am 3 Sa m: Bae co Rt 1 een 2 25 un. eir je | n: die Da t uféeberft vorgebaciten | Gilden Sine m fric vem a7, gm 108, allerdings gemaͤs fid) zu verhalten, der⸗ Landvolck, fo we auch guférberft anhe rat ! p, mit ihren erwa oft erhalten, als machen feln; Zu den Ende fic fic nni mo auch e Bun, luf⸗ und dergleichen, ober sau Bern 9 oder Der rgung Y^ , tob ber ber dee een fi e . und 5915 \ uni ng er 25apo in dc a zu g ten pfleget oder der Han⸗ 1 imd der Merck ed c bringet, zu thun haben, im 134 Hr Bos NAD TUS! "t is » amr " "i Sr es " vi Mm ; "DAS : phe ri 25 ‚Sehr L3 or 1 ge a U 08 d plis I3 1 n at vie Kraft Liegen Fuͤrſtlichen 8 Beſcheids den "Eo „ihren fel icbfenen un gebaueten M wohl zu waſchen, | | Ballen gemacht wird, zu reini 30 - Beylag T6 und Mangel der Mühlen, ber Wayd übern Hauſſen huͤttet mit 2 ſeine Guͤte und Farbe verlieren und 80 M die um — — Nachſuchung " than vorbehalten wir | ^ ba Jn; "m 1 f qi T So ſolen fi ca diei Wale ei Wayds d filben Erkenntniß, daß fie auch vor fic) gedachter an Bermifdung 9055 Detbft «oi Comps⸗Wapds unter den erſten oder dem Stich fi ginti) —.— und I halten ſollen, gemaͤs leben; Und hat man d } " ln Zweifels, ob zuweilen ſolcher Herbſt⸗ © waͤre, fuͤr gut und zutraͤglich befunden, d 0 ſto beſſere Reife vom Landvolck gelaſſen, und die rk init idi — zur Farbe tüchtiger Wahre verſehen werden möchte allen ſolchen Compe und — MIU Inn , didit us > I erg 4 üq us 2 i Bi oy B dm übrigen à e andere Vervortheilung u lung fo wohl im Einkauf als Wiederverhandl Lig 4 pe abgeſchaffet, und wird allen und ieden fich guter 5 iner ten Reife getanbenen. Waaren zu ‚Seftißigen, eingebunden und Fr 333 TOR $ m Bas - empto idit? char Tint? zun VER AR kis hui? waysutduo Auf Venoybpaeshdis) qs M Dede "m chte; * f de Bgm ber Gee tí Gite tci a d e wi Peel biben Wande cin : 5 ein übel machen. 12 | Ring, nach n len Gro derum eingefuͤhret werden iR — ankert mmt To i 5r Beylagen. 3 Knechten, er re et werde, geſchehen, bey Strafe o. e — TER ſtalt ihren Fleiß anzuwenden, HR 722 iral, m wie fie g, den Schaden zu erſetzen n moͤchten. € i Ki Wide odis Yan Us ee ete imu im Wel achgehend A tober rücken haben a und das meifte daran ge egen, wenn gie und Glauben gehalten, und bey gemeiner Stadt die Handlung erhalten, undi in beſſere Aufnahme gebracht werden fol, daß der Wapd fein rechtes Lager habe; fo hat man zwar vormahls auf Geis | verſta adiger fremde leute wie auch Schönfärbere und ander rer erfahrnen Perſone 10004 ware en nd bal maſſen fid) auch Handels auf vollkommenes Lager deſto mehrer Kraft der Waaren i bonam, als unzeitig Gut mit Ls und anderer benöthigten Leute, Verderben, loszuſchlagen haben; iſt aber noch zur Zeit für gut erachtet en, daß ins künftige peni auf feinen Boden wenigſtens über ein Jahr uro werden, unb vor ſolcher Zeit keinesweges gepacket oder verhandelt w 7 — ^ xoa - us — disce aire Aber gegen Die | .e othaifeh "Marek Ber N dann, IW | ung bekannt fep, follen die Wayd⸗Knechte ben erften An ou E: 0 n Aufſehern anzeigen, und Darüber ein gewiſſes Regiſter gehal⸗ 1 d sn 5 0 na 0 Abschaffung des camps und Herbſt⸗ Wayds fonft ent: nn midi p^ in Beyſeyn des Wayd⸗Knechts untuͤchtig Kraut von mand 1 demſelben mit dem Lager nicht kan geholfen werden; ſo ſoll daſſelbe gar nicht und. ede " der Mate eei 4 nd, 7 ! 58 HDIN T MT ie Men 15 00 "p d t ii tait ftbi ut Tune "rs, Sr: | iit iam im P i E V MY iw er "d T "S 15 0 2 nde, und u € chung der Güte und 1 N ie veder b: ne 4 ber he A. die B in : Ne et: be aufs R bius den. ae 5 ürge it gut und tüchtig gehalten wird, fo foll ber Gir in meſſen, noch einpacken; pens ſolches fol l, 32 Walaaun. Vermeid Unterſchleifs und Wade lont nat herba "t Vor ias Cim 2. Gothaiſcher Mack. x ) e oig dt Zu 5 Meſſung Trete allem iges und rtes Moss gebrau⸗ umm e Falſchheit mom wen, f iba : tübrlicóée Strafe * ong 4 et 1 t — 4 Soll ons ein iedes Kübel oder itii Wade ae df halten, und fold) gewiß Gebuͤnde bey Pe Kaufleuten T el 90 wann nehmlich. im nach Nat 2 un |j 1 Hambur i n geh: ehet: . das p duet gr d Marc US TEM Ae na^ ^ 80 1 di Gen 8 T i t 3 hs 133 7 usd ual uch: So a Ea pU vitii e gei e bleibet aber eng vor Ge 4 H3 me verlangten Wayd Viertelsrweife doch allemahl nur in Saͤcken Y hiefig fáf und zwar auf ib aen bey dem Mathe abfolgen zu laſſen. 3 dug món ai 1197 Und damit fremde Kaufleute ni deſto zuverlaͤßigere und ſichere Hand⸗ lung damit von hieraus pflegen möchten, fo ful ein icdes ao cingepacttes Gap ob ne Verzug nicht nur durch das Marckmeiſter⸗Amt, mit ben been wh dae e Stadt⸗ Zeichen ſamt der Zahl der Viertel bezeichnet werden; ſon⸗ es fell auch ein debe r Eigenthuͤmer Privat⸗Zeichen mit ; ot oot id mit aufbrennen, und mag man Das Gefäß an gewi Ort der Ober⸗ reiffe mit Bley vergieſſen und ſeinen Stempel darauf druͤcken; Mag ſich auch ein ieder nad einem Gutdeuchten t eee hen Atteftat Darüber noch verſeh tr e orunter denn fot ohl dere geriſſene fied drückung des gemeinen Stadt⸗ Zeit gung anderer Prot, Zechen zugleich inhib tu be 5 l. G Gethalſchen SN vw Um nun. Se en — oh viel d ie die Wayd⸗ mit der gewohnlichen ren b e Beylagen. 3 Gothaiſche Inſtructions⸗Puncte für die Waid- Schauer. Aus Rv OLPHI ‚Gotha diplom. Ih, IV. S. 197, 1 Nr T e " ollen dieſelbe fid) erkundigen, welche Perfonen fid) des SGapb ;-Danbcls gebrauchen. M nn uh C | éd qui SY i3 ; a. . Haben fie fich bep denſelben dann und wann, befonders aber auf Marckt⸗ Tagen, zu der Zeit, wenn der meiſte Waid in die Stadt gehracht wird, einzu⸗ finden, und zuzuſehen, daß fie keinen andern als reinen mit Graf und Unflat uns vermiſchten Waid einkauffen, auch mit der Bereitung, der Gebuͤhr nach, von den Waidmeiſtern verfahren werde. wr „Wenn fie ſehen und vernehmen, daß jemand aus Eigennutz und wiſſ ee e e dee um einen geringen Preiß bekommen kann, aufkauft, haben fie ſolche oder dieſelbe bey den hierzu verordneten Fuͤrſtl. 1 anzumelden, damit darauf, nach Befinden, Verfügung geſche⸗ hen koͤnne. | | „%%% Re m La aed MI Diejenige aber, welche beym Einkauf nicht gnugſame Wiſſenſchaft, was tüchtiger oder untüchtiger Wald fp, haben, ſollen fie eines beffern unterrichten und von fernern dergleichen Einkauf untuͤchtigen Guths bey einer nahmhaftigen State ohman hes Soll ohne ihren, der verpflichteten Waid⸗Schauer, Vorbewuſt, kein Waid gepackt und fortgeſchickt, ſo ſie jedesmahl darzu erfordert werden. | | 6. TER | Bern der Beſichtigung haben fie vornehmlich dahin zu fehen, daß die Bereitung, der Gebühr nach, geſchehe, und der Waid zum wenigſten drey Vier⸗ tel Jahr alt ſey. Nom . Wenn ſie nun denſelben, ihren Pflichten nach, tuͤchtig befunden, ſollen ſie ihn mit einem Viertel meſſen, 6 ſelbſt ſeyn, und ſo lange darbey ver⸗ 24 Beylagen. | verbleiben, bis der Boͤtticher das sap zugeſchlagen, da ſodann von ihnen der Gott: hard auf den Boden zu brennen und zugleich, wie viel Viertel in dem Faſſe ſind darbey zu bemercken. Signatum Friedenſtein am 12. April. 170 1 XXIII. Urthel, Informat und Canzleyabſchied in Sachen der Canzley Dorfſchaften Bollſtedt, Friemar, Haufen und Eſchen⸗ berge, an einem, den Rath zu Gotha und die Waidhandler da⸗ ſelbſt andern Theils, betreffend den Waidtkauf und deſſen Zuberei⸗ tung und wie ſolches als eine buͤrgerliche Handthierung der Stadt Gotha allein zu gönnen ſey ꝛc. | Aus &vporr H Cora diplom. Th, III. S. 517. u. f. Urthel. Vorbringen und erfolgte Geſetze in Sachen Syndicen der Gemeinde zu Friemar und Conſorten, an einem, Johann Philipp Wallichens, wer gen des Raths zu Gotha, ingleichen Sebaſtian Heimburgs, vor ſich und wegen der uͤbrigen Waidhaͤndler daſelbſt, andern Theils, ſprechen von Gottes Gnaden Wir Friedrich, Hertzog zu Sachſen, Juͤlich, Cleve und Berg, auch Engern und Weſtphalen ꝛc. auf geholten Rath der Rechtsgelehrten, vor Recht: daß vor allen Dingen Johann Philipp Wallich, wegen des Naths zu Gotha durch ein richtig Syndicat, Heimburg aber wegen ſeiner litis Conſorten ſich gebuͤhrend zu legitimiren ſchuldig. Und hat der Gemeinde zu Friemar und Conſorten Suchen nicht ſtatt: Es ſeynd aber ſowohl dieſe, als der Rath zu Go⸗ tha, ingleichen die Waidhaͤndler daſelbſt, demjenigen, was wegen dem Waid⸗ Á— in dem rechtskraͤftigen Abſchiede fol. 57. Vol. I. verordnet, durchgehende olge zu leiſten pflichtig. Von rechtswegen. Uhrkundlich mit Unſerm Canzley⸗ ſecret bedrucket. - (L.S) Johann Jacobs publiciret in Fuͤrſtl. Rathſtuben auf Friedenſtein den 27. Auguſt 1712. poft hor. 11. antem. in Gegenwart beyder Theile, rechtlichen a Mor Beylagen. EA Dofadvocaten und Procon. Johann Philipp Wallichs, denn b Heofadvocaten Johann YOillbelm Thilo, der Sd Dort, beneft derer 4. Canzley Dorfſchaften Syndicen zc... e 8 hatten beruͤhrte Canzley⸗Doͤrfer, ehe ſie noch dieſe ihre Querelen überges ben, ein Informat uͤber gewiſſe Puncte bey dem Schöppenftuhle zu Jena eingeholet, wie aus nachgeſetzten zu erſehen: a ; Yat Informat. DIE derſelbe uns berichtet, was geftalt vor vielen Jahren, da der Waidhandel in Thuͤringen noch im vollen Flor geſtanden, durch den Landesgebrechens Abſchied de Anno 1562, verſehen worden, daß zur Befoͤrderung der buͤrgerli⸗ chen Nahrung in den Städten, alle Dorfſchaften des Fuͤrſtenthums Gotha ſich des Waidhandels und aller andern Zubereitung deſſelben, nach geſchehenen Bal⸗ 10 gaͤntklich enthalten ſollen. Es habe fic) aber der Waidhandel nachhero derge⸗ ſtalt verringert, daß ein halb Schock Ballen, fo vorhero ro, 11. und 12. Gr. ge⸗ gotten, anitzo nicht theurer als 18, 20, bis 2 1. Pf. verkauft wird, und ſolcher bey itziger Zeit in den Staͤdten beſagten Fuͤrſtenthums gaͤntzlich darnieder ieget, auch in allen denenſelben, die Kaufleute kaum 10000 bis 12000 Schock aufkaufen, mithin die Amtsdorfſchaften, die jährlich über 300000 Schock erbauen ſich hier⸗ durch gemuͤßiget finden, nach der im erwehnten Landesgebrechens⸗Abſchiede cons cedirten Freyheit, ihren Waid nach Langenſalza, Erfurt und anders wohin zu ver⸗ treiben. Alldieweilen ſie aber von den Fremden mit dem Preiſe ſehr gedrucket wor⸗ den, und von den Kaufleuten, ſo den Waid um geringen Preiß an ſich gehan⸗ delt, mehrentheils Waaren um einen ſehr hohen Preiß annehmen, oder doch, wo ſie ja Geld dafuͤr bekommen, ſolches uͤber Jahr und Tag ſtunden, und groſſe Po⸗ fin bey den auswärtigen fallirenden Kaufleuten einbüffen müffen, oder auch, wenn ſie den Waid in ihre Behauſung bringen, ſelbige nochmahls einen andern Kauf machen, und den vorigen Kauf nicht halten wollen, wodurch die Unterthanen noch mehr gedrucket und vervortheilet werden, inmaſſen nur gar kuͤrtzlich Friemar uͤber 300. Hauſſen 120, Eſchenberg 260, Fl. zu Langensalza und Erfurt einbáffen muͤſ⸗ jen, da doch den Unterthanen die vielfältige Herrſchaftliche Onera zu tragen ſehr ſchwer fällt, und nach nunmehro introducirten Licent zu Erfurt und Langenſalza, nicht weniger der am letzten Orte entſtandenen x Feuersbrunſt, aller Waid⸗ handel gaͤntzlich ceßiret, zu Gotha aber die meiſten Fuhren mit Waid, ohne Kaͤu⸗ fer zu finden, und zurück zu gehen gezwungen werden. Dannenhero die ſaͤmtliche Unterthanen der vier Canzley⸗Dorfſchaften, Friemar, Hauſſen, Eſchenberge und Bolſtedt deren meiſte Nahrung in Em bad bey Hochfuͤrſtl. Herrſchaft (Mx | ANM 2 gnaͤdi⸗ 36 Beylagen. gnädige Conceßion denjenigen Waid, welchen ſie in . d nicht verkaufen koͤn⸗ nen, ſelbſten zu verkuͤbeln und zuzubereiten, und mit demſelben gleich, als Inn⸗ wohnere, in den Staͤdten zu handeln unterthaͤnigſt angeſucht, auch hierauf die gnaͤdizſten Refcripta fub A. & B. erhalten; darwider ſich nachgehends C. E. Rath in Gotha opponiret; | VERNA Wann dann unfere Rechtsbelehrung über nachgeſetzte Fragen ge bethen wird: ! dd 1) Obi nicht Hochfuͤrſtl. gnädigfte Herrſchaft, vermöge Landesfürftl. Macht unb Hoheit, berechtiget fen, wieder den Landesgebrechens⸗Abſchied de Anno 1592. bis ſich die Zeiten aͤndern, zu diſpenſiren? auch 2 3) in ihren chriſtl. Gewiſſen verbunden, der armen Unterthanen verfallene Waidnahrung wieder aufzuhelfen? y CARN à ! 3) Ob nicht euentualiter die ſaͤmmtliche Waidhaͤndler zu Gotha hinlaͤngliche Caution zu beſtellen ſchuldig, allen Waid, welcher im Fuͤrſtl. Amte ge⸗ bauet wird, gegen gewoͤhnlichen Preiß einzukaufen? en Demnach ſprechen wir fuͤr Recht, und zwar auf die erſte Frage; 5 Obwohl der Rath zu Gotha anfuͤhret, (1) es ſey die Waidſaat, welche dorhin Thüringen allein gehabt, ſchon laͤngſt in andere Länder gebracht worden, da denn (2) nicht itzo erſt, ſondern ſchon vormals und hernach dieſes in Thuͤrin⸗ gen erfundene herrliche Nahrungsſtuͤck mehr und mehr in ſo groſſen Abfall gera⸗ then, welcher (3) durch die Einführung und Gebrauch des Indigo befördert wor⸗ den, fo, daß auch darüber auf Reichstaͤgen zu handeln und Schluͤſſe zu faſſen, des H. R. R. Stände für nöthig befunden. Da nun alſo (4) der Abgang, mit: hin auch der Werth des Waids gefallen, haͤtten zuerſt die Bauren angefangen, ſowohl der Guͤthe, als der Groͤſſe der Ballen abzubrechen, indem felbige nicht nur das von Waidſaat etliche Jahr geruhete Land, welches die hoͤchſte und beſte Far- be giebt, ſondern insgemein das Land, welches ihnen am beſten gelegen geweſen, gebraucht, auch ſonſt den Waid obenhin und unrein verfertiget, hiernaͤchſt auch (50 den Ballen, welcher vor Alters ein beſonder Ringmaaß haben müffen, die Helffte und mehr verringert, welches (6) die Urſache, daß die Kaufleute zu Lan⸗ genſalza Imploranten angebrachter maffen bishero vervortheilet haͤtten; auch ſey (7) der Waidhandel als ein ſtaͤdtliches Eigenthum in der Fürftl, Landes⸗Ord⸗ nung und andern fpecialen Verordnungen confirmiret, und koͤnne dahero den Dorfſchaften nicht zugeeignet werden: Dennoch aber und dieweil (1) eben um deswillen, weil der Waidhandel bey angeführten Umſtaͤnden in fo groſſen Abfall gerathen, eine hohe Landes⸗Obrigkeit dahin zu ſehen hat, wie den armen Unter⸗ Hr |». thanen Beylagen. 37 thanen dießfals koͤnne geholfen werden, abſonderlich (2) der groͤſte Theil ihrer Nahrung darinne beſtehet und fie ſonſt zu Ertragung der Landes præſtandorum untuͤchtig gemacht werden; hiernaͤchſt (3) ſie ſich erklaͤren, auch darzu obrigkeitlich angehalten werden koͤnnen, jederzeit den Waid tuͤchtig und gut zu zubereiten, bae mit das Land Thuͤringen ſeinen vorigen Ruhm wieder erlangen, und gnaͤdigſter Herrſchaft ſowohl, als dem gantzen Lande beſonderer Nutzen dadurch zuwachſen möge, zu dem Ende fie geſchehen laſſen wollen, daß deshalben eidhafte Männer judiciren, ob derſelbe tuͤchtig oder untuͤchtig ſey; zu dem (4) Imploranten noch nicht überführet find, daß fie zeithero den Waid nur obenhin und unrein verferti⸗ get, oder auch das Land, welches ihnen am naͤchſten gelegen geweſen, darzu ge⸗ braucht; ferner (5) die Kleinheit der Ballen nichts zur Sache thut, indem, wenn groſſe Ballen ſollen gemacht werden, die Kaufleute zu Langenſalza und Er⸗ furt mehr Geld darvon zahlen muͤſſen, welches fie doch keinesweges thun wollen, mithin (6) ein Ungrund iſt, daß ſothane Kaufleute deshalben die gothaiſchen Un⸗ terthanen in fo groſſen Schaden geſtüͤrtzet hätten, vielmehr die wahre und eigent⸗ liche Urſache darinne beſtehet, daß die wenige Waidhaͤndler zu Gotha ohnmoͤglich den vielen Waid, welcher im Amte Gotha erbauet wird, einkaufen koͤnnen, das Zur ein jeder bemühen muß, wo er feinen Waid verkaufen 1105 um die ice en und ‚Kometen, Herrſchaftl. Gefälle von feiner Sánberep davon u entrichten; nicht weniger (7) ungegruͤndet iff, daß der Waidhandel ein ſchaͤdliches Eigen: thum ſey, inmaſſen den Unterthanen in dem Fuͤrſtl. Amte Tonna, ingleichen zu ordingsleben die Bereit und Verkuͤblung des Waides vergoͤnnet worden, ob ſie gleich keine Buͤrger ſind, und dergeſtalt der Dorfſchaften unterthaͤnigſtes Su⸗ ſen, aufzuhelfen und ihre Nahrung zu befoͤrdern im Gewiſſen verbunden iſt; hier⸗ 38 Beylagen. nächft, (2) wenn es die allgemeine Nothdurft oder Billigkeit erfordert, das Ius tertii gar wohl limitiren, ob ſchon nicht gaͤntzlich entziehen kann, und denn (3) durch die io von den Dorfichaften geſuchte Conceßion der Stadt Gotha ihr etwa habendes Recht keinesweges benommen, ſondern nur auf einige Zeit und auf gewiſſe Maſſe reſtringiret wird; zudem (4) noch nicht dargethan iſt, daß ſelbige durch die gebothene Verordnung ſo ſehr laͤdiret werden ſollten, da vielmehr ihrer bisher gebrauchten Vervortheilung und Druͤckung des armen Landmannes da; durch geſteuret wird; fo ift dannenhero die gnaͤdigſte We beg im Gewiſſen nicht nur ſicher, ſondern auch verbunden, auf angezogene Weiſe dem verfallenen Waid⸗ handel wieder aufgubcifen, NA Wet EN t.p dee doi" Endlich auch die dritte Frage belangend, woferne ja bey der gebothenen Verordnung noch einiges Bedencken übrig ſeyn ſollte, weil der Dorfſchaften mei⸗ : Nahrung im Waidbau beftebet, davon fie die gemeinen Gaben abfübren muͤſ⸗ C 11 LU n, und ihnen daher billig wohl, als den Waidhaͤndlern in Städten, aufzuhel⸗ JJ meinet ſeynd, allerdings hinlaͤngliche Caution zu beſtellen ſchuldig, allen Waid, welcher im Fuͤrſtl. Amte Gotha gebauet wird, um den gewohnlichen Preiß anzu⸗ nehmen, damit die Dorfſchaften in ihrer Nahrung nicht gehindert, auch das fil. Intereſſe wegen des Waidgeldes und anderer Gefälle nicht gehemmet wer⸗ den möge. Von rechtswegen. Uhrkundlich mit unſerm Inſiegel beſieglt. Verordnete Dechant, Senior und andere Doctores des Schoͤppenſtuhls zu Jena. Dieſes Informat beachten zwar ſupplitirende Ganferbtee zu den Acten; deſ⸗ - mid aber erkannten Scabini lipfienfes auf maſſe, wie bereits er⸗ wehnet, und zwar aus folgenden Rationibus decidendi: Rationes decidendi obſtehenden Urthels. d ey wohl der Rath zu Gotha und Conſorten der Gemeinde zu Friemar und Conſorten uͤbergebene Syndicate vor richtig nicht halten will, weil fie darinnen dem beneficio excuſſionis nicht renunciiret, hingegen in den Gedancken ſte⸗ het, als ob er ſich durch das Product. kol. 120. Vol. 3. fattfam legitimiret, bier: nächft die Gemeinde zu Friemar und Conſorten, ihres Suchens halber auf das fol. 3. feqq. dict. Vol. befindliche Informat fid) beziehen, in der Meinung, daß die darinnen angeführte frationes und Motiven allerdings von der Richtigkeit | wären, Beylagen. 39 waͤren, daß Se. Hochfuͤrſtl. Durchl. als Landesherr, von demjenigen, was we⸗ gen des Waidhandels in den Landesgeſetzen und ſonſten geordnet, gar wohl abge⸗ a ul hierinnen auch wider viet und Maß ſetzen koͤnne, indem fie nft auffer dem ganz ruiniret wuͤrden, und ihren erbaueten Waid zu vertreiben nicht mächtig wären. Dieweil aber dennoch in der Gemeinde zu Friemar und Conſorten übergebenen Syndicaten Fol. 26. feqq. Vol. 3. die Conſtituenten dem beneficio diuifionis renunciiret, und alſo der Rath zu Gotha dieſerwegen ein mehrers zu praͤtendiren nicht befugt; hingegen das Document fol. 120. zwar vor eine Beſtallung, keines weges aber vor ein richtig Syndicat, fo in Partheyſachen vor Gerichte mit Beſtande zu gebrauchen, zu halten, Heimburg auch ſeine litis Conſorten, die übrigen Waidhaͤndler zu Gotha, deutlich zu benennen, und ihrent⸗ halben ſich gebührend zu legitimiren verbunden, damit man wiſſen koͤnne, wer ci gentlich hierunter zu verſtehen. bimisp c ro e oup. 109 In uͤbrigen anitzo nicht die Frage ift: Ob Se. Hochfürſtl. Durchl. als Landesherr, wegen des Waidhandels Aenderung treffen, und die dießfalls aufge⸗ richteten Landesgeſetze Kmitiren möge, weil ſelbige vielmehr dieſe Sache nach den Rechten gu erörtern und zu Decíbiren gnaͤdigſt verlangen: Bey welcher Bewand⸗ niß das Informat die darinnen gebrauchten Gruͤnde anhero nicht zu appliciren; hingegen aus dem Landgebrechens⸗Abſchiede vom 6. Juni 1592. deutlich zu erſe⸗ hen, daß die Einwohner auf dem Lande des Angieſſens, Zubereitens und Verkü⸗ belns oder Kuͤbelsweiſe den Waid zu verkaufen, weil ſolches ohne Widerrede ei⸗ ne Handthierung iſt, ſo den Staͤdten gebuͤhret, ſich gaͤnzlich enthalten ſollen, wel⸗ ches in dem am 27. Junii 1685. eroͤffneten und in ſeine Kraſt ergangenen Canz⸗ leyabſchiede fol. 57. feqq. Vol. 1. wiederholet worden, auch darinne, wie ins kuͤnf⸗ tige es mit dem Waidhandel zwiſchen den Buͤrgern und Einwohnern aufm Lande gehalten werden foll, zulängliche und klare Verſehung geſchehen, alſo, daß, wenn e ſich darnach achten, beyderſeits wohl beſtehen koͤnnen, und demnach der Rath zu Gotha und Conſorten aus dieſem ihren erlangten Befugniß ſo ſchlechterdings nicht zu ſetzen: ö in ddpD 1 | Ferner die Waidhaͤndler, wenn fie den Einwohnern auf dem Lande die Bereit⸗ und Verkuͤblung des Waids nicht zugeſtehen, dasjenige, was die Lan⸗ desgeſetze und rechtskraͤftige Abſchiede erfordern, praͤtendiren, folglich die Ow meinde Friemar und Conſorten von denenſelben, daß ſie wegen Erkaufung des erbaueten Waids Caution beſtellen ſollen, zu verlangen nicht befugt, zumahlen, da ihnen in obbemeldten Abſchiede, wenn ſie ſelbigen in der Stadt Gotha nicht vertreiben koͤnnen, ſolchen anderweit veraͤuſern mögen, nachgelaſenn: Iſt von uns geſprochener mafen billig, erkannte. | | —— Srfil. ürſtl. Cantzeley⸗Abſchied wegen Bereitzund Verkuͤbelung des Waids | 9n dato Friedenſtein ben 27. Jun. 1685653 0:0 een 7; ne | j HA HU | yit ; P0088 15 15:594 1099 IE iis * n Sachen der vier Canzleydorfſchaften, Friemar, Ballſtͤdt, Hau * Eſchenberg, Imploranten eines, unb des Raths zu Gotha Imploraten o dern Theils, betreffend unterſchiedliche wegen des Waidverkaufs angebrachte B ſchwerung und das von Imploranten geſuchte Waidbereiten, Angieſſen, ur Verkuͤbeln, ertheilen die gue Fuͤrſtl. Saͤchſ, Regierung anbero verordneten. O. ren Canzler und Raͤthe, fo wohl auf die in der Nageliſchen ash (ub dato den 25. Ojulii 1684 eingereichte Intervention als ferner erfolgte mploration ſchriften, auch was darauf der Math) geantwortet, und beyde Theile fo ſchrift⸗ als muͤndlich am s. Februarii und 21. Maji jüngfibin, hinc inde, an und fürs bracht, auch nach Durchgehung der vormahls dieſer Beſchwerung halber ergan⸗ genen Amts und Canzlepacken dieſen Veſcheid: daß fo viel den Walkauf, beffen Angieſſen, ubereiten und Ve üben anlanget, weilen dieſes nach Ausweiß vor; andener Surf, Landesordnung und bandesgebrechens Abfehied noteriſch eine Handthierung ift, fo den Städten zukommt; hiernaͤchſt Imploranten fo wohl in termino am 5. Febr. dieß Jahr, als Anno 1669. in ihrer damahlen, fu dato den 14. Sjanuar. überreicbten Goupplic Schrift fid) vernehmen laſed mit Imploraten, dem Nath zu Gotha, keinen Proceß zu führen, ſondern nur die wi⸗ der den allegirten Landesgebrechen⸗Abſchied angegebene Mängel vorzustellen und Aenderung su ſuchen; fo habe es dabey fein nochmahliges Bewenden, und ſey ſol⸗ che bürgerliche Handthierung einig und allein den Staͤdten zu gönnen, hingegen die Bauern und Inwohner auf den Dorfſchaften, mit 738 des Waides und u laſſen; Es werden aber die deſſen Zurichtung bis auf die Horden, fich begnügen zu laſſen; €: auf beyden Theilen zar a ne doch dergeſtalt, als es die Nothdurft erfor dert, nicht fürgebrachte noch beſcheinigte Mängel hinfünftig bey unausbleibender nachdrücklicher Strafe abgeſtellet, inmaffen ſonderlich der Math zu Gotha dahin zu ſeben, und den Waidhaͤndlern ſcharf einzubinden, den ballenweis erkauften aid recht zubereiten, und auf fo viel Jahr, als der Waidverſtaͤndigen Gutbefin⸗ den und Ermeſſen nach, nöthig auf dem Waſdboden liegen zu laſſen, und feine rechte Gahre oder Trüͤckung zu geben, damit er tauglich eingeſchlagen, und an ge hoͤrigen Orte verkauft, auch anders woher keine Klage gefuͤhret, ſondern der Stadt Beſtes vielmehr. und ein guter Nachklang burch Verkaufung tüchtigen Waids be⸗ fördert werden möge; darneben ſollen ſie, in Erkaufung der Waidballen, die Bauersleute und Inwohner auf den Dorfichaften nicht drücken, noch das Ihrige, fo Kaufmanns⸗ Guth iſt, abwäſſern fonbern e billgmaͤßig, was er in der Nachbarſchaft zu gelten pfleget, baat besahlen, oder fonft ihnen annehmlche fre». willige Gehalt machen, und nicht, wie etwa zeithero geſchehen ſeyn mag, untüuͤch⸗ m tige Beylagen. 43 fige Waare an wollen Tuch, Zeug, Leinwand und dergleichen aufſchwatzen oder aufdringen, oder ſie gar zum Borg und particular Zahlung wider Willen noͤ⸗ thigen, vielweniger betrügen, oder widrigenfalls andere nachdruckſame Verord⸗ nung gewarten. Hingegen lieget den Dorfſchaften ob, ihren ſelbſt erwachſenen und gebaueten Waid wohl zu waſchen, und ehe derſelbe zur Mühle gebracht, und Baͤlle gemacht werden, zu reinigen, den e eee Herbſt⸗ oder fo genannten Compswaid keinesweges an ſich zu kaufen, noch ihren eigen gezeugten, unter den erſten und andern Stich zu vermengen, die Bälle in voriger alten ber hoͤrigen Greffe zu formen und zu machen, und einen Unterſchied mit dem erſten und andern Waidſtich dergeſtalt zu halten, daß dießfalls kein Betrug vorgehe, noch ein mahl ſo hoch und theurer als der andere verkauft, und dadurch die Kauf⸗ leute und Waidhaͤndler hintergangen werden; des Waidbereitens und Angieſ⸗ ſens, auch Verkuͤbelns aber ſich gänzlich zu enthalten, und ſolches den Städten, als eine buͤrgerliche Handthierung zu uͤberlaſſen; auch zu Vermeidung Betrugs und anderer Ungelegenheit ihre Baͤlle ordentlicher Weiſe nicht nach den She» cken, ſondern in Kuͤbeln, welche nach dem Erfurter Maaſe richtig eingerichtet, und mit der Stadt Gotha Zeichen, oder dem alſo genannten Gotthard bezeichnet ſind, verkaufen, und zwar dieſes alles ebenmaͤßig bey ohnnachbleibender willkuͤhr⸗ licher Beſtrafung. Wuͤrden aber die Waidhaͤndler den Bauersleuten ihren gu⸗ ten Waid, ſo ſie ̃ llenweis zu verkaufen bringen, nicht, wie anderer Orten in der Nachbarſchaf geſchicht, um billigen Preiß bezahlen, ſo iſt ihnen freygelaſſen und ohnverwehrt, denſelben anderswohin, ſo hoch ſie vermoͤgen, zu verkaufen, und dadurch ihre Nahrung zu ſuchen und zu befördern. diua Was ſchließlichen an Vermengung des Herbſts⸗ oder Compswaids unter dem erſten und andern Waidſtich den Dorfſchaften und Bauersleuten unterſaget worden, das haben vielmehr die Waidhaͤndler bey Vermeidung ernſtlichen Einſe⸗ hens zu beobachten, und alles Betrugs ſich zu enthalten, wornach beyde Theile hinkuͤnftig ſich zu achten. Signatum Friedenſtein am 27. Jun. 1685. | vel S.) i Y Publiciret in Fuͤrſtl. Rathſtube anno et die | Eruſt Ludwig Avemann / iisdem hora rr. matut. in Gegenwart D. Hofadvocatens, nebſt den ob; Freche Syndicen der 4. Dorfſchaften benannten und des Nathſchrei⸗ wegen des Raths. ec bers Beyers. 42 Beylagen. Auszug aus den Statuten der Stadt Taͤnnſtaͤdt vom Jahre 1559, P. II. artic. VI. vom Waid handel. m Waidhandel ſoll der Rath des fleißig Aufſehen haben, und ſolche Orb: ; nung ſchaffen und halten, damit gemeiner Buͤrgerſchafft Nahrung, Nutz : und Gedeyen, wie auch in andern Handthierungen, geſucht, gefördert und erhalten werde. Sonderlſich aber foll der Verleger fremder und aus⸗ waͤrtiger Geſellſchafft im Einkauff des Ballen⸗Wayds (dadurch denn ſolcher Han⸗ del gemeiner Buͤrgerſchaft geſtopft und entzogen, das Guth uͤbertheuret, und al⸗ fo maͤnniglich an feiner Buͤrgerl. Nahrung und Gewerbſchaft gehindert und merck; lich geſchwaͤcht) bey willkuͤhrlicher Strafe des Raths, und Verluſt des Handels nicht gelitten, noch geftattet werden. Inmaſſen denn auch ſolches von Alters her bey ſchwerer Strafe jährlich verbothen, und die, fo zu handeln bedacht, ſolche Geſellſchaft mit leiblichem Eyde beſchweren muͤſſen. RM ( Art. VII. Von Wayd⸗Knechten. d Dieſe follen jährlich im Anfange des Wayd⸗Kauffes beeydiget werden, wie gewoͤhnlich und dann vermoͤge ihres geſchwornen Eydes mit den Abtragen Ein⸗ und Ausmeſſen des Ballen ober bereiteten Wayds, fleißig und treulich handeln und gebahren, gegen den Armen als den Reichen, ungegchtet einiger Freund⸗ ſchaft, Feindſchaft, Gunſt, Gaben, Geſchencke, oder dergleichen Urſachen. Wuͤr⸗ de aber einer in dem vorſetzlich verbrechen, und alfo deſſen übe en und be⸗ greiffen, der ſoll nach des Raths Willkuͤhr ernſtlich geſtraft, und ſolcher Wayd⸗ arbeit ſich in Taͤnnſtaͤdt fein lebelang enthalten. | Auszug aus D. George Wolfgang Wedels Schrift von dem flüchtigen Salze der Pflanzen; die Befchreibung, Bereitung und den Nützen des Waidtes betreffend; aus dem Lateiniſchen überfeßt, | Das VI. Capitel Ki Darinnen beylaͤufig von der Beſchreibung und Bereitung des Waidtes gehandelt wird. Has zu Tage wird in ben medicinifchen Collegüs wenig oder gar nichts von dem Waidte erwehnt. Man möchte alfo auch hierher die Helmontianiſche 1 7 ziehen / Beylagen. 43 liehen, daß von dem Dioſcorides an, bis auf die ietzige Zeit nur ein geringer, oder Y gar kein Anwachs geſchehen fep, immaſſen die meiſten Kraͤuterbuͤcher alfo affen ſind, daß immer einer die Tugenden der Kraͤuter von dem andern nur ſchreibt; und was die Kraft und Wuͤrckung derſelben betrift, fo darf man nur einen geleſen haben; fo ift es eben fo gut, als haͤtte man fie alle geleſen. Nichts deſtoweniger wachſen dieſe Schriften zu ungeheurer Groͤſſe an, und man findet ge meiniglich, auſſer den Abbildungen, die noch darzu falſch und unvollſtaͤndig find, wenig Gruͤndlichkeit, und nichts, als was ſchon vorher geſagt iff, darinnen. Da man zweyerley Waidt hat, geſaͤeten, und wilden; fo ift aus dem Dioſcorides bes kannt, daß der Gebrauch des erſten für die Faͤrber am alteſten ſey. Er ſchreibt nehmlich: Die Faͤrber bedienen ſich des gepflantzten Waidts. Woraus man nicht unbillig ſchlieſſen kann, daß auch die Bereitung zu ſolchem Gebrauche, ſchon lange bekannt geweſen, und getrieben worden. Das ift die dritte Art des Ein: kommens für unfer Thüringen, Da es fonft auch an Wein und Getrepde einen lie⸗ berfluß hat. Daher ift das bekannte Spruͤchwort entſtanden: Thuͤringen bringt drey We hervor. Wein, Weizen, Waidt, und man könnte mit Recht das vier te, Wolle, noch dazu fetzen. Der Waidt waͤchſt leicht, als wie Unkraut, wie man ihn zu nennen pflegt; wenn er nur auf einen fetten Boden kommt. Son⸗ derlich kommt er ſehr gut auf ſolchen Feldern fort, wo vorher Lein geſtanden: wo aber das nicht angeht, ſo muß man die Aecker wohl duͤngen. In einem von den beyden Fällen, wenn entweder vorher das Land durch Lein fruchtbar geworden, oder eine gute Duͤngung geſchehen; ſo wird es entweder gegraben, wenn man es beſaͤen will, oder mit einem darzu eingerichteten vierſpaͤnnigen Pfluge, welches ein groſſer Waidtpflug heiſt, tief gepfluͤgt. Wenn man aber auch einen gemeinen Pflug darzu brauchen will; ſo muß man nicht zu ſehr eilen: denn es will Zeit ha⸗ ben; und es gehören zu ſolcher Verrichtung nicht fo wohl fremde, als des Herrn ſeine Augen, deſſen Aufſicht, wie Palladius ſagt, den Acker tragbar macht. Wenn das Feld im Herbſte durch den Pflug bearbeitet ift; jo laͤſt man es den Winter über bis auf Lichtmeſſe liegen, biß es gnugſame Feuchtigkeit eingeſogen hat. Der Saamen mag friſch, oder alt ſeyn; wenn nur nicht, welches wohl zu mercken, Rauch darzu gekommen, dadurch er verdirbt. Nach Lichtmeſſe wird er geſaͤet, wenn gelinde Wetter ift; und zwar geſchiehet es am beſten, wenn ein kleiner Schnee gefallen iſt: iedoch muß man das dabey in acht nehmen, daß man nicht gar zu dicke (det. Wenn ein paar Tage vergangen find; (o wird alsdenn mit Fleiß zugeeget, und dieſer Verzug hat auch ſeinen Nutzen. Nach Pfingſten muß man das Feld vom Unkraute wohl reinigen. Nach Johannis wird er zur er⸗ ſten Erndte reif; wenn die Blätter vorne gelb werden, fo iſt zu beſorgen, er moͤch⸗ te ſchoſſen; daher das Kraut bis auf den Grund mit einem darzu eingerichteten, ſo genannten Stoßeiſen geſtochen, rn Hauffen gefe&t, und ins 1 5 v2 gebracht 44 Beylagen. gebracht wird. Wenn er gewaſchen iſt, ſo wird er vermittelſt eines Schubkarns, auf einem bequemen Platz gebracht, und ausgebreitet, und durch oͤfteres Umwen⸗ den getrocknet. Dieſe Welcke, wie man es nennt, ſchaffet dem Landmanne groß ſern Gewinn, wenn ſie nur ein wenig und obenhin geſchieht; denn es werden deſto⸗ mehr Baͤlle; aber der Kaͤuffer hat mehr Profit, wenn das Kraut recht wohl ge⸗ trocknet iſt; wegen der beſſern Zubereitung. Wenn aber das Wetter unbeſtaͤn⸗ dig iſt, daß der Waidt bald treuge, bald wieder beregnet wird, da er doch von aͤuſſerlicher Feuchtigkeit ſollte frey bleiben; fo kann er gar leicht verfaulen, welches daran zu erkennen iſt, wenn er ſchwarz wird; und das geſchiehet oft in einer Nacht. Nachdem die uͤberfluͤßige Feuchtigkeit hinweg ift; fo wird er zuſammen geſchaft, und auf die Waidtmuͤhlen gebracht, davon man in Thuͤringen zum Theil noch viele fichet, die noch zu dem Ende gebraucht werden; zum Theil aber trift man nur die bloſſen Steine an, welehe Spuren von dem vorigen Ueberfluſſe und Baue ab geben. Wenn er alfo zerſtoſſen oder zermalmet und zerquetſchet ift, da noch Saft darinnen ift, fo wird er in einen laͤnglichten oder rundten Hauffen zuſammen gepan⸗ ſet: von oben wieder den Regen bedeckt, auf den Seiten aber offen gelaſſen, daß die Luft darzu wehen kann; damit die Fettigkeit, die noch im Kraute ift, die Nacht uͤber vollends ausgezogen werde. Wenn nun der Saft hinweg iſt, ſo wird er geballet, und auf ein freyes dazu eingerichtetes Dach, das Horde heiſt, geleget, damit er trocken werde. Alſo wird alle uͤberfluͤßige Naͤſſe herausgezogen, damit nicht eine Faͤulniß entſtehe, welche fo wohl der Hauptabſicht des Landmannes, als auch unſerer Nebenabſicht zuwieder ifl, da wir ſuchen ein fluͤchtiges Salz daraus zu erhalten. Allhier kann er ſo lange liegen bleiben, als es die Gelegenheit zulaͤſt, oder bis die Bälle nun ziemlich duͤrre find, und in ein beſonderes Haus geſchaſt, und nach der fernern Bereitung verkauft werden koͤnnen. i Denn dieſe Bälle, welche Schockweiſe verkauft werden, gerathen alli maͤhlig in eine Hitze, wenn ſie uͤber einander geſchuͤttet find, und es daͤmpfet ein urinöͤſes fluͤchtiges Saltz von derſelben, und zwar deſto geſchwinder, je gröffer im Sommer die Hitze urz dieſelbige, und je gröſſer der Hauffen iſt. Dieſer Dampf aber erfüllet nicht nur den Boden, darauf fie liegen, ſondern auch oft das gantze Haus und die daran ſtehenden Gebaͤude mit feinem Geruche. An den Valcken, Waͤnden unb Dächern hängen Tropfen, wie Thau, und das flüchtige Saltz vers fleugt, wenn es nicht aufgefangen wird. Endlich wird auch dadurch die Hitze vermehrt, indem man den aufgeſchuͤtteten Waidt mit Waſſer beſprengt, bis er endlich nicht, wie einige glauben, zu Aſche, ſondern in einen groben Staub ver⸗ wandelt wird, der zum färben gebraucht wird, und daher überhaupt Waidt, oder bereiteter Waidt heiſſet. Allein wir wollen noch, was von dem Waidtbaue uͤbrig if, ausführen. Wenn er das andre mahl auf dem Felde hervor ſproſſet, fo 2 er 4f Beylagen. ^45 er nicht, wie das erſte mahl, mit den Händen muͤhſam gezaͤhlet; ſondern die Schaafe werden auf den Acker getrieben, daß ſie das darzwiſchen ſtehende fremde Graß abfreſſen; denn, wenn ſie nicht Salz gelecket haben, ſo thun ſie dem Waidte nichts, ſie zertreten ihn auch nicht, wenn ſie nur der Hirte nicht zu lange auf dem Felde laͤſt. Sieben Wochen, nach der erſten Erndte, wird er wieder, wie vor⸗ her, geſchurt und abgeſtoſſen; und nach Verfluß von eben ſo viel Wochen, wenn nur die Herbſtluft bequem iſt, und es noch nicht ſtarck frieret, geſchiehet es zum dritten mahle: wiewohl dieſer nicht von ſolcher Guͤte ift zu beyden Arten des Ger brauchs; theils weil die Sonne nicht mehr ſo warm ſcheint, und daher der Waidt nicht ſo gut faͤrben kann: theils weil er ſich auch nicht ſo gut waſchen laͤſt in dem ſchon allzu friſchen Waſſer; wie er denn auch nicht ſo, wie es zur Arbeit hinlaͤng⸗ lich iſt, trocken wird: zugeſchweigen, daß er ſchon ſeine Kraft ziemlich verlohren und wenig fluͤchtiges Salz bey ſich hat. Hieraus erhellet auch, daß die, ſo nicht bald, ſondern erſt in der Faſten das Waidtland beſtellen, nur zwo Erndten ba ben, davon die erſte gemeiniglich in die Waizenerndte faͤllt: und das nennet man Jungwaidt. Im folgenden Jahre wird der Acker, der vorher Waidt getragen, mit Gerſte beſtellet. N r ars nomo ou : Wenn man Saamen nöthig bat, fo bleibt von der dritten Erndte ein Theil ſtehen, welcher das folgende Jahr in Saamen ſchieſſet; und mit dem Ha fer in einem Preiſſe iſt. Einige, die von dem im Herbſte beſtellten Waidte, die dritte; von dem aber, der erſt in der Faſten geſaͤet war, die andre Erndte nicht halten koͤnnen, damit fie deſto mehr gewinnen mögen, oder weil fie durch das kal— te Wetter gehindert werden; pfluͤgen das Land nicht zu neuer Gerſtenſaat um; ſon⸗ dern gio das Kraut den Winter über auf feinem Boden ſtehen, bis es zu beque⸗ merer Zeit, erſt um die Faſten, ehe Gerſte geſaͤet wird, abgeſchnitten werden kann; das nennet man Kompeſtwaidt. Aber dieſer iſt nicht ſo gut, und zehret das Land darzu ſtarck aus, daß es hernach nicht fo viel Gerſte hervor bringen kann. | Das VII. Capitel. | Eine Ausſchweifung über den Gebrauch des Waidtes. yauffeute ſowohl, als diejenigen, die mit Waidt gefaͤrbte Kleider tragen, AM reifen, was dergleichen Tücher für einen Vorzug haben. Er giebt zwar eigentlich, weil er vornemlich Sal volatile bey fich führt, eine blaue Far⸗ ] be, aber auch einen feſten Grund zu andern Farben; daher hat unfer Thuͤ⸗ ringen, und viele andere Laͤnder unbeſchreibliche Vortheile davon gezogen; bis der Indigo gar zu haͤufig iſt ins Land Maio dd welcher zwar wegen ui wr 4 (F 3 enden 46 Beylagen. enden und freſſenden Eigenſchaft nicht fo gut zu brauchen iſt; wiewohl die Tücher be damit gefärbt find, der Farbe, dem aͤuſſerlichen Anſehn und der Dauer nach, mit jenen überein ju kommen. Um deswillen ift ſchon laͤngſt, im Jahre 1577 fu Franckfurt, im Namen des Reichs, und durch ein Edict ſolchem Betruge und Scha⸗ den vorgebauet worden: und 1654. iſt den 21. April. zu Regenſpurg von dem glorwuͤrdigſten Kayſer Ferdinand III. bey Strafe der Confiſcation verboten, das binfüro kein Indigo, den man gemeiniglich zur Farbe nahm, weil er ſtarck faͤrb⸗ te, mehr ſollte genommen werden: weil daher groſſer Schaden fuͤr Thuͤringen, Teutſchland und auswaͤrtige Kaͤuffer entſtund. Dem ohngeachtet iſt es ſo weit gekommen, daß die Zahl der Faͤrber, die bloſſen Waidt brauchen, und der Waidt⸗ muͤhlen, davon die Spuren noch hier und da zeigen, wie bluͤhend ſonſt der Han⸗ del geweſen, ſehr geringe worden iſt. 129 5 Es ift jetzo mein Vorhaben nicht, weitlaͤuftig zu unterſuchen, was für friſche Farben, als ein Extract, aus dem Waidte entſtehen koͤnnen, auch von ei⸗ nigen gebraucht werden; ich mag mich auch nicht felbft mit der Faͤrberkunſt bes ſchaͤftgen. Zu unſerer mediciniſchen Abſicht ift es genug, zu wiſſen, daß Indigo und Waidt einerley Urſprung haben, und ſonſt nicht, als in der Zubereitung, unterſchieden ſey; daher unter andern ein Spanier, Amatus, ſchreibt, Indigo ſey der reineſte Saft vom Waidtkraute, welchen man alſo verdickt, daß eine feſte Maſſe daraus werde. Ich will noch zu allgemeiner Nachricht von der Hiſtorie der Bereitung hier etwas aus einem Ungenannten de l'hiftoire des joyaux beybringen, welches der Herr von Chapizeau ſeyn fol. Seine Worte lauten alſo: Indigo, den wir zu friſchen und lebhaften Farben brauchen, wird von ei⸗ nem Baume (beſſer von einer Pflanze) genommen, den man alle Jahre, wenn das Regenwetter vorbey iff, pflanzet, und wenn er 2. bis 3. Schuh hoch gewach⸗ ſen iſt, ſo ſchneiden ſie ihn bis auf einen halben Schuh von der Erde ab. Den ab⸗ geſonderten Theil nehmen ſie, und legen ihn auf einen Boden mit Kalcke ein, und es wird ſo hart, daß dieſe Boͤden von Marmor zu ſeyn ſcheinen. Dergleichen La⸗ ger haben im Umkreiſe So Schuhe; fie werden bis auf die Helffte oder druͤber mit * Waſſer angefüllt, hernach werden fie bis oben an mit grünen Zweigen dieſes Baums beſchuͤttet. Alles das wird taͤglich umgewandt, bis es ganz verſinckt, und einem Hauffen Koth ähnlich ſieht, oder, wie eine mit Waſſer verduͤnnete fet⸗ te Erde. Wenn das nun fo etliche Tage ſtille gelegen, fo laſſen fie das Waſſer ab; und wenn es alles heraus iſt, ſo ergreiffen ſie dieſe kothigte Maſſe mit den Haͤnden, die ſie erſt mit Oele beſtrichen, und daraus machen ſie groſſe oder kleine Stücke, wie es ihnen gefallt, legen fie an die Sonne und laffen fie treugen. Zum Betruge der Kaͤuffer, bringen fie dieſelben bisweilen auf den Sand, daß fie da trocknen; denn da hängt fich leicht der Sand an, und es bekommt daher ein ſchwe⸗ rer Beylagen. 47 rer Gewicht. Aber wenn das der Vorſteher erfährt, fo werden fie um ſolcher Betruͤgerey willen beſtraft. Der y Mr un. Bo Sioynſt wird der Baum amahl abgeſchnitten; allein iedesmal, wenn man es wiederholt, kommt weniger Indigo heraus, und unter 100 Theilen gehen zum wenigſten 20 vom Preiſſe ab, immaſſen er nicht ſo viel Farbe giebt, als die erſte Art. Der beſte Indigo waͤchſt zu Biana, Indova und Corſa, 3 Flecken, die eine bis 2 i ereiſen von Agra liegen: und das ift derjenige, der in Stücke zer⸗ theilt iſt und wie Kugeln ausſieht. Acht Tagereiſen weit von Surat, 2 Meilen von Amadabat iſt ein Flecken Sangreſſe, von wannen der platte Indigo uns gu» geführt wird. Faſt eben dergleichen Indigo, der auch im Preiſſe nicht viel unters ſchieden ift, waͤchſt auch im Reiche Colconda. Endlich wird er auch aus Occi⸗ dent, ſonderlich von den Antilliſchen Inſeln, gehohlet, wo er eben fo wie im Cv riente waͤchſt. Hieraus laͤſt ſich leicht urtheilen, woher bie Farbe erhoͤhet wird, und blau herauskomme: weil der Schwefel, der auf dem Salze ſitzet, mehr ausi gebreitet iſt; ferner, warum die mit ſolchem Indigo gefaͤrbten Tuͤcher nicht ſo gut ſind; nemlich wegen der Vermiſchung mit dem Kalcke; dieſer iſt auch ſchuld, daß dieſe Farbe, wenn ſie an die Sonne gebracht wird, nicht ſo beſtaͤndig bleibt, als Waaidt für fid) und wohl bereitet, welcher ohne ſolche Vermengung, von ſorgfaͤl⸗ tigen Kuͤnſtlern gebraucht wird. Denn der ſalzige und irdiſche Theil von unge⸗ loͤſchtem Kalcke, welcher ohne Zweifel das Gewichte zugleich vermehret, hat ihn nicht verfaͤlſchet. Man duͤrfte auch nicht alle Hofnung fahren laſſen, auf kuͤnſtli⸗ che Art eben ſo Indigo zu bereiten, wenn nur iemand, der Geſchicklichkeit darzu hat, Hand anlegen wollte; da man denn die gehoͤrige Verhaͤltniß zwiſchen Kalck und Waidt in acht nehmen muͤſte, und was andere geringere Umſtaͤnde mehr find, Indeſſen iſt ausgemacht, daß gleichſam die Quinteſſenz zu friſchen und ſchim⸗ mernden Farben daraus genommen und zum Gebrauche angewandt werden koͤn⸗ nen. ; XXVII. Ueberſetzter Auszug aus des Herrn Hellot Y de la Lieinture S. 220. u. f. Die Bereitung und den Ban des Waidtes in Franckreich betreffend, mit ei⸗ nigen Anmerckungen. | Quo glaube, man ténnte alle dieſe Schwierigkeiten bald heben, wenn . man den Waidt in Franckreich auf eben die Art zu bereiten ſuchen OMEN wolte, wie man den Anil in Weſtindien bereitet. Man muß alſo beyderſeitige Zubereitungen mit einander vergleichen. Ich will ca | gende ix d 49 Beylagen. gende aus des Herrn Aſtrue Machrichten zur Nlaturgeſchichte der Pros vins Langvedoc (zu Paris bey Capelier 1737. in to) 330 und 351, S. mit⸗ theilen: „Nach dem Berichte der Faͤrber giebt der Waidt nur matte und ſchwa⸗ „che Farben; der Indigo hingegen lebhafte und glaͤnzende. zie haben auch „nicht unrecht. Denn der Indigo ift ein feines und zartes Pulver, und kann. „folglich leichte in die Zeuge dringen, und ihnen eine ſtarckglaͤnzende Farbe geben. „Der Waidt hingegen iſt nur ein grobes Marck, darinnen viel erdigte Theile vx fen und mat „handen find, welche die Kraft und Bewegung der zaͤrtern Theile aufhal „ihren Nachdruck hindern. Ich ſehe nur ein Mittel folcher Unbequemlichkeit abe „zuhelfen; wenn man nemlich den Waidt, wie den Indigo, bereitete. Da⸗ „durch würden die Waidtfarben eben das Licht und die Lebhaftigkeit, als die In⸗ „digofarbe bekommen, und der Schoͤnheit ſowohl, als der Dauer, welche die „Farben durch den Waidt bekommen, wuͤrde auch nichts abgehen. Ich habe, „fetzt er hinzu, ſchon Proben davon im Kleinen gemacht, wie ich es hier vorſchla⸗ „ge, und ſie ſind mir nicht allein in Abſicht auf das Pulver des Waidts, ſon⸗ „dern auch bey der Anwendung dieſes Pulvers wohl geratben, Diejenigen, wel⸗ „chen oblieget das gemeine Beſte zu beſorgen, koͤnnen es auch im Groſſen verſu⸗ „chen; und wenn es fo geraͤth, als man zuverlaͤßig hoffet, fo muͤſten diejenigen, „welche den Waidt gebrauchen, ihn auf dieſe neue Art bereiten lernen, beſon⸗ „ders aber ſie dabey, wie bey allen neuen Erfindungen, mit den noͤthigen Koſten „unterſtuͤtzet werden, bis der gewiß daher zu ziehende Vortheil, die Leute ſelbſt das. „zu ermunterte. , Als ich das erſte mahl den Vorſchlag that, die americaniſche Methode in Langvedoc zu verſuchen, fo wuſte ich nicht daß Herr Aſtruc mit mir einerley Ge⸗ dancken gehabt hatte: da ich aber ſeine Nachrichten von dieſer Provinz geleſen hatte, freuete ich mich eben gleiche Gedancken als dieſer geſchickte Mann gehabt zu haben; und weil es ihm im Kleinen angegangen iſt, ſo wird es hoffentlich auch im Groſſen gerathen. Denn ich kann demjenigen nicht Beyfall geben, der ſich über dieſen Vorſchlag aufhielt, als er ihm zu Ertheilung feines Gutachtens guae ſendet ward, und, aus allzu groſſen Vorurtheile für das alte Herkommen ſeiner Provinz, dagegen in Vorſchlag brachte, man ſolte vielmehr die americaniſchen Colonien anhalten, den Anil fo grob zu bereiten, als mit dem Waidte in Langve⸗ doc geſchiehet; ohne zu uͤberlegen, daß ihm die Erfahrung entgegen ſtehe, und daß der Indigo, wie er uns zugeſchicket wird, nicht nur eine ſchoͤnere, ſondern auch eine dauerhaftere Farbe gäbe, als der Waidt (*); noch weniger gedachte er ie | die ELITE (0 Hier wiederſpricht die Erfahrung dem Herrn Hellot. Der teutſche Waidt giebt eine Beylagen. 49 die Beſchwerlichkeit und Koſten, da es wenigſtens zehnmal mehr Raum erforderte, wenn pw ganze Pflanze vom Anil nach Europa bringen wollte. In ſolchen Dingen kommt es mehr auf Erfahrung, als auf Einfälle, an. Wenn man nur den faͤrbenden Theil vom Waidte abſondern koͤnnte, wie es mit|bem Anil gefchies het, ſo wuͤrden die Einwohner in Langvedoc weniger zu klagen haben, als die Franzoſen und Spanier in America, denen eine ſolche neue Fabrick viel Nachtheil usiehen wuͤrde. Es fragt fic) alfo: ob es beffer ſeyn wuͤrde, den vormahligen ſehr anſehnlichen Waidtbau in Langvedoc wieder herzuſtellen, wovon dieſe Pro⸗ vinz fo viel gewonnen hat, ehe der Indigo in Europa bekannt geworden iſt? oder ob man es bey dem americaniſchen Indigo laſſen folle, von welchem alldort fo viec le Franzoſen leben? Beyde find Unterthanen des Koͤniges und bedürfen feiner Vor⸗ ſorge. Die Berechnung und Vergleichung davon zu machen, gehoͤret nicht hier⸗ her (). Ich will itzo nur zeigen, wie des Herrn Aſtruc Vorſchlag zur Wirck⸗ lichkeit gebracht werden koͤnne; und dieſes wird durch die Gegeneinanderhaltung geſchehen, wie man in Langvedoc mit dem Waidt umgehet, und wie in America der faͤrbende Theil des Anils auf eine geſchickte Weiſe abgefondert wird, Das Verfahren mit dem Anil habe ich ſchon in dem 7ten Hauptſtuͤck erzehlet, und wer es ausführlicher wiſſen will, der muß die Geſchichte der Antillen des P. du Tertre und des P. Labat leſen. Von dem Waidte aber will ich itzo alles mel⸗ den, was Herr Aſtruc ſchreibet, und ich hoffe, man werde eine voltftánbige Nachricht davon hier gerne leſen. [t ER In dem Langvedockiſchen Gebiethe Albigeois machen bie Bauern einen Unterſchied unter den Waidt, der violette Saamenkoͤrner (**) tráget, unb un ter dem mit gelben Koͤrnern. Sie ziehen den violetten vor, weil er glatte vid "EM ud ; E : » ebene e e EURER U 0. N. 0409-09-11 4-0049-09- eine beftändigere und, wenn er von der be⸗ ſten Art und recht guten Zubereitung iſt, ſchoͤnere Farbe, als der Indigo, wie ich im fünften Hauptſtuͤcke $. 4. erwieſen habe. hg Y In Teutſchland laͤſſet ſich die Berech⸗ nung leicht machen. Wir haben keine Staa⸗ per den Indigo aus eigenen Pflanzoͤr⸗ tern Indiens unmittelbar bekommen, unb wir muͤſſen ihn bezahlen, wenn er auch im Preiſſe noch hoͤher ſteigen ſolte, als er feit etlichen und zwanzig Jahren geſtiegen iſt. (**) Nicht alle Saamenkoͤrner, ſondern die Saamencapſeln oder Huͤlſen find von unterſchiedener Farbe, und theils violett, theils gelblichtweiß. Das Saamenkorn iſt bey allen Arten braun. Je reiffer der Saa⸗ men wird, deſto mehr faͤllt die Huͤlſe in die dunckelblaue Farbe, und deswegen iſt dieſer Saamen beſſer als der in gelblichten Huͤl⸗ ſen. Man findet oft an einem Staͤngel dunckelblaue und weißlichte auch melirte Hülſen, mithin kann die Farbe der Huͤlſe nicht ein eigentliches Kennzeichen des faf (hen Waidtes, oder des ſogenannten Patlel- bourg, ſeyn. | (&) 50 Beylagen. ebene Blaͤtter hat; dahingegen die von der andern Art rauch fü cher Waidt mehr Staub und Erde annimmt und weniger gilt. Man nennet die⸗ fen Paſtelbourg oder Bourdaigne. Der Waidt treibet a fänglicl | Blätter (Y aus der Erde, welche, fo lange fie grün bleiben, gerade ſtehe werden etwa einen Fuß lang und 6. Zoll breit, und reifen gegen Johannis ches man daran erkennet, wenn ſie niederſincken und gelb werden. Man far let fie alsdenn und gaͤthet den Waidt vom neuen, welches bey ieder Erndte deſſel⸗ ben wiederholet wied. Wenn im Julio Regen einfaͤllt, fo ſammlet man den Waidt zum andern mahle; iff es trocken Wetter, fo geſchiehet es 8. Tage fpi ter, um ſo viel Zeit ſonſt der Regen die Erndte beſchleuniget. Am Ende des Au⸗ guſts ſammlet man zum dritten, mit Ende des Septembers zum vierten, und 8. Tage nach Allerheiligen zum letzten mable. Dieſes letzte mahl bekommet man we⸗ gen der laͤngern Zwiſchenzeit den meiſten Waidt. Man ſchneidet alsdenn auch das Obertheil der Wurzel, woraus die Blaͤtter ſchieſſen, ab. Es iſt aber dieſer Waidt der ſchlechteſte, und daher deſſen Sammlung durch Landesordnungen ver⸗ bothen. Wenn es regnet oder Nebel iſt, muß niemahls Waidt eingeerndtet wer⸗ den; ſondern es muß heiteres Wetter ſeyn, und die Sonne auf die Blaͤtter ſchei⸗ nen. Von jeder Erndte werden die Blaͤtter gleich nach der Einſammlung auf die Mühle gebracht, und gleichſam zu einem Teige gemacht, indem ſich die Ribben oder Adern derſelben nicht mehr unterſcheiden laſſen. Man muß geſchwind dazu thun, weil ſonſt die Blätter, wenn fic aufeinander liegen in Gaͤhrung kommen, und mit unertraͤglichen Geſtancke verfaulen. Die Mühlen gleichen den Oehl⸗ oder Lohmuͤhlen, und beſtehen aus einem Muͤhlſteine, der ſich um einer perpen⸗ dicular ſtehenden Achſe in einer ereyßfoͤrmigen Vertieffung herum drehet in wel⸗ che man den Waidt thut, der zerquetſchet werden ſoll. Der Herr Aſtruc hat die Figur in Kupfer ſtechen laſſen. Nachdem die Blaͤtter wohl zerquetſchet und wie ein Teig unter der Mühle geworden find, trocknet man denſelben in Hauffen auf dem Boden der Mühle oder auſſen in freyer Lufft. Man tritt ihn alsdenn mit den Fuͤſſen und knetet ihn mit den Haͤnden, ſchlaͤgt ihn hernach und macht ihn obenher mit der Schauffel eben, da er denn Waidt in Ballen (Paftel en pile) genennet wird. Auswendig leget ſich eine ſchwaͤrzlichte Rinde herum, welche, wenn fie aufſpringet, forgfältig wieder zugeſtrichen werden muß; ſonſt würde der Waidt von der Luft und von kleinen Wuͤrmern, die ſich hinein ſetzen, verderbet werden (9, Nach 14. Tagen wird der Waidt⸗Hauffen geoͤfnet und mit der N [ | Hand H- reer -G, 900-099 900-99 9 -H. Se-. Gb He Hf -O dd Here (*) Nein, er kommt nur mit 2 Blätter (**) Alles dieſes fallt bey unſerer Berei⸗ gen, wie der Salat, aus der Erde her- tung hinweg, welche von dieſer franzoͤſi⸗ vor. ſchen Art unterſchieden iſt. Beylagen. >); ekrieben, die Rinde und das Inwendige aber untereinander gemenget; bis weilen ift die Rinde fo hart, daß fie zerſtoſſen werden muß. Hierauf werden aus Diefem Teige kleine! runbte. Bro hen gemacht, davon, nach den Verordnun⸗ ^ jegliches Stuck 5. Quarterons (*) wiegen ſoll. Dieſe Waidtbrodte! wer⸗ den feſte zuſammen gedruckt, gehe ſodann in andere Hände, und werden in einer hölzernen Forme oder Schü vom neuen dichte gedruckt, und bekommen eine W 0 Figur. Endlich kommen ſie an eine dritte Perſon, welche ſie in ei⸗ ne n ch kleinere Forme Drücket, damit fie allenthalben vollkommen dichte werden. Scie ovale Kuͤchelgen beiffen Coques , oder Coquaignes, und der alfo. bereitete aidt wird Paltel en Cocaigne genennet. Daher bedeutet pais de Cocai- gne ein reiches Land, weil der Handel mit dem Waidte die Linder, wo er erbauet ward (Albigcois und Lauragais) fehr bereicherte. Dieſe Waidtkuͤchelgen leget man auf Horden (, unb bringet fie bey ſchoͤnem Wetter in die C onne, wo nicht, ſo bringt man ſie gleich unter die Muͤhle. Der Waidt, welcher einige Stunden in Nomen hat, nimmt auswendig eine ſchwarze Farbe an; wogegen ige, welcher ſofort eingeſchloſſen wird, beſonders bey Regenwetter pw het. Die Kaufleute halten e es mit dent erſten; indeſſen foll. der Unterſchied im Glace d gb 1 50 Ja der Pal d ef vr 1 8 weil! n alt: In "i E e cher ar oder kleineres Behaͤltniß n genommen „ das mit E d " d EG. 4444044444944 949-9 04 4 4-44 90940400004 e Ein Duartsron A er 4 Unzen. wo der Anil, wie der Waidt bereitet wird Richelet „ SESS und in Stuͤcken herauskommt, die alles : uunnuͤtze Weſen der Pflanze in fich halten, Cr) Es ift ein Ort in bien; auf deſſen daher es auch ſchwer iff. eine blaue Kuͤpe Nahmen ich mich nicht befinnen kann, all- damit anzuſtellen. Hellot. 82 Beylagen. und ringshrum 4. bis 5. Fuß hoch Ziegelwaͤnde hat. Seitenmauern von dieſer Hoͤhe wären noch beſſer. Oefters laͤſt man fie bloß mit Erde überziehen, welche aber leicht wieder abfaͤllt, und indem ſie ſich mit dem Waidte vermenget, ſelbigen verderbet. In dieſes Behaͤltniß werden die Kuͤchelgen gebracht, und mit hoͤlzer⸗ nen Schlägeln zu einem Pulver zerſchlagen. Solch Pulver wird mitten in dem Magazine 4. Fuß hoch aufgehaͤufet, ſo, daß ein Platz bleibet ringsherum zu ge⸗ hen. Das Pulver feuchtet man mit Waſſer an. Das, fo am meiſten leimicht (“) iſt, wenn es nur klar iſt, iſt das beſte. Ein ſo befeuchteter Waidt kommt in Gaͤh⸗ rung, erhitzt ſich, und giebt einen ſehr dicken und ſtinckenden Dampf von ſich. Dieſer Waidt wird 12. Tage nach einander, alltäglich umgeſchippet, und von eis ner Seite zur andern geworfen, in dieſer Zeit auch taͤglich vom neuen befeuchtet; hernach aber kommt kein Waſſer mehr darauf, ſondern er wird nur ungeſchippet, erſt alle 2, darauf alle 3, dann alle 4 und alle 5 Tage einmal; zuletzt wird er wiederum auf einen Hauffen mitten im Magazine gebracht, von Zeit zu Zeit dar⸗ nach geſehen, und wenn er ſich erhitzen wollte, gelüfftet, Dieſes iſt das Waidt⸗ pulver, wie man es an die Faͤrber verkauffet. Der Herr Aſtruc führet zum weiſe, daß Oberlangvedoc ehemahls durch den Waidt reich geworden fep, fol⸗ gendes aus einem Buche an, deſſen Titul: Ze Marchand heiſſet: „Vormahls „führte man, von Toulouſe nach Bourdeaur, auf der Garonne, jaͤhrlich 100000. „Ballen Waidt, davon der Ballen (**) wenigſtens 1 ds: an Ort und Stelle „galt, woraus eine Million und 500000 Livres und die Menge baares Geld ins „Land kam, Es find Caſtels Worte in dem angeführten Buche von 1633. S. Memoires de I Hiſtoire de Languedoc f. 49. Die Vergleichung der beyden Ars ten, nach welchen man den Waidt und den Indigo bereitet, kann einem, der da⸗ mit umzugehen weiß, ſchon genug ſeyn, aus dem Langvedockiſchen Waidte den faͤrbenden Theil auf gleiche Weiſe herauszuziehen, als es mit dem Anil geſchiehet. Man muß es aber weder einem Faͤrber anvertrauen, noch einem Fabricanten. Bey⸗ de wuͤrden, fo bald fie nur den Mund aufthaͤten, den Vorſatz verwerfen, weil es etwas neues iſt; ja ich zweifle, daß ſie im Stande ſeyn wuͤrden, ſich in die Gaͤh⸗ | ps rung €» Sch fehe nicht, warum man leimicht Waſſer, das klar iſt vorziehet, und wuͤrde recht klares Flußwaſſer für weit ſicherer hal; ten. Ein faules Waſſer iſt voll Unreinig⸗ keit, und alles kothigte Waſſer hat wenig⸗ ſtens eine ganz unnuͤtze Erde in ſich, die ei⸗ ne ſehr ungleiche Farbe geben muß. Hellot. (**) Ein Ballen haͤlt 150. bis 200. Pfund, wie Herr Hellot auf der 57ten Seite be richtet. Wie der teutſche bereitete Waidt in Faͤſſern; fo wird der franzoͤſiſche in Gà cken verfuͤhret. Der franzoͤſtſche iſt wie eis ne feſt zuſammen haltende Erde. Man ſe⸗ he das vierte Hauptſtuͤck meiner Abhand⸗ lung, S. 88. ü Beylagen. | 53 rung zu Ber und damit recht umzugehen. Es gehören Leute von mehrerer Erz hrung dazu, als ſie insgemein haben. Ich wuͤnſchte, daß man den Verſuch im Groſſen machte, ſo, daß man wenigſtens 50. Pfund ſolcher Farbematerie da⸗ raus bekommen koͤnnte, um die Probe mit vielen Kuͤpen zu machen, wenn es cts wa aus den erſten nicht gerathen wolte (7). Wer dazu gebraucht würde, muͤſte alle Umſtaͤnde feines Verfahrens aufſchreiben. Vielleicht gienge dieſe Einrichtung bey dem Waidte von der erſten Erndte noch nicht recht von ſtatten, weil es im Junio noch nicht warm genug iſt; im Auguſt aber duͤrfte es wahrſcheinlicher Wei⸗ fe am beften gerathen. Nach Briefen, die ich von dem jüngern Herrn Roman, Generalingenieur von 12 „bekommen habe, ſteigt das Thermometer zu Martinique bey der gröften Hitze auf 30. bis 36. Grad, nach des Herrn von Reaumur Abtheilung. In Langvedoc ſteigt es im Julio und Auguſt von 27. bis zu 32. und 33. Grad, welches der Waͤrme des Athems, der Bruſt unb der unter den Armen gleichet, und daher ſtarck genug iſt, daß die Waidtblaͤtter gaͤh⸗ ren koͤnnen, wenn ſie, wie die Blaͤttet vom Anil eingeweichet und maceriret wer⸗ den, welches in einem groſſen Mauerkeſſel voll Waſſer geſchehen kann, und viel⸗ leicht nicht mehr über 30. oder 40. Stunden Zeit erfordert wird. Die Gaͤhrung koͤnnte beſchleuniget werden, wenn in dieſes Einweichungs⸗Geſchirre 3. oder 4. - Keſſel voll ſiedend Waſſer gegoſſen würden. Wer dieſen Verſuch machen ſoll, der muß Blaͤtter nehmen, die ſo wenig als moͤglich welck ſind, und ſie, wenn er es für nöthig befindet, leichte zerquetſchen laſſen. Er kann im Anfange Mauerkeſ⸗ Eom nur das dritte Theil (o groß, als der P. Labat das Maaß giebt. Wenn das Waſſer Farbe angenommen hat, kann man es mit gewoͤhnlichen Ru⸗ dern ſchlagen, wie es mit dem Waſſer geſchiehet, darinnen der Anil gegabren hat. Alles uͤbrige iſt in den Memoiren des P. Labat beſchrieben, und man darf nur nach ſeiner Vorſchrift arbeiten. Solte es gerathen, ſo zweifle ich nicht, daß noch viel andere Pflanzen ſeyn werden, die mit dem Waidt darinnen uͤbereinkommen, und eine gleichmaͤßige Farbematerie, die davon abgeſondert werden kann, geben. Alle dunckelgruͤne beſtehen aus Gelb unb Violenblau. Konnte man durch die Gaͤhrung das Gelbe ganz vertilgen, fo wuͤrde nur Blau übrig bleiben (*). Die bi | (G 3) Vor⸗ CCC (*) Dieſer Umſtaͤnde bedarf es nicht. gentheil befunden. Ich habe keine einzige Wenn es im Kleinen angehet, ſo muß es ſo farbenreiche Pflanze, als! der Waidt iſt, auch im Groſſen gelingen. antreffen koͤnnen; ich will ſagen, alle ande⸗ N x re Pflanzen haben weniger farbenbe Theil⸗ (*) Ich bin diefer Meynung nicht zuge⸗ chen und mehr Unreinigkeiten bey ſich, als than, und habe bey den, mit ſehr vielen der Waidt; mithin wuͤrde ſichs der Mühe Pflanzen, angeſtellten Verſuchen das Ge⸗ nicht verlohnen, wenn man viel oen enden 54 Beylagen. Vorſtellung, die man fid) davon machen kann beſtehet gewiß in keiner leeren Ein⸗ zu und vielleicht wäre bald zu beweiſen, daß es einen Nutzen bringen koͤnnte. Ueberſetzter Auszug aus des Herrn Hellot ! ari de c * IN E 3 "ee 13 Vize, " kt: la — Teinture S. 58. u. f. die Waidtkuͤpe betreffend; mit : angehängten Anmerckungen. I atit der Waidt feine blaue Farbe von fid) geben koͤnne, fo bedienet man y fid) der Délgeenen Küpen, bie ich anfänglich beſchrieben habe (). Je größe fer dieſelben find, deſto beſſer gehet die Sache von ſtatten. Ordentlich nimmt man; bis 4 Ballen Waidt, und, wenn die Kuͤpe wohl gereini⸗ get ift, fo macht man die Zurichtung folgendermaſſen. Man gieſſet in einen küpf⸗ fernen Keſſel, der febr nahe an der Kuͤpe ſtehet, das allerfaulfte Waſſer, das zu aben ift, oder wenn es nicht recht faul zu bekommen ift, fo wird in den Keffel eis, 3 Peto vd Geniſte, (Geneftrole) oder Heu, als etwa 3 Pfund mit 8 Pfund ſchwarzbrauner Faͤrberroͤthe, (garence biſe) oder den Schalen von den Wur⸗ eln dieſer Pflanze, gethan. Wenn man Crapbruͤhe, oder ſchon gebrauchtes Faͤr⸗ N N der Roͤthe haben kann, ſo erſpahet man die Roͤthe, und Hie deſto beſſer. Wenn der Keſſel angefuͤllet ift, unb man feit 3 Uhr des Morgens Feuer darunter gehalten hat, laͤſt man es fuͤnf gute Viertelſtunden kochen; (mans che Faͤrber laſſen es gar = bis 3 Stunden kochen.) Hernach wird es vermittelſt eis ned ker. F wenden wolte, und ich mache daher den Schluß, der gütige Schöpfer habe dieſe Pflanze, den Waidt, vorzuͤglich zu dem Ge⸗ brauche und Nutzen beſtimmet, zu welchen er von ſo langen Jahren her dem menſchli⸗ chen Geſchlechte gedienet hat. ; (9) Auf der sten Seite. Man kann es dafelbſt nachleſen, immaſſen ich nicht gewil⸗ let bin, das ganze Buch ins teutſche zu überfegen, ſondern nur das vornehmſte, welches ich zu meinem Zwecke dienlich er⸗ achtet habe, hier einzuruͤcken. Jedoch will ich nur ſo viel von dieſer Beſchreibung an⸗ ber ſetzen: Man bedienet fid) in Franckreich der hoͤlzernen 1 Sie haben 10. bis 12. Fuß im Durchmeſſer und 7. bis 8. Fuß in der Hoͤhe. Die Dauben dazu ſind 6 Zoll breit, 2 Zoll dicke, und von 3 Fuß zuz qu mit einem eiſernen Reiffe umgeben. ie werden in dem abhängigen Faͤrbehauſe, wel⸗ ches nahe am fahnden Waſſer liegen ſoll, in die Erde eingegraben, daß fie nur 3 und einen halben bis 4 Fuß herausſtehen, da⸗ mit der Faͤrber darinnen handthieren koͤnne. Der Boden der Kuͤpe iſt nicht von Holtz, fondern von Kalck und Ciment, welches aber nicht nothwendig iſt, ſondern nur we⸗ gen der Groͤſſe geſchiehet. b Beylagen. 55 ner Rinne in die reine Kuͤpe gelaſſen, (uͤbergeſchlagen) auf deren Boden man vorher einen Hut voll Kleyen ſchmeiſſet. Indem man dieſes kochende Waſſer aus dem Keſſel durch die Rinne in die Kuͤpe laufen laͤſſet, thut man einen Ballen Waidt nach dem andern in die Kuͤpe, damit er deſto beſſer zerſtoſſen, geſchlagen und geruͤhret werden koͤnne; welches Ruͤhren ſo lange dauert, bis alles heiſſe Waſſer in die Kuͤpe gelaſſen iſt. Wenn fie etwas uͤber die Helffte voll ift, fo deckt man fie mit Bretſtuͤcken zu, die ein wenig groͤſſer, als ihr Umfang find, leget auch noch ein Stuͤcke Tuch darauf, damit der Dampf fo viel möglich) darinnen bleibe, und läffet es alfo 4. gute Stunden ruhen. Vier Stunden nad) dem Anſtellen wird fie wieder geluͤftet; oder vielmehr geoͤfnet, damit man fie wohl rühren koͤnne und friſche Luft hinein komme. Auf jeden Ballen Waidt ſchuͤttet man eine gute Schuͤſſel voll Aſche, mit welchem verdeckten Namen die Faͤrber den Kalck belegen, den einige vorher mit Waſſer, andere an der Luft loͤſchen laſſen. Durch die Schuͤſſel wird ein hoͤlzernes Schaͤufelgen mit einem Stiehle verſtanden, das das Maaß vom Kalcke haͤlt, der in die Süpe kommt. Es ift 5 Zoll breit, und 3 und einen halben Zoll lang, und es gehet eine gute Hand voll Kalck hinein. Einige Faͤrber nennen es auch Tailloir. Wenn nach Einſtreuung dieſes Kalckes die Kuͤ⸗ pe wohl geruͤhret iſt, ſo deckt man ſie wieder zu, wie vorher, es wird aber viel mahl ein kleines Luftloch, vier Finger breit, offen gelaſſen. Vier Stunden her⸗ nach ruͤhret man ſie wiederum brav, giebt ihr aber keinen neuen Zuſatz vom Kal⸗ cke; worauf man ſie wieder zudecket und 2, oder 3. Stunden ruhen, dabey aber, wie zuvor, ein kleines Luftloch laͤſſet. Nach dieſen 3. Stunden kann man ſie vom neuen rühren, und wenn fie noch nicht angekommen ift, wie es die Faͤrber nen⸗ nen, das iſt, wenn noch nichts blaues oben ſchwimmet, ſondern wenn ſie noch wild iſt, welches man wahrnehmen kann, wenn man mit der Kruͤcke in die Kuͤpe tößt; fo muß man fie nochmals wohl rühren, darauf anderthalbe Stunden ruhen en, und wohl achtung geben, ob fie nicht ankommt, und auf ihrer Oberfläche blau zeiget. Wenn dieſes erfolget, ſo ſchlaͤgt man ſte ſuͤſſe, d. i. man giebt ihr Waſſer, oder man fuͤllet ſie vollends an, und thut ſo viel Indigo hinein, als man fuͤr dienlich erachtet; denn nunmehro hat der Faͤrber ſeine Freyheit, ihr ſo viel Zuſatz vom Indigo zu geben, als er will. Ordentlich nimmt man auf jeden Ballen Waidt einen gewoͤhnlichen Faͤrbekeſſel voll Indigo, den man vorher, wie unten wird beſchrieben werden, in Waſſer zerlaſſen hat. Nachdem man nun die Küpe bis auf 6 Zoll vom Rande angefüllet, fo rührt man fie wohl, und decket fie, wie vorhin wiederum zu. Eine Stunde hernach, da man ihr Waſſer gegeben hat, bekommt fie Kalck, und man rechnet etwa 2 vorher beſchriebene Schaͤufel⸗ gen auf jeden Ballen Waidt, und mehr oder weniger, nach der Guͤthe des Waid⸗ tes, und nachdem man urtheilt, daß er es braucht. Der Leſer wird mir 8 audis ' | Au — 56 Beylagen. Ausdruͤcke verzeihen; ich ſchreibe dieſen Tractat für den Faͤrber, mithin muß ich die Sprache führen, die er verſteht. Dem Naturforſcher wird es nicht ſchwer fallen, an deren Stelle die eigentlichen Woͤrter zu ſetzen, die der Faͤrber nicht verſtehen wuͤrde. Es giebt aber guten und ſchlechten Waidt, und es laͤſt fid) ime mer einer eher als der andere arbeiten, daher man keine genaue und allgemeine Regeln davon geben kann. Es muß auch dieſes noch gemercket werden, daß man den Kalck nicht her in die Kuͤpe thut, als wenn fie vorher wohl geruͤhret wor⸗ den. Wenn man nun die Kuͤpe abermahls zugedecket hat, fo ſetzt man, nach Verlauf dreyer Stunden, den Stahl auf, d. i. man thut eine Probe hinein, laͤſſet fie eine Stunde darinnen; ziehet fie hernach wieder heraus, um zu febenl, ob die Kuͤpe in gehoͤrigem Stande ſey? Das Zeichen davon iſt, daß die Probe, wenn ſie heraus genommen wird, gruͤn ausſehen, und wenn ſie eine Minute in der Luft gehangen, die blaue Farbe annehmen muß. Sieht die Probe hellgruͤn aus, ſo ruͤhret man die Kuͤpe nochmals, ſetzet ein oder zwey Schaͤufelgen Kalck zu, und verdecket ſie wieder. Drey Stunden darauf ruͤhret man ſie wieder, giebt ihr Kalck, ſo viel noͤthig, und verdecket ſie abermals; wenn ſich denn nach anderthalb Stunden die Kuͤpe geſetzet hat, ſo ſetzt man den Stahl vom neuen auf, d. i. man ſtecket eine neue Probe ein, nimmt ſie nicht eher, als nach einer Stunde, wieder heraus, um die Wirckung des Waidtes zu erfahren. Iſt die Probe ſchoͤn grün, und nimmt an der Luft eine dunckelblaue Farbe an, fo ſetzt man noch einmal den Stahl auf, d. i. man thut noch eine andere Probe hinein, damit man von der Wirckung der Kuͤpe recht verſichert werde. Iſt dieſe letzte Probe genug gefaͤrbet, ſo fuͤllet man die Kuͤpe vollends mit heiſſen Waſſer, oder, wenn es zu haben iſt, mit rother Bruͤhe von der Faͤrberroͤthe, und ruͤhret ſie alsdenn wieder. Findet man nun, daß die Kuͤpe noch Kalck noͤthig habe, ſo ſetzet man ſo viel zu, als man nach dem Geruche und den beſondern Handgriffen für hinlaͤnglich erkennet, decket fie nachgehends wieder zu, und wenn denn alles gut ift, fo macht man die Ruͤ⸗ e auf, und faͤrbet Tuche oder Zeuge ein. So nennen es die Faͤrber, wenn fe Wolle oder Zeuge zum erſtenmahle in eine neue Kuͤpe legen. | Kennzeichen, welche dienen, eine gute Kuͤpe wohl zu führen. Daß eine Kuͤpe gut ſey, das tft, daß fie zum N M diene, erken · net man daran, wenn der Waidt, der fid) auf dem Boden befindet, gut grunet, d. i. braungruͤn ausfiehet; wenn er ſich auſſer der Kuͤpe verändert; wenn Die oben⸗ auf ſchwimmende groſſe Schaumblaſen dunckelblau ausſehen, und wenn die Pro⸗ be, die man eine Stunde darinnen gehabt hat, ſchoͤn dunckel graßgruͤn gefärbet iſt. Iſt die Süpe gut, fo muß die Lauge, wenn man fie mit der Hand oder Kalck auseinander ſchlaͤget, klar und roͤthlich, die Tropfen aber, welche von dem, was Beylagen. 57 was man mit der Hand oder Kruͤcke aufhebt, wieder herunter fallen, muͤſſen braun ausſehen. Ouvrir le brevet bedeutet, wenn man die Lauge mit der Hand oder Kruͤcke herausnimmt, um zu ſehen, wie dieſe Farbe oder die Lauge unter der erſten Oberfläche beſchaffen fey? Das Dicke oder der Bodenſatz (der Waidt) muß die Farbe, wie ſchon gemeldet worden, veraͤndern, wenn es von der Ober⸗ fläche, oder aus der Lauge aufgehoben wird, und wenn man es an die freye Luft bringet, braun werden. Wenn die Lauge mit der Hand geruͤhret wird, ſo muß es zwiſchen den Fingern nicht zu ſcharf auch nicht zu fett (epn; es muß auch weder nach Kalck, noch nach Aſchenlauge riechen. Die Faͤrber drücken fid) alfo aus: Die Aüpe muß nicht zu ſcharf, noch zu ſuͤſſe riechen, ſondern im MM ſtehen.) Und dieſes find ohngefehr alle Merckmahle einer guten upe. . ; fen will. 4) Mit der dritten Anfuͤllung der Küpe feheint fid) der Herr Ver⸗ faſſer ſelbſt zu wiederſprechen. Denn kurtz vor t er: wenn ſich auf der O⸗ man ſie vollen s an. Das iſt recht, da wird die Kuͤpe, nach der Faͤr⸗ wird zum drittenmale nichts mehr nachgefüffet. 5) Wenn die Kuͤpe ſo muß die Lauge, indem fie aus einander geſchlagen wird, nicht ri ſondern gelb, wie Wachs; die her⸗ unter fallende Tropfen aber muͤſſen in, ſondern ſchwarzgruͤn ausſehen. Dieſes iſt die Indigo⸗ und jenes d 6) Das Dicke vom Waid⸗ 58 Beylagen. ndern man muß es von unten herauf holen. Man wolle indeſſen hieraus nicht hlieſſen, daß ich den Verdienſten des Herrn Verfaſſers durch dieſe Erinnerungen einigen Abbruch zu thun gemeynet ſey. Ich laſſe ſeinem Buche die Vorzuͤge, die es vor allen andern hat, die von der Faͤrbekunſt geſchrieben ſind. Man wolle aber auch nicht glauben, daß es ſo vollkommen ſey, daß man daraus die gan⸗ ze Faͤrbekunſt erlernen koͤnne, wie in einem gelehrten Wochenblatte davon geur⸗ theilet worden. Es wird gewiß dadurch niemand in den Stand geſetzet wer⸗ den, eine Waidtkuͤpe darnach anzuſtellen und zu führen. Das laͤſt ſich nicht aus Büchern, ſondern aus der Uebung lernen. Übrigens wäre zu wuͤnſchen, daß man, bey einer teutſchen Uberſetzung, zugleich auf eine Verbeſſerung, Erlaͤu⸗ ar en deſſelben den Bedacht naͤhme, und es alfo brauchbarer zu machen ſuchte. quA Noch eins will ich hier anmercken, welches in dem vorhergehenden ſchon abgedruckten Bogen vergeſſen worden, und zu der zweyten Note auf der J zten Seite gehoͤret. Es dienet nemlich zu Beſtaͤrckung meiner Meynung, daß keine andere Pflanze ſo, als der Waidt, zur blauen Farbe zu gebrauchen ſey, auch die⸗ 8, daß keine andere Pflanze und Kraut die Kraft hat, das Eingeweide, und ſo gar die Gebeine der Thiere zu faͤrben, wie der Waidt thut. Man ſehe das dritte Hauptſtuͤck meiner Be⸗ ſchreibung S. 49. .ISATIS ISATIS HERBA. J CVLTVRA HERBAE ISATIDIS, QVAM GVADVM | VVLGO VOCANT, QVAMQVE THV RINGIA PRODVCIT, AC EIVSDEM PRAEPARATIONE, QYAE AD TINGENDAS LANAS APTA REDDITVR, | NARRATIO DILVCIDA, IN LAVDEM PATRIAE CONSCRIPTA PER HENRICVM CROLACHIV M, GOTHANVM EXCVDEBAT TIOVRI IAco VS GESSNERVS, MDLYV. HENRICVS CROLACHIVS, GOTHANVS, |. CANDIDO LEC CTORI runt fortaffe, ui inftitutum meum improba- & bunt, qui 8 9 feribenda Iſatide, harum ter- Wo» y'. rarum incolis notiſſima herba, hoc quicquid elt laboris, idque praeter officii mei rationem, füfcepe- rim. Verum mirari, aut reprehendere hoc factum meum, vt fpero, definent , fi probabiles rationes, qui- bus potiffimum; vt in hoc negotio periclitarer, addu- cus fum, cognouerint. Nemo autem tam deplorati ingenii eft, qui ignoret, à Deo Opt. Max. rerum omnium creatore et gubernatore, vnicuique regioni pecu- liaria quaedam prae caeteris dona conceſſa, ita, vt alia venis metallicis alia agrorum fertilitate, alia vini co- . prouentu, alia cereuiſiarum durabilium, optimi aporis et felicis nutrimenti, coctione, alia demum aliis praerogatiuis caeteris felici r-Íit. Verum cum ea fit humani ingenii tarditas vel coecitas, feu obſtinata quae- dam malitia, atque adeo 1 5 durities et pertinacia, 3 vt * Eu EnmsrOrA- Ex R. oO our Ue vt neficia in 'ollata, aut non ö grato animo T netur: Operae penn em veternus is noftrorum hominum animus excutiatur, at- que ad gratiarum. actionem accendantur quamplurimi (quanquam eA mei vires. imbecilliores effe agno- rac j app DA v 1 dass di latio Min dum, noftris ob oculos ponere, vt in agnitione huius. beneficii, vitae puritate ct innocentia gratos fefe er- ga Deum O. M. exhibeant. Quemadmodum enim quondam populum líraeliticum in terram fluentem lade et melle een , Deumque jus, !h is. pop ulus vera animi ws vitaeque ritate hoc beneficium perpetuo agnoſeeret et celebra- ER io Den CM 785 ob —— vitaeque peruerlitatem atque Ampoenitentiani inde exturbatos; * fcriptura 1 oquitur, vomitu dedos eſſe: ita et nunc terrarum incolas, quas litatis nomine felices. effe. ſeimus, creatoris ate jue ber coris für laudes ce- lebrare, ' hune. agnof Ofeete,, ac pro "aceepto beneficio, nunquam. non pietatis memores gratias agere decet. BR fecus fecerint, fciant fibt certo poenas impen- re, ita, yt benedi yd loco, maledictionem facile reportare p pollint. . qui crunt, qi i hoe praeter of- ficii mei rationem feu profeſſionem, vtpote cui munus docendi in ecclefia: Chrifti commiffüm: fit, fieri dicent, cos, fi rem aequiori animo confiderabunt, benigniores me "habiturum, feu iudices feu reprehe: fores; confido. Quis nin cft, qui hominem, diüscunque profeflionis fit, ? AD LECTORE M. 63 fit, rerum in natura abditarum cognitioneindignumiudi- cet, cum, vt reliquas infinitas taceam commoditates, ea ipſa cognitio ad tacitam quandam admirationem ſa- pientiae diuinae animos hominum inducat atque pelli- ceat: quemadmodum et Paulus organum illud clectum de gentibus ait, eas per inuifibilia opera Dei, ad inuiſi- bilem eius potentiam atque aeterna opera confideranda penetraſſe. Nec incommode huc referendum puto, 2 libro octauo hiftoriae 1 cap. I. de S. Antonio -riptum extat, qui cum a philofopho quodam interro- gatus effet, qua confolatione in libeorum penuria ſe ſu- ftentaret, refpondit, codicem fuum efle totam rerum naturam, eumque perpetuo fibi adeffe, verba Dei rele- gere, atque divinam ſapientiam fibi monſtrare. Immo haec ipfa altera inftituti ratio eft, vt oftendam, a phyſi- carum rerum ftudio arcendos non effe, qui ſacrarum literarum profeflione cenfentur, fed harum rerum co- gnitionem cffe illis perutilem et apprime neceflariam, de quo quidem, vt nulli dubium fit, fortiſſimas quasque ar- lo al- gumentationes in medium proferam. ‚Et vt paullc tius rem repetam, nonne dios in ipfo ftatim exordio plantauit hortum in Eden, quem voluit effe habitatio- nem et fedem regiam hominis, vt hortulanus in eo con- ftitutus Adamus Dei fapientiam et potentiam vi atque vir- tute herbarum atque arborum addiſceret, eſſetque illi cultura horti perpetua et iucundiffima philofophia, in qua fidem fuam exerceret. ac fe ipſum ad inuocationem et gratiarum actionem excitaret ? | Nec mediocris aut mutilata, fed exactiſſima eluxit in Adamo cognitio et fa- ” pien- 64 | ErısToLa ientia, qua natura tantum fuae bonitati omnia anima- ia contemplatur, et fic naturam eorum cognitam ha- bet, vt aptum cuique et naturae fuae conueniens no- men indiderit, multoque melius omnium rerum natu- ras nouerit, quam nos, etiamfi totam vitam ad harum rerum inquifitionem, adiuti etiam tot feculorum obfer- uatione et experientia conferamus. Quanta herbarum et naturarum beftialium cognitio in Salomone rege om- mium fapientiffimo extitit, qui fibi vineasplantauit, hor- tos et pomaria exftruxit, et confeuit, ea omnis generis arboribus, quique, vt habetur 111 Reg. cap. II. diſputauit fuper lignis a cedro, quae eft in Libano vsque ad hysfo- pum, quae egreditur de pariete, et diſſeruit de iumen- tis, et volucribus et reptilibus et pifcibus? Quam acute Eſaias, prophetarum facile princeps, fimilitudine à vi- nea defümta, primo clementiam. et mifericord iamDei e populo Iudaico ecclefiam fibi colligentis, dehinc po- puli illius ingratitudinem, ac poftremo cius reprobatio- nem defcribit? Quam venufte natiuitatem et exortum Chrifli arbori fuccifae ac denuo germinanti affimulatur? Immo fi dicendum, id quod res eſt, tota fere facra fcriptu- ra parabolis de animantibus terrae nafcentibus atque re- bus rufticis conftare videtur. Hinc nouum teftamen- tum tot crepat fimilitudinibus, totque fcatet parabolis, a rebus naturalibus defumtis, quales funt de purgante aream fuam ventilabro, de fecuri ad arborum radices ofita, de fale euanefcente, de arbore bonos feu malos ructus ferente, de vino nouo in vtres veteres miffo, de arundine, quae a vento circumagitur, de ſeminante in 4 agro AD LECTOREM. 65 agro ſemen ſuum, quorum aliud a volueribus coeli con- ſumtum eſt, aliud exaruit, aliud ſuffocatum eſt, aliud fructus multiplices protulit, de hoſte nocturno tempo- re bono femini zizania miſcente, de grano ſinapis, de fermento, de fagena mari immiſſa, de canibus indignis pane filiorum, dignis tamen, qui de micis cadentibus de menfa dominorum fuorum faturentur, de tempe- ftatum prognofticis, de conducente operarios in vine- am fuam, de homine vineam fuam agricolis locante, de viperarum progenie, de gallina pullos fuos fub alas fuas congregante, de aquilarum ad cadauera aduolatu, de ſeruo ſedulo et prudente, cuius curae et inſpectioni tota familia committitur, de patre familias commit- tente feruis fuis bona fua, de homine re&as faciente fe- mitas, de aedificante domum aut fuper petram aut ſu- per arenam, de mefle et operariis, de arbore fici infru- gifera, in quam extirpationis fententia lata retrakkatur, fi ablaquiatione et ftercoratione ad fertilitatem reuoca- ret, de villico feu diſpenſatore iniquo domini fui bona diffipante, de ligno viridi et arido, de aqua aeternam itim extinguente, de meflis indiciis, de paftore bono, de mercenariis, de ouibus, ouili, lupo et oftio ouilis, de grano frumenti in terram deie&o atque ibidem mo- riente, ac deinceps fructus multiplices ferente, de agri- cola, vinea et vite, de mulieris doloribus in partu, et fi quae funt alia. Videtur enim Chriftus ipſe, fumma fa- ientia, vtplurimum hoc genere fermonis delectatus uiffe. Ac, vt paucis meexpediam, . Paulus, ille gen- tium Apoftolus, quam LU. cui atque aptiflimis | ratio- 66 Eis TOT ratiocinationibus a rebus naturalibus addu&is, praeci- pua fidei noftrae dogmata auditoribus füis ob'oculos po- nit? Nam vt ex infinitis vnicum in medium proferam, quanta. verborum energia articulum de refurre&ione mortuorum, - rationi. humanae alias incomprehenfibi- lem, dé feminibus fimilitudine allata illu(trat? Has at- que alias vtriusque teftamenti parabolas, fi quis concio- nator pro dignitate enarrare voluerit, neceffe eft, vt fingulas parabolae partes diligenter expendat, eisque explicandis immoretur diutius, atque ita mentem Chri- fli auditoribus aperiat, vt ex rebus notiſſiniis ad abfcon- ditarum et abſtruſarum rerum notitiam quafi manu perducantur homines fimplices atque Euangelii doctri- na imbuendi. Haec autem cum laude aut admiratio- ne fcu applauſu, ſeu, quod potiffimum ſpectandum eft, recta horum inftitutione nullus fecerit, nifi qui re- rum naturalium, fi non exa&a, mediocri tamen cogni- tione inftru&us eſt. Haecenim argumenta dicendique materiem facile fuppeditabit, atque ad perſuadendum plurimum momenti, ita, vt in auditorum animis acu- lei feu igniculi quidam relinquantur, afferet. Ac vt: Hatide noftra experimenta aliquot adducam, quod ini- tio de agri idonei cultura, faepius reiteranda, atque de herbarum innafcentium ſedula extirpatione dicturus. ſum, nonne apte aliquis ad Ecclefiam Dei accommo- dare poſſet, hac ratione, vt dicat tanta vigilantia a pa- ftoribus ecclefiarum opiniones haereticas a puritate do- . &rinae euangelicae ſecludendas atque „ | ; Porro AD LEC31 ORE M. 67 | * | . Porro quemadmodum ager herba illa conſerendus hy- berno tempore inter alios in cultus et plane neglectus videtur, fed mox fructus multiplices profert: ita Eccle- fia Chrifti in hoc feculo plane deformis apparet, glo- rificanda autem in refurrectione mortuorum, et quem- admodum glebae duriores: ligneis malleis confringun- tur, alias nociturae fegeti: ita in ecclefia eorum mores, qui non obediunt euangelio Cr; a Do&oribus corri- gendos, donec ad vitae rationem finceriorem perdu- cantur, ne corum improbitas reliquorum officiat pie- tati. Item ficut haec herba modo ab erucis depaſci- tur, modo a lumbricis corroditur, modo ab araneis. atque aliis infectis impetitur: ita ecclefia Dei modo ab hypocritis modo ab haereticis modo a tyrannis crudeli- ter oppugnatur. Haec atque alia infinita non incom- mode aliquis ad &cclefiam Dei adaptare poflet. Et propterea huiuscemodi cognitionem iucundam efle duco, et homini etiam lheologo vtilem et inprimis neceffariam. Quamquam hac commemoratione neu- tiquam illis patrocinor, qui neglectis interim fuae of- ficinae fabrilibus, vóc& Lions fuae limites tranfiliunt, atque in alienam profefi nem irruunt, vanam in- terim artis medicae iactantes fcientiam, cuius ne pri- ma quidem deguſtarunt initia, quales nunc multi ſunt, qui vnico remedio feu experimento vel centum mor- bos, quaeftum non mediocrem facientes, depellere conantur. Sed tantum de phylicarum feu natura- lium rerum cognitione haec intelligi volo. — Si hinc, KE 2) quae 68 2 OEPISTORX: uae ad noftrum inſtitutum facere videantur, neces- du et vtilia ſumantur, vt orationi lucis et perfpicui- tatis plurimum accedat, atque hac ratione hominum animi fimplices de rebus vtilibus et neceffariis admo- neantur. . Verum haec prolixiori oratione perfequi, aut Le&orem initio longis verborum ambagibus deti- nere, inftituti mei non eft. Nunc quae de cultura herbae Iſatidis, qualiter fcilicet. in Salzenfi tractu, quem nunc incolo, producatur, non ex aliorum re- latu, fed ipſa experientia mihi inter colonos diu verfa- to, cognita et explorata funt, in medium proferam. Et, quia omnis, quae a ratione fufcipitur de re ali- qua, inftitutio a definitione proficiſci debet: pri- mum definitionem ponam; de hinc — | .' fpecies ſubiciam. RE N N | ufa DE E . jd DE ISATIDE "QVID SIT, ET QVOT SINT EIVS GENERA AC DE TOTA EIVS ! CVLTVRA ET PRAEPARATIONE. lanas, quo colores recipiant, cum vtilis, tum neceflaria, quam #4 gli, vt ex antiquioribus PZz.libr. 22. cap. 1. Item! br. 20. na- tur. hift. cap. 7. et Caefar de bell. gall. libr. F. ex recentioribus autem Raphael Folaterranus libr. 26. et Cardanus libr. 8. alio nomine glaftum appellant. Vulgus autem Guadum vocat, eaque in Longobardia, et Iuliacenfi, nec non Thuringico noftro agro, copiofe prouenit. Dio- feorides in fine fecundi libri 177. 178. capit: duas cius defcribit fpe- p,. cies, quarum altera ſatiua altera filueftris eft; fed omiſſa pofteriori, vtpote incognita noftris, et quae fit apud exteros etiam prioris generis culturae ratio, nunc fatiuam tantum, atque cum modum culturae, qui E igitur Ifatis herba , plantaginis folia referens, ad tingendas LI noftris vfitatus eft, pro ingenii mei tenuitate deſeribam, atque in me- dium proferam. Seritur autem primum in agro fertiliſſimo at. Waidt⸗ que praepingui, idque fit faepius verfata terra, feu poft tertiam, land zw quartam et :nterdum quintam, imo fextam nonnunquam ara- cine. tionem, terra morofe electa, ac fulcis inuicem quam proxime ductis feu adunitis, ima tamen terrae parte eruta, tantaque diligentia ſubacta, vt vtrO vomer ierit, diiudicatu n: n fit facile, in quem vfum induſtrii quidam coloni, aut fex equos iungunt aratro, quo, aratione profundio- ri peracta, tellure benigniori, coctisque a fole glebis laetiores fe- p.s- getes producat, tam bene cultus ager, qui apud nos vtplurimum niger eft, et cinerei coloris, licet in hoc negotio color terrae non magnope- te defiderandus, quippe qui bonitatis incertus autor et nuncius inter- dum fallax fit, aut bivalio terram, ima tius parte fimiliter fuffoffa, re- paſtinant atque verſant. Quo enim faepius aut maiori diligentia verſa- tur ager, eo puriores producit frudus et vegetiores, eoque minori ne- gotio affentiente terra, ab immiſeentibus et ingerentibus fe alterius ge- neris herbis, perruptis aratro feu conuulfis bipalio carum radicibus, (3) - 70 CROLACHIVS ne in pratum deſciſcat, liberari potet, cum alias, practermiffa in co- lendo agro hac diligentia, ager alterius generis herbis nimium infeftari foleat, vt et Ouidius 5. trift. eleg. 13. ait: TIN p. 4. PFertilis affiduo fi non renouetur aratro, Nil, nifi cum fpinis gramen habebit, ager. ILI Tum autem, inuerfo fcilicet faepius cefpite, herbarum aliarum. radices, quarum impatiens eft Ifatidis herba, aeſtatis tempore, calore folis, hyeme autem pruina enecari certum eſt. Tria funt eius genera. * per tempora fatuque diuifa. - r. Genus — Primum genus hyberno tempore circa natalem Domini, 1 aut poſt ſeritur, agro prius in autumno diligenti cultura in 7 hunc vfum ſubacto atque praeparato, adeo, vt ante id tempus, quam ager Jíatidis femine conferatur, aut priusquam e terra femen erum- pere occipiat, inter caeteros frumentiferos plane deſertus et incultus videatur, Ac fic, vbi vía venit, agrum et omnia etiam circum qua- que niue obtecta effe, nihilominus fupra niuem fementem faciunt. ara- r. 5. tores, fic tamen, vt denfitate feminis occupentur cuncta, atque deinceps transacta hyeme fcu foluta niue, occatione fementem. tegant, comminutis interim malleo ligneo glebis maiufculis, ct impedimento. futuris, recens naícenti ſegeti, vt et Virgilius ait: | - UD C. iacto qui femine. cominus arua Infequitur, cumulosque ruit male pinguis arenae. ^ Miraculo ferme non abfimilis res, hyberno tempore geluque ſaeuiente, cum caeterarum regionum incolae aut genio indulgeant, aut tugurus inclufi otio tor- peſcant, aut fub tecto frumenta in area excutiant, noftros colonos in mediis pruinis tum terrae mandare femina. Fit autem perſaepe, vt ob intempeftiua verna frigora, inprimis autem ob ventos adurentes, prae- fertim tum temporis, cum non tam altas in terra radices egerit, feu p- 6. cum nondum ſulcos aequent fata, et quia herba tenella adhuc fri- goris iniuriis facile obnoxia eft, totum illud, quicquid in agro ena- tum eft, difpareat atque difpereat. Nec diffimile quid a vermiculorum feu infectorum quorundam generibus tum metuendum eft, de quorum numero funt, vt vocant, pulices terreftres, qui admorfiunculis fuis cam DE ISATIDE. ^ * cam depaſcunt, carpendoque nouella fata corrumpunt; vt et Columel- Va ait: m Kt BISWD e H 1 i | RB VENTE Paruulus aut pulex irrepens dente laceſſat. N Et aranearum quoddam genus, quod punctim recens enatam herbam infeſtare, imo ad nihilum redigere folet. Quemadmodum et ante bien- nium, cum iam maturuiſſet herba, vidi tantam erucaram fübito agris dietis ut. ita, vt totam. mox fegetem croderent, ac nihil Inifi inane quoddam virgultum in agro A ieee Hac ergo p. 7. cade accepta, toties femen reſerere coguntur, quoties hoc illis aeci- dit incommodum. Sed fuperatis deinceps his incommoditatibus onmi- bus, atque mox a radice miflis foliis enatum hoc genus, praefertim cum quatuor fibras habere coeperit , atque ad digiti latitudinem a terra exti- terit, purgatur ab omni diuerfi generis herba feu. fructicibus. Tollun- tur enim exinde manibus, exftirpanturque radicitus cardui, tribuli, lap- pae, iunci, virgulta, et reliqua, pecori pabuli loco referuata, herba- rum internaſcens filua. Quanquam fint, qui carduos tenellos fcilicet adhuc aut fegniter excludant, aut ftudio praetereant interdum, propter hanc caufam , quod ad colores nonnihil adiumento effe Matidi dicantur, fed nullo certo autore, negligentiam inde excuſari puto. Videas vnd in agro cateruam viginti aut plurimi hominum, quorum Opera p. 8. fingulis diebus certa mercede in hunc vſum conducitur. Puerorum fer- me, puellarum feu muliercularum hic labor eft, quibus vtplurimum, fi ad hos labores non adhiberentur, algendum et inopia extrema labo- randum effet: Extrudunt ergo parentes, quibus alias in opere vita, li- beros fuos ad hoc operis, quo in rerum penuria egeftatem fuam ſuble- uare poffint. Verum fi ante, feu etiam poft interpurgationem illam euicerit agrum reliquarum herbarum multitudo, remedium vnicum eft, donec omncs aliae radices intereant, eircumaratio, ſationisque redin- tegratio, atque his duabus rationibus colonus agrum juxta Columellam: Pectit et angentem ſulcis exterminat herbam. n Secundum genus aeftate feu verno tempore feritur impendio non 2. Genus tam laboriofo, praeftantiae interdum non cedens fuperiori, imo dba fuperans interdum. . Hybernum genus tribus et nonnunquam p. 9 quatuor: hoc pofterius, binis plerumque aut nonnunquam ter- * 5 nis 72 - CROLACHIVS b; nis meffibus colonum laetificat. Sed fi pruinae auturnnales vtrique co: lorem ademerint, ita, vt nullus nifi viridis, quem nihili faciunt empto- res, exprimatur, tum hoc duabus, illud autem tantum. tribus meſſibus operofam agricolationem , non tamen fine foénore rependit. Seritur hoc genus in agro, quod nouale feu requietum dicitur ob hanc caufam, quod ceffando vno anco fatu intermittatur, vt nouetur. Requietum autem dicitur, quo tempore requieſcit tellus, vt quiete interpoſita re- quiefcat, ne meffibus continuis vires atque ſuccus eius exhauriantur , dequo et Virgilius in Georgicis: | \ Alternis idem tonfas ceflare nouales, Et fegnem patiere fitu durefcere campum. pro. Et Ouidius libr. 1. dé Ponto eleg. 5. ait: . Quae nunquam vacuo folita eft ceflare nouali , Pructibus affiduis laffa ſeneſcit humus. . Et Plinius libr. 18. naturalis hiſtoriae cap. 19. ait: Nouale eſt, qnod alternis annis ſeritur. Legitur ad hanc et alias ſationes femen, quod optimum, colorc nigerrimum, ct à rcliquarum herbarum feminibus ex- purgatiffimum eft. Nec enim mediocris res momenti eft, colonum cum in reliquis tum in hac præſertim cultura, futuro femini vndiquaque conſulere atque prouidere, de quo & Virgilius praeclare his verbis dis- ſeruit in Gcorgicis. . 9 | | Vidi ego lecta diu, et multo fperata labore Degenare tamen, niuis humana quotannis Maxima quaeque manu legeret , fic omnia fatis In pejus ruere, ac retro fublapfa referri Quibus igitur res prae caeteris cordi eft, hi quid facto opus fir, p.m. hac ratione explorant: feminis aliquam partem, praefertim, fi ve- ftis lanea fit, in finum recipiunt, dehinc eam rurfus vefte excutiunt , ac, fiquid de aliarum herbarum femine admixtum füerit, hoc ipfum ve- fti laneae agglutinatum quodammodo cernitur. Mox ergo cribri vten- tes adminiculo, quod diverfi generis femen eft, excluditur. Sunt, qui femine adhuc pullulante in agro manibus diuerfa excludunt. — Sunt alii, qui ſemen agro mandandum interlegendum tradant familiae. |. Deinceps femen ce * 2 * "DE ISATIDE. 73 femen aliqui ante hunc praefertim fatum diebus aliquot, addito fimo bubulo, quo citius e terra erumpat, macerant, quorum quidem con- filium, fi euentus, cadentibus mox pluuiis , probauerit , non omnino infelix eſt. Sed fi diuerfum accidat, tardante ſcilicet pluuia, colore fo- p. 1. lis quicquid enatum cft, aduritur. Vtrumque enim et frigus et calor intempeftiuus recens nafcenti fegeti noxium eſt. — Sunt praete- rea, qui nouale ver nactum, quo plus emolumenti inde percipiant, ftercoratione iuuent, ac e veftigio deinceps agrum Ifatide conferant, fed duplici ſuo damno. Primum enim ex hoc in pratum ferme degenerat hic aget, atque herbarum plurimum inde. procreatur granulis feu femi- nibus, quae fimetis forte iniecta funt , tum copiofe vna radicibus actis; quae deinceps magno cum labore elidi neceffe eft virefcentibus. De hinc et ftipulae illae, quae in fimo recenti ftraminulento atque immaturo non- dum computruerunt vna cum Iſatidis herba meſſis tempore ex agro con- velluntur atque abripiuntur. Vride nec commode deinceps in pilas re- digi poteft, ftramine compacturas eius diffoluente, vt taceam co- p. j. lori, qui praecipue in hac herba ſpectatur, hinc multum decedere. uanquam et hoc concefferim, flipulas illas, fe fimireliquias, tanquam res fcilicet leuiores, Iſatidis herba ad loturam deportata, aquisque im- merſa ſuperne innatare, et quodammodo amoueri et excludi poffe. Conſul- tius tamen eft, non ftatim poft ftercorationem vernalem, hoc Ifatidis, verum fequenti anno hiberno eius genere agrum conferere. Secus ta- men accidit res, fi fimus annuus aut bimulus adhibeatur, et qui inpri- mis maturuerit. Nec tale quid metuendum eft his, quorum agri fimo ouillo, ouilibus in agro diſpoſitis feu incluía fub dio retibus earum Echaf: manfione pingue fiunt. Sed videas primo in agris luxuriari plane dunger ſegetem, vnde et copiofus eius prouentus fperandus. — Altera commo- ditas eft, quod oues horum agris, qui fimo fuo ad fertilitatem p. 14. prouocantur, depaſcendo haud facile aliquid damni dare foleant, aliis quoque interim internafcentibus herbis parcentes, ad quas tamen fua na- tura feruntur. Apud nos enim, vbi noualia pecoris pafcuis dicata funt , huic generi ab codem, et praefertim ouium gregibus, ne fcilicet to- tum ambedatur aut depafcatur, periculum imminet, praefertim , vbi ad paſtus auiditatem magiftri earum fale eas follicitauerint, quemadmodum et Plinius l. 31. naturalis hiſtoriae c. 7. ait: Sale paſtus excitari, atque | (K) inui- "4 CROLACHIVS inuitari pecudes, armenta et iumenta, multo largiore la&e; et Columella libr. 7. cap. 3. huic ſententiae ſubſeribit, dum inquit: Pecudum faftidio paftores occurrere praebito fale, quod velut ad pabuli condimentum per acftatem canalibus ligneis impofitum , cum & paftu redierint, oues lam- p. 1j. bunt, atque co fapore cupidinem bibendi paícendique concipiunt. Nec diſſimile, quid Palladius refert, cum inquit: Salis tamen crebra confperfio , vel pafcuis mixta, vel canalibus frequenter oblata, debet peco- ris leuare faftidium. Extra hunc cafum autem praeguſtati falis non facile, nifi interdum paucis praemorfiunculis exceptis, huic herbae incommoda- re ſolent. Quanquam interdum aliqui fua fponte immiſſo in agrum ouili grege, fi quid aliarum herbarum profilierit, depafci curent, vbi et natura eas abhorrere ab Iſatide confpicuum eft, cum interim (modo fundus fimi ouili expers ſit:) reliquarum herbarum cupidiſſimae fint, casque fumma auiditate arripiant. Mirum fane aliquibus videri poffet, fed certa narro , tantam fcilicet inefle herbae tingendi vim atque effica- p. 16. ciam, vt etiam inteftina ouium poft eius comeftiónem viridi co- lore infecta, in macello veneant. Vbertatis tantae eft, vt, niſi in au- tumno fundus exaretur, radicibus aratro non erutis, fequentis anni vere fua fponte rurfus germina et folia producat, Quodfi tum, cum fcilicet repullulauerit, intonſus relinquatur ager, absque vlla citeriori cultura Waidt⸗ progignit culmum multicaulem et ſurculoſum, cubitali longitudi- famen. ne in fummo, flore luteo, velut folliculos multos pendulos (qua de re lege Dioſcoridem lib. 2. cap. 178.) linguarum figuram habentem, in quibus femen eft, quam fegetem , vt a reliquarum herbarum atque feminum commercio maxime immunis fit, dum manibus euellunt alie- na, inprimis cauent periti agricolae. Siliqua feu vaginula illa, quae fe- men continet, quo propius ad nigredinem accedit, eo praeftantius fe- p. ız. men iudicatur. Eft autem intrinſecus inclufum granulum oblon- gum colore, nec non magnitudine granulo finapis lutei fimillimum. Demeffa hac fegete non in horreo domeſtico, fed in agro ipío effoffa area, fub dio eam triturae deftinant, tribulisque femen exterunt atque decutiunt. Proinde huic labori commodum tempus capiendum eft, vt fcilicet coelo fereno non tantum opus inchoetur, fed ad finem quoque perducatur, alias enim pluuia interueniente, non fine magno difpendio interrumperetur negotium, Semen autem hac ratione decuſſum, ſaccis indi- DE ISATIDE. | 75 inditum domum referunt, farmentis feu ſtipulis, tanquam igni fouen- do aptis itidem referuatis. Aduigilandum eft etiam agricolis, vt tem- peftiue meflem ordiantur, ne vbi vltra maturitatem hos fruclus in agro reliquerint, ob ventorum violentiam, qui feıwinis interdum non p. 18. minimam partem ad terram profternere folent, calamitate aliqua adficiantur. Reconditur praeterea abinduftriis colonis femen iis in locis, quo fumo acceflus feu adhalatio non patet, quia dicitur eius natiuam virtutem feu vigorem naturalem annihilare, nec vti pluuiis expofitum fi. Tum enim idem metuendum. Sunt etiam, qui poft hanc meſſem, auariores fcilicet agricolae, agrum hunc interquiefcere non patiantur, fed ftatim a meſſe illa nouam fementem ingerunt, aut inarata illa, quae fole aeftuante , interea dum colligitur aut exteritur, hinc inde fua fponte diſſeminata cft, auctumnalem adhuc ifatidis meflem inde venantur. Defecta vero haec ifatidis fua fponte reuirefcens atque re- 3. Genus fruticans feges, tertium genus conftituit, quod non inconue- OMA nienter quis reftibile diceret, propterea quod in agro tanquam p.ı9. _ fpes aliqua venientis anni reftet , feu ibidem relinquatur. Quanquam de hac vocis etymologia certi nihil affirmare auſim, nifi quod hinc eam ortam augurer. Noftri brafficam, vt vocant capitatam , femicoctam at- que fale confperfam, in annuos vfus, et fibi et familiae victus loco re- ponunt, quam ipfi deinceps ſua lingua Kompeſt, Miſnenſes autem a ſa- poris aciditate Saurkraut vocant. Hinc et futuri anni fpe non admodum diffimili huic generi Iſatidis nomen a noftris impofitum opinor. Cer- tiora tamen aut verifimiliora, fi quis in medium afferre poterit, cuique per me ftabit fua fententia, Primum enim haec illis meffis emolumenti aliquid ſubminiſtrat, cum fieri poffit, prout. color illi tum pretium ad- diderit, vt non mediocrem fructum inde percipiantagricolae. De- p. 20. inde e veftigio admoto aratro , fatoque in agro hoc hordeo, ea ipfa aeftate hordeum illud ad maturitatem vsque profert illa tellus, quan- quam arifta non per omnia grauida aut exundante, propter terram ob crebras meffes viribus quodammodo exhauftam, atque natiuo fucco orba. tam. In agricolarum arbitrio fitum eft, quicquid in hoc negotio ftatue- re velint, vtrobique fiue terra inarata relinquatur feu circumaretur, et hordeum inferatur (modo fundus non infelix fit) arridentibus illis com- UO S | modi- 76 CROLACHIVS moditatibus. - Verumtamen quidquid decreuerint, hoc illis mature opus facto eft: fole enim ad nos, poft ſolſtitium hiemale propius regreſſo at- que calore fuo quaeuis e terra prouocante, intra vnam aut alteram no- p. al. ctem, hoc Ifatidis genus longiuſculo, et duriori aſcito culmo, adtisque frondibus, neque molari lapide comminui, neque apte (vnde et inuendibilior) conglomerari poteft. Vſu verit hoc primum Íegnioribus agricolis, qui negotia etiam feria non fine rerum domeſti- carum diſpendio procraftinare, et cuncta intempeftiue adminiſtrare fo- lent, contra illorum, qui de re ruftica fcripferunt praecepta, qui in agricultura cuncta ftrenue fieri praecipiunt, rebusque gerendis occupari potius legitimum tempus, quam ferius aggredi volunt, temporumque opportunitates fequendas, et in occafione rei gerendae omnem defi- diam feu tarditatem fugiendam edocent. Ac venuſtum eft, quod in Oeconomico Xezopboz refert: Opera vna, inquit, inter decem pollet, p.n, quae fit follicitior, altera vero ignauior, quae abeat ante tempus, finere autem totum diem fegniter agere, totius operis dimidium. aufert, haud aliter, quam fi in itinere ducentorum ftadiorum ex duo- bus iuuenibus aetate roboreque paribus, alter centum ftadiis diligentia fretus praeceflerit, alter fpirantes auras captando, ac ad fontes et vm- bras commorando, longe relinquatur: fic et operis in agro contingit, fi ftudium remittunt, fi oſcitantur, fi faepe cauſantur, fi herus non inſtet, longe poft habentur his qui feduli cernuntur. — Nec diffimiles fententiae apud S lomonem extant, Prouerb. 20.: Propter frigus, inquit, piger arare noluit, mendicabit ergo aeftate et non dabitur illi: et Pro- uerb. 6. Si vero impiger fueris, veniet vt fons meſſis tua, et egeftas lon- ge fugiet a te. Alios deinceps aeris intemperies, quo immaturius ma- nus admoueantur, differre comperta eft. Continuis enim caden- tibus pluuiis, aut coelo etiam nunc pluuiam minitante, propter multas caufas in tonfura moram trahere confultius eſt. Sunt praeterea, qui auatitia dementati, lucrum excellentius inde captantes, in eadem naui conftituti funt, Reſarcitur quodammodo incommodum, cum fci- licet ſeges ifthaec, feu ex incuria, feu ob aeris humidam conſtitutionem, ſeu ex amore nummi ferius demefla, intractabilior fuerit, fi in arcula vfitata, perinde vt pecoris pabulum ex ſtramine comminuitur, in mi- wird in nutiores partes diſcindatur falce ftramentaria. Peruritur huius her- bac p. ne DE ISATIDE. 77 bae fatu, et quodammodo emaciaturager, hac faltem commodi- einer tate relicta, quodſi fundus inauctumno exaretur, hordeum co- fünf pioſiſſimum, puriflimum nec non laudatiſſimum apud noftros in geſchnit- his agris fequenti anno prouenire foleat, adeo, vt iuxta 77rgi. ten. Supp. f Waidt⸗ Illius immenfae disrumpant horrea meſſes. | kg : Vbertatis eius caufa eft diligens agricultura, quae praeceffit anno fuperiore, ct ſtercoratio. Puritatis caufa eft, quia praecedenti anno manibus fere omnis internaſcens herba fublata eft. — Meffis indicia funt primo folia flauefcentia ſeu decidua. Deinde frutex latius fefe hu- mi diffundens, atque cum ad fecundum articulum, vt noftri vo- Ander cant, peruentum eft. '"Iertio odor quoque maturitatem innuit, Gelas. Nam iuxta corum, qui exactiorem líatidis culturam nouerunt, obfer. uationes, eundem odorem, quem iam domi praeparata repraeſentat, tum temporis exhibere naribus dicitur. "Vbi prima, fecunda, ter- p. 2. tia, vel etiam quarta meſſis manum poftulare videtur, conductis mercenariis caput ipfum vna cum foliis omnibus, radicibus inuiolatis , falce lata et peracuta detruncatur. Cateruatim ſub hoc anni tem- Waidt⸗ pus aduolat peregrinorum hominum ingens grex, quos noftri Po. eifen. lonos vocant, verius tamen ex agro Loebenfi feu Luccauienfi Lu- fatos eos dixeris, quorum ea eft induftria, et in demetendo tam perti- nax ftudium, vt intra paucos dies, genibus innixi, iugera aliquot fub- ſecare poffint... Horum quindecim aut plures, vnius fe fübdunt im- gofecken. perio, quem ipfi nautam vocant, quemque vt ſuperiorem ve- nerantur omnes, et ex cius praefcripto pleraque agere conſueuerunt. Locantes operas fuas, quorum hoc praecipuum officium eft, nautae in- ter alia paciſcuntur, quo inter laborandum cibus et potus fibi ſub- p. 26. miniftretur, fed, fi qui tenaciores ex noftris hoc illis dencgant, cui- dam ex fuorum numero, quem ipfi prouiforem feu oeconomum vo- cant, ne non interim fuccedat labor, de commeatu negotium dant. Pracfcribuntur illis ftatuta et viuendi apud noftros regulae, quas confti- tutiones et illuſtriſſimorum Principum Electorum et Ducum Saxoniae priuilegiis ratas habent, Facta ante diſceſſum fuum conuocatione, fi qui aes alienum conflarunt, coguntur creditoribus fatisfacere, fin dicto ' | (K 3) funt 7g CROLACHIVS funt inobedientes, exaudtorantur. Diſceſſuri a nobis ex oppidis et locis omnibus nautae omnes confluunt, conuiuioque locum in noflrorum op- pidorum fcilicet aliquo publico diuerforio congruentem deligunt, im- petrata tamen ab eius oppidi magiftratu licentia, qui hoc illis per- mittere folet, modo per temulentiam non ad arma conclament aut aliquid contra ius et fas delinquant. Parent illi, atque hilaritati dies aliquot confecrant, ſuſpenſo interim per feneftram vexillo, in quo varia artificii fui inftrumenta cernuutur depicta. Labores illis ex aequo iux- ta menſuram diſtribuuntur, fiqui fegnius fuas partes tutantur, rifum et contemtum inde auferunt. Secunda meffis fub id ferme tempus irruit, quo maturitati propinquae jam flauefcere ſegetes occipiunt, atque tum nec votis (caufa mihi incognita eft) nifi quod rubigines, quae tum cre- brae ingruunt, quidam in caufa effe dictitent, refpondet color. Quin et crebro micantia fulgura, herbae colorem adimere, vulgo creditur. p. 28. Agro tunc denudato, quo molleſcat, adeoque citius, quod vtplu- rimum poft. XLII. diem fieri confueuit, poffint refurgere meffes iuxta Virgilium glebae duriores, donec in puluerem refoluantur, con- fringuntur farculo, diffipanturque cumuli. Inftrumenta illa ferrea, qui- bus ftramenta praeciduntur, vel quibus vtuntur foenifecae, faleem foe- nariam feu ſtramentariam vulgo vocant, longo vſu attrita, atque anſa in Schur⸗ media parte transuerfim affabricata (radulam feu ferrum raforium eiſen. vulgo vocant) capuloque ligneo bicubitali longitudine indito, vtraque manu deinceps aſſumunt, iisque quicquid forte diuerſi generis eminet fruticum praecile, et non fine vulgari compendio perinde vt no- uacula feu cultro tonforio, cutis pili abraduntur, abruncare folent, Waidt⸗ ita, vt reliquae herbae immixtae, etſi non dicitus intereant, land e.. reprimantur tamen quodammodo, ne luxuriari poffint. — Aliqui ſchuren. amen opulentiores nimirum, maiori vtuntur compendio, dum vomere de aratro exemto, hoc genus inftrumenti, absque capulo ta- men, ad reſtinguendum hac ratione aliarum. herbarum. prouentum, ſubſtituant dentali, equisque aratro iunctis, hunc laborem perficiunt at- Waidt⸗ que citius ad finem perducunt. De hinc fportis ex ſubere co- fev. Jurno contextis, in agro collecta etin aceruos congefta, fi quan. do nox, priusquam auchatur, colonos anteuertit, ne caleſcat nimium aut computrefcat tandem, difhipatis hifce cumulis caueri periculum ne- cefle p. 27. DE ISATIDE. ! 79 ceffe eft. Curribus impofita ad locum, vbi commode lauari poffit , de- portatur atque in ripa praeterlabentis riuuli exoneratis curribus adſunt, qui eam raftris in aquam mergunt, quam alius deinceps intra ri- p. 39. uulum conftitutus, furca lignea excipiens a fordibus omnibus ab- luitatque repurgat. Ac ne herbarum quid vna cum flumine de- Waidt⸗ fluat, craticula lignea vtuntur pro retinaculo. Conſpicitur et hic weſchen peculiare quoddam vehiculi genus, a fronte rotulam vnam habens, qua circumagitur, et per femicirculum rotundum ex lignis colurnis feu fa- lignis, ita tamen, vt facile omnis humiditas extillare poffit, ad formam ornithotrophii contextum, cui impofita herba iam iam lota ad prata contigua deuchitur, ibique furca difperfa tamdiu ad ſolem vel Maidts aerem hinc inde raftellis explicatur atque conuoluitur, donec me- wagen. diocriter exarefcat. In arefaciendo non mediocris tum diligentia adhi- benda eft, ne quid praeter modum feu rationem arefactionis delinqua- tur, hoc eft, ne perarida neque viridis nimium colligatur, Vbi p. 3% enim emarcuerit nimium, inter molendum in tantum molleſcit, conftringiturque, (id quod etiam fit. fi non exacta maturitate ex agro tol- latur) vtplurimum cum iuxta menfuram eam venundari mos fit, hinc decedat colonis. Viridior autem adhuc moliturae deſtinata, partes eius, quae duriores funt (vnde nec tanti emitur) in iuftam mollitiem Waidt⸗ non coguntur. Imbre autem quando permaduit nimium, putre- welcken. factioni (vnde color corrumpitur) facile obnoxia eſt. Molendi lex eft, vt qui prior ad lauandum herbam adfuerit, prior etiam, vt in vulgato apud nos dicitur prouerbio, molitoris opera potiatur. Proinde ficubi fol magis aeftuat, atque, ne inarefcat nimium periculum eft, illud ipfum, quod viridius adhuc eft, illi quod ardentiore fole ficcatum eſt, denuo commiſcent, vti vires quodammodo recipiat ac refri- p. 32. geretur, quod nimis aduftum et exficcatum eft, quemadmodum las- fus ac viribus ferme deftitutus viator, praeterlabenti fluuiolo, aut alio potus genere vires amiſſas recuperat, atque fitim reſtinguit. Mirum fa- ne aliquibus, tot hoftes vnicam hanc herbam impetere. Lotam atque hac ratione ad aeftum folis explicatam lumbrici ex fubterraneis cauernis adrepentes infeſtare atque ambedere folent. — Poft arcfactionem contundi- tur molari lapide. Eft autem molendinorum in hunc vfum ex- Weist, ſtructorum apud nos duplex genus, quorum alterum füb tecto, mühle. 3 aqua- go CROLACHIVS aquarum fluxu, id quod hac ratione fieri folet, cireumuoluitur. Ex- trinfecus rota, vt vocant, aquatica irruentem riuulum alueolis fuis in- p. 3. tereipic, haec intrinfecus aliam retam fibi adiunctam et interfti- tiofam circumagitat, cui per transuerfum tertia rota internodiis ſtylis feu denticulis, ex ligno duriſſimo fabrefactis, vtplurimum autem 132, quibusdam etiam pluribus numero referta inferitur, cadem ferme molarum ratione, quibus in vrbium reliquarumque munitionum obfi- dionibus, vrgente famis neceflitate, frumenta equorum adminiculo fran- gi atque efui apta reddi cernimus, fimiliter hanc rotam ingentis firmi- tatis erecta trabe interfecante , cuius inferior pars terram attingit, fupe- riori interim parte fortiſſima contignatione munita, cui. faxum ingens adiunctum eft, herbam et Ifatidis fubftratam comminuens. — Alterum p. 3 genus, notius et vfitatius, iunctis equis, ſub dio in gyrum vertitur, vtrobique ſubſtrato tabulato, eoque rimofo lapide faxum conſpi- citur orbiculari figura ingentis molis fex vel feptem pedum altitudinem: continens, latitudine autem ſemicubitali, foris et ex ea parte, qua rotatur in ferrae modum dentatum , dentibusque vtplurimum 32 numero confpicuum. Sunt, qui hoc pofterius genus alteri praeferant, propter id, quod folis vel aeris adminiculo, fiquid in fit humiditatis coloribus contrarium facile hinc eximi, fole interim nigredinem inurente, di- cant. Verum his obiecerim, quidfi tum temporis, cadente pluuia, plus liquoris imbiberetur, quam calore folis detraheretur? Mihi prius molendini genus videtur et commodius et compendiofius, praefertim , cum agrum bonis malis colendum tradiderint rerum rufticarum periti , p; hoc eft, vt ex impendio paruo quam maximum poffis fructum tum fperare tum capere, ac mente non fanum iudicarint, qui in culturam fumptum aut impenfam fecerit, vbi fructificatio, votis agri- colae non refpondeat , feu, vbi fumtus fructum ſuperet, et impenfa lu- crum excedat. Atque interim, dum circumagitur faxum, funt, qui herbam arefactam propius aduoluunt , eamque , quo frangatur, molari lapide fubfternunt. — Alius deinceps prope faxum conſtitutus, admotam (cu aduolutam difponit ordine, cui, quocunque fe conuerterit faxum, ad eundem modum in gyrum vt fe vertat, peropus eft. Periculoſus hic Waidt⸗ illit labor eft, faxo concitato curfu et motu violentiffimo fefe cir- müder. cumuoluente. Memini ante biennium quendam, eo loco confti- tutum, DE ISATIDE. & tutum , ob circumgyrationem illam vertigine correptum, fibi ipfi p. 36. repentinae mortis auctorem fuiffe. In minuta ergo lapide molari con- tula et fucci. plena adhuc a mulierculis in pilarum formam redigi- Waidt tur, pilis magnitudinem pugni interdum aequantibus, interdum ballen. vt alibi excedentibus, quae in cratibus falignis in huiuscemodi Waidt⸗ molarum propinquo conftitutis deinceps ordine difpofitae de- burden. mum ad folis aeftum reficcantur, id quod coelo fereno aut ventis per- flantibus commode fieri folet. — Verum pluuiis intercedentibus attractis- que inde humoribus (vnde colori detrimentum) vtplurimum fpe con- cepta defraudantur coloni. Solertiores autem alicubi, quo a pluuiarum corruptelis immunem conferuare poffint , ſuperſtructo cratibus tecto fcandulari fcu ſtramineo, ne ab imbre corrumpatur, arcent periculum atque incolumitatem eius tuentur. Ad pilarum formationem va- p. 37. rium genus hominum confluit. Aduolant enim anus garrulae, Waidt⸗ approperat puellarum laſciuus grex, adſunt et pueri petulantes, ballerin ita, vt in horum conuenticulis, praeter aniles fabulas, diuini nominis execrationes et vanos rumulculos de integerrimis quibusque confictos, adeo, vt nec innocentia ab illarum obtrectationibus tuta fit , nihil ferme audias, vt non immerito ea loca mendaciolorum officinas quis nomina- uerit. Deducitur nonnunquam res a verborum contentione ad verbera, nec non in capillos interdum alter alteri inuolat, adeo, vt inter ipfos vulgatum fit, nulla coloris praeftantia Iſatiden deinceps commendatum iri, nifi res inter fe prius bello decernatur. Refertur et aliud inter ipfos vulgatum , quo dicere folent, Iſatidis fatum equis moerorem feu ma- ciem inducere, (eft enim, vt alios labores taceam, maiori ne- p. 38. gotio atque altius terra aratro profcindenda) feruis laborem pare- nu re, ancillis autem lafciuiendi occafionem praebere. De pila- pibe rum formatarum fexagefimis fingulis, molitor mercedis loco tres Aue capit, de reliquarum numero duabus vel tribus aſſumtis, quas vul- Arbeit, go iudiciales vocant. Vendituri has merces, ad oppida plerum- der Maͤg⸗ que feſtinant agricolae, vnde de tota eius bonitate, quae omnis xd ex coloris praeftantia pendet, iudicium fumitur, quem colorem Schau- fcilicet emturi facile explorant, dum pilas conuulfas feu diſcer- ballen, ptas chartis aut parietibus dealbatis illitas, quo propius colorem Blau- glaucum feu venetum , vt vocant, tum repraefentent, plurisae- ſtrich. PN ftimant. 82 CROLACHIVS à ſtimant. Sin vero color aut nullus, aut parum fibi conftans elicitur, vix dimidium pretii pro ea numerari confüetum eſt. Tandem poft tri- p. 39. duum aut quatriduum , vbi variato colore, cratibus fcilicet adhuc Waidt fuperftratae pilae, muceſcere feu fitu obduci vifae fuerint; cur- now ribus impofitae ad aedes eorum deuehuntur, iisque inferuntur | alueolis, qui eas mercati fünt, atque ibidem per menfuram em- tionis pactum feu conuentio ratificatur. Siecatas tamen comportati ne- ceffe et. Humidiores enim fi domum deportentur, vidi cuncta vermi- culis ſcatere, perinde vt cafeum infeftare folet reptilium quoddam ge- nus, quod noflri vocant Maden. Pilae alibi maiores funt, alibi mino- res, vnde et modius hinc et variat? Erfordenſis 34 aut 36. Weiffen- fcenfis totidem ferme, Gothanus vtplurimum 30, Salzenfis vtplurimum 26. Denftadianus 20 pilarum fexagenas vtplurimum capiunt. — Neqne enim toti Thuringiae, fed tot ferme locis ac oppidis et horum viciniis, P. 4e. tanquam ob fertilitatem felicioribus (Erfordenfi interim lauda- tiſſima) Ifatiden producere datum. Coloni accepto deinceps argento iuxta Firgilium: | id - - - Parto plerumque fruuntur, Mutuaque inter fe laeti conuiuia ducunt. Tunc enim fepofita omni cura fuauiter indulgent genio, cum praefertim laborum fuorum atque operofae curae fructum non contem- nendum ceperint, cultis vno anno agris biferis, triferis, et nonnun- quam quadriferis. Fidem fortaffe rei excedere videbitur, fed rem ve- ram narro, Ante annum fub ditione Erfordenfium vnicum colonum ex agris quinque líatide confitis affentiente colore centum et quinquaginta florenis vno anno ditatum. Sed haec de herba Iſatide eius fpeciebus, fatu, interpurgatione, tonſura, arefactione, lotione, molitura, con- p. 4. glomeratione ac venditione tandem dixiſſe fatis eft; nunc de prae- paratione pauca fubiiciam. , DE PRAEPARATIONE ISATIDIS. Waidt⸗ Praeparationis quoque apud alios alia ratio eſt. Sed vulgaris, bereiten. quantum quidem ego cognofcere potui, haec cft: In Wee í pilae DE ISATIDE, 83 pilae omnes in partes minutas, duriores contundi neceffe eft malleis lo- toriis, atque in aceruum trium ferme vlnarum altitudinem aequantem, quidquid ca ratione. comminutum eft, accumulatur. Pofthaec ligone ſeu bidente eius parte aliqua fubacta feu conuerſa, fübinde per vices aqua, quam ipfa imbibit, plurima fuperinfunditur. Idem fit Waidt poft biduum et quatriduum. Conſperſionis regula fcitu dignis. angieſ- fima et vtiliffima traditur, vt illi, quae in ficca aeris conftitutio- a ne prouenit, aut in ficcitate aduecta eft, plus; illi vero, quae pluuias multas experta eft, minus humiditatis aut liquoris addatur. Praefer- tur in hoc negotio paluſtris et ſtagnans aqua, quam Virgilius libr. 4. Georgicorum, inertem vocat, fontanae aut illi, quae non procul inde ſcaturit. Recoaceruatae requies conceditur vtplurimum diebus XL, -donec exardefcat inuicem, atque quod mirum dictu eft, alterius ge- neris herbas, quae fe admifcuerunt, exurat atque abfumat, praeterea , quac expugnatu difficiliora funt, vt culmi duriores, qui fe admifcue- runt. "Vnde vulgatum eft apud noftros, tolerabiliore ſumtu equum in dies auena paíci, eumque nec tantum (diminuitur. enim ea ratione aceruus) quantum Iíatidem domi congeftam atque maceratam abfumere perhibent. Sunt, qui nucum putamina viridia ( quanquam hoc p. 43. dolo malo fieri dicatur) ingerunt, quo coloribus aliquid adminiculi ac- cedat. Vidi etiam quosdam vrinam et praefertim illam, quam poft vini pocula exhaufta emiferunt potores, ftudio colligere , atque codem confilio eam afpergere. Hoc tamen non fit dolo malo, ſed ratione phyfica. Dicitur enim vrina non mediocre momentum ad hoc nego- tium afferre. Conſperſa aqua, mirum dictu, quam foetidis exhalatio- nibus repleat cuncta, fed non pudet inde. naſcens lucrum non contem- nendum, Fit autem quandoque , vt infuſa aqua, hyeme, gelu fu- pra modum faeuiente, ob nimiam humiditatem ac frigus externum, omni calore extincto cumulus totus (deferueſcat) refrigefcat, vnde et de colore defperatur. Hic opus, hic labor eft, ne cum maxima rei familiaris iactura totum illud, quicquid magno aere, ne dicam p. 44. interdum verfura, quaeſitum atque comparatum eft, ad nihilum rediga- tur, atque difpereat. ^ Reuocatur autem calor hoc modo: dum ollo ignitis referta carbonibus adhibetur, eaque in acerui medio conſtituta, fubinde per vices pars aliqua palis fuperiniecta referueſcit, quae hac (L 2) ratio- 84 CROLACHIVS ratione reaccenfa aut rurfus amota, calorem vicinis partibus impertit, donec per omnia recuperata flamma in integrum reftituatur praeparatio- nis iuſta atque legitima ratio. Vbi vero pars tantum aliqua caloris; ex- tincta eft, parte autem altera adhuc fumus conlpicitur, huc reliquum eadem plane ratione, vt prius dictum eft, ignem recepturum, congeri. tur. Deficcata cribratur, excuſſis cribro feorfim difpofitis, illa, quae p. 45. in fundo cribri refident, partes ſeilicet, quae per foramina eius transmitti non potuerunt, truncis quibusdam ligneis alligatis capulo li- gneo bicubitali longitudine, demum hinc inde fubacta conteruntur, re- coaceruanturque atque toties hinc inde aceruus conuertitur, donec tan- Waidt dem per omnia ficceícat. .'Tunc lanis inficiendis apta, et quo reiben. propius tum ad nigredinem accedit, eo pluris aeftimatur, vafis- 5 08 que abiegnis inclufa, piſtillisque arcte compacta ad exteras na- Waidt tiones exportatur, cum fere ad formam anferini feu columbini ti? ^ ftercoris redacta eft. — Vbi tünc lanis colore eius tinctis magnus len habeturhonos "Tanta enim pertinacia hi colores inhaerent pan- Waidt⸗ nis, vt nunquam ablui, nunquam, nifi lacerato tandem filo, diuel- farbe. ]i poffint. Res praecipui quaeftus et compendii, fi fortuna et- P. 45. iam mediocris afpirauerit. Maximo compendio et infigni harum regionum vtilitate nouam artem excogitarunt noftri, quo nauigiis ma- Aorem ferme partem maritima incolentibus aducherent, idque hac ra- Myle tione. Vaſa Miletum ad Vifurgis ripam curribus deportata, per an der tempus aliquod, donec flumen imbribus aut aqua niuali adau- $5079 (tum (remotis etiam nunc obſtaculis quibusdam) nauigabile red- lorum datur. Commoda expectata nauigandi. opportunitate, ad Mun- 595i. denfe tandem oppidum, quod tum Vifurgis et Fuldae amnium confluentia peninfulam conftituit, ratibus impofita deducunt, Dehinc vbi flumina illa duo coniuncta nauium maiora onera ferentium coepe- runt effe capacia, Bremam vsque maritimam vrbem exportatur. Hinc noftris cum hominibus maritima incolentibus commercia. ' Exinde enim in Thuringiam noftram eodem fcilicet nauigationis compendio, P. 47. Omnia ferme, quae ad victum et amictum, communis hominum poftulat neceſſitas, reportantur, quibus praeter id carendum nobis effet, aut certe pluris nobis ea ab exteris obtruderentur. Sed hac ratione commune nobis cft, quicquid habet Oceanus, adco, vt fi quod res eft, - dicen- DE ISATIDE 85 dicendum fit, Thuringia noftra, vna cum Haſſia, per negotiationes iſtas fa- cta fit maritima, dum ante confpectum noftrum rates, externis et ne- ceflariis mercibus onuftas, exonerari cernimus. Neque ad inferiorem folum Germaniam, fed ad fuperiorem quoque, nec non ad Saxoniam, Milniam, Silefiam , Pruffiam et totum ferme orbem terrarum extrudi- tur- Ac, wt paucis dicam ,. uod res eft, Iſatidis fatio agricolarum fpes anni eft, ciuium quocl Berrimus et Thuringiae totius columen et argentifodina, quemadmodum er clariſfimus ac doctiffimus vir p. 48. Georgius Fabricius ſcholae Mifenae Rector, amicus perpetua obſer- uantia colendus, in itinerario fuo canit: — j , His fua dona locis pariter Bacchusgue Ceresque i Oſtentant, et ditat Iſatidis herba colonos. TT Narrabo et huius rei hiftoriam non minus iocofam, quam veram atque certam : cum ex noftris quidam non infimae fortis, nec non opulentus etiam ciuis, aliquando ab aliis, qui pro acquirendo auro atque argento interiora terrae, montes etiam adeunt, admonitus effet, vt et in hoc negotio periculum aliquod et pecuniae alicuius, cum foenore illud po- fica recepturus, iacturam faceret , non minus facete, quam vere reſpon- dit, fe his, qui, vt opes accumulent, ima terrae viſcera peifoderent, fuum velle, vt cft in prouerbio, relinquere. | Caeterum fibi peri- p. 49. culoſum videri, aureo hamo, vt item. in prouerbio dicitur, pifcari. Hos enim faepe impendio maximo, illa, quae terra ad inferiora abſtru- fit atque demerfit, inquirere quidem , fed non raro denegari illis labo- rum fructum atque mercedem, immo inopiam interdum illis accedere co- mitem. Ferantur tamen illi, inquit, fuo vento. Verum mihi, porro inquit, domi mediocres agelli ſunt, Ifatide videlicet confitos intelligens, quos fi ad palmae tantum altitudinem altius exarauerit villicus meus, contentus iis, quae mihi terra, vt minime parca fumma fui parte tri- buerit, caeteris ad inferiora terrae delapſis auri atque argentifodina mi- hi certo parata eft: nos enim ex fuperna , vos ex interiore terrae parte aurum atque argentum eruitis. Adeſto tamen, vt et hoc obiter paucis admoneam, penes multos zz«síz et circumfpectio , ne vana credulitate in fraudem. illiciantur a quibusuis circumforaneis feu deceptoribus. Viderint ergo illi, quam bene mereantur de communi patria, qui ne- "i (L 3) Ício 8 „CROLACHIVS cio quam annonae caritatem ob lſatidis copiofum prouentum hinc nafci di&itant, his ego nouercam effe dixerim Thuringiam, non matrem, qui tanto emolumento, quantum quidem in ipfis, patriam orbatam ve- lint, qui diuinitus eam prae caeteris regionibus ornatam fcimus, Ac vt palam fiat, donum hoc diuinitus huic regioni conceflum , narrabo huius rei ea ratione geftam et veram hiftoriam. — Aute annos aliquot, vt ab hominibus fide. digniffimis accepi, cum homines quidam exteri , adportato hinc fecum femine agris fuis illud mandaſſent, enatum cft ita, p. sr. vt non mediocrem fpem conciperent, fore, vt et fua arua Ifatiden producerent. Abducti funt ex eorum artificum numero, qui praepara- Waidt⸗ tionis artem omnem callerant: verum cum deinceps in lanarum dan tinctura cenfurae feu probationi, vt vocant, ſubmitteretur, ni- hil nifi mentitus color inuentus eft, atque illis operam et impenſam pe- riffe, compertum eſt. Ac quod dé annonae caritate hic mihi quidam neício quae obiiciunt: hi fibi hoc refponfum habeant, me non inficias ire, hinc aliquam agris induci fterilitatem, fed tamen ea eft Thuringi- corum aruorum beatitudo, ea felicitas , tanta feracitas, huiuscemodi fertilitas (ſi tamen fertilitatis nomen meretur, quod tantis ſudoribus poft tot terrae maledictiones ex ea elicitur) vt non tantum incolis, ve. rum etiam finitimis regionibus, filvarumque praefertim accolis propter p.i. abundantiam, et quia frumento tam fortunata eft, ſufficientem vi- ctum fuppeditare poſſit. Quamquam interim illis non patrocinor, qui neglecta omni alia annona, hac herba tantum agros conferunt, Allicit praeterea colonos noftros amor nummi, et tacita quaedam ex lucro 'adepto congratulatio, quo fnndos maiori diligentia colant, ac quod non fit à defperantibus ferendis frugibus aptiores reddant. Nec diflimili amentia faſcinatos quosdam fcio, qui Ifatidis fatu pauperibus, vt lo- quuntur. panem € faucibus ſubtrahi dictitant, quos iniquos nimirum cenlores dum nimium ſapere ſtudent, plane defipere exiftimo. — Solent enim homines fortunae tenuioris, vt plurimum hinc inopiam fuam fü- ſtentare, dum fibi mercede conductis committunrur labores illi infiniti, quos requirit eius cultura et praeparatio, , quibus alias non mediocri pe- p. gj · nuria laborandum effet. Proinde non vidco, qua ratione maiores noftri ingratitudinis notam abftergere velint, qui eius nomen, qui pri- mus illis vfum huius herbae, culturam et praeparationemtradiderit, vn- quam DE ISATIDE. 97 iam obliterari paſſi fuerunt. Retulerunt quondam in diuorum nume- rum Ethnici, quicunque illis ad vitam vtilia feu neceffaria tradiderunt ; hinc Bacchum diuis annumerarunt, quodis culturam vini, Cererez: quo- que, eo quod agri culturam mortalibus tradidiſſet, diuinis honoribus dignam iudicarunt , de quo et Virgiliun- ó Prima Ceres ferro mortales vertere terram Non hoc dico, deificandos fuiffe Ésdithes mortales, quorum vita fluxa et caduca eft: quemadmodum et inftitutum rifu dignum vifum eft. De Alexandro Magno orbis terrarum domitore fcriptis proditum eſt, p. 54 cum ad ipſum imperium ferme totius orbis terrarum deuolutüm effet, eo etiam arrogantiae ipfum proceſſiſſe, vt iactaret, fe effe ſummi Iouis filium, publicisque edictis exigeret, vt haberetur ac decerneretur Deus. Hanc infaniam inter caeteros Lacedaemonii, etfi non tam aperte, im- probarunt; edito tamen huiuscemodi decreto: 2-59 6 AMéfavOgec Os BéAsva, e, Erw Gsóc, derifui habuerunt. Et extat ea de re, libro quar- to Arriani, derebus geftis Alexandri inter Anaxarchum et Calliſthenem perpulchra difceptatio. Verum hoc dico, nomen cius perpetuae me- moriae confecrandum fuiffe, qui primus harum regionum incolis ra- tionem ferendi praeparandique tot laboribus Ifatidem monftrauerit. Erant etiam nonnulla, quantus fit huius herbae in re medica vfüs, commemo- randa: verum hoc non eft mei inftituti; vide ea de re Golenum libr. 6. de fimplicium medicamentorum facultatibus: circa finem libri Dioſcori- dem libr. 2. 177. €t 178. capitibus, Plinium libr. 20. Naturalis hiftoriae cap. 7. et Aötium Jerrabibli i. ferm. 1. Sed haec de cultura et praepara- tione eius herbae , quoad tincturae apta reddatur, dixiffe fatis fit, quo ad gratiarum actionem, vt et in principio commonefeci lectorem, er- ga Deum Opt. Max. accendantur noſtti, vt pro dono diuinitus his ter- ris collato, perpetuas illi gratias agant, — Veniam autem mihi dabit ae- quus et. candidus lector, ficubi vocabulis non adeo conuenientibus vſus fum , ac meminerit, me ingreſſum viam lubricam , ac de ca re feripfifle, vbi quem imitari potuerim, non fuerit in propinquo. Neque enim vel apud antiquos neque neotericos tam exactum quid, nifi pauca p. se. quaedam, quae medicinae víum concernunt, extare memini, Singulari "8 ergo 88 CROLACHIVS ergo induftria mihi verba conquirenda fuerunt, quo rem ita ob oculos ponerem lectori, vt tamen, quid velim , facile intelligere poffet. LECTORI TFPOGRAPHFS. > LJ — Neguid vacui fpatii, non expleta charta, relingueretur, optime Le. . . , h = PL o Gor, vifum eſt, obferuationes quasdam. breues et dubitariones circa Iſatidis cultum et praeparationem, etc. viri cuiusdam eru- diti bic ſubiicere. DE TEMPORE ET MODO AGRI PRAEPARANDI. Tempus agri praeparandi eít initium Decembris. ^ Terra ipfa fumma diligentia profcinditur. (Terrae qualitas oftendenda, an ſterco- P./7. randa fit, nec ne: et num fingulis annis feratur, et num alias fruges ager ferat, num primo anno crefcat, num ager quiefcere neces- fe habeat.) Aratrum circumducunt agricolae quinque aut fex equis, _ et agri praeparatio tantum eft vnica: (hoc ego fic intelligo, quod fe- mel tantum aretur. Quaerendum: etiamfi terra fit frigore claufa, aut niue grandi tecta, numeratio differatur, aut terra frigore gelata fcindi aratro poflit). | DE TEMPORE SEMENTIS ET MESSIS, Tempus fementis putant optimum vigilias natalis Chriſti, (hoc fine dubio fuperftitiofum ,) nec illis obftat nix aut frigus, nifi fit inten- ſiſſimum. Hic exquirendum, num ſementis natura, quae fit in ex- tremo ſeilicet Decembri, melior ſit, an ea, quae eſt tardior, propter niuium maguitudinem aut frigoris iniuriam ? Semen hoc modo proie- Cuin (quaere , num denfe ferendum , aut rariter) iacet occultum, do- nec operiatur terra. "Tunc curant agrum radi cum raftro, (occari) ſi- cut folet circafrumenta fieri. (Hic etiam, qualis fiat occatio , annotan- dum.) Cum herba. primum prouenit, multum vna graminis crefcit ,. ab hoc diligenter folet purgari fatio: neque id euellitur femel aut iterum, fed quoties gramen in agro pingui perniciofe luxurians renafcitur. Haec autem euulſio, quo cft diligentior, eo copiofiorem Ifatidis pri. et melio- DE ISATIDE. 99 meliorem colorem habet. Cum eft maturitatem aſſecuta fuam , certo inftrumento demetitur herba vsque ad radicem: (quo menfe hoc fiat, addendum ;) interpofita vna aut altera feptimana, cum denuo prouenit p. 9. rurfus etiam invtili exftirpato gramine purgatur, vsque ad fecun- dam maturitatem, quod fit menſe Iulio. Tum eadem in demendo ytun- tur ratione, qua funt vfi prius. Idem faciunt tertio menfe Septembri: una enim aeftate triplicem cultoribus fructum affert. DE COLLECTIONE ET PRAEPARATIONE Collecta hoc modo ex agro plauftris vehitur ad profluentem aut lacum, ibi lauatur diligentiſſime, deinde in cefpite foli exponitur ſiccanda. Lo- ta ficcataque molitur faxo, quod à duobus equis verſatur: et redigitur in partes minutiſſimas, ita, vt color coeruleus (b/auus, vt Itali vocant imitatione linguae Germanicae) mutetur in nigerrimum. Vtuntur poftea ruſtici foeminarum opera, quae comminutam redigunt in formas pila- rum: quae pilae exponuntur foli, vt relicta humiditas penitus extra- p. 65. hatur: nam quo ficcior eft, eo ad tingendum bonitate perfectior. (Hic addendum pretium certae menfurae: item an repoſita corrumpatur: et quibus in locis conferuanda , ne corrumpatur.) In agro Mersburgenfi nafcitur herba cognomento Scharf, qua etiam tinctores vtuntur, et agreſtem Iſatidem nominant. — Eam in re herbaria verfatus quidam non Ifatidis, fed Centaurii maioris genus effe pronunciat. DEISATIDE ET LFTEA HERBA COROLLARIFM. Iſatis a Iulio Caefare libr. 5, de bello Gall. glaftum dicitur: Nomina vbi tradit, omnes fe Britannos ultro glaſto inficere, quod coeruleum efficiat colorem, atque hoc horridiores fieri in pugna afpectu. — Simile, inquit. Plinius, plautagini glaſtum in Gallia vocatur: quo Britan- p. 65. norum coniuges nurusque toto corpore oblitae in' facris nudae incede- bant, Aethiopum colorem imitantes, Hodie Galli Guadum vel potius Gualdum vocant, nonnulli S. Philippi herbam: funt, qui indicum a colore nominant, infectores praefertim, alii paftellum. Diofeorides ; egnen quoque vocari prodit, vt eadem forte fit Hippocratis igne. Her- ba haec magnum infectoribus quaeftum, Jo. Ruellio, Gallo, tefte, vfus multis regionibus adfert. Viridem (inquit) herbam truſatilibus molis pre- munt, vt herbaceam faniem excludant: dein, abacto liquore , digerunt in magnos globos, quos tabulatis in cinerem computreſcere finunt : et paitellum, plerisque locis ac effigie paſtillorum, in aquam glomerantur, | (M) nomi- 90 CROLACHIVS nominat. Hos cotinis infe&oriae coquunt officinae, et laneos pannos ac p- 62. vellera demergunt, vt coeruleum ebibant colorem. Coeruleam il- lam fpumam innatantem, quam igni conferuefcentes eructant cortinae, Indum Galli vocant infectores, Germani Endich, hanc ad pictorum vfus ſiccant. Sanguinem fiftit glaftum : Phagedaenas et putrefcentia vlcera, et quae ferpunt, fanat: item tumores ante fuppurationem. Contra ignem fa- Vires in. crum radice vel foliis prodeft, vel adlienes pota. Recentiavulnera medicina. glutinat, ideoque cruentis iniicitur. Eadem & filueftre glaftum ' praeftat: potuque et illitu lienofis auxiliatur. Lutea. Alia eſt quae Orant a Germanis vocatur, ab Hier. Trago deſcripta, Gaudum vel Gaifdum Gallis: quac Lutea Plinii et Vitruuii videri poteft, a colore florum forte fic dicta: quem et herba ficcata praefert, et eodem inficit lanas. Huic caulis eft cubitalis, ſaepe altior, toroſu. Folia prae- p. 63. longa, pinguia, arcta, los exilis, luteus: frequentes in cacumine folliculi , cruciformes, afperi, tam denſo faftigii ftipatu vt ii quandam ſpi- carum imaginem monftrent, in quibus femen includitur. Radix longalın- gularis craffaque. Multis locis per Galliam et Germaniam fponte nafcitur : fed magno iam compendio ferunt in agris. Namque eruta folo radicitus in fafces magnos cogitur, donecufurpetur ad infectus. Siccata in luteum co- lorem pallefcit, autcerte languetin pallidum: luteo quoque colore pan- nos et lanas tingit cortinis ſuffectoriis indita: quare maximus eius apud Gal- los increbuit vfus. Infe&ores colori caeruleo, quem glaftum excitauit, ſu- perinducunt, et viridem efficiunt colorem. Vitruuius inſeptimi voluminis calce, qui non poſſunt, inquit, chry- ſocolla propter caritatem vti, herba, quae luteum appellatur, coeruleum inficiunt, et utuntur viridiſſimo colore, haec autem infectiua appellatur. p- (a. Plinius, Chryfocolla (inquit) illa quoque herba tingitur, quam luteam appellant. Et paulo poft: Luteam chryfocollam ab herba lutea dictam pu- tant: quam ipfam coeruleo fublitam pro chryfocolla inducunt. In quibusdam Dioſcoridis codicibus graecis, haec adnotata reperiun- tur. Sciendum eft in his editionibus contineri errorem: nam flos lutcus, tenuiores multifidique ramuli, et in cacumine folliculi lingue fpeciem re- praefentantes, fatiuae Iſatidis funt : folliculis femen nigellae fimile contine- tur. Eft etiam fatiuae caulis non folum dn, id eft, cubitu vno al- tior: fed vzsedímmyus , hoc eft duobus. Porro ſilueſtris folia nigriora fert, quam fatiua : Caulem breuiorem, fed craffiorem: florem purpuraſcentem r 6g aut coeruleum: cruciformem, afperum, in quo femen, foliolis exili- bus, quinque partito diuifum. Haec an ita habeant, rei herbariae ftudiofi diligentius inquirent. Caulis quidem ſatiuae plus, quam bicubitalis, faepe a nobis vifus eft: filueftris autem herba, quac Iſatidi cognata fit flo- ribus purpureis, aut caeruleis, nulla adhuc cognita. FINTS Waidt⸗ Waidtbedencken das iſt, unvorgreiflichen angezeigte kön Shriachen und Kittel wie und warum dem Lande zu Thüringen vormittelſt goͤttlicher Verleihung und Segen, die zuvor⸗ hin durch den Waidtbau und deſſen Handel gehabte Nahrung, wies derum an die Hand zu geben, und zu reſtauriren, und dadurch Geld in daſſelbe zu bringen und einzufuͤhren. Item, was durch die untuͤchtigen Farben vor Schaden und Betrug er⸗ wachſe, und dagegen ein ieder Inn- und Auslaͤndiſcher vor einen Unterſcheid und Nutz, an denen mit Waidt gefaͤrbten Tuͤchern und Waaren, in Tra⸗ gung der Kleider zu empfinden. von einem, io es durch angewandten Fleiß an die Hand gebracht / und in Druck verfertiget, mit beygefuͤgten N Figuren gezieret. 9.09.49.09 09.09-05.09 99.09.99 r ̃ v gedruckt zu Erfurt, durch Tobiam Frittzſchen, im 163 1. Jahr. 177888 H * . 45 gi ati E ru € EN : "i dE se i. * rs 4 2 — — 2 : mes rc e Gas T \ N * * 5 * js E F X ee EV & CFC emnach bey itzigen ſchwierigen Zeiten von iedermaͤnniglich über den — groſſen Geldmangel, ſonderlich aber an denen Orten, fo durch die vielfaͤltigen Durchzuͤge, langwierige Einquartirungen des A LKriegsvolcks, bis auf den Grund erſchoͤpfet, heftig geklaget wird, welches dann mein liebes Vaterland, das Land zu Thuͤringen, vornemlich mit betroffen hat. Wie dann daſſelbe noch nicht weiß, wann es dieſer ſchweren Laſt, nach GOttes Willen, wieder entnommen werden moͤchte. Dagegen Handel und Wandel, wo nicht gaͤntzlichen gefallen, und zu Sumpffe gegangen, doch ſo weit in Abnehmen gerathen, daß er faſt in letzten Zuͤgen liegen thut. Dahero einen jeglichen guthertzigen Chriſten oblieget, ſolchen Schaden zu beſeufen, und GOtt um Beſſerung zu bitten, auch da es in feinen Mächten und Vermoͤgen ſtunde, demſelben zu helfen, oder doch zum wenigſten Mittel und Wege zu zeigen, zuvoraus aber, wann es ſolche Media, ſo mit GOtt und gutem Gewiſſen, unverletzter Liebe des Nechſten, und zufoͤrderſt der hohen Obrigkeit ſelbſten zu ſcheinbarlichen, und unzweiflichen Beſten, vielen tauſend Menſchen aber, ſowol Armen als Reichen, zu mercklichen Frommen gedeyen. : Als babe id) in Erinnerung, und Erwegung deſſen allen, auf folgendes Mittel gedacht, und werde ich verhoffentlich nicht zuvordencken ſeyn, weil es zum wenigſten gut von mir gemeynet; ſtehe auch in gewiſſer Zuverſicht, wann wohl verſtaͤndige, und in der Sachen erfahrne, ſowohl unpartheyiſche Handelsleute fol: ten befraget werden, ihr Gutachten hierüber zu eröffnen, fie werden nachfolgendes Mittel, nicht vor unpracticirlich befinden. | . Mnb iff andeme, daß unfer Herr GOtt, das Thüringer Land, vor andern Ländern, infonderheit mit bem Waidtwachs (dann derfelbe nirgends als in Hiſpanien und Franckreich, item im Glider Lande wachſen, aber bem Thüͤringi⸗ ſchen Waidt nicht zu vergleichen ſeyn ſoll) begabet. Welcher Waidtwachs vor⸗ nemlich die Oerter Landes beruͤhret, fo Ihrer Churfuͤrſtl. Durchl. zu Sachſen xc. W. b (M 3) meinem 94 Waidtbedencken. meinem gnaͤdigſten Herrn, dann Ihrer Fuͤrſtl. Gn. Gn. Gn. Gn. zu Aldenburg, Weimar, Coburgk, und Eiſenach, den Herren Graffen zu Schwartzburg ꝛc. und Gleichen ꝛc. gehörig, dergleichen auch um die Stadt Muͤlhauſen, und Erfurt, ge bauet wird, und dahero auſſer Zweifel Ihrer Churfuͤrſtl. Gn. zu Mayntz ꝛc. In⸗ tereſſe mit concerniren wird. | Waren Nun berichten glaubhaftige Waidthaͤndler, daß hiezuvorn des Jah⸗ res weit mehr, als vor eine Tonne Goldes (*) Waidt erbauet, und vertrieben worden, jetzo aber ſey es dahin kommen, daß, wo vor deſſen von einem Waidt⸗ Händler jährlichen auf etlich tauſend Thaler Waidt, verhandelt, ietzo gar ein Geringes, oder wohl nichts vertrieben werden koͤnnte; item, wo ein Faͤrber zu Hamburg, Bremen, Embden, Groningen, Loͤberten, Amſterdam, Leyden, Harlem, Antorff, Luͤbeck, Elbingen, Dantzig, Meiſſen und Schleſien, ſowol an viel andern Orten, und nicht alle zu fpecificiren ſeynd, hiezuvorn mehr, als 100 Faß Waidt jahrlich verfaͤrbet, je&o des Jahres kaum geben, ja wohl nur fünff Faß, verbrauchet. Welches die Urſache, daß fid) die Tuch⸗ und andere Faͤrber, an den Indig, Schmack, Galles und andere dergleichen untuͤchtige Farben, gewehnet, weil ſie mit derſelben ein Tuch und Wahre, nachdem es gut oder geringe, mit etwas wenigern Koſten, faͤrben koͤnnen, Und muß doch wohl den Namen haben, als wann die Tuche und Wahren, mit dem Waidt gefaͤrbet waͤren, deſſen ſie ſich nur zum Anſtoſſen oder Erfriſchung der Indig⸗Farben ge⸗ brauchen. Dahero ſie jaͤhrlichen, mit ſo wenig Waidt zulangen koͤnnen, wird alſo durch Vertrieb und Verbrauchung des Indigs, Schmacks, Galles und an⸗ dern untuͤchtigen Farben, den auslaͤndiſchen Handelsleuten, fo den Indig aus frembden Nationen per mare in Teutſchland bringen, der Nutz (ſintemal deſ⸗ ſen jaͤhrlich vor viel tauſend Thaler, ins Land gebracht wird) alleine zugewandt, und dargegen die gute und weit beſſere Waidtfarbe (dann ein jeder verſtaͤndiger Handelsmann, und Faͤrber muß bekennen, und geſtehen, daß der Waidt viel beſ⸗ ſer, auch weit beſtendiger, als die Indig, Schmack, Galles, und andere Far⸗ ben) ſampt der darauff beruhenden Nahrung, Handlung und Dffnemen des Lan⸗ des, oder doch zum wenigſten derer Theil Landes, do ſolcher erwaͤchſet, ſampt dem Zugang und Nutzen, fo die Chur und Landes⸗-Fuͤrſtliche hohe und andere Obrigkeit, darvon zugewarten, gaͤntzlichen zuruͤckgeſtoſſen, denn es ja aller Ver⸗ nunfft gemeß, wann ein Stuͤck Landes, alleine vor eine in demſelben erwachſene Frucht, oder Wahren, wo nicht mehr, doch zum wenigſten vor eine Tonne d A e CCC (*) Ich habe eine Tonne Goldes geſetzet, Leute aber berichten, daß fie zuvorhin drey und ſolches billig darum, damit ich nicht Tonnen Goldes des Jahres über erbauet zu weit gehen moͤchte; der Sachen erfahrne worden ſeyn ſoll. Waidtbedencken. 95 des () andern Ländern, umbs Geld zukommen laffen kann, vnd dargegen ſoviel Geldes jährlichen in ſelbiges Land bringet, daß eine ſolche hohe Poſt unter den Leuten viel Nutzen ſchaffen, auch ohne ſonderbaren Zugang und Frommen, der hohen Obrigkeit (wie nachfolgends angezeiget werden (oll) nicht zu- oder abgehen muͤſſe, und koͤnne. a Ob nun wohl von etlichen und ſonderlichen den Tuchmachern und Faͤr⸗ bern, eingewendet werden moͤgte, es waͤre gleichwohl einem billig zu goͤnnen, wann er ein Tuch oder andere Waare, mit geringen Koſten (die aber nicht groß ſeyn, und darum deſtoweniger zu bedeuten haben werden) faͤrben, item wenn der Kaͤuffer des Tuchs die Elle um 1. 2. 3. Groſchen oder Pfennige, mehr oder min⸗ der, der wohlfeilen Farbe halben, näher bekommen koͤnnte, fo bringet doch fol: ches an einem Theil, der Guͤte und Beſtaͤndigkeit der Waidtfarbe weit beſſer, als der Indig, Schmack und Gallas, weil den Indig die Sonne und Lufft, be⸗ glaubter Leute Bericht nach, ausziehen ſoll, wieder herein, anders Theils aber wird es die groſſe Menge der mit Waidt gefärbten Tücher, und Waaren thun, und das wenige, ſo die Waidtfarbe mehr koſten moͤchte, reichlichen erſetzen. Die Mittel aber, wodurch der Waidt in groſſer Menge zu vertreiben, und dargegen die Tuche, und andere Waaren, mit demſelben allein (mit Ausmu⸗ ſterung des Indigs, Schmacks, Gallas, und andern dergleichen untuͤchtigen Farben) gefaͤrbet werden muͤſten, koͤnnten unvorgriflichen diefe ſeyn: ips Wann Kayſerl. Majeſt. auf Anſuchen Ihrer Churfürftl, und Fuͤrſtl. Durchl. Durchl. Durchl. zu Sachſen ac. ſtatuirte und geböthe, daß hinfuͤhro und zu ewigen Zeiten, keine Londiſche, Schleſiſche, in⸗oder andere auslaͤndiſche Tuche, deren Elle uͤber 12. Groſchen wuͤrdig (dann mit den geringen Tuͤchern, die Elle pro 6. 7. 8. 9. oder 10, Groſchen, mag es eine andere Gelegenheit haben, und ſolche der Koſten der Waidtfarben nicht wohl ertragen koͤnnen) wie auch andere Waaren, mit Indig, Schmack und Galles, ſondern allein mit Waidt gefaͤrbet, auch bey gaͤntzlichem Verluſt derſelben, im Roͤmiſchen Reiche nicht verkauffet, weniger mit dem gewoͤhnlichen Farbe Zeichen geſtempelt werden ſolten, und hier⸗ durch den hochloͤblichſten Chur und Fuͤrſtl. Haufe Sachſen und andern Ständen, ſo dergleichen Waidt in ihren Landen und Gebieten, erbauen, gleichſam ein Pri- vilegium ertheilte, unb das wuͤrde ja, weil es ſonderlichen zu Verhütung Betrugs und Schadens, und allein darum geſchehen, daß ſowol Fremden, als . en, 96 Waidtbedencken. und andern vornehmen Staͤnden, nicht zu verſagen ſeyn, zumahlen aber auch dar⸗ um, weil es allein auf diejenige Farben, den Waidt nemlichen, angeleben, damit unſer Herr Gott Ihrer Churfuͤrſtl. Durchl. und Fuͤrſtl. Gn. Gn. Gn. Gn. Land vor andern begabet und geſchaffen, daß ſolcher beſſer und beſtaͤndiger, als der In⸗ dig, und alle andere Farben, und daß hieruͤber menniglichen, ſo ſich des Tuchs, und andere Waaren, zur Kleidung gebrauchet, gefrommet wird. Und iſt in des Heil. Rom. Reichs Policey, und der Churf. Saͤchſ. ꝛc. Landes⸗ Ordnung, heilſam vorſehen, daß der Ingwer nicht gefaͤrbet, noch Zucker, Wein, und an⸗ dere Waaren, gefaͤlſchet werden ſollen: ſo kann auch dieſes mit dem Indig, Schmack und Gallas, ſoviel diejenigen Tücher betrifft, deren Elle über 12. Goto» ſchen wuͤrdig, als nicht beſtaͤndigen Farben, wie auch mit vielen andern Waaren mehr, unzweiflichen practiciret werden. Sonderlichen und weil in des heiligen Km. Reichs⸗Policey Ordnung de Anno 1577. Tit. 2 1. ausdrücklichen ſanciret, daß der Waidt zu Faͤrbung der Tuͤcher gebrauchet, die Ueberfahrer aber der Teuf⸗ fels⸗ und untüchtigen böfen Farben halber, an Gut und Ehr 2c. ernſthaftiglich ges ſtraffet werden ſollen. i Auf welchen jetzt erzehlten Fall dann, der Waidtbau, und deſſen Ver⸗ handelung, Buͤrgern und Bauern im Lande Thuͤringen, ſo durch die bisherigen Einquartirungen, bis auf den aͤuſſerſten Grad, erſchoͤpffet, zu ihrer Wiederaus⸗ helffung und Recolligirung, nicht wenig dienſtlichen ſeyn würde, ö Wolte aber Ihrer Churf. Durchl. und Ihren Fuͤrſtl. Gn. Gn. Gn. Gn. (2.) bedencklichen fallen, dergleichen bey Kayſerl. Majeſt. zu ſuchen, da doch wann es ein Univerſal Werck, und die Indig Farbe fecundum quid aus dem Reich banniſiret wuͤrde, der Vertrieb deſto gröffer fepn, auch mehr Nutzen nach ſich ziehen würde: So koͤnnten nichts minder Ihre Churfuͤrſtl. Durchl. und Fuͤrſtl. Gn. Gn. Gn. Gn. vor ſich ſtatuiren, und gebieten, daß in Dero gantzen Chur und Fuͤrſtenthumen, Landen, und Herrſchafften keine Tuche wie auch andere Waaren, mit Indig Schmack und Gallas, bey Verluſt derſelben, gefaͤrbet, noch verkaufft werden ſolten, auch vielleicht bey andern benachbarten Chur⸗Fuͤrſten und Ständen, aus Bitt- und Freundſchafft, ſoviel erhalten, daß Sie ſich durch Ver⸗ bietung der mit Sjnbiol, Schmack und Gallas, gefärbten Tücher, wie auch ande; re Waaren, gaͤntzlichen ermoͤrbet werden, da hingegen der Waidt, dieſelbigen nicht allein gar gelinde anfallen, ſondern auch conſolidiren thut, mit Ihrer Churfuͤrſtl⸗Durchl. und Fuͤrſtl. Gn. Gn. Gn. Gn. conformirten, und wuͤrde doch dieſes Special- Verbot, ob es ſich gleich nur auf etliche Chur + Fürftenthü- mer, Graff- und Herrſchafften erſtreckete, der Indig, Schmack, Galles, und andern untuchtigen Farben, nicht allein zu Hamburg, und andern obſpecificirten Orten, ſondern auch in der Schleſien an denen daſelbſt gefaͤrbten "T und 3aaren, 1 Waidtbedencken. 97 ſchen, darmit gedienet werden ſolte) einem fo hohen Chur- und Fuͤrſtl. Hauſe, Waaren, einen mercklichen Druck geben, und ſolches Gerichte ferner in alle Sans de erſchallen, daß fid) ein jeder in- und auslaͤndiſcher für dergleichen unbeſtaͤndigen Farben, huͤten wuͤrde, ja weil in den Leipzigiſchen Maͤrckten viel tauſent Stuͤck, in⸗ und auslaͤndiſche Tuch, ſowohl viel andere Waaren mehr, vertrieben werden, wie auch Petri Pauli zu Naumburg, und ſonſten im Lande hin und wieder, eine groſſe Anzahl, ſo wuͤrde ſolches bald notoriſch und kundbar werden, zu voraus wann dieſe Verordnung bey jeglicher Stadt, da man fid) der Faͤrberey gebrau⸗ chet, öffentlich angeſchlagen, und die Indig, Galles und Schmack Farbe, bey Verlierung der Tuch und Waaren, verboten würde, | Der Nutz aber, fo man über die Beſtaͤndigkeit, und Tuͤchtigkeit der Far⸗ ben, aus Wiederanſtellung des Waidtbaues, unb deſſen Vorhandlunge, durch Gottes Segen, zu hoffen, kann in univerfali und particulari, dieſer ſeyn. In Univerfali, daß die Leute im Lande zu Thüringen andern Ländern eine Waare und zwar ohne Schmaͤlerung des Landes, mittheilen und zukommen laſſen koͤnnen, andere aber ihnen Geld, und alſo Gold und Silber, darfuͤr geben muͤſſen, ja es hat ein jeder, ſo ſich des Waidtbaues (daran ſich auch die von Adel befliſſen, denſelben vordeſſen zu pflantzen) gebrauchte, ſich gleichſam des Jahres zweyerley Einnahme und Nutzes zn getroͤſten, indeme er erſtlichen aus der Brachen (darinnen der Waidt gepflantzet wird) den Waidt Nutz einzunehmen, und hernachmahls nach abgebrachtem Waidt, das folgende Jahr, daſſelbe Feld fo vollkoͤmmlich, mit Getreydig beſtellen kann, als wann es die Brachzeit uͤber leer gelegen waͤre. | In Particulari aber wuͤrde 1. ſolches die hohe Obrigkeit wol empfinden, und zwar nicht nur an Zoll und Geleit, mit Zu- und Abfuͤhrung des Waidts, ſon⸗ dern wuͤrden auch Buͤrger und Bauren, bey habender dieſer Handlung und Nah⸗ rung, ihren Schoß, Steuer und andere Gefaͤlle, der Obrigkeit unzweiffelichen de⸗ fto beſſer entrichten koͤnnen. Dann ich von ehrlichen Leuten gehoͤret, daß man in Thüringen alfo pfleget zu reden, wann man fraget: warum dann die Leute jetzo fo unsormöglich, das dieſes zur Antwort darauf gegeben werde: es waͤre dieſes nicht die geringſte Urſache, daß der Waidthandel gantz darnieder lege, darvon dann Ihrer Churfuͤrſtl. Durchl. Dero Orten habende Amtſchloͤſſer und Raͤthe der Staͤd⸗ te, auſſer Zweiffel mehrern und beſſeren Bericht werden geben koͤnnen. Wel⸗ chem dann einig und alleine durch die unbeſtaͤndige Indig, Schmack, Galles und andere untuͤchtige Farben, Abbruch gethan wird. Und demnach billig zu beklagen, daß man dasjenige verbrauchet, und andere ausländifche damit ihren Nutzen ſchaffen, und ſuchen laͤſſet, da es doch un: 43001 TCI beſtaͤn⸗ 98 Waidtbedencken. er beftändigen Farben, und dargegen dasjenige, fo beſſer und nüßlicher, auch im far; be durch GOttes Segen erwaͤchſet, nicht vorziehen thut, cum tamen fubdito- rum maior ſemper ratio haberi debeat, quam exterorum. Georg Lorich. in Compend. reprefs : num. 165. et feq. fol. 22, 2. Würden viele arme Leute, item bey groſſer Anzahl Tagloͤhner und mißig Volck, ſo in dem Waidt zu arbeiten pflegen, ſich deſto baß zu ernehren, gu⸗ te Mitiel bekommen, und mancher fauler Geſell und Dirne, andern Leuten nicht mehr vor den Thuͤren liegen, und ihnen durch ſtetiges Anlauffen, beſchwerlich ſeyn duͤrffen. 1 3. Durch dieſes Mittel, wann Buͤrger und Bauren wieder Geld in die Hände bekaͤmen, fo würden fie gleichſam wieder lebendig werden; pecunia enim eſt alter ſanguis et nauta in hoc mundo, und unter einander anfangen, Güter zu kauffen und zu verkauffen, und ſowohl den Bierbrauern und Gaſtwir—⸗ then, als allerhand Hanbwercken, Handelsleuten und Kramern viel zuwenden und zuloͤſen geben, anderer vielfaltigen Nutzbarkeiten, ſo aus dieſem einigen Stuͤck des Waidthandels zuſchoͤpffen, und nicht zu erzehlen, oder alle erzehlet werden koͤn⸗ nen, jetzo zugeſchweigen. Siquidem fub prætextu hujus exoticæ mercis, pe- cunia ad exteras non amplius deferri poffet gentes, de quo olim Tybe- rium in Senatu conqueftum fuifle dicit Tacit. libr. 3. Annal. ^" Quod non modo noftre nationi maxime præcauendum, verum etiam a Principe hac in re maxima cura adhiberi debeat, ne fieret, Herm. Lather. de cenſu libr. 3. cap. 10. num, 10. J Nam I. 2. C. de Commerciis & Mercatoribus ſanctiſſime cautum, ne pro ullis fpeciebus aut mercibus aurum ad Barbaros transferatur, fe- cus facientes non tantum damno, verum etiam ſupplicio ſubjugentur. Und nachdem mein großguͤnſtiger Herr der Herr Erbmarſchalch der body 5 e prr 1 did 1h n zu Dreßden gerant, als mit Sr. Geſtr. und Derrl, ich von dergleichen Sachen über Tiſch difcuriret was ich dann vor ein Mittel wuͤſte? 0 fio ,,, , "M8 babe ich dieſe meine wenige Gedancken guter Wohlmeinunge unvor⸗ greifflich aufſetzen wollen. Und wolte wuͤnſchen, daß feiner Geſtr. uud Herrl. mit andern der Sachen erfahrnen Leuten hieraus communiciren, und da es für ein practicirlich Mittel befunden, weil ich bierinne habe irren koͤnnen, Ihrer Chur⸗ " Fuͤrſtl. Durchl. zu Sachſen ꝛc. meinen gnaͤdigſten Herrn unterthaͤnigſt 1 d werden f tg Al. Waidtbedencken. LM 99 werden möchte, und verbleibe feiner Geftr, und Herrl. obermeldtes Herrn Erb— marſchalchs, ꝛc. allzeit | " N " April Unterdienſtwilligſter 25. II. : . eee ND Qurrentius Niska. Und nachdem geſchehen koͤnnte, daß hierwider eingewendet werden möchte. Die Handlung wäre ein frey Ding, fo nicht zu ver⸗ bieten oder deſſen Lauff zu ſperren, indeme, fo wäre der Indig den Mahlern und Tiſchlern noͤthig, Ergo tónnte ſolcher nicht verboten werden. ! Darauf ift zu antworten 1. Daß zu Einfuͤhrung eines beſſern, und dem Lande zutraͤglichern Din⸗ ges certo reſpectu von der hohen Obrigkeit wohl ein Verbot geſchehen kann, und iff darum die Zuführ des Indigs, nicht gánflid) verboten, auch dieſes auf Mahler und Tiſchler nicht zu extendiren, ſondern alleine daß die Tuche, deren Elle über 12. Groſchen würdig, mie auch andere Tram⸗Waaren, deren man zu der Kleidung benoͤthiget, allermaſſen vor 15. 20. 30. 40. ja vor undencklichen Jahren beſchehen iſt, mit Waidt, nicht aber mit Indig, Galles und Schmack (mit welchen Farben der Kaͤuffer beruͤket wird) gefaͤrbet werden ſolten, und hat ein Handelsmann ſich über Schaden gar nicht zu beſchweren: dann wann er an⸗ ſtatt Indigs, and anderer untuͤchtigen Farben, Waidt zuleget, und ſolchen in Handlung führet, fo bat er ſchon ein Mittel, wie er den Abgang der Indig, und anderer untuͤchtigen Farben wieder hierein bringen kann. | 2. Solte ferner vorgegeben werden, es könnte ein jeder Särber mit Waidt ni mgeben | Hierauf kann geantwortet werden. ms eben feine Kunſt, und alfo das vornehmſte Stück de ipfius arte ift, fo muß er es tónnen, wenn er vor einen rechten und bewährten Engliſchen und Schleſiſchen Lacken⸗ und Blaufaͤrber geachtet und gehalten werden will, die Tuche unb Waaren auch an der Farb beſtaͤndig, und gut ſeyn ſollen. In Summa woferne GOtt das Gedeyen dazu geben will, ſo kann es nicht fehlen, oder ohne Mutzen abgehen, wann auch nur vor eine Tonne Goldes mehr Waidt, jährlis chen vertrieben, unb dargegen ſoviel Geld ins Land gebracht werden folle, als jetzo gebauet, und vertrieben wird, deſſen aber hiebevorn, bey vollem Gang der Hande⸗ lung, weit mehr vertrieben worden iſt. | Qo Warum e IOO Waidtbedencken. i F | Warum ſolte es dann vorgeſetztes Mittel, nicht auch jetzo wider dahin zu bringen ſeyn, inmaſſen dann von erfahrnen Leuten vor beſtaͤndig ausge geben wird, daß allein in der Stadt Hamburg bey tauſent Faß auf erfolgtes Verbot der böfen Farben, jahrlichen zu vertreiben ſeyn möchten, dahingegen jetzo nicht oo. Faß in Abgang gebracht werden koͤnten, ja, ſie ſeynd dieſer Gedancken, (welches aber, ob es eben zutreffen, und ſoviel als ein Umverſal⸗Verbot ausrichten koͤnne, ich an feinen Ort geſtellet ſeyn laſſe) wann gleich nur in Leipzig die India, Schmack und Gallesfarbe verboten werden ſolte, daß es dennoch nicht ohne Effect ſeyn, ſondern den boͤſen Farben einen mercklichen Stoß geben wurde. 11 TOR 3. Wolt eingewendet werden, wie ſichs denn reimete, wann andere Waaren derer Elle nur 5. 6. 7. mehr oder weniger Grofiben guͤldete, mit Waidt gefarbet werden ſolten, und doch des Autoris obi⸗ gen Meinung nach, die Tuch deren Elle weniger als 12. Groſchen wuͤrdig, die Aoften der Waidtfarben nicht ertragen koͤnnten. Darauf iſt zu antworten Daß unzweifflichen 5. 6. mehr oder weniger Stuͤcken allerhand andern Wahren, als zum Exempel an Vierdrat, weil dergleichen weit kleiner und ge⸗ ſchmeidiger gefaͤrbet werden koͤnnen, da hingegen kaum ein Tuch feiner Groͤſſe nach, gefaͤrbet werden, und Raum haben kann, wann man eines mit dem andern ver⸗ gleichen thut. Tp Endlichen kann geſchehen, daß ojieiret werden moͤgte, wäre doch vor etlichen Jahren in England auch geboten worden, keine als zuvorn daſelbſten gefärbte Tücher, und nicht weiß absufübren, wäre aber nicht lange beſtanden, ſondern hätte wieger nachgeben wer den muͤſſen; daß ein jeder feinen Belieben nach, Ne Tuche entweder weiß oder gefaͤrbet abführen mögen, derowegen koͤnnte es auch jetzo bey der gebotenen Waidtfarbe geſchehen, wann ſchon die Indig Farbe lanniſiret werden ſolte. Darauf wird abermals geantwortet. Daß es zwar wahr, daß wieder zugelaſſen worden, daß ein jeder die Tuche, feines Beliebens nach,, hatte abfuͤhren doͤrffen, wie auch noch, fie ſeynd weiß oder gefaͤrbet, und alfo darinne weiter kein Zwang: Aber es iſt billig geſche⸗ hen, weil ſich dergleichen Mangel wegen beyſeit geſetzten Waidts, anderen in En⸗ gland gefaͤrbeten Tuͤchern, ſowohl gefunden, als ſich jetzo bey der Indig, Schmack, und Gallesfarbe ereignet, indeme die Tuche wegen nicht e Jaidis, NUM * | ER Waidtbedencken. 10¹ Waidts, nicht ſo tuͤchtig in Engelland, als in Hamburg, und andern vorneh⸗ men See⸗Staͤdten, gefaͤrbet worden, darumb es wol muͤglichen geweſen, Daß. daſſelbe Verbott, mit Zulaſſung der Obrigkeit, wieder aufgehoben worden. | An Herrn Johann Loͤſern uff Pretzſch, der Hochloͤbl. Chur⸗Sach⸗ in fen Erbmarfchalten 1c Wohl Edler und Geſtrenger, Ew. Geſtr. und Herrl. ſeynd meine allzeit ganz willige und gefliſſene Dienſte zuvorn, inſonders großguͤnſtiger Herr. Demnach gegen E. Geſtr. und Herrl. ich juͤngſten zu Dreßden gedacht, ich wuͤſte ein Mittel, wie etwas Geld ins Land zu bringen. Und E. Geſtr. und Herrl. mich darauff gefraget, was es dann vor ein Mittel wäre, die Zeit und Gelegenheit es aber damahls inter prandendum nicht geben wollen. Als habe Ew. Geſtr. und Herrl. ich ſolches nicht verhalten koͤnnen, fon dern es geſtriges Tages, ob gleich einfaͤltig, doch guter - Wohlmeynung ver⸗ möge. der Beylagen uffgeſetzet, welches uff den Waidtbau und deſſen Vorhand⸗ lung gerichtet. Und moͤchte wohl wuͤntſchen, wann zumahl Ew. Geſtr. und Herrl. zuvorhero, wie ich gantzlichen hoffe, befindet, daß es cin practicirlich Mit⸗ tel ſey, daß an Ort und Enden, do man von Ihrer Churfürſtl. Durchl. zu C ad fen ꝛc. meines gnaͤdigſten Herrn, Beſten, ſowol von Uffnemen Dero Land und Leuten, zu reden pfleget, jedoch mir ohne Gefahr (wiewohl ich mich GOtt Lob, deſſen ſo weit verſichert weiß, quod confilit non fraudulenti nulla: obligatio: fit) in Deliberation gezogen werden moͤge. f Und Ew. Geſtr. und Herrl. zu dienen, bin ich ſtets gefliſſen , Datum Leipzig den 26. Aprilis Anno 1630. 5 His: Le zl Laurentius Niska. Durchlauchtigſter, Hochgebohrner Churfuͤrſt, Ew. Churfuͤrſtl. Durchl. ſeynd meine unterthaͤnigſte gehorſamſte Dienſte, getreues Fleiſ⸗ ſes jederzeit zuvorn, gnaͤdigſter Herr⸗ Demnach ein jeglicher Unterthaner dasienige, ſo Ew. Churf. Durchl. und Sere Land und Leuten, er fuͤrträglich und nüslich zu ſeyn erachtet, Ew. Eburfürſtl. Durchl. in gehorſamſter Trew unterthaͤnigſt anzuzeigen, und zu of fenbahren ſchuldig. | Gt 3) Nun 102 Waidtbedencken. 125 Nun es aber andeme, daß ich vor weniger Zeit auf Mittel gedacht, wie dem Thuͤringer Land, als meinem lieben Vaterland, ſo bißhero durch die Ein⸗ quartirungen und Durchzuͤge mercklichen erſchoͤpfet, die vordeſſen gehabte gute Nahrung, wieder an die Hand zu geben, dardurch Geld in daſſelbe zu bringen; und alfo zu feiner Recolligirung, nechſt GOtt, mercklichen zu helffen, welchen Vorſchlag ich auch folgends ſchriftlichen abgefaſt, ſo uff Wideranrichtung des Waidtbawes, und deſſen Verhandlung gerichtet. Weil beglaubter Leut Be⸗ richt nach, deſſelben des Jahres hiebevorn vor etzliche Tonnen Goldes erbawet worden. Aber dahero eine Zeitlang durch Eiufuͤhrung anderer untuͤchtigen Far⸗ ben ins Stecken gerathen iſt, da es doch mit dem Waidt dieſe Gelegenheit hat, das alle dasjenige Geld, fo daraus geloͤſet wird, im Lande verbleibet. Als Erſtlichen: Bey dem armen Mann und Tagloͤhner, ſo darinnen ar⸗ beitet, und feinen täglichen Verdienſt zu feines Leibes und der Seinigen Unterhal: tung dadurch haben kann. 2. Bey denen von Adel, Buͤrger und Bawren, ſo denſelben jaͤhrlich erbawen und pflantzen. ; | : Und dann 3. wann ſolcher Waidtbau wieder im Schwang gehet, Ew. Churfürftt, Durchl. auch an Dero Einfünften es mercklichen zu empfinden hat. Wann ich dann von etzlichen verſtaͤndigen Leuten, denen ich dieſes mein abgefaſt Waydtbedencken um Einholung mehrern Grunds willen, vertrawlich communicitet, fo weit Beyfall bekommen, daß fie die von mir angezeigten Mit⸗ tel, vor nü&lid) und practicirlich, auch ſonſten das Bedencken (ohne Ruhm zu mel⸗ den) an fic) ſelbſten für rathſam und nuͤtzlich erachtet, und mich dadurch in mei⸗ ner gegen Ew. Churfuͤrſtl. Durchl. und das Vaterland gefaſten Intention, sims lich geſtaͤrcket. : Als habe ich nicht unterfaffen ſollen, angeregt mein unvorgreiflich abge faſt Waidtbedencken, Ew. Churfuͤrſtl. Durchl. unterthaͤnigſt und gehorſambſt zu entdecken und zu erkennen zu geben. f Thue demnach Ew. Churfuͤrſtl. Durchl. zu Dero gnaͤdigſten Gutachten, und hoͤchſtvorſtaͤndigen Bedencken (weil das Werck auf Ew. Churfürſtl. Durchl. gnädigſter Beförderung beruhet) ich ſolches hiermit unterthaͤnigſt und gehorſamſt offerirem, demüthigft bittend, dieſen meinen einfaͤltigen unterthaͤnigſten Vor⸗ ſchlag gnaͤdigſt zu vermercken und aufzunehmen, ꝛc. : Ew. Churfuͤrſtl. Durchl, uuterthaͤnigſter gehor⸗ An Churfürſtl. Durchl. famfter zu Suche c. ' Laurentius Niska. Etliche Waidtbedencken. 103 Etliche Notabilia und Puncta. Wodurch Laurentius Niska ſein vorhergehend unvorgreiflich Waidtbeden⸗ cken, theils noch weiter erklaͤret, andern theils, was es mit der Indig, Schmack⸗ und Galles⸗Farben vor eine Beſchaffenheit, drittens aber, wie uͤber die Beſtaͤndigkeit der Waidtfarben, mit ſtarcker Verhandlung des Waidts, und Verbietung der untuͤchtigen Farben, beydes der Obrigkeit, in Dero Landen der Waidt erbauet wird, als auch ihren Unterthanen, Nutz geſchaft, und ſonſten maͤnniglichen, fo fid) mit Waidt gefaͤrbter Kleidung gebraucht, gefrommet wer⸗ den koͤnne. Es pfleget in gemeinem Sprichwort geſaget zu werden: Omnia proba- te, et quod bonum eſt, tenete; und dann kein Zweifel; daß der Autor des vorhergehenden unvorgreiflichen Waidtbedenckens, auch durch nachgeſetzte Erin⸗ nerungs⸗Puncta, ſeine unterthaͤnigſte ſchuldige Liebe und Treu, beydes gegen Ihre Churfuͤrſtl. Durchl. su Sachſen, 2c. feinen gnaͤdigſten Herrn, als fein ges liebtes Vaterland, an Tag geben wollen, und vielleicht nicht ohne, daß dieſe Puncta, bey vielen ein weiteres Nachdencken verurſachen moͤchten, Als iſt vor gut angeſehen worden, ſolche mit zu annectiren, und ſeynd dieſelben dieſe: 1. Daß der Judig mit Urin, falva venia, zugerichtet werden muß, dargegen der Waidt dieſe Tugend haben ſoll, daß, ſolange der Faͤrber⸗Knecht mit der geſetzten Süpen (fo bis in 50. 60. 70. mehr oder weniger Thaler koſtet) umgehet, er ſich (wie etliche Leute berichten, und ihnen in quantum geglau⸗ . dr vor Unzucht hüten muß, oder es verdirbet ihm die Küpen unter der and. 2. Iſt dieſes wohl zu obſerviren, daß wann einer zu einem Kleide, oder Mantel, Tuch, die Elle vor 3, oder 4. Thaler kauffet, Er daſſelbe s. 6. 8. 9. 10. Jaͤhre pfleglich tragen kann, hingegen ein Mantel oder Kleid, mit ndig, Schmack und Gallas gefärbet, nicht ein Jahr getragen werden koͤnne, ſo iſt es wegen Verlierung und Abſchieſſung der Farben, gantz fahlicht, und das Tuch von Haaren kahl, und ob man es gleich wenden, und auf der andern Cei ten auf kratzen laͤſet, fo muß man doch den, ertzfaden angreiffen, und währen ſolche aufgekratzte Haar auch nicht lange, ja es berichten wohlerfahrne Leute, wann ein Tuch mit Indig, Schmack und Galles gefaͤrbet, auf einem ES Tiſche 104 Waidtbedencken. " Tiſche zugerichtet und zerſchnitten wird, daß es den Tiſch, Färben uud befchmu, gen fell, (0) Ob nun wohl die Waidtfarbe hingegen etwas weniges theurer, fo ift doch dicſes alles dadurch erſetzet, daß man gutes Tuch, ein neun zehen und mehr Jahr, langer tragen kann, als dasjenige, fo mit. Indig, Schmack und Gale, angefaͤrbet, wie ſich dann auch hieruͤber die mit Waidt gefaͤrbte Tuͤcher, fein ge⸗ linde, und gleichſam, wie eine Seiden, angreiffen, auch durch die Waidtfarbe confolidiret, und feſter gemacht werden, dargegen die mit Indig gefärbten iu cher, vor harſch und ſproͤde, welches ſich auch bey den ſchwartzen Struͤmpfen er⸗ eignet, wann geſaget wird, ſchwartze halten nicht, dann ſolches ebenfalls die boͤſe Farbe cauſiret dieweil die Schmack und Galles Farbe, den Tuͤchern Struͤmpf⸗ fen, und andern Waaren, mit groſſer und ſtarcker Hitze, angekochet und ange⸗ zwungen werden muͤſſen. | N 3. Daß aber der Waidt beſſer und beſtaͤndiger als Indig, das iſt an den Sleſiſchen blauen Bettziehen zuſehen, wie offte fie auch gewaſchen werden, fo bleiben ſie dennoch beſtaͤndig blau. 5 5 Aten 4. ft dieſes in Obacht zu haben, daß der Indig gantz ausgemuſtert ſeyn muß, ſonſten bleibet der Betrug einen Weg, als den andern, daferne den Faͤrbern zugelaſſen wird, ſolchen nochmals mit unterzuſtoſſen, inmaſſen die Erfah⸗ rung ſoviele lange Jahr hero an dem beyſeit geſetzten Waidt allbereit gnugſam be⸗ zeuget hat; auch mit dem Exempel der Kipperey bewaͤhret werden kann, ſintemahl als nachgelaſſen, daß mehr rothes mit eingedrucket werden duͤrffen, ſo iſt endlich das weiſſe faſt gar aus der Muͤntze verſchwunden, und das rothe (Kupffer) alleine Darinnen verblieben, bis endlich unfer Herr GOtt durch die liebe hohe Obrigkeit, die Muͤntze in ihre alte Schrancken wieder richten laſſen. Alſo iſt es auch ein 20. 30. mehr, oder minder Jahr hero mit dem Waidt gegangen, dann ſobald es auf⸗ kommen, daß man Indig Schmack und Galles, wieder alte gute Ordnung und Gewohnheit, färben mögen, ſo ift die gute Waidt⸗Farbe (ungeachtet fie die Faͤr⸗ ber ſelbſten, wie auch andere erfahrne Leute, für die beſtaͤndigſte unter allen Far⸗ ben halten) faſt gantz ausgemuſtert worden, und zuruͤck geblieben, wie jetzo am Tage iſt, daferne aber der Indig, Schmack und Mißbrauch des Galles nicht ein⸗ geſchlichen, ſo laſſe ich einen jeglichen difcreten, uud unpartheyiſchen Biedermann E : urthei⸗ «0-000-000-0000 CC (Wie ſchaͤdlich ie boͤſen Farben ſeynd, ſert, Tit. 21. von Verkauffung der wuͤllen das iſt aus des heil. Rom. Reichs Policey Tücher, 1c. zuſehen. Ordnung zu Franckfurt Anno 1577. gebeſ⸗ (yoof! Waidtbedencken. 105 urtheilen, wenn es dieſe 20. mehr oder minder Jahre uͤber, ſieder der Indig auf kommen, und neben andern untuͤchtigen Farben gemein worden, allein bey der Waidt Farbe verblieben, und nur des Jahres vor eine Tonne Goldes mehr ab: gefuͤhret und vertrieben worden, als bishero jährlichen nicht geſchehen ift, da doch deſſen hiezuvorn mehr vertrieben worden. Ob nicht 20. oder 30. Tonnen Gol⸗ des, wann fie in 30. Jahren ſucceſſive in ein Land kommen, durch Gottes Segen, Herrn und Unterthanen frommen koͤnnen? 5 5. Iſt nicht allein um der Inlaͤndiſchen willen die Waidt⸗Farbe anzu⸗ ordnen, und die böfen untuͤchtigen Farben zuverbieten, ſondern vornemlich darum, daß andere Leute ſolchen auſſerhalb Landes holen, und dargegen Geld herein brin⸗ gen ſollen, wann ſie mit den Tuͤchern und andern Waaren, in dieſen Landen fortkommen wollen. 6. Berichtet ein vornehmer Handelsmann ſo ſtarcke Negotien treibet, daß er einen einigen Marckt vor ſich alleine, und auf ſeine eigene Hand, zum wenigſten vor 200. Thaler Indig vertreiben koͤnnte. Weil nun der Maͤrckte, mit dem Petri Pauli Marckt, vier, ſo ſeynd es des Jahres 800. Thaler, was koͤn⸗ nen andere, und vornehmere, auch auſſerhalb der Maͤrckte vertreiben? In deme zum wenigſten in einem Leipzigſchen Marckt weniger nicht, wo nicht mehr, als 20. Mas terialiſten Indig zu verkauffen haben, anderer Cramer. und Handesleute, in am deren Staͤdten, jetzo zugeſchweigen. Welchem dann um ſoviel deſto mehr geglau⸗ bet wird, dieweil ein anderer ehrlicher Mann berichtet, daß die Oſt⸗Indianiſche Compagnie in Holland, jaͤhrlichen etliche tauſend Ballen Indig bekommt, und er Anno 1626. zu Amſterdam ſelbſten geſehen, daß neben andern Waaren, 800, Ballen Indig eingebracht worden ſeynd. Nachdem nun ein Ballen zum wenig⸗ ſten 80. Pfund wieget, das Pfund aber vor einen Reichsthaler angeſchlagen, ſo betraͤget es an Gelde 640000. Reichsthaler, und iſt kein Zweifel, daß deſſen in andern See⸗Staͤdten jaͤhrlichen auch eine gute Nothdurft eingefuͤhret werde, und nun zubeſorgen, daß dieſe groſſe Menge des Indigs am meiſten in Teutfchiand, verhandelt wird, welches dahero zuſchlieſſen, daß auch in der einigen Stadt N. in Schleſien gelegen, eines andern Bericht nach, des Jahrs vor viel tauſend Reichsthaler (dann allein mit einem Faß Waidt vor etliche roo. Thaler Indig, verbraucht werden kann) vertrieben werden ſoll. Als fraget ſichs, ob nicht bey ſogeſtalten Sachen jaͤhrlichen viel tauſend Thaler, wo nicht etliche Tonnen Goldes, den auslaͤndiſchen vor Indig gegeben werden, und muß man doch den Betrug der Farben darneben haben, da ſonſten die Exteri ſoviel und wohl mehr vor Waidt ins Land bringen muͤſten, wann aber das Verbot der Indig, Schmack, Galles und anderer untuͤchtigen Farben angin⸗ ge, (dann auſſer Zweiffel die a a daß deſſen ſoviel N O) wir 106 Waidtbedencken. wird) fo wuͤrden fie binfübro nicht mehr eine fo groſſe Menge ins Land verhandeln, weniger ſoviel Geld hinausfuͤhren koͤnnen. 7. Daß aber hinter der Indig, Schmack und Galles Farbe gewiß ein Betrug ſtecken muͤſſe, das iſt dahero abzunehmen, daß in der hochloͤblichen Stadt Nuͤrnberg, bey Verluſt der Ehren den Faͤrbern geboten, daß ſie keinen Indig faͤrben duͤrfen. Ordnet nun ein Edler Rath und beruͤhmte Reſpublica zu Nuͤrn⸗ berg ein ſolches an, ſo doch nichts von Waidt, oder doch von Indig und andern Farben, ſoviel, als vom Waidt und e contra, zugewarten haben, auſſer daß ſie demjenigen, ſo das Kleid am Leibe traͤget, wohlmeintlich gefrommet wiſſen wollen, wieviel mehr kann ein hochloͤblichſter Chur- und Landes Fuͤrſt, die Indig, Schmack, Galles und andere untuͤchtige Farben verbieten, weil uͤber die Beſtaͤn⸗ digkeit der Farben, Herren und Unterthanen Nutz davon zu hoffen haben. Hier⸗ wieder nun duͤrfte von etlichen Tuchmachern und Faͤrbern, eingewendet werden, ſie waͤren jetzo gar zu arm (deſſenthalben mit ihnen billig ein chriſtlich Mittleiden zutragen) aber das hebet drum gute Ordnung nicht auf, noch kann ſie hindern, dann unter den Leuten im Thuͤringer Lande, wie ingleichen unter denen, ſo Tuch und andere Waaren, zu ihrer Kleidung erkauffen, in Hoffuung ſie werden was gutes antreffen, ſeynd auch vielleicht mehr Arme, als Reiche, zu deme ſo bringet die Beſtaͤndigkeit der Farben ohne das alles wieder herein, und kann einer 10. 11, 12. 13. 14. 15. oder weniger Thaler vor Tuch oder andere Waaren zu feiner Kleidung geben, fo wird er ja auch noch 4. y. 6. mehr oder weniger Groſchen druͤ⸗ ber bezahlen koͤnnen, und ſolches vielleicht deſto lieber, weil die Guͤtigkeit alles wieder erſetzet, und wie ein weniges die Waidtfarbe theuer ſeyn mag, alfo muß ihnen auch die Elle Tuch und andere Waaren, etwas theuerer bezahlet werden. Daß alſo der Tuchmacher oder Faͤrber nichts davon einbuͤſſet, der Kaͤuffer aber auch nicht, weil er das Tuch und andere Waaren weit laͤnger tragen kann, als dasjenige, ſo mit Indig, Schmack und Galles gefaͤrbet iſt, und wie iſt es vor Zeiten geweſen, da man von Indig nichts gewuſt, und ſeynd doch beydes Tuch⸗ macher und Waidthaͤndler, beſſeres Vermoͤgens, als jetzo geweſen, alfo kann die⸗ ſer Einwurff guter Ordnung nicht hinderlich ſeyn. 8. Ueber diß, ſo iſt der Waidt jetzo in gar ſchlechten Kauff, daß man fo genau mit demſelben als mit dem Indig, folk: farben koͤnnen. Mag aber den Faͤrbern unter andern vornemlichen darum zuthun ſeyn, daß der Waidt fleißige Aufſicht und Arbeit, auch mehr Kunſt haben will, der Indig aber faͤllet die Tu⸗ che heftig an, und ſchnell. 9. Iſt ein Exempel von Saltzbrunnen zu N. zunehmen, welcher ein groſſer Segen GOttes, weil das Saltz in menſchlichen Leben nicht zu entrathen, und kann ſeyn, daß des Saltzes, wo nicht vor 2. oder 3. Tonnen Goldes, doch vor Waidtbedencken. 105 vor viel tauſend Thaler des Jahres geſotten wird, welches auffer allen Zweiffel owol der Obrigkeit, als den Pfaͤnnern jährlichen einen groſſen Nutzen bringet. Aber dieſer Saltz Nutz kann den Waidt Nutz nicht gleich ſeyn, und ſolches ver: moͤge folgender Urſachen. Dann faſt die Helffte des Geldes, ſo aus dem Saltze m wird, aufferhalb des N. zu Erfauffung Holtzes wiederum weggeben werden muß. ' 2. Daß der Saltz Nutz nur bey etlichen Particular Pfaͤnnern, am meiſten beſtehet, und ſonſten an das Saltz zu N. (weil GOtt Lob, in andern Ländern hin und wieder der Saltzbrunnn mehr ſeynd) nicht alle Leute gebunden ſeynd. Hingegen hat es mit Erbauung des Waids (3.)dieſe Beſchaffenheit, daß weder Holtz, Kohlen, noch Eiſen darauf gewendet werden darf, dahero auch das daraus geloͤſete Geld im Lande verbleibet, nemlichen bey Reichen und Armen, ſo ſolchen erbauen, oder darinnen arbeiten, und nicht nur bey etlichen wenigen al⸗ lein, ſondern bey vielen. In mehr Händen aber nun das Geld herumgehet, je mehr Gewerb, Nahrung Handel und Nutz damit geſuchet werden kann. Und dieſemnach iſt (4.) dieſes zum Vortrieb des Waidts und deme bate von gehofften Nutz nicht ein geringes Mittel, daß es mit dem Waidt dieſe Art, daß kein Schwartz, Gruͤn, Blau, Viol und Stahlgruͤn Tuch, wie auch viel andere Gezeugk und Waaren mehr an der Farben gut und beſtaͤndig ſeyn koͤn⸗ nen, fie werden denn mit Waidt gefaͤrbet. Wann nun ein jeder In⸗ und Aus⸗ laͤndiſcher ſolches bedächte, fo wäre zu hoffen, daß der Vertrieb des Waids des ſto groͤſſer ſeyn und werden moͤchte, ſonderlichen, wann das Verbot der untuͤch⸗ tigen Farben auſſer und uͤber die Tuche, auch auf andere Waaren, als woͤllene Schnüre, item Vierdrat; Grobgruͤn, Poy, Tripp, Leydiſchen Bomſin, gemóe delten Vorſtadt, Zſchamloth und dergleichen Waaren mehr, extendiret wuͤrde, ſonſten aber weder mit dem Farb⸗Zeichen geſtempelt, noch zu verkauffen verſtattet werden ſolten. Geſtalt dann wohl ſeyn kann, daß eben der Indig, Schmack, Galles, und andere untuͤchtige Farben die Urfache, daß der Hamburger Tripp öfters fo bald und leicht bricht, und ich vielmals dergleichen ſelbſten geſehen, und es damit erfahren habe, da es doch meines wiſſens, eine mixtur oder contextum von Leinen⸗Garn und Woͤllen ift, und wann es auſſer der böfen Farb, ſonſten feſter halten koͤnnte. Wann aber die Faͤrbung mit Waidt geſchehe, ſo wird es keinen Zweifel an der Beſtaͤndigkeit mehr haben, und nicht vorgewendet werden duͤrffen, als wann der Tripp in der Farbe verbrant waͤre, ſintemahl der Waidt heiſſer nicht gebraucht wird, als man eine Hand darinnen erleiden kann. 10. Und ob wohl auch dieſes objiciret werden moͤchte, daferne die Waidt⸗Farbe wieder in Schwang US. Pr , fo würden fich bie Zeute nit 2 allein 18 Waidtbedencken. allein an dem Thuͤringiſchen Waidt binden laſſen, ſondern fid) deſſen im Guͤlicher Lande, item in Franckreich und Hiſpanien, erholen. Hierauf iſt ſchließlichen zu antworten, daß es ihnen billig zu goͤnnen, aber weil der auslaͤndiſche Waidt dem Thuͤringiſchen nicht zuvergleichen, auch oh⸗ ne dem Thuͤringiſchen Waidt fuͤr ſich alleine nicht, oder doch nicht in gleicher Zeit (weil einer laͤngſamer, als der andre zu Wercke gehet) gebrauchet werden kann, ſo werden die Leute viel lieber diejenigen Waidt (den Thuͤringiſchen) kauffen, wel⸗ chen ſie ſeiner Guͤtigkeit halben, allein und auch geſchwinder gebrauchen koͤnnen, als daß fie zweyerley Koſten treiben, und erſt Guͤlichiſchen, Sransöfifchen oder Spaniſchen, und hernach zum Zuſatz Thuͤringiſchen Waidt an ſich erhandeln ſol⸗ ten, und wann der auslaͤndiſche Waidt beſſer als der Thuͤringiſche geweſen, und noch, und allein, oder in gleicher Zeit verbrauchet werden koͤnnte: ſo wuͤrde vor Aufkommung des Indigs der Vertrieb des Thuͤringiſchen Waidts nicht ſo groß geweſen, und nicht ſo reiche Leute damals gegeben, auch nicht in gantz Thuͤringen (da deſſen meines wiſſens ietzo nicht an 10. oder 20. Orten, wie zuvorn, gebauet wird) gepflantzet worden ſeyn. Welches ich gleichwohl aus ſchuldiger unterthaͤnigſter Pflicht gegen Ihro Churf. Durchl. meinem gnaͤdigſten Herrn und dann auch aus Liebe gegen mein Vaterland gegen denjenigen, fo es Ihre Churf. Durchl. in angezeigten paffibus utilibus unterthänigft vor tragen wird, zu erinnern nicht unterlaſſen ſollen, Actum Leipzig, den 17. Octobris, Anno 1630. : — — . — Des Thüringer Landes durch GOttes Segen wiederkommende Nahrung und Reichthum, h das iſt, | Vermittelſt eines an den Curdlaudtioim Seon tigſten Füͤrſten HERAN Guſtaven Mdolpden, der Schweden, Gothen und Wenden König, Großfuͤrſten in Finnland, Hertzogen zu Eheſten und Care⸗ len, Herrn zu Ingermannland re. abgegangenen unterthaͤ⸗ nigſten Schreibens und deſſen Beylagen, ö nochmahlige | Demonftration und wahrhaftige Anzeige, auf was maß jaͤhrlichen ein groß Geld in das Thuͤringer Land einzufuͤhren und dardurch der Obrigkeit, wie auch deſſen ar⸗ men und reichen Einwohnern Nutz zu ſchaffen, und ſonſten insgemein, ſowohl denſelbigen, als andern fremden Nationen und Auslaͤndern, durch das darin angezeigte Mittel zu frommen. S e EN e e e e Leipzig, gedruckt durch Greg. Ritzſch, im Jahr 1633. ) * * * T - * : T * + 7 , - ^ * s ^ jet F n W „„ OEC Me TEES Mus Ey. KANN LT VEA , $ T ONE um SW r n L E m. ** & P T S N , ? 1 . th no js OM ee! t eatis . : "TI * - 4 ^4 n — AX o 7 T 4D 7 | VA om wt 2 N vu , Em. H hy — E , d J D 1 . g E | ie. x . ? ^ } 9 9 SUIT. 7 E 8 e ra qn AR tiim ^ * di s ii 2 9 0 hof 3 utili vpn dau f iid m sa 3011 P e eee, "E. à EO ME cmo MR o us i units 200 in gh © xf th TEC M % Mitra diio sir eines c mo " t We] ni wein Gon TREE" cc aul irs toot. cron E. ind iid (má ul cuu wir: 1 ar i mec | x | . arte 1. a | Au Rd 5 aera ft ilg 9200 Game 2 c TON RO „ „ X X 0X EUN Rs EN 3. „ ] Y NU J NS nb N 77 ^Y * * FFF An vr Königl. SRajeit. in Schweden. Durchlauchtigſter, Großmaͤchtigſter König, | Gnaͤdigſter Herr. | 9) e. cft Anerbietung meiner unterthaͤnigſten bereitwilligſten Dienſten, hoͤch⸗ Jſten Fleiſſes jederzeit bevorn, gelanget an Ew. Koͤnigl. Majeſt. mein unterthaͤnigſt Bitten, gnaͤdigſt zugeruhen, Ihr unterthaͤnigſt fuͤrbrin⸗ gen zu laſſen, deſſen Sie dann auch ſonſten, zweifels ohne, gnaͤdigſte Nachrichtung haben wird, wie daß vor etlich Jahren, faſt in gantzen Thuͤringer Lande, und unter andern auch ſonderlichen in der Erffurtiſchen Pflege ſehr viel Waidt gebauet, und ſtarcke Handlung darmit getrieben worden, alſo, daß be⸗ glaubter Leute Bericht nach, jaͤhrlichen etliche Tonnen Goldes daraus geloͤſet, ins Thuͤringer Land eingefuͤhret, und hierdurch viel tauſend Menſchen, ſowohl arme Ls reiche ihren Zugang, ſtatliche Nahrung, Reichthum und Aufnehmung haben oͤnnen. 0 Es hat aber dieſer Waidtbau und Nahrung bis auf ein weniges und geringes, viel lange Jahr, faſt gaͤnzlichen darnieder gelegen, wie auch noch, wel⸗ ches dahero erfolget, daß ſich die Faͤrber in Teutſchland an die Indig und andere untuͤchtige Farben, zuwieder des heiligen Roͤmiſchen Reichs Policey Ordnung, gewehnet. Solch Beginnen der Faͤrber hat caufiret, daß viel groſſe und hohe Summen Geldes, fo dem Thüringer Lande jährlichen vor Waidt gegeben, und darein gefuͤhret werden koͤnnen (ſintemal Gold und Silber in ein Land fuͤglicher nicht, als durch ſtarcken Lauff der Commercien, ſowohl diejenigen Gaben Got tes, wormit daſſelbe begabet, ihrer aber nicht daſelbſt beduͤrfftig iſt, ſondern an⸗ dern ums Geld zu kommen laſſen kann, Hiſpaniern und andern Ausländern vor Indig und andere untuͤchtige Farben, fo fie per mare, und ſonſt in Teutſchland bringen, zugewandt worden, wie dann auch noch taͤglichen geſchiehet. Nachdem nun zubeklagen, daß den Ausländern jährlichen ein fo groſſes und merckliches Geld vor Indig, ja etliche Tonnen Goldes zugewandt, und 1 ieſes 112 Des Thuͤringerlandes dieſes Mittel auffer dandes gefuͤhret werden (inmaffen in den Beylagen fub No. 1. 2. angedeutet) nichts minder aber menniglich unvermerckt betrogen, und dargegen der Waidtbau und Handel worvon doch die Tuͤcher und andere Waaren gefaͤr⸗ bet ſeyn ſolten, wann man die Leute recht verwahren will) gaͤntzlichen darnieder liegen, und die Loͤſung des groſſen Geldes fo man daraus kauffen und haben koͤnn⸗ te, verhindert werden ſoll. | Ein jeder redlicher und getreuer Unterthan aber, was er gutes in (eis nem Hertzen hat, und weis, und aus vernuͤnftigen Urſachen vor moͤglich haͤlt, und zu⸗ förderft dem Nechſten, uud allgemeinen Weſen nuͤtzlichen zu ſeyn befindet, fid) nach Anleitung öffentlicher Reichs-Satzung und Ordnung, mit guten] Gewiſſen practiciren laͤſt, ſolches ſeiner hohen Obrigkeit und den Vaterlande zum beſten, zu offenbaren und anzuzeigen pflichtig: N So habe ich in unterthaͤnigſter und gehorſamſter Treue, auf nachbeniem⸗ tes Mittel gedacht, ob mit göttlicher Verleihung und Segen und der hohen Obrigkeit gnaͤdigſter Befoͤrderung (an die es unterthaͤniſt gebracht, auch bey ihr beſtehet) die zuvorhin durch den Waidtbau und deſſen Handel, gehabte Nahrung, meinem Vaterlande wiederum an die Hand zugeben, und dadurch Geld in daſſel⸗ be zubringen und einzufuͤhren ſeyn wolte, bevoraus, weil das Unvermoͤgen der Leu⸗ te, eingeriffene Geld⸗Mangel, und Armuth jetzo fo groß, als daſſelbe hirzuvorn jemals geweſen ſeyn mag, auch viel verſtaͤndige Leute, denen ich dieſes mein un⸗ verhoffentliches Bedencken communiciret, dafuͤr gehalten, und noch, es waͤre dem Vaterlande febr nuͤtzich, ſowohl zu practiciren gantz muͤglich (dann die Waidtfarbe in lege imperiali publica approbiret) und nicht nur viel tauſend Armen und Reichen, ſondern der hohen Obrigkeit ſelbſten, ja auch ſonſten maͤn⸗ niglichen, er ſey Einheimiſcher oder Auslaͤnder, mit Anordnung der Waidtfarben, gedienet, dieweil zwiſchen dem Indig und andern unbeſtaͤndigen, und dann der guten Waidtfarben, ein mercklicher Unterſcheid zubefinden. Als habe Ihrer Churfuͤrſtl. Durchl. zu Sachſen ꝛc. Meinem gnaͤdigſten Herrn, zu Dero gnaͤdigſter Beförderung, ich fold) mein unvorgreiflich Beden⸗ cken, aus ſchuldigſter Pflicht und Treu, unterthaͤnigſt, und dann auch aus tra⸗ gender Liebe gegen meinem Vaterlande, offeriret, welches hernacher unter dem &ituf Waidtbedenckeu, nebſt abgewichenen 163 1. Jahres, in Erffurth oͤf⸗ fentlich gedruckt worden, wie E. Koͤnigl. Majeſt. aus beygefuͤgten Exemplar, gnaͤdigſt zuerſehen hat: Habe es aber dabey nicht bewenden laſſen, ſondern auch hierüber an etliche vornehme Leute, nach laut obberuͤhrter Beylagen No. I. 2. fet nere Erinnerungen gethan, und gebeten, ſolches an Ihre Churfuͤrſtl. Durchl. durch Mittels⸗Perſonen, bey guter Occaſion, unterthänigft an? und fuͤrzubrin⸗ gen, wiederkommende Nahrung. 13 gen, worin ich mit mehrerm remonſtriret, wieviel Tonnen Goldes jährlichen aus dem Roͤmiſchen Reich gefuͤhret, und den Auslaͤndern vor Indig gegeben wuͤr⸗ den, und muͤſte man doch den Betrug der Farben darneben haben, dahingegen auf erfolgendes, und in meinem Waidtbedencken, doch unvorgreiflichen, angezeig⸗ tes Mittel und Verboth, der boͤſen Farben, und Gebietung der guten tuͤchtigen Waidtfarben, alle dieſes Geld, im Roͤmiſchen Reich verbleiben, und, wo nicht gar, doch guten Theils, dem Thuͤringer Lande vor Waidt gegeben werden koͤn⸗ te und muͤſte, wofern anders die In⸗ und Auslaͤndiſchen, mit ihren Tuchen, und andern Waaren, in den Meſſen zu Franckfurth am Mayn und Leipzig (dieweil ar dieſen beyden Orten die vornemſten in gantz Teutſchland gehalten werden) ſowoh zu Naumburg, Franckfurth an der Oder, und allen andern Handels- und Land⸗ Städten, fortkommen wollen, welches Werck aber bey hoͤchſt⸗ ermeldter Ihrer Churfuͤrſtl. Durchl. meines gnaͤdigſten Herrn, gnaͤdigſten Anordnung, und Be⸗ lie bung nochmals beruhen thut. N Wann dann dieſes zwar einfaͤltige, doch gut gemeinte unterthaͤnigſte Be⸗ dencken, des Landes Intereſſe, wie auch der Stadt Erffurt und darzu gehoͤri⸗ gen Gebiets, notorie concerniren thut, und durch Ew. Koͤnigl. Majeſtaͤt. und Churfuͤrſtl. Durchlauchtigkeit zu Sachſen ꝛc. gnaͤdigſt Befoͤrderung, ad effectum gebracht werden kann, ſonderlich aber an beyden Oertern, Franckfurth und Leip⸗ n indem die groͤſten Meſſen daſelbſten gehalten, und die meiſten Tuch unb ans ere Waaren, an vielen tauſenden Stuͤcken, jaͤhrlichen zu feilen Kauff gebracht werden, und dieſes Bedencken verftánbiger Leute, unvorgreiflicher Meynung nach, ſich gar wohl practiciren laͤſſet, auch des gantzen Landes Intereſſe anbe⸗ trifft, wie Ew. Koͤnigl. Majeſtaͤt, aus zweyen Extracten zweyer Schreiben mit No. 3. 4. notiret, gnaͤdigſt zuerſehen hat: Als thue Ew. Koͤnigl. Majeſtaͤt ſolch mein Waidtbedencken ſamt vor⸗ und naͤchſtgedachten Beylagen fub No. r. 2. 4. 4. zu Dero gnaͤdigſten Gutachten, hoͤchſtverſtaͤndigen Bedencken und Beförderung, ich unterthaͤnigſt uͤberſenden, nicht zweiffelnde, wann dieſes Kleinod des Landes, und von GOtt ſonderbar ges ſchenckte, jetzo aber gleichfam ruhende Gabe und Nahrung, zur vorigen Nutzbar⸗ keit, durch Ew. Koͤnigl. Majeſt. und Ihre Churfuͤrſtl. und Fuͤrſtl. Durchl. Durchl. Durchl. zu Sachſen, ꝛc. (dann der angezogene Waidtwachs unterſchied⸗ liche Chur ⸗ und Fuͤrſtl. ſowol Graͤfliche Herrſchaften, und etlicher Städte Gebieth berübret, und wie es ein ſehr groſſes und wichtiges, gleich vorigen Zeiten, den Waidthandel wieder in ſtarcken Gang und Verſchluß zubringen, alſo auch durch hohe Potentaten, naͤchſt GOtt, allein zu effectuiren ſeyn will) gnaͤdigſt und gnaͤ⸗ dig befoͤrdert werden ſolte, nicht - T ehrliche Leute ſolches mit e " | a, 314 Des Thuͤringerlandes ſten, danckbaren Hertzen und Gemuͤth erkennen, ſondern auch dieſes Werck Ew. Koͤnigl. Majeſtaͤt, Ihrer Chur⸗ und Fuͤrſtl. Durchl. Durchl. Durchl. zu Sach⸗ ſen, und Graͤflichen Gn. zu Vermehrung Ihrer Einkuͤnfften gereichen, Dero ſaͤmtlichen Unterthanen aber zu ihrem mercklichen Nutzen, Aufhelffung und re- colligirung, und ſonſten insgemein jedermaͤnniglich, ſo ſich mit Waidt gefaͤrbte Kleider, darunter gewißlich die beſten und vornehmſten Tuch ſeyn muͤſſen, ge⸗ brauchet, und ſie antraͤget, zuſtatten kommen wuͤrde, geſtalt dann dieſes Werck auf erfolgtes Verboth deriböfen und untuͤchtigen Farben, dem Effect nach, nicht allein in die Länder des Roͤmiſchen Reichs, ſondern auch auf die Ausländer, wie in der Beylage No. 2. angezeiget, fic auf gewiß Maß extendiren thut. Und Ew. Koͤnigl. Majeſt. unterthaͤnigſte Dienſte hoͤchſtes Fleiſſes nach zu leiſten, bin ich jederzeit gantz bereitwilligſt. Datum Leipzig den 26. Februa- xii Anno 1632. Ew. Koͤnigl. Majeſt. unterthaͤnigſter Laurentius Niska. Anzeigung. Daß des Jahrs vor viel Tonnen Goldes Indig in Teutſchland gebracht, und dargegen das Geld dafuͤr auſſer Landes gefuͤhret wird. Dann allein den 8. Martii des 163 1. Jahres von Batavia ſieben Oſt- Indianiſche Schiffe, unter dem Commando Herrn Antonii von Diemen abgefahren, darvon ſechſe den 9. Octobr. in Texel, das ſiebende aber den 8. ejusdem. in Seeland gearriviret, deren Ladung und Waaren zuſammen, laut der Carga und gedruckten hollaͤndi⸗ ſchen Charten uff etzliche Millionen Goldes, wie Handelsverſtaͤndige dafuͤr ach⸗ ten, zu ſchaͤtzen ſeyn ſollen, darunter folgende Indig⸗Poſten mit begriffen geweſen ſeynd, als: jt | FR Carga von Deventer, ! 13539. Pf. Indigo Sircheß, " Middelburg. wiederkommende Nahrung. 115 lan pud t^ Middelburg. UM | $2734. Pf. Indigo Gouſeratſe. | fetvarben, ———0— 66996, Pf. Guſeratſche Indigo. Waſſenaer. 50795. Pf. Indigo Bajano. 32251. Pf. Indigo Chirchees. e * | Egmond. AMT. $9698. Pf. Indigo Bejana. 274332. Pf. Indigo Chirchees. an Miu ba was fünff Schiffe unter obigen ir MN an Indig uffgehabt, und mit 9e 333545. Pfund. Das Pfund, isigem gewoͤhnlichen Kauf und Preiß nach, pro 36. gr. gt rechnet; (wiewohl derſelbe am Preiß noch viel höher geſtiegen ſeyn ſoll;) fo betragen dieſe Poſten Indig uͤber fuͤnff Tonnen Goldes, und iſt kein Zweiffel, daß ſolcher Indig allein in Teutſchland vertrieben wird, (*) dieweil alle andere umliegende Koͤnigreiche, beſſere Mittel haben, denſelben in Hiſpania, oder an andern Orten, durch Schiffarth ſelbſten zu holen, als daß ſie ſolchen erſt in Teutſchland uͤber Land kaͤuffen, und mit groͤſſern Unkoſten an fic) bringen ſolten, hierdurch nun die gute und beſſere Waidtfarbe gaͤntzlichen zuruͤck geſetzt wird, bevoraus, weil der Schifs fe des Jahres immer mehr ankommen, ſo Indig mitbringen thun. Iſt demnach zu wuͤnſchen, daß ſowohl der hohen Obrigkeit, als dem Vaterlande zum beſten, ein ſo groſſes und hochnuͤtzlich Werck durch vornehme Patrioten, an gehoͤrigen Orten treulichſt erinnert und befoͤrdert werden moͤchten; bevoraus, weil dafuͤr zu achten, das jetzo der Geld» Mangel in Teutfchland fo groß, als er jemals gewe⸗ fen, demſelbigen aber der Vernunft nach, (doch GOttes Segen nichts benom⸗ 4 Qu 2. men, CCCTCTCETCTCTCVCTC(CC0 0b Nach Bezeigung ber allgemeinen Avi⸗ betragen: jedes, der Kaufleute Bericht nach, ſen, ſind im April des 1633. Jahres, drey auf 3. 4. bis 500, Reichs Thlr. gerechnet, Oſt-Indianiſche Schiffe in Holland ankom⸗ fo betragt dieſe Indig⸗Poſt 2046000, men, deren eins 886. das andre 800. das Reichs Thlr. das iſt 20. Tonnen Goldes, dritte 2406. Kartel Indig mit gebracht ha- und 46000. Thlr. 5 ben ſollen, welche zuſammen 4092. Kartel | 116 Des Thuͤringerlandes men, welcher auch andere Mittel, ja wol gar Silber und Gold⸗Gruben geben, und ſonſt uͤbernatuͤrlich ſegnen kann) fuͤglicher nicht zuhelffen, als aus eines Lan⸗ des Ueberfluß, und denſelben einem andern Lande, ſo dergleichen nicht hat, ums Geld zu kommen laſſen kann, darunter nun in Thüringen der Waidtbau und Def: ſen Handel das vornehmſte Kleinod iſt. Erinnerung. So an einen vornehmen Mann zu Dreßden abgegangen, darin noch⸗ mals demonſtriret und angezeiget wird, daß den Auslaͤndern jaͤhrlich viel Ton⸗ nen Goldes vor Indig gegeben, das Geld dadurch auſſer Landes gefuͤhret, man aber doch anders nichts, als den Betrug der Farben damit befoͤrdere und gleich⸗ ſam an ſich erkauffe, da man ſonſten wenn die boͤſen Farben abgeſchafft, nicht nur diß Geld im Lande behalten koͤnnte; ſondern auch von den Auslaͤndern vielmehr herein gebracht, oder doch wenigſtens dem Thuͤringer Lande ſoviel vor den Waidt an Geld zugebracht werden muͤſte, als die Leute in Teutſchland den Exteris vor Indig zuzuwenden pflegen. | Inſonders guͤnſtiger Herr und vornehmer werther Freund. Derſelbe hat in ſeinem juͤngſten Schreiben gegen mir erwehnet, daß der Herr N. N. wegen meines Waidtbedenckens nochmals unterthaͤnigſte Erinnerungen thun wolte, nur daß es jetzo die wiedrigen Zeiten verhinderten. Nun waͤre es zu wuͤnſchen, daß es einmal angienge, es wuͤrden vielleicht viel fromme Hertzen da⸗ für dancken, ſonderlichen aber, wann ihnen der Betrug der boͤſen Farben dete- giret ſeyn wuͤrde. Dann unter tauſenden kaum einer iſt, ſo es weiß und verſtehet. iewohl nun der Herr in den Gedancken begriffen, es waͤre jetzo nicht an der it darmit, ſo iſt dafuͤr zuhalten, es ſey Zeit. Dann hat der arme Mann jemals 5 beburfi, fo bedarff er es jeko, derowegen auf befjen Aufhelffung deſto mehr zugedencken. 5 Vors 2. kann der Buͤrger, Bauer und Edelmann in Thuͤringen das Getreidig ſaͤen und pflantzen, und darzu ackern laſſen, der arme Mann und Tag⸗ loͤhner aber darin und darbey arbeiten, ſo kann er auch zu und im Waidt arbeiten: dann das Feld, Gott lob, liegt ja noch nicht leer in Thuͤringen, ſonſten würden die Leute nicht ihren Victum haben. Koͤnnen ſie nun zum Victui arbeiten, ſo kann es auch zum amictui geſchehen; dann ſie ſtehen in der vierten Bitte beyſam⸗ men, muß auch ein Menſch ſowohl in Kriegs⸗als Friedens⸗Zeiten ein Kleid har ben. Hat er nun ein beſtaͤndig und wahrhafftig Kleid bey dem eingeriſſenen Geld⸗ mangel, ſo iſt ihm noch um ſoviel deſto mehr gedienet, und da eine en un wiederkommende Nahrung. 117 und Verbot von der hohen Obrigkeit ausginge, ſo wuͤrden ſie dieſen bevorſtehenden Fruͤchten insgemein den Waidt wieder zu pflantzen anfangen, da es ſich hingegen bis ins folgende Jahr wuͤrde verziehen muͤſſen, und kann man jetzo leichter darzu kommen, weil der Feind aus Thuͤringen, durch GOttes Beyſtand, wieder aus⸗ getrieben, alſo der Acker und Arbeitsmann ſeinem Pflug hinfuͤhro ſicherer, als vor deſſen, folgen kann. Daß ich aber dieſes nochmals gegen den Herrn wohl; meynend erinnere, daß geſchiehet zufoͤrderſt aus Liebe gegen meinem Vaterlande, und dann daß ich geſtern mit wohl politiſchen Handelsleuten, ſo ehrlich und be⸗ glaubt ſind, in ein Geſpraͤch des Waidts und Indigs gerathen, die berichten vor wahrhaftig; daß ſie dafuͤr hielten (man ſtelle es dahin, wann es gleich etwas we⸗ niger, oder die Helffte nur ſeyn ſolte, ſo waͤre es dennoch genung, wo nicht zuviel) daß jaͤhrlichen in die dreymal hundert tauſend Thaler, nur von den Einwohnen⸗ den und Eingeſeſſenen des Chur-Fuͤrſtenthums Sachſen, ꝛc. den Auslaͤndiſchen vor Indig gegeben wuͤrden, dieſe Poſt dann nicht allein im Lande verbleiben koͤn⸗ te, ſondern auf erfolgte Praxin des Waidtbedenckens, auch von den Auslaͤndi⸗ ſchen noch vielmahl mehr, fuͤr Waidt gegeben, und herein gebracht werden muͤſte, wann ſie mit ihren Tuͤchern, und allerhand andern Waaren und Gezeugen, in dieſen Landen fortkommen, und handeln wolten, und daß ich ſolches mit einem kleinem Exempel credibel mache, fo ſagte unlaͤngſten ein vornehmer Doctor und Profeſſor von Wittenberg, er wuͤſte, daß vor Zeiten in ſeinem Patria in Schle⸗ fien alle Freytage ein Waidtmarck gehalten worden, jetzo aber nicht mehr. Ein ander aber, daß ein einiger Fuhrmann vor ſich allein des Jahrs mehr als vor eine Tonne Goldes Waidt in Maͤhren gefuͤhret haͤtte. Derowegen wann das Verbot anginge, dergleichen Commercien wol wieder reaſſumiret werden muͤſten. : .. Wird nun jährlichen (ehrlicher, verſtaͤndiger, erfahrner unb! diſcreter Leute præſumtion nach) vor drey Tonnen Goldes Indig bey den Churfuͤrſtl. Saͤchſiſchen Unterthanen allein vertrieben und ſoviel Geld hinaus geſchleppet f muß folgen, daß aus bem Reich mit dem einzigen Indig, andere Dinge jc geſchweigen, von den Ausländern und Fremden jährlichen ein gewaltig Geld fin aus gefübret werden muͤſſe, dieweil auſſer dem Chur-Fuͤrſtenthum Sachſen, noch ſechs Churfuͤrſtenthume und Laͤnder, ja nicht nur ſechs Churfuͤrſtenthum, ſondern zehen Creyſe, darinnen viel Hertzog⸗ und Fuͤrſtenthuͤmer, Graff Herrſchafften, und Staͤdte, deren Innwohnere alle Kleider tragen, ſo entweder mit Waidt oder Indig gefaͤrbet ſeynd dann unter dieſen eine, zur erſten Grund- Farben oder Blauung zugebrauchen. Imo, dieſes Werck erſtrecket fic). gleichſam in die gantze Welt, und wann der Tuͤrcke oder — Mantel oder Kleid von gr m | ij 3 Tuche 119 Des Thuͤringerlandes Tuche haben will, ſo muß es mit Waidt angefaͤrbet ſeyn, oder er iſt damit be⸗ trogen. | Nun möchte aber jemand fragen, wie es dahin zubringen, daß der Waidt binfübro gebraucht werden muß? darauf ift in meinem Waidbedencken ſchon geantwortet, wann nemlichen Kayſerl. Majeſt. den hochloͤbl. Chur⸗ und Fuͤrſtl. Haufe Sachſen, ein privilegium ertheilete, oder Chur-Fuͤrſten und Stände fid) ſelbſten darüber mit einander verglichen, und es in ihren Landern, gnaͤdigſt und gnaͤdig anordneten, daß zu Färbung der Tuche, und andern Waa⸗ ren der Waidt binfübro gebrauchet, der Indig aber dargegen verboten ſeyn, auch die mit Indig gefärbten Tuch und Waaren mit der gewoͤhnlichen Farbzeichen we der geſtempelt, noch zu verkauffen geſtattet, oder wiedrigenfalls, den Ueberfah⸗ rern, als verluſtig Gut confiſcirt und hinweg genommen werden ſolten, aller⸗ maſſen folches in des heiligen Roͤm. Reichs⸗Policey⸗Ordn. de Anno 1577. Tit. 21. von Verkauff und der Wuͤllen Tücher, 2c. $. Gleichfals ꝛc. in verb. Da aber jemand, ꝛc. ausdruͤcklichen geordnet und verſehen iſt. Die Gelegenheiten aber, bie ſich darzu vornemlichen ereignen, ſeynd prin- cipaliter die beyden Platze, Franckfurth am Maͤyn und Leipzig, (darzu auch Naumburg koͤmmet.) Ich will jetzo nicht ſagen von Franckfurth an der Oder, deren Churfürſtl. Obrigkeit auf Erſuchen Churfuͤrſtl. Durchl. zu Sachſen, 2c zu gleichmaßiger Anordnung auſſer zweifel auch zubewegen ſeyn würden; dann an dieſen beyden Orten Franckfurth am Maͤyn und Leipzig, die vornemſten Meſſen in gantz Teutſchland gehalten werden. | Franckfurth anreichende, (o hat Koͤnigl. Majeſt. in Schweden, ꝛc. (fo der Handlung ſehr wol gewogen ſeyn ſoll, auch uͤber der Freyheit der Kauf und Handlung, Dero hoͤchſtruͤymliche intention, aus der zwiſchen beyderſeits Koͤnigl. Majeſt. Schweden und Franckreich, hochanſehnlichen deputirten Herren Com- miſſarien, den 13 Jan. Anno. 163 f. zu Beerwald aufgerichteten Confoedera- tion Artic. I. fattfam zu verſpuͤhren iſt) nicht allein daſſelbe; ſondern auch Er⸗ furt, und was darumb an Landſchafft mehr, Chur Maͤyntz zuſtaͤndig geweſen, innen, da der Waidt erwaͤchſet, und Handlung damit getrieben wird. Wann nun dieſes bey Koͤnigl. Majeſt. in Schweden recht an und vor⸗ gebracht wuͤrde, ſo waͤre kein Zweifel, Ihre Majeſt. als ein hochloͤblichſter Regent, bas bey dem Rath zu Franckfurth das Verbot der boͤſen Farben gar leicht er⸗ heben. ; Weiͤe nun alle Meſſen viel Hundert tauſend Stuͤck, Brabandiſche, Det; laͤndiſche, und viel andere Waaren, wie auch an Spaniſchen, Frantzoͤſiſchen und ; i ngli⸗ wiederkommende Nahrung. 119 Engliſchen Tuͤchern, dahin gebracht, von Frembden wieder eingekaufft, und andere Oerter, ſo derſelben zu ihrer Nothdurfft beduͤrffen, hinwieder verfuͤhret, alle dieſe Waaren aber, bis dato mit Waidt allein nicht gefaͤrbet ſeyn werden: Alſo wuͤrden ſie hinfuͤro ſich an den Waidt gewehnen, und den Thuͤringern jaͤhrli⸗ chen etliche Tonnen Goldes, inmaſſen vor dieſem, ehe der Indig aufkommen, und gemein worden, geſchehen ift, darfuͤr geben muͤſſen. In ſimili koͤnnte nun auch Churfuͤrſtl. Durchl. zu Sachſen ꝛc. zu Leipzig, Naumburg, und in allen andern Dero Landſtaͤdten mehr, gnaͤdigſt anordnen, und wuͤrde ſich dieſes bald geben, daß ſich die Leute darnach wuͤrden richten muͤſſen, mag aber nur daran mangeln, daß dis Werck von vornehmen Leuten bis dato bey⸗ Hofe nicht erinnert worden. Und nachdem ich aus des Herrn Schreiben verſtanden, daß der Herr N. N. dem Vorſchlag gar wol gewogen ſeyn ſolle, ſo habe ich dieſes, guter Wohlmey⸗ nung, nochmals erinnern wollen, ob es ihme oder andern vornehmen Leuten Nach⸗ dencken caufiren möchte, Solches endlichen bey Ihrer Churfuͤrſtl. Durchlaucht. data occaſione unterthaͤnigſt vorzutragen. Signatum den 28 Januarii, Anno 1632. EXTRACT Aus eines vornehmen von Adel aus Thuͤringen Schreiben, ſub dato den 19 Februarii, Anno 1632. an L. N. abgangen. wer wohlmeynendes verfaſtes Waidt⸗Bedencken, wird billich ſtetig rumi- niret, ob es etwan zum Effect zubeingen ,laffe mir auch das Schreiben an N. N. gar wohl gefallen, und ift. wahr, ungeachtet der Krieges Tru. beln dieſe und dergleichen Sachen ſich wol fénten practiciren laſſen, aber es mangelt an Leuten, fo es treiben und vorbringen. Hettet ihr einen vornehmen Patron bey Koͤnigl. Majeſt. zu Schweden, ꝛc. oder Churfürſtl. Saͤchſiſchen Hof, der dis Werck recht vorbringen koͤnte, fo were es nicht zu wiederrathen, daß es durch eine nervoefifche Supplication vorgebracht würde, ſowohl auch bey der Fuͤrſtl. herrſchafft zu Weimar, 20 bey deren Landen der Waidbau eiche i 9 7 120 Des Thuͤringerlandes Nahrung :c. getrieben wird, koͤnnet es verſuchen bey dem Koͤnigl. Schwediſchen Reichs⸗ TCantzler Herrn Oxenſtirn, ꝛc. oder dem Reichs⸗Rath Herrn Sparen, ac. des Landes Nutz und Wohlfarth kan niemand leugnen, das nicht darinnen beſtehen thut. | EXTRACT. Aus eines Rechtsgelehrten aus Thüringen Schreiben ſub dato den 15 Februarii, Anno 1632. an L. N. abgegangen. s iſt mein Vetter N. N. dieſe und vorige Woche zu Erfurt geweſen, und hat ſich des Waidtbedenckens halben, mit den ander Waidthaͤndlern unterreden wollen, wie man doch daſſelbe effectuiren, und hierüber Ihrer Koͤnigl. Majeſt. in Schweden, ꝛc. und Churfuͤrſtl. Durchl. zu Sachſen unterthaͤnigſt ſuppliciren moͤge; Aber es will keiner daran, ſondern prætendiren die ietzigen Einquartirungen der Soldaten, damit ſie viel zuſchaffen haͤtten. Weil dann dieſes des gantzen Landes Intereſſe concerniret, ſo kans auch ein Privatus vor fid) verrichten, und iff hieraus zuſehen, daß wir biu ringer in dieſem Stuͤck unſern Nutz und Frommen nicht bbſerviren thun. Regiſter ox eO jy tnl Regiſter. D PM Waidtacker muß tief gepfluͤget werden wie er zu beſtellen? 5 Adliche ſollen in Sachſen mit Waidte nicht handeln Agathyrfi werden bie gemahlten genennet Al, daſelbſt ift der beſte franzoͤſiſche Waidt . Amatus haͤlt den Indigo fuͤr den reinſten Saft vom Waibte Ancona iſt ein Waidtland Angelſaͤch ſiſche Sprache, Alter derſelben Anil, daraus wird der Indigo gemacht deſſen nutzbarer Bau in Indien Arnſtadt, ſoll eine Waidthandelsſtadt geweſen ſeyn Aunant, deſſen Anweiſung zum Seidenbau 5 deſſen Klagen uͤber den Indigo Bereitung des Waidts, ob ſie ein Geheimniß ſey Bienen, dieſen ſoll der Waidt ſchaͤdlich ſeyn Blau iffreine von den fünf Grundfarben deutet im hieroglyphiſchen Verſtande die Schoͤnheit an Blocksberg, daſelbſt waͤchſet wilder Waidt Bourdaigue, der falſche Waidt Braachwaidt, Brandenburg, daſelbſt wird Waidt erbauet Britten, faͤrbten ihre Leiber ſonſt mit Waidte Q icio (Jul.) Stelle vom Waidte wird erläutert Cardanus preifet den Waidt für das gewinnreichſte Kraut der Erden 1 wird von Scaligern ungebuͤhrlich widerleget Chillaꝛon, ein talmudiſches Wort, ſtimmt mit Glattum überein Cocaigne , un pais de, deſſen Bedeutung, N la Fete de, S XM Cochenille ift das Fundament des Purpurs Colers Beſchreibung der Waidtbereitung Corroſivfarbe wird in Reichsgeſetzen verboten N desgleichen in ſaͤchſiſchen Landesgeſetzen Crolachs Schrift vom Waidte Beſchreibung der Waidtbereitung Dio ſcorides , beffen Nachricht vom Indigo Diſteln, werden mit unter den Waidt gemenget, zum Schaden der Farbe Doͤrfer, Gothaiſche, ſuchen die künſtliche Waldtbereitung zu erhalten l Vreß den, daſelbſt foll Waidt ſeyn erbauet worden Duͤnger, welcher der beſte fuͤrs Waidtland ) ; | ( 109. u. f, 99 106 à 17 4 54 84 20 „ 47 Eben⸗ Regifter, Ge daſelbſt'iſt ſonſt viel Waidt eingeſchiffet worden 96 Einkuͤnfte, Landesherrliche, find mit bem Waidtbaue in Thüringen gefallen 140 Eiſenach, ob es eine Waidthandelsſtadt geweſen? " 84 England, daſelbſt ſind Waidtplantagen angeleget worden g 23 ob ſie dem thuͤringiſchen Waidtbaue nachtheilig? 132 Engländer ruͤhmen, daß der Waidtbau ihren Tuchfabricken behufig geweſen. 156 Erd floh, ob er dem Waidte ſchade? 53 Erfurt hat groſſen Nutzen vom Waidtbau gehabt 33 Ob es ein Monopolium mit dem Waidte gehabt? 37 Nachricht von dem Aufruhre daſelbſt 37 daſige Verordnungen wegen des Waidtbaues und Handels 85 itzige Waidthaͤndler daſelbſt 86 Ordnungen wegen des Waidtes daſelbſt Beyl. 18. u. f. Erndte, die erſte des Waidtes, und wie ſie geſchehe? : 59 bie zweyte 72 die dritte unb übrigen 74. u. f. Forbes „wie ſie von einander unterſchieden 2 f 12, I16. 120 werden in Halle in eine Zunft lzuſammen vereiniget 115 dieſe aber wieder aufgehoben 116 haben in Sachſen drey Hauptladen 118 Faͤrberkunſt, wird von Ausländern mehr, als von Teutſchen excoliret 115 Faͤrberlohn von einem Stucke Tuch 128 Jaͤrberroͤthe, Nachricht davon 8 : foll in Thüringen angebauet werden 4 ob fie nutzbarer, als ber Waidt? 28 Farbe, wie deren Beſtandigkeit zu probiren 127 N die neue ſaͤchſiſche ift unbeſtaͤndig 121 neue Farbe aus dem Waidte Vorrede 150. 156 die 5 Grundfarben, ob fie auf 3 zu reduciren? IOI Franckreich, ob für ſelbiges ber Schaden vom Verfalle des Waidtbaues ſo groß, als für Teutſchland fen ? 143 Friemar / daſelbſt bauet man viel Waidt unb Flachs 56 (9.5, erbauet Waidt : 18 Geſetze/ fo den Indigo verbieten, ob fic für aufgehoben zu halten? 119. 123 Glaskrautſwird der Waidt genennet 8 Claſtum, woher dieſes Wort komme? 8 ö Uebereinſtimmung mit dem Worte Chillasdon 103 Glaſt, deutet den Glanz und blaue Farbe an 8 Goͤrlitz hatte die Stapelgerechtigfeit des Waidts alt 42. Göttingen, daſelbſt wird Waidt gebauet 23 Gotha, hat groſſen Nutzen vom Waidte 39 daſige Anordnung wegen des Waidthandels 86 daſelbſt wird kein Waidt mehr bereitet E ^ 8e Regifter, Gotha, daſelbſt wird bie Ausfuhre des Waidtes verboten 138 zu Herſtellung des Walles daſelbſt fchieffen die Waidthaͤndler Geld vor 140 Vorſchlaͤge wegen einer Waidthandlung daſelbſt Beyl. 28 Inſtruction für die Waidtſchauer Beyl. 33 Groſſenhayn bekommt den Waidtſtapel 44 hat davon groſſen Nutzen 44 iſt itzo auſſer der Uebung deſſelben 44 Gaado in Italien, hat den Nahmen vom Waidtbaue 18 B „dieſer Stadt wird der Waidtſtapel unrecht zugeſchrieben 44 Hain oder Hageleite in daſigen Gegenden ift Waidt erbauet worden 36 Handlung mit oſtindiſchen Waaren, wie alt ſie in unſerm Welttheile ſey? II4 Handwerke, welche auf den Dörfern erlaubt find? 83 weblche fuͤr anruͤchtig gehalten worden? 83 Heinrichs des Voglrse Verordnung wegen Anbau der Städte 82 Hellot hat zuerſt die neue fächfifche Farbe entdeckt P 12 ; deſſen Vorſchlag, ben Waidt wie ben Indigo zu bereiten 100 deſſen Urtheil vom Indigo wird gepruͤfet a a 125. 126 von dem Bau und Bereitung des Waidtes in Franckreich Beyl. 47. u. f. von der Waidtkuͤpe Beyl. 54 T Urtheil von deſſen Buche ! Art de la Teinture Beyl. 58 Herbſtwaidt ; à 74 Horden, worauf die Waidtbaͤlle getrocknet werden a 67 von Hornick, deſſen Klage über den Schaden vom unterlaſſenen Waidtbau 142 SR à n nbígo, eine ähnliche Farbe kann aus dem Waidte gemacht werden Vorrede 98. 99 wie er bereitet wird 99 ingleichen Beyl. 46 Inbigoblume : 108 ift fouft anders bereitet worden, als i60 — 1 4 109 wenn er fo bereitet und nach Europa gebracht worden als er itzo iſt 114. 122. 135 wird zum Nachtheil des Waidtes eingefuͤhret 5 II4. u. f. wird mit dem Waidte in ber Blaukuͤpe vermiſcht II5. II8 wird ſcharf verboten 119 ingleichen Ü ví Benl. 126.8, 9. If ob dieſe Verbote für aufgehoben zu halten diri 119 ob er ganz zu verbieten? : 123 ob er die Tuͤcher freſſe? 124 mit dieſem allein werden die Tuͤcher nicht gefaͤrbt 126 ob er ſchoͤner und dauerhafter, als der Waidt? N 126 Preiß deſſelben a N 128 ingleichen , Beyl. 115 wie er fid) gegen den Waidt in der Farbe verhalte | 129 wie viel jährlich nach Teutſchland gebracht werde? 142. 157 M! daſelbſt wird Waidt gebauet iV 18 ungwaidt 0 73 Juſti ruͤhmet (i), die neue ſaͤchſiſche Farbe verbeſſert zu haben 121 “2 Balck, Regiſter. Kae, wird zur blauen Farbe gebraucht i 121 Rompswaidt Roa 76. 77 Born wird i&o mehr, als fonft in Thüringen gebauet 140 und zum Brandteweins Brennen und Verzinnen des Bleches verderbet 140 Bornwurmer vertreibet der Waidt N 5 7I Breide in Waidt gefärbt, wird für Indigo verkauft 104 Buͤpe, Beſchreibung derfelben a 117 ; desgleichen Beyl. 54 ENSE von bem Waidthandel daſelbſt 40. 94 daſelbſt wird eine Waidtinnung errichtet 86 daſige Waidthandlung behauptet noch vorzüglich den Waidthandel 138 Languedock iſt ein Waidtland 19 deſſen Schaden vom Verfalle des Waidtbaues 143 Linnaeus, deſſen Beſchreibung des Waidtes e 12 Luther, D. deſſen Gedancken von der thuͤringiſchen Fruchtbarkeit unb vom Waidte 134 Male an Leibern zu machen, iſt eine heydniſche Gewohnheit YII Maͤuſerwaidt ! 7i Magdeburg, im Herzogthume, foll Waidt erbauet werden Vorrede und 21 Marperger, deſſen Vorſchlag, wie dem Waidte aufzuhelfen. 145 hat keine gruͤndliche Wiſſenſchaft davon gehabt 145 Milzkraut, ſo nennet Paracelſus den Waidt 30 Muͤhlen, worauf der Waidt gemahlen wird 64. u. f. Myla, daſelbſt wird der thuͤringiſche Waidt eingeſchiffet 96 EB uci daſelbſt wird fein farbenreicher Waidt erzielet 16 Nußſchalen werden unter den Waidt gemenget 9¹ „ wird der Waidtbau recommendiret 142 Orſellle giebt ver Farbe einen Glanz 127 | PEN der falſche Waidt 16 Pfalz, daſelbſt waͤchſet viel wilder Waidt 18 Plinius, deſſen Stelle vom Waidt und Indigo wird erlaͤutert 705. u. f. Pohlen, daſelbſt wird Waidt gebauet 24. 26 Purpur, ob der Waidt das Fundament deſſelben? N 102 SA usse, thuͤringiſche, bey deren Zerſtoͤrung wird Waidt auf die plage geſtreuet 37 BVaupen, ob fie dem Waidte ſchad ? "M S er, aflor, Begifter, (nec, Nachricht davon ) ' 4 Salz, Vergleichung der Salznutzung mit ber Waidtnutzung Beyl. 107 Salzjuncker, Nachricht von dieſer Benennung 39 Schaafe, ob ſie den Waidt abfreſſen à 49 ihr Eingeweide wird vom Waidte gefaͤrbet 49 Schaaf duͤnger, ift ben Waidtaͤckern dienlich f 48 Schoͤnfaͤrber, wenn ſie in Teutſchland bekannt worden? 115 Schwerzburgiiche Dörfer haben x erbauet | 36 Schureiſen, damit wird das Waidtland gefaubert 73 Seidenbau, Vorſchlag zu deſſen Einführung in einem Lande | 152. Sonne giebt die ſtaͤrkſte Probe von Beftändigfeit ber Farben 127 Staͤdte, in ſelbigen ſollen allein Kuͤnſte und Haudwerke getrieben werden 81 Stahl D. beffen Vorſchlag, wie bem Waidtbaue wieder aufzuhelfen 144 Stifteshuͤtte ob zu Faͤrbung der Teppiche derſelben Waidt gebrauchet worden? 103 Taamſtedt ob daſelbſt Roͤthe erbauet worden? 4 trieb vormals ſtarken Waidthandel 40. 83 Taubenmiſt, in Waidt gefaͤrbter, wird für Indigo verkauft N 104 Teufelsfarbe, was darunter verſtanden werde? : 119. 122 Teutſchland / für ſelbiges ift der Schaden vom verfallenen Waidthandel gröffer, aals fuͤr Franckreich 143 Thecheleth, 2 Moſ. 36, 9. was es bedeute? ; 103 Thüringen ift ein febr geſegnetes Land 2 is din wo daſelbſt noch Waidt erbauet und bereitet wird? 3. 37. 96 wie viel daſelbſt ſonſt erbauet worden? und was er eingetragen? 34.35. 36.135 wie viel itzo daſelbſt erbauet wird 37 der thuͤringiſche Waidtbau wird mit Bergwerken verglichen ! 24 wird das goldne Vließ genannt f 42 deſſen Einkünfte zu Lutheri Zeiten 134 hat mittelſt der Werres den Handel mit den Seeſtaͤdten : 97 hat 5 Waidthandels⸗Staͤdte gehabt 36 in felbigen follten die Rathsherren auf Waidtſaͤcken fige 42 Tournefert, Beſchreibung des Waidtes 2 Trowelle Beſchreibung der engländifchen Waidtplantagen P 23 Tuchmacher haben ſonſt die Faͤrberkunſt getrieben 120 DL wird unter dem Nahmen der Teufelsfarbe verboten 119. 120 Vitruvius, deſſen Stelle vom Indigo und Waidt wird erlaͤutert 104. 105. u. f. Unkraut, davon muß das Waidtland forgfältig gereiniget werden 54. 61 Urin, damit wird der Waidt bey der Bereitung beſprenget | 91 : CUTE UE | E doi Regiſter. Were muͤſſen von fremden Orten nicht eingefuͤhret werden/ wenn man ſie im Lande ſelbſt erzeugen kann 151 Weide, andere Benennungen deſſelben NN 6 Ableitung dieſes Wortes. 6 Unterſchied unter dem wilden und guten 9 Beſchreibung deſſelben 13 der falſche AT 16 ob der gute überall gebauet werden koͤnne? 21 der mediciniſche Gebrauch deſſeiben 29. u. f. erfordert einen fetten Boden und warme Gegend 0 46 fürbt Eingeweide und Gebeine der Thiere, die ihn freſſen 49 Unterſchied unter Winter Branch? und Kompswaidt 52 wie, unb wie oft er eingeerndtet wird? $7. u. f. 75 ob der thuͤringiſche den franzoͤſiſchen uͤbertreffe? 58 muß bey trocknem Wetter eingeſammlet werden 61 wird auf Muͤhlen gemahlen 64 geballet 64 zehret den Acker ſehr aus N 78 die Bereitung und der Handel damiitigehört für die Staͤbte 83 ingleichen sid Beyl. 34. u. f. wie er zum Faͤrben bereitet wird 87. u. f. der franzoͤſiſche wird anders, als der thuͤringiſche traetiret 88 kann bey der Bereitung leicht verderben 91 der bereit ete wird in Faͤſſern verfuͤhret 02. 95 in Franckreich in Saͤcken 88 ſiehet wie Taubenmiſt aus 92 ob er überall von gleicher Guͤte? 94 ſollte nicht fo bald verfuͤhret werden 95 t Preiß deſſelben 96 Vertrieb deſſelben 96 ſollte anders, als auf die bisherige Art, bereitet werden g 97. 150 wie dieſes geſchehen muͤſſe? Vorrede. wird ſchon zu unſers Heylandes Zeiten zum Faͤrben gebraucht 104 damit mablten fid) ehedem die Britten an den Leibern g 109 Alterthum des Gebrauchs deſſelben in Teutſchland B. 113. 120 ſoll nicht auf den Doͤrfern aufgekauft werden n Beyl. 8 hat einen Vorzug vor andern Pflanzen im Faͤrben 1. 5 giebt eine feſtere Farbe, als der Judigo 8 vr d 5 ob heutiges Tages mit bem Waidt ohne Indigo gefärbt werden koͤnne? 127 der bereitete iſt nicht mehr ſo gut, als ſonſt 128 wird der Abgott vieler, die ihn bauen, genennet 134 Verfall deſſelben in Thüringen ˖ 3. 235. u. f. 138 über den ſchlechten Waidt werden Proceſſe gefuͤhrt 137 Waidt, Regiſter. Waidt, Schaden vom Verfalle des Waidtbaues in Thuͤringen Klagen daruͤber Einkünfte davon für Landesherren und Unterthanen Verfall des franzoͤſiſchen Waidtbaues wie ihm wieder aufzuhelfen ſey? Vorſchlag, wegen Regulirung des Preiſſes deſſelben Waidaͤcker tragen in folgenden Jahren reine Gerſte Anſchlag ider Koſten und des Profits von einem Acker Waidtboͤlle, wie fie gemacht werden? wieüe ſie probiret werden? Groͤſſe der ſelben Preiß derſelben Verwahrung derſelben Waidtbau iffjeinträglich deſſen Verfall und Urſachen 139 IAI. u. f. 140 5 143 844. u. f. 149. 153 148 25. 35. 72 131. 133. u. f. Waidtboͤden, auf felbige wird das Waffer, zum Angieſſen des Waidts, geleitet 89 Waidtfaͤrber haben in Leipzig, Breßlau, Hamburg und Danzig eine eigne Innung 116 Waidtfaͤſſer N Waidtglocke in Erfurt 96 Beyl. 18 waidthandel, wie demſelben aufzuhelfen, wird vom Kayſer und Reich in Ueberlegung gezogen ^ ; Herzogl. Sachfifche Verordnungen davon Stadtordnungen : Waidthoͤndler, über dieſe klagen bie Waidtbauere Waldthaufen, Gröffe derfelben bey der Bereitung Waidtjuncker, woher dieſe Benennung gekommen? Waidtknechte H Waidekuͤpe, Beſchreibung derſelben ingleichen Waidtland, bedeutet ein geſegnet Land Waidtmutter, ſo wird in Thuͤringen der falſche Waidt genennet iſt der Farbe des guten ſchaͤdlich Waidtordnung, erfurtiſche Waidtſaamen, Beſchreibung deſſelben ingleichen 5 will nicht aus Thuͤringen gelaſſen werden ob es gut, ihn vor der Ausſaat in Miſt einzuquellen? wie viel auf einen Acker gerechnet werde? muß gereinigt werden wie er erzielet wird? muß fuͤr Rauche und Luft verwahret werden 45 Beyl. 13717 Beyl. 18 132, 136. 139. 148 93 39 95 117 Beyl. 54 19 16 17 Beyl. 20. 24 14 Bepl. 49 22 79 qa idtſaa⸗ Regiſter. Waidtſaamen Preiß deſſelben hält fich lange wird betrüglicher Weiſe mit wilden vermiſcht Waidtſchauer, Inſtruction für dieſelben Waidtſtapel Waſſer, welches zum Angieſſen des Waidts das befte? Wau ſo wird der normandiſche geringe Waidt genennet Wedel, D. ſchlaͤgt eine andere Bereitungsart des Waidtes vor deſſen Beſchreibung des Waidtes V.. Weinmann deſſen Beſchreibung des Waidtes Weiſſenſes, hat ſonſt Handel mit Waidt getrieben Auszug aus einer alten Geleitsrolle daſelbſt wenden, verrichteten ſonſt in Thuͤringen die Arbeit bey der Waidterndte Winterwaldt wird im Winter beſtellet Wuͤrtenberg / daſelbſt waͤchſet viel wilder Waidt inck, D. deſſen Nachricht von Faͤrbern und färben Zittau, bekommt den Waidtſtapel Zwiebeln, davon hat das Dorf Schwerſtaͤdt gute Nahrung ln INK 8 IN HALLE ES me Mtt ! [m gedruckt bey e $5 A i, „Joh. Jac. Curten, 4) ) 8 \ \ Uniderſit. Buchdr. FL x ( 175L G HG 15 8 Beyl. 42. KR Io 4I 4¹ 62 52 17 N =: IQ LN SI IR N n — N N — — = LZ nn 3 xam St I y 1 v ZETA * 17 MV (d Nd \ 0 N 1 4 \ M 9 Win NN INN jl) V Boston Public Library Central Library, Copley Square Division of Reference and Research Services The Date Due Card in the pocket indi- cates the date on or before which this . book should be returned to the Library. Please do not remove cards from this pocket.